Profil für STB > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von STB
Top-Rezensenten Rang: 3.532
Hilfreiche Bewertungen: 1201

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
STB

Anzeigen:  
Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18
pixel
Kiss of Death
Kiss of Death
Preis: EUR 20,74

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen That's Motörhead!, 7. Mai 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kiss of Death (Audio CD)
"Kiss of death" heißt es also, das aktuelle Album der englischen Krawallbrüder Motörhead. Nach dem gigantischen "Inferno" bewegen sich Lemmy Kilmister (Gesang/Bass), Phil Campbell (Gitarre) und Mikkey Dee (Schlagzeug) auch mit ihrem neuen Werk auf konstant hohem Niveau. Der entscheidende geniale Funke den der Vorgänger noch hatte, wird zwar um haaresbreite nicht erreicht, aber was soll's. Motörhead klingen auch nach Jahren immer noch frisch und unverbraucht und zelebrieren eine weitere Rotzrock - Orgie erster Güte.

Der mittlerweile 61 - jährige Rock and Roll - Veteran Lemmy schreit sich durch 13 saustarke Songs der Marke extraklasse.

Den Auftakt macht die inzwischen traditionelle Speed - Granate. Diesmal heißt sie "Sucker" und knüppelt alles gnadenlos nieder. Ein saustarker Refrain - für mich der beste Titel der CD! Gerade aufgrund solcher Songs werden die Briten immer wieder in die Metal - Ecke gedrängt. Dass sie allerdings eine astreine Rock and Roll - Band sind, zeigen die beiden folgenden Tracks.

"One Night Stand" ist eine groovende Rotzrock - Nummer mit einem saustarken Mitgröhl - Refrain. Ebenfalls klasse!

"Devil I know" überzeugt mich im Refrain nicht besonders, ist jedoch besser als manches was Motörhead bereits veröffentlicht haben.

Wieder etwas flotter geht es mit "Trigger" zu. Phil Campbell's Melodiebogen vor dem Refrain erinnert gar an Iron Maiden. Ansonsten ist beste Rock - Unterhaltung garantiert.

Dem schwerfälligen Kopfnicker "Under the gun" fehlt das gewisse Etwas, das jedoch die einzige Ballade der LP, "God was never on your side" besitzt. Ein religionskritischer Lemmy singt sehr eindrücklich zu großflächigen Akustik - Gitarren, im eingängigen Refrain kommt die E- Gitarre hinzu. Ein ernstes Lied, das besonders durch Zeilen wie "...why is hel silent, is he blind, will he see nothing in the end" besticht. Hier kommt der große Lyriker Lemmy Kilmister einmal mehr zum Vorschein.

Doch sogleich wird die getragenere Stimmung durch eine Killer - Rocksong zerstört. "Living in the Past" groovt gefährlich. Sein böses brachial - Riff und der typische Motörhead - Haare- nach- hinten - Fön - Refrain zeichnen ihn aus. Einfach arschgeil!

"Christine" ist ein wieder etwas fröhlicher angehauchter Boogie - Rock, der jedoch zu durchschnittlich klingt. Gute Unterhaltung. Mehr nicht.

Der resignierte Anti - Kriegs Song "Sword of Glory" ist eine fette Rock 'n' Roll Hymne - rauh, ungeschliffen und dynamisch.

Die Single "Be my Baby" kommt mit einem derart kickenden Riff daher, dass es einen sofort wegbläst. Absolut Autofahr - tauglich - auch der Refrain ist schnell im Ohr und mitsingtauglich.

Verschlossener wird es in der angsteinflößenden, ruppigen Uptempo - Nummer "Kingdom of the worm". Eine exstatische, dunkle Hymne, die Lemmy's tiefes Organ zu einem schauerlichen Gruselkabinett macht.

Doch bevor es zu bedrohlich wird, legen Motörhead gleich einen weiteren Rock and Roll nach. "Going down" ist die obligatorische Abgeh - Hymne zum Schluss.

In der Limited - Edition findet sich als Bonustrack noch eine Coverversion des Metallica - Klassikers "Whiplash" aus deren Debut "Kill 'em all". Lemmy und die Jungs interpretieren ihn brutal geil, zurecht haben sie dafür einen Grammy abgesahnt. Er scheint sogar noch schneller als das Original zu sein, phräst tiefe Löcher in jeden Gehörgang und ist eine Thrash - Granate erster Güte. Wirkt fast als hätte ihn Herr Kilmister selbst geschrieben.

Auch mit ihrem neuen Album halten Motörhead ihre starke Form und liefern energetische Rock - Kracher. Ihr kaputter Sound bleibt dabei genauso selbstverständlich erhalten wie Lemmy's versoffenes Organ, das noch rauer klingt als sowieso schon. Die Abkehr vom brachialeren Metal, der "Inferno" auszeichnete, tut dem Kultstatus des neuen Werkes keinen Abbruch.

"Kiss of death" ist ein Album am Limit ohne Aussetzer - je älter die Herren werden, desto stärker sind auch ihre Veröffentlichungen, so wirkt es. Auch wenn die Engländer schon ewig im Geschäft sind ist "Kiss of death" mit Platz 4 in den deutschen Charts ihr bis dato erfolgreichstes Werk.

Wer auf fette highspeed Rock' n' Roll Mucke steht, der ist bei Motörhead sowieso immer richtig. Seit über 30 Jahren sind sie mittlerweile in den unterschiedlichsten Besetzungen im Geschäft und hauen ein Killer - Album nach dem nächsten heraus. Unglaublich!

Hoffentlich behalten sie den 2 - jahre veröffentlichungs - Turnus bei und schenken uns bereits 2008 einen ähnlichen Knaller.


Holy Diver (Remastered)
Holy Diver (Remastered)
Preis: EUR 6,66

11 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dio in Hochform, 7. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Holy Diver (Remastered) (Audio CD)
1983 ist ein extrem markantes Jahr im Metal. Es erscheinen neben den Alben gestandender Bands wie Black Sabbath's "Born again", Saxon's "Power and the Glory", Motörhead's "Another perfect day" oder Ozzy Osbourne's "Bark at the Moon" auch bärenstarke Werke des neu geschaffenen Thrash - und Speed - Metal Bereiches. Hierzu gehört etwa auch Metallica's fulminantes Debut "Kill 'em all"

Mitten in diese turbulenten Zeiten platzt das Solo - Debut eines damals bereits ganz Großen der Szene. Ronnie James Dio's "Holy diver" gilt bis heute als sein stärkstes Werk.

Tatsächlich hat der kleine amerikaner mit der eindrucksvollen Stimme zuvor bereits bei Elf, Rainbow und Black Sabbath einige Meisterwerke der Rockgeschichte eingesungen.

Nach ihrem Ausstieg bei Black Sabbath im Jahre 1982 gründen Dio und der Schlagzeuger Vinnie Appice gemeinsam das Solo - Projekt "Dio". Hinzu kommen der talentierte Irische Gitarrist Vivian Campbell und der alte Rainbow - Haudegen Jimmy Bain am Bass.

Diese Formation komponiert ein starkes Album das heute absoluten Klassiker - Status besitzt, obwohl es den allgemeinen Maßstab für Jahrhundert - Alben nicht ganz erreicht. Es sind einfach zu viele durchschnittliche Titel enthalten, aber eben auch zeitlose Hits.

Einer davon ist der fetzige Utempo - Kracher "Stand up and Shout", der den Auftakt macht. Hier schlägt Dio in die Kerbe der aufkommenden Speed - Welle, ohne jedoch den ihm eigen Stilmix aus Rainbow, Black Sabbath und eigenen Elementen zu verlieren.

Der Titelsong "Holy diver" ist wahrscheinlich der bekannteste Dio - Song und zurecht ein Klassiker. Eine kraftvolle Midtempo - Nummer mit düsterem Intro, das mir allerdings etwas zu lange ist.

"Gypsy" ist wie auch "Straight through the heart" ein durchaus interessanter Song, kann aber nicht dem Anspruch an einen Klassiker genügen.

"Caught in the Middle" wirkt zunächst auch recht belanglos, der eingängige Refrain gefällt mir jedoch sehr. In bester Rainbow - Tradition!

"Don't talk to Strangers" wiederum gehört zu den stärksten Songs die Dio je herausgebracht hat. Für mich ist er DER Dio - Song überhaupt. EIne gigantische Gesangs - Leistung. Zunächst beginnt es sehr gefühlvoll und episch, fast schon schnulzig ehe der Titel zu einem brachialen Uptempo - Fetzer wird. Stark auch die gewaltigen Schlagzeug - Parts des Vinnie Appice. Dieser Track steht für Dio wie kein zweiter.

"Invisible" schlägt in eine ähnliche Kerbe, beginnt auch ruhig und getragen, mit gefühlvollem Gesang des Meisters, ehe es sich zu einem groovenden Midtempo - Rocker entwickelt.

Der zweite große Single - Hit der LP ist "Rainbow in the Dark", ein sehr eingängiges, fast "poppiges" Stück - zusammen mit "Holy diver" wohl Dio's bekannteste Nummer. Dieser Titel hätte es beinahe nicht auf das Album geschafft, Dio hielt ihn unter anderem wegen des Keyboard - Themas für zu poppig, aber zum Glück entschied er sich schließlich doch dafür, ihn auf das Album zu packen.

Den Abschluss bildet das eindrucksvolle "Shame on the Night" - ein schwerfälliger, düsterer Groover im Zeichen von Black Sabbath.

Die remasterte Version bietet nach den regulären Songs noch zusätzliches Interviewmaterial mit Ronnie James Dio rund um sein Debutwerk. Ganz nett anzuhören, aber nur etwas für den Fan. Das ausführliche Booklet mit vielen Bildern, Schlagzeilen und einem Hintergrundbericht ist allerdings liebevoll gestaltet.

"Holy diver" ist Dio's zurecht bekanntestes und bestverkauftes Werk, beinhaltet mit dem Titelsong, "Stand up and Shout", "Rainbow in the Dark" und "Don't talk to Strangers" alltime Klassiker die auch heute noch in seinem Live - Programm vertreten sind.

Trotzdem lässt sich durch die wenig druckvolle Produktion (die er übrigens höchstselbst übernommen hat) und ein, zwei zu schwache Titel durchaus Kritik feststellen. Daher auch nur die 4 Sterne - Wertung. Für einen Überklassiker muss einfach durchgehend hohe Qualität geliefert werden.

Dio hat mit seinem Nachfolger "The Last in line" (1984) ein ähnlich starkes Statement gesetzt, danach wurden seine Leistungen jedoch durchwachsener. Ich persönlich halt seine Zeit bei Black Sabbath für die künstlerisch Bedeutendste, Solo ist Dio fast zu schwach.

Nichts desto trotz sollte man die beiden Debutalben "Holy diver" und "The Last in line" als echter Metal - Fan sein eigen nennen, denn sie beinhalten starke 80er Rock - Songs irgendwo zwischen der Melodiosität von Rainbow und der härte von Black Sabbath. Nicht zuletzt auch die skandalösen Cover sind ihr Geld wert...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 7, 2011 11:25 PM CET


Dark Light
Dark Light
Wird angeboten von mrtopseller
Preis: EUR 6,74

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das bisher beste HIM - Album, 7. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Dark Light (Audio CD)
Die Finnischen Goth - Rocker von Him sind spätestens seit dem Mega - Hit "Join me" im Jahr 1999 eine feste Größe im Geschäft. Mit "Dark light" veröffentlichen sie 2005 ihr mittlerweile fünftes Album und präsentieren sich in bestechender Form.

Die 10 Titel, alle geschrieben von Sänger und Frontmann Ville Valo, bestechen durch harte, heruntergestimmte Gitarren und die gewohnte Melancholie, ohne jedoch kitschig zu werden.

Im Vergleich zum Vorgänger "Love Metal" klingen HIM auf dem neuen Album noch erwachsener und stärker. Die Gitarren krachen angenehm druckvoll und ein fetter Refrain folgt dem Nächsten.

"Vampire heart" wirkt zunächst nicht ganz so stark, der Refrain ist okay, aber mehr als solider Durchschnitt wird hier leider nicht geboten.

Doch bereits mit Track 2 beginnt das Werk in voller Blüte zu erstrahlen.

Die erste Single "Wings of a butterfly" ist ein absoluter Hit. Der Refrain prägt sich sofort ein und man muss diesen Ohrwurm immer wieder hören. Reiht sich nahtlos in HIM - Klassiker wie "When love and death embrace", "Join me in death", "Right here in my arms", "Pretending" oder "Funeral of hearts" ein. Zurecht ein Erfolg!

"Under the Rose" besitzt einen unglaublich fesselnden Refrain, es zieht einen sofort mit und man möchte für immer gefangen sein im düsteren, kalten Käfig der HIM - Welt.

Die Texte des Albums sind allesamt melancholisch - verklärt bis tieftraurig düster. Das toll aufgemachte Booklet mit Bildern von aufgewühlter See und intensivem Gewitter unterstützt das zerrissene Gefühl welches die Songs hinterlassen.

So auch die zweite Single "Killing Loneliness". Ein unglaublich geiles Keyboard - Thema und ein emotionaler Refrain - klasse.

"Dark light" ist dann eine lieblich wirkende, gefühlvolle Ballade, deren Text allerdings auch nicht unbedingt in das allgemein gültige Schema der Romantik passt.

"Behind the crimson door" und "The Face of God" gehören zum Besten, was HIM je herausgebracht haben. Fette, großräumige Refrains und kickende, dunkle Gitarren - Riffs - die Finnen machen vor wie es geht!

Einzig "Drunk on Shadows" fällt im Gesamtniveau etwas ab, ist aber trotzdem eingängig.

Mit "Play dead" regiert noch einmal das verspielte, traurige Midtempo, ehe im berührenden Refrain und besonders in der Bridge davor Ville Valo seine hohe Stimme herauslässt.

Edel und kräftig rockend geht "Dark light" mit "In the Nightside of Eden" zu Ende. Was für ein Hammer Gänsehaut - Refrain und ein bratendes Riff!

"Dark light" klingt sehr reif, Ville Valo verarbeitet in seinen Texten verlustängste und düstere, morbide Romantik und sorgt nicht nur einmal für warme Gefühls-Schauer. Seine Rhythmus - Mitstreiter tun das Ihrige dazu und fertig ist ein richtig starkes Album!

Sicherlich ist es etwas glatt produziert von Tim Palmer, der unter anderem schon Ozzy Osbourne's "Down to earth" veredelte, aber das kommt den hymnischen Songs entgegen.

Mancher Kritiker mag sagen die Titel klingen allesamt recht ähnlich, aber genau das macht dieses Werk aus. Es klingt wie ein intensiver emotionaler Rausch der leidenschaftlichen, traurigen Gefühle. Leider ist nach gut 45 Minuten schon Schluss.

HIM bieten mit "Dark light" ganz großes Gothic - Kino und zeigen ihren Kritikern deutlich, dass sie ein absoluter Top - Act im Rock - Geschäft sind.


The Inner Sanctum (Ltd.Ed. CD + DVD)
The Inner Sanctum (Ltd.Ed. CD + DVD)
Preis: EUR 15,70

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leider kein neues Heiligtum, 21. April 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diesmal haben die britischen Metal - Ritter um Frontsirene Biff Byford den Fan ganze 3 Jahre warten lassen, ehe der Nachfolger für das großartige "Lionheart" - Album erscheint. Die Fußstapfen des Vorgängers sind enorm riesig und leider gelingt es Saxon nicht ganz, das dort erreichte Top - Niveau über die volle Albumdistanz zu halten. Trotzdem ist "The Inner Sanctum" ein starkes Statement einer keineswegs zum alten Eisen gehörenden Metal - Truppe geworden. Die 10 Songs bewegen sich im Bereich von brachial hart bis groovend rockig.

Los geht's mit dem meiner Meinung besten Titel des Albums. "State of Grace" wird eingleitet von keltisch anmutenden Chorälen, ehe es sich zur astreinen Power - Metal Hymne entwickelt. Preschende Double - Bass, brachiale Gitarren und ein hymnischer Refrain - zum Auftakt passt gleich alles perfekt! So wünsche ich mir Saxon öfter, im kompromisslosen Power - Metal Gewand. Biff Byfords königliche Stimme thront über diesem majestätischen Track. Mein absoluter Lieblingssong!

Hart geht es dann auch mit "Need for Speed" weiter, aber der Refrain dieses ebenfalls sehr schnellen Songs überzeugt mich nicht vollständig. Okay, aber reisst mich nicht sonderlich vom Hocker.

"Let me feel your Power" macht schließlich die Speed - Trilogie zu Beginn der CD komplett. Es wird erneut Power - Metal vom Feinsten zelebriert. Die Double - Bass kracht auch hier, dass es eine wahre Freude ist. Zusammen mit "Conquistador" vielleicht der härteste Titel, den Saxon je veröffentlicht haben.

Mit "Red Star falling" nimmt der 5er dann das Tempo deutlich heraus und bietet eine hymnische Halb - Ballade mit einem Gänsehaut - Refrain. Mein zweitliebster Song. Wahsinnig toll gesungen von Biff. Stark!

Im Folgenden beginnt die Hard - Rock Phase des Albums. "I've got to Rock (to stay alive)" ist ein groovender Hard Rock Song in der typischen Saxon - Tradition. So muss harter Rock and Roll klingen. Wieder ein Killer - Refrain!

"If I was you" wurde bereits im Vorfeld als Internet - Single veröffentlicht. Ich finde den Song ganz in Ordnung, aber er ist nicht mein Favorit. Brachiale Kopfnicker Parts und ein mitsingbarer Refrain helfen da auch nicht. Mir fehlt das gewisse Etwas. Trotzdem kein schlechter Song.

Ein weiterer echter Killer ist das treibende "Going nowhere fast". Ein saustarker Rock and Roll - Track mit klasse Gitarren - Melodiebögen, die fast etwas an Iron Maiden erinnern und ein mitreissender Chorus. Einfach fett! Wer hier keinen Spaß hat, der mag keine Rockmusik.

Die ersten 7 Songs sind also bis auf 2 Ausnahmen durchweg exzellente Kompositionen der Herren Byford, Scaratt, Quinn, Carter und Glockler, doch dann folgen die letzten 3 Songs (von denen einer eigentlich gar keiner ist) die das Gesamtbild etwas trüben. Zunächst wäre da die obligatorische Kriegs - Hymne "Ashes to ashes". Eigentlich ein geiler Song, aber ich mag diese Pro - Kriegs Thematik nicht. "Wir sterben als Brüder zusammen im Krieg, Rücken and Rücken" sowas kann Manowar meinetwegen verbreiten, aber nicht eine seriöse Band wie Saxon. Da kann die Musik noch so gut sein, mit so etwas kann ich mich leider nicht anfreunden.

"Empire Rising" ist ein nicht mal einminütiges Instrumental, das mit sphärischen Klängen ein künstliches Kriegs - Szenario heraufbeschwört und direkt in den Abschluss - Song "Atila the Hun" übergeht. Diese Metal - Brett vernichtet noch einmal gandenlos alles, aber auch hier stört mich der militaristische Text. Außerdem wirkt der brutal geschreiene und durch derbes Double - Bass Gebolze künstlich auf hart gemachte Refrain sehr aufgesetzt und nervt mich etwas.

Leider haben es die Englischen Metal Heroen nicht über die gesamte Albumdistanz durchgehalten, uns mit "The Inner Sanctum" einen ähnlichen Kracher wie "Lionheart" oder "Unleash the Beast" zu bescheren. Nichts desto trotz ist das Album mit starken Momenten reich gesegnet und jedem Metal - Fan wärmstens zu empfehlen. Besonders in der Limited - Edition, denn die beigefügte Bonus - DVD könnte auch durchaus als Einzel - DVD erscheinen. Sie zeigt einige Songs der "A Night out with the Boys" - Tour, auf der sie ausschließlich alte Klassiker in kleinem Rahmen zum Besten gegeben haben. Die DVD macht richtig Laune und ist auch angereichert mit einem Interview mit Biff Byford. Und das für 17 Euro incl. CD! Hier wird wirklich Leistung für das Geld geboten!

"The Inner Sanctum" zeigt, dass es Saxon auch 2007 weiterhin verdient haben, in der Metal - Liga ganz oben mitzuspielen. Auch wenn der Sound von Produzent Charlie Bauerfeind leider ein Griff ins Klo ist. Besonders das Schlagzeug des zurückgekehrten Nigel Glockler klingt etwas undifferenziert, zu stark im Hintergrund und wenig druckvoll, die Bass - Drum ist zudem etwas penetrant. Kann ich schlecht beschreiben, aber es gefällt mir nicht. Auch der Gesamtsound hätte eine etwas fettere, kraftvollere Produktion vertragen können. Da kann man heutzutage wesentlich mehr rausholen!

Ich bin aber trotzdem sehr froh über dieses neue Album und freue mich schon auf das Nächste, auf dem hoffentlich mindestens genauso viele mitreissende Metal - Hymnen vertreten sind wie auf "The inner Sanctum".


The Dio Years
The Dio Years
Preis: EUR 10,99

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Retrospektive mit erstklassigen neuen Songs, 9. April 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Dio Years (Audio CD)
Wie definiert man eine musikalische Legende? Es gibt einige Möglichkeiten: Man könnte die verkauften und veröffentlichten Alben und Singles, ihren Einfluss im Musikgeschäft oder die Anzahl der Jahre, in denen sie die Musikwelt mit erstklassigen Werken geprägt und gestaltet hat heranziehen. Wem diese Definition aber zu umständlich ist, der kann zwei Worte wählen, die für all diese Qualitäten stehen wie keine anderen: Black Sabbath.

Diese Band hat schon in vielen Besetzungen zusammen gespielt, 5 Sänger und etliche Rhythmusfraktionen verschlissen, aber eine Konstante blieb auf allen bisherigen Werken erhalten: Gitarrist Tony Iommi. Er allein ist schon eine Legende.

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um die für viele im künstlerischen Sinne wertvollste Besetzung von Black Sabbath nach der Ozzy Osbourne - Zeit: Die Ära mit Ronnie James Dio. Die besten Titel aus den drei Studioalben "Heaven and hell" (1980), "Mob rules" (1981) und "Dehumanizer" (1992), sowie dem Live - Album "Live evil" (1982) sind in der Zusammenstellung "The Dio years" enthalten. Dabei geben sich zeitlose Klassiker wie das brettharte "Neon Knights", die All - time Hymne "Heaven and hell", das wüste "The Mob rules" oder der schnelle Headbanger "TV Crimes" die Klinke in die Hand.

Das Problem einer Best of - Zusammenstellung ist meistens, dass man es nie allen recht machen kann und jeder einen speziellen Songs vermisst, doch ich meine, dass statt des eher mittelmäßigen live - Tracks "Children of the sea" der beste Song der Dio - Ära, das grandiose "Computer God" auf die CD gemusst hätte! Ansonsten bin ich mit der Titelauswahl recht zufrieden, außer "The sign of the Southern cross" fehlt kein Klassiker und der Sound ist auch okay, obwohl man bei anderen remasters schon wesentlich mehr rausgeholt hat.

Aber weshalb beschweren, die Zugabe ist der Mega - Knaller: Mit den drei neuen Songs "The Devil cried", "Shadow of the wind" und "Ear in the wall" präsentieren sich die mittlerweile stramm auf die 60 zusteuernden Recken in bestechender Form. Alle drei Songs sind extrem schwer, brachial und düster - wie es sich eben für die Metal - Legende Black Sabbath gehört. Tony Iommi (Gitarre), Ronnie James Dio (Gesang), Geezer Butler (Bass) und Vinnie Appice (Schlagzeug) - wer hätte gedacht, dass sich diese Formation nach dem großen Krach nach dem "Dehumanizer" - Album 1992 noch einmal zusammenraufen würde?
Nachdem in den letzten Jahren eine Annäherung zwischen Iommi und Dio stattgefunden hat, kommt es wie gerufen, dass die Plattenfirma für "The Dio years" einen neuen gemeinsamen Song anfragt. So hat man nicht den Druck eines ganzen Albums, geht voller Tatendrang ins Studio und heraus kommen drei bärenstarke Kompositionen - mit mehr Zeit, so versichert Iommi - wäre sogar ein ganzes Album entstanden. Auf Tour geht man allerdings unter dem Namen "Heaven and hell", was klarmachen soll, dass dies ein einmaliges Projekt bleiben soll und der zurückgekehrte Ursänger Ozzy Osbourne auch weiterhin am Mikrofon steht.

Nun zu den neuen Tracks im einzelnen:

Die Single "The Devil cried" kann zu einem echten Klassiker avancieren. Ein tonnenschweres Midtempo - Riff, das jede Abrissbirne alt aussehen lässt, zerstört gnadenlos alles, was sich ihm in den Weg stellt, dazu wummert ein düsterer Bass und ein höllisches Schlagzeug. Doch das eigentlich Beeindruckende ist, dass die Stimme des kleinen US - Amerikaners Dio frisch und mitreissend klingt, als sei er gerade einem Jungbrunnen entsprungen. Wie alt er wirklich ist, weiß wohl nicht einmal er selbst genau - die Schätzungen reichen von Ende 50 bis Mitte 60, aber das spielt bei dieser Stimm - Kraft überhaupt keine Rolle.
Der Refrain beisst sich in den Kopf und man meint, diekt in der Hölle zu stehen, man wird förmlich hinunter gerissen in den verderblichen Abgrund. Ein wirklich starker Track mit krachenden Gitarren und einer intensiven Athmosphäre. So muss Heavy Metal sein - brachial und bewegend! Doch hier gilt, wie auch für die anderen beiden Songs: Es ist schwer verdauliche, nicht sonderlich leicht zugängliche Kost. Ich musste den Titel mehrmals hören, ehe er seine wahre Magie entfaltet hat.

So auch "Shadow of the wind". Er ist der obligatorische Doom - Track mit einem unbehaglich mächtig dahinwalzenden Lava - Riff der Marke Iommi. Nichts wirklich neues, aber trotzdem eindrucksvoll. Schön ist der gegen Ende erfolgende Tempowechsel und die teilweise wunderschönen Gesangs - Harmonien von Dio. Trotzdem ist dies für mich der schwächste der neuen Titel. Das Riff klingt, wie bereits tausendmal gehört, man erwartet genau ein solches von Iommi. Auch wenn hier präzise und professionell gearbeitet wurde, war ich beim ersten Hören etwas enttäuscht. Langsam findet sich aber ein Zugang.

Den Abschluss bildet ein schneller Track mit dem Titel "Ear in the wall". Er klingt am Modernsten und besticht durch seine mitreissende Power und einen interessanten, eingängigen Refrain. Mein heimlicher Liebling. Richtig stark!

Ich war unglaublich gespannt auf die ersten Studiotracks der größten Band des Heavy Metal seit 9 Jahren und ich muss sagen, meine Erwartungen wurden erfüllt. Man bietet Metal, der zwar typisch nach Black Sabbath, aber doch extrem eindrucksvoll und majestätisch klingt. Schließlich hat man es hier mit einigen der besten Musiker der gesamten Branche zu tun.
Lediglich die Texte sind etwas klischeebehaftet.

"The Dio years" fasst die interessanten Jahre mit Dio als Sänger gekonnt zusammen und bietet zudem drei neue Titel - welcher Argumente bedarf es noch, sich diese Platte zuzulegen?

Wer ein Stück Musik - Geschichte sein eigen nennen möchte, MUSS hier zugreifen. Alle möchtegern Metal - Superstars und solche, die von den Medien und hysterischen Fans dazu gemacht wurden sollen ihre mickrigen Häupter senken und voller Ehfrucht aufblicken zu einer Band, die auch nach fast 40 Jahren im Geschäft immer noch das Maß aller Dinge ist und Generationen von Musikern beeinflusst hat und beeinflussen wird!

Die Legende stirbt nie!


Born Again (Jewel Case CD)
Born Again (Jewel Case CD)

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die ungewöhnlichste Black Sabbath - LP, 4. März 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Born Again (Jewel Case CD) (Audio CD)
1983 erlebte die Metal Szene eine ihrer spektakulärsten Elefantenhochzeiten. Ian Gillan, seines Zeichens Frontmann der englischen Hard Rock Truppe Deep Purple und Sänger auf so großartigen Werken wie "In Rock" oder "Machine Head", trat Black Sabbath bei. Jener Band, die bis heute für das Genre Heavy Metal steht wie keine andere. Von 1970 - 1978 veröffentlichten die vier Herren aus Birmingham acht Longplayer, die eine ganze Szene prägen und beeinflussen sollten. Nach dem Rausschmiss von Ursänger Ozzy Osbourne übernahm Ex - Rainbow Stimme Ronnie James Dio von 1980 - 1982 für zwei Studioalben dessen Posten und veränderte den Sound der Band maßgeblich. Nun standen nicht mehr progressive, brachiale Riffs und narkotischer Gesang im Vordergrund, sondern fein arrangierte, düstere Doom - Hymnen. Wie sollte also Ian Gillan's Rhythm and Blues Hintergrund zu einer Formation wie Black Sabbath passen?

Diese Frage stellte sich die Fachpresse im Vorfeld der Veröffentlichung unentwegt. Das Ergebnis klang nicht, wie etwa vermutet, nach "Deep Sabbath", sondern erstaunlicherweise nach Black Sabbath in reinster Form. Die drei verbliebenen Urmitglieder Tony Iommi (Gitarre), Geezer Butler (Bass) und der zurückgekehrte Schlagzeuger Bill Ward harmonierten erstaunlich gut mit dem eigenwilligen neuen Sänger. Das "Experiment Gillan" dauerte allerdings nicht sehr lange, nach der Tour zum Album verließ er die Band und kehrte zu Deep Purple zurück, um mit ihnen den Klassiker "Perfect Strangers" einzuspielen.

Die Verbindung Gillan - Sabbath stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Angeblich hatte sich der Sänger erst im Alkoholrausch zu einem Engangement in der Band überreden lassen. Fest steht, dass er mit deren Image nie zurecht kam und auch mit den Texten nichts anzufangen wusste. Das zeigte sich nicht nur auf der Tournee zum Album, als er alte Sabbath - Stücke singen musste, sondern auch auf "Born again". Trotz des sehr wüsten Sounds ließ der Texter Gillan immer wieder Ironie aufblitzen - ein Stilmittel, das im Heavy Metal deplatziert wirkte und einigen Fans sauer aufstieß.
Gleich im krachenden Opener "Trashed", dem schnellsten Titel der LP, zeigte der Sänger, dass er auch im härteren Soundgewand bestehen konnte. Dieser Song war zugleich die erste Single der LP und gilt bis heute als Bandklassiker. Sägende Gitarrenriffs, atemberaubende Soli und ein kreischender Ian Gillan lassen beinahe vergessen, dass hier ein durchaus melodischer Refrain versteckt ist. Ein beeindruckender Ritt auf dem Hexenbesen zum Auftakt.

Nach dem kompakten Beginn wabert ein verhängnisvoller Synthiebrei aus den Boxen. "Stonehenge" nennt sich das zwei minütige Instrumentalstück, das der Vorbote eines wahren Meisterwerkes ist. Nachdem man sich als Hörer schon geistig an eben jenen sagenumwobenen Ort in England begeben hat, kreischt Hexenmeister Ian Gillan derart markerschütternd los, dass einem das Blut in den Adern gefriert. "Disturbing the Priest" ist ein Monument, ein Manifest des Heavy Metal. Eine Gänsehautnummer par excellence. Düsterer, böser und dämonischer haben Black Sabbath nie geklungen. Perfekte Spannungsbögen, fiebrige Strofen und ein wahnsinnig kraftvoller Refrain machen diesen Song zum herausragenden Höhepunkt einer ungewöhnlichen LP. Wie im Rausch zieht es den Hörer hinunter in den verderblichen Höllenschlund und man möchte den Meistern der Finsternis jubilierend folgen.

Die Geschichte zur Entstehung des Liedes ist jedoch weitaus weniger furchteinflößend.
Als Black Sabbath "Born again" einspielten, ließen sie aufgrund der sängenden Hitze im Studio die Türe offen stehen. Dieses störte allerdings den Pfarrer der Gemeinde, dessen Kirche sich direkt gegenüber befand, bei den Proben mit seinem Chor. So entstand der Songtitel "Disturbing the Priest". Eine Geschichte, die zur Verbindung Gillan/Sabbath passte wie die Faust auf's Auge. Er wollte nie dem Düster - Image der Band gerecht werden und tat alles, diesem Eindruck entgegen zu wirken. Erstaunlicherweise war es aber genau er, der die härteste und finsterste LP der Band einsang.

Auf "Disturbing the Priest" folgt mit "The Dark" erneut ein kurzes Instrumental - Intro, das in die brachiale Dampfwalze "Zero the Hero" überleitet. Diese zweite Single walzt sich tonnenschwer durch die Boxen und bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Was für ein Monsterriff! Nicht nur bei deisem Stück fällt der eigentümliche Sound der Platte auf. Er klingt derart ungeschliffen und roh, dass bis heute viele Fans verschreckt Abstand von den 9 "Born again" Songs nehmen. Es gibt kaum Mitten zu hören, Schlagzeug und Bass klingen dumpf, verhallt und metallisch, wohingegen die Gitarre in manchmal unangenehm kreischenden Höhen agiert. Für mich bleibt der Sound das einzige Manko einer ansonsten herausragenden LP. Viele Fans merken bis heute an, dass er in seiner Ungeschliffenheit als Stilmittel fungieren und den düsteren Sound unterstützen sollte. Ich aber finde, dass er den Gesamtgenuss an manchen Stellen trübt. Die Musik bleibt dennoch überragend und das Album ein bombastischer, haushoher Monolith im Garten Eden des Metal.

Nach dem spektakulären Beginn schlägt mit dem schnellen Fetzer "Digital bitch" die erste kompaktere Nummer auf. Tony Iommi's Gitarre sägt fies, Bill Ward drischt auf sein Schlagzeug ein, als wäre es sein schlimmster Feind, Geezer Butler's Bass ist nur ganz schwach im Hintergrund zu hören und Ian Gillan kreischt sich kraftvoll durch die sozialkritische Nummer.

Nach all dem brachialen Metal kann man im Titelsong "Born again" eindrucksvoll hören, warum Ian Gillan bis heute als einer ger größten Sänger der Szene gilt. Sanft schmeichelt sich seine Stimme in diesem melancholischen Stück ins Ohr, nur um im verzweifelten Refrain schmerzverzerrt aufzuheulen. Gesangstechnisch ein Meilenstein und im Gegensatz zu den anderen Stücken ein angenehmer Kontrast, der auch nach mehrmaligem Hören heraussticht. Anders als die beiden letzten Titel "Hot line" und "Keep it warm". Sie wirken etwas durchschnittlich und recht traditionell. Es gibt satte Midtempo Riffs und gefällige Refrains zu hören, alles wirkt sehr professionell, aber nicht so erfrischend wie die ersten 7 Titel des Albums.

Was bleibt also nach 41 Minuten? Es bleibt der Eindruck, dass diese Symbiose, obwohl von Beginn an zum Scheitern verurteilt, über die Albumdistanz erstaunlich gut funktioniert hat. Nicht nur die Chartplatzierung gibt mir in dieser Einschätzung recht (Platz 4 im UK). Bis heute gilt "Born again" in Fankreisen als vergessener Schatz in der Black Sabbath Diskographie. Die LP spaltet die Gemüter wie höchstens noch "Dehumanzier" (1992). Viele kommen mit dem sehr brachialen Sound nicht zurecht und finden daher keinen Zugang zu den teilweise sehr sperrigen und wuchtigen Kompositionen. Andere jedoch preisen das Werk als Feuerwerk der Ideen und grandiose Meisterleistung.

Mit Sicherheit ist es ein interessantes Album, das man sich anhören sollte, weil es in seiner Zusammenstellung einzigartig ist. Und weil das Cover als "besondere" Note hervorsticht. Es stammt aus der Feder des Designers "Krusher", der 1983 zeitgleich für Ex - Sabbath Sänger Ozzy Osbourne und dessen frühere Band arbeitete. Um nicht zwischen die Stühle zu geraten, schlug er Tony Iommi das seiner Meinung nach schlimmste denkbare Cover vor, da er Ablehnung erwartete und hoffte, nicht für Black Sabbath arbeiten zu müssen. Doch der Gitarrist zeigte sich von den Entwürfen begeistert und entschied sich für das Cover. Es zeigt einen Säugling mit blutroter Haut auf blauem Hintergrund. Seine Finger zieren gelbe Krallen, aus dem Kopf ragen zwei Teufelshörner, seine Augen blitzen grünlich und die Eckzähne stechen vor wie bei einem Vampir. Ein gleichsam scheußliches wie beeindruckendes Cover. Es soll zeigen: Die größte Metalband der Welt ist auferstanden und sie klingt, wie ihr sie kennt: fies, gemein und dämonisch. Tatsächlich war die Konkurrenz zu Beginn der 80er für die Bands der 70er immens geworden. Besonders aus den USA drängten neue Formationen wie Metallica, Slayer oder Exodus über den großen Teich und manövrierten den klassischen Metal in neue Klanggefilde. Also mussten sich die "alten Hasen" im Gespräch halten und sei es nur durch ein spektakuläres Albumcover.

Ian Gillan äußert sich noch heute abfällig über das Cover und es bleibt ein schaler Nachgeschmack, da kurz vor Erscheinen des Longplayer Ozzy Osbourne's Tochter Aimee geboren wurde und das Bild als böser Seitenhieb auf den ehemaligen Frontmann, der im Streit gegangen war, verstanden werden konnte.

Nach Gillan's Ausstieg 1984 entschied sich Bandkopf Tony Iommi für eine Auszeit von Black Sabbath. Der Sound hatte sich abermals gewandelt und die Truppe schien trotz aller Erfolge am Ende zu sein. Daher veröffentlichte Iommi das Soloalbum "Seventh Star" und erst 1987 erschien mit "The Eternal Idol" und Tony Martin am Mikrofon das 12. Black Sabbath Album. Es klang ganz anders als "Born again". Doch das ist eine andere Geschichte...


Bayreuth 3 (Limited Edition)
Bayreuth 3 (Limited Edition)

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hält locker mit Teil 1 und 2 mit!, 31. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Bayreuth 3 (Limited Edition) (Audio CD)
Joachim Witt ist den meisten Musikhörern als NDW - Star mit Hits wie "Goldener Reiter", "Herbergsvater" oder "Kosmetik" in Erinnerung. Seit 1998 jedoch hat sich der Schauspieler und Sänger düstereren Klängen zugewandt. Seine damals begonnene Werkreihe "Bayreuth 1", besonders bekannt geworden durch die Hit - Single "Die Flut" mit Wolfsheims Peter Heppner, erfährt bisher zwei Vortsetzungen in den Jahren 2000 und 2006. "Bayreuth 3" soll laut inoffiziellen Angaben der letzte Teil dieser Reihe sein. Doch eben dieser hat es noch einmal in sich.

War Teil 1 noch sehr düster und fast schon depressiv und Teil 2 etwas leichter, bunter so ist Teil 3 die perfekte Kombination aus beidem.

Der Einstieg mit dem romantischen Intro "Dämmerung" erinnert an eine ruhige, friedliche Landtschaft voller Schönheit. Mitten in diese liebliche Idylle hinein platzt das brachiale Bratz - Gitarren Riff von "Ahhh!". Diese Kontrast scheint gewollt, da sich durch das gesamte Album eine breit angelegte Gesellschaftskritik zieht und sowohl Musik als auch Text in ihrer Schonungslosigkeit aufrütteln wollen. Daher wohl der sehr harte Grundtenor der LP.

Dieser Song ebnet den Weg für das noch brachialere "Menschen". Der Refrain wir dermaßen brutal eingeprügelt, dass man fast meint, es handele sich um einen Rammstein - Track. Textlich gesehen dringt Witt jedoch in weitaus größere Tiefen vor, trotz des eifrig rollenden R. Das Thema dieses Titels ist die grenzenlose Überheblichkeit der Menschen, die sich als göttlich empfinden und dabei selbst handeln wie primitivste Wesen.

Ein sehr starkes Statement!

Die verträumte Ballade "Wem gehört das Sternenlicht?", die zweite Single, glänzt durch ihren hymnischen und romantisch - eingängigen Charakter. Für mich trotz seiner etwas zu lange geratenen Spielzeit ein absoluter Top - Song!

"Schmutz" besticht durch seinen treibenden und wuchtigen Beat und einen nachdenklich - kritischen Text.

Die erste Single "Wo versteckt sich Gott" ist ebenfalls als sehr deutliche Gesellschafts - und vor allem Religionskritik angelegt. Die stampfende Grundstruktur wird im Refrain perfekt durch flirrende Geigen unterlegt.

Das Duett "Abendrot" mit Thilo Wolff von Lacrimosa ist wahrscheinlich der Untypischte und deshalb auch Interessanteste Titel der CD. Beide Stimmen ergänzen sich perfekt und das wunderbar melodische Thema ragt durch seinen hymnisch - mitreissenden Charakter besonders heraus. Auch hier wurden Streicher eingesetzt. Mein heimlicher Liebling.

Seinen elektronischen Wurzeln frönt Witt mit "Neuland". Der treibende Rhythmus wird zusätzlich unterstützt durch einen schönen Keyboard - Klangteppich. Lediglich der Refrain haut mich irgendwie nicht um.

"Hundert Leiber" ist eine herrliche Hymne. Zunächst das Barocke Cembalo - Intro und dann der mehrstimmig - hymnische Gesang. Trotz des Textes wirkt die Musik nicht sonderlich düster, dafür aber sehr melancholisch warm und faszinierend.

"Leben im Staub" kann als der "typischte" Track bezeichnet werden. Athmosphärisches Keyboard, groovende Bratz - Gitarren und ein martialischer Refrain. Mancher mag diesen Titel als Klischee - typischen Witt - Track anführen. Ich sage er passt perfekt ins Gesamtkonzept und fällt qualitativ keinswegs ab.

Ebenfalls ungewöhnlich ist "Die Macht". Der ruppige Elektro - Beat, gesungen von Muse und Inspirationsquelle Nadja Marie Saeger, mündet in einen pathetischen Refrain voller Wucht. Ungewöhnlich, aber gelungen.

Etwas Massentauglicher wird es mit "Tiefenrausch". Geschrieben von Wendlandt/Page klingt dieser Titel jedoch typisch nach dem "modernen" Witt und steht in bester "Eisenherz" - Tradition. Emotional, zerrissen, düster und eingängig. Hätte ich mir sehr gut als Single vorstellen können.

Die "Edelweiss - Piraten" - Hommage "Der Turm" ist textlich zwar bemüht, kommt jedoch zu keiner klaren Aussage. Musikalisch gesehen ist der Song trotzdem klasse. Ich mag den Stakkato - Beat im Refrain.

Der Höhepunkt folgt dann aber (fast) zum Schluss. "Ich spreng den Tag" ist mein absolutes Lieblingslied auf "Bayreuth 3". Es groovt und stampft mitreissend und der Refrain ist einfach nur göttlich. Treibend, rockig und berührend. Noch dazu ein schönes Keyboard - Thema im Hintergrund. Besonders die Textzeile "Ich fang den Schuss mit meinem Gehirn" bleibt mir nachdrücklich im Gehörgang haften. Für mich wäre das die perfekte Single. Wenn man auf den kommerziellen Erfolg schielt...

Zum Abschluss folgt ein Titel, der dem Album fast seine 5 Sterne - Bewertung genommen hätte. "Tief in der Tiefe" hätte dort ruhig bleiben können! Eine pathetisch aufgeblasene Kitschschleuder erster Güte. Völlig deplatziert und einfach nur peinlich. So etwas zu sagen tut weh, ist aber leider nicht zu verhindern. Ohne diesen unterirdischen Abschluss würde ich das Album getrost als das Beste der "Bayreuth" - Reihe ansehen. So ist es lediglich ein sehr starkes und kontroverses Album.

Über Witt's Texte zu sprechen fällt sehr schwer, da sie meist nur aus mystischen Wort - und Satzfetzen bestehen, die man sich zu einem großen Ganzen erst zusammensetzen muss. Trotzdem entgehen dem geneigten Hörer die Grundbotschaften nicht: Die Menschen sollten ihr Zusammenleben und ihre Stellung auf der Welt überdenken und mehr als kritisch hinterfragen. Die immer wieder unterschwellig geäußerte links - gerichtete Kritik stört mich etwas.

Eingespielt hat Witt das Album mit sehr vielen fähigen Musikern, u.a. von Silly. Außerdem steht ihm wie immer Nadja Marie Saeger mit ihrer charakteristischen Stimme zur Unterstützung bereit. Auch das Artwork der CD besticht durch das künstlerisch hochwertige Cover und die beiliegenden Texte.

Der mittlerweile fast 60 Jährige Hamburger ist immer noch ein "unruhiger Kulturschaffender", der mit äußerst modernen Mitteln arbeitet und dabei doch stets seinen urtypischen Sound beibehält. So gelingt ihm mit "Bayreuth 3" ein ungewöhnlich hartes, mehr Gitarren - als elektronisch orientiertes, kritisches Album, das auf (fast)ganzer Linie zu überzeugen weiß! Nach zwei zunächst ab und an schwächelnden Werken ("Eisenherz" und "Pop"), kann sich "Bayreuth 3" wieder über die gesamte Distanz sehen lassen (vorausgesetzt, man macht nach "Ich spreng den Tag" schluss...).

Hoffentlich ist die nächste LP wieder mit solch starken Kompositionen gesegnet!


Mob Rules (Jewel Case CD)
Mob Rules (Jewel Case CD)
Preis: EUR 9,99

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein weiteres starkes Werk mit Dio, 29. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Mob Rules (Jewel Case CD) (Audio CD)
1981 machen sich Black Sabbath daran, mit ihrem 10. Studio - Album den gigantischen Vorgänger "Heaven and hell" aus dem Vorjahr zu toppen. Dies gelingt ihnen meiner Meinung nach zwar nicht ganz, aber trotzdem ist "Mob rules" ein überdurchschnittliches Werk. Zum zweiten Mal leiht der charismatische Amerikaner Ronnie James Dio einer Black Sabbath - LP seine Stimme. Wie auch schon auf dem Vorgänger unterstützen ihn die Gründungsmitglieder Tony Iommi an der Gitarre und Terence "Geezer" Butler am Bass. Schlagzeuger Bill Ward verlässt aufgrund verstärkter Alkoholprobleme bereits kurz nach den Aufnahmen zu "Heaven and hell" die Band und kehrt 1983 für "Born again" noch einmal kurz zurück, ehe er fast 15 Jahre auf keinem Studio - Werk der Engländer mehr zu hören ist. Auf "Mob rules" wird er durch den Amerikaner Vinnie Appice ersetzt. Die Musik auf besagtem Album bewegt sich im Spektrum magisch - melodisch bis brachial - düster.

Der ruppige Opener "Turn up the Night" erinnert stark an "Neon Knights" von "Heaven and hell", wirkt jedoch eine Spur schlechter. Trotzdem ein starker Einstieg mit einer eingängigen Uptempo - Nummer. Ihr folgt der düstere Stampfer "Voodoo". Ein typisch schwerfälliges Black Sabbath Riff im druckvollen Midtempo und Dios bissiger Gesang hinterlassen zwar ein starkes Bild, noch ist der Zenit des Albums aber nicht erreicht.

Bereits mit dem nächsten Song zementieren Black Sabbath jedoch ihren Ausnahmestatus in der Metal - Szene. Die infernalische Dampfwalze "The sign of the southern cross" beginnt zunächst lieblich verspielt, ehe ein zähes Lava - Riff aufschlägt, das gepaart mit Dios bösem Gesang eine unglaublich mystisch - dichte Athmosphäre erzeugt. Der Track wirkt wie ein gefährlicher, durch und durch düsterer Rausch der Sinne. 7.44 Minuten absolute Gänsehaut. Diese zähe Nummer geht über in das dämonische Instrumental "E5150", welches durch psychadelische Sounds auffällt und wie ein aus weiter Ferne erklingender Ruf direkt aus der Unterwelt wirkt. Man erwartet bald etwas Unheimliches, Verheerendes...

Und das kommt auch sofort in seiner ganzen Urgewalt daher. Der Titeltrack "The Mob rules" fegt wüst durch die Boxen und man meint, etwas grausam Brutales überziehe das Land. Ein mitreissender Metal - Track und der eindrucksvolle Beweis, dass die Urväter des Metal auch nach 11 Jahren und 10 Alben noch so manchem Jungspund zeigen können, was Metal bedeutet.

Nach diesen drei unglaublich intensiven Stücken folgt der brachiale Midtempo - Stampfer "Country Girl". Beim ersten Hören nichts besonderes, doch mit mehrmaligem Hören entfaltet er seine eigentliche Stärke. Mehr verwurzelt im Rock and Roll aber trotzdem sehr hart geht es zur Sache. Zudem wird im melodiösen Zwischenpart Dios Stimme zu ihrer vollen Entfaltung gebracht und man meint, der kleine Amerikaner habe schon alles an emotionaler Tiefe herausgelassen. Doch der Höhepunkt folgt noch.

"Slipping away" ist der einzige etwas schächere Track. Auch er basiert auf einem wuchtigen Midtempo - Riff und stampft ganz ordentlich durch die Gegend, wirkt aber irgendwie nicht sonderlich überragend. Solide.

Wer jetzt das Gefühl hat, dass das noch nicht alles gewesen sein kann, der wird mit den letzten beiden Tracks hervorragend bedient.

"Falling off the edge of the world" beginnt zunächst als mittelalterlich - düstere Ballade, ehe ein weiteres wuchtiges Lava - Riff den eigentlichen Song einleitet. Wie aus dem nichts bratzt plötzlich ein grooviges Gitarren - Thema hervor und regt zum aktiven Mitwippen an. Ein treibendes Stück voller Energie und Kraft. Stark!

Nach diesem schnelleren Stück beschließt "Over and Over" das Album. Ein sagenhaftes Stück Musik! 5.28 Minuten voller Emotionalität und Zerrissenheit. Iommis schwerfällig - bluesiges Riff wird perfekt umgarnt von Dios verzwiefelt - traurigem Wehgesang, der eine sehr melancholisch - warme Stimmung erzielt und sich am Ende zur bombastischen Hymne steigert. Ein birllanter Abschluss!

"Mob rules" ist im viel herangezogenen Vergleich zum Vorgänger "Heven and hell" deutlich härter und rauer, beinhaltet aber insgesamt gesehen die etwas schwächeren Songs. "Slipping away", "Turn up the Night" und "Voodoo" fallen im Vergleich zu Weltklasse - Kompositionen wie "Neon Knights", "Die young" oder "Heaven and hell" deutlich ab. Dennoch besitzt das zweite Album mit Dio als Sänger von Black Sabbath über die gesamte Distanz von 40.30 Minuten genug starke Momente, um als Meilenstein des Rock zu gelten. Zur damaligen Zeit stellt sich bei vielen Fans ein großes Gefühl der Zufriedenheit ein. Black Sabbath scheinen in Ronnie James Dio den perfekten Nachfolger für Ozzy Osbourne gefunden zu haben. Außerdem klingen die beiden mit ihm eingespielten Platten zwar recht ähnlich, aber doch sehr inspiriert und frisch.

Leider endet die Zusammenarbeit mit Dio nach dem 82er Live - Album "Live evil" jäh, da die Unstimmigkeiten in der Band unüberbrückbar scheinen. Dio steigt aus und gründet zusammen mit Vinnie Appice seine Soloband "Dio", während Black Sabbath mit Ian Gillan als neuem Sänger und dem Album "Born again" weitermachen. 1992 kehrt Dio noch einmal für das überragende "Dehumanizer" zurück, ehe er engültig die Band verlässt.

Das selbe Lineup wie auf "Mob rules" geht 2007 unter dem Namen "Heaven and hell" auf große Welttournee. Im Gepäck sind auch drei neue Songs, die ab April auf der Sabbath CD "The Dio years" zu hören sind. Man darf gespannt sein, ob ähnlich starkes wie auf "Mob rules" dargeboten wird.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 14, 2013 11:03 AM CET


Headless Cross
Headless Cross
Wird angeboten von Rock Pop
Preis: EUR 21,99

24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Beste Werk mit Tony Martin, 8. Dezember 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Headless Cross (Audio CD)
Im Olymp der Metal - Geschichte ist nicht sehr viel Platz. Einige wenige Bands finden sich dort wieder und scheinbar übermächtig trohnt auf seiner höchsten Stelle die Britische Legende Black Sabbath. Alben wie "Paranoid", "Black Sabbath", "Sabbath bloody Sabbath", "Dehumanizer" oder "Heaven and hell" gehören zum Besten was jemals im Bereich der schweren Musik veröffentlicht wurde.

Das 1989 erschienene "Headless cross" jedoch fällt in eine schwierige Zeit. Von der Urformation ist nur Gitarrist Tony Iommi übrig geblieben, der inzwischen scheinbar stündlich die Mitglieder wechselt und die Heavy Metal - Combo in deutlich kommerziellere Fahrwässer führt. Das letzte Album "The Eternal Idol" ist ein Flop gewesen und es wird Zeit, dass der Erfolg zurück kommt.

Dem Meistergitarristen soll zur Verwirklichung dieses Zieles qualifiziertes Personal helfen. Zum zweiten Mal leiht Tony Martin einer Black Sabbath - LP seine Stimme und prägt die Songs maßgeblich. Erstmals dabei sind zudem der Bassist Laurence Cottle und der brillante Schlagzeuger Cozy Powell, der zuvor Bands wie Rainbow oder Whitesnake bereicherte.

Scheinbar über allem schweben die Klangteppiche von Keyboard - Mastermind Geoff Nicholls, der nach Jahren des Versteckens hinter der Bühne nun auch offiziell Mitglied der Band ist.

Gleich das Intro "The Gates of hell" lebt von dessen düsteren Klängen, ehe Cozy Powells Schlagzeug im Titelsong "Headless cross" markant aufschlägt und Iommi eines seiner vielen Monster - Riffs folgen lässt. "Monströs" ist das richtige Wort um das gesamte Album zu beschreiben. Es dauert zwar nur schlappe 40 Minuten, aber während dieser Zeit werden bombastische Hymnen voll epischer Breite geliefert. Die mitreissende Dynamik der Stücke ist unverkennbar.

Besagter Titelsong, gleichzeitig auch die erste Single, ist ein typisches Black Sabbath - Lied der Tony Martin Ära. Es beinhaltet einen düsteren Text und lebt von der charismatischen und technisch ausgezeichneten Stimmführung des Briten. Der recht einfache Schlagzeug - Groove und das zigfach in anderen Songs gehörte Bass - Riff tun der Eingängigkeit des Titels keinen Abbruch und setzen ein erstes Ausrufezeichen. Zwar ist der "neue" Stil melodiös, aber doch mit einem durchaus harten Grundgerüst versehen. Deutlich weicher zwar als sperrige Werke wie etwa "Born again" oder "Dehumanizer", aber trotzdem bei weitem noch nicht Hard Rock oder gar Hair Metal! Black Sabbath spielen in einer ganz anderen Liga!

Nach Ozzy Osbourne hat Tony Martin mit 5 die meisten Alben des Metal - Dinosauriers besungen und für viele ist er auch der technisch versierteste Sänger aller 17 veröffentlichten Alben (und dem einen Inoffiziellen).

Dass er es kann beweist auch die zweite Single "Devil and daughter". Powell peitscht auf seine infernalischen Höllendrums ein, Iommi liefert erneut ein bombastisches Riff und Tony Martin unterstützt das ganze mit stimmlicher Wucht. Dazu ein starker Refrain und fertig ist der überzeugendste Titel des Albums!

Wucht zeigt sich in "When death calls" erst ab der Hälfte der fast 7 Minuten. Zunächst beginnt der Song ruhig und episch, ehe er zu einem groovenden Kopfnicker wird. Der doomige Refrain ist Sabbath - typisch.

Von den restlichen Songs sticht lediglich noch "Black Moon" heraus. Der Refrain bleibt sehr lange im Ohr hängen und der schauderhafte Text lässt die Eine oder Andere Gänsehaut entstehen.

Die restlichen der 8 Tracks werden von den typischen Merkmalen dominiert, die die ganze Platte auszeichnen: Schweres Midtempo, geschliffene Gitarren - Riffs, technisch versierte Soli, krachende Drums, ein tiefer Bass,düster Keyboard - Passagen und überladene, teilweise zu aufgeblasene Gesangs - Parts.

Ein Werk ohne soundtechnische Ecken und Kanten, glatt geschliffen wie ein funkelnder Diamant. Technisch sehr gute Musik, die viele Fans jedoch ob ihrer Eingängigkeit verschreckte. So ist das 13. Epos der Briten heute in Vergessenheit geraten und wird von vielen Musikläden gar nicht mehr angeboten und wenn, dann nur in einer klangmäßig sehr unglücklichen Version. Erstens sind die Songs viel zu leise und zweitens kommt die filigrane Wucht die sie verströmen dadurch nicht richtig zum Ausdruck.

Alle anderen Alben wurden Remastered, nur nicht die mit Tony Martin (und "Dehumanizer" mit Dio) - es steht außer Frage, dass dies höchste Zeit ist. Und: Nur weil sie keine kommerziellen Erfolge waren, heißt es noch lange nicht, dass die enthaltene Musik schlecht ist.

Im Gegenteil, "Headless cross" ist für mich das Stärkste Werk der Tony Martin - Ära und beinhaltet einige sehr berührende und emotionale Bombast - Hymnen. Sicherlich ist die Musik nicht unbedingt Sabbath - typisch, es fehlt die raue Ungeschliffenheit und die Komplexität früherer Werke, doch das macht die Qualität der Songs wett.

Wer Black Sabbath einmal anders erleben will, der soll sich die musikalisch sehr guten Alben ab 1987 kaufen.

Für "Headless cross" spreche ich eine ganz klare Kaufempfehlung aus. Es ist ein Genuss für jeden Freund von melodischem Metal, denn alleine Tony Iommis legendäre Riffs sind eine klasse für sich!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2013 7:37 PM CET


Dehumanizer
Dehumanizer
Preis: EUR 15,83

24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DAS Black Sabbath Meisterwerk!, 3. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Dehumanizer (Audio CD)
Das Album "Dehumanizer" (1992) ist neben "Born again" (1983) das wohl Verkannteste im langen Schaffen von Black Sabbath. Grund dafür ist vor allem, dass zu Beginn der 1990er Jahre klassischer Heavy Metal aufgrund der Grunge-Welle kaum mehr Beachtung findet. Außerdem haben sich Black Sabbath und insbesondere das einzig verbliebene Gründungsmitglied, Gitarrist Tony Iommi, in den Jahren zuvor den Ruf erworben, die Mitglieder im Hinblick auf den größtmöglichen kommerziellen Erfolg wie die Schachfiguren zu wechseln. Dies gilt ganz besonders für die Rückkehr der Besetzung um Meistersänger Ronnie James Dio.

Der Vorwurf hauptsächlich finanzieller Interessen mag vielleicht gerechtfertigt sein (auch wenn der ganz große Erfolg ausgeblieben ist), doch liefern die vier Szenegranden mit ihrem Reunion-Album ganz nebenbei auch ein wahres Jahrhundertwerk ab! Man hört der Platte an, dass sie mehr ist als das Ergebnis einer routinierten Zusammenarbeit aus dem Scheinwerferlicht gedrängter Legenden, die es um der Publicity Willen noch einmal gemeinsam versuchen. Vielmehr wird deutlich, wie viel Herzblut in den zehn Liedern steckt und welch blindes musikalisches Verständnis dieser Formation innewohnt.

Tony Iommi spielt beissende Riffs, der zurückgekehrte "Urvater" Geezer Butler entlockt seinem Bass furchterregendste Tiefen, Vinny Appice liefert peitschende Schlagzeugparts und Ronnie James Dios überwältigend großartiges Organ erreicht bewegende Sphären tiefster Emotionalität. Der Sound ist druckvoll und kantig abgemischt. Nie zuvor und nie danach wurde die Band in ein derart bissiges Soundkostüm gekleidet. Besonders das krachende Schlagzeug sticht positiv heraus. Doch eigentlich ist es ein Wunder, dass diese vier Musiker überhaupt noch einmal zusammen den Weg in die altehrwürdigen Rockfield Studios nach Wales finden.

1982 geht das Lineup nämlich nach den zwei Weltklasse-Alben "Heaven and hell" und "Mob rules", sowie der Live-LP "Live Evil" im Streit auseinander. Lange Jahre scheint es, als sei eine erneute Zusammenarbeit unmöglich. Dio gründet mit Vinny Appice die Formation "DIO", Tony Iommi und Geezer Butler machen als Black Sabbath weiter, versuchen es mit Ian Gillan als Sänger und holen Ur-Drummer Bill Ward zurück ("Born again"). Aber bald ist auch für diese Besetzung Schluss. Iommi bleibt als einziges Gründungsmitglied übrig, engagiert Tony Martin als neue Stimme und die Popularität von Black Sabbath nimmt bis zum Beginn der 1990er Jahre zusehends ab. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, entlässt der Gitarrist 1991 sämtliche damals aktuellen Bandmitglieder und trommelt die alten Kollegen zusammen - zunächst, wie erwähnt, vornehmlich aus reinem Erfolgsstreben. Im Laufe des gemeinsamen Schaffens aber kehrt der Spirit der ersten beiden LPs wieder zurück. Aus kreativer Sicht ist die Reunion die absolut richtige Entscheidung. Menschlich gerät die Wiedervereinigung jedoch zum Desaster. Man trennt sich nach der Tour zum Album erneut, die letzten beiden Termine müssen sogar ohne Ronnie James Dio stattfinden, der die Gruppe nach anhaltenden Querelen wütend verlässt. Judas Priest Sänger Rob Halford absolviert schließlich die bereits gebuchten Gigs.

Die Musik auf "Dehumanizer" ist kalt, pessimistisch und erbarmungslos. Erst nach sehr langem Hören entdeckt man die eigentlich sehr eingängigen Strukturen der Songs. Für manchen mag das 15. Sabbath-Werk beim ersten Hören einfach nur wie ein steinharter Betonklotz ohne Melodie klingen. So auch zunächst für mich. Doch nach einem sehr langen Einhörprozess hat sich mir die wahre Größe des Albums erschlossen! Es ist kaum in Worte zu fassen, wie genial diese LP ist.

Sie beginnt gleich mit einem der besten Songs in der Geschichte von Black Sabbath. "Computer God" thematisiert bereits 1992 eine heute sehr reale Situation - der Computer ist zum neuen "Gott" geworden, hat die Kontrolle über die Menschheit erlangt. "Computerized God, it's the new Religion-program the brain, not the heartbeat" heißt es treffenderweise im bärenstarken Text. Man mag diese Ansichten als konservativ oder rückwärtsgewandt bezeichnen. Manchmal tut es aber ganz gut, den Ist-Zustand kritisch zu hinterfragen. Und auch musikalisch haut mich dieser Titel jedes Mal neu um. Auf den brachialen, stahlharten Einstieg folgt die Steigerung hin zum melodischen Refrain. Im Mittelteil wird das Tempo komplett herausgenommen, nur um im nächsten Moment wieder total zu explodieren. Der Song endet mit einem wahnsinnig emotionalen und bewegenden (fast 15 Sekunden langen) Schrei von Dio, der einem bis ins Mark fährt. Bei diesem Titel schiessen mir stets aufs Neue die Tränen in die Augen.
Die vielen Tempowechsel und das perfekte Zusammenspiel aller Elemente sind der Wahnsinn. Ich möchte vor Begeisterung laut schreien. Was für eine Energie, was für eine Aggressivität! DAS ist Heavy Metal in Reinkultur, für solch eine Musik wurde der Begriff erfunden. Ergreifend!

Nach dem schonunsglosen Einstieg wird es noch unzugänglicher. "After all (the dead)" walzt bedrohlich daher. Man braucht etwas Geduld und eventuell auch mehrere Durchläufe, bis dieser astreine Doom-Track seine wahre Größe preisgibt. Irgendwann aber reißt er einen hypnotisiert mit in seinen düsteren Schlund.

Die erste Single "TV Crimes" hingegen ist etwas traditioneller gehalten. Dio keift sich wie ein tollwütiger Wolf durch den schnellsten Track der LP, angetrieben von den wüsten Riffs des Tony Iommi. Ein echter Headbanger vor dem Herrn und alles andere als leicht verdaulich. Auch textlich. Heute sicherlich zurecht ein Klassiker der Bandgeschichte. Schneidig und treibend. Einer der Höhepunkte einer an Höhepunkten so reichen Platte.

Das schwere "Letters from earth" drosselt das Tempo merklich. Besonders auffällig ist hier der wunderschöne Pre-Chorus. Der Track erscheint als B-Seite der "TV Crimes" Single in leicht abgeänderterter Form, ist aber in der Albumversion überzeugender. Das hohe Niveau der vorherigen drei Titel wird konstant gehalten und schon jetzt fällt auf, was für einzigartige Melodien in den vordergründig sperrigen Kompositionen versteckt sind.

Die zweite Single "Master of Insanity" ist das eingängigste Stück des Albums. Der Refrain bleibt im Ohr, die Struktur ist voll darauf zugeschnitten. Wie aus einem Guss. Harmonisch und doch heavy. Die Mischung stimmt.

"Time Machine", auch auf dem Soundtrack zum Film "Wayne's world" in einer alternativen Fassung enthalten, ist der zweite richtige Brecher. Das peitschende Riff lässt einen wie in einem Hurricane mitreiben. Insgesamt der unspektakulärste Song, was angesichts seines dennoch überdurchschnittlichen Niveaus aber kaum ins Gewicht fällt.

"Sins of the father" ist neben "Computer God" der vielschichtigste Titel auf "Dehumanzier". Die unverschämt eingängige Melodieführung in den Strophen und der noch eingängigere Refrain sind emotional so überladen, dass man sie fast als "kitschig" bezeichnen möchte, doch eben nur fast. Denn sofort im Anschluss beginnt ein weiteres Iommi-Lava-Riff, das umgehend zum groovenden Kopfnicker mutiert. Vinny Appice treibt diesen Sabbathtypischen Tempowechsel brillant nach vorne. In den 4.42 Minuten stecken alle Arten, wie man Rockmusik spielen kann: lieblich und verträumt, feinfühlig und bretthart, bedrohlich und mitreissend. Besonders Dio liefert eine unfassbare Gesangsleitung ab. Nicht nur hier wird deutlich, dass dieser Mann der beste Sänger war, den es im Heavy Metal jemals gegeben hat. Absolut atemberaubend.

"Too late" ist die einzige "Ballade" der LP, falls man überhaupt von einer solchen sprechen kann. Der fast siebenminütige Track wiegt sich in dramatischer Traurigkeit. Das schmerzerfüllte Gitarrensolo verbreitet eine ergreifende Melancholie.

Diese wird mit "I" sofort wieder hinweggeblasen. Das messerscharfe Riff und Dios aggressiver Gesang fegen wie ein Orkan aus den Boxen. Der Sänger bezeichnet den Titel zeit seines Lebens als seinen persönlichen Black Sabbath Lieblingssongs, den er auch live gerne zum Besten gibt. Bis heute der Vorzeigesong dieses Albums.

Im monströsen Abschlusstrack "Buried alive" werden nochmals alle Elemente der LP vereint und im Refrain gibt es eine schaurig-schöne Gänsehaut, ehe das Album würdig und königlich seine Pforten schließt. Insgesamt der wüsteste und erbarmungsloseste Titel des Albums. Drückender Doom der Extraklasse.

"Dehumanizer" kommt ohne überladene Synthie-Klänge aus und kreiert auf textlicher Ebene ein pessimistisches Weltbild voll Schmerz und Aussichtslosigkeit.
Die Musik erzeugt nicht nur beim Hörer sehr intensive Momente, auch die Musiker waren, so wirkt es, während der Aufnahmen in einem sehr aufgewühlten Zustand. Die kanalisierte Energie des kreativen Schaffensprozesses findet ihren Ausdruck in hochinspirierten 52 Minuten. Wer es schafft, hinter die kalte musikalische Fassade zu blicken, dem erschließt sich eine nie zuvor gehörte Klangwelt. Für alle anderen wird das Album auch weiterhin ein grober Betonklotz ohne Gefühl bleiben.

Ja, ich gebe es zu, meine Kritik ist sehr subjektiv gefärbt. Für mich ist "Dehumanizer" schlicht und einfach das perfekteste und beste Heavy Metal Album, das je veröffentlicht wurde. Besser kann man diese Musik nicht spielen. Bei jedem neuerlichen Hören steht mir der Mund wieder vor Staunen weit offen. Was wohl noch alles möglich gewesen wäre, wenn man die Streitigkeiten in den Griff bekommen und dauerhaft zusammen gearbeitet hätte...

Erst 14 Jahre nach "Dehumanizer" finden Dio, Iommi, Butler und Appice zum dritten Mal zueinander. Die drei neuen Songs für die "The Dio Years" Compilation verströmen eine einzigartige Chemie zwischen den Bandmitgliedern und erstmals fühlen sie sich wirklich wie Freunde. Die anschließende Tour unter dem Bandnamen "Heaven and hell" wird zum vollen Erfolg und mündet in das triumphale, 2009 veröffentlichte letzte gemeinsame Studio-Werk "The Devil you know". Nur ein Jahr später stirbt Ronnie James Dio mit 67 an Krebs. Wie schön, dass er am Ende seines Lebens endlich seinen Frieden mit Black Sabbath geschlossen hat. Er möge in Frieden Ruhen. Ich werde ihm und den anderen dreien ewig dankbar sein für das wertvollste Stück Musik in meiner Plattensammlung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 14, 2009 8:42 PM MEST


Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18