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STB

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Black Ice
Black Ice
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 7,98

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Könige des knackigen Vier Viertel Taktes, 17. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Black Ice (Audio CD)
Das Rockjahr 2008 ist reich gesegnet mit großartigen Veröffentlichungen. Sei es das neue Motörhead - Album "Motörizer", Metallicas erster Longplayer seit 5 Jahren ("Death Magnetic") oder Edguys achtes Epos "Tinnitus Sanctus" - schon jetzt haben diese Werke Klassikerstatus.

Nur eine Band kann diese Meisterleistungen noch übertreffen. Sage und schreibe 8 Jahre nach ihrem letzten Output "Stiff upper lip" melden sich die Gründer des knackigen Vier - Viertel Rock 'n' Rolls zurück. "Black Ice" heißt die mittlerweile 14. AC/DC - Album und es tut genau das was der große Teil seiner Vorgänger auch getan hat: Es rockt gewaltig! Direkt - schnörkellos - genial.

Mit neuem Produzenten (Brendan O'Brien) und neuem Elan präsentiert das Englisch/Australische Quintett 15 ultracoole Songs zwischen Hard Rock und Boogie. Die Pause hat der größten Rock and Roll Band des Universums sichtlich gut getan, im urtypischen AC/DC - Sound ist sogar der eine oder andere neue Farbtupfer zu erkennen. Doch der Reihe nach.

Den Auftakt macht die Vorab - Single "Rock'n' Roll train" - ein AC/DC Song wie er im Buche steht: Vier - Viertel - Takt, straightes Riff, Hymnenrefrain. Vielen klingt dieses Lied etwas zu traditionell, für mich ist es der gelungene Auftakt zu einer LP die rundum Spaß macht. Es gibt kaum schwache Kompositionen, lediglich das etwas lahme "Skies on fire" oder das gewöhnungsbedürfte "Anything goes" mit sehr poppigem Sound fallen beim ersten Hören etwas ab.

Besondere Highlights aus knapp 56 Minuten bestem Hard Rock Entertainment herauszupicken ist beinahe unmöglich. Jeder Titel hat seine eigene Faszination. Trotzdem gibt es für mich mit "War Machine" einen Übersong auf "Black Ice". Versehen mit einem unsagbar trockenen Groove, einem Monsterriff und einem gefährlich gebellten Refrain verursacht der Track absolute Suchtgefahr. Die 3.09 Minuten vereinen sämtliche AC/DC Stärken und lassen nicht nur den geneigten Fan hingebungsvoll niederknien und enthusiastisch sämtliche Körperteile schütteln. Ein absoluter Killer! Danke für dieses Meisterstück!

Wie immer hat die Combo um die beiden Young - Brüder keine einzige Ballade am Start und rockt energetisch und druckvoll. So zaubern die zeitlosen Hymnen "Big Jack", "Spoilin for a fight" und "Rocking all the way" ein ums andere Mal ein breites Grinsen auf sämtliche Rock and Roll Gesichter. Gepaart mit Boogie - Groovern der Marke "Decibel" oder "Money made" bleibt kein Wunsch unerfüllt. AC/DC machen genau das was sie auszeichnet: simplen, aber unglaublich geilen Rock and Roll.

Zu den typischen Markenzeichen der Band gesellen sich diesmal wohl dosierte neue Elemente. So nutzt Gitarrist Angus Young erstmals ein so genanntes Bottleneck. Außerdem legt Produzent O'Brien verstärkten Wert auf die Refrains des Fünfers. Titel wie "Rock n Roll dream" oder "Stormy may day" liefern durch ihre erfrischende Andersartigkeit einen angenehmen Kontrast, der die 15 Songs nie langweilig werden lässt.
Wenn mit dem Titelsong ein verdammt starkes Album ausklingt, will die gute Laune einfach nicht verschwinden.

Lange hatte es nicht gut ausgesehen für den weiteren Verbleib von AC/DC. Viele rechneten mit einer Bandauflösung. Ein neues Album einzuspielen war daher die absolut richtige Entscheidung. Das Feuer ist zurück, man merkt der Formation zu jeder Zeit die Spielfreude an, sie springt einem förmlich aus den Boxen entgegen. Die lange Pause hat defintiv gut getan.

Brian Johnsons Stimme klingt frisch wie lange nicht, die Gitarren von Angus und Malcolm Young rumpeln herrlich ungestüm, Cliff Williams' Bass war wohl selten so deutlich abgemischt zu hören und Phil Rudds Drums atmen immer noch diesen unglaublich punktgenaue Drive.
Das alles verpackt in einen herrlich trockenen, klaren Sound ergibt ein perfektes Album.

Zu recht ist "Black Ice" weltweit zum Verkaufsschlager des Jahres 2008 avanciert. In dieser Form ist es ein absolutes MUSS die Band auf der kommenden Tour live zu erleben. Hoffentlich wird es nicht ihre Abschiedstour, denn wer die Fans so froh machen kann wie mit einem Klassealbum wie "Black Ice", der muss der Rockwelt noch lange erhalten bleiben!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 23, 2008 2:57 AM CET


Live from Texas
Live from Texas
Wird angeboten von ZUMM31
Preis: EUR 8,58

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider nicht mehr als solide, 7. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Live from Texas (Audio CD)
2008 ist es endlich soweit! Nach fast 40 Jahren Bandgeschichte gibt es die erste Live CD/DVD der legendären "Lil' ol Band from Texas". Billy Gibbons (Gitarre), Dusty Hill (Bass) und Frank Beard (Schlagzeug), besser bekannt als haariges Trio ZZ Top, melden sich live aus ihrer Heimat Texas. Das Nokia Theatre in Dallas ist voll besetzt und die drei Herren bieten wie gewohnt die perfekte Show. Das angenehm reduzierte Bühnenbild, die stimmungsvolle Lightshow und die beiden bärtigen Frontmänner zaubern jedem Freund perfekter (Hard-) Rock - Unterhaltung ein breites Grinsen ins Gesicht.
Der Bass rumpelt, die Gitarre groovt ungestüm, Billy's Stimme ist rau wie eh und je und das Schlagzeug klingt wie aus einem Guss - seit jeher die Markenzeichen einer sympathischen Band, die zum absoluten Aushängeschild des Cowboystaates Texas geworden ist.

Dass es längst Zeit war für ein offizielles Livedokument ist klar. Trotz des erhöhten Kultfaktors und der unfassbaren Coolness der Band bleibt das Musikalische leider etwas auf der Strecke. Die Setlist besteht zwar aus zahlreichen Hits der seit der Gründung im Jahre 1969 in der Urformation aufspielenden Formation, spieltechnisch wirkt das Programm jedoch sehr routiniert. Und das ist in diesem Zusammenhang (leider) kein Lob.

Macht die Auftaktnummer "Got me under Pressure" aus dem Hitalbum "Eliminator" (1983) noch viel Spaß, so flaut das Niveau mit zunehmender Konzertdauer doch merklich ab. Die Bluesnummern der 70er wie etwa "I'm bad I'm Nationwide" oder "Jesus just left Chicago" grooven gewohnt lässig, aber es gibt auch einige Totalausfälle. So stimmt beim Partykracher "Gimme all your lovin" weder Tempo noch Groove, der Boogie - Rocker "Waitin for the Bus" kommt erschreckend lahm daher und auch die Alltime Bandklassiker "La Grange" und "Tush" werden höchstens mittelmäßig dargeboten, haben erstaunliche Timing - Defizite.

Höhepunkt ist für mich "Pearl Necklace". Im Original nicht gerade mein Lieblings ZZ Top - Song, aber in dieser neuen, etwas raueren Liveversion besitzt er durchaus Charme.
Auch die schmeichelnde Ballade "Rough boy" gehört zu den Glanzlichtern. Sehr gefühlvoll, sehr smooth. Immer noch ein schöner Song.

Überraschend klar klingt der größte Bandhit "Legs". Beinahe meint man dass es sich hierbei um ein Playback der Originalaufnahme handelt, denn selten haben die drei diesen Song so perfekt intoniert.

Als sympathisches Schmankerl nach dem letzten Track "Tush" gibt's Billy's bereits von der DVD bekannte "Dollar - Store - Story". Er ist und bleibt einfach eine coole Sau.

Auf CD wirkt der Gig sehr durchschnittlich. Deutlich mehr Spaß macht da die DVD, denn visuell sind ZZ Top immer noch ein absoluter Brecher und machen einen Heidenspaß.

Für die erste Live - CD hätte ich persönlich mir einen besseren, repräsentativeren Auftritt gewünscht. Zudem klingt das Schlagzeug von "Maschine" Frank Beard sehr langweilig, als Krönung verschwinden seine Becken oftmals im Soundbrei. Sehr schade.

Trotz dieses leider höchstens mittelmäßigen Schaffensdokumentes gehen die Herren stramm auf die 60 und die Band auf ihr 40 jähriges Bestehen im Jahr 2009 zu. Passend zum Jubiläum wird es im Frühjahr das 14. Studioalbum von Billy, Dusty und Frank geben. Als Produzenten haben sich die drei keinen geringeren als Rick Rubin geangelt, der seit Jahren für qualitativ hochwertige Produkte steht.

Hoffentlich wird auch die neue LP so feurig - frisch und experimentierfreudig wie der letzte Output "Mescalero" aus dem Jahre 2003 klingen. Vielleicht besinnen sie sich auf der danach folgenden Tour auch einmal darauf, dass ihre Karriere nicht im Jahr 1994 stehen geblieben ist und schieben ein paar Titel aus der "Back to the Roots" - Phase seit 1996 ein. Gut tun würde es ihnen allemal.

Als Fazit bleibt: Diese Band wurde für die Bühne gemacht und wird auch auf der Bühne sterben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 21, 2014 2:34 PM MEST


St. Anger (CD + DVD)
St. Anger (CD + DVD)
Wird angeboten von die_schallplatte-hsk Preise inkl. MwSt.
Preis: EUR 24,95

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Metallica erfinden sich neu, 10. September 2008
Rezension bezieht sich auf: St. Anger (CD + DVD) (Audio CD)
Selten hat ein Heavy Metal - Album so polarisiert wie das 2003 erschienene "St. Anger" von Metallica. Das neunte Studioalbum der einstigen Bay Area Thrasher fällt in eine schwierige Zeit. Gerade hat sich Bassist Jason Newsted nach 14 Jahren davon gemacht und Sänger James Hetfield ist über ein halbes Jahr in einer Entzugsklink, um sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen. Zu dieser Zeit ist nicht sicher, ob die bekannteste Metal - Band des Planeten überhaupt weiter existieren wird.
Doch nach Hetfields Entzug kommt dieser als neuer Mensch zurück und man macht sich voller Tatendrang an die Aufnahmen zu einem neuen Album. Die weiteren Begleitumstände und Schwierigkeiten im Entstehungsprozess dieses Albums sind im Dokumentarfilm "Some kind of Monster" in schonungslos - offener Weise dargestellt.

5 Jahre nach dem bis dahin letzten Studioalbum "Garage Inc." sind Metallica also 2003 mit 11 neuen Songs zurück. Und wie! Schon die Faust auf dem Cover macht klar wohin die Reise geht.

Nachdem in den 90er Jahren eher der groovige Hard Rock den Sound von Metallica geprägt hat, ist "St. Anger" ein richtiges Metal - Brett. 75 Minuten derbes Geknüppel, brachiale Riffs und aggressive Gesangsparts. Dazu fehlen die Genretypischen Soli vollständig, was das Werk besonders kompakt, aber auch schwer verdaulich klingen lässt.

Gleich zum Auftakt regiert der Metal - Hammer. "Frantic" macht seinem Namen alle Ehre und zischt los, dass es eine Freude ist.
Dann der Titelsong. Bereits im Vorfeld als Single veröffentlicht ist der Track wahrscheinlich der Härteste seit den 80er Jahren. Das böse Hauptriff geht über in einen wildes Gebolze, das es in sich hat. Der Text wirkt zwar nicht ganz ausgereift, aber das Lied an sich ist ein gewaltiges Lebenszeichen.

So wie auch die weiteren Songs der Platte. Das böse groovende "Some kind of Monster", das pfeilschnelle "Dirty window" oder das einzige ruhigere Stück "The unnamed feeling" machen deutlich, dass Metallica noch in der Lage sind Top - Kompositionen abzuliefern, die richtig knallen.
Mein persönlicher Favorit ist allerdings "Sweet Amber", das ruhig startet und dann richtig explodiert. Auch "My world" ist ein Groover vor dem Herrn, der richtig in den Allerwertesten tritt.

Lediglich "Purify" klingt für mich etwas zu belanglos.

Warum "St. Anger" nun so polarisiert? Viele Fans wünschten sich nach den erfolgreichen Tagen der 90er endlich wieder ein richtig aggressives Metallica - Album. Das haben sie mit "St. Anger" defintiv bekommen, jedoch sind viele ob der Unzugängigkeit verstört. Keine Soli, noch dazu hat kein Lied unter 5 Minuten Spielzeit und auf Dauer wirkt das ständige Gebolze doch anstrengend. So hatten sich viele das "Metal - Comeback" der Amerikaner nicht vorgestellt.

Aber genau das ist das Spannende an Metallica. Man kann nie ausrechnen wie sie auf einer neuen LP klingen. Diesesmal musste eben ein großer Batzen Aggression aufgrund der Begleitumstände zur Entstehung raus, aber es ist eine positive Aggression. Eine die zeigen soll, dass die größte Metalband der Welt doch noch Eier hat.

Trotzdem gibt es einige Kritikpunkte am Werk. Zum einen ist da der Sound des Schlagzeuges von Lars Ulrich. Dieser Kritik möchte ich mich anschließen. Es klingt blechern und auf Dauer einfach sehr nervig. Was aber oftmals außer Acht gelassen wird: Das ist Absicht! Das ganze Album soll klingen als sei es in einer Garage aufgenommen worden: Verwaschen, brachial, ehrlich.
Trotzdem stört der Schlagzeug - Sound auch nach mehrmaligem Hören ungemein. Für mich der einzige gerechtfertigte Kritikpunkt.

Des Weiteren kritisieren viele, das Album würde "zerhacktstückt" klingen. Mit Sicherheit sind in allen Songs verschiedene Ideen verarbeitet, aber das haben Metallica immer gemacht und so bleibt die Spannung erhalten. Ein Song wie "The unnamed feeling" lebt von grandiosen Spannungsbögen und wird so nie langweilig.

Im Endresümee lässt sich sagen, dass die Herren Hetfield, Ulrich, Hammett und Rock (der den Bass spielte) mit "St. Anger" ein echtes Metal - Meisterwerk abgeliefert haben, das in seiner Neuartigkeit überrascht aber auch fesselt.
Wer sich einmal richtig in den Hintern treten lassen will, dem sei dieses Album wärmstens empfohlen. Nicht ohne den Hinweis, dass man sich drauf einlassen muss.


Motörizer Ltd.Edition
Motörizer Ltd.Edition
Preis: EUR 19,98

11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein neues Motörhead - Album ist immer ein Spaß, 3. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Motörizer Ltd.Edition (Audio CD)
Im regelmäßigen Abstand von zwei Jahren steigt die Freude aller Fans von lautem, dreckigem und ehrlichem Rock 'n' Roll. In diesem Turnus veröffentlicht nämlich die englische Hard Rock Truppe Motörhead seit dem Jahr 1996 ihre Alben.
2008 ist es also mal wieder so weit. Lemmy und seine Jungs haben ein neues Album am Start, diesmal hört es auf den vielsagenden Titel "Motörizer". Und tatsächlich gibt der Riff - Motor des Trios richtig Gas.
Was im Vergleich zu den brillanten Vorgängern "Inferno" (2004) und "Kiss of death" (2006) jedoch auffällt, ist, dass das Gesamtniveau der neuen LP doch etwas abfällt. Die 11 Nummern klingen wie immer authentisch, echt und direkt, aber die ganz großen Ideen fehlen diesmal. Trotzdem ist das neue Werk keinesfalls so schlecht wie etwa "We are Motörhead" (2000), dem bisher wahrscheinlich schlechtesten Motörhead - Output.
Einige Songs wissen durchaus zu überzeugen. So macht etwa der ruppige Rhythmus von "Teach you how to sing the Blues" in Kombination mit dem Killer - Refrain richtig gute Laune. Auch der pfeilschnelle Nackenbrecher "Rock out" gehört defintiv zu den Höhepunkten. Gerade in diesem Lied zeigt sich einmal mehr die bissige Kauzigkeit von Songwriter Lemmy Kilmister.
Des Weiteren sei das eingängige "English Rose" erwähnt. Der Song besticht durch einen klasse Refrain, der sich sofort im Ohr festsetzt, während "The thousand names of God" wahrscheinlich der einzige "Hit" der Platte ist. Ein Titel, der sich in die Reihe vieler Motörhead - Klassiker von "Ace of Spades" bis (zuletzt) "Be my Baby" einzureihen vermag. Hier hört man die Engländer in Bestform, Rhythmus, Refrain, Riff - alles passt genau. Der beste Song eines insgesamt aber durchschnittlichen Albums.

Denn der Rest der 11 Titel ist erstaunlich mittelmäßig. Können Songs wie "Runaround man", "Heroes", "Buried alive" oder "When the Eagle screams" noch als "typische" Motörhead - Songs verbucht werden, so sind "One short life" und "Time is right" leider Totalausfälle, wie es sie seit "No Remorse" von "Hammered" (2002) nicht mehr gegeben hat. Beide Titel wirken uninspiriert, ohne Struktur und einfach nicht gut genug.

"Motörizer" ist alles in allem betrachtet sehr gut hörbar, besitzt einige Glanzlichter, aber auch einigen Durchschnitt, weshalb als Bewertung nur drei Sterne übrig bleiben.

Zuletzt hatte ich mich gewundert, dass Lemmy Kilmister (Bass/Gesang), Phil Campbell (Gitarren) und Mikkey Dee (Schlagzeug) im Alter immer besser werden. Das aktuelle Album widerlegt diesen Trend ein bisschen. Nichts desto trotzt gilt auch beim gefühlt 500sten Werk der Drei - Akkorde - Fraktion die goldene Regel, dass Motörhead niemals ein wirklich schlechtes Album veröffentlichen. Die Songs sind sehr gut gemacht, rocken und kicken und heben sich in Stil und handwerklicher Perfektion deutlich von vielem ab, was derzeit in der Metal und Hard Rock - Szene floriert.

Leider wirkt der Gesamteindruck an manchen Stellen etwas zu routiniert und die Songs verkommen zum Einheitsbrei. Zudem ist die Gesamtspielzeit von 39 Minuten doch etwas kurz.

Die Tatsache dass viele Riffs schon mehrfach auf anderen Alben benutzt wurden, macht die Band bei Weitem nicht langweilig, sondern sympathisch. Lemmy klaut bei sich selbst - und das mit erhobenem Haupt, denn was er aus der "Wiederverwertung" macht kann sich hören lassen.

Ich freue mich schon sehr auf das Jahr 2010, wenn uns die drei mit ihrer nächsten CD beglücken. Jede neue Veröffentlichung sollte genossen werden, denn Lemmy ist mittlerweile auch schon über 60.
Dass er trotzdem noch in der Lage ist gute Songs zu schreiben und seinen Sinn für Groove und literarische Meisterleistungen beibehalten hat, macht ihn und seine Band so einzigartig. Deshalb lohnt es sich stets auf's Neue ein Motörhead - Album zu kaufen. Auch diesmal.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 4, 2008 8:20 PM MEST


Chasing Shadows
Chasing Shadows
Wird angeboten von heinzman1
Preis: EUR 39,90

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solider Melodic - Metal, 18. August 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Chasing Shadows (Audio CD)
So genannte "Super - Groups" sind meistens eine zwiespältige Sache. Wenn sich bekannte Namen der Metal - Szene zusammen tun kommt oftmals eher ein laues Lüftchen als ein kreativer Orkan zu Stande.
Ein Gegenbeispiel ist dabei sicherlich die Band "Empire". Gegründet von Razorback - Gitarrist Rolf Munkes hat die Formation bereits vier Alben am Start und klingt selten wirklich langweilig.
Vielleicht liegt es daran, dass seine Mitstreiter nicht irgendwelche Studiomusiker sondern gestandene Größen des Geschäfts sind.
Nach dem Abgang von Sänger Tony Martin, der zwei klasse Alben eingesungen hat ist der neue Shouter nicht minder prominent. Es ist Doogie White, besonders bekannt durch seine Zeit bei Ritchie Blackmore's Rainbow und mit einem durchaus voluminösen Organ gesegnet.
Am Bass findet sich erneut der Ex - Black Sabbath und Whitesnake - Mann Neil Murray und der Schlagzeuger ist Hans - Dampf Mike Terrana, der erst jüngst bei Axel Rudi Pell getrommelt hat und scheinbar monatlich auf einem anderen Album zu hören ist.

Kurzum: Diese Crew aus erfahrenen (und alten) Hasen präsentiert auf "Chasing Shadows" zehn starke Kompositionen im Bereich von melodischem Metal bis kräftigem Hard Rock.
Zum Einstieg macht der Titelsong Dampf, ohne wirklich im Metal verankert zu sein. Trotzdem geht er gut ins Ohr, auch wenn das Midtempo - Gestampfe mit der Zeit etwas uninspiriert wirkt.

Höhepunkte einer gut durchhörbaren Platte sind das kraftvoll rockende "Mother father holy Ghost", die Power Metal Hymne "The Alter" und mein persönlicher Lieblingssong, der düstere Kopfnicker "Manic Messiah".
Der Rest der Songs bewegt sich in soliden Bahnen. Man merkt stets dass absolute Profis am Werk gewesen sind - die letzte zündende Idee oder Hookline fehlt jedoch manchmal etwas.
Trotzdem ist besonders White's kraftvolle Stimme zu erwähnen, die den Titeln den richtigen Rahmen und Glanz verleiht.

Empire haben bereits mit dem letzten Album "The Raven Ride" angedeutet, dass mit ihnen als festem Bestandteil der Metal Szene zu rechnen ist. "Chasing Shadows" aus dem Jahre 2007 unterstützt dieses Vorhaben nachhaltig.

Power - Riffs und hymnische Refrains im Zeichen von Rainbow, Ritchie Blackmore oder Axel Rudi Pell zeichnen das Album aus. Innovationen sucht man vergebens, aber die müssen nicht zwingend sein wenn das Resultat gute Qualität besitzt. Und das ist hier defintiv der Fall. Auch wenn manches recht gleich klingt vermag doch bei jedem Song irgend etwas zu faszinieren.

Man darf gespannt sein wie das nächste Album klingt.


Lipservice
Lipservice
Preis: EUR 16,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gotthard wie man sie sich wünscht, 22. Mai 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lipservice (Audio CD)
Als die Schweizer Vorzeige - Rocker Gotthard 2005 mit ihrem siebten Studiowerk "Lipservice" um die Ecke kommen, ist mancher skeptisch. Zu sehr hatten sie mit den Vorgängeralben "Open", "Homerun" und "Human Zoo" in gefährlich seichten Gewässern gefischt und sich fast vollständig vom knallenden Hard Rock der ersten drei LPs verabschiedet. Schnulzige Balladen und weicher Softrock - Sound waren an der Tagesordnung und jeder merkte, dass diese Band eine Frischzellenkur benötigte um nicht zu enden wie die oft mit ihnen verglichenen Bon Jovi.

Dem entsprechend wechselt man die Plattenfirma, geht zu Nuclear Blast. Diese produziert hauptsächlich Metal - Acts. Außerdem holt man für den zu Krokus zurück gekehrten Mandy Meyer mit Freddy Scherer einen fähigen neuen Mann an der zweiten Gitarre.

Diese Faktoren bliden das Fundament für ein endlich wieder zupackendes Album voller echter (Hard) Rock Kracher.
Bereits die beiden Opener "All we are" und "Dream on" zeigen Gotthard in Bestform - heruntergestimmte Gitarren, fette Riffs, tolle Refrains und pures Rock and Roll feeling.
Die beiden besten Titel machen den Auftakt zu einer Platte, die rundum Spaß macht. Dies verdeutlicht auch die erste Single "Lift U up". Unterlegt mit einem Elektro - Drumbeat groovt sich dieser Song in den Gehörgang und man möchte laut mitsingen und mithüpfen.
Erstmals landen Gotthard mit diesem Titel auch in den deutschen Single Charts.

Weitere Highlights des Albums sind besonders die härteren Songs. Die im Videoclip an den Erfolgsfilm "Sin City" angelehnte zweite Single "Anytime Anywhere" ist für mich persönlich der herausragende Song der LP. Die Streicher heben ein unglaublich sattes Riff hervor und der Refrain geht ebenfalls ins Ohr.
"The Other side of me" pumpt im groovenden Midtempo ordentlich Adrenalin, ehe es im Refrain explodiert. Ein weiterer Gute Laune Track erster Güte.
Das etwas weichere "I wonder" hat den vielleicht stärksten Refrain des Werks und regt zum sehr aktiven Mitsingen an.

Zwischen all den Rock Songs kommen auch diesmal die Balladen nicht zu kurz, klingen jedoch bei Weitem nicht mehr so lasch und wattiert wie zuletzt. Besonders "Nothing left at all" ist zur großen Hymne des Herzschmerz geraten und kann problemlos mit Klassikern wie "Heaven" oder "Father is that enough" mithalten.

Große Gefühle kommen auch in Titeln wie "Everything I want" oder "I've seen an Angel cry" zum Vorschein. Allerdings klingen beide etwas zu zuckersüß um im Gesamteindruck nicht abzufallen.

Wenn "And then Goodbye" ein starkes Album besinnlich beschließt hat man 50 Minuten feinste Rock - Unterhaltung einer Band hinter sich, die endlich wieder die Gitarren entdeckt hat und so manche brillante Melodie aus dem Hut zaubert.

Die gesamte Band vermittelt Spielfreude. Angeführt vom ausgezeichneten Sänger Steve Lee ist das Ur Lineup erhalten, lediglich Freddy Scherer ist als neuer Gitarrist dabei und tut dem Ensemble sehr gut.
Trotz der großen Erfahrung der Band lässt man sich hier und da von Songwritern der Marke Wikstroem/Thomander unter die Arme greifen, was dem positiven Eindruck von "Lipservice" keinen Abbruch tut.

Es ist wunderbar Gotthard wieder mit dem zu erleben was sie am Besten können: Fetziger Hard Rock in Kombination mit wunderschönen Balladen, die allerdings nicht zu seicht daher kommen.

Klar, man kann von Gotthard kein Metal - Album erwarten. Trotzdem machen sie mit ihrem siebten Werk einen großen Schritt in die richtige Richtung, was ihr Nachfolger "Domino Effect" noch einmal gebührend unterstreichen soll.


Fight Club - Special Edition (2 DVDs im Steelbook)
Fight Club - Special Edition (2 DVDs im Steelbook)
DVD ~ Brad Pitt
Wird angeboten von dvd-schnellversand
Preis: EUR 39,00

13 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Streitbares Werk, 30. März 2008
David Finchers Verfilmung von Chuck Palahniuks Roman 'Fight Club ist schwere Kost. Sie behandelt Themen wie Sinnsuche und Sinnlosigkeit im und während des Seins, tiefe Depression, Resignation, fehlendes Bewusstsein und Unruhe.

Edward Norton spielt einen namentlich nicht genannten Rückrufkoordinator einer großen Autofirma, dessen Leben durch den monotonen Einheitsbrei seines Berufes und den Hass aus die bestehende Gesellschaftsordnung in eine dumpfe Leblosigkeit sowie eine daraus resultierende, fortwährende Schlaflosigkeit mündet.
Der Protagonist, gleichzeitig '"Ich -' Erzähler"', wird von Beginn an als trübe und stagnierte Persönlichkeit dargestellt. Auf seiner Suche nach dem Spüren des eigenen Selbst entdeckt er zunächst diverse Selbsthilfegruppen. Dort fühlt er sich erstmals geachtet und gehört und bemerkt: "Seltsam, dass dir die Leute erst wirklich zuhören, wenn sie glauben, dass du krepierst" '- eine gleichsam zynische wie pessimistische Aussage.
Schnell werden die regelmäßigen Gänge zu den verschiedensten Problemgruppen zur Sucht. Als er in einer Sitzung auf eine weitere Simulantin namens Marla Singer trifft, gerät seine Welt aus den Fugen und die Schlaflosigkeit kehrt zurück. Durch die Anwesenheit dieser Frau fühlt er sich als Lügner enttarnt, der auf Kosten des Leides Anderer Befriedigung findet.

Just in diesem Moment tritt ein gewisser Tyler Durden (Brad Pitt) in das Leben des Namenlosen. Er behauptet kühn dass Sicherheit eine Illusion sei und stellt sich als Seifenhersteller vor. Als kurz nach dieser Begegnung das gesamte Apartment der Hauptfigur in Flammen aufgeht und mit ihm sämtliche teure und hochmoderne Einrichtungsstücke der größten skandinavischen Möbelkette, fällt ihr Tyler Durden ein, dessen Auftreten sie beeindruckt hat. Er wirkt in seinem gesamten Auftreten souverän und beinahe 'allwissend - genau das Gegenteil der blassen Hauptfigur.

Nach etlichen Bieren sagt Durden ihm einen vorläufigen Schlafplatz in seinem Haus zu. Auf dem Weg dort hin wartet Tyler jedoch mit einer ungewöhnlichen Bitte auf: Er möchte, dass sein künftiger Mitbewohner ihn so hart er nur kann schlägt. Zunächst verdutzt geht dieser darauf ein und so beginnt eine wüste Schlägerei -' die Grundsteinlegung für den '"Fight Club"

In diesem Club treffen sich regelmäßig von der Gesellschaft geläuterte Männer um in martialischen "Eins -' gegen -' Eins" Kämpfen gegeneinander anzutreten. Bei diesen Kämpfen geht es nicht um Sieg oder Niederlage, es geht vielmehr darum sich selbst zu spüren. Durch die sehr deutliche Bildsprache mit absichtlichen Close ups auf blutverschmierte Gesichter und geläuterte Leiber soll wohl eine Art Faszination aufgebaut werden. Besonders gestützt wird dieser Eindruck durch die um die Kämpfer stehende Gruppe, welche diese lauthals unterstützt.
Die brutalen Schlägereien können meines Erachtens nicht klar bewertet und eingeordnet werden. Einerseits wäre es wünschenswert, wenn der Regisseur damit auf die Perversität der Gesellschaft hinweisen wollte, in der man sogar zu solch extremen Mitteln wie brutaler Gewalt greifen muss um sich selbst spüren zu können.
Aber andererseits habe ich das Gefühl, dass der Zuschauer eher in die Richtung der Faszination und Sympathie für diese Art der Selbsterfahrung gedrängt werden soll, was ich durchaus grenzwertig und bedenklich finde.

Im Weiteren Handlungsstrang des Filmes artet der zunächst im kleinen Rahmen gehaltene Club in eine Art spirituell -' religiös angehauchte Kultsekte um den mystischen Gründer Tyler Durden aus, man beginnt die Gesellschaft systematisch zu sabotieren. Tylers Haus wird dabei als Kommandozentrale benutzt. Von dort aus plant die ständig expandierende Gruppe gezielte Anschläge auf Symbole des Wohlstands einer übersättigten Gesellschaft '- jedoch ohne dabei Menschen zu töten.
Dieser Grundsatz wird irgendwann verworfen und alles gerät aus den Fugen, der Film endet mit dem Anfangszenario in welchem Tyler Durden der Hauptfigur eine Pistole in den Mund hält und die sehr verwirrend gewordene Story ihre inzwischen erahnte Auflösung erhält. Diese zu verraten würde allerdings bedeuten den Clou des Films zu verraten.

Ohne Probleme gesagt werden kann aber, dass in der abschließenden Szene der Protagonist Hand in Hand mit der Frau aus den Selbsthilfegruppen, die inzwischen zu seiner Geliebten geworden ist, Marla Singer (Helena Bonham Carter), den von ihm verantworteten Einsturz eines Hochhauses mit ansehen muss. Diese Einstellung ist in ihrem Bombast doch tieftraurig und resigniert -' zumindest soll sie das wohl sein. Ich persönlich habe den Film jedoch etwas anders gesehen.

Für mich erzeugt Fincher mit dem 'Fight Club' eine Organisation, die zwar mit der Zeit genau das wird, wogegen sie sich eigentlich stemmen will, nämlich eine hierarchische Gruppe ohne Rechte des Einzelnen, im Grunde aber 'positive' Ziele verfolgt. Tyler Durden erwähnt während des Films, dass die Organisation erreichen möchte, dass die Gesellschaft wieder bei null beginnt, es keine Unterschiede mehr zwischen arm und reich gibt.
Basierend auf dieser Aussage versucht der Regisseur meines Erachtens nach beim Zuschauer Verständnis und sogar Zustimmung für die Aktionen und Taten des 'Fight Club' zu erzeugen. Die häufiger und immer brutaler werdenden Gewaltszenen erwecken bei mir durch die damit verbundene Gruppendynamik eine Art Verherrlichung der Kämpfer, gar eine religiöse Erfüllung in der Gewalt. Diesen Ansatz finde ich bedenklich. Meines Erachtens kann Gewalt unter keinem Hintergrund und sei er noch so verzweifelt und hilflos gerechtfertigt werden.

Mit Sicherheit versucht David Fincher keine generelle Gewaltverherrlichung durch sein Werk zu erreichen. Er appelliert jedoch an den geneigten Zuschauer, sich in die vordergründig absurde Gedankenwelt eines in der Gesellschaft verzweifelten Charakters hinein zu versetzen und aus dessen Bewusststein heraus die Menschen wachzurütteln, sie mit offenen Augen aktiv zum Guten zu verändern. Den Ansatz der 'Selbsterfahrung' durch Gewalt halte ich trotz seines Kontextes für äußerst fragwürdig.

Zum schauspielerischen Bereich ist zu sagen, dass in diesem Film durchweg düstere, in ihrer Existenz verunsicherte Charaktere gezeichnet werden. Trotz seiner ohnehin blass zu spielenden Rolle bleibt Hauptdarsteller Edward Norton erstaunlich eindimensional.
Sein Gegenüber Tyler Durden hingegen wird von Brad Pitt mitreißend interpretiert. Dessen Rolle bewerten viele Zuschauer positiv, für mich stellt sie eine zutiefst abstoßende Persönlichkeit dar, die in ihrer ekligen Selbstgefälligkeit und der ständig penetrant anwesenden '"Ich weiß wo''s langgeht"' -' Attitüde den zwar resignierten, aber doch eigentlich recht angenehmen Hauptcharakter zu einem profillosen und kalten Menschen werden lässt. Brad Pitt spielt diese Rolle authentisch, geheimnisvoll und fesselnd - 'wirklich stark.

'Fight Club' ist ein handwerklich exzellenter, stringenter und düsterer Film mit teilweise herausragenden Einzelcharakteren, dessen fragwürdige Aussage und Handlung mich jedoch dazu veranlasst, lediglich drei Punkte zu vergeben.

Für Menschen, die mit den geschilderten Gedankengängen etwas anfangen können kann der Film durchaus zum Meisterwerk avancieren.


The Scarecrow
The Scarecrow
Preis: EUR 6,90

4.0 von 5 Sternen Ein hymnischer Rausch, 10. März 2008
Rezension bezieht sich auf: The Scarecrow (Audio CD)
Die Chartoffensive geht 2008 im Hause Sammet in eine neue Runde. Das dritte Avantasia - Album "The Scarecrow" steht seit Januar in den Läden und führt das Konzept der zuvor veröffentlichten Doppel - EP "Lost in Space" konsequent fort. Auch auf dem elf Titel umfassenden neuen Werk orientiert sich der Edguy - Frontmann in seinen Kompositionen eher am traditionellen Hard Rock denn am sonst gekannten Speed - bzw. Power Metal, aber das auf derart brillante Weise, dass es ihm die Puristen verzeihen werden.

Auch diesmal hat der Fuldaer wieder alles aufgefahren, was in der melodischen Metal - Szene Rang und Namen hat. Bereits beim Opener "Twisted mind" ist mit Roy Khan von Kamelot eine bekannte Stimme am Start, die den schweren Midtempo - Stampfer trägt.
Ein recht ungewöhnliches Stück zum Auftakt, wo mancher eine schnelle Speed - Granate erwartet haben dürfte, aber so leicht macht es sich Tobias Sammet nicht. Vielleicht gerade deswegen überzeugt der Titel durch fette Gitarrenarbeit und einen starken Refrain. Das macht defintiv Lust auf mehr.

Und, wie könnte es anders sein, darf auch diesmal das zehn Minuten Eops nicht fehlen (das sogar 11 Minuten dauert). Ein mittelalterlich - folkig wirkendes Haupt - Thema und ein klasse Riff, aber der Refrain überzeugt mich nicht vollständig. Irgend etwas fehlt mir hier, obwohl Giganten wie Jorn Lande (Ex - Masterplan), Michael Kiske (Ex - Helloween) oder Henjo Richter (Gamma Ray) zu hören sind.
Der Song hat Top - Passagen, besonders auch die mit den Streichern, erzeugt eine klasse Stimmung, nur der Refrain ist mir persönlich zu lasch.

Nach diesen beiden noch recht stampfenden Songs schlägt mit "Shelter from the Rain" die erste Granate auf. So ist man das von Sammet gewohnt. Es flirrt die Double - Bass, die Gitarre brettert und der Refrain geht extrem gut ins Ohr. Dazu Michael Kiske und Bob Catley und fertig ist ein echter Knaller. Hiermit kommt das Avantasia - Projekt erstmals den "Metal Operas" aus Teil eins und zwei gefährlich nahe.

Was jedoch dann folgt passt eher in die eingangs erwähnte Chart - Offensive. Die zweite Single "Carry me over" ist eine massenkompatible Ohrwurm - Ballade, die für sich gesehen ungewöhnlich wirkt, sich aber ins Gesamtbild des Albums hervorragend einfügt. Könnte ein Hit werden.

Noch getragener geht es auf "What kind of love" zu. Begleitet von opulenten Streichern entfaltet Amanda Somervilles tolle Stimme ihre volle Pracht und veredelt eine Spitzen - Komposition, die in jedem Fall aus dem Gesamtwerk herausragt. In diesem Song wird Mastermind Tobias Sammet ausnahmsweise einmal an die Wand gesungen, was jedoch dem Song nur zu Gute kommt. Wirklich ein echtes Highlight, sowohl gesanglich als auch kompositorisch. Eine Gänsehaut - Ballade.

Nach so viel Gefühl mögen die Puristen schmerzverzerrt irgendetwas von "Kommerz" und "Ausverkauf" rufen, doch sogleich bringt sie das bereits aus der Vorgänger - EP bekannte "Another angel down" zum Verstummen. Es wird gerockt was das Zeug hält, voll auf die zwölf und mit einem Hit - Refrain. Jorn Landes aggressive Stimmführung passt gut in den Titel.

Der größte Coup des Albums ist dem deutschen Metal - Komponisten Nummer eins allerdings in "The toy Master" gelungen. Die Schock - Rock Legende Alice Cooper macht dem Projekt seine Aufwartung und gibt sich als düsterer Meister, der mal wieder nichts anderes im Sinn hat als Angst und Schrecken zu verbreiten.
Zu Beginn ein zäher Midtempo - Song mit bösem, dämonischem Refrain, gegen Ende immer mehr Metal - Oper durch großflächige Choräle. Für mich ein wahres Kleinod des Hard Rock.

Trotz Alice Coopers Genialität ist für mich der astreine Speed - Song "Devil in the Belfry" das Highlight des Albums. In diesem Stil erhofften sich sicherlich viele die gesamte LP.
Einfach göttlich! Der wahrscheinlich beste Refrain den Sammet je geschrieben hat - zum niederknien. Dazu fette Gitarrenwände von Sascha Paeth und Henjo Richter.
Alleine dieser Titel macht den kauf des Albums für mich zum muss. Ein volles Brett.

Nachdem die Gehörgänge nun gut durchgespühlt sind darf Magnum - Frontmann Bob Catley seine brillante Stimme in der athmosphärischen Ballade "Cry just a little" erklingen lassen. Für Sammet ist dieser Mann ein wahres Idol und dies zeigt er auch deutlich. Die Nummer geht gut ins Ohr und verleitet im Chorus gar zum mitschunkeln.
Man fragt sich wann denn nun mal eine schwächere Komposition folgt und prompt kommt sie um die Ecke. "I don't believe in your love" beinhaltet zwar mit Rudolf Schenker von der deutschen Hard Rock Institution Scorpions eine Legende, den Refrain macht das auch nicht besser. Diese "rollende" Art gefällt mir nicht.

Konsequent und logisch gesetzt folgt zum Schluss dann die bekannte Top 10 Vorab - Single "Lost in Space". Eine echte Hymne, wenn auch für viele etwas zu seicht. Wer jedoch den Vergleich mit Bands wie Bon Jovi wagt dem spreche ich an dieser Stelle jeglichen Musikverstand ab.
"Lost in Space" ist mit Sicherheit nicht der stärkste Song, aber hat durchaus seine Daseinsberechtigung.

Was bleibt nach den knapp 63 Minuten der dritten Avantasia - CD nun als Fazit?

Man kann sagen, dass Sammets Sound kommerzieller geworden ist, dies jedoch der Qualität des Produktes keinen Abbruch tut. Avantasia hat sich breiteren Massen geöffnet und ist kein reines Power Metal - Projekt mehr. Die Albumverkäufe bestätigen diesen manchmal zu offensichtlich forcierten Trend des Albums. Zwei Singles inkl. Video, die den braven Poser Tobias Sammet inklusive Band (Sascha Paeth und Eric Singer, Kiss - und Alice Cooper Schlagzeuger) doch sehr Mainstream trauglich zeigt.

Wer davon absehen kann, dem erschließt sich ein über weite Strecken hervorragendes Werk. Einmal mehr in ein elegantes und knackiges Soundkleid gebettet von Edguy - Produzent Sascha Paeth, einst von Tobias als "Desmond Child von Wolfsburg" geadelt und verdelt mit echten Größen der Szene.

Als Bonus bietet die Limited Edition eine DVD, die beide Musivideos zu "Lost in Space" und "Carry me over", ein Interview mit dem Hauptkünstler über die einzelnen Songs, ein Making of sowie alternative Versionen zweier Album - Titel enthält.

Wie schon bei der "Lost in Space" EP bedeutet Avantasia Value for money und setzt im noch jungen Musikjahr 2008 ein erstes Ausrufezeichen, das erst einmal getoppt werden muss.


Metallized
Metallized
Preis: EUR 21,93

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viele starke Songs, 5. Dezember 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Metallized (Audio CD)
20 Jahre gibt es ihn nun schon auf Solopfaden, den Solinger Schreihals und (Ex-) Accept - Frontmann Udo Dirkschneider. In dieser Zeit hat er 11 Alben in den unterschiedlichsten Besetzungen und wechselnder Qualität veröffentlicht. Das nun erschienene Best of mit dem Titel "Metallized" fasst sein Schaffen gekonnt zusammen. Die Fans konnten auf der U.D.O. - Homepage ihre 12 Lieblingstitel auswählen, die es dann letztlich auf die Zusammenstellung geschafft haben.

Darunter sind solch großartige Kompositionen wie der krachende Einstiegstrack "Holy", der klassiker "They want war", die großartigen Balladen "Cry soldier cry" und "In the Darkness" oder der wahrscheinlich beste Song seiner Laufbahn, der fette Kopfnicker "Man and Machine", dessen Power - Refrain mich jedesmal neu umhaut.
Überall krachen die satten Gitarrenriffs und ergeben gepaart mit Udo's Krächz - Organ eine explosive Mischung, die sofort zum eifrigen Bewegen sämtlicher Körperteile, bevorzugt aber des Kopfes, verleitet.

Neben den oben genannten Titeln sticht besonders "Trainride in Russia" vom "Thunderball" - Album (2004) heraus. Der flotte Polka - Rhythmus, der russische Teil und der kracher - Chorus machen diesen Song zum perfekten Party - Hit.

Neben den 12 durchweg hervorragenden Songs aus vergangenen Zeiten, bieten Udo und sein Gitarrist Stefan Kaufmann, der für die Produktion verantortlich ist, 4 Bonustracks. 2 davon sind übriggebliebene Tracks aus den Aufnahmesessions für das im März 2007 erschienene und bisher Beste U.D.O. - Werk "Mastercutor".

"Shadow maker" brennt sich sofort im Gehörgang ein, besitzt ein urtypisches, peitschendes und direkt auf die Fresse hauendes Riff und einen mehrstimmigen Hymnen - Refrain. Perfekte Arbeit!
"Terror in Paradise" macht auch recht ordentlich Druck, hat es aber zurecht nicht auf "Mastercutor" geschafft. Trotzdem schön diesen Track zu hören, genauso wie die akustische Version des größten Hits, in den Dirkschneider je eingebunden war - "Balls to the wall". Sehr ungewöhnlich, wenn man das (Accept - ) Original kennt, aber durchaus interessant in dieser getragenen Version.

Als Abschlussschmankerl wird eine Liveversion von "Bullet and the Bomb" von der diesjährigen Tour dargeboten, die durchaus Spaß macht.

Nur ein Song fehlt mir auf "Metallized": Das grandiose "One lone voice" vom letzten Album, das mit geschickter Promotion und als Singleveröffentlichung durchaus Chancen hätte, in den Charts etwas zu reißen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass es längst an der Zeit war, U.D.O. ein Best of - Album nach Maß anzufertigen. Leider ist seine Art von Heavy Metal doch sehr im Nischenbereich anzusiedeln und das, obwohl er durchaus Hittaugliche Refrains vorzuweisen hat.

Die wirklichen Fans werden ihrem unverwüstbaren Udo weiterhin treu bleiben, für Interessierte winkt auf "Metallized" ein kompakter Querschnitt durch das Werk des kleinen, großen Mannes mit vielen kraftvollen, treibenden Metalsongs inklusive vier Bonustracks und einem Booklet mit kleiner History und vielen Fotos. Metalherz, was willst du mehr?


Lost in Space Part 1
Lost in Space Part 1
Wird angeboten von tws-music-eu
Preis: EUR 5,45

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überraschend durchschnittlich, 3. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Lost in Space Part 1 (Audio CD)
"Wer oder was ist Avantasia?"
"Keine Ahnung, aber es klingt verdammt geil!"

So oder so ähnlich könnte im November 2007 ein Gespräch zwischen zwei Charts - Hörern verlaufen, die normalerweise mit Heavy Metal nichts am Hut haben.
Der Dialog zeigt also, dass sich Tobias Sammet's einstiges "Metal Opera" - Projekt vom knallharten Power - Metal der ersten beiden LPs verabschiedet hat und mit den beiden neuen EPs "Lost in Space Part 1+2" mehr als offensichtlich darauf aus ist, eine breitere Hörerschaft zu erreichen.

Der vorliegende erste Teil der EPs fungiert als Vorbote für das im Januar 2008 erscheinende dritte Avantasia - Album "The Scarecrow".
Der Stilwechsel wird bereits mit dem eingängigen Titelsong mehr als offensichtlich. Wo früher brachiale Double - Bass Parts aus den Boxen krachten, hört man heute athmosphärische, "poppige" Klänge.
Klar, die Gitarre ist noch dabei und wird von keinem geringeren als Sascha Paeth gespielt, jedoch in sehr reduziertem und dezentem Maße eingesetzt. So ist "Lost in Space" ein hitverdächtiger Ohrwurm, der keinem weh tut und auch so manchen Popper ansprechen dürfte. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Amanda Somerville die Background - Vocals beisteuert.

Die breit angelegte und fast schon penetrant wirkende Kommerz - Offensive des als Edguy - Frontmann bekannten Tobias Sammet hat durchaus Erfolg: So steigt der erste Teil von "Lost in Space" bereits in der ersten Woche der Veröffentlichung auf Platz 9 der deutschen Single - Charts ein - nicht zuletzt auch aufgrund des professionellen Videos.
Es wird zwanghaft versucht, den endgültigen Durchbruch des als "Nischenmusiker" verschrienen Fuldaers zu forcieren. Mit dem letzten edguy - Album "Rocket Ride" gelingt dies nur bedingt, aber nun scheint es endlich zu funktionieren.

Die Musik mit der dies versucht wird ist durch und durch professionell gemacht und auch ansprechend. Von einem Songwriter des Kalibers Sammet hätte ich persönlich jedoch mehr erwartet.

Sei's drum. Den Erfolg gönnt man ihm, auch wenn Songs wie das interessante, aber doch sehr gewöhnungsbedürfte ABBA - Cover "Lay all your love on me" oder das uninspirierte 70er Cover "Ride the Sky" mit der ursprünglichen Arbeit des Deutschen rein gar nichts zu tun haben.
Die "Die hard" - Fans werden beide Titel nicht vom Kauf abschrecken, Puristen werden über die Kommerzialisierung der Musik klagen.

Bevor Sammet vollständig als Metaller entehrt wird, folgt mit "Another Angel down" ein Titel, der deutlicher in die Richtung geht, die sich viele Fans des Projekts über die gesamte Distanz der beiden EPs gewünscht hätten. Ein satter Rocker mit einem starken Refrain, dazu als Gast Jorn Lande - für mich der Höhepunkt des ersten Teils.
Der Song wird neben dem Titeltrack auch auf "The Scarecrow" zu finden sein.

Kaum hat man das Tempo etwas angezogen, folgt mit "The Story ain't over" die erste Ballade. Und was für eine! Berührende Streicher erzeugen in Verbindung mit der brillanten Stimme von Magnum - Frontmann Bob Catley eine magische Stimmung, ehe der etwas kitschig anmutende und doch ungemein schöne Refrain (mit erneuter Unterstützung von Amanda Somerville) eine Gänsehaut nach der anderen erzeugt. Hier zeigt sich Tobias Sammet's wahre Größe als Komponist. Einer der stärksten Songs, den er je geschrieben hat! Großartig.

Das erhabene Intro "Return to Avantasia" erweckt den Eindruck, als würde nun eine weitere Großtat folgen, doch weit gefehlt. Der Abschlussong von Teil 1, das von Kiss - und Avantasia - Drummer Eric Singer gesungene Cover "Ride the Sky" ist derart langweilig, dass man sich verwundert die Augen reibt. Der Funken springt überhaupt nicht über.

Zumindest entschädigt die Bonus - Section mit dem Video und dem Making of zu "Lost in Space", sowie einer Photo - Gallerie und dem liebevollen Booklet etwas.
Der größte Vorteil beider Teile ist jedoch der Preis! Jeder Teil zum Preis einer Single und mit jeweils mindestens 4 neuen Songs, das ist mehr als fair. Hier muss man zuschlagen. Eigentlich. Sofern man bereit ist, sich auf neue Sounds einzulassen, die an einigen Stellen schwer nach Glam - Rock klingen und mit Heavy Metal nichts mehr zu tun haben.

"Lost in Space", "Another Angel down" und "The Story ain't over" sind wirkliche Top - Songs, die anderen beiden hätten nicht unbedingt sein müssen und trüben das Gesamtbild so stark, dass nur eine durchschnittliche Bewertung herauskommen kann.

Fazit zu Teil 1: Experiment verkaufstechnisch geglückt. Musikalisch war Tobias Sammet schon deutlich stärker! Aber es gibt ja noch Teil 2...


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