|
|
Beiträge von Uwe Ditzen
Top-Rezensenten Rang: 5.676
Hilfreiche Bewertungen: 345
|
|
Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".
|
Rezensionen verfasst von Uwe Ditzen "Tonio" (Zürich)
|
|
|
|
|
|
|
5.0 von 5 Sternen
Oh Isreal, was wird aus dir?, 20. Mai 2013
Angelika Schrobsdorff, Halbjüdin in Freiburg 1927 geboren erzählt von ihrer Liebe zu Jerulasem und ihrer Verzweifelung über die Politik Israels und macht dabei vor niemandem Halt. Scharon ist dann nur noch ein schlimmer Fettsack und Arafat ein korrupter Politiker, der sein Volk betrügt. Sie wird dabei schnodderig und oft zynisch, fast schon brutal in der Beurteilung der Israelis. Aber ihre Sprache sprudelt auch vor Witz und zutreffenden Beobachtungen, die vor niemandem Halt machen. Nur ein Jude darf solche Sätze und Verurteilungen aussprechen, ein Deutscher sicher nie und aus gutem Grund, aber auch andere können sich das nicht leisten. So liest sie den Mächtigen der Welt die Leviten und verträgt keinen Widerspruch. Sie versucht sich auch an Lösungen, die viel mit Verzicht auf beiden Seiten zu tun haben, doch die sind alle in weiter Ferne. Die Politik in Isreal hat den Zeitpunkt verpasst, aber auch die Palästinenser können weder vor noch zurück. Man legt das Buch nach 382 Seiten traurig zur Seite.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Grosses Lesevergnügen, 2. Mai 2013
Nur selten beschreibt ein Buchtitel bereits so anschaulich den Inhalt eines Romans. Phasenweise erinnert die Sprache und vor allem der Witz an David Lodge. Der ICH Erzähler wächst mit seinen zwei Brüdern und seinen Eltern in einer Villa auf die auf dem Gelände einer grossen Psychiatrie liegt , der Vater ist dort der Direktor. Der Junge lebt zwischen teils schwer gestörten Jugendlichen, doch er empfindet das als normal. Die beschriebenen Situation sind oft urkomisch, doch sie gehen nie auf Kosten der Kranken. In dem autobiographisch gefärbten Roman gibt es Stellen, die sicher manchen Leser vor Lachen prusten lassen und der liebevolle Umgang innerhalb der Familie ist teilweise herzerweichend. Alles zu schön um wahr zu sein. Das Schicksal macht dann auch nicht halt vor dieser schönen Idylle und alles fällt auseinander, sogar der Hund muss sterben. Es gibt eben auch die Kehrseite des Lebens, mit sehr traurigen Momenten. Joachim Meyerhoff hat einen herrlichen Erzählstil, der immer den richtigen Ton trifft, nie trivial oder albern. Einfach authentisch und bildhaft, sodass sicher viele Leser an ihre eigene Kindheit erinnert werden und einmal traurig oder sehr belustigt in ihre Jugend zurück geführt werden. Einfach grossartig!
|
|
|
|
|
|
|
Angst
|
von Dirk Kurbjuweit Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 18,95 |
|
|
|
5.0 von 5 Sternen
Menschliche Offenbarung, 11. März 2013
Dirk Kurbjuweit ist Journalist und zwar ein sehr guter. Seine Analysen und Kolumnen im SPIEGEl sind oft brillant und zeichnen sich aus durch eine bestechende Beobachtungsgabe. Aber er ist auch Verfasser einiger Romane und mit dem vorliegenden Werk hat er einen spannenden und unterhaltsamen Roman vorgelegt. Es geht eigentlich um einen Stalker, der den ICH-Erzähler und seine Frau verfolgt, doch Kurbjuweit entwickelt aus diesem Sujet ein Psychogramm seines Protagonisten. Der Leser wird diesem Mann, der eigentlich souverän nach aussen wirkt, sehr nahe gebracht. Man kennt seine Schwächen, auch seine Neurosen und sein gestörtes Verhältnis zum Vater, der ein Waffennarr ist. Vor diesem Vater, der kein schlechter Vater war, entwickelt der Protagonist Angstzustände, auch weil er panische Angst vor Waffen hat. Auch seine Beziehung zu seiner Frau wird dem Leser auf intime Weise vertraut, seine Zweifel an der Frau die er eigentlich vorgibt zu lieben. Vieles kommt einem vertraut vor. Der Stalker ist auch kein wirkliches Ungeheuer und doch bösartig in seinem Handeln. Die Ohnmacht, die sicher jeden überfällt wenn er von einem anderem Menschen verfolgt und verleumdet wird, ist absolut nachvollziebar und wird nicht dramatisiert. Kurbjuweit verfällt oft in den Spachduktus eines Journalisten, der eine reale Geschichte wiedergibt. Der Begriff Roman wirkt recht häufig deshalb falsch gewählt, doch es ist wohl Fiktion und kein Tatsachenbericht. Der Plott ist dann noch einmal eine grosse Überraschung und versöhnt mit kleineren Schwächen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Toto, 25. Februar 2013
Der Roman von Sibylle Berg lässt sich teilweise nur sehr schwer einordnen. Sie hält dem Leser nicht nur einen Spiegel vor, vielmehr stösst sie ihn in einen ganzen Spiegelsaal, wo er sich und die ganze Welt betrachten muss.Dabei wird ihm über längere Passagen übel und er möchte nicht mehr weiterlesen. Doch der ganze Roman wirkt oft wie der zynische Auftritt eines in Rage geratenen Kabarettisten, der den Menschen seine ganze Wut über die Gesellschaft vor die Füsse kotzt. Das ist nicht leicht auszuhalten und trotzdem muss es weiter gehen, wie viele Kapitel überschrieben sind. Berg erzählt vordergründig die Geschichte von Toto, einer armen Seele, die keinem Geschlecht zuzuordnen ist, also einem Zwitter. Der empathische Leser leidet mit dieser unglückseligen Kreatur, die nur getreten und verachtet oder noch schlimmer, ausgenutzt wird. Doch Toto reagiert nicht wie ein gewöhnlicher Mensch, er/sie bleibt immer freundlich und ausgeglichen und vor allem hilfsbereit. Dafür wird er/sie noch verachtet und mit den schlimmsten Bösartigkeiten überhäuft, absolut fiktional, so kannn kein Mensch mit Verstand reagieren. Doch darum scheint es Berg auch gar nicht so sehr zu gehen, sie will offensichtlich mit dieser brutalen, zynischen, sarkastischen Sprache den Leser aus der Deckung locken um ihm kurze Zeit später die Beweise für diese real existierenden menschenverachtenden Verhaltensweisen um die Ohren zu schlagen. Und fast jeder Schlag sitzt. Das Leben hat für Toto nichts zu bieten, oder doch. Seine/ihre Stimme hat einen Klang wie er noch nie vernommen wurde, Menschen brechen in Tränen aus oder fallen fast in Ohnmacht, nur der einzige Mensch der das einmal von amtswegen hätte bestätigen müssen rennt davon, weil er dieses Gekreische nicht ertragen kann. Das Urteil des "Experten" versperrt ihm/ihr den Weg in die grosse Öffentlichkeit. Toto sehnt sich nach Gefühlen und Liebe, aber das kennt er/sie nicht und weiss auch nicht wie sich das anfühlt. Dafür hat er/sie reichlich davon und verteilt immer grosse Portionen davon an Menschen die es ihm/ihr nicht danken. Der ganze Roman in seiner riesigen Komplexität wird sicher von Lesern sehr unterschiedlich verstanden oder auch völlig missverstanden. So bleibt die Figur Kasimir ein Rätsel, was der Geschichte keinen Abbruch tut. Aber das ist auch nicht so wichtig, ähnlich wie Bilder von Dali und Ernst kann Surrealismus nicht mit dem Verstand aufgenommen werden, sonder nur empfunden werden und das gelingt Berg auf eindrückliche Weise. Dieser Roman ist nicht für Menschen geschrieben, die alles positiv sehen wollen, denn die werden kaum bis zur Seite 397 um 13.50 Uhr vordringen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Ein Jugendbuch, 6. Februar 2013
Es ist schon erstaunlich was gutes Marketing in der heutigen Zeit bewirken kann und aus einem mittelmässigen Jugendroman eine hochgejubelte Sensation macht. Da liesst man in einer bekannten deutschen Tageszeitung, dieser Roman wäre geradezu perfekt und ohne Abstriche auch für literaturinteressierte Erwachsene bestens geeignet und wird mit Weltliteratur vom Kaliber WER DIE NACHTIGALL STÖRT oder HUCKLEBERRY FINN verglichen. In Wirklichkeit handelt es sich um ein eher schlichtes Jugendbuch in einer insgesamt überschaubaren Konstruktion mit vorhersehbaren Ereignissen. Da ist die bitterböse Mutter, der gute Vater, die Rassisten irgendwo in Australien und schliesslich die Kinder, die schliesslich auch noch im Alter von etwa 14 Jahren Romeo und Julia nacheifern. All das wird verkleistert mit sentimentalen und kitschwertigen Szenen, die einem immer wieder die überschwenglischen Kritiken in Erinnerung rufen. Das wird sicher Kinder und vielleicht noch Jugendliche begeistern, doch damit soll es doch gut sein. Es gibt hervorragende Jugendbücher, die auch dem anspruchsvollen Leser noch etwas vermitteln, doch das ist bei diesem Roman einfach nicht der Fall . Hinzu kommen sprachliche Defizite, die teilweise schlimm sind. Ärgerlich wird es wenn Verlage wie Rowohlt ohne jede Scham einen solchen Roman auch noch in die Nähe von Weltliteratur plazieren.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Grosse Enttäuschung, 16. Januar 2013
Wer die brillanten Romane OBEN IST ES STILL und DER UMWEG von Gerbrand Bakker gelesen hat, wird von dem vorliegenden Roman masslos enttäuscht. Der subtile Stil und die feingezeichneten Charaktere seiner guten Bücher werden hier leider zur absoluten Makulatur ohne Empathie . Seine zahlreichen Protagonisten sind schwer voneinander zu unterscheiden und erschweren dem Leser die Wiedererkennbarkeit. Hinzu kommen eine Fülle von niederländischen Vor-und Nachnamen, die dem deutschen Leser grosse Mühe machen, zumal es sich oft nicht um gänginge Namen handelt. Die Sinnleere der Dialoge, vor allem unter Kindern, aber auch der bäuerlichen Erwachsenen sind schon eine Zumutung, wobei Bakker hier offenbar seinen atmosphärischen Stil einsetzen will, der aber bei der zu dünnen Geschichte nicht funktioniert. Auf den Inhalt einzugehen ist kaum hilfreich, da es hier einfach an Substanz fehlt.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Ballsaal und andere Abweichugen, 13. Dezember 2012
Wer John Irving kennt, weiss, dass es viel Geduld braucht und vorallem Durchhaltevermögen beim Lesen. Das ist in seinem 13.Roman nicht anders, erst ab Seite 177 kommt etwas Schwung in die Geschichte über einen jungen Mann aus der tiefsten Provinz der USA. Vermont und das Kaff wo dieser Roman spielt ist nocht einmal dort der "Nabel der Welt" Trotzdem wird der Ort von zahlreichen kulurbeflissenden Menschen bewohnt, die oft von der allgemeinen Norm auffällig abweichen. Der Grossvater spielt nur die Frauenrollen in den Aufführungen der Laienspielgruppe und bewegt sich auch sonst gerne in Frauenkleidern. Bill, der ICH-Erzähler spürt schon mit 14, dass er eine Neigung zu Frauen und Männern hat und so setzt sich das fort. Irving befasst sich in seinem neuen Roman mit der Bisexualität und allem was so aus seiner Sicht dazu gehört. Und das sind natürlich Schwule und Lesben und so ganz nebenbei auch Transgender, zu denen Bill der ICH-Erzähler sich besonders hingezogen fühlt. Manches mutet arg klischeehaft an, doch auch Männer und richtige Frauen gehören zu seinem "Beuteraster" Das mag es alles geben und vielleicht gar nicht so selten, auch scheint Irving sich mit dem Sujet sehr befasst zu haben und beschreibt viele Spielarten dieser Sexualität, teilweise ziemlich drastisch. Das letzte Drittel des Romans wird tragisch, nämlich dort wo er den plötzlichen Ausbruch der Aidsepedemie beschreibt und sehr viele Freunde von Bill jämmerlich sterben müssen. Das geht unter die Haut und hier spürt man den Romancier, der Irving ja doch ist. Eine fast schon vergessene Katastrophe lässt er wieder auferstehen und vieles was schon wieder von anderen Ereignissen überrollt wurde, wieder bewusst gemacht. Die ganze Hilflosigkeit der Medizin, das Entsetzen der Gesellschaft und die gnadenlose Panik gegenüber den Betroffenen. All das kann Irvin ohne Übertreibungen widergeben, sicher hat er alles auch auf Grund seines Alters miterlebt, auch wenn nicht als Betroffener. Hier werden seine Protagonisten Menschen aus Fleisch und Blut, was man sonst über weite Teile seines Romans vermisst. Bill hat diese Epedemie überlebt und ist zurückgekehrt nach vielen Irrungen und Wirrungen in seine alte Umgebung Vermont und hier schliesst sich der Kreis, der über weite Strecken wie mit einem Zirkel gezeichnet scheint. Der Ballsaal spielt übrigens an auf den Unterschied beim Geschlechtsverkehr mit Frauen oder Männern.
|
|
|
|
|
|
|
BE
|
von Katja Eichinger Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 24,99 |
|
|
|
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein deutscher Tycon, 13. November 2012
Die Biographie von Katja Eichinger ist nur mässig erfolgreich, was daran liegen mag, dass Bernd Eichinger einer breiten Öffentlichkeit gar nicht so bekannt ist. Der Filmemacher, die Betonung liegt auf Macher, hätte es verdient gehabt mehr wahrgenommen zu werden. Auch wenn Katja Eichinger das bestreitet so war er doch ein Besessener in Sachen Film. Seine Persönlichkeit war extrem vielschichtig und kaum in eine Schublade zu zwängen. Er war in erster Linie Produzent, Herstellungsleiter, Drehbuchschreiber, aber auch Regisseur. Die deutschen Kritiker hatten kein Verständnis dafür, dass er Filme wie Manta Manta oder Ballermann und eben auch sehr gute Unterhaltungsfilme wie Im Namen der Rose mitproduzierte . Oder man sprach ihm schlicht die Kompetenz ab einen Film wie Der Untergang mit Bruno Ganz zu verwirklichen. Wie so oft haben deutsche Kritiker ein sehr gestörtes Verhältnis zu Künstlern, die sowohl E als auch U Projekte realisieren. Die Angelsachsen haben hier keine Berührungsängste und urteilen nur, ob ein Buch oder Film gut oder schlecht ist. Darunter hat Eichinger extrem gelitten, was sicherlich auch mit seiner ganzen Entwicklung zu tun hatte. Er kämpfte immer um Anerkennung und verliess sogar zeitweise Deutschland und lebte gegen seine Natur in Los Angeles, wo er sich nie wirklich heimisch fühlte. Seine Vorbilder waren die grossen Produzenten, denen er nacheiferte mit einem aufwendigen Lebensstil, sehr viel Alkohol und Sex im Übermass.Damit landete er aber in Deutschland meist nur in der Bunten oder Bild Zeitung, aber recht selten im Kulurteil der wichtigsten Zeitungen. Seine Persönlichkeit war kaum zu fassen, er wollte als Intelektueller wahrgenommen werden, doch sein Verhalten war oft das Gegenteil von einem Feingeist. Wie ein spiessiger Prolet konnte er Unmengen saufen, Gläser für zig Tausende durch die Gegend werfen und auch ordinär werden . Das ist die eine Seite der überraschend auf Objektivität bedachten Biographie, die andere Seite verschafft einen recht tiefen Einblick in das Filmgeschäft, wo es wirkich nicht zimperlich zugeht. Der ständige Kampf um Geld, die besseren Ideen, der richtigen Auswahl von Regisseuren und den passenden Darstellern. Die Schauspieler blieben ihm irgendwie immer fremd, mit den meisten verband ihn keine Freundschaft und er konnte sich ihnen kaum nähern ohne seine Hemmungen zu verlieren. Das alles beschreibt Katja Eichinger mit viel Liebe zu der Person Bern Eichinger, ohne jedoch sentimental zu werden oder gar kitschig. Und wer schon immer mehr über das Entstehen von Filmen, von der Idee bis zu fertigen Filmkopie erfahren möchte, wird in diesem Buch auf unterhaltsame Weise in dieses Metier eingeführt und kann den Verlust von Bernd Eichiger für den deutschen Film nur bedauern.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Die Abrechnung, 15. Oktober 2012
Der Hinweis, dass es sich bei diesem Buch um eine fiktive Geschichte handelt, hat wohl selten eine so ernste Berechtigung. Dehalb heisst es: "Natürlich basiert dieser Roman auf der Realität des Lebens auch wirklicher Menschen. Aber es ist ein Roman, Fiktion, fiktiv in jeder Figur, alles hier Erzählte auch: Werk der Literatur" Verlag und Autor haben gut daran getan darauf hinzuweisen, denn Götz gibt sich keine grosse Mühe wen er mit Holtrop und anderen meint, auch die Unternehmen sind deutlich erkennbar. Manche wie die Deutsche Bank und der Spiegel werden sogar namentlich genannt. Es geht in diesem Roman um eine recht neue Generation von Führungskräften in den höchsten Etagen, die ohne Erbarmen sich selbst verwirklichen wollen und dabei buchstäblich über die bekannten Leichen gehen. Ehrenkodexe sind Vergangenheit und es zählt nur noch Machthunger und Gier. Die Mächtigen in Wirtschaft und der Finanzwelt verachten sich gegenseitig und kennen keinen Respekt mehr voreinander. Jeder denkt über den anderen, er ist der grösste Trottel und Depp und keiner wird dabei ausgespart. Geht es einmal gesittet zu, verkümmern sie zu Ritualen wie aus einer anderen Zeit gefallen. Rainald Götz erzählt diese Geschichte, die wie eine Abrechnung klingt, in einem hohen Erzähltempo und gerät dabei regelrecht in Rage. Seine Sätze sind kaum lesbar und trotzdem verständlich. Ellenlange Sätze, mit immer wieder neuen Schachtelsätzen und Wortungetümen wie "Nullnichtigkeitsmaximum". Dem Leser sei geraten diese nicht seltenen Passagen diagonal zu lesen, weil es mehr auf den Sprachduktus ankommt als auf einzelne Worte. Götz erreicht damit jedoch eine geschickte Sogwirkung auf den Leser, der sich unterhalten fühlt von so viel Niederträchtigkeit und Psychomatismus, dass er kaum noch zum Atmen kommt. Hier sind in den Chefetagen keine sympathischen Menschen zu finden, die Fratzen des Grauens blicken auf jeder Seite dem Leser entgegen. Natürlich ist das vielfach überspitzt dargestellt und doch werden erkennbare Verhaltensmuster deutlich und man fühlt sich an so manche Situation aus der eigenen Umgebung erinnert. Schliesslich muss man erkennen, es ist alles gar nicht so weit hergeholt, zumal Götz gut recherchiert hat und mit viel Ekel beschreibt. Die persönliche Betroffenheit und Abneigung ist Götz anzumerken, er kann keine wirkliche Distanz zu seinen Hassfiguren und seiner persönlichen Betrachtung durchhalten. Zusammenfassend kann man nur feststellen,dass Götz eine Zeitgeistdokumentation von hoher Authenzität gelungen ist.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Happy aging, 26. September 2012
Anita Augustin hat mit dem vorliegenden Roman eine bitterböse Satire vorgelegt, die sich mit dem 3. Lebensabschnitt befasst. Der Plot ist eine grosse Überraschung und sollte hier nicht erzählt werden. Vielmehr muss man sich die Frage stellen was Satire alles darf und was nicht, doch da scheiden sich die Geister bekanntlich. Oft ist Satire natürlich eine Gratwanderung zwischen humorvollen Spitzen und geschmacklosen Pointen, die nur auf Kosten der Betroffenen abgeschossen werden. Die Trennschärfe ist ausserordentlich fliessend und lässt sich oft nicht eindeutig beantworten oder jeder hat da seine eigene Auslegung. Augustin schiesst teilweise weit über das Ziel hinaus, bei allem Witz und guter Beobachtungsgabe. Sie lässt ihre ICH Erzählerin in einem durch und durch vulgären Slang sprechen und schildert sie als völlig plemplem. Das bedeutet nicht, dass es manchmal auch lustig zugeht, doch dann erhöht sie dermassen die Drehzahl, dass es nur noch verletzend und bösartig daherkommt. Beisspiel, Sex im Alter. Hier verliert sie jedes Gefühl für die Würde des Menschen, vor allem des älteren und das ist nur noch unappetittlich und beschämend und ein guter Beweis für schlechte Satire. Das hat sie eigentlich nicht nötig, denn sie hat durchaus eine Art von wiener Schmäh in der Sprachmelodie, der komisch sein kann. Doch Lachen ist nicht erlaubt, der erste Ansatz bleibt den meisten Lesern wohl im Halse stecken. Wie gesagt der Plot versöhnt ein wenig, doch alles lässt sich auch damit nicht entschuldigen.
|
|
|