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Rezensionen verfasst von
marco nüsslein

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Retribution
Retribution
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 107,95

5.0 von 5 Sternen MONSTER!!!, 10. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Retribution (Audio CD)
Gäbe es so etwas wie nen Death Metal-Ehren-Oscar für das Lebenswerk, Malevolent Creation wären wohl die heißesten Anwärter.
Qualitativ fast immer auf Augenhöhe mit US-Death Metal-Größen wie Morbid Angel oder Obituary, blieben der Knüppelbrigade aus Fort Lauderdale ähnliche Erfolge aber verwehrt, und das obwohl man ein derartiges Geschoss wie „Retribution“ am Start hat.
Hatte man mit dem bereits überragenden Erstling „The Ten Commandments“ noch einen Bastard aus Thrash- und Death-Metal gezeugt , wurde auf „Retribution“ der Thrash weitestgehend heraus geschliffen und ein neuer Härtegrad erreicht. Messerscharfes Präzisions- Riffing ,Sicke Solos, eine knackiger Morrissound und über allem die Wutvocals von Brett Hoffman machen das Teil zu einem der fettesten Diamanten im Ami-Death.
Wem bei Übertracks wie „Systematic Execution“ , „Slaughter of Innocence“, „Monster“ oder dem tierischen Rausschmeißer „Iced“ nicht die Eier kribbeln, der hat keine.


I... wie Ikarus
I... wie Ikarus
DVD ~ Yves Montand
Preis: EUR 9,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen G wie genial, 29. März 2014
Rezension bezieht sich auf: I... wie Ikarus (DVD)
Lange vor Oliver Stone's Meisterwerk "JFK-Tatort Dallas" hat sich Regisseur Henri Verneuill den Spekulationen rund um das Attentat vom 22.November 1963 angenommen und dabei eine eigene, glaubwürdige Theorie entwickelt. Die Handlung findet nicht in den USA sondern in einem fiktiven Staat statt, dennoch sind die gewollten Anspielungen auf die Ereignisse von Dallas unübersehbar. So ist der Name des mutmaßlichen Todesschützen Daslow ein Annagramm von ( Lee Harvey) Oswald, eine Untersuchungskommission ähnlich der Warrenkommission kommt zu ebenfalls ähnlichen Ergebnissen, der mysteriöse „Regenschirmmann“ oder das mutmaßlich gefälschte „Foto mit Gewehr im Garten“ finden Erwähnung.
Während Stones Inszenierung bildgewaltig und unverhohlen pathetisch ausfällt, wirkt Verneuills Film, - symptomatisch für französische (Polit-)Thriller der 1970er- kühl und sachlich; Spannung wird eher suggeriert als erzeugt was dem Gesehenen etwas Unheimliches verleiht. Der Handlungsort ist in „ I wie Ikarus“ die anonyme, postmoderne Metropole. An Außenaufnahmen bekommt der Zuschauer nicht viel mehr zu sehen als glasfassadige Hochhäuser, die wie stumme, bedrohliche Beobachter über dem Geschehen türmen und stets den geheimen Überwachungsapparat erahnen lassen, den der Protagonist , Staatsanwalt Volney ( mit Yves Montand hervorragend besetzt), hinter dem Attentat vermutet. Neben der Frage nach dem(n) Täter(n)r versucht er auch Antworten darauf zu finden, wie ein Mensch ( der von einer geheimen Gruppierung als Attentäter geopferte Daslow), so weit manipuliert werden kann, daß er sich einer Autorität bedingungslos unterwirft. Besonders eine dabei dargestellte Version des Milgram-Experiments verleiht der nüchternen Dramaturgie etwas fast dokumentarisches, also schonungsloses. Es ist die große Stärke des Films, ein Reißer zu sein ohne reißerisch zu sein. Die dosierte Gewalt ist kein Actionelement, sie konkretisiert eine phantomische Bedrohung . Ergreifend auch der Morricone-Score, der die beklemmende Stimmung des Filmes noch verstärkt.
Wo Stone's Film versucht, ein historisches Puzzle zu lösen und gleichzeitig patriotische Gretchenfragen stellt, löst sich Verneuille vom Anspruch, die Geschehnisse exakt zu rekonstruieren und zeichnet ein düsteres Szenario , in dem entfesselte Geheimdienste die eigentliche Macht hinter den Kulissen einer Demokratie sind. Erschreckend, prophetisch, stark und bis heute einer der besten Polit-Thriller.


Extreme Conditions Demand Extreme Responses
Extreme Conditions Demand Extreme Responses

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen creme de la grind, 8. Juni 2010
Zu der Hand voll Bands, die in diesem Genre Aktzente setzen konnten, gehören auch Brutal Truth. Gleich mit ihrem Debut kochten die Mannen um Dan Lilker ihr eigenes Grindcoresüppchen und würzten es raffiniert mit groovigen DeathMetal-Parts und sporadischen Samples. Das Ergebnis ist ein knackiger Klassiker, der auch noch fast zwanzig Jahre später die Nackenwirbel ausleiert und allen Deathcorepoppern ne Lehre sein sollte. Eines der Werke, die das eigene Genre mitdefinierten und ihm gleichzeitig die Grenzen aufwiesen.


In the Name of Suffering
In the Name of Suffering
Preis: EUR 19,77

5.0 von 5 Sternen ganz schön hässlich!, 12. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: In the Name of Suffering (Audio CD)
hässlich. krank. verstörend. aber das ist nur die halbe wahrheit. als ich mir "in the name of suffering" irgendwann mitte der neunziger gecasht habe, wollte ich "brachialen industrialmetal mit ner gehörigen portion doom" hören, so oder so ähnlich wurde das teil nämlich in irgendeiner hartwurstgazette rezensiert. pustekuchen. ich, damals auf dem MINISTRY-trip, hab die scheibe nach fünf minuten komplett entnervt aus dem player gezogen und war froh, dass meine boxen ausm quellekatalog überlebt haben. bei "archivarbeiten" hab ich das teil dann wiederentdeckt, gleich abgespielt,und kinder, wie die zeit vergeht, heute liebe ich diesen fiesen südstaatencocktail aus doomriffs und brachialhardcore , den man neuertags wohl "sludge" nennt. dazu werden hier und da ein paar manson-samples eingespeist, daswar damals schon nicht neu, aber nirgendwo so glaubhaft wie bei EHG. Denn hier ist alles echt, also kein konstruiertes bösebuben-image. glaubt man den Bandmitgliedern, pfeiffen sie sich so alles rein was auf der BTM-Liste steht und auf ihren gigs gehören blutige nasen wohl zum guten ton. rock and roll war nie gefährlicher. geil!


Sonic Excess in Its Purest Form
Sonic Excess in Its Purest Form

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen doom....? sludge...? HEAVIEST METAL !!!, 25. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Sonic Excess in Its Purest Form (Audio CD)
nichts neues im hause crowbar, was bedeutet, dass die nachrichten gar nicht besser sein könnten.

die doomwalze aus Louisiana brettert immer noch ohne jegliche verschleisserscheinungen durch den metalsumpf und rotzt dabei tonnenschwere riffs aus, die der konkurrenz (???) nur so in die blassen gesichter spritzen.

gleich der opener "everlasting dose", ein bleischwerer depri-track mit sehr geilen vocals, ist wohl einer der besten crowbar-tracks ever, und auch was folgt ist nicht von schlanken eltern:

das melancholisch-brutale "thru the ashes i watched you burn ", der zentnerlastige klagesang " repulsive in its splendid beauty" oder das breakmonster "failure to delay gratifciation " tanzen besonders aus einer geschlossenen reihe genialer doomtracks.

the undisputed heayweight champions of the world........CROWBAR!!!


A Scanner Darkly - Der dunkle Schirm (Limitierte Version im Schuber mit Postkartenset) [Limited Edition]
A Scanner Darkly - Der dunkle Schirm (Limitierte Version im Schuber mit Postkartenset) [Limited Edition]
DVD ~ Keanu Reeves
Wird angeboten von Abakues
Preis: EUR 39,90

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Ich aus der Egoperspektive, 21. Juni 2007
Dass die vielzitierte Rostoscopeoptik das spektakulärste an "A scanner darkly" ist, darf keineswegs als makel verstanden werden. Ob Richard Linklater sich dieser Technik nur der Originellität wegen bedient hat, kann man unterstellen, ohne aber ihren Verfremdungseffekt leugnen zu können. Und darum geht es schliesslich in " a scanner darkl": die VERfremdung der eigenen persönlichkeit, die ENTfremdung menschlicher Beziehungen durch drogen,namentlich im film: Substanz T. Der Film ist weder spannend noch Science Fiction ( außer dem "Jedermann"-Anzug, einem Tarnoverall für Undercoveragenten), viel mehr leise und sehr, sehr traurig. Selbst die manchmal aberwitzigen Dialoge, in denen sich zum Beispiel drei Junkies über die Zählweise bei Fahrradgangschaltungen streiten, sind mitleidserregend. bis auf wenige Auslassungen hat Linklater DickŽs Drogendrama ( und nichts anderes ist " A scanner darkly") kongenial abgefilmt und die Protagonisten, allen voran Robert Downey Jr., performen ihre überzeichneten (sic!) Charaktere grandios. Ein kleines Meisterwerk , das nicht an irgendwelchen Popularitätskriterien gemessen werden darf. Bestimmt hätte DickŽs Story mainstreamtauglich a la "minority report" verfilmt werden können, nur hätte das dann mit der Vorlage wahrscheinlich genauso viel zu tun wie "Jesus Christ Superstar" mit dem Neuen Testament. marco nüsslein


Die drei Stigmata des Palmer Eldritch
Die drei Stigmata des Palmer Eldritch
von Philip K. Dick
  Taschenbuch

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Schlange, der Apfel und die bekannten Konsequenzen, 17. Mai 2006
Welcher Autor kann schon von sich behaupten, einen Klassiker geschrieben ohne ihn selbst verstanden zu haben?

Philip K.Dick tut das im Nachwort von "Die drei stigmata des Palmer Eldritch", zudem besitzt er die dreistigkeit, uns zu erzählen, dass ausgerechnet DIESES Buch, das in der deutschen Erstausgabe unter dem gleichsam lächerlichen wie treffenden Titel "Die LSD-Astronauten" erschienen ist, NICHT unter dem Einfluss von psychedelischen Drogen entstanden ist, wo Dick doch niemals ein Geheimnis daraus gemacht hat, bewusstseinserweiternde Substanzen eimerweise zu sich genommen zu haben.

Dem Leser aber bleibt nach dem Konsum dieses Buches der Eindruck nicht erspart, selbst auf einem Trip gewesen zu sein, der sich nach mehrmaliger Lektüre eigentlich nur noch verstärkt (zumindest erging es mir so). Aber hierin liegt eigentlich die Genialität von Dicks Werk:

Am Ende wird der Leser selbst zum "Opfer" der Droge, um die sich im Buch alles dreht (im wahrsten Sinne des Wortes!): Chew-Z, das Souvenir des Industriemagnaten Palmer Eldritch, der diese Substanz von einer längeren Reise durch das Universum mitgebracht hat und auf dem von den Menschen kolonisierten Mars etablieren will.

Chew-Z ist keine Droge wie das bereits von Leo Bulero vertriebene Can-D, kein Medium, um eben mal der Realität zu entfliehen um dann wieder unversehrt in diese zurückzukehren.Chew-Z verspricht nicht weniger als die Ewigkeit und wer sich darauf einlässt, ist verloren. Der Einzige, der den Kampf gegen Eldritch aufnimmt, ist Leo Bulero, erst, um einen Konkurrenten am Drogenmarkt auszuschalten, dann, um einfach die Menschheit zu retten. Ob es ihm gelingt ist am Ende des Buches natürlich nicht klar, aber die Wandlung Buleros vom gierigen Saulus zum sich für seine Artgenossen aufopfernden Paulus ist ein Hoffnungsschimmer in Dicks Nihilismus.

Die im Werk wiederholt auftauchende Frage, ob Palmer Eldritch als Verbreiter von Chew-z Gott oder der Teufel ist habe ich mir (unzureichend) mit dem biblischen Gleichnis von Adam, Eva und der Schlange beantwortet: Der Teufel (Palmer Eldritch) verführt die Menschen mittels eines Apfels (Chew-Z), der Gottgleichheit verspricht, aber dessen Genuss nur das absolute Chaos nach sich zieht. Natürlich scheitert diese Interpretation genau wie alle anderen Versuche, "Die drei Stigmata des Palmer Eldritch" verstehen zu wollen, scheitern müssen. Eines der wichtigsten Bücher der (Sci-fi-)Literatur ist es allemal. Und ein kosmischer Schuss in die Gehirnwindungen. Marco Nüsslein


Die Stimme des Herrn: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die Stimme des Herrn: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Stanislaw Lem
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lest Lem!, 14. März 2004
Die Science-Fiction Stanislaw Lems äußert sich nicht im Erschaffen bizarrer Galaxien und superkosmischer Helden und Schurken, sein Zukunftsbild ist keine Kulisse für Laserschlachten und Verfolgungsjagden in Lichtgeschwindigkeit.
Lems Interpretation dieses leider viel zu oft unter seinen Möglichkeiten bleibenden Genres ist eine ethisch-philosophische: Er nutzt die wissenschaftliche Vision um Fragen vorwegzunehmen, die die Gegenwart noch nicht zulässt oder deren Notwendigkeit sie sich noch nicht bewusst ist.In seiner Erzählung "Die Stimme des Herrn" konfrontiert Lem den Leser mit der Frage nach der Fähigkeit unserer Zivilisation, Entdeckungen weit jenseits unseres Wissens als Chance zu begreifen.
In der Tiefe des Alls wird ein neutronischer Impuls gemessen, der regelmäßige Wiederholungen aufweist.Eine außerirdische Intelligenz vermutend, beruft die NASA ein Team von Elitewissenschaftlern, das den kosmischen Strahl unter geheimsten Sicherheitsvorkehrungen untersuchen soll. Anstatt eine mögliche kosmische Botschaft zu entschlüsseln, entdecken die Forscher per Zufall zwei unheimliche Eigenschaften des Strahls: Einerseits zeigt sich eine biophile Wirkung der Neutrinen, andererseits zeigt sich, daß die Codierung des Impulses einer atomaren Anordnung entspricht, die zur Konstruktion einer allesvernichtenden Waffe befähigt.Bei genaueren Versuchen stellt sich jedoch heraus, daß beide Eigenschaften keinerlei Bedeutung für die Strategen des Militärs haben. Befreit vom Druck des Pentagon können sich die Wissenschaftler nun ganz darauf konzentrieren, den "kosmischen Brief" zu lesen und etwas über seinen "Absender" zu erfahren. Nach anfänglichen Erfolgen verlieren sie sich aber nur noch in verschiedene Interpretationen des Phänomens, ohne es auch nur im Ansatz zu enträtseln.
"Die Stimme des Herrn ist kein Sci-fi-Roman mit ausgesprochenem Unerhaltungswert.Lems Stil ist analytisch-steril, manchmal fast kalt und die wissenschaftlichen Ausführungen des Mathematikers in häufig endlosen Relativsätzen überfordern den Leser manchmal.Aber die Mühe des anspruchsvollen Lesers wird mit dem Einblick in den unglaublichen Intellekt Stanislaw Lems belohnt: Mit Seitenhieben auf Wissenschaft und Philosophie entlarvt er in "Die Stimme des Herrn" die autodestruktiven Mechanismen unserer Kultur, die in ihrer eindimensionalen Gier Fortschritt nur in Richtung des Abgrunds erfahren kann.


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