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Rezensionen verfasst von
Erlkoenig (Rostock)

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Saboteur
Saboteur
Wird angeboten von Mymediawelt
Preis: EUR 49,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Typischer Sandbox-Shooter mit gewagtem Setting, 19. April 2010
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Saboteur (Computerspiel)
Nun, gewagt schien er jedenfalls mir, der eigenwillige Spagat, den EA's Pandemic Studios in ihren letzten Atemzügen darboten, um der unvermeidlichen Auflösung noch zu entgehen. Tatsächlich war es höchste Zeit. Man hatte mit Mercenaries 2 und Der Herr der Ringe: Die Eroberung wiederholt unter Beweis gestellt, dass gute Spiele woanders entstehen und Sinn für Humor nicht jeden Lapsus kaschiert. Das gilt auch für Saboteur, wenngleich durchaus lobenswerte Ansätze auszumachen sind.

Kurzer Exkurs: Unter Sandbox-Shootern verstehe ich vornehmlich Titel, in denen dem Spieler eine offene respektive nach und nach frei zugängliche Welt zur Verfügung steht, mit der im Vordergrund die Haupthandlung vorangetrieben wird. Die GTA-Reihe, Scarface, Der Pate und Saints Row fallen zum Beispiel darunter. Saboteur ist praktisch nichts anderes ...

Die häufig erwähnte Stealth-Komponente, die angeblich aus einem simplen Third Person-Shooter einen "Mix" machen soll, meint allenfalls Versteckspielerei für Anfänger. Die Möglichkeiten, sich selbst an ein Ziel heranzuschleichen, beschränken sich auf Klettertouren entlang der Häuserfassaden Paris' sowie lustige Kostümbälle, die jedoch ein ums andere Mal in eine zünftige Schießerei münden. Wozu dann der Aufwand im Vorfeld? Die kleinen Refugien, in die es sich nach aufsehenerregenden Anschlägen zu flüchten gilt, erinnerten mich an Assassins Creed. Mit "Stealth" hatte das schon damals nur wenig zu tun.

Der Rest der Agenda besteht aus dem Üblichen, was in Sandbox-Abenteuern so ansteht. Man klaut Autos, liefert sich Verfolgungsjagden, vervollständigt die private Waffensammlung und sprengt Einrichtungen des Feindes. Hatte ich alles schon einmal gesehen und aus Gründen der Langeweile eigentlich ad acta gelegt. Bei Saboteur griff ich dennoch zu, da ich mir von dem ernsten Setting Abwechslung und Anspruch versprach. Das war, im Nachhinein zugegeben, gewiss ein bisschen naiv.

Annehmbar: Das Mühen der Macher, der französischen Hauptstadt Ambiente und Charme einzuflößen, verdient alle Achtung. Musik und Optik machen die Bühne glaubwürdig. Handlung und Hauptdarsteller sind zwar beileibe nicht innovativ, fügen sich aber ordentlich zu einem großen, durchschnittlichen Ganzen. So mimt man einen flapsigen Iren, der nach persönlichen Differenzen mit der SS der Résistance unter die Arme greift. Punktum!

Mein Fazit: Wer glaubt, der Schwarz-Weiß-Look uneroberter Stadtteile sowie das historische Setting könnten auf eine Revolution des Genres deuten, irrt. Schlussendlich ist Saboteur nicht mehr als Grand Theft Auto und Co. Die Darstellung der Wehrmacht gleicht, wie wir es aus Übersee kennen, abermals mehr einer Karikatur denn der Wirklichkeit. "Inglourious Basterds" erkennen die bösen Jungs also locker trotz der retuschierten Swastikas in der deutschen Version des Spiels. Ungepatcht könnte es zudem zu grafischen Aussetzern sondersgleichen kommen. Mein Monitor beispielsweise zeigte zunächst nur Schwarz. Zum Kauf sei nur Fans der Gattung geraten. Wer um Sandkästen bis dato einen großen Bogen gemacht hat, behält das hier einfach bei.

Venetica
Venetica
Wird angeboten von software and more
Preis: EUR 4,59

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Frauen und Kinder zuerst!, 15. April 2010
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Venetica (Computerspiel)
Venetica - klingt irgendwie ... romantisch-verträumt, geheimnisvoll und eine Spur bedrohlich. Gleich so, als könne man sich an dem scharfen "c" schneiden. Ein Genius, der diesen Titel erwählt. Bedauerlich, dass dahinter ein Spiel für Frauen und Kinder steckt, das sehr wohl mit einer netten Idee daherkommt, doch aufgrund funktionaler Mängel und stimmungstechnischem Unvermögen kaum ernst genommen werden kann. Lasst mich versuchen, die Vorwürfe zu erklären ...

Jeweils ein Sternchen Abzug für:

Technische Unzulänglichkeiten - Es sind derer nach Patch 1.02 nicht mehr so viele, dass sie das Spielerlebnis nervtötend stören, aber genügend, um den Abzug zu rechtfertigen. Kritikwürdig scheint mir vor allem die Grafik, vornehmlich, wenn ich sie an den Hardware-Anforderungen messe. Venetica frisst Ressourcen wie eine Milchkuh Löwenzahn, dennoch bedurften die Licht- und Schatteneffekte zweier Patches, um mit Hängen und Würgen die Klasse zu halten, von "Wow!" ganz zu schweigen. Unschöne Clipping-Fehler gibt's natürlich noch immer für alle, die fürchten, mit einem späten Einkauf das Beste verpasst zu haben. Hinzu kommen garantierte Abstürze, wenn man das Spiel in die Taskleiste schieben möchte, um online nach einer Lösung für ein Problem zu googeln. Schwierigkeiten, einen Ort zu finden oder einen Endgegner auf die Bretter zu schicken? Kein Ding! Spiel speichern, beenden, die Lösung studieren und danach erneut starten. Lösung vergessen, bevor es wieder zur Sache geht? Was soll's!? Spiel einfach speichern, beenden ... Methoden wie im Mittelalter.

Die Protagonistin - Scarlett ist zarte fünfzehn, vielleicht sechzehn Jahre alt und, wie sich jüngst herausstellte, des Todes kleiner Liebling. Mit langen, braun-gelockten Haaren, großen, finster geschminkten Äuglein und einem unschuldig weißen, ja strahlenden Kleidchen sieht sie wirklich herzallerliebst aus. Man möchte sich schützend vor sie stellen und ihr väterlich raten, sie solle ihre kleinen Brüste nicht in ein so enges Mieder stopfen, ehe sie wenigstens achtzehn ist, ... und danach einen richtigen Helden steuern. Den Kerl in schwerer Rüstung zum Beispiel, der ihr mit freundschaftlichen Umarmungen höchst anständig den Hof macht. Doch nichts da ...

Scarlett ist der Inbegriff moderner Mangahelden, die Weiterentwicklung von Sailor Moon. Im Grunde noch immer als kleines Mädchen, aber absolut furchtlos tritt sie allem und jedem entgegen. Mit einem Schürhaken piesakt sie Assassinen und mit einem mannshohen Streithammer wuchtet sie Türen entzwei. Die Kleidung bleibt fortwährend gothisch, wahrscheinlich steht sie auf Nightwish. Wie alt muss man sein, um sie als Retterin der Welt ernst zu nehmen? Denn ernst will sie genommen werden, also ernst genommen ... ihr wisst schon. Zumal sie sich selbst als Neutrum verkauft und ihre Umwelt nicht einmal im Traum darauf käme, mit ihren in Leder verpackten Vorzügen zu kokettieren. Niemand baggert sie an, keiner lacht sie aus, wie sie es als Schnuckiputzi allemal verdienen würde. Stattdessen heißt man sie kumpelhaft einen "Kollegen". Soetwas lasse ich mir zähneknirschend bei einer miesen deutschen Lokalisierung eines fremdsprachiges Produktes gefallen, doch dieses hier ist "Made in Germany".

Spiel und Hauptcharakter nehmen sich selbst also furchtbar wichtig, Humor fällt gänzlich aus. Das machte es mir unmöglich, irgendeine Beziehung zu Plot und Protagonistin aufzubauen. Die Welt, in der sie geht, reagiert so realitätsfern und so fernab dessen, was ich amüsant oder interessant finde, dass mir der Zugang zu ihr bis zum Schluss verwehrt blieb. Und aus dem Alter, in dem ich weiblichen Hauptdarstellern eine Chance gab, weil ich ihnen aus der Third Person-Perspektive auf den Hintern glotzen konnte, bin ich leider heraus beziehungsweise noch nicht. Mit 80 dann gerne wieder ...

Das Setting - Venedig! Warum Venedig? Pardon, doch was hat die Stadt der Liebenden (oder war das Paris?) mit untoten Fürsten und Nekromantie, mit Fantasy gemein? Mir fehlt der Bezug zueinander und die damit verbundene Glaubwürdigkeit der Geschichte. Mich beschlich, die Macher wären lediglich zu faul gewesen, eine eigene Welt zu erdenken. Oder sie hatten Angst, ohne Referenz zu etwas derart Bekanntem Aufmerksamkeit einzubüßen. Man hätte vielleicht sogar einen anderen Namen fürs Spiel wählen müssen, was wäre da aus "Venetica" geworden? Die mittelmäßige Grafik weiß die traumhafte Kulisse jedenfalls kaum zu würdigen. Wer Venedig sehen und sterben will, greift besser zu Assassins Creed II.

Der verdiente Stern:

Das Kampfsystem ist für ein Action-Rollenspiel ordentlich. Es bedeutet in erster Linie, viel zu klicken - vor allem gegen tierische Gegner, die durch einen unablässigen Schlaghagel prima von eigenen Angriffen abgehalten werden können - hat aber durchaus auch taktische Züge. Stufenaufstiege setzt es alle Nase lang, wodurch sich Scarlett stetig verbessert und merkbar stärker wird. Aufgrund der vielen Fertigkeitspunkte kann sich zudem wohl kaum jemand in der Skillung vertun. Ich hatte stets mindestens 50 davon in Reserve, wobei eine Fertigkeit 10 Punkte kostet.

Unglücklich arrangiert: Eine echte Spezialisierung ist nicht zu empfehlen. Madame sollte beinahe jede der vier Waffengattungen beherrschen, weil regelmäßig Gegner auftauchen, die nur mit einer bestimmten zu bezwingen sind. Auch auf Magie ist nicht zu verzichten. Will heißen: Es braucht partout einen Streithammer im Gepäck - ganz gleich, wie lächerlich sie damit auch aussehen mag. Und Feinde, die fliegen, sind mit einem Schwert nunmal nicht aus den Wolken zu holen. Also muss ein Zauber her - ob man will oder nicht.

Ein Bonussternchen für:

Die nette Idee der zwei Pfade: Scarlett hat durch verschiedene Talente und Zauberkräfte die Möglichkeit, den Pfad der Schatten, also das Foyer des Reichs der Toten zu betreten. Die Umgebung sieht dann ein bisschen so aus, als hätte Frodo den Ring angesteckt. In der Zwischenwelt finden sich Menschen, die noch nicht loslassen wollen und unserem Mäuschen zu Diensten sind. Ein hübscher Einfall, den ich durchaus zu schätzen wusste, auch wenn er verdächtig an Ghost Wisperer erinnert.

Kurzum: Venetica mag mit einer tollen Idee angegangen, aber gewiss nicht ausgereift veröffentlicht worden sein, was vor allem anhand der technischen Unzumutbarkeit des ungepatchten Spieles offensichtlich wird. Das Setting wirkt hilflos, wie an den Haaren herbeigezogen, die Story scheinheilig düster und wie für Kinder erzählt. Die optische Aufmachung unterstreicht das. Damit zielt es natürlich auf ein bestimmtes Publikum, das vornehmlich junge Gelegenheitsspieler umfasst, auf gar keinen Fall aber alte Recken des Genres. Wer Ansprüche an Stimmung und Stimmigkeit auf ein Mindestmaß herunterschrauben kann, darf es mit dem letzten Patch dennoch einmal versuchen. Wenigstens die Gesamtspielzeit rechtfertigt den vollen Kaufpreis nämlich durchaus.

Batman: Arkham Asylum
Batman: Arkham Asylum
Wird angeboten von games.empire
Preis: EUR 12,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schichtwechsel in der Irrenanstalt, 10. April 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Batman: Arkham Asylum (Computerspiel)
Auf der Gefängnisinsel Arkham tanzt der Teufel, als Scherzkeks Joker eine imposant inszenierte Rebellion anzettelt und alles, was in Gothams Unterwelt Rang und Namen hat, plötzlich auf freiem Fuße ist. Praktisch, dass Batman zufälligerweise alte Freude besucht und die nun nötige Aufräumaktion höchstpersönlich überwacht. Im Schutze der Dunkelheit stellt er sich Manie und Wahnsinn ...

Mit Batman: Arkham Asylum bietet sich allen Fledermausfreunden ein Bild, das in seinen rauchigen Grün- und Gelbtönen sehr an die filmische Deutung des Stoffes erinnert, wie sie Tim Burton Anfang der Neunziger auf die Leinwand brachte. Grafik und Animation wissen die düstere Stimmung großartig zu stützen. Hier glänzt das Spiel ohne Zweifel, selbst wenn man das Gros der Action notgedrungen aus dem blaumelierten Detektiv-Modus heraus verfolgt, weil Gegner und wichtige Gegenstände so leichter zu erkennen sind.

Der Dunkle Ritter selbst hingegen ist optisch vor allem der Comicvorlage nachempfunden. Will heißen: Schwarzes Cape und schwarze Maske, aber graue Unterwäsche samt Batlogo auf der Brust. Das kostet ihn wenig Coolness, wird er doch von Christian Bales deutscher Stimme synchronisiert, die hier und da zwar sehr wohl etwas tiefer klingt, allerdings nicht derart verzerrt, wie man es zuletzt in "The Dark Knight" vernahm. So oder so: Der Wiedererkennungswert macht einiges her und sie passt einfach vorzüglich zu dem Charakter.

Glaubhaft entworfen schienen mir auch die Übeltäter, allen voran der morbide Clown. Die Figur des Jokers hat mit der Darstellung Ledgers allerdings gar nichts zu tun und erinnert gerade optisch an die Nicholsons. Punkto Redefreudigkeit toppt er gar beide, was mir zwischenzeitlich schon einmal gehörig auf die Nerven ging. Er ist also eine schrille Karikatur eines durchgeknallten Kriminellen und nichts, was einem wirklich Angst machen will. Dass unser Hauptdarsteller dem Antagonisten bis zum Ende jedoch dauernd einen Schritt hinterher scheint und diesen so gar nicht in Verlegenheit bringen kann, entmutigte mich beinahe. Joker weiß anscheinend alles und der Flattermann mimt das Mäuschen im Labyrinth.

Im Laufe des Abenteuers ist es an Batman, dem Spinner mit dem bezaubernden Lächeln den Garaus zu machen. Der hat vorsorglich schon einmal Harley Quinn, Scarecrow, Bane und Poison Ivy freigelassen, um ein bisschen Zeit zu gewinnen. Und siehe da, es funktioniert. Ehe man den Mädels den Po versohlt und die Muskeljungs ausgeknipst hat, ziehen ein paar Stündchen ins Land. In denen tut man doch leider nur allzu oft das Gleiche. Batman hangelt sich entweder mit manigfaltigen Spielzeugen von einem Vorsprung zum nächsten und sammelt die kleinen Trophäen des Riddlers ein oder er vermöbelt die Schergen des Jokers. Sucht er Streit, läuft das entweder still und leise oder mit einem Knall ab. Ganz einfach: Verfügen die Gegner über Schusswaffen, pirscht man sich tunlichst an sie heran und erledigt sie ungesehen. Ist eine kleine Meute lediglich mit Wasserrohren bewaffnet, wird nicht lange gefackelt. Rein in den Mob und ab die Post! Der Mann mit den Ohren erledigt irgendwann auch locker acht bis zehn von denen auf einmal. Knifflig wird es erst wieder, wenn Messer und Elektroschocker im Spiel sind.

Das Gameplay langweilte mich im letzten Drittel des Spiels dann doch merkbar, weil selbst die Zwischengegner stets auf die selbe Art und Weise Ärgern machten und dementsprechend immer ähnlich auf die Bretter zu schicken waren.

Für Menschen mit einer Sammelneurose hält Arkham neben den Rätseln des Riddlers auch noch zahlreiche Patientengespräche parat, die ihrerseits Erfahrungspunkte bringen und helfen, Hintergrundinformationen zu den Vögeln zu liefern, die einem da über den Weg laufen. Speziell die Erfahrungspunkte lassen sich prima anlegen und in neue Fähigkeiten und Ausrüstung investieren.

Enttäuschend: Das suggerierte Sandbox-Wesen des Spiels trügt. Die Aufgaben sind meistens schnurgerade abzuarbeiten und das Management Batmans Gegenschlages nie ihm selbst überlassen.

Summa Summarum: Zwischen drei und vier Sternen hätte ich geschwankt, wollte ich Batman: Arkham Asylum bezogen auf Abwechslung und Originalität bewerten, vier werden es schlussendlich, weil man das Thema viel stimmungsvoller kaum umsetzen kann und das finstere Ambiente wirklich mitreißend ist. Dennoch bleiben die Anforderungen an den Spieler flach. Für ein Beat 'em Up ist es am Ende zu einfach, für ein Stealth-Spiel nicht ausgefeilt genug. Ein nettes "Hau Drauf" für zwischendurch ...

Nachträglicher Hinweis: Achtung, um Batman: Arkham Asylum spielen zu können, wird ein Xbox Live-Account sowie eine stete Verbindung zum Netz benötigt. Wer derlei Spiele nur ungerne kauft, sei auf die Option verwiesen, einen Offline-Account anlegen zu können. Eine Internetverindung ist dann nicht vonnöten.

Overlord 2
Overlord 2
Wird angeboten von Game World
Preis: EUR 15,21

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Everybodys Darling, 8. April 2010
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Overlord 2 (Computerspiel)
Jede Wette: Da steckt ein kleiner Overlord in jedem von uns. Ein niederträchtiger, egozentrischer, skrupelloser Sklaventreiber, der nach der Weltherrschaft giert, dafür im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht und nicht davor zurückschreckt, dicke Elfenweiber zu meucheln, falsch, meucheln zu lassen. Als glücklicher Gewinner einer Horde kleiner Superschergen macht man sich schließlich nicht mehr die Finger schmutzig. "Outsourcing" heißt das Schlagwort oder wie Opa es immer zu deuten pflegte: "Ein Antreiber ist mehr wert als zehn Arbeiter!" Recht hatte her!

Overlord 2 spielt sich wie eine süffisante Ode an das Fantasy-Genre, was schon die Vorgeschichte von sich behaupten durfte. Tatsächlich setzt es der gar die Krone auf. In jedem Winkel der Welt, in jeder Sekunde des Abenteuers scheint offensichtlich, dass die Entwicklungsarbeit hier soviel Spaß gemacht haben muss, dass Überstunden Tauschgut wurden. Ein Gag jagt den nächsten, eine Anspielung auf die großen Vorbilder folgt der anderen. Und obschon die Story bei diesen Darstellern höchstens Begleitmusik ist, führt sie Schergen und Meister an die buntesten, interessantesten und komischsten Orte, die das Märchenland je gesehen hat.

Ein Wort zum Spielprinzip, den Neueinsteigern zuliebe: Als Spieler steuert ihr den Overlord, sprich einen hochgewachsen, düster vermummten Despoten mit leuchtend gelben Augen, durch eine Welt, die vor Karikaturen und Parodien auf sich beinahe zu platzen droht. Wer Jacksons Herr der Ringe-Saga liebt und es damit nicht zu ernst nimmt, wird sich in Overlord 2 prächtig aufgehoben fühlen. Der Protagonist ist dem Schöpfer des Einen Rings schließlich nicht versehentlich merkbar nachempfunden. Und wie der böse Spiegel, so scheucht man selbst eine kleine Armee Untertanen durch die Landen, um das Werk des Vaters zuende zu führen. Per WASD-Steuerung kontrolliert man den eigenen Charakter aus der Third Person-Perspektive, ein Mausklick lässt die Schergen ausschwärmen. Schergen sind übrigens kleine, gremlinartige Wesen, die für ihren Herren mit soviel Inbrunst und Leidenschaft über die Klinge springen, dass einem wahrlich das Herz aufgeht. Sie plündern Häuser, Truhen und Kisten, metzeln Feind und Freund und schaffen alles, was sich als nützlich erweisen könnte, zu ihrem heißgeliebten Gebieter.

Taktisch reizvoll wird es angesichts der Tatsache, dass es vier verschiedene Arten von Schergen gibt. Während die Braunen die lebensmüde Infanterie stellen, die es mit allem und jedem aufnimmt, haben sich die Roten aufs Feuer und den Fernkampf spezialisiert. Grüne können sich unsichtbar machen und aus dem Hinterhalt angreifen, wie waschechte Assassinen eben. Und Blaue? Blaue schwimmen und beleben tote Kumpanen wieder. Ohne ein bisschen Mircomanagement kommt man also nicht weit.

Gütigerweise bleibt genug Zeit, sich peu à peu an alles zu gewöhnen. Für all jene, die sich bereits durch den Vorgänger massakrierten, bleiben neue Strategien mit den unterschiedlichen Reittieren zu erschließen. Berittene Wölfe durchbrechen zum Beispiel geschlossene Formationen des Kaiserreiches, von denen ansonsten alles andere abprallt.

Neu im Vergleich zum ersten Teil: Schergen steigen nun mit erledigten Gegnern im Level und können dadurch stärker werden. Erwischt es dann doch einmal einen der Liebgewonnenen, darf man ihn auf dem Friedhof wieder zum Leben erwecken, im Tausch gegen ein paar andere, versteht sich. Zudem wurde das Zaubersystem bedauerlicherweise entschärft. Ohne Schergen in petto sieht es dieses Mal wirklich düster aus und das nicht im apokalyptisch-hoffnungsvollen Sinne. Ebenfalls Abzüge setzt es dafür, dass man hier und da zwar die Wahl zwischen gut und böse hat, allerdings oft unklar ist, welche Aktion wie bewertet wird.

Fazit: Zieht den Kauf in Betracht, ganz gleich, was ihr sonst so spielt! Soviel schmunzeln wie in diesem Spiel durfte ich selten. Sowohl die erdachte Welt als auch die kleine Gemeinschaft irrer, treudoofer Minimonster, die einem um die Füße wuseln, sind derart liebevoll und putzig entworfen, dass ich Overlord 2 gar Gästen aus anderen Genren ans Herz legen würde. Spiele wie dieses genießen schlicht eine Ausnahmestellung ...

Call of Juarez: Bound in Blood (Uncut)
Call of Juarez: Bound in Blood (Uncut)

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Yeehaa!, 24. März 2010
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Jetzt habe ich doch beinahe zehn Minuten über eine treffende Überschrift für diese kurze Revision sinniert, ehe "Yeehaa!" das Casting und damit die Rolle gewann. Nicht sonderlich originell, schon klar, wohl aber äußerst passend. Wieso, weshalb, warum, erläutere ich etwas später. Zunächst das Wesentliche ...

Call of Juarez: Bound in Blood ist nicht nur Antwort auf das Bittflehen jeder armen Seele, die das geliebte Cowboy und Indianer seit Kindestagen vergöttert, Bullys Parodie als Affront empfand und jedes Mal wieder in Tränen ausbricht, wenn Winnetou das Tomahawk abgibt, sondern auch Sermon auf das Genre in all seinen kitschigen Facetten. Wer Western liebt und die WASD-Stellung nicht für etwas Unanständiges hält, kommt hierdran nicht vorbei. Gleichwohl gibt es nur vier, nicht fünf Sterne von mir.

Schuld daran trägt nicht das Ambiente. Dieszogen stimmt einfach alles, wenn man es gerne klassisch und erzkonservativ mag. Musikalisch bewegt sich Bound in Blood zeitgemäß zwischen Ennio Morricone und Rammstein, was mich dazu animierte, zuweilen im Takt zu feuern. Die Grafik ist exquisit und die deutsche Synchronisation immerhin so gelungen, dass sie den Rest nicht trübt. Alles in allem ist hier ein durch und durch stimmiger Western entstanden, der sich obendrein auch noch hautnah erleben lässt.

Im Vergleich zum Vorgänger haben sich zwei bemerkenswerte Dinge geändert. Zum einen ist man nicht mehr allein unterwegs, sondern in den meisten Fällen wenigstens zu zweit. Dadurch entsteht ein besonderes Gefühl des Teamworks, zumal der McCall-Bruder, den man gerade nicht selber mimt, ordentlich abräumt, ohne einem die Verantwortung, selbst von Zeit zu Zeit eine Rothaut aus dem Sattel zu schießen, abzunehmen. Wunderbar ausbalanciert, wie ich fand. Der Eindruck, man sei nicht allein, wird dadurch verstärkt, dass ständig reger Austausch zwischen den beiden Teufelskerlen herrscht. Sie ziehen sich gegenseitig auf, feuern sich an, loben den jeweils anderen für tolle Schüsse und bedanken sich, wenn der eine dem anderen den Hintern gerettet hat. Ich habe mich in einem Shooter selten so gut aufgehoben gefühlt.

Ding zwei betrifft die Abwechslung. In den meisten Missionen entscheidet der Spieler selbst, welchen der beiden Brüder er steuern will. Die Unterschiede sind marginal, aber vorhanden. Bestand zwischen Billy und Ray im Vorgänger noch ein himmelweiter Unterschied, ist der indes kleiner geworden. Das liegt auch daran, dass fast jede Situation schlussendlich in eine wilde Schießerei ausartet, in der aus allen Rohren gefeuert wird. Geschicklichkeits- und Schleichpassagen wie noch im ersten Teil gibt es nicht mehr. Ergo: Am Ende zählt eh nur ein Talent. Wer die Abwechslung im Sequel noch genossen hatte, schaut nun in die Röhre. Wer sowieso nur auf die Ballerei scharf war, wird drei Kreuze machen.

Den Abzug von einem Sternchen rechtfertige ich mit zwei Versäumnissen. Versäumnis Nummer 1: Der fehlende Coop-Modus. Herrje, wenn nicht in diesem Spiel, in welchem dann? Es wäre weißgott perfekt dazu geeignet gewesen. Und Nummer 2: Die Spielzeit ... Ich habe für den ersten Komplettdurchlauf auf normalem Schwierigkeitsgrad, und jetzt aufgepasst, sechs Stunden und dreißig Minuten gebraucht! Mit einer Schussgenauigkeit von 38 Prozent. Ich habe also nicht jeden Gegner auf Anhieb erwischt, falls jemand es damit erklären wollte. Laut Statistik bin ich allenfalls Durchschnitt, brauche viel Munition und hatte nicht einmal versucht, einen Rekord aufzustellen, allerdings auch nicht getrödelt ... Ich kenne die Zahlen übrigens so genau, weil es am Ende eine Auswertung gibt.

Fazit: So kitschig das "Yeehaa!" klingen mag, so sehr ist es dieses Spiel. Die Darstellung der Mexikaner, Indianer und der beiden Titelhelden wird dem gerecht, was man gemeinhin als Erwartung an die Klassiker des Genres betrachtet. Und damit sind nicht die Italo-Western Leones gemeint, sondern just die Filme, in denen einhundert federbeschmückte Comanchen mit Pfeil und Bogen ein befestigtes Fort angreifen und von mit Winchestern bewaffneten Soldaten empfangen werden. Nur ein bisschen blutiger, als man es aus den Karl May-Verfilmungen kennt, was jedoch nicht über das schnulzige Ende hinwegtäuscht. Abwechslung ist all jenen geboten, die vor einem zweiten Durchlauf nicht zurückschrecken. Hier kann man mit dem jeweils anderen McCall auch Abschnitte durchlaufen, die vorher nicht spielbar waren. Wer dem jedoch eher abgeneigt ist und wenig Lust auf den Multiplayer hat, wartet besser, bis es im Preis gefallen ist. Knapp sieben Stunden sind einfach erschreckend wenig ...

Dracula 3 - Der Pfad des Drachen (DVD-ROM)
Dracula 3 - Der Pfad des Drachen (DVD-ROM)
Wird angeboten von EurPlay
Preis: EUR 7,93

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durch Mark und Bein, 21. März 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
So kurz nach dem Abspann des kleinen Abenteuers, es ist wohl eine Stunde vergangen, haben es sich zwei Erkenntnisse in meinem Geiste bequem gemacht. Zum einen die, dass ich nicht nur zu faul, sondern gleichwohl zu dumm für den Pfad des Drachen wäre und Unsterblichkeit schon deshalb nicht in Aussicht steht. Die Zweite glaubt, dass ich noch nie ein Adventure gespielt habe, das stimmungstechnisch auch nur annähernd an Dracula 3 heranreicht. Ein zweischneidiges Vergnügen, das nicht jedermanns Sache sein dürfte ...

Es ist das beklemmende, düstere, verlassene Ambiente, das dem Spiel seinen Charme verleiht. Es handelt sich hierbei nicht um ein Point & Click-Adventure, sondern um eines im Stile Mysts. Der Spieler verfolgt das Geschehen aus der Ego-Perspektive, die deutlich mehr Identifikationsspielraum mit dem Protagonisten lässt. So sieht man Nacht und Nebel quasi durch seine Augen. Schließlich schwindet die Distanz zu dem, was ihm widerfährt, und man gerät zwangsläufig in den Bann der Legende, um die sich alles rankt.

Die Stimmung ist es also, worauf sich Dracula 3: Der Pfad des Drachen verlässt, vielleicht auch verlassen muss. Nicht jeder Fan der Thematik steht auf derart knackige Rätsel und nicht jeder Rätselliebhaber mag diese Perspektive. Dennoch könnten sich beide Parteien ob der durchweg spannenden und mitreißenden Story genötigt fühlen, Vladoviste einen längeren Besuch abzustatten. Apropos: Vla - do - viste, ein kleines Dorf im vom Ersten Weltkrieg gebeutelten Rumänien, über dessen Silhouette die Ruine eines geheimnisvollen Schlosses thront - das einstige Zuhause des sagenumwobenen sowie umstrittenen Befreiers Vlad Tepes.

Als die ortsansässige Ärztin das Zeitliche segnet und der Vatikan mit einer Heiligsprechung liebäugelt, soll Pater Arno Moriani die Umstände ihres Ablebens untersuchen. Doch er ist nicht der Einzige, den die Ungereimtheiten immer tiefer in die Angelegenheit zerren ...

Gruselig? Oh ja, wenngleich nicht derart, dass man die "Ist mir zu kompliziert!"-Ausrede über die Maßen strapaziert. Vielmehr gelingt es dem Spiel, dem ausgesaugten Dracula-Mythos neues Leben und gar etwas Unheimliches einzuhauchen. Keine Ahnung, wann mir angesichts einer Vampirgeschichte das letzte Mal ein kalter Schauer über den Rücken lief, aber ich muss wohl dreizehn gewesen sein. Hier war es nochmal soweit.

Das eigentliche Problem ist die Schwere des Falls oder besser die Schwere der Rätsel. Ich hatte nach der Lektüre einiger Rezensionen wirklich Zweifel, ob ich es überhaupt versuchen sollte, wagte es dann aber doch und durchlief die erste Hälfte des Spiels, ohne auch nur einmal die Komplettlösung zur Hand zu nehmen. Ich hielt mich schon für ein kleines Genie, ehe mich die Wirklichkeit im Sauseschritt einholte. Spätestens im letzten Drittel gab ich mich endlich geschlagen.

Das Zermürbende an den Aufgaben: Sie erfordern zuweilen nicht nur seitenweise Lesearbeit, sondern darüber hinaus unsagbar viel Geduld sowie die Bereitschaft, viel Zeit in einen Lösungsversuch zu stecken, nur um am Ende festzustellen, dass das gar nichts gebracht hat. Sinn und Unsinn des eigenen Tuns offenbaren sich häufig erst sehr spät. Das raubte mir schließlich den Mut, ganz zu schweigen davon, dass ich auf einige Lösungsansätze bei aller Liebe nicht gekommen wäre. Interdisziplinäre Knobelleidenschaft ist ebenfalls unumgänglich. Pater Moriani ist nämlich Spezialist für alles: Das Knacken bizarrer Codes, mathematische Zahlenfolgen, das Interpretieren linguistischer Wortspiele, medizinische Analysen, die kleine Elektrik, chemische Experimente und das fachgerechte Entschärfen von Bomben. Das bedeutet nur leider, dass der Spieler selbst von allem ein bisschen Ahnung haben sollte. Das macht das Ganze sehr abwechslungsreich, aber natürlich auch um Längen schwieriger als gewöhnliche Adventures.

Fazit: Ein stimmungsvoller Abstecher in die Draculasage, der mich in Tiefgründigkeit und Intensivität wirklich vom Hocker gehauen hat. Sowohl die so sympathische Hauptfigur als auch das gruselige Flair werden mich das Erlebte noch lange nicht vergessen lassen. Was die Rätsel angeht, möchte ich dennoch warnende Worte sprechen. Ich erkläre mein Können gewiss nicht zum Maß aller Dinge, aber zu dem dieser Rezension und in diesem Fall musste ich gerade zum Ende hin einfach zu oft in die Auflösung linsen. Und nicht jedes Mal gab es den Aha-Effekt. Wer derlei Eingeständnisse zu machen bereit ist oder im Gegensatz dazu zur besonders hartnäckigen und ausgebufften Fraktion gehört, sollte es einfach versuchen. Wer, wie ich selbst, sich vor allem an der Geschichte erfreuen will, tut gut daran, wenigstens ein paar Spielstunden ohne Hilfe zu investieren, um in die Handlung und zu den Figuren zu finden, und dann unter Anleitung weitermachen. Es lohnt sich so oder so.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 30, 2012 11:47 PM MEST


Drakensang: Am Fluss der Zeit
Drakensang: Am Fluss der Zeit
Wird angeboten von skgames
Preis: EUR 5,99

124 von 129 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit viel Liebe gebacken, 19. März 2010
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Drakensang: Am Fluss der Zeit (Computerspiel)
Was hatte ich damals geschimpft: Eine Charaktererstellung, die jedem Rollenspiel Schande macht, güldenes Rüstwerk für meinen Magus und nicht enden wollende, immergleiche Schwertschwingerei - Drakensang 2008 war ambitioniert begonnen und fürchterlich überfordert veröffentlicht worden. Nicht so dieses Mal. Das Neue ist allenfalls halb so episch, doch dafür um einiges glaubhafter. Mit Drakensang: Am Fluss der Zeit gelang Radon Labs endlich eine würdige Auskopplung aus dem namenhaften Pen & Paper-Franchise.

Positives

Am Fluss der Zeit hat vor allem eines vorzuweisen: Leidenschaft für Rollenspiele. Erzählt wie eine kleine Gute-Nacht-Geschichte und bis ins Detail entworfen, spielt es in puncto Hingabe und Arbeitseifer der Entwickler in einer anderen Liga. Angefangen bei der sagenhaften Grafik, die mit warmen Tönen Licht und Schatten zu stimmungstragenden Säulen erhöht, über die zauberhafte Animation der quicklebendigen Welt, in der gehörnte Hausfrauen ihre Gatten mit Nudelhölzern durch die Gassen scheuchen und Kätzchen sich putzend auf Kisten sonnen, bis hin zur Synchronisation, die in dieser Qualität neue Maßstäbe setzt.

Speziell die Vertonung der Texte, im ersten Versuch nur angedeutet, hebt Am Fluss der Zeit auf ein neues Level der Unterhaltung. Schnell wird offenkundig, dass es sich hierbei um ein deutsches Rollenspiel handelt, geschrieben von deutschen Autoren für deutsche Fans des Genres. Unzählige Bezüge zu hiesigem Volksgut und heimischer Märchenkunde sowie die Einflechtung vieler verschiedener Dialekte und Sprachmelodien lassen Land und Leute so lebenswahr wirken, dass man sich wirklich in der Welt zu verlieren und die Zeit zu vergessen droht. Ein beispielhaftes Niveau, das zuvor nur Gothic 2 erklomm.

Bemerkenswert schien mir ferner, dass man offenbar Überstunden schob, um den Spieler überall hin zu begleiten. Während vermeintlich langweiligen Fußmärschen von einem Ort zum nächsten unterhalten sich die Spaziergänger fortwährend und verweisen auf die Umgebung - Langeweile tabu. Und selbst wenn die eigene Party bäuchlings den Boden beäugt, setzt die Rahmenhandlung ein. Der Erzähler hätte nur prüfen wollen, ob sein Ein-Mann-Auditorium ihm überhaupt noch zuhören würde. Das erinnerte mich ein bisschen an die kurzen Vierzeiler aus der Nordlandtrilogie, die ich noch heute darbieten könnte. Ja, ich musste damals ziemlich oft laden ...

Endlich wieder DSA: Ich bin kein Pen & Paper-Freund, aber ich habe mich, wie eben erwähnt, schon in den Neunzigern in diesen Gefilden herumgetrieben. Am Fluss der Zeit sah ich mich endlich wieder zurück daheim. Es gibt genügend dere'sche Anspielungen und die Zwölfe scheinen allgegenwärtig.

Wertfrei

Für den einen ein Grund zum Murren, dem anderen fällt ein Stein vom Herzen. Zwei Eigenarten erwähne ich daher ganz wertfrei. Dazu gehört zum einen, dass die Kämpfe vergleichsweise langsam ablaufen und hin und wieder ordentlich Zeit in Anspruch nehmen. Erklärte Action-Rollenspieler könnten mit offenen Augen einschlafen. Mich persönlich freute es gar, aber ich werde auch nicht jünger.

Die Haupthandlung ist verhältnismäßig überschaubar erzählt. Kein Grund zur Sorge, wie ich finde, da die reine Spielzeit - das Gros der Nebenquests inklusive - dennoch genug hergibt, um den vollen Kaufpreis zu rechtfertigen, von einem gegebenen Wiederspielwert ganz zu schweigen. Dennoch nimmt es Am Fluss der Zeit mit der monströsen Story des vor knapp zwei Jahren erschienen Sequels nicht auf. Alles wirkt soviel kleiner und kompakter. Was Fans des Vorgängers dauern könnte, stimmte mich wiederum glücklich. Mir persönlich war das erste Drakensang wenigstens eine Nummer zu kitschig.

Negatives

Ein Sternchen Abzug bedeutet natürlich gleichwohl, dass es Gründe zur Klage gibt. Wie schwer diese wiegen, entscheidet ihr einfach selbst. Mich schreckte jedenfalls keiner davon derart, dass ich den Kauf im Nachhinein bereuen würde.

Bedauerlich: Vier Begleiter an der Zahl - mehr werden es im Verlauf des gesamten Abenteuers nicht. Es müssen bestimmt keine Zehn wie noch im Ersten sein, wenn man eh nur drei Posten vergeben darf, aber vier waren mir, angesichts interessanter Begegnungen, dann doch einer oder zwei zu wenig. So können viele chice Ausrüstungsgegenstände gleich verkauft werden, wenn man die Klasse nicht selbst spielt und der Rest der Mannschaft versorgt ist. Logisch, dass einem die Wenigen dann umso mehr ans Herz wachsen. Dass ich am Ende einen meiner Treuesten auf dem Schiff lassen musste, fand ich doch unglücklich arrangiert.

Es gibt zwei Gebiete, die geradezu einfallslos aus der Reihe purzeln. Um nicht zuviel zu verraten, seien sie nicht beim Namen genannt, nur soviel: Es fehlt sowohl an einer wirklich packenden Binnenhandlung, als auch an abwechslungsreichen Gegnern, die die Mühe wert sind. Hier setzte der hohe Anspruch der Macher augenscheinlich kurz aus. Immerhin: Für das Hauptquest ist keines der beiden relevant.

Verhältnismäßig versiert fand ich mich in der Fortbildung meiner Streiter. Dennoch erreichte keiner dieser auch nur ansatzweise die Gefährlichkeit des gerufenen Skeletts meines Totenbeschwörers. Dabei war dieses eigentlich nur als Stütze und nicht als der Damage Dealer der Truppe gedacht. War es erst einmal mit dem Zweihänder zugange, erübrigten sich weitere Sprüche, da die Gegner zumeist hinüber, bevor die Zauber aufgesagt waren.

Die Charaktergenerierung wurde nur marginal verbessert und bleibt vor allem das Äußerliche betreffend mau. Die Identifikation mit der Hauptfigur ist demnach immernoch so eine Sache, die mir Probleme bereitet.

Und schließlich: Man findet definitiv zuviel Handwerksmaterial, das einfach zu wertlos ist, um es zu sammeln und zu verkaufen, in diesen Massen aber auch niemals Verwendung findet. Will man den Inhalt eines jeden Fasses und einer jeden Truhe nicht jedesmal sorgsam filtern, ist das Inventar ständig mit irgendeinem Plunder verstopft.

Fazit: Ein ganz klarer Pflichtkauf für Liebhaber klassischer, deutscher Rollenspiele sowie DSAler, die dem Medium nicht abgeneigt sind. Das Kampfsystem erfordert reges Mitdenken und ist nichts für Hack & Slay-Fans, hier aber auch nicht so aufdringlich wie noch im Vorgänger. Natürlich gibt es Verbesserungspotential, doch das macht dieses Mal Hoffnung auf einen weiteren Teil. Jede Wette, dass das nicht das Ende des Liedes war ...
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 7, 2011 6:16 PM MEST


Dracula: Origin [UK Import]
Dracula: Origin [UK Import]
Wird angeboten von PNA247
Preis: EUR 9,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stimmungsvoller Lückenfüller für Fans der Thematik, 18. März 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Dracula: Origin [UK Import] (DVD-ROM)
Eigentlich waren meine adventuregeilen Tage vorüber, die Zeiten mit Indy und Guybrush und grünen Tentakeln, da erspähte ich auf der privaten Software Pyramide eines Freundes die Originalausgabe Dracula: Origin's. In englischer Sprache, so dachte ich mir, könnte man es doch noch einmal versuchen und nebenbei gleich etwas lernen. Er rückte es bereitwillig heraus und ich stürzte mich ins Vergnügen ...

Von Anfang an offensichtlich: Das Spiel ist etwas für Liebhaber dunkler Mythen um spitze Zähnchen und willenlose Mädchen. Der Plot wird erzkonservativ erzählt, gleich so wie sämtliche Figuren erscheinen, auf die Protagonist Van Helsing im Laufe des viktorianisch gefärbten Abenteuers trifft. Eine Tatsache, die der ernsten und düsteren Stimmung fortweg zugute kommt. Es gibt also nichts zu Lachen und keine bunten Überraschungen. Wer Schenkelklöpfer sucht, sucht hier vergeblich. Dafür macht die Grafik einiges her.

Zur englischen Ausgabe: Hier glänzt die Synchronisation auf ganzer Linie. Speziell Van Helsing ist großartig besetzt, was im deutschen Pendant, glaubt man der Meinung eines Kunden, nicht der Fall ist. Bedenken hatte ich, des Englischen sehr wohl mächtig, aber eben kein Muttersprachler, selbstverständlich in Bezug auf Sprachfitness und Rätsel. Unbegründet, wie sich rasch herausstellte. Die Phonetik des Hauptdarstellers ist trotz osteuropäischem Akzent deutlich und damit einwandfrei verständlich. Spricht eine volksnahe Nebenfigur ein fieses Cockney, springt man schlicht zum Untertitel und liest, was sie da von sich gibt. Sämtliche Dialoge sind zudem im Tagebuch jederzeit nachlesbar. Wichtige Informationen gehen also auf gar keinen Fall verloren.

Das eigene Vokabular sollte, einleuchtend, schon ein stattliches sein. Dennoch reicht eine gute Zwei im Abi, um die Texte größtenteils auch ohne Wörterbuch zu meistern. Die Rätsel, die logisch zu lösen sind, werden nicht aufgrund linguistischer Barrierern zu Stolpersteinen. Die Unlogischen ergeben so oder so nur wenig Sinn. Ohne Lösungshilfe dürften drei oder vier Momente wohl nur von professionellen Vampirjägern oder kleinen Glückspilzen bewältigt werden. Mich jedenfalls zwangen sie in die Knie ...

Fazit: Stimmungstechnisch Spitzenklasse, über weite Strecken auch mit wenig Denkaufwand durchzuspielen und in einigen Augenblicken einfach zu schwer, machte mir Dracula: Origin dennoch soviel Spaß, dass ich es guten Gewissens empfehle. Wer ein Faible für die englische Sprache hat, sollte sich durchaus an der UK-Version versuchen. Ich empfand sie nicht als Hürde, sondern stets als interessante Gelegenheit, die eigenen Fähigkeiten auf die Probe zu stellen. Abzüge gibt es schließlich für die kurze Spielzeit und die Verlegenheit, ahnungslos herumzuprobieren, weil Hinweise nicht vorhanden sind.

Star Trek - Bridge Commander
Star Trek - Bridge Commander

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bewertung aus heutiger Sicht, 4. März 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Star Trek - Bridge Commander (Computerspiel)
Wird ein Spiel älter - oder sagen wir uralt, schließlich zählen hier doppelte Hundejahre - will es mitunter neu bewertet werden. Ganz besonders, wenn es ein Franchise fanatischer Fans bedient, die knapp zehn Jahre nach dem Ende der letzten TNG-Serie langsam aber sicher mit Entzugserscheinungen zu kämpfen haben und nahezu alles f..., ähm spielen, was die Palette hergibt. Gerade Bridge Commander steht da potentiell zur Debatte, zumal es gar auf modernen Betriebssystemen problemlos zum Laufen zu bringen ist.

Und es punktet neben der nicht selbstverständlichen Kompatibilität und Stabilität ferner mit zwei weiteren Vorzügen. Der Erste ist der des Flairs. Das hier ist Star Trek durch und durch. Was Nicht-Trekkies wahrscheinlich kalt lassen dürfte, trifft Fans der Thematik mit Sicherheit voll ins Herz. Die englische Synchronisation kommt der Stimmung gar entgegen, wie ich fand, als ich mich kürzlich noch einmal daran versuchte. Sprachlich außer Form Geratenen winken deutsche Untertitel, so dass keine wichtigen Informationen verloren gehen. Die Originalstimmen Datas und Picards, die ihrerseits Nebenrollen in Bridge Commander übernehmen, sind die Leserei allemal wert.

Der zweite Vorzug meint die nett aufgezogene Haupthandlung. Es gilt zwar selten, eigene Entscheidungen zu treffen und der Fokus liegt ganz klar auf Mord und Totschlag, aber man hat sich wenigstens inhaltlich um Abwechslung bemüht und so ein hübsches Finale erdacht.

Abzüge gibt es freilich dafür, dass das Sprachrohr des eigenen Schiffes nicht man selbst, also der Captain ist, sondern der Erste Offizier. Er diskutiert mit Freund und Feind, er weist die Crew an. Hier zollt man der Absicht Tribut, weiblichen Spielern Identifikationsspielraum mit der schwarzen Silhouette auf dem Cover lassen zu wollen. Unnötig und mehr als einmal auffällig unpassend, nicht zuletzt da die "Nummer 1" nicht unbedingt die Sympathischste ist. Ich fühlte mich jedenfalls nicht besonders gut vertreten.

Ein anderes Problem könnte sich im Laufe des fortweg spannenden, weil recht kniffligen Spielverlaufs stellen: Man tut doch immer dasselbe. Nur selten heißt es, mal nichts zu zerstören oder vor der Zerstörung zu bewahren. Schnell hat man den Dreh heraus und weiß, welche Subsysteme welches Schiffes zuerst auszuschalten sind. Die werden danach in jedem Scharmützel chronologisch abgearbeitet. Man trifft ohnehin fast immer auf die selben Gegner - viel gibt es demnach nicht zu lernen.

Fazit: Ganz klar, Grafik und Animation können es mit dem Jetzt und Heute nicht aufnehmen, aber im Fall von Bridge Commander scheint das auch nicht vonnöten. Das Genre an sich ist nicht so ausgeschöpft wie das der Ego-Shooter, das seit 2002 derartige Entwicklungssprünge machen musste, dass ein Vertreter dieser schon nach wenigen Jahren beinahe unspielbar wirkt, weil die Fassade ganz neue Ufer erschwommen hat. Hier ist die Optik schlicht nebensächlich und reicht allemal, um der Stimmung die Klinke zu reichen. Wer sich wenig für den Hintergrund erwärmen kann, lässt besser ganz die Finger davon. Denn selbst für Trekkies ist Bridge Commander nicht mehr als etwas für Zwischendurch ...

Mass Effect 2 (uncut)
Mass Effect 2 (uncut)
Wird angeboten von mediadude
Preis: EUR 29,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bezüglich moderner Rollenspiele, 28. Februar 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Mass Effect 2 (uncut) (Computerspiel)
Machen wir uns nichts vor: Es gibt nicht viel, das recht ist, dieser erwartungsvollen Tage, in denen jeder drittklassige Zwergentreiber Wünsche äußern und eine Party zu Felde führen darf. Eine komplexverdächtig kurzgeratene Aufmerksamkeitsspanne, die kaum ausreicht, seinem eigenen Superstar einen Namen zu verpassen, geschweige denn das Inventar auszumisten, disqualifiziert doch niemanden mehr. Ganz im Gegenteil! Weniger Anspruch bedeutet weniger Arbeit für alle. Es sei denn, es soll so wenig Anspruch sein, dass es schon wieder knifflig wird, den Anschein von Qualität zu wahren. Dann kann fehlender Handlungsfreiraum ruck zuck Schufterei bedeuten, weil man Nacht für Nacht ein Dialogsystem ausfeilt, das in der Redaktionssitzung am Morgen darauf - weil viel zu kompliziert - wieder für Murks befunden wird. Und nicht zu vergessen: Virtuell hammerschwingende Spieleschmiede suchen bisweilen ja auch nach Selbstverwirklichung, ja, selbst wenn sie für Electronic Arts an der Esse stehen.

Die kleine, vermeintlich themenferne Einleitung führt mich prompt zum wichtigsten Wesenszug Mass Effect 2 (ME2). Das Spiel ist ein einziges Zugeständnis an die ungeduldige Nachkommenschaft der alten Garde Rollenspieler, die schon seit Hetmann Hyggelik Köpfe gegen Erfahrungspunkte tauscht. Wer glaubt, mit dem Terminus Action-Rollenspiel" wäre alles gesagt, irrt dieses Mal jedoch.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe den Vorgänger nicht gespielt, weil mich ein Rollenspiel-Third-Person-Shooter-Mix so gar scharf machen wollte. Zum Fortgang der Handlung kann ich also leider nichts sagen, ebenso wenig Vergleiche ziehen. Ich wurde dieses Mal lediglich schwach, weil mir der offizielle Launch-Trailer Frühlingsgefühle in der Lendengegend bescherte, die ich unmöglich ignorieren konnte. Bereut habe ich es nicht.

Positives

Grafisch ist ME2 ein echter Hingucker geworden - nun, für ein Spiel dieses Genres. Farb- und formvollendet sieht augenscheinlich alles chic aus - von der auf Hochglanz polierten Normandy bis zur genetisch aufgemotzten Vorzimmerdame. Nennenswerten Anteil an diesem Eindruck trägt nicht zuletzt das dank weniger Töne äußerst stilvoll gehaltene Design, das Land und Leute so lebenswahr wirken lässt.

Die Stimmung ist fortwährend düster und kühl arrangiert, was wenig verwundert, ist der Schauplatz des kleinen Abenteuers doch der unwirtliche, aber vor Dasein pulsierende Äther. Sämtliche Rassen unterscheiden sich übrigens optisch deutlich voneinander, ohne dabei skurril zu dünken. Nahtlos fügen sie sich in die glaubhafte Welt des Spiels. Der beste Beweis dafür: Schon nach wenigen Stunden wusste ich Salarianer, Batarianer, Kroganer, Vorcha, Asari und Turianer einwandfrei auseinanderzuhalten. Hatte ich zunächst noch für ausgeschlossen gehalten. Dem intensiven Ambiente zuträglich ist sicherlich darüber hinaus die komplette Synchronisation der Hauptfigur, die ich in diesem Umfang bisher nur aus den Gothic-Reihe kannte.

Mit einem eigenen Schiff ein Zuhause zu haben, dürfte Rollenspielern sehr zupass kommen. Das teilt sich seinerseits in vier Decks; es gibt also einiges abzulaufen. Spielereien, wie ein eigenes Aquarium, für das man Fische kaufen kann, eine Sammlung von Modellschiffchen sowie eine eigene Musikanlage mit verschiedenen Songs je nach Geschmack sollen auch Freizeit abseits des lebensmüden Gerangels da draußen simulieren. Ein mittlerer Applaus dieser netten Idee ...

Die einzelnen charaktergebundenen Quests der interessanten Crewmitglieder ähneln sich inhaltlich zwar häufig, da beispielsweise fast immer ein Familienmitglied desjenigen involviert ist, sind davon abgesehen aber sehr liebevoll inszeniert. Zuweilen sehr kurz und doch ... Der Lohn der Loyalität und das damit verbundene Freischalten neuer Fähigkeiten macht es einem zusätzlich schmackhaft, alle Wehwehchen zu lindern. Von potentiellen Techtelmechteln einmal ganz zu schweigen ...

Negatives

Die rollenspieltypischen Möglichkeiten, Hauptfigur und Anhang selbstbestimmt zu entwickeln, fallen mager aus. Niemand erwartet einen Personalbogen, wie bei Neverwinter Nights 2, aber das hier spottet jeder Beschreibung. Alles, was sich verstärken lässt, sind die Kräfte, derer es ohnehin nur in Extremsituationen bedarf - wenigstens auf normalem Schwierigkeitsgrad. Hier und da steigt Schaden und Gesundheit, keines der beiden ist jedoch an Attribute gebunden. Kurzum: Ich fühlte mich schlicht entmündigt ...

Steckt man einmal in einer Mission, bleibt wenig Entscheidungsfreiheit. Der Pfad ist idiotensicher vorgegeben und es gibt kein Zurück. Man muss auf dem Weg zum Ziel nur alles umlegen, was sich hinter einer Kiste zu verstecken versucht. Da habe ich gar Ego-Shooter gespielt, die mehr Vertrauen in meine Orientierungsfähigkeiten hatten.

Meistens spawnen die Gegner an einem nicht einzusehenden Ort. Mir blieb selbst als Scharfschütze mit Tarnvorrichtung also nichts anderes übrig, als alle nach und nach wie die Moorhühner aus den Latschen zu schießen, anstatt vorher schon einmal vorsichtig einen Blick auf Schlachtfeld und Feind zu werfen und mir - ungesehen - eine günstige Stellung auszugucken. Ist der Trigger einmal ausgelöst, rappelt es im Karton - unsichtbar oder nicht. Der normale Schwierigkeitsgrad stellt dabei keinerlei Anforderungen an Reaktion und Cleverness. Jedenfalls nicht, wenn man sich um die Upgrades kümmert. Künstliche Intelligenz ist spärlich vorhanden, Munition dafür zuhauf. Nicht einmal der Endgegner brachte mich in Verlegenheit, was nicht an mir gelegen hat. Ich ziele schlecht und schieße in Panik auch auf meine eigenen Leute.

Der rote Faden der Hauptgeschichte mutet knapp und einfallslos an. Versuche, mit einer Story in einer Story in einer Story künstliche Spannung und Überraschungsmomente zu schaffen, fruchteten meines Erachtens nicht. Wer sich da nicht auf jedes einzelne Nebenquest einlässt und Freude dabei empfindet, beraubt sich selbst der eingängigsten Passagen.

Zuletzt: Die Party-Mitglieder sind, wie oben schon erwähnt, sehr wohl unterhaltsam und abwechslungsreich gestrickt, allerdings im Grunde ihres Herzens allesamt gute Seelen. Keine Ahnung, wen ich da mitnehmen soll, wenn ich einen wirklich bösen Shepard mime. Beim ersten Mal war ich der strahlende Held und schon passte Arsch auf ... nun, alles fügte sich gar wundersam zu einem bilderbuchgleichen, beischlafreichen Happy End. Doch wer hält mir die Stange, wenn ich beim nächsten Mal schlechte Laune habe?

Summa Summarum: Richtig, die Negativ-Liste ist sehr wohl ein Stückchen länger als die der Lobhuldigungen, in meinen Rezensionen aber an der Tagesordnung. Vier Sterne vergebe ich im Fall Mass Effect 2 nichtsdestoweniger überzeugt, weil das Gesamtpaket ein spielenswertes, ja empfehlenswertes RPG abgibt, das mich in puncto Intensivität der Stimmung glatt umgehauen hat. Die actiondurchtränkten Shooter-Gefechte lagen mir wider meine Befürchtung weniger schwer auf dem Magen als das ordinäre, wendungsarme Hauptquest. Mit etwas Abstand weiß ich inzwischen, dass es sich lediglich am Rest des Plans orientierte. Es wollte in ein zeitgemäßes Rollenspiel passen, basta! Und wer will ihm das schon verdenken?

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