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silkyway

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60 Nr.1 Hits-Uwe Hübner präsentiert ZDF Hitparade
60 Nr.1 Hits-Uwe Hübner präsentiert ZDF Hitparade
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Kessel Buntes!, 7. Mai 2014
60 olle Schlager-Kamellen für ein paar Euronen - was kann das schon großartig sein? Falsch gedacht! Lassen Sie sich nicht vom Konterfei des spätberufenen Herrn Hübner (Hitparaden-Moderation von 1990 bis zum Ende am 16.12.2000) in die Irre führen. Denn ein erklecklicher Teil der hier zusammengestellten Songs fällt durchaus auch in die ebenso steinzeitliche wie kultige Heck-(erste Sendung am 18. Januar 1969 bis 1984) und Worms-(1985-1989)Ära. Ich bin nun wirklich kein frenetischer Schlager-Fan, aber ich bin, heute selbst fast 50 Jahre alt, mit "Hier-ist-Berlin-Studio-Eins-Berliner-Union-Film-Dieter-Thomas-Heck" groß geworden.

Und so finden sich unter diesen 60 Songs (längst nicht alle sind wirkliche ZDF-Hitparaden-Nr.-Eins-Hits) definitiv nicht nur jede Menge Erinnerungen anlässlich des 45sten Geburtstags der Kultsendung, sondern auch die eine oder andere echte Rarität. So zum Beispiel die Acapella-Boygroup "Echo-Echo" (mit dem damals noch schnuckeligen 18jährigen Hans-Werner Meyer - ja genau, der Schauspieler aus der aktuell recht populären ZDF-Serie "Letzte Spur Berlin") und ihrer veritablen deutschen Version von "Only You", ein verdienter Platz Eins am 26. Mai 1984. Ich behaupte, dass es diesen Song bisher sonst nirgends in vertretbarer Qualität auf CD gibt. Mit Roy Blacks "Fremde Erde", ein Platz Zwei am 9. Februar 1981, damals eher peinlich, heute Mythos, oder mit den Flippers und deren "Lotusblume" (Platz Eins am 4. Oktober 1989) sind natürlich auch echt grenzwertige Schlager-Hardcore-Nummern vertreten. Aber wie schön, "Linda" von den "Ace Cats" (Platz Eins am 25. August 1984) wieder zu hören oder das hymnische "You Never Walk Alone" (1993) von Mathou (war der wirklich in der Hitparade?) oder Torfrocks "Beinhart" (Platz Eins am 23. Januar 1991) oder Stefan Raab mit "Böööööörti", Spitzenreiter am 1. September 1994, oder Bohlens "Blue System" mit dem visionären Titel "My Bed Is Too Big", Gewinner am 15. Juni 1988 oder, oder, oder...

Ein insgesamt herrliches, ein grotesk-bizarres Sammelsurium aus, soweit ich das beurteilen kann, Original-Songs hat man da aus nicht ganz viereinhalb Jahrzehnten ziemlich liebevoll und würdig und angemessen zusammen gestellt. Und jeder, der sich - nolens volens - zwischen 1969 und 2000 durch die Hitparaden-Jahrzehnte quälte, Dieter Thomas Heck, Viktor Worms und Uwe Hübner ertrug, der wird hier fündig und mitsingen können. Also schnell zuschlagen, diese Dreier-Box-wird Kult!!!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 31, 2015 8:22 PM MEST


Lovebird
Lovebird
Preis: EUR 20,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nachruf!, 29. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Lovebird (Audio CD)
Der Kollege Thor hat zum finalen <schluchz> "Lovebird"-Album der beiden Österreicher nahezu alles Wichtige geschrieben. Danke dafür!
Im Wesentlichen möchte ich hier nur noch ein paar ergänzende Abschiedstränen vergießen, und dazu bietet sich "Lovebird" nun wirklich an. Denn auf diesem Album zeigt das Duo, dessen Musik mich seit über 20 Jahren begleitet, beglückt und begeistert, noch einmal die gesamte Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens.

Ob sie nun auf englisch, deutsch oder französisch singen, ob solo oder im Duett, ob filigrane Eigenkompositionen oder eigenwillige Cover-Versionen - Papermoon zelebrieren über 48 Minuten erneut die hohe Schule der akustischen Stille. Dabei ist es immer wieder faszinierend, wie maximal Minimalismus wirken kann.
Berührend ihre "Ma Liberté"-Verneigung vor Georges Moustaki, der im Mai 2013, fünf Monate vor VÖ des Albums, starb.
Das U2-Cover "Still Haven't Found What I'm Looking For" offenbart im Papermoon-Stil eine bis dato ungeahnte und ungehörte Melodieführung.
Voller Respekt auch ABBAs "SOS", das völlig nackt, nur mit Stimme und Akustikgitarre, eine fast schon verstörende Tiefe und Anmut entwickelt.
Rührend und, ja, immer wieder süß das prägnante rollende "r" von Edina, die mit ihrer markanten, klaren, engelsgleichen Stimme reüssiert.
Brillant das Saitenspiel von Christof, der auch auf "Lovebird" gut daran tat, sich am Ende wieder und wieder fürs Reduzierte und gegen den Mainstream zu entscheiden.
Rührend, brillant, anmutig - "Lovebird" setzt einen würdigen Schlusspunkt, nein, ein dickes Ausrufezeichen hinter eine große, stille Karriere!

Mit Christof Straub und Edina Thalhammer verlassen zwei ganz großartige und außergewöhnliche Künstler die Bühne. Künstler, die längst nicht mehr beweisen mussten, dass in ihrem Fall die "Kunst" nicht nur etymologisch tatsächlich von "Können" stammt. In unserer Fast-Food-Musik-Welt, die doch allzu oft von erschreckender Talentfreiheit, billiger Synthetik bis hin zur gnadenlosen Einfallslosigkeit gekennzeichnet ist, war Papermoon für mich stets einer der ganz wenigen ruhigen und verlässlichen Felsen in der Brandung der Beliebigkeit. Ich werde die beiden vermissen - sehr sogar!


Matinée
Matinée
Wird angeboten von all-my-music-rheingau
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Pathos, Patina - Prag!, 28. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Matinée (Audio CD)
Ich fand und finde "Premiere" toll. Das Debüt des Trios Krimi/Lautenschläger/Tschirner funktioniert vor allem als liebevolles, gleichwohl "old fashioned" angehauchtes Gesamtkunstwerk - von Song Nr. 1 "Leisestreichler" bis Song Nr. 14 "Ende". So weit, so empfehlenswert.

Für die "Matinée"-EP, ebenfalls auf dem bandeigenen Label Týnská Records erschienen, hat das Trio nun sechs Perlen der schmucken "Premiere"-Kette quasi entrissen, auf "akustisch" umarrangiert und diese Versionen mit mehreren Musikern live und authentisch (vernehmliche Schnappatmung), mit allen Ecken (wimmernde Saiten) und Kanten (knarrende Sitzmöbel) neu eingespielt. Doch so wenig neu und originell wie die Idee, ist leider auch das Ergebnis.

Das Konzept mag funktionieren, allein die Umsetzung scheitert hier. In Wort und Melodie eher rückwärts gewandt und nostalgisch, leicht patiniert, mäandern die sechs scheinbar willkürlich ausgewählten Songs, schmalzig-poppig verklärt, über rund 20 Minuten vor sich hin. Was bei "Premiere" noch klappte und trotz arrangierter Üppigkeit (tschechisches Filmorchester, Mandolinen, Hackbretter) auf sympathische Weise doch irgendwie intim rüberkam, hat in "Matinée" seine Zugkraft verloren. Ein üppiger Bläsersatz in "Einfach" pustet die Ohren frei (Wozu?). Und nicht nur "Warten" wird getragen von einem dickflüssig-klebrigen Streicherteppich (Warum?). Selten hatte "Akustik" so viel Pathos. Ziemlich schön und ergreifend wird es erst am Schluss, wenn die ewige Nachwuchsschauspielerin Nora Tschirner "Vögel" solo singt und sich dabei sanft säuselnd, selbst-ergriffen und dramatisch im lyrischen Nirvana verliert.

Dennoch, wer die Originale kennt und sie sich memoriert, der wird zugeben müssen, nichts auf "Matinée" ist wirklich neu. Und auch die ernüchternde Erkenntnis, dass Herr Rautenschläger deutlich besser die Saiten zupft als dass er singt, spricht nicht unbedingt für die Existenzberechtigung dieser EP. So bleiben unterm Strick sechs weitgehend bekannte Lieder, bei denen die drei Prager es leider überwiegend verabsäumten, ihren originär sehr guten Kompositionen neue Aspekte, wirklich reduzierte Profile und/oder gänzlich andere Outfits zu verpassen.

Abschließend doch noch zwei, drei schmeichelnde Worte, nämlich zum Artwork. Das Auge hört mit, und wie sich die Kombo auf den Covern sowohl von "Premiere" als auch von "Matinée" und auch in ihren aufwändigen Kostümen und detailverliebten Bühnen-Arabesken ebenso kreativ wie passend austobt, das ist schon à la bonne heure! Hätte das Trio nur ein Quäntchen mehr von dieser überbordenden Kreativität in die neuen Arrangements gesteckt, "Matinée" wäre ein weiteres Prager Schmuckstück geworden. So ziehe ich am Ende das sehr gute Original ganz klar der weniger guten Kopie vor.


Up Close and Personal: Live at Swr 1
Up Close and Personal: Live at Swr 1
Preis: EUR 8,99

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Samt fürs Ohr!, 8. April 2014
Das könnte eine teure Woche für Fans und Sympathisanten des Ray Wilson werden. Zeitgleich mit "Up Close And Personal" erscheint offiziell auch noch diese hübsche und ebenfalls sehr empfehlenswerte Live-Box des ehemaligen Genesis-Sängers, die auf 2 CDs und einer DVD ein Konzert vom 14. April 2013 beinhaltet, das Ray zusammen mit seiner Band sowie einem fünfköpfigen Blas- und Streichorchester in den Radio Trojka Studios im Warschau gab.

Wer jedoch dem leisen, entspannten, akustischen Storyteller begegnen möchte, der darf sich diesen fantastischen SWR1-Auftritt vom 1. Oktober 2013 nicht entgehen lassen. Die Silberlinge liegen bei mir schon seit geraumer Zeit unter dem Laser, da sie schon seit Langem (und mit Autogramm <freu!>) über die Homepage des Künstlers zu beziehen waren. Und so hatte das Album bei mir ausreichend Zeit und Gelegenheit, um zu wirken, um zu reifen, um zu strahlen.

Das Konzept von "Up Close And Personal" erinnert mich sehr stark an Rays "An Audience and Ray Wilson", also an jenes kultige Live-Solo-Akustikalbum aus dem Jahr 2006, das ein großartiges (vielleicht sein bestes?) Konzert (ebenfalls in Warschau) aus dem Jahr 2003 für die Nachwelt dokumentiert und konserviert. Wie schon damals, so erzählt der 45jährige Schotte auch im kleinen, im intimen Publikumskreis in Mainz zwischen dem einen und dem anderen Song seine amüsanten, kurzweiligen, nachdenklichen Kurzgeschichten und Anekdoten.

Aber der Clou ist und bleibt auch hier die Musik. Betörend die Version von "Goodbye Baby Blue", gänsehäutig "Carpet Crawlers", überraschend der Schlusspunkt "Solsbury Hill". Ach, das gesamte Programm ist wahrlich eine künstlerische Offenbarung, ohne einen einzigen Ausfall, ohne wirkliche Schwächen. Und auch dass zwischen den Genesis-Klassikern und den selbst geschriebenen Songs keinerlei Niveau-Unterschied festzustellen ist, zeigt die besondere Klasse des Ray Wilson als Sänger, aber eben auch als Songschreiber. Maßgeblichen Anteil an diesem ultimativen Unplugged-Highlight hat neben dem blendend aufgelegten Star himself auch das begleitende Quintett, das die raffinierten Arrangements scheinbar spielerisch leicht zu einem perfekten Klangbild veredelt: Bruder Steve an der Akustischen, Darck Tarczewski an den Tasten, die anmutigen (fast unaussprechlichen) Alicja Chrzaszcz und Barbara Szelagiewicz an den Geigen sowie Marcin Kajper an Sax, Flöte und Klarinette zelebrieren ganz große (Bühnen-)Kunst.

Fazit: Wer dem Storyteller und Songschreiber, dem Sänger und Solisten Ray Wilson ganz nah kommen möchte, dem sei diese großartige Aufnahme zunächst ans Herz und anschließend in einen mit dunklem Samt auszulegenden Gehörgang gelegt!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 14, 2014 6:11 PM MEST


Menschen des 21.Jahrhunderts
Menschen des 21.Jahrhunderts
Preis: EUR 16,99

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Bilder klingen!, 4. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Menschen des 21.Jahrhunderts (Audio CD)
Mit einer fast schon verlässlichen Regelmäßigkeit legt der deutschsprachige Chansonnier Felix Meyer alle zwei Jahre ein neues Studioalbum vor. 2010 überraschte und überzeugte der Wahl-Hamburger in seinem Debüt „Von Engeln und Schweinen“ mit imposanter lyrischer und melodiöser Kraft. In 2012 festigte er mit seinem zweiten Longplayer „Erste Liebe/Letzter Tanz“ seinen Ruf als wehmütiger und intellektueller Songschreiber. Und zwischendurch blieb immer wieder Raum und Zeit für Live-Performances mit seinem „Straßen- und Bühnenorchester“ in Straßen, Fußgängerzonen und Einkaufs-Passagen, um sich zu erden, um authentisch zu bleiben, um neue Ideen und Themen für neue Songs zu finden. Ich finde es faszinierend, jederzeit damit rechnen zu dürfen, Felix Meyer und seinen Liedern plötzlich auf irgendeiner deutschen Einkaufsmeile zu begegnen. Und stehen bleiben lohnt – in jeder Beziehung!

Jetzt also „Menschen des 21. Jahrhunderts“. Wer Meyer bereits kennt, hört im besten Sinne keine Überraschungen, was wohl auch daran liegt, dass Meyer seinen Stammproduzenten Franz Plasa (Keimzeit, Selig) zum neuen Löwenzahn/RUM-Records-Label nach Leipzig mitgenommen hat. So überzeugt das aktuelle Album mit zwölf exzellenten akustischen Kostbarkeiten. Es ist diese bewährte „Musik für Erwachsene“, die vor allem gekennzeichnet ist durch jene überaus dichte, nachdenkliche und stimmungsvolle Lyrics-Arbeit, die Meyer Platz gibt, irgendwo im weiten Feld zwischen Tom Waits und Jacques Brel, zwischen Klaus Hoffmann und Sven Regeners „Element Of Crime“. Es sind stilistisch vielfältige Songs, die rhythmisch und sperrig, originell und opulent, zart und kraftvoll daher kommen. Die Melodien speisen sich aus Meyers lakonisch-markanter Baritonstimme, die sich mit Banjo, Gitarre, Besen, Bass und Akkordeon paart, um dann und wann mit Streichern, Flügelhorn und French Horns zu einem opulenten Klangbild veredelt zu werden.
Irgendjemand brachte die Ausstrahlung der meyerschen Kleinode einmal wie folgt auf den Punkt: „Offensichtlich kriegt man die Band zwar von der Straße, die Straße aber nicht aus der Band.“ Genau so ist es. Meyers kluge Texte sind nie verschwurbelt und verdreht, er erzählt Geschichten aus dem Alltag, er beobachtet präzise und erzählt ehrlich. Der gelernte Dokumentarfotograf schafft es mit beeindruckender Leichtigkeit, die Bilder, die er um sich herum aufnimmt, auf wunderbare Weise zu verschriftlichen und mit einem passenden, nahezu symbiotischen Melodierahmen zu versehen. Der kreative Höhepunkt des Albums ist gleichzeitig der Schlusspunkt: und zwar eine ziemlich beeindruckende Brel-Adaption, dessen „Il Neige Sur Liège“ sich zu einem wohligen, Akustikgitarre und Stimme dominierten „Schnee fällt auf Krefeld“ wandelt.

„Menschen des 21. Jahrhunderts“ ist ganz großes, deutschsprachiges Ohrenkino, das nach knapp 43 Minuten viel zu schnell zu Ende ist, aber deutlich länger nachwirkt!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2014 7:13 AM MEST


Room for Light
Room for Light
Preis: EUR 17,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr Wert!, 25. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Room for Light (Audio CD)
"I Have Much To Say“ singt Ryan Keen in seinem persönlichen Lieblings-Song "Orelia" ganz selbstbewusst zu beschwingter Surfer-Melodei und liebesbeschwörender Versagens-Lyrik. In der Tat haben Ryan Keen und sein "Room For Light" doch ein paar klärende Worte und Werte mehr verdient als nur den allerdings durchaus berechtgten Hinweis auf ein überzeugendes, ambivalentes Songwriting und ein ebenso exzellentes wie eigenwilliges Gitarrenpicking (man lausche dem Opener "Know About Me"). Denn da betritt wieder eines dieser englischen Wunderkinder die internationale Folk-Pop-Bühne, zwar noch ein bisschen im Schatten eines Ed Sheeran, James Blunt (man höre "Wish You Well") oder einer Adele, aber immerhin. Mein Gott, was haben die Engländer doch für ein künstlerisches Nachwuchs-Potenzial; da kann ein in dieser Hinsicht kaum verwöhnter Deutscher, der sich seit Jahren eigentlich konsequent mit den üblichen Genre-Verdächtigen abfinden muss, echt neidisch werden ...

Zwölf folkig-wolkige Lichtblicke erhellen also über gut 45 Minuten den musikalischen Raum, der im Wesentlichen mit gepflegter Melancholie und rauchiger Baritonstimme geflutet wird. Das wird allein schon deshalb kaum langweilig, weil ausgereifte Arrangements und ein, sagen wir mal, ungewöhnlicher Gesangsstil immer wieder aufhorchen lassen. Und wer sich Zeit, Muße und den Langenscheidt nimmt und sich mit den im gefalteten Booklet abgedrucken Lyrics des Herrn Keen auseinandersetzt, findet ein weiteres Argument, sich etwas intensiver mit dem Künstler zu befassen. Denn seine Texte sind ziemlich persönlich, und, so ist nachzulesen, sie entstammen größtenteils den Tagebucheinträgen des Ryan Keen, der mit knapp 27 Jahren offenbar schon viele biografische Abgründe, Berge und Täler erlitten und durchschritten hat. "Room For Light" ist also im Grunde das mediale Ergebnis eigentherapeutischen Songwritings. Nun, es gibt deutlich schlechtere akustische Nachweise extrovertierter Psychohygiene.

Abwechslung ist Trumpf bei Ryan Keen. Einige Songs haben mit Hilfe dampfender Keyboard-Klänge, üppiger Background-Chöre und/oder dezenter Streicheruntermalung eine beachtliche Fülle ("Know About Me"), während andere eher leise und akustisch ("Old Scars") oder auch mal mit Electro-Ambient-Elementen ("See Me Now") versetzt daher kommen. "Skin And Bones" (man beachte hier die Textzeile: "A Darker Place Has More Room For Light“ und weiß fortan, warum das Album heißt wie es heißt) wird die Herzen von Fans der frühen Coldplayer erreichen, "Trouble" kommt bluesig daher und erinnert ein wenig an Clapton, während "Body Over Mind" im lässigen Jazzlight-Stil Eindruck macht. Und ja, das berührende "All This Time" ist kein Sting-Cover.

Den Begleitinfos ist zu entnehmen, dass Ryan Keen alle zwölf Titel selbst finanziert und in einem ziemlich baufälligen Gartenschuppen aufgenommen haben will. Keine Angst, selbst wenn diese Behauptung mehr ist als ein Marketing-Gag, diese widrigen Umstände sind der durchweg professionellen Produktion nicht anzuhören. Warum es dann aber der vermutlich längsten Danksagung, die jemals auf einer DigiPak-Rückseite abgedruckt wurde, bedurfte, bleibt am Ende wohl das einzige Rätsel dieses insgesamt sehr, sehr viel versprechenden Debüts. Alles andere trägt der Protagonist nämlich ziemlich offen und ebenso selbstbewusst wie selbsterklärend und, zumindest gelegentlich, auch ein wenig selbstmitleidig vor sich her:
“I Found I Missed All We Were,
I found I Missed All Of Her,
But Find Strength In Being Alone
And Kept My Mind Consumed In My Work”.
(aus “See Me Now”)


Love & Gravity
Love & Gravity
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Stimme ist zurück!, 20. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Love & Gravity (MP3-Download)
Bald zehn Jahre nach ihrem klasse Album "The Other Side Of Time" und gut zwei Jahre nach dem etwas sperrigen und im Eigenverlag veröffentlichten "From The Dark Side Of The Moon", das dem Zuhörer eine sehr eigenwillige akustische Nacherzählung des Pink Floyd-Klassikers zumutete, meldet sich eine der schönsten, klarsten und intensivsten weiblichen Stimmen des neuzeitlichen Popkosmos in vertrautem Gewand zurück. Mary Fahl, dermaleinst markanter Tongeber bei "October Project", hat auf "Love And Gravity" erneut zehn wunderschöne Akustikperlen aneinander gereiht, die in sieben Fällen auch das außergewöhnliche Songwriting-Talent der bald 56jährigen amerikanischen Künstlerin dokumentieren.

Hierzulande ist das bereits im Herbst 2013 erschienene Album offenbar überwiegend nur als Download verfügbar; ich empfehle natürlich das optisch und haptisch bereichernde Gesamtkunstwerk der CD (EAN 888295000185), die gelegentlich hier und da noch zu erschwinglichen Preisen angeboten wird. Aber egal ob virtuell oder physisch, die Musik ist und bleibt eine Klasse für sich. Das hymnische "Gravity", das für Fahl-Verhältnisse rhythmische "Everything's Gonna Be Alright" oder auch das edle, betörende Joni-Mitchell-Cover "Both Sides Now" wachsen allesamt zu wunderbaren Folk-Pop-Ereignissen, die mit Mary Fahls warmer, tiefer und ungemein modulationsfähigen Stimme an niemandem spurlos vorüber gehen können, der noch einen Funken Leben und Gefühl in sich trägt. Man lausche nur dem reduzierten "Siren", und man wünscht sich, dass fortan doch alle Sirnen so einschmeichelnd klingen mögen. Produzent John Lissauer, der übrigens auch Leonard Cohen's "Hallelujah" in Form goss, hat eine glückliche Hand bewiesen, Mary Fahl von der Leine gelassen und die Dame so gewissermaßen wieder nach Hause geholt.

Es ist zu lesen, dass Mrs Fahl "Love & Gravity" als Konzeptalbum verstanden wissen möchte, das sich mit dem Thema der "späten Liebe" im Leben und dem daraus resultierenden Wechselspiel aus Optimismus und Chaos beschäftigt. Nun gut, da wäre ich jetzt nicht so direkt drauf gekommen. Aber das ändert an der schlichten Schönheit und berauschenden Intensität dieses Gesamtkunstwerk wirklich gar nichts. "Love & Gravity" ist ein traumhaftes Album für die ruhigen Momente im Leben, die man im Idealfall zu zweit genießen sollte.


Unplugged & Waves
Unplugged & Waves
Preis: EUR 15,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wellenbrecher!, 20. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Unplugged & Waves (Audio CD)
Okay, wenn wir über AaRON berichten, dann schreiben wir über die beiden Franzosen Simon Buret, Schauspieler, Sänger und Pianist, sowie Olivier Cousier, Multiinstrumentalist und Background-Sänger. Es ist müßig, die beiden näher vorzustellen; seit bald zehn Jahren sind sie ziemlich zuverlässige Garanten für intelligente Popmusik. "Endless Song" und "U-Turn (Lili)", hier beide in atemberaubenden Versionen zu bestaunen, sind zumindestens in Frankreich längst zu Klassikern gereift.

Ihr bereits 2011 veröffentlichtes Album "Waves On The Road" harrt immer noch und immer wieder der Entdeckung durch möglichst viele Musikliebhaber. Es ist ein überragendes Livealbum, mitgeschnitten und compiled von der überaus erfolgreichen "Unplugged & Waves-Tour", auf der sich die beiden AaRONs mit drei Gastmusikern verstärkten und zwar nicht ganz unplugged, aber schon sehr akustisch, sehr reduziert aufspielten.
Wer den Silberling, im nostalgischen Vinyl-Look gehalten, sanft aus dem feinen DigiPak entnimmt, ahnt bereits auf Grund des ganzen Drumherum, wohin die Reise geht. Moderner Retrosound, eigenwillig, leidenschaftlich, melodiös und im besten Sinne klassisch. Fließende Pianoklänge, rhythmische Percussion und die fragile, nicht ganz falsettartige Stimme von Monsieur Buret zaubern über die gesamte Spielzeit von rund 77 Minuten eine Atmosphäre der Ruhe und Gelassenheit, so anmutig und schön, so intim und nah, dass einem ganz blümerant wird. Ob die traumhafte Akustikgitarren-Ballade "Mr K" oder das herzerweichende Piano-Opus "A Thousand Wars", das wirklich überwältigende "Little Love", ach, völlig egal, was immer man auch herausgreift, es ist stets das ganz große Gefühl, dargeboten in einer schwindelerregenden Perfektion. Die Liveatmosphäre ist wohltuend zurückhalten eingefangen, nichts stört diese akustische Traumreise mit ihren 17 Seelenstreichlern.

"Waves From The Road" ist ein absolutes Must have für Anhänger der anspruchsvollen akustischen Musik, die sich zudem gerne verzaubern und in einen nur schwer beschreibbaren, ja, durchaus hypnotischen Bann ziehen lassen wollen. Dieses Album ist künstlerisch und auch handwerklich allererste Liga. Die Musik berührt, belebt, bereichert und ist in ihrer Wirkung nahezu zeitlos. Mehr und besser geht fast nicht! Großartig!


Kodaline Ep
Kodaline Ep
Wird angeboten von an.essential.globetrotter
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwingende Ergänzung zum Album!, 28. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Kodaline Ep (Audio CD)
Dies ist das hervorragende EP-Debüt der vier Jungs aus Dublin aus dem Herbst 2012, die hierzulande derzeit im aktuellen Schweighöfer-Film mit ihrer Abspann-Ballade "Talk" reüssieren. Neben dem fantastischen "All I Want" (unbedingt das ziemlich berührende Video dazu finden und ansehen!), das dem einen oder anderen aus der Fernsehserie "Grey’s Anatomy" bekannt sein dürfte, finden sich noch vier weitere hochwertige Ohrenschmeichler auf dieser gut 21-minütigen Kurz-LP. Darunter der aus völlig unerfindlichen Gründen auf der aktuellen physischen CD "In A Perfect World" weggelassene, quasi titelgebende und sehr markante Song "Perfect World". Mit "All My Friends" gibt es einen weiteren sehr elegischen Non-Album-Track in Kodaline-typischer Melancholie auf dieser wirklich beeindruckenden akustischen Premiere. Wer das Album der Kombo um Sänger Steven Garrigan ins Herz geschlossen hat, der sollte auch hier rasch zuschlagen, so lange es die physische EP noch käuflich zu erwerben gibt und der Anschaffungspreis von 12 Euro vergleichsweise moderat ist.

1. All I Want, 5:06
2. Lose Your Mind, 4:43
3. Pray, 3:33
4. Perfect World, 2:54
5. All My Friends, 5:26
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Acoustic at the Ryman
Acoustic at the Ryman
Preis: EUR 17,98

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Trauerspiel!, 15. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Acoustic at the Ryman (Audio CD)
Wer die "Pferde" bis dato vor allem wegen ihrer eigenständigen originellen Ruppigkeit und raffinierten handfesten Rustikalität in Melodie und Performance schätzte - Indie eben -, der wird mit Blick auf den hier vorliegenden, nahezu androgynen und klinischen Sound, wenn nicht erschüttert, so doch zumindest reichlich irritiert sein. Das ist insgesamt schon ziemlich steriler Hochglanz-Pop, der uns da über magere 40 Minuten relativ wirkungs-, belang- und trostlos und auch nach mehrmaligem Hören ohne große Nachhaltigkeit in den Gehörgang tröpfelt.

Doch was erwartet man auch anderes von einem klassischen "Unplugged"-Album? Nun ja, wenn es von "Band Of Horses" stammt, wohl schon ein bisschen mehr. Mehr Mut. Mehr Kreativität. Mehr Inspiration. Mehr Schwung. Ausgestöpselt heißt ja nicht zwingend energiefrei. Okay, die oben kritisierte Sterilität ist handwerklich perfekt umgesetzt, und Sänger Ben Bridwell intoniert gewohnt emotional, empathisch und ergreifend. So weit, so selbstverständlich. Aber die meisten der ausgewählten zehn Songs plätschern im genretypischen Einheitssound aus großen Piano- und lieblich gezupften Gitarreklängen ziemlich uninspiriert vor sich hin. Mit "The Funderal" beispielsweise, diesem ursprünglich eher sperrigen und kontrastreich aufgebauten Song, wähnt sich der irrlichternde Zuhörer plötzlich tatsächlich auf einer Beerdigung. Aber will er wirklich dahin? Das komatös wirkende "Everything's Gonna Be Undone" bereichert den musikalischen Urnengang als einlullende akustische Country-Ballade, um kurze Zeit später einer ziemlich sedierten Americana-Version von "Factory" Platz zu machen. Und so somnambult es traurig, trist und tragisch Song für Song die grau umwölkten Friedhofswege entlang.

Fazit: Quasi als Regulativ zur oben beschriebenen Düsternis und eingedenk des markanten VÖ-Termins am 14. Februar empfehle ich den Gebrauch von "Acoustic At The Ryman" als sicherlich zweckerfüllendes Memorabilium für den einmal jährlich wiederkehrenden Valentinstag und eventuell damit verbundener romantischer Absichten.


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