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Beiträge von Manfred Orlick
Top-Rezensenten Rang: 135
Hilfreiche Bewertungen: 3852
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Rezensionen verfasst von Manfred Orlick (Halle, Deutschland)
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5.0 von 5 Sternen
Geschichte eines deutschen Mythos, 22. Mai 2013
Das Nibelungenlied ist eine der bedeutendsten höfischen Dichtungen der deutschen mittelalterlichen Heldenepik. Es wurde um 1200, vermutlich von einem Österreicher unbekannter Herkunft, verfasst. Es fasst Stoffe der Völkerwanderung (4.-6. Jahrhundert), die über viele Jahrhunderte nur mündlich überliefert wurden, zusammen. Erzählt wird von höfischem Leben, Liebe, Tod, Verrat, Treue und gnadenloser Rache. Bis zu seiner Wiederentdeckung und Übertragung ins Neuhochdeutsche durch den Schweizer Johann Jakob Bodmer (1698-1783) war das Nibelungenlied verschollen gewesen. Danach wurde es zum deutschen Heldenepos und Künstler, ob Dichter, Musiker oder Filmregisseure, setzten sich immer wieder mit dem Stoff auseinander, der bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Der vorliegende Reclam-Band zeigt die Stationen des „Mythos Nibelungen“. In einer ausführlichen Einleitung (65 Seiten) des Herausgebers Joachim Heinzle wird zunächst gewissermaßen die Karriere des Heldenepos skizziert, angefangen von den historischen Grundlagen und den Wurzeln der Überlieferung bis zur Szenen-Verarbeitung der Sage durch den Dramatiker Heiner Müller. Auch die Beschwörung der Nibelungentreue in den beiden Weltkriegen als propagiertes Schlagwort für bedingungslose Treue wird beleuchtet. Danach versammelt der Band zahlreiche Texte und Bilder, die die Entwicklung des Mythos demonstrieren. Dabei liegt die frühe Entstehung der Nibelungensage im tiefen Dunkeln. So tauchte der Stoff bereits in der isländischen Lieder-Edda auf. Breiten Raum (über 70 Seiten) nehmen Auszüge des Nibelungenliedes um 1200 in der Übersetzung von Siegfried Grosse ein, ebenso Bodmers „Die Rache der Schwestern“ aus dem Jahre 1767. Im 19. und 20. Jahrhundert waren es vor allem die Lyriker und Dramatiker, die sich von dem Sagenstoff inspirieren ließen. Beispiele sind hierfür: Heinrich Heine, Ludwig Uhland, Friedrich Hebbel, Georg Herwegh und später Paul Celan und Heiner Müller. Nicht zu vergessen natürlich Richard Wagners „Ring der Nibelungen“, aus dem Auszüge aus „Rheingold“ aufgenommen wurden. Der Band zeigt eindrucksvoll, dass die Nibelungen aktuell wie eh und je sind. Immer noch sind sie Garant für die Aufmerksamkeit der Leserschaft oder des Publikums. In fast Tausend Jahre lang sind sie so etwas wie die „deutsche Ilias“ geworden. Ein hochinteressanter Reclam-Band zum Wagner-Jubiläumsjahr.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Reise durch die Geschichte eines Landes voller Zerrissenheit und Großartigkeit, 22. Mai 2013
Nachdem der niederländische Autor Geert Mak vor acht Jahren mit seinem Bestseller „In Europa“ eine literarische und historische Reise durch den europäischen Kontinent unternommen hatte, durchquert der Publizist in seinem neuen Buch „Amerika! Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ die USA. Dabei folgt er den Spuren von John Steinbeck, der 1960 allein nur mit seinem berühmten Pudel Charley sein Heimatland erkundet hatte. Die Reise startet in Sag Harbor, wo Steinbeck 1955 ein kleines Haus gekauft hatte und der bald sein Lieblingsort geworden war. Getreu Steinbecks Reisebericht „Die Reise mit Charley“ führt Maks Tour ein halbes Jahrhundert später ebenfalls zunächst durch die Neuengland-Staaten, dann immer entlang der amerikanisch-kanadischen Grenze, anschließend an der Westküste bis nach San Francisco und schließlich durch die Südstaaten bis nach New Orleans, wo die Reise endet. Auf über 600 Seiten beleuchtet Mak das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hinterfragt aber nicht nur den Alltag und die Gegenwart sondern taucht immer wieder in die Vergangenheit und die amerikanische Geschichte ein. Im Gegensatz zu Steinbeck ist Mak jedoch kein Schriftsteller sondern ein Publizist und obendrein ein äußerst belesener europäischer Bildungsbürger. So stellt er sich immer selbst Fragen, um dieses unbekannte Land zu erkunden und dessen Gesellschaft zu verstehen. Maks grenzenloses Interesse führt ihn auf die kleinen Farmen, in die großen Einkaufs-Malls, die Geister-Autostadt Detroit, aber auch zu den berühmten Nationalparks. Er kommt mit frankokanadischen Erntehelfern, mit Tankstellenbesitzern, Truckfahrern oder Pfarrern ins Gespräch. Aber kaum hat der Autor irgendwo Station gemacht, taucht er bereits nach wenigen Sätzen in der Geschichte seines Aufenthaltes unter, weiß interessante Episoden zu erzählen und vermittelt unendlich viele historische Hintergrundinformationen. Doch wo Mak auch Halt macht, immer gab es (neben Steinbeck) bereits einen Vorgängerbesucher, dessen Beobachtungen und Ideen er sich zunutze macht. Und so ist das gut recherchierte Buch gespickt mit zahlreichen Zitaten und am Ende mit umfangreichen (14 Seiten) Literaturhinweisen und einem elfseitigen Register versehen. Fazit: „Amerika!“ ist kein Reisebuch der üblichen Art sondern eine unerschöpfliche Fundgrube an glänzend erzählten Fakten und Daten zur amerikanischen Geschichte, Gesellschaft und Literatur.
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4.0 von 5 Sternen
Reiseführer zur regionalen NS-Vergangenheit, 21. Mai 2013
Normalerweise machen Reiseführer mit den Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten einer Region bekannt. Dabei gehen sie natürlich auch auf die Geschichte der vorgestellten Städte, Orte, Gebäude und Attraktionen ein. Allerdings wird häufig die Zeit der NS-Herrschaft nur kurz erwähnt oder völlig ausgeblendet. Die Reihe „Der historische Reiseführer“ aus dem Berliner Ch. Links Verlag widmet sich speziell diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte. Nach Thüringen, Brandenburg und Ostseeküste liegt nun auch für Sachsen-Anhalt dieser besondere Reiseführer vor. Der Historiker Willy Schilling geht den Spuren der NS-Herrschaft in Mitteldeutschland nach. Diese sind noch sehr zahlreich, schließlich war unsere Region ein hochentwickeltes Industriegebiet mit einer riesigen Kriegswirtschaft. In ihrem Schatten gab es zahlreiche Lager für Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, die hier grausam ausgebeutet wurden. Schilling hat seinen Reiseführer in vier (farblich gekennzeichnete) Kapitel (Routen) unterteilt: - Norden (Magdeburg - Jerichower Land - Stendal - Altmarkkreis - Börde) - Westen (Halberstadt - Salzlandkreis - Harz - Mansfeld-Südharz) - Osten (Dessau-Roßlau - Anhalt-Bitterfeld - Wittenberg) - Süden (Halle - Saalekreis - Burgenlandkreis). Ob Gedenkstätte, Truppenübungsplatz, Haftanstalt, Industriemuseum, Wohnsiedlung oder Synagoge - alle Objekte werden knapp, aber durchaus detailliert in Text und Bild vorgestellt. Anschrift und Öffnungszeiten ergänzen die Informationen. Insgesamt 67 Orte der Erinnerung listet der Autor auf. Deren Vorstellung mitunter durch separate Informationskästen unterbrochen wird, die spezielle Themen (z.B. Bauwerke, Biografien oder Werksgeschichten) näher beleuchten. Ausklappbare Karten erleichtern außerdem die Spurensuche. Zudem ist der Reiseführer sehr stabil und kompakt, sodass er gut in jedes Reisegepäck passt. Fazit: Ein bemerkenswerter Reiseführer, der an historische Orte heranführt und mit deren Geschichte vertraut macht. Für jeden an Regionalgeschichte Interessierten ein Muss!
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5.0 von 5 Sternen
Informationsreicher Begleitkatalog, 21. Mai 2013
Die Archäologie hat sich in ihrer jahrhundertelangen Geschichte von der anfänglichen Schatzsuche bis zur modernen Naturwissenschaft entwickelt. Aber in unserer heutigen Zeit benutzen nicht nur ausgebildete Archäologen die Möglichkeiten von hochtechnologischen Instrumenten, auch „Grabräuber“ rüsten sich immer mehr mit moderner Technik aus. Das Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch greift mit der Ausstellung „Raubgräber - Grabräuber“ dieses brisante Thema auf. Vom 11. Mai bis zum 8. September 2013 werden hier Beispiele gezeigt, die anhand von Fundgeschichten die faszinierenden Möglichkeiten moderner Archäologie erläutern. Gleichzeitig wird demonstriert, wie Raubgräberei unser kulturelles Erbe unwiederbringlich zerstört. Im Mainzer Nünnerich-Asmus Verlag ist der Begleitkatalog zu dieser hochinteressanten Ausstellung erschienen. In zahlreichen Textbeiträgen werden sowohl die Möglichkeiten moderner Archäologie als auch die Gefahren des Raubgrabens deutlich gemacht. Der spektakulärste Fall in der deutschen Raubgräberei der letzten Jahrzehnte war sicher-lich die Himmelsscheibe von Nebra. Die Odyssee des Fundes führte von Sachsen-Anhalt über Westdeutschland bis in die Schweiz, wo die bronzezeitliche Himmelsdarstellung schließlich sichergestellt werden konnte. Das Beispiel zeigt auch anschaulich, wie durch derartige Raubgräberei die spätere wissenschaftliche Auswertung erschwert oder unmöglich wird. Auf dem Friedhof der NRW-Stadt Moers, nahe des Niedergermanisches Limes, fanden seit den 90er Jahren regelmäßig illegale Aktionen statt, wobei zahlreiche Gräber teilweise oder vollständig zerstört wurden. In dem Beitrag über das „Harzhorn“ wird dagegen dargestellt, wie mit Metallsonden eine vollständige und systematische Erfassung von Funden erfolgen sollte. Natürlich ist die Raubgräberei ein internationales Phänomen und so wird in einigen Artikeln auf die Problematik in Frankreich, Italien und Griechenland eingegangen. Die Autoren weisen aber auch immer wieder auf eine gedeihliche Zusammenarbeit von Archäologen und so genannten „Laienexperten“ hin. Wobei gewisse Spielregeln eingehalten werden müssen. Die zwanzig Textbeiträge von ausgewiesenen Fachleuten werden durch zahlreiche Abbildungen illustriert - von Fundstücken, Grabungsstätten, Rekonstruktionen und historischen Darstellungen. Komplettiert wird der Katalog durch eine abschließende, kurze Vorstellung des Oldenburger Landesmuseums, das durch diese Ausstellung sicher ins Interesse aller Archäologie-Freunde rücken wird.
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5.0 von 5 Sternen
Zwei Dino-Geschichten auf riesigem Panorama, 21. Mai 2013
Dinosaurier - kaum ein Kind kann sich der geheimnisvollen Faszination dieser imposanten Urzeitriesen entziehen. Und so sind Dino-Bücher bei den Kleinen äußerst beliebt. Im Gerstenberg Verlag ist in der Reihe „Endlos-Sachgeschichten“ eine spannende Dino-Geschichte in einer außergewöhnlichen Leporello-Ausstattung erschienen - und das im üppigen DIN A4-Format. Dabei hat jede Leporello-Seite eine Länge von zwei Metern und erzählt eine eigene Geschichte. In der ersten Bildgeschichte bricht mit einer ohrenbetäubenden Explosion ein Vulkan aus und speit Asche hoch in die Luft. Die Saurier müssen die Ebene verlassen, ja um ihr Leben rennen. Gerade noch rechtzeitig löscht ein heftiger Regenguss den Waldbrand. Er beendet die lange Trockenzeit. Die zweite Bildgeschichte auf der Rückseite erzählt die Fortsetzung, wo sich die Landschaft in saftiges Grün verwandelt. Große Dinosaurierherden ziehen über das Grasland. Es gibt genug Nahrung für alle. Doch danach kündigt sich wieder die Trockenperiode an. Die 18 großformatigen Seiten machen mit ihren detailreichen Farbabbildungen mit den unterschiedlichen Saurierarten bekannt, mit ihren wichtigsten Merkmalen und Gewohnheiten. Auch der tödliche Konkurrenzkampf untereinander wird nicht ausgespart. Außerdem lernen die kleinen Leser die Jura-Landschaft kennen. Das farbenprächtige Leporello-Sachbuch (im praktischen Geschenkschuber) vermittelt mit seinen beiden riesigen Panoramabildern spannendes Wissen über die Urzeitriesen. Auf jeder Seite gibt es viel zu entdecken. Ein tolles Buch für Kinder ab vier Jahre, aber auch später zum Selberlesen.
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5.0 von 5 Sternen
Ein besinnliches und lehrreiches Gartenbuch, 16. Mai 2013
Der Buchtitel „Die Tage des Gärtners“ weckt natürlich Assoziationen zu „Das Jahr des Gärtners“ von Karel Capek. Das humorvolle „Gartenbuch“ des tschechischen Autors erschien bereits 1929 und erfreut sich seitdem einer ungebrochenen Beliebtheit. Ganz so heiter und ironisch sind die vorliegenden 266 Seiten nicht, aber sie sind auch nicht bierernst. Jakob Augstein (Jg. 1967) betrachtet die Tage des Gärtners aus einer persönlichen Sicht: „Dieses Buch handelt von meinem Garten und allem, was darin ist. Nicht mehr und nicht weniger“. Also spielen Rasenpflege, Maschendrahtzaun, Kräutergarten, Pflanztiefe oder Rosenschnitt eine wichtige Rolle. Doch der Autor gibt vordergründig keine Tipps und will sein Buch auch nicht als Ratgeber verstanden wissen - obwohl der Leser gern aus seinem reichen Erfahrungsschatz schöpft. Und so beginnt Augstein seine Betrachtungen mit dem Herbst, wo sich eigentlich das Gartenjahr zur Neige senkt und die Parzelle aufgeräumt und winterfest gemacht werden muss. Doch der Herbst bringt die Gedanken und dieser ungewöhnliche Anfang gibt dem Autor die Möglichkeit, sein Buch mit der Blumenpracht des Spätsommers enden zu lassen. Augstein schildert seine Beobachtungen auf seinem winzigen Stück Erde. In seine Naturbetrachtungen lässt er dabei immer wieder literarische und historische Momente, gespickt mit vielen Zitaten, einfließen. Da beschreibt er auf der einen Seite ausführlich seinen verzweifelten Kampf gegen den bösen Unkrautfeind „Giersch“ und ein paar Seiten später philosophiert er über den Klimawandel oder die Dialektik des Lebens. So ist eine äußerst lesenswerte Mischung aus Naturphilosophie und lehrreichen Gartentipps entstanden, die zugleich amüsant und mit einem gewissen Augenzwinkern die Grenze zwischen Natur und Kultur auslotet. Der brillant geschriebene Text wird durch einige Illustrationen von Nils Hoff aufgelockert, die auch immer wieder zum gedanklichen Innehalten anregen.
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4.0 von 5 Sternen
Ein unterhaltsamer Urlaubskrimi, 15. Mai 2013
„Rote Grütze mit Schuss“ ist nach „Flucht übers Watt“ (dtv 21140) und „Venedig sehen und stehlen“ (dtv 21305) der dritte Roman des norddeutschen Autors Krischan Koch. Im Mittelpunkt steht dieses Mal Polizeiobermeister Thies Detlefsen, der in Nordfriesland eine Ein-Mann-Polizeistation „betreibt“. Da seine kleine Wache von der Kieler Streichliste bedroht ist, versucht er, sich unentbehrlich zu machen mit einer hohen Kriminalitätsrate. Also ist er im friedlichen Fredenbüll eifrig unterwegs mit einem mobilen Blitzgerät und jedes tote Schaaf erscheint in seiner Statistik. Doch dann kommt es für den sympathischen Dorfpolizisten knüppeldick. Zuerst verschwindet die hübsche Swaantje, die ihren Mann, den Versicherungsvertreter Leif Ketel, verlassen hat, um mit dem Biobauern Jörn Brodersen durchzubrennen. Am nächsten Tag wird dieser jedoch tot aufgefunden und zwar übel zugerichtet im eigenen Mähdrescher. Soviel Kriminalität hatte sich Thies nun auch nicht gewünscht. Jetzt muss der POM Detlefsen zeigen, was er draufhat. Dieser Fall ist seine große Chance. Doch er bekommt Unterstützung von der attraktiven Kieler Kommissarin Nicole Stappenbeck. Die Ermittlungen des „Dreamteams von der Küste“ entwickeln sich recht turbulent, denn es bleibt nicht bei der einen Leiche und Erpressung ist außerdem im Spiel. So turbulent wie die Ermittlung sind auch die 270 Seiten geschrieben. Humorvoll und unterhaltsam zeichnet Koch die unterschiedlichen Charaktere. Da die Dialoge meist in einem abgemilderten Platt gehalten werden, sind sie für einen Nicht-Friesen ohne Probleme verständlich. Ein Lesespaß, genau richtig für die Urlaubszeit.
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4.0 von 5 Sternen
Mehr als nur ein Familienroman, 15. Mai 2013
„Der Hochzeitsreis“ ist das Romandebüt des brasilianischen Drehbuch- und Theaterautors Francisco Azevedo (Jg. 1951). Er erzählt darin eine berührende Familiengeschichte seines Heimatlandes. Der Roman beginnt zwar im Jahr 2008, greift aber immer wieder in die Vergangenheit bis 1908 zurück. In zahlreichen Episoden wird die wechselhafte und abenteuerliche Familiengeschichte geschildert, wobei der 88jährige Antonio als Erzähler auftritt. Bestimmt wurde das Schicksal der Familie vom „Hochzeitsreis“, einem „magischen“ Reis, mit dem Antonios Eltern zu ihrer Hochzeit vor hundert Jahren von Freunden und Nachbarn beworfen wurden. Die Schwester des Bräutigams hatte schließlich diesen Reis von der Straße Korn für Korn aufgesammelt und dem Brautpaar geschenkt. Seitdem bestimmte er das Geschick der Familie, brachte ihr Glück, Trauer und Unfrieden. „Der Hochzeitsreis“ ist aber mehr als „nur“ ein Familienroman, immer wieder stellt Azevedo auch die Frage nach dem Wert des Menschen. Die 368 Seiten verknüpfen perfekt die Vergangenheit mit der Gegenwart.
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5.0 von 5 Sternen
Sammlung aus über vierzig Schaffensjahren, 14. Mai 2013
Der Schweizer Urs Widmer (Jg. 1938) ist einer der renommiertesten Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet steht Widmer in der Nachfolge von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Neben Romanen („Der Geliebte der Mutter“, „Das Buch des Vaters“ u.v.a.m.), Theaterstücken, Hörspielen und Essays verfasste Widmer auch immer wieder Erzählungen, die in zahlreichen Auswahlbänden erschienen. Nun hat der Diogenes Verlag aus Anlass seines 75. Geburtstages einen repräsentativen Band „Gesammelte Erzählungen“ herausgebracht. Auf 760 Seiten sind 32 Erzählungen versammelt, die, wie der Autor in einer Vorbemerkung erwähnt, beinahe seine sämtlichen Erzählungen sind. „Es ist die Ernte eines Lebens“ und er staunt selbst, wie viele und uterschiedliche Texte er geschrieben hat. Der Band überspannt einen Bogen von der allerersten Geschichte „Alois“ (1968) bis zum jüngsten Prosatext „Reise nach Istanbul“ (2010). Die Erzählungen sind dabei in vier Abschnitte unterteilt, die durch wiederkehrende Themen und Figurenkonstellationen geprägt sind. Im ersten Abschnitt finden sich Widmers große und bekannte Erzählungen, während die anderen drei Abschnitte kleinere Texte vereint. In den über vierzig Schaffensjahren hat sich natürlich der Erzählstil Widmers mehrfach geändert. So ist sein Erstling „Alois“ ein Beispiel für die Pop-Literatur. Später tauchen in seinen Erzählungen Landschaftsbeschreibungen und autobiografische Anspielungen auf. Auch Satire und Ironie, vor allem auf den Literaturbetrieb, kommen immer wieder vor - wie in „Das Paradies des Vergessens“ (1990). Was jedoch alle seine Erzählungen auszeichnet, sind Phantasie, Sprachwitz, Leichtigkeit und Heiterkeit. In einem Nachwort beleuchtet die Literaturkritikerin Beatrice von Matt die Alchemie der Prosatexte des „Erzähl-Dichters“ Urs Widmer und macht auf das Zusammenspiel von Konstanz und Wechsel in ihnen aufmerksam. Das Leinen-Hardcover und ein zusätzlicher stabiler Leinenschuber geben der Diogenes-Ausgabe einen würdigen Jubiläums-Rahmen.
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5.0 von 5 Sternen
Meisterwerk des Jazz-Age als Hörbuch, 14. Mai 2013
Der 1925 erschienene Roman „Der große Gatsby“ gilt als das Meisterwerk des amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald (1896-1940). Er war der Chronist und einer der unerbittlichsten Kritiker der hektischen zwanziger Jahre, die auch gern für die „goldenen“ gehalten werden. Das Zentralthema des Romans ist der vergebliche Versuch des Helden Jay Gatsby, mit Hilfe seines Vermögens verlorenes Glück und Liebe zurückzugewinnen. Geschildert werden die dramatischen Ereignisse vom Ich-Erzähler Nick Carraway, der anfänglich der Nachbar von Gatsby und später sein Vertrauter ist. Mit seinem Reichtum und mit ausgelassenen und mondänen Partys will der neureiche Gatsby die schöne und extravagante Daisy erobern. Seine einstige Verlobte ist aber inzwischen mit dem wohlhabenden und aristokratischen Tom Buchanan verheiratet. Sie wird zwar Gatsbys Geliebte, trennt sich aber nicht von ihrem Ehemann. Dieser hat ebenfalls eine Affäre mit der Frau eines Tankwarts. Als Daisy diese versehentlich mit Gatsbys Auto überfährt, lenken die Eheleute den Verdacht auf Gatsby. Auch in dieser Situation möchte Gatsby seiner Daisy helfen - mit fatalen Folgen, denn er wird von dem Tankwart erschossen, der sich anschließend selbst richtet. Nick Carraway dient nicht nur als Erzähler, er bringt auch die Ansichten des Autors Fitzgerald zum Ausdruck und fungiert gewissermaßen als moralische Instanz. So nimmt der Emporkömmling Gatsby mit fortschreitenter Handlung immer mehr sympathischere Züge an, während die elegante Welt der Buchanans von Rücksichtslosigkeit und Egoismus geprägt ist. Mit „Der große Gatsby“ versinnbildlichte Fitzgerald das bittere Erwachen aus dem amerikanischen Traum von Glanz und Erfolg. Der Roman wurde kürzlich mit Leonardo DiCaprio in der Titelrolle verfilmt, daher ziert die Diogenes-Buchausgabe auch das Filmplakat. Neben der Romanausgabe ist im Diogenes Verlag auch das Hörbuch „Der große Gatsby“ erschienen. Damit wird die Hörbuch-Edition der Werke von F. Scott Fitzgerald fortgesetzt. Wie bei den Vorgänger-Hörbüchern fungiert wieder Gert Heidenreich als exzellenter Vorleser (ungekürzte Lesung mit einer Dauer von 361 Min.). Mit seiner vielschichtigen Stimme gelingt es ihm, die einzelnen Charaktere und ihre Beziehungen untereinander hörbar zu machen. Die fünf Audio-CDs sind in Tracks von knapp zehn Minuten Länge unterteilt, was stets einen guten Aus- und Einstieg gewährleistet. Das Booklet (wie auch die Buchausgabe) wird dabei durch ein umfangreiches Nachwort des Schriftstellers und Kritikers Paul Ingendaay komplettiert.
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