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Rezensionen verfasst von
Matthias DPunkt (Göttingen)

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Brand New Eyes
Brand New Eyes
Preis: EUR 5,00

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine sehr runde Sache!, 25. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Brand New Eyes (Audio CD)
"You can't be too careful anymore." Recht hat die Sängerin, Hayley Williams, mit dem Refrain des Operners. Zu häufig hat man zuletzt erlebt, wie Bands von ihrem eigenen Stil in den Mainstream abgedriftet sind und dabei einiges an Qualität eingebüßt haben. Es ist allerdings schön zu sehen, dass Paramore bei diesem "Trend" nicht mitmacht.

Zu den Songs:
Die Songs auf dem Album sind sehr abwechselungsreich, wie man es schon von Riot! kannte. Der neue Opener "Careful" ist meiner Meinung nach einer der besten Songs auf dem Album und führt mit viel Intensität in die Platte ein. Da passt einfach alles zusammen: die wundervolle, facettenreiche Stimme der Sängerin, die stets stimmigen Riffs und auch die Drumparts. Da steckt richtig Kraft hinter. So muss ein Opener sein. 9/10 Punkte

Es folgt "Ignorance", die zweite Singleauskopplung ("Decode" mitgerechnet) des Albums. Der Song besticht durch einen herrlichen Text und den genialen Refrain (auch wenn er mich melodisch ein wenig an den Refrain von "Fences" erinnert). 9/10 Punkte

"Playing God" ist ein etwas besonnenerer Song, der sich von den vorigen bereits durch das langsamere Tempo abhebt. Er geht nicht so sehr ins Ohr, wie die anderen beiden Songs, er ist dabei trotzdem alles andere als schlecht. 7/10 Punkte

"Brick By Boring Brick" ist bislang mein Lieblingssong. Die Stimme von Hayley wird bei dem Song in allen Facetten gefordert und außerdem darf man sich als Fan auch auf das nächste Konzert freuen. Da wird dann wohl die ganze Halle Ba-bapp-bapp-ba-da-ba-ba-bapp mitsingen dürfen. Ein sehr geiler Höhepunkt. 10/10 Punkte

"Turn It Off" ist ein solider Song, der ins Ohr geht, dann aber sofort den anderen Songs Platz macht. Da fehlt die Besonderheit. Insgesamt stimmig, aber er geht eben nicht durch Mark und Bein. Eher ein schlechterer Song des Albums. 5/10 Punkte

"The only Exeption" bietet die erste Ballade der Platte und ist solide. Die Paramore-Balladen waren noch nie so sehr mein Fall, aber hier trifft Hayley mit den nötigen Stimmlagen tatsächlich den Nagel auf den Kopf. Trauriges Thema, aber voller Herz umgesetzt. 8/10 Punkte

"Feeling Sorry" klingt ja eher wie der Titel einer Ballade, dient hier allerdings für eine rockige Nummer. Wie bei den meisten Paramore-Songs bildet auch hier die einzigartige Stimme von Hayley den Mittelpunkt, während die Instrumente sie anfangs nur untermalen, dann aber zu einer kraftvollen Dynamik ansteigen. 7/10 Punkte

"Looking Up" ist eine sehr schnelle Nummer, die vor allem von den treibenden Riffs und Drumparts lebt. Der Text und Songaufbau haben dabei aber besondere Genialität, die ich nicht vorweg nehmen möchte. 9/10 Punkte

"Where The Lines Overlap" ist ebenfalls eine sehr schnelle Nummer, die wohl ebenfalls einen festen Platz in der Setlist auf Konzerten haben wird. Starke Dynamik mit einem passenden Text "now I've got a feeling if I sang this loud enough YOU would sing it back to me" Ich tippe mal, dass sie mit dem "feeling" goldrichtig liegen. 10/10 Punkte

"Misguided Ghosts" stellt die zweite Ballade der Platte dar und gefällt mir sogar noch besser als die erste. Was für ein genialer Gitarrenpart, da läuft es einem sofort eiskalt den Rücken herab. Die gefühlvolle Stimme von Hayley tut ihr übriges. 9/10 Punkte

"All I Wanted" ist nicht ganz mein Geschmack. Ist okay und Hayley schreit sich da am Ende auch ganz schön die Seele aus dem Leib. Haut mich jetzt aber nicht so um. 5/10 Punkte

"Decode" dürfte wohl jedem bekannt sein. Ist ein stimmiger Song, der im Refrain viel Kraft entwickelt. Mir hat er (trotz der Verbindung zu Twilight) gut gefallen. Gitarre und Stimme sind dabei einfach zu gelungen, um ihm wegen dem Schmacht-Streifen Punkte abzuziehen. ;) 9/10 Punkte

Zum Booklet:
Schön illustriert. Motive aus den Songs tauchen wieder auf und werden sogar mit den Texten in Verbindung gebracht. Da steht zum Beispiel der schöne Satz "because it has to be so" allein auf einem Spiegel, während das Ende des Satzes allein außerhalb des Spiegels steht und was könnte das wohl sein? Genau: "lonely". Sind also nicht nur Texte, sondern auch durchdachte Motive drin.

Fazit:
Das warten hat sich gelohnt. Das Album ist eine sehr runde Sache. Ist zwar noch immer Luft nach oben, aber die Songs versprechen für die kommenden Wochen eine Menge Abwechselung. 97/120 Punkten, knapp über vier Sterne. Hätte wegen dem Booklet am liebsten 4 1/2 Sterne vergeben, aber für fünf reicht es dann doch nicht.
PS: Eine Überarbeitung der Rezension erfolgt evtl noch. Manche Songs erschließen sich erst nach mehrmaligem anhören in ihrer ganzen Schönheit. (wenn ich da nur an das geniale "A Weekend in the City" von Bloc Party denke).


Coen Brothers Triple Box [3 DVDs]
Coen Brothers Triple Box [3 DVDs]
DVD ~ Joel Coen

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drei Juwelen, 13. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Coen Brothers Triple Box [3 DVDs] (DVD)
Diese DVD Box ist für Fans der Coen Brüder ein Muss und auch für alle anderen Cineasten zu empfehlen. Zeitlich gesehen hat man ein sehr abwechselungsreiches Spektrum der Regie-/Drehbucharbeiten von Joel und Ethan Coen. "Barton Fink" ist 1991 erschienen und stellt somit eines der früheren Coen-Werke dar. Chronologisch ist "The Big Lebowski" (1998) der zweite Film der Trilogie. Den seinerzeit aktuellsten Film stellt "O Brother, Where Art Thou?" (2000) dar. Die Filmauswahl ist sehr spannend, da es sich bei diesen Filmen nicht um die zugänglichsten Werke handelt.

Barton Fink:
Besonders "Barton Fink" ist ein sehr anspruchsvoller Film, dessen Thema sich nicht einfach erschließt und dem Betrachter mehr als nur das "zuschauen" abverlangt. Durch mitunter sehr unkonventionelle Mittel und ein fantastisches Klimax bietet der Film zuletzt aber einen herrlich skurillen Einblick in die Unterhaltungsbranche, die immer stärker vom Kommerz und dem Streben nach Geld statt Anspruch geprägt ist. Bei einem solchen Thema mag es nicht überraschen, dass der Film kein sinnarmes Popcornkino bietet, sondern sich durch Thema, Charakterzeichnung und glänzende Darstellungen von John Tuturro und John Goodman auszeichnet. Ein echter Geheimtipp.

The Big Lebowski:
Mit dem zweiten Film haben wir einen mittlerweile als "Kultfilm" gefeierten Meisterwerk zu tun. Selten hatte ein Film so skurille und herrlich abgedrehte Figuren. Jede kleine Nebenrolle scheint in diesem Film ein Volltreffer zu sein, da wirklich jede Figur dem Film an Feinschliff verleiht. Der "strahlende Held" in diesem Film ist Jeff Bridges, der den "Dude" spielt, ein alternden Hippi, der so gar nicht in die Welt zu passen scheint. So stolpert er durch ein Szenario voller Geld, Nihilisten, Feministen, Snobs, Pornodarstellerinnen und Pädophiler. Unterstützung erhält er von einem cholerischen Waffennarren (John Goodman) dem "wortkargen" Donny (Steve Buscemi). Selten gibt es Filme, die so wenig aufdringlich wirken, eine so hohe Gagdichte haben und die auch beim zweiten und dritten Mal schauen noch lustiger werden. Meiner Meinung nach ist "The Big Lebowski" das bislang beste Gesamtwerk der Coen-Brüder.

O Brother, Where Art Thou?:
Diese Mississippi-Odyssee, ist eine sehr gelungene Interpretation des antiken Epos "Odyssee" von Homer. Angesiedelt in der Depressionszeit, begleitet der Zuschauer den entflohenen Sträfling Everett Ulysses Mc Gill (George Clooney) bei der Flucht vor dem Gesetz. Auch dieser Protagonist wird von zwei Gefährten begleitet. Einer von ihnen ist schwerfällig (Tim Blake Nelson), einer hitzköpfig (John Turturro). Die grandios inszenierten Figuren erleben auf ihrer Odyssee allerhand, wobei sie auf verführerische Sirenen, den Bankräuber "Babyface Nelson", einen Zyklopen (einäugigen Bibelverkäufer) und den Ku-Klux-Klan treffen. Dieser Film ist meiner Meinung nach der schwächste Film der Sammlung (sofern man hier von "schwach" sprechen kann). Die Geschichte ist sehr gekonnt erzählt und durch einen hervorragenden Soundtrack im Bluesstil untermalt.

Fazit:
Diese Collection bietet herrliche Unterhaltung, die sich durch spannende Themen und grandiose Figuren auszeichnet. Die tollen Schauspieler tuen ihr übriges. Neben den Hauptrollen überzeugen vor allem John Turturro und John Goodman, die in allen drei Filmen eine Rolle ergattern konnten. Mein Empfehlung: Kaufen und unbedingt durch "Fargo - Blutiger Schnee" und "Miller's Crossing" ergänzen.


Manisch: Thriller
Manisch: Thriller
von Ruth Newman
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Nettes Erstlingswerk mit Luft nach oben., 23. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Manisch: Thriller (Taschenbuch)
Manisch ist Ruth Newmans erstes Buch und das merkt man auch. Die Geschichte ist nicht sonderlich originell. Eine Mordserie, die nur über eine Zeugin aufgeklärt werden kann. Doch diese Zeugin kann sich an die Mordnacht und den Täter nicht erinnern. Das hat man so schon öfters in Filmen und Büchern gesehen. Umso wichtiger ist es, wie die Autorin diese Thematik präsentiert und wie sie die Suche nach dem Täter schildert. Und hier gibt es einen großen Pluspunkt, der das Buch von vielen anderen Romanen abhebt.
Die Geschichte wird in diversen Rückblenden erzählt, die über Jahre zurückreichen und alle beteiligten Personen (rund ein Dutzend wichtiger Charaktere)näher vorstellen. So entfaltet sich vor dem Leser ein sehr detailiertes Bild einer Clique von Cambridge Studenten, die durch eine Mordserie einerseits zusammengeschweißt und andererseits auf die Zerreißprobe gestellt wird. Der eigensinnige Erzählstil, der ohne genaue Datierungen auch mal mitten im Kapitel mehrere Jahre überspringt, ist hierbei seeeeehr gewöhnungsbedürftig. In den meisten Rezensionen werden diese vielen Sprünge auch harsch kritisiert, was ich nur zu gut verstehen kann. Doch nach etwa 150 Seiten (von insgesamt 400) hat man sich in die Geschichte und das Szenario "eingearbeitet". Dann wird der Erzählstil außerdem einfacher, die Sprünge werden weniger und es kommt noch ein wichtiger Punkt hinzu: Man erkennt, dass die vielen Sprünge, die Zerrissenheit der Erzählform, durchaus als eine formale Parabel auf den Charakter Olivias gelesen werden kann. Näher möchte ich darauf nicht eingehen, um Spoiler zu vermeiden.
Doch von der eigenwilligen Erzählweise abgesehen, handelt es sich bei dem Krimi um einen Standardroman. Das Buch versteht es zu unterhalten und baut eine solide Atmosphäre auf, in der man als Leser ständig das Gefühl hat alles zu durchschauen, nur um dann wieder hinters Licht geführt zu werden. Das wird am Ende des Romans leider etwas zu sehr übertrieben, sodass das Grande Finale stark konstruiert wirkt.
Alles in allem wird man bei dem Buch gut unterhalten und wenn man sich mit dem eigenwilligen Erzählstil arrangieren kann, dann eröffnet sich einem ein durchaus gelungenes Erstlingswerk, das am Ende etwas schwächelt. Ich hoffe, dass Newman in ihrem kommenden Roman den Mut zur unkonventionellen (meiner Meinung nach etwas anspruchsvolleren, aber durchaus gelungenen) Erzählweise beibehält und sich auf weniger Figuren konzentriert. Ich freue mich jedenfalls schon auf ihren nächsten Roman.
PS: Wer hat den deutschen Titel ausgewählt? Neben Jack Ketchums "Blutrot" wohl einer der schlechtesten Übersetzungstitel eines grandiosen Originaltitels. Der originale Titel "Twisted Wing" passt zu diesem Roman wie die Faust aufs Auge.


Der Herr der Ringe: Die Eroberung
Der Herr der Ringe: Die Eroberung
Wird angeboten von M.e.t.k.a
Preis: EUR 68,90

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schade..., 4. März 2009
= Spaßfaktor:1.0 von 5 Sternen 
...hätte tatsächlich ein grandioses Spiel werden können. Bei "Der Herr der Ringe" stellt sich wohl bei jedem Fan vor allem ein Gedanke ein: Opulent, episch, gewaltig. Das trifft für die Bücher und die Filmtrilogie zu. Bei den Spielen ist es je nach Genre sehr durchwachsen. Die sehr gelungenen "Schlacht um MIttelerde" Titel sind ein Beweis dafür, dass man aus der Lizens ein hervorragend spielbares Schlachtengemälde machen kann, in dem der Spieler viele Freiheiten hat. Die Actiotitel "Die zweit Türme" und "Die Rückkehr des Königs" haben seinerzeit den neuen Standard einer Filmversoftung gesetzt, weil sie sehr solides Actiongameplay mit einer überzeugenden Atmosphäre gekoppelt haben. "Das dritte Zeitalter" hat mit einer gigantischen Welt, tollen Charakteren und einem netten, taktischen Kampfsystem die alte Xbox um einen tollen Rollenspieltitel erweitert. Bislang war der Titel "Der Herr der Ringe" im Softwarebereich ein Qualitätssiegel. Ich hatte immer den Eindruck, dass den Entwicklern bei einem Spiel im Universum von Mittelerde die Verantwortung bewusst war, mit der sie konfrontiert waren. Immerhin hat "Der Herr der Ringe" eine riesige Fangemeinde, die in den letzten fünf sieben Jahren durch die Filme nochmals stark angewachsen ist. Meine Erwartungen an dieses Game waren dementsprechend sehr hoch...

Aber leider wurden diese Erwartungen bei weitem nicht erfüllt. Das einzige was den Titel nun noch reizbar macht ist die Ansiedelung im Mittelerde. Ansonsten bleibt von dem tollten Mittelerde Feeling nicht mehr viel übrig. Die Grafik wird dem Standard, welchen GoW, Bioshock und CoD4 gesetzt haben nicht mehr gerecht. (Und diese Titel sind teils mehr als 12 Monate älter als das hier rezensierte Game.) Der Sound ist toll, aber nicht neu. Ich habe den Eindruck, dass einfach der Soundtrack aus den vorigen Spielen / den Filmen entnommen wurde. Das ist ein grandioser Soundtrack, aber eben nicht dem Spiel zuzuschreiben. Die Soundeffekte sind meiner Meinung nach auch noch sehr gelungen. Über ein ordentliches Soundsystem hören sich die Explosionen, das Kriegsgetöse und das Donnern der Oliphanten schon ganz imposant an. Doch leider wurden für die Synchro nicht die originalen Sprecher aus den Filmen verwendet.
Kommen wir nun zu dem wichtigsten Bereich: Dem Spielgefühl! Die Steuerung ist sehr simpel und eingängig. Im Prinzip beschränkt sich der Kampf je nach Klasse (insgesamt vier Klassen: Krieger, Späher, Bogenschütze, Zauberer) auf vier bis acht Fähigkeiten. Diese lassen sich dann gegen die zahllosen Gegnerscharen einsetzen und geben einem damit je nach Klassenwahl die Möglichkeit, sich aufrecht zu halten. Und hier haben wir ein riesiges Problem des Kampfsystems. Jeder Gegner hat die Möglichkeit, den Spieler mit einer Attacke zu Boden zu werfen. UNd in besonders dichtem Kampfgetümmel ist das auf den höheren Schwierigkeitsgraden tödlich. Während man nämlich auf dem Boden liegt, ist man für eine Sekunde hilflos den Gegnern ausgeliefert. Wird man während dieser Sekunde von einem Gegner getroffen, so verlängert sich die Liegezeit um etwa eine Sekunde. So kann es schonmal passieren, dass man als Zauberer volle Energie hat, von einem Krieger umgehauen wird und nie wieder die Gelegenheit zum Aufstehen hat. Dasselbe gilt auch für den Bogenschützen und den Späher, Der Krieger kann auf dem Boden etwas mehr aushalten. Das sorgt für seeeeeeehr viele Frustmomente, besonders weil die Kamera sehr dicht hinter dem eigenen Charackter bleibt und nicht weiter weg bewegt werden kann. Die Folge davon ist, dass man die Gegner von hinten niemals angreifen sieht. Das klingt jetzt nicht so wild, wenn man aber in einer Schlacht ist, wo es keine klaren Gut / Böse Fronten gibt,wird man immer mal wieder von hinten eiskalt erwischt. Es ist daher völlig unverständlich für mich, wieso die Programmierer nicht einfach die Kamera etwas rauszoombar gemacht haben. Das hätte dem Spielgefühl und dem Frustabbau ein unglaubliches Stück vorwärts geholfen. Statt dessen findet man sich immer wieder in der Versuchung, das Pad in die Ecke zu feuern, weil man mal wieder völlig aus dem Nichts von den Beinen geholt wurde.
Auf die Hilfe von den KI Soldaten der eigenen Seite muss man dabei übrigens nicht hoffen. Die stehen in erster Linie in der Gegend rum und folgen dem Spieler, wenn er in die Gegner prescht. Leider folgen sie einem nur, um dann auch zwischen den Gegnern in der Gegend herum zu stehen. Tolle Unterstützung. In diesem Spiel gilt deshalb eine Devise: Was man nicht selbst macht, macht auch kein anderer. Ich könnte mich nun in tausenden Details verlieren, was an diesem Spiel nicht stimmt, aber auf ein Problem im Kampagnenmodus soll schon noch hingewiesen werden: Die Klassen sind sehr unterschiedlich nützlich. Der Krieger ist (und ich hasse es das zu sagen, weil ich in allen Spielen die Krieger bevorzuge) völlig nutzlos in diesem Spiel. Er muss immer in die Gegnerhorden, bekommt von den eigenen Männern keinen Rückhalt und hat echte Probleme die Gegner down zu bringen. Besonders als Krieger gegen andere Krieger ist es wirklich zum heulen. Die gegnerischen Krieger machen nämlich nur zwei Sachen: sie blocken entweder ununterbrochen (wie die eigene Unterstützung auch) oder sie hauen dich mit EINEM Schlag aus den Stiefeln und befördern dich unsaft zu Boden. Da können dann auch wieder alle zulangen und die Energieleiste des Spielers von 100% auf 50% oder weniger reduzieren. Das scheint ziemlich spannend zu sein, denn die eigenen Unterstützungstruppen schauen dabei so gepsannt zu, dass man geneigt ist, ihnen einen Becher Popcorn zu reichen. Als Zauberer hat man dagegen keine solche Probleme. Einfach von hinten immer Blitze in die Gegnermengen schleudern, dann nen Feurwall, falls es etwas eng wird einfach alle Gegner mit einer Druckwelle wegschleudern, sich selbst heilen und die Beine in die Hand nehmen. Was ich damit sagen möchte: die Klassen sind ziemlich unausgewogen. Das schlägt sich auch in dem Multiplayermodus wieder.

Im Multiplayermodus gibt es entweder die Möglichkeit, die Kampagnen zu zweit im Coop Mode zu zocken, (das is ganz lustig, weil man plötzlich die Unterstützung von einem Mitspieler hat und das Spiel ungleich leichter wird.) oder sich in Multiplayerschlachten mit bis zu 15 weiteren Spielern zu messen. Die Matches sind dabei nix neues. Capture The Flag heißt hier natürlich stilecht "Finde den Ring" und King of the Hill ist schlicht und einfach die "Eroberung"... Dann gibt es noch Team Death Match (heißt auch im Spiel tatsächlich so). In den Multiplayer Arenen steckt eigentlich ganz viel Potenzial. Die Matches sind auch teilweise ganz lustig, aber es gibt bei der ganzen Sache ein Problem, das den Spaß sehr schnell schrumpfen lässt: Was im Solo Modus der Zauberer ist, ist im Multiplayer Modus der Späher... Überpowered.
Weil der Späher sich einfach unsichtbar machen kann und jeden Spieler dann von hinten mit EINEM Stoß (im Spiel: RB drücken) erledigen kann. Das ist für keinen Spieler ein Geheimnis und macht die Klasse sehr attraktiv. Deshalb laufen auf jeder Seite mindestens vier Späher rum (von maximal 8 Spielern pro Seite) und fallen über alles her, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Als Bogenschütze legt man also den Pfeil an und wird plötzlich von hinten erstochen. Als Zauberer schießt man einen Blitz und wird plötzlich von hinten erstochen. Als Krieger... Naja als Krieger wird man von allen Seiten beschossen, kommt nicht an die Gegner heran und wird dann zu allem Überfluss bei dem tragischen Versuch irgendwie in den Nahkampf zu gelangen auch noch von hinten erstochen. Als Späher läuft man dagegen nur unsichtbar durch die Gegegnd und denkt sich: Wo sind die denn alle hin? Die Antwort kriegt man dann, sobald man nach 15 Sekunden nicht mehr unsichtbar ist. Wie könnte es anders sein? Genau man kriegt als Antwort ein Messer in den Rücken. Zugegeben, das ist alles etwas überspitzt dargestellt, aber man hat bei den Multiplayergelagen immer das Gefühl, dass man als Nicht-Späher stark im Nachteil ist. Das macht übrigens ironischerweise Frodo und Schlangenzunge zu den mächtigsten Multiplayer Charakteren, während man als Aragorn oder Hexenkönig ganz schön aufs Maul bekommt.

Fazit: Das ganze Spiel wirkt unausgeglichen. Und genau dieses Ungleichgewicht zerstört einem schnell den Spielspaß und steigert den Frust enorm. Anfangs macht das Spiel echt Spaß, aber dann bröckelt die Fassade ziemlich schnell und es bleibt nur ein höchstens durchschnittliches Spiel, dass keine Neuerungen bringt und alte Spielelemente auch noch unsauber übernimmt. Traurig aber wahr: Aus dem einstigen Qualitätssiegel "Der Herr der Ringe" ist jetzt ein mit Vorsicht zu genießender Titel in der Softwarewelt geworden. Scheinbar liegen die gleißenden Augen der Kinobesucher und das "Herr der Ringe" Feeling, das in den drei Jahren der Kino Trilogie einen gewaltigen Aufschwung erlebt hat, so weit in der Vergangenheit, dass man durch die Software nun nicht mehr den Versuch unternehmen möchte, dieses Gefühl erneut hervorzurufen. Gänsehaut stellt sich bei diesem Spiel jedenfalls nicht vor Freude oder Überwältigung ein, sondern eher aus anderen Gründen. Man hat bei diesem Spiel das Gefühl, es wäre einfach mal wieder an der Zeit gewesen, ein HdR Spiel auf den Markt zu bringen (und das möglichst schnell).
Original Synchro? Ach wofür? Merkt doch eh keiner... Außerdem sind die so teuer.
Innovation und Spielgefühl? Das is immer so anstrengend. Lass uns einfach ein paar riesige Schlachten aus den Filmen nehmen und den Spielern weismachen, dass sie tatsächlich in einer Schlacht kämpfen und nicht nur dämliche Aufgaben in stark begrenzten Räumen erledigen.
Probespielen? Das is "Der Herr der Ringe"... da muss man nicht mehr die tausenden kleinen Fehler beheben. Die Fans sehen gerne darüber hinweg.
Bei dem nächsten "Herr der Ringe" Titel werde ich nicht so beherzt zugreifen, sondern erstmal die Demo spielen. Und das möchte ich abschließend auch allen Interessenten empfehlen.


Mass Effect
Mass Effect
Wird angeboten von GoForGames
Preis: EUR 29,90

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mass Effect - Die etwas andere Rollenspielreferenz, 14. Januar 2008
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Mass Effect (Videospiel)
Mit "Mass Effect" hat das Bioware Studio einen Hit gelandet, der in direkter Folge der "Knights Of The Old Republic" - Reihe steht. Wer die Kotor - Reihe auf der Xbox gespielt hat, wird sich in diesem Spiel schnell heimisch fühlen. Das Szenario ist detailiert und lebendig präsentiert. Die Spielfiguren bewegen sich in Gruppen von drei Squadmitgliedern durch die Science-Fiction-Welt. Hierbei gibt es (wie schon bei Kotor) verschiedene Alienrassen mit verschiedenen Fähigkeiten. Insgesamt gibt es sieben spielbare Figuren, die sich in atemberaubender Atmosphäre durch ein bewegendes Endzeitszenario kämpfen. Doch was macht "Mass Effect" eigentlich so atemberaubend?

Positiv:
Das Spielprinzip ist relativ einfach und verzichtet auf großartigen Schnick-Schnack. Drei Figuren (Klassen: Soldaten, Techniker, Biotiker) versuchen jeweils die Welt vor dem bevorstehenden Ende zu bewahren. Hierzu stehen vier verschiedene Waffentypen zur Verfügung. Das Präzisionsgewehr für weite Distanz, das Sturmgewehr und die Pistole für die mittlere Distanz, sowie das Schrotgewehr für den Nahkampf.
Die Figuren sind durch wiederaufladbare Schilde geschützt (ähnlich des Halo-Prinzips) und können auch ohne Schildschutz noch einige Treffer einstecken. Dadurch wird ein taktischer Zwang vermieden. Mit schnellen Reaktionen, gutem Zielvermögen und ein wenig Risikofreude, kann man ein halbes Dutzend Gegner ohne taktische Überlegungen zur Strecke bringen. Dementsprechend ist es dem Spieler überlassen, wie er die actionreichen Gefechte durchstehen möchte.
"Der Spieler hat die Wahl" ist auch für den zweiten Hauptaspekt des Spiels das Motto. Neben den Actionanleihen, gibt es nämlich einen ebensogroßen Anteil an Rollenspielelementen. In vielen Dialogen wird die Geschichte (des Spiels und des Hauptcharakters) vorangetrieben. Der Spieler kann in den Dialogen selbst entscheiden, ob er "abtrünnig" als Renegade oder "vorbildlich" als Idol agiert. Es dürfte dabei klar sein, dass der moralisch richtige Weg nicht immer der einfachere ist. Außerdem gibt es diverse Momente, in denen der Spieler zwischen anderen, sehr folgenschweren Optionen wählen muss (um Spoiler zu vermeiden, möchte ich darauf aber nicht weiter eingehen).
Das, was Mass Effect zu einem umwerfenden Erlebnis macht, ist das tadellose ineinandergreifen der verschiedenen Elemente. Obwohl man bei Mass Effect kaum neue Ideen findet, werden die alten Ideen so gut umgesetzt, dass kaum Wünsche übrig bleiben. Action, Aufklärung und Dialoge wechseln sich in sehr gutem Maße ab, sodass man niemals mit der Story oder dem Action-Gameplay übersättigt wird.

Soviel zum Spielprinzip und dem Spielinhalt. Das Tüpfelchen auf diesem soliden Spiel sind allerdings nicht das detailierte Szenario, die Action und die Rollenspielelemente, sondern die Verpackung. Ein ganz großes Lob an die Grafik und den Sound. Der Soundtrack ist besser als so manch ein Filmsoundtrack und tut so manches dazu, um dem Spieler die ein oder andere Gänsehaut zu verschaffen.

Negativ:
So toll auch alles umgesetzt sein mag, so ist doch fast alles geklaut. Man merkt deutlich die Anleihen von anderen Spielen (besonders Kotor, aber auch Ghost Recon und Halo). Sogar das Landfahrzeug (genannt: Mako) ist eindeutig dem Amadillo aus Armageddon nachempfunden. Es fehlen die neuen Spielideen.
Manche Sidequests sind außerdem etwas monoton.

Fazit:
Der gewagte Spaghat zwischen Rollenspiel und Shooter ist geglückt. Nach dem enttäuschenden "Shadowrun" ein Lichtblick des Genremixes. Um auf die Überschrift zurückzukommen: Mass Effect lässt sich nur schwer einem Genre zuweisen, doch in jedem Fall hebt es sich angenehm von dem ganzen Genreeinheitsbrei ab, den es leider sowohl im Action-, als auch im Rollenspielgenre (auch wenn hier Oblivion die absolute Referenz bleibt) gibt.


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