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Rezensionen verfasst von
schrottvogel

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Software Project Survival Guide (Developer Best Practices)
Software Project Survival Guide (Developer Best Practices)
von Steve McConnell
  Taschenbuch
Preis: EUR 20,27

4.0 von 5 Sternen Mit "Rapid Development" genau das Richtige für unerfahrene Projektleiter und -manager, 19. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eins gleich vorweg: Ich bin McConnellist. Als Code Monkey lernte ich Ende 2000 sein Code Complete kennen, und es war eines der Bücher, die mir, was professionelle Programmierkunst angeht, die Augen geöffnet haben. Viele seiner Ratschläge konnte (und kann) ich aus Erfahrung bestätigen, und die anderen klangen absolut einleuchtend. Vor kurzem erwarb ich dann Rapid Development. Der Buzzword-verdächtige Titel machte mich zwar etwas skeptisch, aber das Buch stellte sich als umfassende, fundierte Einführung in Management und technische Leitung von effizienter (als notwendiger Vorstufe von schneller) Softwareentwicklung heraus und konnte mich mehr noch als der Erstling begeistern -- dort geht es vor allem um vernünftiges Management und Leitung von Softwareprojekten, und auch da hatte ich Dutzende "A-haaa!"- wie auch "Kenn ich nur zu gut"-Erlebnisse. Die lohnendste Investition meines Lebens (2€ gebraucht, hehe).

Als ich nun vor meiner ersten Projektleitung stand, versuchte ich, das Buch in einen praktischen Leitfaden zur Projektleitung zu komprimieren -- und scheiterte kläglich, dazu war es einfach zu umfangreich und gehaltvoll. Dann erfuhr ich, dass McConnell diesen Schritt-für-Schritt-Leitfaden in Form dieses Buch hier schon selbst geschrieben hatte, also flugs das Buch bestellt (fuffzich Cent gebraucht, hehe) und -- auch diesmal hält McConnell, was er verspricht.

Er schlägt hier einen relativ schlanken, flexiblen Softwareprozess vor, der auf einem Staged Delivery-Prozessmodell basiert und die meines Erachtens wichtigsten Aspekte der Softwareentwicklung (Teamwork, Planung, Messung und Schätzung, Qualitätssicherung, Risikomanagement) abdeckt. Das Buch ist nach Projektphasen und Milestones gegliedert, so dass man es ausgezeichnet zur Vorbereitung und Durchführung bestimmter Phasen nutzen kann und nicht lang suchen muss, sondern kurz und griffig die wichtigsten relevanten Informationen findet. Im Vergleich zu "Rapid Development" werden hier weniger Grundlagen erklärt, sondern eher ihre pragmatische Folgerungen und deren Umsetzung beschrieben -- all das in einer lesbaren, sachlichen und knappen Art. Jeder Abschnitt enthält auch eine Checkliste der wichtigsten zu beachtenden Punkte und Risiken. Diese scheinen mir etwas knapp, eignen sich dadurch aber wohl auch um so besser, eigene Checklisten zu erstellen.

Allein ist das Buch wohl nicht wirklich geeignet, ein Softwareprojekt effizient zu leiten. Aufgrund seiner Knappheit wirkt der Schreibstil manchmal etwas dogmatisch und angeberisch ("Durch diese Technik werden Sie so-und-so-viel schneller sein") und verführt zum altbekannten "Silver Bullet"-Glaube. Im Verbund mit "Rapid Development" aber halte ich dieses Buch für das Beste, was unerfahrenen Softwareprojektleitern passieren kann. Es eignet sich wesentlich beser, in kleinen und mittleren Firmen nachhaltig erfolgreiche Softwareproduktion durchzuführen, als sich durch ellenlange, sperrige Standards wie CMM zu ackern. McConnells Methode scheint mir schlank und einfach genug, um in der Realität tatsächlich durchführbar zu sein und sich leicht anpassen und erweitern zu lassen.

Ich habe mit diesem Buch jedenfalls das gute Gefühl gewonnen, dass ich bei meinem Projekt nicht mehr wie Ochs vorm Berg stehe, sondern das Wichtigste einigermaßen richtig machen, dies andern gegenüber einleuchtend begründen können, und nicht allzuviel übersehen werde -- wer kann das schon vor seinem ersten Projekt behaupten?

FAZIT: Wieder mal ein Volltreffer des Herrn McConnell. Uneingeschränkt kann ich es zwar nicht empfehlen, da die praktischen Richtlinien dieses Buchs zwar an sich schon gut und richtig sind, aber ohne den Hintergrund von "Rapid Development" wohl nur schwer richtig anzuwenden sind. Im Verbund mit dem genannten Buch ist dieser kleine Überlebensführer dagegen einfach nur Gold wert.


Hackers: Heroes of the Computer Revolution - 25th Anniversary Edition
Hackers: Heroes of the Computer Revolution - 25th Anniversary Edition
von Steven Levy
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Unterhaltsam und lehrreich für Software-Entwickler und -Manager, 8. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jeder, der die ursprüngliche und echte Bedeutung von "Hacker" als fähige, trickreiche, innovative Programmierer kennt; der regelmäßig ganze Nächte mit seiner Maschine verschmilzt, weil er wissen wollte, wie man etwas noch besser machen kann; der muss dieses Buch kennen. Ganz klar. Levy schreibt eine äußerst unterhaltsame Geschichte, die Anfang der 1960er mit der Entdeckung eines (programmierbaren!) TX-0 durch Mitglieder des Modelleisenbahnclubs am MIT beginnt und mit dem aufbrechenden Konflikt zwischen Hacker- und Managerphilosophien bei Atari, Apple, Microsoft, Sierra On-Line und anderen Giganten der Spiele- und Softwareindustrie um 1984 -- leider viel zu früh -- endet.

Das ist aber nicht nur stellenweise extrem witzig (bzw. skurril bis besorgniserregend :), sondern auch heute noch eine für alle an Softwareentwicklung Beteiligten höchst interessante Lektüre. Für Entwickler sowieso. Gut, "Hacken" als Paradigma ist heute nicht mehr allzu hoch angesehen -- aber ich habe keinen einzigen guten Programmierer kennengelernt, der der Hackerphilosophie nicht starke Sympathien entgegenbringt und der nicht auch, wenn's drauf ankam, hacken konnte. Doch auch und gerade Managern kann ich dieses Buch nur ans Herz legen -- wer ein effizientes Softwareprojekt effektiv leiten will, der ist gut beraten, die Hackerphilosophie zu kennen und im Umgang mit Programmierern zu beachten. Und die wird in keinem anderen Buch so authentisch, anschaulich und greifbar beschrieben.

Kurz und gut, mit diesem Buch können alle ganzheitlich an Software Interessierten das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Es eignet sich ausgezeichnet als unterhaltsame, unanstrengende Bettlektüre, bei der man ganz nebenbei viel über die Geschichte von Software sowie der Mentalität ihrer Entwickler erfährt. Eine seltene Synthese!


Rapid Development
Rapid Development
von Steve McConnell
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,76

5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre in Sachen Softwareprojekte, 7. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rapid Development (Taschenbuch)
Von McConnell kannte ich ja schon Code Complete, das ich unter den vielen Ratgebern für professionelle Programmierung am gelungendsten fand -- gut strukturiert, knapp und sachlich geschrieben, undogmatisch... einfach prima. Jetzt schmöker ich seit einigen Tagen in diesem Buch, und obwohl es schon knapp 20 Jahre auf dem Buckel hat, ist es mit Abstand wiederum das Beste seiner Klasse -- hier als praxisorientierte Einführung in und Ratgeber für professionelle Softwareentwicklung.

Man sollte ich von dem Titel nicht irreführen lassen: Hier geht es mitnichten nur um schnelle Softwareentwicklung. Ich bin mit dem Autor einer Meinung -- nämlich, dass diese nur möglich ist, wenn man zuvor die allgemeinen Grundlagen effizienter Softwareentwicklung beherrscht. Und diese beschreibt McConnell im ersten und im zweiten Abschnitt einfach hervorragend: umfassend, fundiert und einleuchtend. Mir gefällt sehr, dass er die jeweiligen Praktiken nie als Wunderwaffe preist, sondern immer sehr genau auf die spezifischen Voraussetzungen, Begrenzungen und Risiken eingeht, in den meisten Fällen auch durch Zahlen und Ergebnisse seriöser Untersuchungen belegt. Dadurch gewinnt man ein gutes Verständnis dafür, ob und wann man die jeweilige Methode überhaupt anwenden kann, und welchen Preis man dafür möglicherweise zahlen muss.

Der dritte Teil besteht aus einem kurzen Lexikon der wichtigsten "Best Practices" für schnelle Softwareentwicklung. Jeder Begriff wird definiert, und auch hier werden wieder Voraussetzungen und Risiken sowie Tipps zur Umsetzung angegeben. Zwar wiederholt sich auf den 650 Seiten manches, andererseits ist dies bei der Nichtlinearität des Themas eh nicht zu vermeiden (und Wiederholung ist eh gut fürs Einprägen!). Sehr gelungen die beiden großen Tabellen zu Beginn des dritten Teils. Die erste eine kategorisiert alle im Buch erwähnten Praktiken (in "Fundamental", "Best Philosophy", "Best Practice" und "Not a Best Practice") und verweist auf die jeweiligen Kapitel. Die zweite stellt eine Übersicht über die wichtigsten Auswirkungen aller der im Buch erwähnten Best Practices zusammen und ist ein unschätzbarer Startpunkt, um zu Beginn eines Projektes potenziell geeignete Praktiken zu identifizieren -- je nachdem, ob man präzise Terminierung oder flexible Anforderungen wünscht, kompetente Entwickler hat usw.

Ebenfalls absolut beispielhaft ist die Strukturierung und Verlinkung der Inhalte. Wo immer es geht, verweist McConnell auf Querbezüge zum Thema und natürlich weiterführende Literatur. Das verstärkt nur die Tauglichkeit des Buches als Nachschlagewerk zum täglichen Gebrauch, der einem schnell einen Überblick und jeweils interessante weiterführende Punkte verschafft.

Manch einer wird kritisieren, dass das Buch doch absolut veraltet sein dürfte, da fehlen Scrum, XP oder Entwurfsmuster ganz, und das ist tatsächlich ein Manko. Aber was die Grundlagen der Softwareentwicklung angeht, ist dieses Buch genauso aktuell wie eh und je. Und es versetzt einen in die Lage, neuere Praktiken zu analysieren und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf spezifische Projekte einzuschätzen.

FAZIT: Jeder, der einen professionellen Ansatz zur Softwareentwicklung verfolgt, wird von diesem Buch profitieren. Für technische Leiter und Manager von Softwareprojekten ist dieses Buch meines Erachtens ein absolutes Muss, und da übertreibe ich nicht. Für mich jedenfalls waren die lächerlichen 2 Euronen, die ich für dieses Buch gebraucht hier berappt habe, die profitabelste Investition aller Zeiten. Meine Empfehlung lautet somit einfach: Kaufen, studieren, ins firmeneigene Bücherregal und zumindest die ersten beiden Teile allen Beteiligten als Pflichtlektüre verschreiben.

PS. Nein, ich erhalte genauso kein Geld oder sonstige Vergünstigungen von Herrn McConnell oder Microsoft Press für diese Rezension wie wohl die anderen 48 von 54 Rezensenten hier, die das Buch mit 5 Sternen wärmstens empfehlen :)


Algorithms
Algorithms
von Robert Sedgewick
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 60,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich eine vernünftige Neuauflage des Klassikers, 25. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Algorithms (Gebundene Ausgabe)
Ja, der "Sedgewick" -- seit gut 25 Jahren DER Klassiker in Sachen Algorithmen und Datenstrukturen. Die erste Ausgabe erschien 1990 und bot eine fundierte, ausgezeichnet lesbare, klar strukturierte und praktisch nutzbare Einführung, mit vollständigen Implementationen in C. 1998 wurde das Buch auf C++ aktualisiert, 2003 dann auf Java. Die C++-Version kenne ich nicht, aber die Java-Version hat mich doch sehr enttäuscht. Zum einen war das Themenspektrum wesentlich beschränkter als im Original -- Algorithmen für Zeichenketten, für Geometrie und Mathematik fehlten ganz --, zum anderen war auch der Java-Programmierstil einfach nur grottig und fast schon ein Paradebeispiel dafür, wie man's im dritten Jahrtausend NICHT machen sollte: komplett funktionale Programmierung mit kryptischen Kürzeln für Funktionen und Variablen -- aua.

Bei dieser vierten Auflage ist der Programmierstil etwas besser -- die Funktionsweise der Algorithmus wird durch sinnvolle Namensgebung und Codestrukturierung wesentlich klarer, und zum Teil werden auch sinnvolle Klassen angelegt, auch wenn diese sich oft in einer statischen main()-Methode erschöpfen und Vererbung hier zwar erwähnt, aber nirgendwo praktiziert wird. Aber gut, hier werden theoretische Grundlagen gelehrt und kein Programmierstil, aber letzterer erfüllt nun zumindest die Grundvoraussetzungen, dass sich unerfahrene Programmierer hier zumindest keinen völlig falschen Stil angewöhnen.

Didaktisch ist das Buch aber wie gewohnt absolut gelungen. Sedgewick versteht es, die Algorithmen verständlich und einfach, aber mit Tiefgang zu erklären. Für visuell veranlagte Menschen wie mir ganz besonders hervorragend sind die vielen, sinnvollen und klaren Visualisierungen, durch die man schnell ein intuitives Gefühl für die jeweilige Arbeitsweise erhält -- allein dafür ist der "Sedgewick" schon sein Geld wert. Das bedeutet aber nicht, dass das Buch etwa nicht gehaltvoll oder seriös wäre -- die Autoren definieren die benötigten Begriffe und geben für die meisten Sätze Beweise und Beweisskizzen an. Es gibt zwar formalere Bücher als dieses, aber ich finde die Mischung hier absolut großartig und nachahmenswert. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern zum Thema weisen die Autoren auch immer wieder auf die Praxisrelevanz der vorgestellten Algorithmen hin.

Ein kleiner Wermutstropfen: Auch in dieser Version entfallen die mathematischen und geometrischen Algorithmen -- da hätte man meinetwegen den Platz der lange Einleitung über Java-Programmierung für verwenden können. Wer aber Java noch nicht kennt, der wird sich über die grundsolide und didaktisch wiederum gelungene Einführung wohl freuen. Ein neues Kapitel tröstet aber ein wenig über diese Weglassung hinweg -- hier werden einige aktuelle praktische Anwendungen der beschriebenen Algorithmen (physikalische Simulationen, DNA-Sequenzierung, Netzwerkflüsse) anschaulich und interessant präsentiert.

FAZIT: Wer eine fundierte, anschauliche und didaktisch gelungene Einführung in das Thema "Algorithmen und Datenstrukturen" sucht, der braucht meines Erachtens gar nicht weiter zu suchen. Die dritte Auflage konnte ich wirklich nicht empfehlen, aber mit diese Auflage stellt eine gelungene Aktualisierung des Klassikers dar, die vor allem für Praktiker hervorragend geeignet ist.


Endlich Nichtdenker: Handbuch für den überforderten Intellektuellen
Endlich Nichtdenker: Handbuch für den überforderten Intellektuellen
von Hannes Stein
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Ahnung wieso, aber mir hat's anscheinend wirklich geholfen, 26. September 2013
Mit Ende 20, Anfang 30 geriet ich in eine echte Lebens- und Sinnkrise und wusste nicht mehr ein noch aus. Ich war schon immer aufgrund angeborener Intelligenz (ha!) und meiner Erziehung intellektuell ziemlich aktiv, aber irgendwann war der Punkt erreicht, dass das ständige Denken und Grübeln in keinster Weise hilfreich war, ganz im Gegenteil. Alles -- Leben, Liebe, Handeln, Denken -- wurde hinterfragt und analysiert, so dass ich weder leben, noch lieben, noch handeln, noch denken konnte. Damals war mir natürlich überhaupt nicht klar, ich merkte einfach nur, dass sich meine Gedanken ständig im Kreis drehten und zu nichts führten, und das belastete mich sehr.

Irgendwann sah ich dann dieses Buch bei einem Kumpel rumliegen und fand den Titel lustig (hatte kurz vorher "Endlich Nichtraucher" gelesen und rauchte genausoviel wie ein Schlot), und der Blick ins Buch zeigte, dass es anscheinend auch ganz lustig geschrieben war, aber nichts, was ich irgendwie wirklich ernst genommen hätte. Der Kumpel hatte es ausgelesen und lieh es mir. Eigentlich las ich das Buch nur aus ironischer Freude am Quatsch. Ich nahm das Buch vorher wie während des Lesens in keinster Weise ernst, fand es aber tatsächlich witzig und locker geschrieben und las es aus Spaß an der Freude komplett durch.

Und -- ich weiß, es klingt bescheuert -- es hat anscheinend tatsächlich gewirkt. Ich habe zwar nicht sofort einen Unterschied gemerkt, aber irgendwann habe ich dann gemerkt: hey, ich mache mir ja keinen Kopf mehr über jeden kleinen Furz! Und das Buch ist das einzige, was mir als dafür Grund einfällt. Man frage mich aber bitte nicht, wieso -- ich kann mich in keinster Weise an irgendwas aus dem Buch erinnern, außer dass es wie gesagt locker und witzig geschrieben war.

Natürlich bin ich durch das Buch nicht erleuchtet oder sonstwas, ich habe ganz normale Probleme wie jeder andere auch, aber ich sag mal so: Ich identifiziere mich nicht mehr mit meinem Gehirn. Mein Gehirn ist eine Maschine, die Informationen verarbeitet, und dazu anscheinend ständig Gedanken produzieren muss. Ich muss diese automatischen Gedanken aber nicht unbedingt ernst nehmen. Und das hilft gewaltig. Die Gedanken sind zwar noch da, aber es ist nicht Ich, der sie denkt, sondern mein Gehirn; ich bin mehr als mein Gehirn, ich bin nicht meine Gedanken. Mein Gehirn ist ein wertvolles Werkzeug, das ich dann einsetzen kann, wenn es sich lohnen könnte; wenn nicht, dann lass ich das Gehirn seinen Kram machen, ohne dem, was da rauskommt, generell allzuviel Bedeutung beizumessen.

Wie auch immer. Meine Rezension sagt wenig über das Buch aus, aber ich bin tatsächlich überzeugt, dass dieses von mir als lustigen Quatsch angesehene Buch gewirkt hat, und das wollte ich einfach mal mit der Welt teilen. Es hat sicher geholfen, dass ich das Buch beim Lesen nicht allzu ernst genommen habe -- wenn man alles, was der Autor erzählt, für bare Münze nimmt, wird man sicher nicht glücklich damit. Wenn ich mir einige Rezensionen hier anschaue, merke ich jedenfalls, dass das Buch definitiv nicht jedem geholfen hat. Mir irgendwie schon. Wie, weiß ich zwar nicht, und dank meiner neuen Superkraft des Nichtdenkens ist mir das auch völlig schnurz.

Danke, Hannes!


dtv-Atlas Weltgeschichte: Von den Anfängen bis zur Gegenwart
dtv-Atlas Weltgeschichte: Von den Anfängen bis zur Gegenwart
von Hermann Kinder
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Achtung, billige Klebebindung, 10. Juli 2012
Inhaltlich werde ich zu diesem Doppelband des dtv-Geschichtsatlas nicht viele Worte verlieren, da in den anderen Rezensionen schon alles gesagt wird. Trotz einiger Detailfehler und einem gewissen konservativen Müffelns für mich immer noch das beste Nachschlagewerk in Sachen Geschichte.

Erwähnen muss ich aber die extrem schlechte Klebebindung des Doppelbandes. Schon nach wenigen Tagen verabschiedeten sich bei mir die ersten Seiten, und inzwischen ist das "Buch" eher eine Loseblattsammlung. Insofern würde ich dazu raten, eine Ausgabe in zwei Bänden zu erstehen. (Bei meinem Vater, Geschichtslehrer a.D., hält diese seit 40 Jahren problemlos.)


Historica: Der grosse Atlas der Weltgeschichte mit über 1200 Karten
Historica: Der grosse Atlas der Weltgeschichte mit über 1200 Karten
von Matej Hanula
  Gebundene Ausgabe

28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig -- Prinzip Masse statt Klasse, 9. Juli 2012
Ich habe eine gewisse Vorliebe für Geschichte und Karten, und somit gehören Geschichtsatlanten für mich zu den interessantesten Büchern. Neben dem dtv-Atlas Weltgeschichte und dem Pützger bin ich nun auf dieses Werk gestoßen, das auf Amazon ja mit einer gewissen Begeisterung rezensiert wurde. Nun, ich kann mich anschließen -- aber nur teilweise.

Ausgezeichnet finde ich die Gliederung und den Aufbau. Für jeden Kontinent und jedes Land (oder Region) gibt es einen eigenen Abschnitten mit Karten von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart, jeweils ergänzt durch eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse, mit Erläuterungen zu den wichtigsten Stichworten. Dadurch erhält man schnell einen visuellen Überblick über die geschichtliche Entwicklung. Im Vergleich zu anderen Atlanten, wo man sich die Entwicklung aus mehreren Karten zusammensuchen muss, wirklich prima.

Nachteile hat diese Art der Gliederung aber doch: Vieles wiederholt sich. So kann man etwa an mindestens fünf verschiedenen Stellen in etwa dieselben Karten über die Teilungen des Frankenreiches bestaunen. Desweiteren gibt es zuweilen große Lücken -- so werden in dem Überblick über die Geschichte Europas die Jahre 1688 bis 1789 einfach mal komplett ausgelassen.

Auch die Karten finde ich persönlich -- sagen wir's ruhig -- ziemlich hässlich. Klar, das dürfte zweitrangig sein, aber die Ästhetik spielt für mich auch eine Rolle, und grelle Primärfarben kann ich nur begrenzt ertragen. Detailreich sind die Karten ebenfalls nicht -- das wesentliche ist drauf, aber zu Entdeckungsreisen laden sie nicht ein: da lob ich mir doch die herrlichen Karten vom Pützger; auch wenn der halt nur einen Bruchteil der Karten enthält, so sind die Karten doch oft wesentlich aussagekräftiger.

Was mich aber wirklich gestört hat: Stellenweise wirken die Informationen recht unseriös. Auf Seite 9 wird etwa kritiklos geschrieben: "Vor 75.000 Jahren der Ausbruch des Toba-Vulkans auf Sumatra. Nur etwa 1000 bis 10.000 Menschen überleben die Katastrophe." Dass letzteres aber nur eine äußerst umstrittene und wackelige Theorie ist, wird mit keinem Wort erwähnt. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass da vieles einfach aus der Wikipedia abgeschrieben wurde. Von derselben Qualität ist auch die deutsche Sprache -- häufig arg holperig, zuweilen unfreiwillig komisch, und mich immer wieder an Schüleraufsätze (Mittelstufe) erinnernd.

Fazit: Hier scheint vor allem Masse statt Klasse im Vordergrund zu stehen. Aufgrund der genannten Schönheitsfehler und auch einiger inhaltlicher Mängel würde ich "Historica" als alleiniges Einstiegs- oder Nachschlagewerk nicht empfehlen -- dann doch lieber den dtv-Geschichtsatlas. Als Ergänzung zu einem der genannten Standardwerke ist "Historica" aber ganz gut zu gebrauchen, da es aufgrund seines Ansatzes einen schnellen visuellen Einstieg bietet.


Conan Chronicles (Fantasy Masterworks)
Conan Chronicles (Fantasy Masterworks)
von Robert Ervin Howard
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,59

4.0 von 5 Sternen Groschenheft-Fantasy auf hohem Niveau, 6. Oktober 2011
Als ich in einem englischen Second Hand-Buchladen über dieses Buch stolperte, hatte Conan für mich den Beigeschmack des Allzubilligen, Allzukitschigen, etwas definitiv groschenheftromaniges. Andererseits bin ich inzwischen auch alt genug, um mich an gutem "Pulp" zu erfreuen, und so griff ich denn herzhaft zu, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass dies (trotz des Covers) eine doch recht solide und seriöse Ausgabe zu sein scheint.

Und richtig: Dieses Buch enthält die Stories in "Conan-chronologischer" Reihenfolge, das heißt, man macht Conans Entwicklung von einem leicht naiven, wilden Barbarenburschen zu einem... nun gut, etwas weniger naiven Barbarenhelden mit, und konzentriert sich auf die von Robert E. Howard selbst geschriebenen Originalgeschichten, nicht späteren Erweiterungen -- vom bibliographischen Aspekt her gibt's hier nichts zu meckern.

Und auch die Stories sind gar nicht übel, wie ich befürchtet hatte. Ganz im Gegenteil sind einige davon sogar sehr ansehnlich! Howard kann definitiv schreiben, und obwohl seine Charaktere nicht unbedingt die tiefsten sind, sind sie doch realistisch und mehr als nur Aufhänger für Geschichten. Die Stories sind zwar zuweilen nicht besonders originell (Stichwort "Errettung einer holden Maid aus den Kerkern eines Nekromanten"). Aber sie sind weit von einfachen Strickmustern entfernt und alles in allem vielseitig genug, dass es nicht so schnell langweilig wird. Viele der Stories bieten sich dazu an, zu einem Rollenspielabenteuer umgearbeitet zu werden, hier gibt es definitiv einige gute Inspirationen für Spielleiter.

Howards Setting, das Hyperboreische Zeitalter, ist zwar ebenfalls etwas klischeehaft (womit meine Theorie, dass US-Autoren sich einfach keine überzeugenden Mittelalter-Welten ausdenken können, bestätigt wurde), weist aber einige nette Ideen auf -- ein von Howard selbst geschriebener Abriss der Geschichte wurde mit ins Buch aufgenommen. Und die Welt weist auch genügend Tiefe und Detailreichtum auf, dass sie glaubwürdig rüberkommt.

Was mir aber ganz besonders gefallen hat, das ist dieser unerwartete Touch an Lovecraftschem Horror. In einer der ersten Geschichten, "The Tower of the Elephant", begegnet der junge Conan etwa einem elefantenköpfigem ehemaligem Gott, der aus dem fernen All stammt. Zwar tauchen nicht direkt Figuren des Cthulhu-Mythos auf, aber es gibt doch viele Parallelen. Ebenfalls gefällt mir, dass die Magie hier immer einen düsteren, gefährlichen Beigeschmack hat und nicht mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt wird.

Alles in allem also weitaus besser als erwartet... Ich habe das Buch etwa halb durch und freue mich auf die nächste Geschichte. Das Genre "Heroic Fantasy" ist zwar sicherlich heute durchgenudelt bis zum Letzten, aber Howards Conan, einer der Pioniere des Genres, ist auch heute noch, nach -- ähhm, rechne rechne -- bald 80 Jahren eine vergnügliche und abwechslungsreiche Lesereise.


C# Cookbook
C# Cookbook
von Stephen Teilhet
  Taschenbuch
Preis: EUR 52,55

3.0 von 5 Sternen Praktisch, aber oberflächlich -- nur bedingt empfehlenswert, 26. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: C# Cookbook (Taschenbuch)
Das C#-Kochbuch enthält wie die anderen O'Reilly-"Kochbücher" Hunderte von "Rezepten" -- Standardlösungen für in der Praxis häufig auftauchende Probleme. Das Buch ist in zwanzig Kapitel aufgeteilt, jedes davon bietet Dutzende spezifische Lösungen zu dem jeweiligen Thema -- von Zahlen und Zeichenketten, Klassen, Collections und Exception-Handling über Diagnostics, Delegates und Events, Reguläre Ausdrücke, Datei-I/O bis hin zu fortgeschrittenen Themen wie Reflection, Netzwerk, XML, Sicherheit, Threads und Unmanaged Code wird hier so ziemlich alles behandelt.

Die Rezepte bestehen jeweils aus einem Codefragment, das dann diskutiert wird. Der Code kann per Copy & Paste in eigene Programme integriert werden, meist handelt es sich um einzelne Funktionen. In der Diskussion wird der Code und seine Verwendung erklärt, sowie zuweilen auch auf weitere Lösungsmöglichkeiten hingewiesen.

Das Buch ist somit zweifellos nützlich für jeden, der schon ein wenig C# gelernt hat und vermeiden will, das Rad, wie man in der Informatik-Branche so schön sagt, immer wieder neu zu erfinden. Die Rezepte lassen sich dank der klaren Strukturierung und des Index schnell finden und lassen sich meist problemlos in eigene Programme einbauen.

Das klingt alles sehr gut -- und tatsächlich haben die O'Reilly-Cookbooks einen guten Ruf. Während ich zumindest das C++-Cookbook auch tatsächlich nützlich fand, bin ich bei diesem Buch allerdings eher skeptisch.

Mein Hauptkritikpunkt: Viele der Rezepte sind für einigermaßen fortgeschrittene C#-Programmierer selbstverständlich. Oft würde es reichen, einfach in die (frei verfügbare) C#-Dokumentation zu schauen, um auf die Lösung zu kommen -- und genau das sollte ein guter Programmierer als erstes tun, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Insofern sind wohl mindestens ein Drittel der "Lösungen" in diesem Buch völlig überflüssig bzw. gar gefährlich: Sie verleiten dazu, den Code per Copy & Paste zu verwenden und sich nicht weiter mit den verwendeten Klassen und Methoden zu beschäftigen -- so lernt man nichts dazu.

Ein wahllos herausgegriffenes Beispiel von vielen: Das "Problem", Text in eine Zeichenkette einzufügen. Da schaut man doch als erstes in die String-Dokumentation und sieht dort die Methode "Insert". Und genau das ist das "Rezept", das uns die Autoren anbieten. Ähnliches gilt für die meisten String- und Datei-I/O-Rezepte. Auch bei den Kapiteln über Klassen und Collections sind die meisten Rezepte trivial -- wer eine einigermaßen vernünftige Einführung in C# hatte, der wird diese Kapitel enttäuscht durchblättern.

Auch der Code in den Rezepten selbst hat mich nicht überzeugt. Mal fehlen Hinweise, dass ein nicht-trivialer Namespace verwendet werden muss, damit das Codefragment kompiliert -- gerade für Einsteiger äußerst ärgerlich. Mal werden Funktionen definiert, die überhaupt nicht verwendet werden. Im allgemeinen habe ich den Eindruck, dass der Code mit "heißer Nadel" gestrickt wurde -- oft hätte man die Lösung sauberer und z.T. auch ohne großen Aufwand flexibler machen können.

Schließlich wurden einige Themenbereiche komplett ausgelassen. So wird auf Serialisierung nur sehr oberflächlich in einem Rezept eingegangen, auf UI- und Grafikprogrammierung gar nicht.

Nach so viel Kritik auch etwas Positives: Einige Rezepte sind tatsächlich ganz gute und nützliche Einführungen in bestimmte fortgeschrittene Problemlösungsstrategien, etwa verschiedene erweiterte Datenstrukturen (Mengen, Bäume, Warteschlangen), die Erzeugung eines einfachen Caches, das Parsen von Kommandozeilenparametern usw. Allerdings ist bei diesen nicht-trivialen Rezepten die Diskussion meist sehr oberflächlich und besteht hauptsächlich in einer Erklärung des Codes -- gerade bei diesen komplexeren Problemen würde ich mir etwas mehr Substanz wünschen.

FAZIT: Dieses Buch gibt einige nützliche allgemeine Lösungen für in der Praxis häufig auftauchende Probleme. Allerdings sind viele dieser Lösungen eher selbstverständlich, so dass es für fortgeschrittene Programmierer eher von geringen Nutzen ist. Somit eignet sich das Buch eher für Einsteiger mit Grundkenntnissen, denen die Rezepte sicherlich viel Arbeit und Fehler ersparen; allerdings verleitet dieses Buch dazu, sich auf schnelles Copy & Paste zu verlassen und sich somit nur oberflächlich mit der Materie zu befassen. Wird man so ein guter Programmierer? Kaum.


Hit Oder Niete No Fun-Singles
Hit Oder Niete No Fun-Singles
Preis: EUR 13,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genialer Überblick über die Hannoveraner Punk-/New Wave-Szene, 14. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Hit Oder Niete No Fun-Singles (Audio CD)
Kaum zu fassen, dass diese Platte nach zwei Jahren immer noch keine einzige Rezension vorzuweisen hat! Dafür hat natürlich die neue Single von Shakira oder wem auch immer geschätzte 5236 Rezensionen... Aber gut, um Top 100-Rezensent zu werden, muss man dem Mainstream hinterherrennen. Ich dagegen rezensiere Platten, die begeistern.

"Hit oder Niete" versammelt die kompletten Singles, A- wie B-Seiten, der Hannoveraner No Fun-Labels. Zwar kennt heutzutage die meisten Bands kaum noch jemand (mit Ausnahme von Daily Terror und Hans-a-plast), doch setzte No Fun im Gegensatz zu vielen anderen Indie-Labels jener Zeit auf Klasse statt Masse.

Die CD bietet somit einen bunten Querschnitt durch die Crème de la crème der hannoveranerschen Musikszene der frühen 1980er; diese war ja im Gegensatz zu den bekannteren Szenen aus Düsseldorf, Berlin und Hamburg weniger dogmatisch, und dementsprechend abwechslungsreich ist auch die Musikmischung: psychedelischer Synthie-Garagensound (39 Clocks), sympathisch-lebensfroher Powerpop (Bärchen & die Milchbubis), Post-Punk mit düsteren Untertönen (Der moderne Man), rotziger Oi-Punk (Daily Terror), bollernder Straßenpunk (Cretins), frühe punkige NDW (A 5), ja sogar Pseudo-Schlager (Mythen in Tüten) -- hier sollte eigentlich jeder bedient werden, der gute, originelle Musik und Texte liebt.

Der Highlights auf der Platte sind zu viele, als sie alle zu nennen. Jede Band hat zumindest ein Stück, das ich mir immer wieder gerne anhöre und für mich zu den absoluten Meisterwerken der frühen 1980er in Deutschland zählen. Erstaunlich auch, wie frisch die meisten Stücke heute noch klingen, obwohl sie bald 30 Jahre auf dem Buckel haben.

Viele der hier vertretenen Bands sind übrigens erstmals auf CD vertreten; die Singles sind (natürlich!) gesuchte Sammlerstücke, doch im Gegensatz dazu ist an der Soundqualität hier nichts auszusetzen -- keine Kratzer, kein Knistern, kein Rauschen -- druckvoll und knackig dröhnt es aus den Lautsprechern.

In der Hülle findet sich neben der CD auch ein Artikel über die Geschichte des Labels von Hollow Skai, dem No Fun-Mitbegründer, so dass man auch einige Informationen zu den Bands und den Singles mitkriegt.

Man kann sich denken, wie mein Fazit ausfällt: Diese CD gehört zur absoluten Grundausstattung eines jeden, der frühen deutschen Punk und New Wave mag -- mir persönlich gefällt er sogar noch ein Tick besser als der eher auf die experimentellere Düsseldorfer Szene konzentrierte "Verschwende deine Jugend"-Doppel-CD-Sampler. Wer diese Platte nicht kauft, ist selber schuld.

Und nein, ich wurde für diese Rezension nicht bezahlt :)

PS. Hab gerade gemerkt, dass laut Amazon diese Platte auf den Tag genau vor 2 Jahren veröffentlicht wurde: Happy Birthday, Hit oder Niete!


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