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Rezensionen verfasst von
schrottvogel

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Fälle. Prosa, Szenen, Dialoge.
Fälle. Prosa, Szenen, Dialoge.
von Daniil I. Charms
  Pappbilderbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk des absurden Humors, 27. September 2005
Daniil Charms schrieb einmal: "Mich interessiert nur Quatsch, nur das, was gar keine praktischen Sinn macht. Mich interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung." Die Geschichten dieses Buches spiegeln diese Einstellung bestens wieder; Charms ist ein Meister der absurden Kürzest-Geschichte.
Er schreibt Geschichten, die plötzlich und unvermittelt beginnen und oft schon nach wenigen Zeilen wieder enden (ein typisches Charms-Ende ist beispielsweise "Ach! Ich würde gerne weiterschreiben, aber das Tintenfass ist verschwunden.") Charms beschreibt, sehr sachlich, nur die äußeren, die sichtbaren und hörbaren Ereignisse, beteiligten Figuren sind nur Schablonen sind. Die unmöglichsten Dinge passieren völlig ohne Grund, und haben meist teilweise äußerst unlogische Auswirkungen, oder gar keine. In einer Geschichte z.B. durchschlägt ein fallender Stein die Schädeldecke eines Mannes; dieser meint aber nur, keine Sorge, das passiere ihm ständig, und setzt seelenruhig eine Einkäufe fort...
Die meisten Geschichte erhalten durch diesen Stil einen ganz eigenen und unwiderstehlichen Humor -- hin und wieder findet man aber auch Geschichten, die die eher eine düstere, beunruhigende und gruselige Stimmung besitzen ("Wie der Schlaf den Menschen flieht").
Charms hat einen unverwechselbaren, lakonischen, einfachen und frischen Stil, und zusammen mit der Kürze der Geschichten führt das dazu, dass man das Buch immer wieder gern in die Hand nimmt, einfach um noch so eine lustige -- oder schreckliche -- Geschichte zu lesen.
Für mich gehört Charms neben Beckett und Ionesco zu den Meistern des Absurden. Dieses Buch ist eine gelungene Einführung in sein Werk, und jedem, der absurde Literatur mag und/oder Humor hat, wird hier seine wahre Freude haben. Ich persönlich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, bei dem ich soviel lachen musste. 5 Sterne!


The Radio Sessions
The Radio Sessions
Wird angeboten von all-my-music-lahn-dill
Preis: EUR 17,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die ganz jungen NMA -- ein Ohrenschmaus!, 25. September 2005
Rezension bezieht sich auf: The Radio Sessions (Audio CD)
New Model Army ist nun schon seit über 20 Jahren in der Indie-Szene aktiv. Auf dieser 1988 erschienenen Compilation finden sich 12 Songs, die nach Erscheinen ihrer ersten Single "Bitter Sweet" 1983/84 auf dem BBC gesendet wurden, viele davon zuvor unveröffentlicht. Diese Platte stellt damit New Model Army zu Beginn ihrer Karriere dar.
Dennoch sind schon hier die typischen New Model Army-Elemente zu erkennen: Einfache und klare Songstrukturen; der prägnante Bass; die schrebbelige Gitarre; melodischer Gesang mit der warmen, intensiven, kraftvollen Stimme Justin Sullivans und intelligenten sozial engagierten Texten, die in sehr persönlichen Geschichten die Sorgen und Nöte vieler Menschen unserer Zeit artikulieren (nicht nur die der englischen Working Class, wie oft behauptet wird); das alles durchzogen von dieser ganz eigenen subtilen Melancholie; kurz -- alles, was NMA seit ihrem Bestehen auszeichnet, ist hier schon in aller Reinheit zu bewundern.
Man könnte natürlich sagen, die Jungs entwickeln sich nicht weiter -- doch warum sich noch entwickeln, wenn man etwas gefunden hat, das einfach wunderbar funktioniert? Etwas Perfektes kann man nicht verbessern. New Model Army macht seit über 20 Jahren wunderbare Musik zwischen Punk, Gothic, Indie und Pop, zwischen Wut, Freude, Leibe und Trauer. Sie schaffen es einfach immer wieder, Songs zu schreiben, die einen das Leben lang begleiten können, Songs, die einem unter die Haut gehen, Songs, bei denen man einfach immer wieder mitsingen möchte.
Ich habe mich schon oft gefragt, woran es liegt, warum mich diese Musik so anspricht... Inzwischen bin ich zu der geradezu banalen Ansicht gelangt: Die Jungs schreiben einfach gute Songs, auf den Punkt gebracht und ohne unnötige Schnörkel. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es passt einfach alles zusammen, Text und Musik. In einer ihrer ersten Presseveröffentlichungen sagte die Band, sie möchte die Zuhörer "Wut und Lebensfreude vermitteln, ihre Herzen berühren, ihnen Kraft geben und ihnen Ideen geben, um einer auf Angst basierenden Gesellschaft zu widerstehen". Und das schaffen sie einfach mit jedem Album auf's neue. Unglaublich.
Auch auf dieser Platte sind eine ganze Reihe typischer New Model Army-Perlen. Viele der Songs sind zwar auch auf "Vengeance" oder "No Rest for the Wicked" enthalten, erstrahlen hier aber in einer wunderbaren Frische. "Great Expectations" etwa, gefolgt vom ruhigen, wunderschönen, wohlig traurigen "I Wish", bei dessen Refrain mir immer wieder kalte Schauer den Rücken herunterlaufen, mein persönlicher Plattenliebling; das dramatische "Running in the Rain"; die wunderbaren Melodien von "The Cause", und und und...
Lange Rede, kurzer Sinn: Für mich ist dies eine der besten New Model Army-Platten. Sie klingt einfach frisch, voller Spielfreude, souverän, kraftvoll, unverbraucht. Jedem New Model Army-Fan kann ich diese Platte empfehlen. Meiner Meinung nach besser noch als "Vengeance", was einiges heißen will. Auch wer New Model Army noch nicht kennt -- jedem, der gute Indie/Post Punk-Musik der 1980er mag, wird diese Platte zweifellos gefallen, auch wenn ich zum Kennenlernen eher "Small Town England" empfehle, wo diese Platte mit der Vengeance vereint als preiswerte Doppel-CD angeboten wird.
Kurz und gut: 5 Sterne, auf jeden Fall. Und ein dickes Dankeschön an New Model Army für ihre einzigartige Musik!


Die fraktale Geometrie der Natur
Die fraktale Geometrie der Natur
von Benoît B. Mandelbrot
  Gebundene Ausgabe

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die (leicht verschrobene) Bibel der Fraktalen Geometrie, 19. September 2005
Dieses Buch hat ja in den 1980ern für Furore gesorgt, und zwar zu Recht, denn Mandelbrot begründete mit diesem Werk die "Fraktale Geometrie". Mandelbrot zeigte, dass viele Formen und Prozesse in der Natur, die mit herkömmlichen Mitteln kaum zu beschreiben sind (etwa Wolken, Bäume, Datenübertragungsfehler, ...) einem und demselben einfachen Prinzip unterliegen, nämlich dem der Selbstähnlichkeit (oder genauer, der Skalierungsinvarianz).
Ich bin schon seit Jahren an Fraktalen interessiert und habe mir dann irgendwann auch mal dieses Buch zugelegt. Ich war lange Zeit ein wenig enttäuscht. Der Text ist alles andere als gut strukturiert; Mandelbrot verliert sich hin und wieder gerne in theoretischen oder geschichtlichen Details, sein Schreibstil ist eigenwillig, und seine Begriffswahl wirkt teilweise fast belustigend ("perkolierender Quark"). Das ganze wirkt somit zunächst etwas kryptisch; erst beim mehrmaligem Schmökern entdeckt man viel Wissenswertes, das ich bisher in keinen anderen Büchern über Fraktale gefunden habe.
Ich kann dieses Buch somit empfehlen, zumindest jenen, die sich ernsthaft für Fraktale interessieren, und die sich auch schon ein wenig damit beschäftigt haben. Nicht nur, weil es ein Klassiker ist, sondern vor allem deshalb, da hier das Gebiet der Fraktale von allen möglichen (und auch einigen unmöglichen) Seiten beleuchtet wird. Mir selbst ist dieses Buch aufgrund seiner Bedeutung, seiner Eigenartigkeit, aber auch seines Inhalts schon sehr ans Herz gewachsen.
Aber Vorsicht, denn dies ist definitiv kein Lehrbuch. Ich werfe immer mal wieder gerne einen Blick hinein und erfahre auch immer wieder Neues. Doch als Neuling wird man mit diesem Buch überfordert sein. Wie Mandelbrot selbst zu Beginn des Buches sagt: Dieses Buch ist "weder ein Mathematiklehrbuch noch eine Monographie", sondern "sowohl Beispielsammlung als auch Manifest". Und als solches sollte man es auch verwenden, wenn man nicht enttäuscht werden will.
Da dieses Buch wie gesagt keine leichte Kost und sehr gewöhnungsbedürftig ist, gibt es nur 4 Sterne -- auch wenn es vom Inhalt und Bedeutung her 5 verdient hätte.


Bausteine des Chaos
Bausteine des Chaos
von Hartmut Jürgens
  Taschenbuch

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfassende und verständliche Einführung mit Tiefgang, 19. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Bausteine des Chaos (Taschenbuch)
Dieses Buch, im Original als "Fractals for the Classroom, Part 1" erschienen, ist für mich, zusammen mit dem zweiten Band, "Chaos -- Bausteine der Ordnung", definitiv das Standardwerk für jeden, der sich ernsthafter mit Fraktalen auseinandersetzen möchte. Während sich dieser Band eher mit fraktaler Geometrie beschäftigt, setzt sich der zweite Band eher mit der Chaostheorie auseinander.
Wie Peitgen in der Einleitung selbst sagt, ist es "weder ein typisches Mathematikbuch noch ein übliches populärwissenschaftliches Buch". Peitgen und seine Mitarbeiter beleuchten hier das Phänomen der Fraktale umfassend, mit Tiefgang und äußerst verständlich. Viele populärwissenschaftliche Bücher lassen ja jedes mathematische Detail weg (wie Penrose sagte: jede mathematische Formel verringert die Leserzahl um die Hälfte), doch ist es nunmal bei einem mathemtischen Phänomen wie Fraktalen unerlässlich, auch die eine oder andere Formel zu bringen.
Das Niveau ist dennoch meines Erachtens nicht zu hoch angesiedelt. Die technischen Details werden, vom Text gesondert, grau hinterlegt und können auch übersprungen werden, ohne dass das wesentliche Verständnis auf der Strecke bleibt. Man erfährt viel über das Prinzip der Rückkopplung, das Fraktalen zugrundeliegt, über die klassischen "Monsterkurven" des frühen 20. Jahrhunderts, über Selbstähnlichkeit und fraktale Dimension, über die Modellierung natürlicher Formen mit Hilfe von IFS, und schließlich über das Wechselspiel zwischen Zufall und Determinismus. Jedes Kapitel endet mit einem kleinen Basic-Programm, mit dem man auch ohne große Programmierkenntnisse Fraktale selbst erzeugen kann.
Ich kann das Buch sowohl als Lehrbuch als auch einfach nur als Lesebuch jedem empfehlen, der sich etwas mehr mit Fraktalen beschäftigen möchte. Für mich gehörte das Buch jahrelang zum Standardrepertoire, wenn ich Fragen zu Fraktalen hatte. Interessant sind auch die kleinen historischen oder mathematischen Einwürfe, die in erster Linie nicht viel mit Fraktalen zu tun haben, aber dennoch viel Wissenswertes und Erstaunliches zutage fördern. Zudem ist das Ganze mit zahlreichen Abbildungen garniert, so dass vieles einfach anschaulich klar wird.
Natürlich -- ein bißchen mathematisches Interesse sollte man mitbringen, und man sollte sich auch nicht von mathematischen Formeln abschrecken lassen. Dann aber ist dieses Buch eine wahre Fundgrube. Man muss Peitgen wirklich Anerkennung aussprechen, dass er diesen Spagat zwischen fundierter Information und guter Lesbarkeit so glänzend gemeistert hat. Ich kenne kein Einführung über Fraktale, die ähnlich informativ und verständlich ist. Und wem dieses Buch gefällt, der wird auch gerne zum ebenso gelungenen zweiten Band greifen.
Darum: Satte und wohlverdiente fünf Sterne.


Dilemma
Dilemma
Preis: EUR 13,88

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Welt ist ungerecht..., 19. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Dilemma (Audio CD)
... denn manche Bands bleiben, völlig zu Unrecht, völlig unbekannt und lösen sich dann nach einigen Jahren auf.
Die Fremden sind eine solche Band. Ich habe sie durch Zufall auf einem Konzert in Berlin kennengelernt, und wäre froh, wenn ich seitdem nochmal ein Konzert erleben könnte, das ähnlich roh, rockig und rotzig gewesen wäre.
Man ahnt es schon -- die Fremden machen Punk. Aber sie haben eine ganz eigene Art, diesen zu machen. Ich würde es etwas genauer als "Gothic Art Punk'N'Roll" bezeichnen, auch wenn diese Bezeichnung wirklich saugt. Dennoch: Es ist Punk'n'Roll, weil es Punk ist aber auch höllisch rockt und rollt; es ist "Art", weil die Texte sehr lyrisch, intelligent und anspruchsvoll sind, richtige Gedichte eigentlich; und es ist Gothic, weil viele Songs doch eher von einer melancholischen Grundstimmung getragen werden.
Fast hätte ich dieser Platte nur 4 Sterne gegeben, einfach deshalb, weil ihr Vorgängeralbum, der Erstling "Schmerz und warum Sinne und Sucht uns Zauber Musik Liebe und Tod lehrten" (schöner Name, nicht?), einfach ein Meilenstein der ganz besonderen Art ist, gegen das dieses Album ein wenig verblasst. Es gibt kein Album, das mich dermaßen stark angesprochen hat, und es wird wohl auch keines mehr geben. Leider ist es bei Amazon nicht erhältlich - Schande!
"Dilemma" ist dagegen reifer, ausgefeilter, ruhiger -- aber es fehlt mir hier ein wenig die rohe Spielwut bzw. -freude, die den Vorgänger auszeichnete. Dennoch gibt es hier einige Perlen, etwa "Die Träne des Baums", wo der poetische Text so gar nicht zu dem knallharten Punk-Geknüppel passen mag; das Crossover-inspirierte "Der Irre"; oder aber das Rio Reiser-Cover "Wo sind wir jetzt". Ganz ruhig wird es gegen Ende, "Schauinsland" ist fast schon als Ambient zu bezeichnen, und das achtminütige "Das Meer" bildet einen würdigen Abschluss, so dass ich dennoch guten Gewissens 5 Sternchen vergebe.
Leider kann man hier nicht reinhören, es gibt kein Bild und keine Titel, weshalb der Kauf sicherlich schwerfallen wird. Dennoch ist diese Platte sicherlich gut geeignet für alle, die mit härterer Musik etwas anfangen können, aber auch einen weiten Horizont haben und Abwechslung sowie intelligente, schöne Texte lieben.
Ade, ihr Fremden. Wo immer ihr seid, ihr habt mein Leben bereichert. Danke!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 12, 2014 6:46 PM CET


154
154

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Düsterer und experimenteller New Wave-Klassiker, 13. September 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 154 (Audio CD)
Ich kannte bisher von Wire ihr erstes Album "Pink Flag" (1977) und ihr letztes Album, "Send" (2003), ihr Comeback nach fast zwanzig Jahren Pause. Ersteres hatte mich schwer beeindruckt, letzteres fast gar nicht. Nun habe ich mir dieses 1979 erschienene Album bestellt, und ich bin auf meine Kosten gekommen.
Der Erstling besteht ungefähr zur Hälfte aus geradlinigem 70s-Punk, zur Hälfte aus eher getragenen, wuchtigen Stücken, die die Platte vom Sound her zu einem frühen Vorläufer des Indie-Genres machen. In manchen Stücken schimmerte bereits die Düsternis durch, die auf dieser Platte hingegen dominiert. Viele der Stücke könnte man auch einfach als Gothic einordnen -- etwa das siebenminütige "A Touching Display", oder auch "A Mutual Friend", die seelenzerfetzende Düsternis ausstrahlen und fast von Joy Division stammen könnten. Ausnahmen zu dieser Grundstimmung kann man an einer Hand abzählen -- darunter das schöne, geradezu poppige "The 15th", oder das muntere rollende "Map Ref. 41°N 93°W".
Insgesamt ist die Musik abwechslungsreicher geworden, nicht zuletzt auch durch den stärkeren Einsatz von Synthesizern -- die Gitarren sind hier leiser, verhaltener, die Songs werden oft durch Synthie-Sounds getragen. Der Song "Small Electric Piece" ist, wie schon der Name sagt, sogar eine rein elektronische Komposition. Daneben gibt es auch einige andere recht experimentelle Songs, etwa das schön bekloppte, psychotisch dissonante Krach-Experiment "Once is Enough", das ein wenig an Sonic Youth erinnert.
Trotz allem kann mich diese Platte nicht so begeistern wie ihr Debüt -- aber auch bei weitem nicht so langweilen wie ihr Comeback-Werk. Die Songs sind abwechslungsreich, experimentell, beschreiten zuweilen neue Wege -- es fehlt nur die unglaubliche Kraft der wuchtigen Songs der ersten Platte. Kann aber auch sein, dass es erst nach mehrmaligem Hören zündet, das Potential dazu haben die Songs schon...
Interessant ist diese Platte auf jeden Fall. Sie beschreitet in vielerlei Hinsicht neue Wege und zeigt sehr schön, wie der Punk der 1970er zum Gothic, Indie und Synthie-Pop der 1980er mutierte, und ist somit echter New Wave-Klassiker.
Dem, der Wire noch nicht kennt, würde ich auf jeden Fall eher "Pink Flag" empfehlen, die wesentlich eingängiger und weniger düster ist. Wer jedoch die frühen Wire mag, wird auch an diesem Werk seine Freude haben. Mir fehlen zwar ein wenig die wuchtigen Hits des Erstlingswerks, doch ist dies sicherlich eine Platte, die ich gerne öfter hören werden. Darum: Wohlverdiente 4 Sterne.


Send
Send
Wird angeboten von good buy
Preis: EUR 18,53

1 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend, 13. September 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Send (Audio CD)
Dies ist das Comeback-Album von Wire, die in den späten 1970ern und frühen 1980ern Wegbereiter des New Wave waren, vor allem aufgrund ihrer Verbindung von Punk und elektronischen Instrumenten. Ich kannte von ihnen bisher nur das einzigartig gute Debüt "Pink Flag" sowie das staunenswerte "154", und habe mich, aufgrund guter Kritiken, schon sehr auf ihr Comeback gefreut.
Tja, zu früh gefreut. Diese Platte hat mich nicht überzeugt. Man könnte das Genre als "Electro-Punk" bezeichnen. Das ist an sich nicht schlimm -- wenn auch einige Songs für meinen Geschmack zu sehr nach stumpfsinnigem Techno klingen --, doch leider ist die Qualität der Songs recht unterschiedlich, und es gibt einfach zuviele, die vielleicht ganz nett sind, aber doch irgendwie auch langweilig.
Die Songs klingen alle ein wenig nach demselben Strickmuster: Stark verzerrte Gitarren, ein technoider Rhythmus und ein wenig Gebrüll dazu, fertig. Songs, die sich positiv herausheben, gibt es wenige. Das einzige Lied, was mir persönlich richtig gut gefällt, ist "Spent", welches endlich mal richtig abgeht, richtig kracht, richtig Feuer hat. Dann gibt es noch zwei, drei andere nette Stücke, der Rest ist einfach nur maximal mittelmäßig.
Das Album reicht somit in keinster Weise an ihre älteren Klassiker heran. Die Grundstimmung ist zwar dieselbe; doch dafür geht dieser Platte eines völlig ab: Einfallsreichtum.
Ich persönlich bin -- man merkt es wohl -- ziemlich enttäuscht. Ich kann diese Platte nicht wirklich empfehlen. Fans elektronischer Rock / Punk-Fusion können hier durchaus mal reinhören und werden vielleicht auch auf ihre Kosten kommen, doch gibt es heutzutage wesentlich überzeugenderen elektronischen Punk -- etwa Atari Teenage Riot. Allen anderen wird diese Platte nichts sagen. Zwei Sterne. Schade. Ich hatte mich so gefreut...


Pink Flag
Pink Flag
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 28,95

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wahrer Meilenstein der 1970er!, 13. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Pink Flag (Audio CD)
"Pink Flag", 1977 erschienen, war das Debütalbum von Wire, die in den folgenden Jahren mit ihrer Verbindung von Rock / Punk und Electro neue Wege beschritten haben.
Auf diesem Album halten sie sich mit Elektronik und Experimentierfreude noch etwas zurück. Etwa die Hälfte der Songs ist straighter 1970s-Punk, vielleicht technisch etwas ausgefeilter -- etwa "It's so Obvious" oder "106 Beats That", kaum länger als eine Minute. Schön und gut, aber nichts Außergewöhnliches. Erst die anderen Stücke machen die Platte zu einem absoluten Klassiker. Stücke wie der Opener "Reuters", "Lowdown", "Strange" oder "Champs" haben einen ganz eigenen Klang, eine ganz eigene Stimmung, und sind nur noch schwerlich als Punk zu bezeichnen. Zwar sind die Strukturen auch hier einfach und eingängig, aber die Songs sind langsamer und getragener; die Gitarren schrebbeln auch hier, sind aber sind tiefer und wuchtiger; die Stimmung ist zwar auch zuweilen aggressiv, geht jedoch meist in Richtung Melancholie. In vielerlei Hinsicht sind diese Songs Vorläufer des 1980er-New Wave und Indie-Sounds.
Man könnte die Platte als "Progressive Punk" kategorisieren, wenn man möchte. Wire gehörten mit Pere Ubu und einigen anderen zu den ersten, die die Grenzen des Punk ausloteten. Und sie machen dies auf diesem Album auf eine ganz eigene, sehr souveräne Art und Weise. Zuweilen erinnern sie, etwa in dem eigenartig poppigen, lakonisch vorgetragenen "Three Girl Rhumba", an Television oder The Clash der späten 1970er.
Viele der Songs haben mir schon beim ersten Hören gefallen, und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mir auch in vielen Jahren noch gefallen werden: Das melancholische, intensiv eintönige "Lowdown"; der wuchtig-krachige Titelsong; das dröhnende, sehr gitarrenlastige, entspannt vorgetragene "Strange"; das nicht minder laute, aber wesentlich schnellere "12 x U", oder aber "Champs", das einfach nur gute Stimmung verbreitet.
Eine solche Masse an guten Songs haben wirklich nur wenige Platten zu bieten. Ich kenne nur wenige CDs, die ich einfach einwerfen und durchhören kann, ohne in Versuchung zu geraten, das eine oder andere Stück wegzudrücken. Diese Platte gehört für mich in den Plattenschrank eines jeden Musikliebhaber. Vorausgesetzt natürlich, er kann mit Punk Rock/New Wave/Indie etwas anfangen! Ich vergebe darum besten Gewissens satte fünf Sterne. Und würde wohl auch noch ein Sternchen dazugeben, wenn ich nur könnte.


Distorted Wonderland
Distorted Wonderland

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist das Punk? Auf jeden Fall gute Musik, 7. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Distorted Wonderland (Audio CD)
Guts Pie Earshot kommen aus Bonn, machen krachige wilde Musik, geben sich eher alternativ und werden somit oft in die Punk-Ecke gesteckt. Diese Platte von 1997 ist aber viel mehr als Punk. Man könnte sie vielleicht als "Progressive Punk" bezeichnen, denn neben Punk-Elementen gibt es hier auch viel Ruhiges und Experimentelles.
Außerdem unterscheiden sich Guts Pie Earshot schon in der Instrumentierung von vielen anderen Punk Bands. So verwenden sie keine E-Gitarre, sondern ein E-Cello. Schon allein das verleiht der Musik einen gewissen ungewöhnlichen Reiz. Auf jeden Fall beweisen sie, dass man mit einem Cello genausoviel Krach machen wie mit einer Gitarre. Und sie beweisen, dass Sängerinnen auch energiegeladen und laut sein können, ohne unangenehm kreischen zu müssen.
Die Songs selbst sind überaus abwechslungsreich. Von straighten punkigen Krachern wie "Sonic You" oder "Enemy Inside" über das psychotische "Several Parts of Life" und dem filmmusikartigen, langsam immer dramatischer werdenden "Sum", das in einer totalen Knüppel-Krach-Explosion mündet, bis hin zu ruhigen Stücken wie dem melancholischen "Me Grain" oder dem über zehn Minuten langen, sich ständig hypnotisch verändernden und doch immer gleich bleibenden "Close to Distance" bietet diese Platte von jeder Gefühlslage etwas. Nur eines nicht: Langeweile.
Zugegeben, Guts Pie Earshot sind keine leichte Kost, und diese Platte ist dementsprechend auch nichts für Jedermann. Wer aber seine Musik gern chaotisch, exzentrisch, laut, wild, eigenwillig und zuweilen düster mag, dem kann ich diese Platte uneingeschränkt ans Herz leben.
Ich selbst höre und liebe diese Platte schon seit Jahren -- sie wird einfach nicht schlechter mit der Zeit! Vor allem bei den ruhigeren Stücken geht mir das Herz richtig auf, Inseln der Ruhe im Chaos und Krach des Lebens... Darum gerne: Fünf Sterne.


"3" (Docd)
"3" (Docd)

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wundervoller Gothic Punk aus Deutschland, 7. September 2005
Rezension bezieht sich auf: "3" (Docd) (Audio CD)
Diese Doppel-CD versammelt die dritte bis fünfte LP des deutschen Goth-Punk-Urgesteins EA80, zwischen 1985 und 1989 erschienen.
Zugegeben -- Goth-Punk ist schon per se nicht für jedermann geeignet. Es ist nicht das, was man gewöhnlich unter "Guter-Laune-Musik" versteht. Doch für denjenigen, der nichts gegen Punk und auch nichts gegen etwas düsterere Klänge hat, ist diese Platte sehr zu empfehlen.Sie hat einen ganz eigenen Reiz, eine ganz eigene Atmosphäre -- düster zwar, aber doch nicht depressiv. Nachdem man sich erstmal reingehört hat, entwickeln viele der Songs eine durchaus positive, energiegeladene Stimmung. Die Melodien sind durchweg sehr eingängig, und man ertappt sich oft beim Mitsingen.
Darüber hinaus sind viele der Songs auch sehr abwechslungsreich. Natürlich gibt es auch eine Menge geradliniger Punk-Kracher, bei denen nur der Gesang an Gothic erinnert.
Der absolute Höhepunkt der beiden CDs ist für mich zweifellos "Nr. 1" (ich liebe dieses Lied seit Jahren und wollte endlich mal hören, was EA80 sonst so drauf haben). Noch immer läuft mir beim "Vater kommt niemals zurück..." ein kalter Schauer über den Rücken. Was für ein Lied... Doch auch viele andere Stücke konnten mich begeistern: Das melancholische "Was ist geblieben", die eigenartige Fernsehkritik "1. Stunden der 2samkeit", das hymnische "Auf Wiedersehen", und das tieftraurige "Marty" sind allesamt Songs mit dem gewissen Etwas, die ich mir immer wieder gerne anhöre.
Insgesamt ist diese Doppel-CD ein gelungener Kauf gewesen, und ich kann sie jedem weiterempfehlen, der etwas mit deutschem Gothic Punk anfangen kann.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 26, 2013 3:14 AM MEST


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