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Rezensionen verfasst von
Blinky Palermo

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Gnadenlos: Gedichte und Kurzprosa 2007-2012
Gnadenlos: Gedichte und Kurzprosa 2007-2012
von Philipp Schiemann
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

5.0 von 5 Sternen Literarisch wertvoll, ehrlich und knallhart, 7. Oktober 2013
Nach der Veröffentlichung von Büchern wie „Suicide City“, „Über Kunst“ oder „Die Ghana-Briefe“ meldet sich Philipp Schiemann mit einer neuen Veröffentlichung zurück: „Gnadenlos“. Ungeschminkt fasst er Erinnerungen und Reflexionen in Worte, die sich um Themen kreisen, die seine Biografie stark geprägt haben: Sucht, Psychiatrie, Isolation, Liebe und Einsamkeit. Die Texte gehen unter die Haut; sie machen nachdenklich, sie machen traurig. Die Sprache selbst ist nicht besonders hart, aber sie ist ehrlich, in sich vollkommen und man merkt, dass jedes Wort bedachtsam gewählt worden ist. Dieses Werk, mag es auch noch so dünn sein, ist etwas ganz Besonderes und literarisch Wertvolles.


Pimp My Körper!: Arbeiten über Tätowierungen
Pimp My Körper!: Arbeiten über Tätowierungen
von Igor Eberhard
  Broschiert
Preis: EUR 34,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vorbildlich!, 19. August 2012
Der Autor des Buches ist nicht nur auch als Ox-Schreiber tätig, sondern setzt sich als studierter Ethnologe wissenschaftlich und journalistisch mit verschiedenen Aspekten des Tätowierens auseinander. Für die Leser seines neuen Buches, in dem eben eine Auswahl solcher Arbeiten veröffentlicht wird, ist dies in zweierlei Hinsicht eine gute Sache: Denn einerseits hat das, was er schreibt, Hand und Fuß und andererseits weiß er auch, wie man interessante Themen leserfreundlich und interessant in Worte fasst. Diese Kombination ist gerade bei deutschsprachigen Wissenschaftlern leider nicht immer selbstverständlich. Inhaltlich geht es in diesem Werk unter anderem in Essayform um generelle „theoretische Annäherungen an Tätowierungen“, „tätowierte Damen im Zirkus“, „Identitätskonstrukte am Beispiel von Tätowierungen der Māori“, „Tattoos, Klischees und österreichische Medien“ oder in einem Interview um den Bildband mit Gefängnistätowierungen des Fotografen Klaus Pichler. Ein sachlich interessantes Buch, das einen guten Vorgeschmack auf das bald erscheinende, populäre Sachbuch über Tätowierungen des Autors gibt. Aktuell schreibt er daneben noch an seiner Dissertation über „Kuriositäten, Obszönitäten, Krankheitsbilder? Die Darstellung Tätowierter zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel der Heidelberger Sammlung Schönfeld“, welche hoffentlich ebenfalls den Weg in die Druckerei finden wird. Für nähere Informationen über den Kollegen Eberhard empfiehlt sich ein Blick auf seine beiden Blogs: ,blog.tattoo-guide.de‘ oder ,kaltfronten.wordpress.com‘. (Ox Nr. 102)


Happy Endstadium: Roman
Happy Endstadium: Roman
von Jan Off
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...und auf Vernichtung läuft's hinaus!, 11. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Happy Endstadium: Roman (Broschiert)
Die Szenerie des neuen Jan Off-Romans befindet sich in einem ehemals sehr alternativen Viertel in Hamburg. Genau genommen in einer stark nach linksorientierten WG, die aus einer tatkräftigen jungen Frau, vier verliebten jungen Männern und einem Rüden namens Ulrike besteht. Was mit vergleichsweise harmlosen Aktionen gegen die fortschreitende Gentrifizierung im Stadtteil beginnt, nimmt bald größere Formen an und läuft schließlich mit großen Schritten, wenn auch über einige Umwege, auf die einzig denkbare Lösung hinaus: Und zwar auf die Vernichtung der Menschheit.

Als wäre solch ein Vorhaben nicht schon anspruchsvoll genug, wird die Truppe wiederkehrend vor große, neue Herausforderungen gestellt: So hat es beispielsweise eine der berüchtigtsten und schlagkräftigsten Straßengangs der Stadt auf sie abgesehen, die Polizei überrascht mit neuen Interventionen und das antinationale Gedankengut beginnt das Lager zu spalten. Wenn das letzte Ass im Ärmel durch einen verlotterten Nachbarn namens Glotzkorken-Bernie personifiziert wird, darf man spätestens beginnen, die aktuelle Lage als ein wenig prekär zu beurteilen.

Jan Off beweist sich ein weiteres Mal als ein sehr subtiler Beobachter und eloquenter Autor, der es mit der Gelassenheit einer alten Dogge, dem Scharfsinn einer Agatha Christie und dem Sarkasmus eines Michel Houellebecq auf eine unterhaltsame Art und Weise schafft, kritikwürdige Phänomene in den eigenen, oder zumindest umliegenden Reihen, unter literarischen Beschuss zu nehmen. Man darf hoffen, dass dieses Buch wie ein Molli in der linken Szene dort einschlagen wird, wo man am wenigsten über sich selbst lachen kann und doch zumindest das ein oder andere etwas lockerer sehen und konstruktiver angehen könnte. (Ox Nr. 103)


Offenbarungseid: Rare Altlasten aus dem Off
Offenbarungseid: Rare Altlasten aus dem Off
von Jan Off
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stil ist die Physiognomie des Geistes, 9. Juli 2010
An den literarischen "Ausschüssen" von Jan Off erfreuen sich stetig mehr Leser, die nach Auflagenerhöhungen kreischen. Sein erstes Buch, "Köfte", ist seit mehreren Jahren vergriffen und die Schwarzmarktpreise dafür steigen. Diejenigen, die sich damit nicht zufriedengeben und gerne alle bisher veröffentlichten Texte des Autors auf deren Qualitätssiegel überprüfen möchten, müssen entweder sehr spitzfindig sein oder Kontakte zu zweifelhaften Gestalten aus dem Literaturuntergrund erschließen.

Um den Wünschen der Leserschaft gerecht zu werden und sie vor unsittlichen Taten zu schützen, veröffentlicht der Ventil Verlag "Köfte" neu und ergänzt das einst dünne Buch mit mehreren anderen Texten unterschiedlicher Gattungen, die Jan Off in den letzten vierzehn Jahren für verschiedene Publikationen verfasst hat. Zu nennen sind beispielsweise "Schlüpferstürmer ohne gesellschaftlichen Auftrag", "Die Donnerbalken-Klinik ' das Krankenhaus am Rande des Schnellen Brüters", "Flutkatastrophe im Kessel der Enthusiasten", "Mein schönstes Force Attack" und sogar ein paar Rezensionen. Auch wenn es doof klingt, dieses Buch ist ein "typischer Off". Also macht es das Warten auf sein nächstes Werk erträglicher und dürfte als "Drahtiges Schamhaar auf dem Pausenbrot deiner kleinen Schwester" alte und neue Begierden erfüllen. (Ox #91)


Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl: Koketterie eines Gescheiterten
Ein bekotztes Feinrippunterhemd ist der Dresscode zu meinem Lebensgefühl: Koketterie eines Gescheiterten
von Alex Gräbeldinger
  Taschenbuch

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht nur Punk, Opfer, Philosoph, Wahnsinniger und Vollidiot, 5. Mai 2009
Ox-Kollege Jörkk Mechenbier eröffnet die lang ersehnte Veröffentlichung mit einem sehr persönlichen, guten Text, der unter anderem den Autor mit einem neckenden Unterton treffend beschreibt: Alexander Gräbeldinger: Punk, Opfer, Philosoph, Wahnsinniger, Vollidiot."

Diese Etikettenmixtur alleine macht keinen tollen Schreiber aus. Das wodurch sich Alex Texte besonders auszeichnen, ist neben dem unterhaltenden, lebendigen und witzigen Schreibstil des Autors besonders deren autobiografischer Wert. Dieser zeichnet sich nicht durch eine ausschließlich die Stärken hervorhebende Selektion an Geschichten aus, sondern eben durch die Darstellung des allzu menschlichen, unperfekten, sensiblen Anti-Helden. Es bringt sehr viel Vergnügen, Alex insbesondere bei den sein Leben schreibenden Storys begleiten zu dürfen, in denen er als liebenswerter Schlunz stilhaft in sämtliche Fettnäpfchen tritt, aber trotz mehrerer Blessuren insgeheim meist doch wenigstens auf menschlicher Ebene triumphieren darf.

Dieses Buch mit dem exzellenten Titel beinhaltet eine Auswahl von 15 lesenswerten Kolumnen/Kurzgeschichten, die in den letzten drei Jahren in der Kolumnenrubrik im Ox veröffentlicht worden sind. Mehrere Illustrationen von Aku! lockern nicht nur den Text auf, sondern regen die Vorstellungskraft des Lesers weiter an, das Erlebte und die Gedankengänge des Schreibers besser nachempfinden zu können. Am Ende des Buches findet man ein ausführliches Interview mit dem Autor, welches dem Leser die Person Alex Gräbeldinger auf der Metaebene adäquat näher bringt.

Nach diesem famoses Erstwerk können wir uns alle nur wünschen, dass Alex bald in einem zweiten Buch mehr bisher unveröffentlichte Storys zum Besten gibt. Also weiter so, Junge!!! (Ox Nr. 81)


Unzucht
Unzucht
von Jan Off
  Broschiert

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unzucht, 6. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Unzucht (Broschiert)
Das hier ist wirklich unanständig. Es ist nichts Körperliches, es ist ein rein geistiger Kick. Es ist ein Bild, um das es geht; das Bild und der Reiz des Verbotenen, den es besitz." Unzucht. Der Buchtitel gibt den Ton an. Zwei unterschiedliche Menschen, zeitweise körperlich und geistig miteinander vereint, verbindet nur das Verfolgen des gemeinsamen Ziels, von Fick zu Fick immer weitere moralische Grenzen zu übertreten. Das Schamgefühl wird in Wein ertränkt. Wiederholungen sind nicht erwünscht. Das nächste Treffen muss den Kick und damit das sexuelle Erleben steigern. Es geht um Lust. Es geht um Fleisch. Es geht um die Gewissheit, dass man sich wiedersehen wird. Was dazwischen passiert, ist nicht wichtig. Hauptsache jeder spielt seine Rolle und vor allem: Jeder hält sich an die Regeln... Jan Offs Art und Weise zu erzählen, begeistert und fesselt immer wieder. Mit einem ausgezeichneten Geschick formuliert und strukturiert er seine Geschichten so, dass man meinen könnte, diese Handlungen seien tatsächlich erlebt - sie seien rundum autobiographisch. Jedes Detail stimmt und die Story hat keine Ecken und Kanten. Jan Off beschreibt reale oder fiktive Charaktere und Begebenheiten derart, wie sie als das Resultat menschlicher Beziehungen und Interaktionen in dieser Gesellschaft eben tatsächlich vorkommen mögen. Wollen andere Autoren mit Vulgärem provozieren, so lässt Jan Off lieber den Leser sich an dem Blick hinter die menschliche Fassade erfreuen, erschauern oder vielleicht sich selbst wiedererkennen. Ein wichtiges Buch eines wichtigen deutschen Schriftstellers.


Tatort Gehirn: Auf der Suche nach dem Ursprung des Verbrechens
Tatort Gehirn: Auf der Suche nach dem Ursprung des Verbrechens
von Hans J. Markowitsch
  Gebundene Ausgabe

20 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einseitig und reißerisch, 8. Oktober 2007
Es ist nicht neu, dass die biologische Schule der Kriminologie seit Jahren international einen erneuten Aufschwung erlebt. Unzählige Ergebnisse diverser Studien wurden inzwischen veröffentlicht und sollen grundsätzlich beweisen, dass "Kriminelle" biologisch anders als "normale" Menschen gestrickt sind und dass diese "biologische Andersartigkeit" der Grund für deren abweichendes Verhalten ist. In der kriminologischen Literatur ist von einem Neolombrosianismus sowie wieder von "Verbrechermenschen" die Rede (siehe "Verbrechermenschen" von Peter Strasser). "Tatort Gehirn" reiht sich in diese Veröffentlichung - mit der typisch deutschen Verspätung - ein.

In diesem Buch wird ein unglaublich einseitiger und mangelhafter Versuch unternommen, um "Kriminalität" erklären zu wollen. Von soziologischen (insbesondere: von interaktionistischen) oder psychologischen Erklärungsansätzen scheinen die Autoren noch nie etwas gehört zu haben. Besonders fragwürdig sind beispielsweise folgende Thesen und Feststellungen: "Für Kapitalverbrecher oder solche, die eine regelrechte Verbrecherlaufbahn eingeschlagen haben, findet sich fast immer ein hirnbiologischer Hintergrund" (S. 11). "Andere Studien brachten zutage, dass kriminell auffällige Heranwachsende anderen Jugendlichen geistig durchschnittlich unterlegen sind... Rein statistisch gesehen bestätigte sich...das Merkmal der verminderten Intelligenz als typisch für einen Verbrecher..." (S. 135)

An einer anderen Stelle wird die Frage, weshalb das Gros der Gefangenen in Strafvollzügen männlichen Geschlechts ist, vereinfacht und infolgedessen falsch beantwortet: Vor allem die männlichen Sexualhormone seien - etwas überspitzt formuliert - Schuld an dem "typisch männlichen" gewalttätigen und kriminellen Verhalten. Zwischendurch wird ein generell aggressiveres Verhalten von Menschen aber auch mit einem so genannten "MAO-Gen" zu erklären versucht, das auch vererbbar sei. Andere Beispiele, um die Thesen der Autoren zu bestätigen oder um die Studienergebnisse anderer Wissenschaftler unkritisch als Exempel zu nennen, sind ähnlich grotesk - geschweige valide - und werden eher halbherzig und häufig ohne nähere Quellenverweise genannt. Besonders beängstigend wird es, wenn die Autoren darüber phantasieren, ob es nicht bereits in ein paar Jahren möglich sei, "delinquenzgefährdeten" Kindern entsprechende Pillen verschreiben zu können - ähnlich wie heutzutage viele Kinder das "Zaubermittel" Ritalin nehmen würden, um ihre ADHS behandeln zu können.

Stellenweise wird so scharf und plump geschossen, dass es den Anschein hat, dass die Autoren zunächst provozieren wollen, um den Leser zum Weiterlesen animieren und um ihn dann in den letzten Halbsätzen mit dem Hinweis auf altbekannte Erkenntnisse langweilen zu wollen. Denn letztendlich kommen die Autoren nur zu den gesicherten Ergebnissen, dass die Umwelt Einfluss auf das menschliche Gehirn hat, dass schwierige Lebenslagen abweichendes Verhalten begünstigen und dass Gehirnverletzungen die Persönlichkeit eines Menschen verändern können.

Das hätten sie auch in einem kurzen Aufsatz konstatieren können. Vielleicht hätten sie es in diesem auch geschafft, einen roten Faden zu konstruieren, nicht so sehr vom eigentlichen Thema abzuschweifen und auf fast schon reißerische, unpassende Kapiteltitel, die nicht einmal Sinn machen, zu verzichten.


Weisswasser
Weisswasser
von Antje Herden
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen This is not a love song?, 30. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Weisswasser (Taschenbuch)
Bisher lief in der Beziehung zwischen Anna und ihrem Freund Magnus alles relativ wünschenswert. Der sich allmählich manifestierende Alltag, die unterschiedlichen Freundeskreise und die divergierenden Lebensstile brachten die Liebe selbst nach zwei Jahren nicht mal ansatzweise ins Schwanken. Doch als Magnus im Alkoholrausch mit seinem Genital in den Mund einer hinreißenden Kommilitonin fällt, wird der Alltag Schnee von gestern. Magnus muss um seine Liebe kämpfen. Bevor er jedoch den Kampf um Annas Zurückgewinnung beginnen kann, muss er sie erst in einem kleinen Ort an der Küste Portugals aufspüren. Emotionen und Gemüter laufen heiß. Richtig interessant wird es, wenn zwei weitere männliche Personen nun auch noch auf der Tanzfläche erscheinen und ebenfalls um Annas Liebe ringen.

Mit vielen Metaphern und noch mehr Vergleichen ausgeschmückt, wird hier, salopp formuliert, ein Seitensprung mitsamt dem Nachspiel aus zwei Blickwinkeln geschildert. Jan Off übernimmt die Figur des fast 30jährigen Architekturstudenten. Und Antje Herden schreibt aus der Sicht der fünf Jahre älteren Anna, die auf den ersten Blick als Werbegrafikerin etwas fester im Leben zu stehen scheint. Ein irgendwie ehrlicher, durchdachter (Anti?)-Liebes-Roman ohne wesentlichen Kitsch, der auf eine lesenswerte, angenehme Art Wahrnehmungsunterschiede beider Geschlechter aufzeigt.


Angsterhaltende Massnahmen
Angsterhaltende Massnahmen
von Jan Off
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Back for more!, 12. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Angsterhaltende Massnahmen (Broschiert)
Jan Off „Angsterhaltende Maßnahmen“ (Ventil Verlag)

Ventilrowdy Off bleibt seinem Stil weiterhin treu. Zugleich schafft er es, sich im Hinblick auf die vorangegangenen Werke besonders sprachlich zu steigern. Ausdrucksstark und authentisch wird somit ein Inhalt geboten, der nicht nur einmal die tieferen Abgründe menschlicher Existenz aufzeigt. Von einer ambivalenten Gier nach Leben und Selbstzerstörung getrieben, offenbart er zum Teil besorgniserregende Facetten aus seinem dennoch prachtvollen Lotterleben als Schriftsteller. Gewiss galten „lasterhafte“ Lebensstile bereits zuvor mehrfach als Fundament für bizarre und groteske literarische Werke anderer Autoren. Trotzdem wirkt keine dieser zehn Kurzgeschichten inhaltlich ausgelutscht. Ganz im Gegenteil veranschaulichen die 150 Seiten sogar Jan Offs recht hohes Maß an Einfallsreichtum. Wenn alle damit Fragen geklärt sind und ihr euch das Buch aufgrund dieser ausnehmend positiven Rezension gekauft habt, „dann holt mir vom Kiosk wenigstens noch zwei kleine Bommerlunder, ja?“


Hartmut und ich. Roman
Hartmut und ich. Roman
von Oliver Uschmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

34 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Skurril, realitätsnah, witzig, unterhaltsam - grandios!, 21. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Hartmut und ich. Roman (Taschenbuch)
Innerhalb von zwei Tagen habe ich dieses Buch verschlungen! Jede Seite war äußerst fesselnd und unterhaltsam, so dass ich wirklich JEDES Wort lesen musste.
Hartmut ist sympathisch. Hartmut ist einfallsreich. Hartmut ist motivierend. Hartmut bringt es auf den Punkt (siehe z. B. "Ironisch geboren"). Doch Hartmut hat auch Makel und er scheut sich manchmal auch nicht vor Widersprüchlichkeiten - die ich ihm besonders gerne verziehen habe. Kurzum: Hartmut ist vorbildlich! Schade, dass er "Philosophie" studiert, aber wie gesagt, jeder macht Fehler.

Ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas skeptisch war, ob Oliver Uschmann sein Buchdebüt gelingen wird. Viele seiner Kurzgeschichten sind zwar sehr gut, aber einen Roman zu schreiben ist eben auch wirklich eine andere Liga. Doch in dieser spielt er unglaublich souverän vorne mit. Ich konnte es z. T. wirklich nicht fassen, was er für kuriose Knaller auftischt und wie er alltäglichen Situationen elegant das Groteske herausnimmt und es ebenso amüsant wie substantiell niederschreibt. ("Der Rosenmann", "Spam", "Krank sein", "...und um uns tanzt d. Lump, etc."

Einen weiteren Pluspunkt von mir gibt es dafür, dass der Roman NICHT in Berlin, sondern im Ruhrpott spielt. Denn Berlin wurde in der neueren Literatur doch zu häufig als die Stadt ausgewählt, in der sich die abgefahrensten, wildesten oder bewegensten Geschichten Tag für Tag abspielen. Aber der Ruhrpott ist eben in einer gewissen Hinsicht an Style nicht zu überbieten.

Kurzum: Ein verdammt gelungener Einstand - den ich gerne jedem weiterempfehle!


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