35 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Was für ein Comeback!, 9. September 2011
Hier ist es nun, das lang erwartete Album der göttlichen Kombination John Arch/Jim Matheos.
Für alle Nicht-Insider: John Arch steuerte mitte der 1980er Jahre die Vocals zu den ersten drei Alben der Prog-Metal Pioniere Fates Warning bei. Speziell das dritte Album "Awaken the Guardian" stellt für viele Prog-Metal Fans - mich eingeschlossen - so etwas wie den heiligen Gral dieses Musik Stils dar.
Nach Johns Ausstieg 1987 übernahm Ray Alder das Mikrofon und mit ihm schlug die Band eine weniger metallische Richtung ein. Weiterhin sehr gute Musik mit einem wirklich hervorragenden Sänger, aber eben nicht mehr die alten Fates Warning.
Im Jahr 2003 gab es ein kurzes Lebenszeichen von John Arch mit der EP "Twist of Fate" auf der neben Fates Warnings Gitarrist und Mastermind Jim Matheos noch Joey Vera am Bass und Mike Portnoy an den Drums mitwirkten. Die zwei überlangen Songs der 28-minütigen EP machten Lust auf mehr und ließen auf eine weitere Zusammenarbeit hoffen, aber danach war wieder Funkstille.
Doch nun: siehe oben ;)
Zuerst die Antwort auf die wichtigste Frage: Wie klingt John Arch mit mittlerweile 52 Jahren?
Sie lautet: göttlich, einzigartig, engelsgleich, als sei er keinen Tag gealtert. Es ist unbegreiflich mit welcher Leichtigkeit sich dieser Mann noch in die Höhen seiner Sangeskunst begibt. Auch seine unverwechselbaren 'Trademarks', der teilweise mehrstimmig eingesungene Gesang und die einzigartigen Melodielinien klingen als sei der Mann im Kälteschlaf konserviert gewesen und für die Aufnahmen zu diesem Juwel erweckt worden.
Neben John/Jim sind noch Bobby Jarzombek an den Drums, Frank Aresti als zweiter Gitarrist und Joey Vera am Bass beteiligt. Da Frank auch am Jahrhundertwerk "Awaken the Guardian" beteiligt war, ist also bis auf die Rhythmusabteilung das legendäre Line-Up dieses Klassikers wieder beisammen.
Nun die Antwort auf die zweitwichtigste Frage: Klingt "Sympathetic Resonance" wie der Nachfolger von "Awaken..."?
Diesmal ein klares "nein". Aber sie klingt so, wie F.W. anno 2011 klingen könnten, wenn John der Band erhalten geblieben wäre.
Das Album fällt insgesamt eine ganze Ecke härter aus als die letzten Alben von F.W., die Produktion ist absolut auf der Höhe der Zeit, sehr druckvoll und trotzdem wunderbar transparent. Man kann sich problemlos auf einzelne Instrumente konzentrieren, wirklich hervorragend.
So entdeckt man das wunderbar vertrackte, aber trotzdem songdienliche und niemals überladen wirkende Drumming von Bobby Jarzombek oder genießt die überragende Gitarrenarbeit die niemals in sinnloses Gefrickel ausartet.
Die sechs Songs bringen es auf eine Spielzeit von 54 Minuten. Dabei ist jeder Song ein kleines Meisterwerk.
Mit 'Neurotically Wired' startet die Reise vielleicht sogar erst einmal ein wenig sperrig. Die einzelnen Parts wissen schon durchaus zu gefallen, aber in der Gesamtheit erschließt sich das Stück erst nach mehrmaligem Hören. Trotzdem zaubern die ersten Gesangslinien bereits Gänsehaut auf des Hörers Arme.
Dafür folgt mit 'Midnight Serenade' - quasi als Belohnung - der eingängigste und mit knapp 5 1/2 Minuten schon fast der kürzeste Track mit einem wunderschönen Refrain.
'Stained Glass Sky' ist als 5min 'edit'-Version bereits seit längerem auf Youtube zu bestaunen. In der hier vorliegenden 14min Version sticht neben dem 3-minütigen Instumental Part zu Beginn und dem folgenden Part der "edit"-Version das Ende des Stücks hervor: wiederum eine Gesangslinie wie sie nur John Arch zu kreieren vermag, bevor noch einmal die Zügel angezogen werden.
'On the Fence' vermittelt durch das schleppende Tempo eine dezent dunklere Stimmung, teilweise wie eine Verbeugung vor den alten Black Sabbath.
Danach folgt mit 'Any Given Day' der härteste Song des Albums der erst zum Ende ein wenig den Fuß vom Pedal nimmt.
Mit 'Incense and Myrrh' beschließt eine traumhafte Halbballade mit einem furiosen Finale eines der traumhaftesten Prog-Metal Alben, die ich seit langer, langer Zeit hören durfte.
Fazit: Die aktuelle Scheibe mit dem Meisterwerk "Spectre Within" oder dem Gral namens "Awaken the Guardian" zu vergleichen wäre extrem unfair...
... also mach ich's mal:
Ich bin mit extrem hohen Erwartungen an das Album herangegangen und diese wurden nicht enttäuscht. Natürlich lässt sich die Magie der damaligen Werke nicht mehr (vollständig) reproduzieren. Jedoch sind diese fünf Herren verdammt nah dran. Spieltechnisch sind sie eh über jeden Zweifel erhaben, die Vocals sind nicht von dieser Welt und das Songwriting ist komplex genug um auch nach dem X-ten durchlauf noch neue Feinheiten zu entdecken. Trotzdem gibt es reichlich Parts, welche sich bereits beim ersten Hören ins Hirn (und Herz) graben. Und da ist da noch dieser Gesang. Ich bin halt damals mit den alten Sachen aufgewachsen und es war eine Offenbarung für mich. Und ich hatte niemals zu hoffen gewagt dass es noch einmal einen solchen Output, ein solches (und hier ist der Begriff wirklich einmal angebracht) Meisterwerk geben würde. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich behaupte, dass wir es hier mit einem weiteren Meilenstein zu tun haben, der seinen 'Klassiker'-Status quasi jetzt schon sicher hat.
Ich bin dankbar für dieses Comeback-Album des Jahrzehnts und hoffe inständig auf mehr.
In diesem Sinne: Kaufen und verzaubern lassen ;)