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Rezensionen verfasst von
Erlkoenig (Rostock)

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Drakensang: Am Fluss der Zeit
Drakensang: Am Fluss der Zeit
Wird angeboten von Game World
Preis: EUR 4,99

128 von 133 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit viel Liebe gebacken, 19. März 2010
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Drakensang: Am Fluss der Zeit (Computerspiel)
Was hatte ich damals geschimpft: Eine Charaktererstellung, die jedem Rollenspiel Schande macht, güldenes Rüstwerk für meinen Magus und nicht enden wollende, immergleiche Schwertschwingerei - Drakensang 2008 war ambitioniert begonnen und fürchterlich überfordert veröffentlicht worden. Nicht so dieses Mal. Das Neue ist allenfalls halb so episch, doch dafür um einiges glaubhafter. Mit Drakensang: Am Fluss der Zeit gelang Radon Labs endlich eine würdige Auskopplung aus dem namenhaften Pen & Paper-Franchise.

Positives

Am Fluss der Zeit hat vor allem eines vorzuweisen: Leidenschaft für Rollenspiele. Erzählt wie eine kleine Gute-Nacht-Geschichte und bis ins Detail entworfen, spielt es in puncto Hingabe und Arbeitseifer der Entwickler in einer anderen Liga. Angefangen bei der sagenhaften Grafik, die mit warmen Tönen Licht und Schatten zu stimmungstragenden Säulen erhöht, über die zauberhafte Animation der quicklebendigen Welt, in der gehörnte Hausfrauen ihre Gatten mit Nudelhölzern durch die Gassen scheuchen und Kätzchen sich putzend auf Kisten sonnen, bis hin zur Synchronisation, die in dieser Qualität neue Maßstäbe setzt.

Speziell die Vertonung der Texte, im ersten Versuch nur angedeutet, hebt Am Fluss der Zeit auf ein neues Level der Unterhaltung. Schnell wird offenkundig, dass es sich hierbei um ein deutsches Rollenspiel handelt, geschrieben von deutschen Autoren für deutsche Fans des Genres. Unzählige Bezüge zu hiesigem Volksgut und heimischer Märchenkunde sowie die Einflechtung vieler verschiedener Dialekte und Sprachmelodien lassen Land und Leute so lebenswahr wirken, dass man sich wirklich in der Welt zu verlieren und die Zeit zu vergessen droht. Ein beispielhaftes Niveau, das zuvor nur Gothic 2 erklomm.

Bemerkenswert schien mir ferner, dass man offenbar Überstunden schob, um den Spieler überall hin zu begleiten. Während vermeintlich langweiligen Fußmärschen von einem Ort zum nächsten unterhalten sich die Spaziergänger fortwährend und verweisen auf die Umgebung - Langeweile tabu. Und selbst wenn die eigene Party bäuchlings den Boden beäugt, setzt die Rahmenhandlung ein. Der Erzähler hätte nur prüfen wollen, ob sein Ein-Mann-Auditorium ihm überhaupt noch zuhören würde. Das erinnerte mich ein bisschen an die kurzen Vierzeiler aus der Nordlandtrilogie, die ich noch heute darbieten könnte. Ja, ich musste damals ziemlich oft laden ...

Endlich wieder DSA: Ich bin kein Pen & Paper-Freund, aber ich habe mich, wie eben erwähnt, schon in den Neunzigern in diesen Gefilden herumgetrieben. Am Fluss der Zeit sah ich mich endlich wieder zurück daheim. Es gibt genügend dere'sche Anspielungen und die Zwölfe scheinen allgegenwärtig.

Wertfrei

Für den einen ein Grund zum Murren, dem anderen fällt ein Stein vom Herzen. Zwei Eigenarten erwähne ich daher ganz wertfrei. Dazu gehört zum einen, dass die Kämpfe vergleichsweise langsam ablaufen und hin und wieder ordentlich Zeit in Anspruch nehmen. Erklärte Action-Rollenspieler könnten mit offenen Augen einschlafen. Mich persönlich freute es gar, aber ich werde auch nicht jünger.

Die Haupthandlung ist verhältnismäßig überschaubar erzählt. Kein Grund zur Sorge, wie ich finde, da die reine Spielzeit - das Gros der Nebenquests inklusive - dennoch genug hergibt, um den vollen Kaufpreis zu rechtfertigen, von einem gegebenen Wiederspielwert ganz zu schweigen. Dennoch nimmt es Am Fluss der Zeit mit der monströsen Story des vor knapp zwei Jahren erschienen Sequels nicht auf. Alles wirkt soviel kleiner und kompakter. Was Fans des Vorgängers dauern könnte, stimmte mich wiederum glücklich. Mir persönlich war das erste Drakensang wenigstens eine Nummer zu kitschig.

Negatives

Ein Sternchen Abzug bedeutet natürlich gleichwohl, dass es Gründe zur Klage gibt. Wie schwer diese wiegen, entscheidet ihr einfach selbst. Mich schreckte jedenfalls keiner davon derart, dass ich den Kauf im Nachhinein bereuen würde.

Bedauerlich: Vier Begleiter an der Zahl - mehr werden es im Verlauf des gesamten Abenteuers nicht. Es müssen bestimmt keine Zehn wie noch im Ersten sein, wenn man eh nur drei Posten vergeben darf, aber vier waren mir, angesichts interessanter Begegnungen, dann doch einer oder zwei zu wenig. So können viele chice Ausrüstungsgegenstände gleich verkauft werden, wenn man die Klasse nicht selbst spielt und der Rest der Mannschaft versorgt ist. Logisch, dass einem die Wenigen dann umso mehr ans Herz wachsen. Dass ich am Ende einen meiner Treuesten auf dem Schiff lassen musste, fand ich doch unglücklich arrangiert.

Es gibt zwei Gebiete, die geradezu einfallslos aus der Reihe purzeln. Um nicht zuviel zu verraten, seien sie nicht beim Namen genannt, nur soviel: Es fehlt sowohl an einer wirklich packenden Binnenhandlung, als auch an abwechslungsreichen Gegnern, die die Mühe wert sind. Hier setzte der hohe Anspruch der Macher augenscheinlich kurz aus. Immerhin: Für das Hauptquest ist keines der beiden relevant.

Verhältnismäßig versiert fand ich mich in der Fortbildung meiner Streiter. Dennoch erreichte keiner dieser auch nur ansatzweise die Gefährlichkeit des gerufenen Skeletts meines Totenbeschwörers. Dabei war dieses eigentlich nur als Stütze und nicht als der Damage Dealer der Truppe gedacht. War es erst einmal mit dem Zweihänder zugange, erübrigten sich weitere Sprüche, da die Gegner zumeist hinüber, bevor die Zauber aufgesagt waren.

Die Charaktergenerierung wurde nur marginal verbessert und bleibt vor allem das Äußerliche betreffend mau. Die Identifikation mit der Hauptfigur ist demnach immernoch so eine Sache, die mir Probleme bereitet.

Und schließlich: Man findet definitiv zuviel Handwerksmaterial, das einfach zu wertlos ist, um es zu sammeln und zu verkaufen, in diesen Massen aber auch niemals Verwendung findet. Will man den Inhalt eines jeden Fasses und einer jeden Truhe nicht jedesmal sorgsam filtern, ist das Inventar ständig mit irgendeinem Plunder verstopft.

Fazit: Ein ganz klarer Pflichtkauf für Liebhaber klassischer, deutscher Rollenspiele sowie DSAler, die dem Medium nicht abgeneigt sind. Das Kampfsystem erfordert reges Mitdenken und ist nichts für Hack & Slay-Fans, hier aber auch nicht so aufdringlich wie noch im Vorgänger. Natürlich gibt es Verbesserungspotential, doch das macht dieses Mal Hoffnung auf einen weiteren Teil. Jede Wette, dass das nicht das Ende des Liedes war ...
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 1, 2013 1:01 PM CET


Dracula: Origin [UK Import]
Dracula: Origin [UK Import]
Wird angeboten von POSTED! FROM UK UNITED KINGDOM!, IMPORT UK GAMES
Preis: EUR 3,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stimmungsvoller Lückenfüller für Fans der Thematik, 18. März 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Dracula: Origin [UK Import] (DVD-ROM)
Eigentlich waren meine adventuregeilen Tage vorüber, die Zeiten mit Indy und Guybrush und grünen Tentakeln, da erspähte ich auf der privaten Software Pyramide eines Freundes die Originalausgabe Dracula: Origin's. In englischer Sprache, so dachte ich mir, könnte man es doch noch einmal versuchen und nebenbei gleich etwas lernen. Er rückte es bereitwillig heraus und ich stürzte mich ins Vergnügen ...

Von Anfang an offensichtlich: Das Spiel ist etwas für Liebhaber dunkler Mythen um spitze Zähnchen und willenlose Mädchen. Der Plot wird erzkonservativ erzählt, gleich so wie sämtliche Figuren erscheinen, auf die Protagonist Van Helsing im Laufe des viktorianisch gefärbten Abenteuers trifft. Eine Tatsache, die der ernsten und düsteren Stimmung fortweg zugute kommt. Es gibt also nichts zu Lachen und keine bunten Überraschungen. Wer Schenkelklöpfer sucht, sucht hier vergeblich. Dafür macht die Grafik einiges her.

Zur englischen Ausgabe: Hier glänzt die Synchronisation auf ganzer Linie. Speziell Van Helsing ist großartig besetzt, was im deutschen Pendant, glaubt man der Meinung eines Kunden, nicht der Fall ist. Bedenken hatte ich, des Englischen sehr wohl mächtig, aber eben kein Muttersprachler, selbstverständlich in Bezug auf Sprachfitness und Rätsel. Unbegründet, wie sich rasch herausstellte. Die Phonetik des Hauptdarstellers ist trotz osteuropäischem Akzent deutlich und damit einwandfrei verständlich. Spricht eine volksnahe Nebenfigur ein fieses Cockney, springt man schlicht zum Untertitel und liest, was sie da von sich gibt. Sämtliche Dialoge sind zudem im Tagebuch jederzeit nachlesbar. Wichtige Informationen gehen also auf gar keinen Fall verloren.

Das eigene Vokabular sollte, einleuchtend, schon ein stattliches sein. Dennoch reicht eine gute Zwei im Abi, um die Texte größtenteils auch ohne Wörterbuch zu meistern. Die Rätsel, die logisch zu lösen sind, werden nicht aufgrund linguistischer Barrierern zu Stolpersteinen. Die Unlogischen ergeben so oder so nur wenig Sinn. Ohne Lösungshilfe dürften drei oder vier Momente wohl nur von professionellen Vampirjägern oder kleinen Glückspilzen bewältigt werden. Mich jedenfalls zwangen sie in die Knie ...

Fazit: Stimmungstechnisch Spitzenklasse, über weite Strecken auch mit wenig Denkaufwand durchzuspielen und in einigen Augenblicken einfach zu schwer, machte mir Dracula: Origin dennoch soviel Spaß, dass ich es guten Gewissens empfehle. Wer ein Faible für die englische Sprache hat, sollte sich durchaus an der UK-Version versuchen. Ich empfand sie nicht als Hürde, sondern stets als interessante Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten auf die Probe zu stellen. Abzüge gibt es schließlich für die kurze Spielzeit und die Verlegenheit, ahnungslos herumzuprobieren, weil Hinweise nicht vorhanden sind.


Star Trek - Bridge Commander
Star Trek - Bridge Commander

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bewertung aus heutiger Sicht, 4. März 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Star Trek - Bridge Commander (Computerspiel)
Wird ein Spiel älter - oder sagen wir uralt, schließlich zählen hier doppelte Hundejahre - will es mitunter neu bewertet werden. Ganz besonders, wenn es ein Franchise fanatischer Fans bedient, die knapp zehn Jahre nach dem Ende der letzten TNG-Serie langsam aber sicher mit Entzugserscheinungen zu kämpfen haben und nahezu alles f..., ähm spielen, was die Palette hergibt. Gerade Bridge Commander steht da potentiell zur Debatte, zumal es gar auf modernen Betriebssystemen problemlos zum Laufen zu bringen ist.

Und es punktet neben der nicht selbstverständlichen Kompatibilität und Stabilität ferner mit zwei weiteren Vorzügen. Der Erste ist der des Flairs. Das hier ist Star Trek durch und durch. Was Nicht-Trekkies wahrscheinlich kalt lassen dürfte, trifft Fans der Thematik mit Sicherheit voll ins Herz. Die englische Synchronisation kommt der Stimmung gar entgegen, wie ich fand, als ich mich kürzlich noch einmal daran versuchte. Sprachlich außer Form Geratenen winken deutsche Untertitel, so dass keine wichtigen Informationen verloren gehen. Die Originalstimmen Datas und Picards, die ihrerseits Nebenrollen in Bridge Commander übernehmen, sind die Leserei allemal wert.

Der zweite Vorzug meint die nett aufgezogene Haupthandlung. Es gilt zwar selten, eigene Entscheidungen zu treffen und der Fokus liegt ganz klar auf Mord und Totschlag, aber man hat sich wenigstens inhaltlich um Abwechslung bemüht und so ein hübsches Finale erdacht.

Abzüge gibt es freilich dafür, dass das Sprachrohr des eigenen Schiffes nicht man selbst, also der Captain ist, sondern der Erste Offizier. Er diskutiert mit Freund und Feind, er weist die Crew an. Hier zollt man der Absicht Tribut, weiblichen Spielern Identifikationsspielraum mit der schwarzen Silhouette auf dem Cover lassen zu wollen. Unnötig und mehr als einmal auffällig unpassend, nicht zuletzt da die "Nummer 1" nicht unbedingt die Sympathischste ist. Ich fühlte mich jedenfalls nicht besonders gut vertreten.

Ein anderes Problem könnte sich im Laufe des fortweg spannenden, weil recht kniffligen Spielverlaufs stellen: Man tut doch immer dasselbe. Nur selten heißt es, mal nichts zu zerstören oder vor der Zerstörung zu bewahren. Schnell hat man den Dreh heraus und weiß, welche Subsysteme welches Schiffes zuerst auszuschalten sind. Die werden danach in jedem Scharmützel chronologisch abgearbeitet. Man trifft ohnehin fast immer auf die selben Gegner - viel gibt es demnach nicht zu lernen.

Fazit: Ganz klar, Grafik und Animation können es mit dem Jetzt und Heute nicht aufnehmen, aber im Fall von Bridge Commander scheint das auch nicht vonnöten. Das Genre an sich ist nicht so ausgeschöpft wie das der Ego-Shooter, das seit 2002 derartige Entwicklungssprünge machen musste, dass ein Vertreter dieser schon nach wenigen Jahren beinahe unspielbar wirkt, weil die Fassade ganz neue Ufer erschwommen hat. Hier ist die Optik schlicht nebensächlich und reicht allemal, um der Stimmung die Klinke zu reichen. Wer sich wenig für den Hintergrund erwärmen kann, lässt besser ganz die Finger davon. Denn selbst für Trekkies ist Bridge Commander nicht mehr als etwas für Zwischendurch ...


Mass Effect 2 (uncut)
Mass Effect 2 (uncut)

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bezüglich moderner Rollenspiele, 28. Februar 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Mass Effect 2 (uncut) (Computerspiel)
Machen wir uns nichts vor: Es gibt nicht viel, das recht ist, dieser erwartungsvollen Tage, in denen jeder drittklassige Zwergentreiber Wünsche äußern und eine Party zu Felde führen darf. Eine komplexverdächtig kurzgeratene Aufmerksamkeitsspanne, die kaum ausreicht, seinem eigenen Superstar einen Namen zu verpassen, geschweige denn das Inventar auszumisten, disqualifiziert doch niemanden mehr. Ganz im Gegenteil! Weniger Anspruch bedeutet weniger Arbeit für alle. Es sei denn, es soll so wenig Anspruch sein, dass es schon wieder knifflig wird, den Anschein von Qualität zu wahren. Dann kann fehlender Handlungsfreiraum ruck zuck Schufterei bedeuten, weil man Nacht für Nacht ein Dialogsystem ausfeilt, das in der Redaktionssitzung am Morgen darauf - weil viel zu kompliziert - wieder für Murks befunden wird. Und nicht zu vergessen: Virtuell hammerschwingende Spieleschmiede suchen bisweilen ja auch nach Selbstverwirklichung, ja, selbst wenn sie für Electronic Arts an der Esse stehen.

Die kleine, vermeintlich themenferne Einleitung führt mich prompt zum wichtigsten Wesenszug Mass Effect 2 (ME2). Das Spiel ist ein einziges Zugeständnis an die ungeduldige Nachkommenschaft der alten Garde Rollenspieler, die schon seit Hetmann Hyggelik Köpfe gegen Erfahrungspunkte tauscht. Wer glaubt, mit dem Terminus Action-Rollenspiel" wäre alles gesagt, irrt dieses Mal jedoch.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe den Vorgänger nicht gespielt, weil mich ein Rollenspiel-Third-Person-Shooter-Mix so gar scharf machen wollte. Zum Fortgang der Handlung kann ich also leider nichts sagen, ebenso wenig Vergleiche ziehen. Ich wurde dieses Mal lediglich schwach, weil mir der offizielle Launch-Trailer Frühlingsgefühle in der Lendengegend bescherte, die ich unmöglich ignorieren konnte. Bereut habe ich es nicht.

Positives

Grafisch ist ME2 ein echter Hingucker geworden - nun, für ein Spiel dieses Genres. Farb- und formvollendet sieht augenscheinlich alles chic aus - von der auf Hochglanz polierten Normandy bis zur genetisch aufgemotzten Vorzimmerdame. Nennenswerten Anteil an diesem Eindruck trägt nicht zuletzt das dank weniger Töne äußerst stilvoll gehaltene Design, das Land und Leute so lebenswahr wirken lässt.

Die Stimmung ist fortwährend düster und kühl arrangiert, was wenig verwundert, ist der Schauplatz des kleinen Abenteuers doch der unwirtliche, aber vor Dasein pulsierende Äther. Sämtliche Rassen unterscheiden sich übrigens optisch deutlich voneinander, ohne dabei skurril zu dünken. Nahtlos fügen sie sich in die glaubhafte Welt des Spiels. Der beste Beweis dafür: Schon nach wenigen Stunden wusste ich Salarianer, Batarianer, Kroganer, Vorcha, Asari und Turianer einwandfrei auseinanderzuhalten. Hatte ich zunächst noch für ausgeschlossen gehalten. Dem intensiven Ambiente zuträglich ist sicherlich darüber hinaus die komplette Synchronisation der Hauptfigur, die ich in diesem Umfang bisher nur aus den Gothic-Reihe kannte.

Mit einem eigenen Schiff ein Zuhause zu haben, dürfte Rollenspielern sehr zupass kommen. Das teilt sich seinerseits in vier Decks; es gibt also einiges abzulaufen. Spielereien, wie ein eigenes Aquarium, für das man Fische kaufen kann, eine Sammlung von Modellschiffchen sowie eine eigene Musikanlage mit verschiedenen Songs je nach Geschmack sollen auch Freizeit abseits des lebensmüden Gerangels da draußen simulieren. Ein mittlerer Applaus dieser netten Idee ...

Die einzelnen charaktergebundenen Quests der interessanten Crewmitglieder ähneln sich inhaltlich zwar häufig, da beispielsweise fast immer ein Familienmitglied desjenigen involviert ist, sind davon abgesehen aber sehr liebevoll inszeniert. Zuweilen sehr kurz und doch ... Der Lohn der Loyalität und das damit verbundene Freischalten neuer Fähigkeiten macht es einem zusätzlich schmackhaft, alle Wehwehchen zu lindern. Von potentiellen Techtelmechteln einmal ganz zu schweigen ...

Negatives

Die rollenspieltypischen Möglichkeiten, Hauptfigur und Anhang selbstbestimmt zu entwickeln, fallen mager aus. Niemand erwartet einen Personalbogen, wie bei Neverwinter Nights 2, aber das hier spottet jeder Beschreibung. Alles, was sich verstärken lässt, sind die Kräfte, derer es ohnehin nur in Extremsituationen bedarf - wenigstens auf normalem Schwierigkeitsgrad. Hier und da steigt Schaden und Gesundheit, keines der beiden ist jedoch an Attribute gebunden. Kurzum: Ich fühlte mich schlicht entmündigt ...

Steckt man einmal in einer Mission, bleibt wenig Entscheidungsfreiheit. Der Pfad ist idiotensicher vorgegeben und es gibt kein Zurück. Man muss auf dem Weg zum Ziel nur alles umlegen, was sich hinter einer Kiste zu verstecken versucht. Da habe ich gar Ego-Shooter gespielt, die mehr Vertrauen in meine Orientierungsfähigkeiten hatten.

Meistens spawnen die Gegner an einem nicht einzusehenden Ort. Mir blieb selbst als Scharfschütze mit Tarnvorrichtung also nichts anderes übrig, als alle nach und nach wie die Moorhühner aus den Latschen zu schießen, anstatt vorher schon einmal vorsichtig einen Blick auf Schlachtfeld und Feind zu werfen und mir - ungesehen - eine günstige Stellung auszugucken. Ist der Trigger einmal ausgelöst, rappelt es im Karton - unsichtbar oder nicht. Der normale Schwierigkeitsgrad stellt dabei keinerlei Anforderungen an Reaktion und Cleverness. Jedenfalls nicht, wenn man sich um die Upgrades kümmert. Künstliche Intelligenz ist spärlich vorhanden, Munition dafür zuhauf. Nicht einmal der Endgegner brachte mich in Verlegenheit, was nicht an mir gelegen hat. Ich ziele schlecht und schieße in Panik auch auf meine eigenen Leute.

Der rote Faden der Hauptgeschichte mutet knapp und einfallslos an. Versuche, mit einer Story in einer Story in einer Story künstliche Spannung und Überraschungsmomente zu schaffen, fruchteten meines Erachtens nicht. Wer sich da nicht auf jedes einzelne Nebenquest einlässt und Freude dabei empfindet, beraubt sich selbst der eingängigsten Passagen.

Zuletzt: Die Party-Mitglieder sind, wie oben schon erwähnt, sehr wohl unterhaltsam und abwechslungsreich gestrickt, allerdings im Grunde ihres Herzens allesamt gute Seelen. Keine Ahnung, wen ich da mitnehmen soll, wenn ich einen wirklich bösen Shepard mime. Beim ersten Mal war ich der strahlende Held und schon passte Arsch auf ... nun, alles fügte sich gar wundersam zu einem bilderbuchgleichen, beischlafreichen Happy End. Doch wer hält mir die Stange, wenn ich beim nächsten Mal schlechte Laune habe?

Summa Summarum: Richtig, die Negativ-Liste ist sehr wohl ein Stückchen länger als die der Lobhuldigungen, in meinen Rezensionen aber an der Tagesordnung. Vier Sterne vergebe ich im Fall Mass Effect 2 nichtsdestoweniger überzeugt, weil das Gesamtpaket ein spielenswertes, ja empfehlenswertes RPG abgibt, das mich in puncto Intensivität der Stimmung glatt umgehauen hat. Die actiondurchtränkten Shooter-Gefechte lagen mir wider meine Befürchtung weniger schwer auf dem Magen als das ordinäre, wendungsarme Hauptquest. Mit etwas Abstand weiß ich inzwischen, dass es sich lediglich am Rest des Plans orientierte. Es wollte in ein zeitgemäßes Rollenspiel passen, basta! Und wer will ihm das schon verdenken?


Star Wars: The Force Unleashed - Sith Edition
Star Wars: The Force Unleashed - Sith Edition
Wird angeboten von skgames
Preis: EUR 19,99

82 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Nein, meine Suppe ess ich nicht ...", 12. Februar 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
"Es wird keine PC-Version von Star Wars: The Force Unleashed (TFU) geben", hatte Lucas Arts vor, während und nach dem ersten Release wieder und wieder beteuert. "Nein, nicht für den PC!" Das Spiel sei so konzipiert worden, dass es sein volles Potential ausschließlich auf einer Konsole entfalten könne. Deshalb gäbe es "keine Fassung für den PC", so leid es auch täte. Am Ende siegte natürlich die Dunkle Seite der Macht - also nackte Geldgier. Und siehe da, es geht doch!

Nicht, dass man sich Mühe gegeben oder auch nur versucht hätte, die Portierung irgendwie zu verschleiern. Nein, nein! Schon das Menü ist nur mit den Pfeiltasten beziehungsweise welchen, die ich nur wirklich selten benutze, durchblätterbar. Und dann die netten Kombinationen, die in der WASD-Stellung nur mit einem Fingerspagat olympischer Qualität zu bewältigen sind. Als hätte man das Bittflehen Star Wars begeisterter PC-Nutzer nur widerwillig, ja zickig erhören wollen und ihnen den Wunsch am Ende mit einem "Hier, friss oder stirb!" gewährt.

Lässt man das einmal beiseite, glänzt TFU doch immerhin als das, was es eigentlich sein soll: Ein geradliniges "Hüpf & Hau drauf!" im Stile Prince of Persias und God of Wars vor dem Hintergrund Star Wars'. Et voilà! Die Grafik des Spiels ist wirklich chic geraten, wenngleich in den Optionen nicht weiter anpassbar. Noch so ein Konsolen-Indiz.

Es folgt ein actionreiches Spielerlebnis, wie man es von einem Vertreter dieses Genres erwarten darf. Es macht durchaus Spaß, mit der Macht herumzuspielen, Feinde schweben zu lassen und sie auf andere zu schleudern oder in der Luft mit einem Machtblitz zu grillen. Die Story ist spannend erzählt und die rollenspielerischen Möglichkeiten, den Protagonisten zu "pimpen" sowie das Outfit und die Farbe des Lichtschwertkristalls auszuwählen, verleihen dem Ganzen ein bisschen mehr Spieltiefe, als man es von einm Hack & Slay üblicherweise erwartet. In einem ist TFU gar fabelhaft und das ist die Stimmung. Mehr Star Wars in Bild und Ton dürfte nur schwerlich machbar sein. Quick Time Events choreografischer Vollendung vergegenwärtigen, dass hier Machtbegabte die Klingen schwingen. Es zieht nur eben alles aufgrund der Hektik schnell an einem vorüber.

Gibt's eine Kaufempfehlung? Zum Neupreis ausschließlich für jene, die sowohl Fans der Thematik als auch der Gattung sind - und zwar bedingungslose Anhänger. Allen anderen würde ich empfehlen, zu warten, bis es etwas günstiger ist oder die Software Pyramide um einen weiteren Stein ausbaut. Das oberflächliche Vergnügen ist nämlich zudem ein ziemlich kurzes, selbst mit den Bonusleveln der Sith Edition kam ich nur auf knapp vierzehn Stunden Spielzeit ...
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2010 4:51 PM CET


Sherlock Holmes: Das Geheimnis des silbernen Ohrrings [Adventure Classics]
Sherlock Holmes: Das Geheimnis des silbernen Ohrrings [Adventure Classics]
Wird angeboten von Ihr-Heimkino-
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wenn Rätselraten zum Glücksspiel wird ..., 9. Februar 2010
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
"Ihr Kriminalhelden seid so lange so clever gewesen, dass ihr euch inzwischen wie Götter vorkommt. Mit der billigsten Effekthascherei führt ihr eure Leser an der Nase herum. Ihr quält sie mit aus den Fingern gesogenen Schlüssen, die keinen Sinn haben. Noch auf den fünf letzten Seiten führt ihr Charaktere ein, die im ganzen Buch mit keinem Federstrich erwähnt werden. Informationen werden zurückgehalten, damit ja keiner errät, wer der Täter ist."

Schmunzelnd erinnerte ich mich an das Plädoyer des Antagonisten Lionel Twain, der da am Ende der Persiflage "Eine Leiche zum Dessert" mit dem Krimi-Genre abrechnete und die aberwitzigen Einfälle dahergelaufener Autoren an den Pranger stellte, denn das soeben gespielte Adventure verdiente ebenfalls Schelte. Schelte dafür, dass es ein großes Rätselraten, wie ich mich ihm schon seit Loom und Monkey Island gestellt hatte, zu einem Glücksspiel verkommen ließ.

Mir war Holmes immer schon etwas suspekt gewesen, selten konnte ich ihm in Buch und Film wirklich folgen und lange haderte ich mit mir. Lag es daran, dass ich zu wenig Romane gelesen hatte oder an einer Unfähigkeit, logische Schlüsse zu kombinieren? So oder so, dieses Spiel tat es ihm gleich, was nicht daran lag, dass ich zu faul war, nach den gut versteckten Hinweisen zu suchen, oder mich weigerte, die auf Timing basierenden Aufgaben anzugehen. Vielmehr störten mich jene, die nur bis zu einem gewissen Grad mit Logik zu knacken waren und mich schließlich zwangen, einfach drauf loszuraten.

Enttäuschend so auch der Schluss. Hier ist der Spieler angehalten, die vorliegenden Beweise und Indizien zu einer Beschuldigung zu kombinieren. Vertut man sich, übernimmt alsgleich das Spiel Arbeit und Vergnügen. "Lass mich mal, schaffst es ja doch nicht", schien es mir sagen zu wollen. Eine zweite Chance gab es nicht. Und schon merkt man, dass man im Laufe des kleinen Abenteuers allenfalls die Nebenrolle Dr. Watsons, nie jedoch die des Meisterdedektives selbst übernommen hatte. Was der nun nämlich aufführte, um den Täter zu überführen, setzte Informationen voraus, auf die ich zeitspielens nicht einen Hinweis gefunden hatte. Klar, hatte ich es am Ende gepackt, aber wohl kaum dank Kraft meines Geistes.

Fazit: Was das Spiel bietet, ist originales Sherlock Holmes-Flair mit allem, was dazu gehört. Eben dafür mache ich gerne einen Stern locker. Bei der Einhaltung literarischer Vorgaben vergaßen die Macher jedoch, dass es hier auch ein Computerspiel-Genre zu bedienen gilt. Ohne mich aus der Pflicht zu nehmen, wage ich zu bezweifeln, dass die Lösung des Falls am Ende nachvollziehbar gestaltet wurde. Und es wäre doch schön gewesen, mit dem Gefühl zu verschwinden, die Mühe des Knobelns wäre belohnt geworden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 10, 2010 4:18 PM MEST


Star Trek - Armada
Star Trek - Armada

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Perfektes Star Trek-Flair und moderne Kompatibilitätsprobleme, 7. Februar 2010
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Star Trek - Armada (Computerspiel)
Star Trek Armada ist ein in die Jahre gekommenes Echtzeitstrategiespiel, das das Flair der filmischen Vorlage seinerzeit großartig auf den heimischen Rechner zu portieren wusste. Inhaltlich orientiert sich die Story an den Geschehnissen um TNG und DS9.

Auf der Suche nach dem mysteriösen Omega-Partikel verschlägt es den Spieler auf vier verschiedene Seiten des Konflikts. Während die Föderation eine besorgniserregende Nachricht aus der Zukunft erhält, fallen die Klingonen tiefer in cardassianisches Terretorium ein. Derweil versuchen die Romulaner aus dem Verborgenen heraus die Strippen zu ziehen und selbst die Borg greifen nach dem Strohhalm, um den Anschluss nicht zu verpassen. Und der ist rund und leuchtet ...

Als Strategiespiel allein wird Star Trek Armada wenig Ruhm ernten. Die einzelnen Parteien unterscheiden sich taktisch kaum von einander und in den meisten Missionen heißt es, obgleich diese überaus abwechslungsreich inszeniert sind, massenhaft Kriegsmaschinerie zusammenzuraffen und dem Feind geballt entgegenzuwerfen. Natürlich profitieren die grünblütigen Heimlichtuer dabei vom Wissen um die Tarnung ihrer Warbirds, und Borgs eben davon, gegnerische Ziele mit Leichtigkeit assimilieren zu können. Das Ende einer jeweiligen Aufgabe bleibt dennoch fast immer das gleiche ... Dumm nur, wenn die wieder einmal darin besteht, alle gegnerischen Einheiten zu zerstören und eine dieser sich in einem tödlichen Nebel versteckt hat, so dass man sie kaum finden kann. Dann braucht es nicht nur taktische Raffinesse, sondern auch unendlich viel Geduld.

Die Stärke des Spiels liegt stattdessen in seinem Ursprung und den gekonnt erzählten Parallelen zu diesem. Das hier ist Star Trek, wie es im Buche steht, und es erinnern nicht nur die Namen der Schiffe sowie die orinalen Synchronstimmen an das, was man aus dem Fernsehen kennt. Auch wichtige Figuren, wie Locutus von Borg, Commander Sela und Duras' Sohn Toral, sind in die Handlung eingeflochten. Das macht für Fans der Serien natürlich einiges her.

Ein echtes Problem ist die Stabilität und Kompatibilität mit modernen Systemen. Schon damals meldeten Spieler enorme Performanceschwächen, wenn nicht Windows 98 das zugrunde gelegte Betriebssystem war. Es folgten Zicken mit nVidia-Grafikkarten und AMD-Modellen und schließlich 64 Bit- und Mehrkern-Prozessoren. Als ich es vor wenigen Tagen noch einmal installierte, bedurfte es erst einmal einer Auflösungsanpassung, um überhaupt etwas erkennen zu können. Danach musste ich erzwingen, dass das Spiel auf beide Kerne zurückgreift, damit der Maus-Lag, der das Ganze unsteuerbar machte, verschwand. Und dennoch stürzt es hier und da ohne Vorwarung ab.

Die fehlenden taktischen Alternativen und die Kompatibilitätsprobleme verdienen schlicht Abzüge, wenngleich ich das Spielen nichtsdestoweniger sehr genossen habe. Zum Kauf würde ich jedoch ausschließlich echten Trekkies raten. Wer nicht auf dem Franchise besteht, ist mit anderen Vertretern des Genres wahrlich besser bedient.


Robin Hood: Die Legende von Sherwood [Software Pyramide]
Robin Hood: Die Legende von Sherwood [Software Pyramide]

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebevoll und vielschichtig entworfen, 2. Februar 2010
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Es braucht schon ein ausgeprägtes Faible für Echtzeit-Taktik oder eine blumige Leidenschaft für alles, was mit dem Helden Nottinghams einhergeht, um auf dieses Spiel abzufahren. Vor diesem Hintergrund jedoch ist Robin Hood: Die Legende von Sherwood einmalig. Wir hatten das Weltkriegsszenario in drei Commandos-Teilen bis zum Erbrechen und auch Wildwest-Ambiente in Desperados zu genüge. Dieses Mal geht es ins Mittelalter.

Für dieses Wagnis sei den Machern schon einmal ein gedachtes Sondersternchen zugesprochen. Mut zur Abwechslung zeigt sich nicht überall und dann noch hin zu eben der lauen Action, wie man sie aus den Filmen der Fünfziger und Sechziger kennt ...? Chapeau! Das Konzept greift dennoch, weil die Vielseitigkeit bei Laune hält. So ist es dem Spieler überlassen, ob er sich still und heimlich durch eine Mission stielt und dabei vorsichtig einen Gegner nach dem anderen ausschaltet oder gleich alles umlegt, was keine grünen Strumpfhosen trägt. Knifflig: Wer im Laufe der Handlung viele Soldaten tötet, verliert Zulauf in den eigenen Reihen und muss zum Teil auf die Unterstützung der Bevölkerung verzichten. Und die braucht es, wenn man dem Sheriff ans Leder will. Während der Kampagne bedarf es nämlich nicht nur einer ausgefeilten Mikrotaktik in jeder einzelnen Mission, sondern auch einer übergreifenden. Verbündete wollen gewonnen und eroberte Städte verteidigt werden.

Zum Sondereinsatzkommando Robins zählen natürlich altbekannte Namen in Strumpfhosen. Bruder Tuck, Little John, Will Scarlet und Lady Marian - sie alle haben individuelle Fähigkeiten, derer man sich bedienen darf, um das jeweilige Ziel zu erreichen.

Fazit: Für Liebhaber der Thematik und Fans des Genres sicherlich eine lohnenswerte Investition. Taktiklastige Echtzeitstrategie kommt in die Jahre und wird in dieser Form wohl nicht mehr entwickelt werden. Da kauft man doch gerne das, was derart unterhaltsam umgesetzt wurde. Einen Stern ziehe ich meiner Wertung aufgrund der wiederkehrenden, nichtssagenden Missionen ab, die hin und wieder zwischen die des eigentlichen Plots geschoben werden. Sie wirken nach dem zweiten Durchlauf schlicht eintönig ...


Tom Clancy's Splinter Cell: Double Agent [Software Pyramide]
Tom Clancy's Splinter Cell: Double Agent [Software Pyramide]
Wird angeboten von marion10020
Preis: EUR 6,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Im kalten Schatten des Vorgängers, 2. Februar 2010
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Ja, man versuchte etwas, erklärte Sam zum Vogelfreien und erdachte ein doppeltes Spiel, das nach dem großartigen Chaos Theory eigentlich nur schwächer werden konnte. So war es dann auch. An die hauseigene Außenstelle in Shanghai abgeschoben, tat Splinter Cell: Double Agent sich sichtlich schwer damit, eben so zu erscheinen, wie es ursprünglich angedacht war. Da wurden Missionen geschnitten oder gleich ganz weggelassen, versprochene Features gecancelt und der attraktive Coop-Modus nur für die Konsolenausgaben umgesetzt.

PC-Fans müssen abermals zähneknirschend Abstriche machen. Dafür bleibt dem Spieler eine Entscheidungsfreiheit, die sich jedoch schon bald als "oberflächlich" entpuppt und keineswegs den Wiederspielwert steigert. Die Grafik selbst wurde freilich nicht schlechter, protzt aber auch nicht mit Verbesserungen, die andere Versäumnisse vergessen machen. Der Rest ist klassisches Splinter Cell-Gameplay. Was dem Spiel tatsächlich fehlt, ist die sagenhafte Handlungsdichte des Vorgängers. Vielleicht hätte das einst geplante Zusammenspiel mit einem vom Computer gesteuerten Agenten noch etwas gerettet, so jedoch fehlt es an einer echten Innovation.

Die Maps sind zuweilen sehr unübersichtlich entworfen, was es besonders schwer macht, zwischen den Aufträgen der NSA und denen der JBA hin- und herzuspringen, ohne die Orientierung zu verlieren. Die Herausforderung, innerhalb einer bestimmten Zeit den richtigen Weg zu finden, übersteigt die, einen ehrgeizigen Wachmann abzuschütteln, häufig bei weitem. Aus einem Stealth-Shooter wird ein Jump & Run.

Just diese Mankos kosten es glatt zwei Sterne. Was bleibt, ist ein durchschnittliches Schleichspiel, dessen Macher die interessante Idee eines Doppelagenten nur mäßig umzusetzen wussten. Weshalb man die nette Anzeige, wie sichtbar man nun wirklich ist, zugunsten eines grün leuchtenden Punktes strich, ist mir zudem ein Rätsel. Damit empfehle ich es allenfalls waschechten Fisher-Fans, nicht jedoch Spielern, die zum ersten Mal ins Stealth-Genre schnuppern wollen.


Deutsche Küche: Die köstlichsten Rezepte
Deutsche Küche: Die köstlichsten Rezepte
von Parragon
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit netter Dessert-Abteilung, 2. Februar 2010
Es war vor ein paar Jahren: Ich hatte meine Mutter leichfertigerweise nach ihrem Rezept für Kartoffelsuppe gefragt, das sie augenscheinlich nur unwillig herausrückte, da brachte der letzte Weihnachtsmann doch tatsächlich dieses kleine Kochbuch für mich, anstatt den Flachbildfernseher, den ich auf meinen Wunschzettel gemalt hatte. Mama lächelte herzlich: "Weil du doch immer nach Rezepten fragst ..." Ich lächelte zurück. Und das nach einer Kartoffelsuppe ...

Jedenfalls hatte ich in den letzten vier Wochen Gelegenheit, das gute Stück zu studieren und das eine oder andere Gericht nachzukochen. Kartoffelsuppe sei auch darin, hatte sie mir versprochen, und in der Tat, so war es dann auch. Ahnend, dass sie früher oder später fragen würde, wie diese denn geschmeckt hätte, als hätte sie das Buch nur deshalb für mich erstanden, versuchte ich mich alsgleich daran. Das Ergebnis war ernüchternd ...

Natürlich enthält das Buch beinahe alle deutschen Klassiker, vom Rheinischen Sauerbraten über Arme Ritter bis hin zur gefüllten Ente. Das "Mini Gourmet", auf der kleinen Abbildung des Covers nur zu vermuten, macht aus mitunter deftiger, rustikaler deutscher Küche jedoch kleine Kunstwerke, die dementsprechend schwer nachzukochen sind oder am Ende mehr dem Auge als dem Gaumen schmeicheln. Die Bilder machen Appetit, keine Frage, scheinen aber gehobene Fertigkeiten mit der Pfanne zu erwarten. Rehschäufele in Wachholderrahm, Wildschwein in Burgunder, Kräuterforelle in Weißwein - herrje, ich wollte Kartoffelsuppe.

Die sah am Ende wie Apfelmus aus und schmeckte wirklich mild. Ich tröstete mich mit einem Streuselkuchen aus der Dessert-Abteilung, der eigentliche Hingucker dieses Büchleins. Dort fand ich kleine Herausforderungen, wie meinen Kuchen, und große, wie eine Baumkuchentorte, für die ich mir eine Woche Urlaub nehmen müsste.

Kaufempfehlung: Zu dem Preis? Wieso nicht! Die Gerichte sehen am Ende nicht aus wie bei Muttern, sondern wie in der Haute Cuisine, sind jedoch kurz und knapp erläutert. Das Sternchen Abzug begründet sich darin, dass die Zutatenliste nicht immer volksnah gehalten wurde. Dafür kann ich Naschkatzen die Rubrik der Nachspeisen ruhigen Gewissens ans Herz legen.


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