18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Abendfüllendes Abenteuer - endlich neu aufgelegt !!!, 4. November 2011
= Haltbarkeit:4.0 von 5 Sternen = Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen = Pädagogisch wertvoll:5.0 von 5 Sternen
Das geniale Kosmos-Spiel zu Tolkiens Fantasy-Saga ist nach langen Jahren also endlich wieder erhältlich. Davor wurden gut erhaltene Exemplare der 'Originalauflage' ja für weit mehr als das Doppelte gehandelt, die nun die neue Ausgabe kostet - also mal ein Lob an den Verlag für diese weise Wiederauflage.
AM TOLLSTEN (und pädagogisch wertvoll) an diesem strategischen und aufwendig gestalteten Brettspiel ist DIE GRUNDIDEE: alle Mitspieler/-innen müssen kooperieren, um den bösen Sauron (er agiert vermittels Ereigniskarten und Aufgaben aus dem Spiel heraus) gemeinsam zu besiegen und Mittelerde zu retten! Das gilt auch, falls sich einzelne Gefährten für die Gruppe 'opfern' müssen - gewinnen tun alle oder keiner!
Ob dies durch strategische Überlegungen der einzelnen Spieler/-innen je für sich erfolgt, oder ob die Gruppe viel kommuniziert und diskutiert, kann jede Spielrunde dabei nach eigener Neigung entscheiden.
Mir ist kein anderes Brettspiel bekannt, das den Gruppengedanken so konsequent und spannend umsetzt!!!
DIE AUSSTATTUNG ist auch in der Wiederauflage liebevoll und detailliert (Spielfiguren, Charakter- & Ereigniskarten, sog. 'Lebensplättchen') gelungen, und alles ist ausreichend stabil ausgeführt, um so einige Spieleabende zu überstehen; für Kleinkinderhände ist es aber wegen Kleinteilen nicht geeignet - aber diese Altersgruppe wäre mit der Komplexität des Spiels sowieso überfordert. Mir ganz persönlich hat die vormalige Optik zwar besser gefallen, aber das ganze kommt nun doch etwas dynamischer daher, ist der Zeit also angemessen.
SPIELVERLAUF UND offenbar auch REGELWERK haben sich offenbar nicht verändert: für den Aufbau muss man sich schon etwas Zeit nehmen und einen ausreichend großen Tisch o.ä. haben; und ein Erlernen des Spiels aus der beigefügten Anleitung erfordert erhöhte Konzentration und etwas Geduld - wem es möglich ist, die oder der lasse sich das Spiel lieber persönlich zeigen, oder mache erstmal ein paar Probespiele mit nur einem Teil der Regeln. Andererseits ist das Spiel aber damit so komplex, dass es lange nicht langweilig wird.
Die Mitspieler/-innen können bis zu vier einzelne Spielpläne (im Grundspiel; mehr werden es mit der Erweiterung "Die Feinde") pro Spiel durchlaufen, die an die Handlung im Roman "Herr der Ringe" angelehnt sind.
Eine gesamtes Spiel dauert, je nachdem, wie weit die Gruppe kommt oder wieviel debattiert wird, zwischen einer halben und auch mal an die zwei Stunden - also mehr etwas für lange Abende statt den rasanten Spielspaß zwischendurch; aber gerade das gefällt mir neben der Koop-Idee auch besonders daran.
Die Nähe zu klassischen Charakter-Rollenspielen ist unübersehbar (auch in diesem Spiel hat jeder der 2-5 Hobbit-Charaktere besondere Stärken und Schwächen, die es klug für die Gruppe einzubringen gilt), aber auch wieder nicht so groß, um klassische Brettspielfans wie mich abzuschrecken. Denn wenn man es einmal begriffen hat, haben die jeweiligen Spielzüge und ihre Phasen eine ganz klare, logische Reihenfolge. (Vielleicht sollte man also nach dem ersten Spiel erstmal eine Weile am Ball bleiben und sich mit den Abläufen vertraut machen, sonst geht das Studium der Anleitung beim nächsten Mal wieder von vorn los....!)
Die Elemente Taktik und Kooperation, die sicher eine hohe Rolle spielen, werden gut ergänzt durch Zufallselemente wie Würfelglück und ein paar günstige Ereigniskarten. Und eins ist auf jeden Fall: spannend!!! Durch die Varianten von Ereigniskarten, Zahl der Mitspielenden, Zusammensetzung der Gruppe etc. entstehen nämlich immer wieder neue Spieldynamiken. (Das Spannugselement läßt sich atmosphärisch übrigens verstärken, wenn Ihr Euch die schön düstere Filmmusik zu den Kinofassungen Peter Jacksons nebenbei anstellt - nervösere Zeitgenossen werden hierbei aber auch schon mal sehr überspannnt... *g*) Kenntnis der Tolkien-Werke mag zwar die Freude an den Werkparallelen steigern, ist aber nicht Voraussetzung! Der Gang bis zum Schicksalsberg gelingt hierbei nicht immer, aber dafür gibt es alternativ eine Wertungsskala, um auch bei Spielrunden, an denen Mittelerde an das Böse fällt, ein relatives Erfolgsergebnis zu ermöglichen.
Ein Wort noch zu den ERWEITERUNGEN bzw. den VERWANDTEN SPIELEN:
Die vormals fast völlig (!) vergriffene "Feinde"-Erweiterung hat es zum Glück und zu Recht mit in die Wiederauflage geschafft - sie hält konsequent am Kooperationsgedanken fest, und bietet neben zwei neuen Spielplänen, welche gut in das Hauptspiel eingebunden sind, die Möglichkeit, Sauron auch dadurch zu besiegen, dass man seine Schergen (Nazgul, Orks und ähnliches Gekröse) einen nach dem anderen niederringt, also nochmal eine ganze Reihe weiterer Varianten und ein noch abendfüllenderes Programm, an dem nun außerdem 2-6 Mitspielende teilnehmen können.
Daneben gab es vormals auch die "Sauron"-Erweiterung, die vielleicht noch gebraucht/ antiquarisch zu haben ist; neu aufgelegt wurde sie aber, soweit ich sehe, nicht. Ihre Ausstattung und Einbindung in das Hauptspiel ist zwar an sich auch gut gelungen; aber hier wird der Grundgedanke des Alle-für-einen-und-einer-für-alle preisgegeben, und eine/-r(von 3-6 Personen) übernimmt den Part des Bösen in einer Art Einer-gegen-Alle-Prinzip. Wer diese Schurkenrolle mag, kann an ihr sicher auch Freude haben, aber um die Gruppendynamik ist's schade.
Eigenständig sind das Herr-der-Ringe-Kinderspiel (ohne Kooperationsgedanke; aber dafür mit einfachen, kinderfreundlichen Regeln) und - offenbar recht neu - das Spiel "Der Hobbit". Letzteres ist wiederum ganz im Geiste des Originals, weil auch hier die Gruppe zusammenhalten muss, wenn sich ihr hier der böse Drache Smaug in den Weg stellt; entsprechend der literarischen Vorlage sind Spielverlauf und Regelwerk etwas kompakter als beim Herrn der Ringe - damit wohl vermutlich auch für brettspiel-fitte Kinder geeignet, was den Hobbit zukünftig vielleicht zum idealen Familienkompromiss avancieren lassen könnte. Ob es für Altersgruppen ab Teenager, die das 'Original' schon besitzen, eine zusätzliche lohnende Anschaffung ist, ist bei der gewissen Ähnlichkeit des Spielprinzips dann allerdings abzuwägen. (Habe den Hobbit erst einmal im Spieleladen meines Vertrauens probegespielt...)
KAUFEMPFEHLUNG FÜR:
... Tolkien-Fans
... Brettspiel-Freunde
... Pädagogische Einrichtungen für Kinder/ Jugendliche ab 12
... Leute, denen einfache Würfelspiele zu öde, aber Rollenspiele zu abgedreht sind
... das spannende Füllen langer Winterabende