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Rezensionen verfasst von
Dr. Tausendschlau (Hintertupfingen)

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Das große Mac-Buch für Einsteiger und Umsteiger: aktuell zu OS X El Capitan
Das große Mac-Buch für Einsteiger und Umsteiger: aktuell zu OS X El Capitan
von Jörg Rieger
  Broschiert
Preis: EUR 24,90

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr gutes Buch für blutige Anfänger jedoch mit minimalen Schwächen, 14. Februar 2016
Ich habe mir "Das große Mac-Buch" von Rieger und Menschhorn gekauft, weil ich (wer kennt das nicht?) nach einem Totalcrash meines 4 Jahre alten Samsung/Windows 7 - Laptops auf ein Apple Mac Book Pro mit OS X El Capitan umgestiegen bin. Seit Kindesbeinen an habe ich ausschließlich mit Windows-Systemen gespielt / gearbeitet. Der Umstieg auf ein Mac OS ist dabei schon ein nicht unerheblicher Schritt und man schaut am Anfang wirklich wie ein Schwein ins Uhrwerk. Nahezu alles muss man von Grund auf neu lernen - selbst einfachste Dinge wie Dateien verschieben oder Ordner neu anlegen. Genau für solche blutigen Anfänger in der Mac-Welt ist das Buch von Rieger und Menschhorn geschrieben worden. Der Schreibstil ist sehr verständlich und die vielen bunten Abbildungen helfen den Anweisungen zu folgen. Teilweise beginnen die Autoren wirklich beim Urschleim mit ihren Erklärungen, z.B. wenn sie dem Leser den prinzipiellen Unterschied zwischen Dateien kopieren und verschieben erklären. Aber das ist nicht weiter dramatisch, denn an anderer Stelle freut man sich wiederum, dass man so gut wie keinerlei Vorkenntnisse benötigt. Ich hatte auch einige andere Mac-Bücher in der Hand, z.B. jenes aus der Dummies - Reihe. Doch "Das große Mac-Buch" ist für blutige Anfänger in meinen Augen das beste. Warum dann nur 4 und nicht 5 Sterne?
Weil ein kleiner Wermutstropfen bleibt: An einigen (wenigen) Stellen haben die Autoren offenbar den Text aus früheren Auflagen ihres Buches übernommen, ohne zu überprüfen ob die genannten Schritte auch im neuen Betriebssystem El Capitan funktionieren (obwohl auf dem Cover des Buches "Aktuell zu El Capitan" prangt): Zum Beispiel kann man im Gegensatz zum Vorgänger "Yosemite" als User jetzt nicht mehr die Reihenfolge der Dokumentarten per Drag & Drop bestimmen, die bei Spotlight angezeigt werden sollen. Dennoch wird dies im Buch auf S. 382 behauptet. Auch beim Thema "Dateien / Ordner verschieben" versäumen es die Autoren einen ganz einfachen, aber für Umsteiger von Windows ungemein praktischen Shortcut zu nennen. Denn das praktische Ausschneiden und Einfügen von Dateien & Ordnern wie man es von Windows kennt, gibt es so im Mac-Betriebssystem über Kontextmenüs nicht, was die Autoren richtigerweise auf S. 124 herausstellen. Es gibt aber die Möglichkeit mit cmd+c und alt+v genau das zu erreichen: Dateien und Ordner werden ausgeschnitten und an entsprechender Stelle eingefügt. Gerade am Anfang der Nutzung bei einem Systemwechsel, wenn man seine alten Daten auf sein neues Mac Book kopiert, ist dieser kleine Tipp enorm hilfreich.
Wegen solchen kleinen (aber wirklich nur rar gesäten) Schwächen ziehe ich einen Stern in der Bewertung des Buches ab. Ansonsten ist es eines der besten Einführungsbücher zum Mac OS für Windows-Umsteiger und blutige Anfänger.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 7, 2016 12:06 PM MEST


Hoffnung Mensch: Eine bessere Welt ist möglich
Hoffnung Mensch: Eine bessere Welt ist möglich
von Michael Schmidt-Salomon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fortschritte in der Kulturevolution jenseits naiver Illusionen, 30. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als ich den Titel des Buches mit den zwei Wölkchen auf dem Cover das erste Mal las, so muss ich ehrlicherweise gestehen, war ich zunächst äußerst skeptisch und erwartete im Prinzip eine ' im wahrsten Sinne des Wortes naive Gutmenschenschnulze.Doch nach der Lektüre dieses Buches hat sich mein erster Eindruck als völlig fehlgeleitet herausgestellt und mein Urteil um 180 Grad gedreht. 'Hoffnung Mensch' ist das bisher ausgereifteste, am breitesten angelegte und tiefgründigste Werk Schmidt-Salomons. Man bemerkt die Weiterentwicklung und Reifung des Autors sowohl inhaltlich/philosophisch als auch im Bezug auf Duktus und Schreibstil deutlich. Letztere erscheinen insgesamt sehr ausgewogen und ausbalanciert. Man merkt, dass sich Schmidt-Salomon für sein Buch Zeit genommen hat und eine Weile zurückgezogen in einem italienischen Bergdorf in Ruhe daran arbeiten konnte. Was mir am besten an dem Buch gefallen hat, ist das breite Allgemeinwissen, welches man im Kontext jeweils eines übergeordneten Themas peu à peu beim Lesen verabreicht bekommt. Dabei sind die meisten Aussagen mit Fußnoten gut belegt und verweisen auf zahlreiche vertiefende Literatur, was ich persönlich immer sehr wertschätze. Es zeigt auf, dass der Autor aus einem Fundus einer breit gefächerten wissenschaftlichen, historischen und philosophischen Lektüre schöpft.
Schmidt-Salomon erzeugt in seiner Abhandlung einen gewissen Spannungsbogen: zuerst zeigt er auf eindringliche Art und Weise die Absurdität und Ungerechtigkeit des Lebens auf, sowie die Unausweichlichkeit des absoluten Todes ' sowohl des einzelnen Individuums, als auch der gesamten Menschheit als solches, als auch aller Erinnerungen von und an diese. Danach fängt er den Leser aber geschickt am tiefsten Tiefpunkt wieder auf und nimmt ihn sozusagen Stück für Stück wieder nach oben mit und zeigt die vielen positiven Errungenschaften, das Wissen und den Fortschritt der Menschheit in vielen Bereichen auf, die wir im Laufe der Jahrtausende bis zum 21. Jahrhundert erreicht haben. Dabei streift er so vielfältige Bereiche wie die Wissenschaftsgeschichte, hier vor allem die Evolutionsbiologie, Physik, Kosmologie, die Neurowissenschaften und die Philosophie des Geistes, aber auch solche Bereiche wie Erfindungen und Technologien, Medizin, Ethik und Kunst (hier v.a. Musik) werden ausführlich behandelt. Ein besonders großes Augenmerk erhält dabei die Geistesgeschichte des Humanismus, der Menschenrechte und der Philosophie von den Anfängen in der Antike über die Renaissance, die Französische Revolution und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung bis hin zur Gründung der UN im 20. Jahrhundert. All seinen Ausführungen liegt dabei ein naturalistischer, wissenschaftlich fundierter Blick auf den Menschen und seine Welt zugrunde, was bis zu den Überlegungen über eine säkulare, intellektuell redliche Spiritualität reicht. Keineswegs nimmt Schmidt-Salomon dabei einen naiven Fortschrittsautomatismus an, sondern zeigt vielmehr auf, dass Fortschritt sich nicht zwangsläufig einstellt, sondern dass es auch immer wieder zahlreiche Rückschläge in der kulturellen Evolution gab, wie z.B. den Untergang des Römischen Reiches und der antiken Hochkulturen. Mit Rückgriff auf seine eigene Doktorarbeit aus dem Jahr 1999 ('Erkenntnis aus Engagement: Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne') har er stets auch die zahlreichen schwerwiegenden Probleme und Defizite der Menschheit in der Gegenwart dezidiert im Blick: Die ökologische Zerstörung, die Ökonomische Fehlentwicklungen, Demokratiedefizite, Korruption und Kriminalität, Kriegerische Auseinandersetzungen, Gruppenideologien, Armut und soziale Ungerechtigkeit, Krankheiten und Seuchen, Bevölkerungswachstum sowie unzulängliche Bildungssysteme. Für viele dieser Bereiche streift Schmidt-Salomon zumindest einige interessante und vernünftige Lösungsvorschläge, wie die Entwicklung eines rationalen Finanz- und Wirtschaftsystems, das Cradle-to-Cradle-Prinzip, die Entwicklung intelligenter Technologien und vor allem die Entwicklung einer transkulturellen, humanistischen Perspektive, die eine Zurückdrängung des Kulturrelativismus beinhaltet.
Schmidt-Salomon war in den letzten Jahren vor allem wegen seiner dezidiert vorgetragenen Religionskritik bekannt. Diese schimmert in 'Hoffnung Mensch' zwar auch an vielen Ecken und Enden durch, wird von ihm aber nur dezent eingestreut und ist stets im Kontext des gerade behandelten, übergeordneten Themas eingebettet. Ein Leitmotiv im Buch ist die immer wieder auftauchende Kritik am moralischen Dualismus: Die Beschränkung der Empathie und des Altruismus auf die eigene familiäre, soziale, religiöse, nationale, geschlechtliche, biologische oder politische Gruppe, also die Unterscheidung zwischen Individuen, die zur Ingroup gehören, denen man höchst altruistisch begegnet und solchen, die nicht dazu gehören, die also zur Outgroup gehören und im Konfliktfall mit großer Regelmäßigkeit in der Menschheitsgeschichte dehumanisiert und brutal bekämpft wurden und werden. Nicht umsonst waren Nächstenliebe und Fernstenhass stets auf unheilvolle Art und Weise miteinander verknüpft. Schmidt-Salomon führt dies auf unser evolutionäres Erbe zurück, dem wir aber nicht zwangsläufig auf ewig verhaftet sein müssen, sondern, wie er zeigen kann, ethische Fortschritte möglich waren und sind.
Sein Werk ist dabei mit vielen kleinen Weisheiten gespickt, bei denen man denkt: 'wunderbar, genauso ist es, das trifft es genau!' Ein paar geistig geile Beispiele gefällig?
'Dass der Mensch zugleich das empathischste als auch das grausamste Wesen auf diesem Planeten ist, stellt also keinen Widerspruch dar. Im Gegenteil: Empathie und Grausamkeit sind oftmals auf unheilsame Weise miteinander verknüpft. Denn gerade das besondere Mitgefühl gegenüber Mitgliedern der eigenen Gruppe hat immer wieder zu grausamer Gewalt gegenüber Mitgliedern anderer Gruppen geführt. So reichte mitunter die (empathisch geteilte) Beleidigung eines einzelnen Gruppenmitglieds aus, um kollektive Blutfehden zu starten, die über Jahrzehnte hinweg unzählige Opfer forderten. Überblickt man die menschliche Geschichte, fällt hier ein Zusammenhang auf, der bis in die jüngste Vergangenheit hinein zu beobachten war und auf den in Deutschland vor allem der in Gießen lehrende Soziobiologe Eckart Voland hingewiesen hat: 'Je empathischer, kooperativer und altruistischer Gruppen nach innen hin strukturiert sind, desto militanter, feindseliger und grausamer treten sie in der Regel nach außen auf.'
'Nicht der technologische Fortschritt ist das Problem, sondern die Tatsache, dass wir ihm in ethisch-politischer Hinsicht noch immer so weit hinterherhinken. [..] Mit dem Smartphone in der Hand und der Bronzezeit im Kopf kommen wir nicht weiter! Wir brauchen zeitgemäße Ideen, die darauf angelegt sind, sich kontinuierlich weiterentwickeln zu lassen - keine unverrückbaren Dogmen, die gerade deshalb so gerne als 'heilig' und 'unfehlbar' deklariert werden, weil sie keiner kritischen Prüfung standhalten.'
'Im Anschluss an den deutschen Soziologen Max Weber (1864-1920) meinen viele, dass der wissenschaftliche Rationalisierungsprozess die Welt entzaubert habe, doch das ist nur die halbe Wahrheit: Denn bei genauerer Betrachtung hat die Wissenschaft nur den falschen Zauber ' den Glauben an magische Kräfte, an menschenähnliche Götter und Dämonen etc. ' entkräftet. Im Gegenzug jedoch legte sie einen sehr viel tieferen Zauber frei ' nämlich die unendlichen Dimensionen eines Universums, das um ein Vielfaches geheimnisvoller, mystischer ist, als es sich sämtliche Religionsstifter haben vorstellen können.'
'Da sie für die Einhaltung universalistischer Werte (etwa der Allgemeinen Menschenrechte) eintreten, werden Universalistinnen wie Kelek und Ahadi häufig als 'Kulturimperialistinnen', ja sogar als 'Kulturrassistinnen', beschimpft. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass 'der Westen' eigene Wertestandards entwickelt hätte, die man 'fremden Kulturen' nicht aufzwingen dürfe. Jedoch genügt schon ein kurzer Blick in die Geschichte um dieses Argument, das gerade auch in der Auseinandersetzung mit 'dem Islam' bemüht wird, zu entkräften: Vor 1000 Jahren beispielsweise hätte man in Bezug auf die Gewährung grundlegender Rechte wie der Meinungs-, Kunst- und Forschungsfreiheit sehr viel eher von östlichen als von westlichen Werten sprechen müssen. Denn diese Werte waren in muslimisch geprägten Regionen nachweislich sehr viel stärker beheimatet als im christlichen Europa. Es ist eben nicht wahr, dass Humanismus und Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie exklusive Kulturgüter des Westens sind ' sie sind vielmehr elementare Bestandteile eines Weltkulturerbes der Menschheit, an dem Menschen aller Kontinente und aller Zeiten mitgewirkt haben (ich erinnere hier nur an die 2500 Jahre alten Antikriegsschriften des chinesischen Philosophen Mo-Ti).'
Ich will es an dieser Stelle mit Zitaten bewenden lassen, sonst schreibe ich vor Enthusiasmus noch das halbe Buch ab. Das Buch ist wahrlich interdisziplinär und im besten Sinne populärwissenschaftlich angelegt, d.h. allgemeinverständlich geschrieben - aber dennoch seriös und präzise. Es kann eigentlich jedem geschichtlich, philosophisch und wissenschaftlich interessierten Menschen sehr empfohlen werden, auch Leuten, die nichts mit dezidierter Religionskritik zu tun haben. Es hat zumindest mir als chronischen Pessimisten mit plausiblen rationalen Argumenten und empirischen Daten aufgezeigt, dass Fortschritt keine reine Illusion des industrialisierten naiven modernen Westlers ist, sondern dass in der Tat, trotz aller Probleme der Gegenwart, in vielen Bereichen ' und nicht nur in Europa ' so etwas wie Fortschritt beobachtet werden kann, den man jedoch erst wahrnimmt, wenn man die Longue durée, also längere geschichtliche Zeiträume in den Blick nimmt. Der einzige wirkliche schnulzige Wehrmutstropfen findet sich am Ende des Buches in Form eines persönlichen Credos an die Menschheit in Gestalt eines Gedichtes. Aber über diese aus geschmacklich/ästhetischer Sicht durchaus diskutierbaren Abschlussferse kann man getrost hinwegblicken (ich meine: so schlimm sind sie jetzt nun auch wieder nicht), betrachtet man den natur- und kulturwissenschaftlichen Tiefgang, die breitgefächerte Allgemeinbildung, die Liebe zu einigen schönen Details (Musik) und die philosophischen Bonmots, welche Schmidt-Salomon in 'Hoffnung Mensch' auszubreiten vermag.


Der Neandertaler
Der Neandertaler
von Ralf W. Schmitz
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der besten populärwissenschaftlichen Bücher zum Neandertaler, 5. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Neandertaler (Gebundene Ausgabe)
Das Buch von Bolus und Schmitz aus dem Jahre 2006 gehört definitiv zu den besten populärwissenschaftlichen Büchern über den Neandertaler in deutscher Sprache (zusammen mit dem Werk von Auffermann/Orschiedt, "Die Neandertaler"). Beide Autoren sind selbst als professionelle Archäologen tätig, und Ralf Schmitz hat sogar zwischen 1997 und 2000 die Nachgrabungen im namengebenden Neandertal bei Düsseldorf geleitet (wo die Ausgräber mehrere Knochenfragmente und Steinartefakte finden konnten, die zu dem berühmten Fund aus dem Jahre 1856 gehören). Die Darstellungen beruhen auf dem aktuellen seriösen Forschungsstand in der Wissenschaft (im Jahr 2006). Das Buch zielt zwar auf ein breites nicht fachliches Publikum ab, und ist gut verständlich geschrieben. Doch es ist trotzdem wissenschaftlich seriös und durchaus zitierbar. Die Autoren schreiben im Vorwort, dass sie selbst auch an Studierende als Zielgruppe dachten, die sich über den aktuellen Forschungsstand zum Neandertaler und seiner Welt informieren wollen, sowie auf Fachkollegen, "die aus der einen oder anderen Information ihren Nutzen ziehen" können. Beleuchtet wird zunächst die Forschungsgeschichte des eponymen Fundplatzes im Neandertal und die Wiederentdeckung der verschollenen Fundsedimente von 1856. Dargestellt wird außerdem die Zeit, das Klima und der Naturraum der Neandertaler, ihr Aussehen, ihre technische Fertigkeiten, Ernährung, materielle Kultur, Siedlungswesen, Verletzungen, Lebenserwartung, Bestattungen, kognitive und kulturelle Leistungen und letztlich ihr Aussterben im frühen Jungpaläolithikum. Ergänzt wird alles durch ein kleines aber feines Glossar und einige wichtige Verweise auf die Forschungsliteratur. Hin und wieder hätte man sich an der ein oder anderen Stelle mehr Abbildungen gewünscht, insbesondere wenn bestimmte Artefakttypen oder archäologische Befunde im Text besprochen werden. Ohne Vorkenntnisse kann man sich in solchen Fällen das Aussehen dieser Dinge nur schwer vorstellen. Aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen in dem ansonsten hochqualitativen Werk. Es bleibt zu hoffen, dass dieses tolle Büchlein bald in einer aktualisierten und erweiterten Neuauflage erscheinen wird, in der die Forschungen der letzten 8-9 Jahre mit einfließen, zum Beispiel die neusten Ergebnisse aus den Paläo-DNA - Analysen des Max-Planck-Institutes in Leipzig, die gezeigt haben, dass die Neandertaler doch zwischen 1 und 4 % zum Genpool der heutigen Eurasier beigetragen haben und den heutigen Europäern, Chinesen und der Bevölkerungen Papua-Neuguineas gleichermaßen näher stehen als den Afrikanern.


Manifest des evolutionären Humanismus: Plädoyer für eine zeitgemässe Leitkultur
Manifest des evolutionären Humanismus: Plädoyer für eine zeitgemässe Leitkultur
von Michael Schmidt-Salomon
  Broschiert
Preis: EUR 10,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine zeitgemäße Ethik für das 21. Jahrhundert, 10. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses kleine Büchlein hat es wahrlich in sich. Ich habe es innerhalb von 2 Tagen verschlungen. Es gehört für mich zu dem besten, was Michael Schmidt-Salomon bisher geschrieben hat, da es grundlegende ethische Prinzipien des evolutionären Humanismus kurz, knackig, aber wohl begründet auf den Punkt bringt. Besonders gut hat mir die Verknüpfung des aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstandes in Natur- und Kulturwissenschaften mit den hier dargelegten philosophischen Überlegungen gefallen. Es werden grundlegende Themen wie die Bedeutung von Wissenschaft, Philosophie und Kunst ebenso dargestellt, wie die Rolle unseres Grundgesetzes, der Einfluss ökonomischer und ökologische Rahmenbedingungen auf das menschliche Verhalten, Tierethik und vieles mehr. Das alles wird mit einer pointiert formulierten Religionskritik verknüpft. Darüber hinaus werden gute Vorschläge und Forderungen des ethischen Handelns für den Alltag und die Politik entwickelt.
Summa summarum kann ich nur sagen, dass es sich in meinen Augen hier um ein immer noch viel zu wenig beachtetes Büchlein handelt. Viele Argumente in diesem Buch könnten und sollten nach meinem Dafürhalten in der Schule behandelt und diskutiert werden, z.B. im Ethikunterricht, oder wie es der Autor fordert: in einem für alle verbindlichen Werteunterricht.
Fazit: Sehr empfehlenswert.


AVM FRITZ!WLAN Repeater 310 (300 Mbit/s, WPS)
AVM FRITZ!WLAN Repeater 310 (300 Mbit/s, WPS)
Preis: EUR 29,00

4.0 von 5 Sternen Schnell und problemlos, 13. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich für meinen Teil kann die (wenigen) negativen Rezensionen nicht nachvollziehen. Es muss sich wohl um spezielle Einzelfälle handeln. Insofern man einen WPS - fähigen Router hat ist dieser Repeater wirklich kinderleicht einzurichten. Erst Laptop hochfahren, Router einschalten. Repeater in unmiitelbarer Nähe in die Steckdose stecken, ca. 6sek die WPS - Taste auf dem Repeater drücken, dann die WPS-Taste am Router ebenfalls 5-10sek drücken. Der Repeater stellt sich automatisch ein. Jetzt den Repeater auf halber Strecke zwischen Router und Client in eine Steckdose stecken und fertig. Funktioniert bei mir einwandfrei mit einem Hitron-Router. Keine Probleme.
Einziger Kritikpunkt: der im Vergleich relativ hohe Preis.


Evolution: Ein Lese-Lehrbuch
Evolution: Ein Lese-Lehrbuch
von Hynek Burda
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellent!, 9. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In meinen Augen ist dieses "Lese-Lehrbuch" über die Evolution die beste Zusammenfassung, welche ich bisher zu dem Thema in der Hand gehalten habe! Der Text ist flüssig und verständlich geschrieben (auch für Leute, die nicht Biologie studieren), prächtig illustriert und immer wieder mit Boxen aufgelockert, die bestimmte Begriffe und Konzepte genauer erklären. Zudem gibt es an entsprechender Stelle Kästchen, welche die wichtigsten Protagonisten der Forschung mit ihren Lebensdaten und ihrer (herausragenden) Leistung im Bezug auf die Evolutionsbiologie vorstellen. Abgerundet wird das Ganze mit Kontroll- und Verständnisfragen nach jedem Kapitel, sowie einem Glossar, einem ausführlichen Literaturverzeichnis sowie einem Personen- und Sachindex am Ende des Buches. Das schöne für mich an diesem Buch ist vor allem, dass man einen guten Überblick über die wichtigsten Knackpunkte der Evolutionsbiologie erhält, verschiedene Sichtweisen erklärt bekommt, die im Laufe der Forschungsgeschichte aufgetreten sind, und wie der Stand der Forschung dazu im Moment aussieht. Als Beispiele möchte ich nur folgendes kurz nennen: Ebenen der Selektion: Gene, Individuen, Gruppe oder Art? Evolutionäres Wettrüsten, Sexuelle Selektion, das Handicapprinzip, Spieltheorie, Altruismus und Egoismus usw. usf.
Ein Buch für jeden der sich einen aktuellen, superben Überblick über das große Feld der Evolutionbiologie verschaffen will. Viele schwierige Konzepte werden gut verständlich erklärt. Das Buch sollte als Grundlage für die Biologie in den Schulen (zumindest der Sekundarstufe II) Anwendung finden. Auch Studenten eines biologischen Faches werden im Grundstudium dieses Buch sehr gewinnbringend als Einstieg verwenden können. Mit einem Wort: exzellent!


Toshiba Satellite L670D-15K 43,9 cm (17,3 Zoll) Notebook (AMD Turion 64 X2 P560, 2,5GHz, 4GB RAM, 500GB HDD, ATI HD5650, DVD, Win7 HP) schwarz
Toshiba Satellite L670D-15K 43,9 cm (17,3 Zoll) Notebook (AMD Turion 64 X2 P560, 2,5GHz, 4GB RAM, 500GB HDD, ATI HD5650, DVD, Win7 HP) schwarz

2.0 von 5 Sternen Gute Performance, aber Mängel bei der Verarbeitung., 19. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Um die Sache kurz zu halten, hier meine positiven und negativen Punkte nach einem halben Jahr Nutzung des Notebooks:

Positiv:
- gutes Preis / Leistungsverhältnis
- Gute Rechenleistung, relativ große Festplatte
- scharfes & helles Display

Negativ:
- Das Gehäuse und die Tastatur sind eine mittlere Katastrophe! Sie sind aus billiger und lapperiger Plastik hergestellt. Das Display lässt sich daher (von außen) sehr leicht leicht eindrücken. Es gibt hin und wieder merkwürdige Vibrationsgeräusche beim Tippen auf der Tastatur, als wenn etwas nicht richtig fest sitzt. Nicht so schön, wenn man viel schreibt. Die Tasten selbst und auch die Beschriftung wirkt sehr billig. Hin und wieder gibt es ebenfalls vom Lüfter Vibrationsgeräusche, die erst verschwinden wenn man das Gerät leicht ankippt oder auf eine bestimmte Stelle auf die Plastik drückt. Am schlimmsten waren jedoch die Vibrationsgeräusche beim Abspielen von CD's oder DVD's, dann gab es ein richtig hässliches lautes kratzendes Vibrationsgeräusch. Habe daraufhin alle Schrauben kräftig nachgezogen, sodass das Gröbste wieder weg ist. Dies zeigt aber doch die Verarbeitungsschwächen und wo der Hersteller Geld gespart hat! Und trotz des Schraubennachziehens tauchen immer noch hin und wieder Vibrationgeräusche durch den Lüfter auf.
-zweiter negativer Punkt ist die Akkulaufzeit: im Modus "Höchstleistung" und auch bei "Ausbalanciert" nicht mal 2 Stunden in der Realität. Nur wenn man den Toshiba eco - Modus einstellt, erreicht man vielleicht eine halbe Stunde mehr. Doch dann ist das Display so dunkel, dass man fast nichts mehr sieht und die CPU-Leistung wird auch gedrosselt.
- Außerden scheint der W-LAN - Empfänger größere Schwierigkeiten mit schwachen Empfangssignalen zu haben, als das bei anderen Notebooks der Fall ist (in der Universitätsbibliothek mit anderen Notebooks von Kommilitonen verglichen).

Summa summarum werde ich also wahrscheinlich nicht wieder zu einem Toshiba-Laptop greifen! Außerdem werde ich bei Notebooks nicht mehr nur auf die Leistungsmerkmale von CPU, Speicher & Co. achten, sondern auch auf die Verarbeitungsqualität von Gehäuse und Tastatur! Das war mir eine Lehre!


Case Logic Notebooktasche TNC218, Nylon, schwarz, 40,6-46,7 cm (16-18,4 Zoll)
Case Logic Notebooktasche TNC218, Nylon, schwarz, 40,6-46,7 cm (16-18,4 Zoll)

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen durchwachsen, 19. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Habe mich nach langem Suchen und hin und her überlegen für diese Notebook-Tasche für mein 17,3 Zoll Laptop entschieden. Um es kurz zu machen hier die positiven und die negativen Punkte:

Positiv:
- Größe: in die Tasche passt nicht nur der 17,3 Laptop sondern es gehen zusätzlich auch weitere Bücher, sogar ein ganzer breiter Aktenordner rein.
- Polsterung: der Laptop ist durch die sehr gute und großzügige Polsterung wirklich gut geschützt. Man kann diese durch den Klettverschluss optimal anpassen.
- Qualität der Reisverschlüsse ist hochwertig
- Design ist schlicht und ansehnlich
- durch den relativ breiten Gurt und den relativ dicken Tragegriff lässt sich die Tasche, auch wenn sie mal schwerer bepackt ist, gut tragen ohne in die Haut einzuschneiden

Negativ:
- Tasche steht nicht von allein, sondern kippt immer wieder um, wenn man sie nicht in einem ganz bestimmten Winkel irgendwo anlehnt
- Tasche hat unten keine materielle Verstärkung, Füßchen, Schutz der Gleichen. Man möchte sie daher nur ungern z.B. am Bahnhof oder im Zug auf den Boden stellen.

Gerade bei der Größe dieser Tasche sind diese beiden Punkte nervtötent.

- Das Schlimmste: Schwächen bei den Nähten: bei mir hat sich das Obermaterial an der unteren rechten Kante schon nach einigen Monaten von der Naht gelöst und franst aus. Gleiches gilt für die Gurtaufhängung. Durch die Metallteile wirkt die Konstruktion auf den ersten Blick robust. Doch auch hier hat sich bei mir auf einer Seite schon eine Naht gelockert. Vermutlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Gurthalterung abreist. Sowas hätte ich vielleicht nach 5 - 6 Jahren intensiver Nutzung erwartet, aber nicht nach 4 Monaten. Für den relativ hohen Preis sehr ärgerlich!
Vielleicht habe ich zufällig nur ein Montagmodell erwischt, aber ich kann ja nur von dem berichten, was ich persönlich beobachtet habe. Ich würde diese Tasche dennoch nicht wieder kaufen!


Das Jahrhundert des Zwiespalts. Deutschland 1600-1700
Das Jahrhundert des Zwiespalts. Deutschland 1600-1700
von Paul Münch
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig, aber nicht schlecht., 22. Juli 2010
Das im Kohlhammer Verlag erschienene Buch Paul Münchs über die Welt, Geschichte, Gesellschaft und Umstände des 17. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich bzw. "Teutschlands" versucht, unter der aufgestellten Prämisse "wesentliche Grundlagen und Entwicklungen der Zeit mit dem Ziel, den Haupttendenzen der Epoche mit offenem Blick nachzuspüren", ein umfassendes Bild der Zeit zwischen 1600 und 1700 nachzuzeichnen. Grundlage dafür bildet eine vom Autor selbst in "unterschiedlichen Varianten" gehaltene Vorlesung an der Universität GH Essen, an welcher derselbe als Professor für Neuere Geschichte lehrt. Das Überblickswerk spannt einen weiten Bogen über das Jahrhundert von den klimatischen Bedingungen, der Bevölkerungsstruktur, der Wirtschaft, dem vorherrschenden Weltbild, der Ordnung der Gesellschaft, die Beziehung zwischen Reich und Ländern, über Religion und die Konfessionsbildung, sowie Bildung und Wissenschaft, Kunst, Musik, Literatur und schließlich am Schluss die Krisen und Kriege der Zeit. Politische Ereignisgeschichte wird lediglich an einigen Stellen schlaglichtartig dargestellt, um den gerade skizzierten Sachverhalt in den historischen Kontext zu stellen. Eine umfangreiche Bibliographie, welche in die Kapitel des Buches untergliedert ist, eine Zeittafel, sowie Orts- und Personenregister runden das Werk ab. Die Ausdrucksweise schwankt zwischen gut verständlichen Passagen einerseits und mit Fremdwörtern überfrachteten Schachtelsätzen andererseits, die hin und wieder den Eindruck erwecken können, dass es hier nicht primär darum ging dem Leser Informationen zu vermitteln, sondern das Herausstreichen des elitären akademischen Bildungsstandes des Autors praktiziert werden sollte. Dies ist leider ein sehr weit verbreitetes Phänomen in der deutschsprachigen Fachliteratur. Doch glücklicherweise ist zur Verteidigung des Schreibstils von Münch ins Feld zuführen, dass sich bei ihm in dem besprochenen Werk solche intellektuellen Exzesse in Grenzen halten und nur hin und wieder auftauchen. Doch wenn sie denn auftauchen ist ein gutes Fremdwörterbuch unabdingbar. Im Großen und Ganzen aber wird der Lesefluss des Buches dadurch nur selten gestört.
Einen festen Rahmen Bilden sowohl Vorwort und erstes Kapitel "1. Ein dunkles Jahrhundert?", sowie das letzte Kapitel "11. Das janusköpfige Jahrhundert", in dem die Kernthese Münchs, dass trotz der mannigfaltigen Krisen und Rückständigkeiten vieles nach vorne "in die Moderne" weisen würde, aufgestellt und diskutiert wird. Um die Widersprüchlichkeit des Jahrhunderts in seiner gleichzeitigen Verhaftung im Althergebrachten und die Rückwärtsgewandtheit auf der einen Seite und auf der anderen Seite die vielen Fortschritte, Neuerungen und positiven modernen Entwicklungen zu verdeutlichen, bedient sich Münch immer wieder der Metapher des Janus bzw. Januskopfes, der auch den Umschlag ziert. Im Laufe der einzelnen Kapitel versucht der Autor gerade einen Schwerpunkt auf die weniger düsteren und negativen Betrachtungen zu legen, um der allgemeinen Vorstellung eines dunklen Zeitalters entgegenzuwirken. Dieser rote Faden scheint sich in manchen Unterkapiteln teilweise durch die recht detaillierten Betrachtungen ein wenig zu verlieren, doch wird er immer wieder neu aufgegriffen. Um diesen Leitfaden herum wickeln sich die Ausführungen der genannten Themenkomplexe in kurzer und prägnanter Form, welche dem Leser mehr als jede Darstellung der politischen Ereignisgeschichte einen Eindruck der Lebenswelt in dieser Zeit vermitteln können. So werden eben solche wichtigen Aspekte behandelt, die zum Verständnis nicht nur des 17. Jahrhunderts, sondern der gesamten Frühen Neuzeit beitragen, wie zum Beispiel das geozentrische Weltbild oder die schwierigen klimatischen Bedingungen der "Kleinen Eiszeit", oder auch die wirtschaftlichen Folgen des Dreißigjährigen Krieges oder das Verhältnis zwischen den sich herausbildenden Konfessionen. Frömmigkeit und religiöse Außenseiter werden ebenso besprochen, wie bahnbrechende wissenschaftliche Erfindungen (z.B. Teleskope und Mikroskope) und Neuentdeckungen mit Einfluss auf das Verständnis von Himmel und Erde. Gerade im Kapitel 8 "Bildung und Wissenschaft" und Kapitel 9 "Kunst, Musik und Literatur" tritt die These Münchs der Vorwärtsgerichtetheit des Jahrhunderts deutlich hervor. Hier werden die Neuorientierungen des gesamten Denkens ins Feld geführt, die aus der Krise der Zeit entstanden seien. Insbesondere die (langsame) Wandlung vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild und die neuen Entdeckungen in den verschiedenen Wissenschaftsbereichen werden für die modern anmutende Vorwärtsbewegung herangezogen. Doch gleichzeitig wird deutlich wie viele Bereiche der starken Kräfte des rückständigen Althergebrachten verhaftet sind. So wurde unter anderem Giordano Bruno für seine ketzerischen Theorien auf dem Scheiterhaufen verbrannt und selbst "große Naturwissenschaftler der Zeit 'von Kepler bis Newton- blieben gläubige Christen die in der Zweckmäßigkeit der Natur die Größe Gottes erblickten." Um durchaus positive Eindrücke des Lesers noch weiter zu relativieren, folgt im 10. und vorletzten Kapitel wieder eine eher düstere Schilderung der Krisen und Kriege der Zeit. Hier wird noch einmal deutlich dass das Alte Reich im 17. Jahrhundert nahezu pausenlos mit kriegerischen Auseinandersetzungen zu kämpfen hatte. Dabei sind natürlich vor allem der Dreißigjährige Krieg, die Auseinandersetzungen mit den Türken, sowie mit Frankreich und Schweden zu nennen. Bevölkerungswachstum bei gleichzeitiger Nahrungsmittelknappheit und Kleiner Eiszeit, Pest, die ungelöste Glaubensfrage, Bauernaufstände, Hexenverfolgung und Folter werden zwar aufgezählt und kurz erläutert, doch ihre Wirkmächtigkeit und ihre Charakterisierung für dieses Jahrhundert vielleicht ein wenig zu sehr hinten angestellt, obwohl sie natürlich vom Autor deutlich benannt werden. Schon zu Beginn des Buches vor allem im 1. Kapitel wird doch ein eher düsteres Bild der Epoche gezeichnet, obwohl 'wie schon erwähnt- dies ja nicht in der Absicht des Autors gelegen haben dürfte. Es sind eben doch zu viele Punkte die dem heutigen Verständnis vom humanen Umgang der Menschen untereinander krass entgegenstehen. Neben den schon genannten apokalyptischen Krisenerscheinungen treten eine durch und durch patriarchalische, teilweise offen frauenverachtende Gesellschaftsform und ein tief verwurzelter religiöser Fundamentalismus. Das was in der historisch wenig gebildeten "Mainstreamgesellschaft" von heute allgemein als mittelalterlich, rückständig und finster angesehen wird, trifft doch meist eher eben gerade auf die Frühe Neuzeit bzw. ganz konkret auf das 17. Jahrhundert zu und lässt sich nur schwer ausklammern. Dadurch ist es umso erfreulicher, dass Paul Münch nie in einen oberflächlichen populistischen Stil abgleitet, sondern stets dem rationalen und kühlen, meist wertfreien Blick eines Wissenschaftlers treu bleibt. So gefällt auch die Allegorie der Janusköpfigkeit wesentlich mehr, als die Herauskehrung der angeblich doch so stark vorhandenen Fortschrittlichkeit. Gerade eben wenn Münch sich auf die Widersprüchlichkeit der Zeit konzentriert, ist er am glaubwürdigsten. Der gleichzeitige Blick ins Mittelalter mit den wichtigen Grundpfeilern der Gesellschaft (Dreiständelehre, Grundherrschaft / Gutsherrschaft usw.) aber auch die für die frühneuzeitliche Staatenbildung so wichtige Territorialisierung und Konfessionalisierung bilden hier vielleicht einen weiteren scharfen Kontrast. Im letzten Kapitel resümiert der Autor noch einmal zusammenfassend das janusköpfige Jahrhundert. Er hebt insbesondere die Veränderung der Geschichtswahrnehmung, nämlich die Erkennung eines möglichen Fortschritts schon bei den Zeitgenossen, und die allmähliche Verdrängung der Vier-Reiche-Lehre bzw. der Lehre von den Sechs Zeitaltern durch die neue Einteilung in Altertum, Mittelalter und Neuzeit hervor. Gleichsam ein von den Zeitgenossen selbst wahrgenommenes Bewusstsein für Neuzeitlichkeit. Trotz der vielen Kontinuitäten und Verharrungsphänomene, die in den 10 vorangegangenen Kapiteln immer wieder deutlich wurden, verdichtet sich Münchs Argumentationskette zu einem eher positiven, ein altes Zeitalter ablösendes und eine neues einleitendes, Fazit. Über dieses Resümee lässt sich sicherlich streiten, doch was auffällig bei der Lektüre dieses Buches war, ist dass auch durch Münchs Werk selbst, sich beim Leser nicht so recht dieses positive Endurteil über das 17. Jahrhundert einstellen will. Zu schwer scheint die drückende Last der Kriege und kriegerischen Auseinandersetzungen, des Elends der breiten Masse der Unterschicht, die Hungersnöte, die fundamentalistischen religiösen Dogmen und Auseinandersetzungen, der erst sehr langsam verschwindende Analphabetismus, Seuchen, Hexenverfolgung, Missernten, vagabundierende Söldnerheere, die starre patriarchalische Gesellschaft, die legitimierte hierarchische Ungleichheit zwischen den Ständen usw. usf. Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass Münch um den Eindruck eines unfassenden kulturellen Wandlungsprozesses und den Weg in die Moderne zu untermauern, die eben genannten negativen Gesichtspunkte ein wenig vernachlässigt.
Was dem Buch überdies ein wenig fehlt ist der ausgreifende Blick sowohl zurück ins 16. und 15. Jahrhundert, als auch in die folgenden Jahrhunderte mit solch wichtigen Umbrüchen wie die Aufklärung und die französische Revolution. Welche Entwicklungen deuten schon in der Zeit zwischen 1600 und 1700 auf diese großen Veränderungsprozesse hin? Gibt es frühaufkärerische Bewegungen in der Schriftkultur oder bei der Bürgerschaft in den Städten und Residenzen? Welche Zusammenhänge und Strukturen bilden zum Beispiel die Basis für den Aufstieg Preußens und die Entwicklung des Kaiserreiches? Solche Fragen werden, wenn sie denn überhaupt behandelt werden, nur am Rande gestreift. Die Einordnung der vielen kleinen Teilaspekte des Jahrhunderts des Zwiespalts in die großen Entwicklungszusammenhänge fällt mit diesem Werk ein wenig schwer. Hier ist entweder eine umfassende Vorbildung zu den gesamthistorischen Ereignissen oder zusätzliche Einführungsliteratur von Nöten. Dennoch ist als Fazit festzuhalten, dass "Das Jahrhundert des Zwiespalts: Deutsche Geschichte 1600-1700" das Zeug zu einem Standardwerk hat, da es eben so viele Aspekte der Frühzeitlichen Geschichte behandelt und anreißt, die sonst in so einer prägnanten und zusammenfassenden Form, gerade für Studenten und interessierte Laien, meines Wissens nach nicht vorhanden ist. Gerade eben die Beschäftigung mit der Lebenswirklichkeit der Menschen in dieser Epoche verschafft dem Leser einen tieferen Einblick in die Realität einer widersprüchlichen und zum Teil aus heutiger Sicht sehr befremdlichen Welt. Insbesondere als Zusatz für das Studium der reinen politischen Ereignisgeschichte, kann das Werk Paul Münchs sehr bereichernd wirken und das Verständnis für die Zeit vertiefen.


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