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Rezensionen verfasst von
Xirxe (Hannover)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Wie Ihr wollt: Roman
Wie Ihr wollt: Roman
von Inger-Maria Mahlke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3.0 von 5 Sternen Historischer Roman mal anders, 26. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Wie Ihr wollt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mary Grey, englische Adlige und mit dem Makel der Kleinwüchsigkeit gezeichnet, hat sich das Missfallen der Königin Elisabeth I. zugezogen und lebt seit Jahren in Haft. Während ihr zu Beginn die Familien, bei denen sie unter Hausarrest gestellt wurde, wohlgesinnt waren, sind die Greshams (ihre aktuellen 'Aufpasser') alles andere als glücklich über ihre Anwesenheit und lassen sie es deutlich spüren, königliche Abstammung hin oder her.
Inmitten dieser unschönen Verhältnisse beginnt das Buch und während sich die Tage der Gefangenschaft nahezu ereignislos aneinanderreihen, berichtet Mary Grey, wie sie sie erlebt. Langeweile umgibt sie und als sie erfährt, dass ihr Ehemann gestorben ist und damit nahezu der Letzte ihrer Familie, beschließt sie, ihr Leben selbst in Worte zu fassen, damit etwas von ihr bleibt. Denn sonst ist da niemand mehr, der es tun könnte.
So wechseln sich ihre bisherige Lebensgeschichte, besser: die ihrer Familie, in der sie aufgrund ihrer Behinderung nur so am Rande 'mitlief' mit der Beschreibung ihrer Tage in Gefangenschaft ab. Es ist ein sehr eigentümlicher Ton, in dem erzählt wird. Oft werden Sätze nur angerissen und nicht beendet; es gibt Momentaufnahmen, bei denen (mir) unklar ist, wo und/oder mit wem sie sich ereignen. Und obwohl Marys Gegenwart in der Ich-Perspektive erzählt wird, blieb sie mir merkwürdig fremd. Zu unverständlich ist mir ihr Verhalten, das durch nichts erklärt wird. Einerseits eine verheiratete, nunmehr verwitwete Frau, andererseits ein Verhalten wie eine Fünfjährige: wirft ihrer Dienerin Sachen an den Kopf, bockt und will ihre Schuhe nicht anziehen (Schuhkrieg!). Dass sie aufgrund ihrer Vergangenheit (keine Liebe, Aufmerksamkeit, Anerkennung...) mit Sicherheit jede Menge psychische Schäden davon getragen hat, mag manches erklären, und dennoch bin ich ihr kaum nahe gekommen. Vielleicht ist es der Mangel an Emotionen in dem Erzählten, weder mit Anderen noch mit sich selbst.
Ebenfalls schwer tat ich mich mit dem weiteren 'Personal' der Geschichte. Die Verwandschaftsverhältnisse empfand ich recht verwirrend und da viel nur in kurzen Ausschnitten erzählt wurde, war ich immer wieder am Rumrätseln, wer nun gemeint sei. Der Stammbaum auf den inneren Umschlagseiten war teilweise hilfreich ebenso wie der Anhang, aber es blieben immer noch eine ganze Menge Fragen übrig. Und wie aus Katholiken und Protestanten Anglikaner geworden sind, ist mir jetzt vollständig unklar. Aber das wäre dann ein Thema für das nächste Buch, das ich lesen sollte ;-)
Alles in allem eine ungewohnte Lektüre, die nicht schlecht war, mich aber aufgrund der verwirrenden Politik-, Religions-, Verwandtschafts- und sonstigen Verhältnisse sowie der unzugänglichen Protagonistin nicht völlig begeistern konnte.


Altes Land: Roman
Altes Land: Roman
von Dörte Hansen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Wohlfühlbuch!, 10. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Altes Land: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hach, so muss ein Wohlfühlbuch sein! Eine grundsätzlich humorvolle Grundstimmung, die sich von dunkel gestimmten Protagonisten nicht vertreiben lässt (höchstens ganz kurz ;-)); Figuren, in denen man sich auch in den schlechten Eigenschaften wiedererkennt - doch nie so sehr, dass es zuviel wäre; eine Beschreibung der Realität, aber ohne in Klischees zu verfallen; Gefühle ohne Kitsch, schöne wie schmerzhafte. Und nicht zuletzt eine Geschichte die zeigt, wie sehr Menschen durch ihre Vergangenheit geprägt werden, im Guten wie im Schlechten. Dass das Alles dazu noch in einer wunderbaren, exakten und bilderreichen Sprache geschildert wird, macht das Lesen letzlich zu einem puren Vergnügen.
Obwohl es so leicht fällt, sich bei dieser Lektüre wohl zu fühlen, ist das Thema alles andere als seicht: Flüchtlinge - wenn auch in einem anderen Zusammenhang, als der erste Gedanke wahrscheinlich vermuten lässt. Eine junge Mutter verlässt den Vater ihres Kindes, der eine neue Liebe gefunden hat, und zieht zu ihrer eigenbrötlerischen Tante ins Alte Land, wo diese seit Jahre alleine lebt. Beiden ist nicht nach der Gesellschaft der jeweils Anderen zumute, aber die Eine weiß nicht wohin, die Andere kann aus eigener Erfahrung nur zu gut nachempfinden, wie das ist - und hilft. Nach und nach werden die Geschichten der beiden Frauen und ihrer Familie erzählt wie auch die der Nachbarschaft, zu denen nicht nur Bauern gehören, sondern auch zugezogene Städter, (Luxus-)Flüchtlinge auch sie. Vergangenes, das bis in die Gegenwart wirkt, wird wieder hervorgeholt und so manche Widersprüchlichkeiten des Lebens voller Vergnügen beschrieben wie in dem nachfolgenden Beispiel:
"Carsten wuchsen all die Widersprüche in seinem Leben manchmal ziemlich über den Kopf. Vollholz und Fertigparkett, mittags Kohlrouladen und abends Basenfasten, Urtes harter Futon und Herthas lenorweiche Biberbettwäsche, der Terror mit dem Alten und das schöne, kalte Astra, Schulter an Schulter nach Feierabend auf der Bank vor der Werkstatt, wenn es dann wieder gut lief. Pentatonische Konzerte in der Aula von Urtes Rudolf-Steiner-Schule und Puzzle-Abende mit seinen Eltern, Ravensburger, 5000 Teile, das große Korallenriff. Zu dritt hatten sie das ruckzuck fertig."
Alles in allem ein Buch, wie man es sich wünscht: Unterhaltung mit Anspruch!


Eins im Andern
Eins im Andern
von Monique Schwitter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Liebe ist nicht alles, aber ohne Liebe ist alles nichts, 29. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Eins im Andern (Gebundene Ausgabe)
Zufällig erfährt die namenlose Protagonistin (oder habe ich ihren Namen überlesen?), dass die erste Liebe ihres Lebens sich bereits vor Jahren umgebracht hat. Erschüttert versinkt sie in Erinnerungen und versucht zu begreifen, weshalb es sie so mitnimmt. Sie beginnt ihre Gedanken an die Vergangenheit aufzuschreiben und statt sich chronologisch an ihr bisheriges Leben zu erinnern, hangelt sie sich von einer Liebe zur nächsten, gerade so, als ob das Dazwischen nicht zählte. Doch immer mehr drängt sich das reale Leben in den Vordergrund: Es tauchen Probleme auf, die existentiell werden und ihr immer weniger Zeit lassen, sich um die Vergangenheit zu kümmern.
Eine Liebesbiographie an zwölf Männern wird hier abgehandelt, schreibt der Klappentext, die mehr als nur die Namen mit den Aposteln gemein haben. Um ehrlich zu sein: Als zugegebenermaßen überhaupt nicht bibelfeste Westeuropäerin wäre mir das nicht einmal aufgefallen - dass alle Zwölf die Namen der Apostel tragen. Ganz zu schweigen davon, was sie darüber hinaus mit diesen gemeinsam haben könnten. Dafür hatte ich den Eindruck, dass ihre Lieben auch die drei Arten darstellen, wie sie seit der Antike verwendet werden: Eros - die sinnlich-erotische, Philia - die Freundesliebe und Agape - die Nächstenliebe. Und es ist egal, um welche Form der Liebe es sich handelt. Jede hilft auf ihre Weise der Protagonistin aus ihrer Krise bzw. unterstützt sie. Denn ohne Liebe ist alles nichts.
Einerseits lässt sich das Buch leicht lesen, andererseits bringen die häufigen Zeit- und Ortswechsel gehörig Verwirrung in die Lektüre. Und so ganz klar wurde mir der Sinn der Liebesgeschichten doch nicht, dafür waren sie einfach nicht eindringlich genug. So bleibt es bei einer Lektüre, die ganz ok war. Mehr aber auch nicht.


Uebel unterwegs: Skurriles und Bemerkenswertes vom Landweg Hamburg-Shanghai
Uebel unterwegs: Skurriles und Bemerkenswertes vom Landweg Hamburg-Shanghai
von Tina Uebel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit dem Zug um die halbe Welt, 24. April 2016
Hach, was habe ich diese Lektüre genossen! Mit Tina Uebel den Balkan und Zentralasien zu durchqueren, um ans östliche Ende von China zu gelangen, ist nicht nur unterhaltsam und lehrreich, sondern weckt zudem jede Menge Erinnerungen an eigene Reisen (mir ging das so ;-)).
Sich als alleinreisende Frau in Ländern fortzubewegen in denen meist die Männer das Sagen haben, hat den Vorteil, dass man wirklich mit Menschen jeden Alters und Geschlechts in Kontakt kommt, gerade auch mit Frauen. Und Tina Uebel nutzt dies hemmungslos aus und genießt es - sehr zur Freude aller Lesenden ;-) Auch beim 127. Mal 'Where are you from?' antwortet sie noch lächelnd und stürzt sich bereitwillig in jede Unterhaltung, auch wenn sie nur mit Händen und Füßen geführt werden kann. Obwohl ihre Aufenthalte meist nur recht kurze Zwischenstopps sind um von einem Zug in den nächsten zu wechseln, vermittelt sie mit ihrem lebendigen Schreibstil und ihrer offenen, zugewandten Art ein überzeugendes Bild von den Menschen und der Kultur des jeweiligen Landes. Wobei es ihr dabei weniger um die Vermittlung exakter historischer und aktueller Daten geht, sondern mehr um die Art und Weise wie die Menschen leben. Dabei zeigt sie sich überaus aufmerksam für die Besonderheiten in den jeweiligen Ländern (beispielsweise die hohen Hinterköpfe der Frauem im Iran oder das Fehlen der Menschen auf den Straßen Turkmenistans ;-)), die sie in ihrer besonderen Art der Übertreibung sehr anschaulich beschreibt.
Tina Uebels Erzählstil war mir durchweg ein Vergnügen. Auch deshalb, weil sie nicht vergisst darauf hinzuweisen, wieviel Glück sie (und natürlich auch wir) hat, in einem Land geboren worden zu sein, mit dessen Pass ihr all diese Erlebnisse so ohne weiteres möglich sind. Dieses Glück ist den Meisten, denen sie unterwegs begegnet ist, nicht gegeben. Sie träumen stattdessen von einer Freiheit, die bei uns häufig nicht mehr wahrgenommen wird, weil sie als selbstverständlich angesehen wird. Dieses Buch erinnert auch daran, wie glücklich wir uns dafür schätzen können - in Freiheit zu leben und zu reisen.


Y: Roman
Y: Roman
von Jan Böttcher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ganz schön vielschichtig..., 19. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Y: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vordergründig erzählt dieses Buch von einer Liebe, die daran scheitert, dass das Paar in völlig unterschiedlichen Lebensumständen aufwuchs, auch wenn beide eine gewisse Zeit in Lüneburg gemeinsam zur Schule gingen. Während Jakob in einer gutbürgerlichen Familie groß wurde, kam Arjeta zusammen mit ihrer Familie als Flüchtlinge nach Deutschland. Sie verliebten sich, als sie sich einige Jahre nach dem Abitur zufälligerweise wieder trafen und erst zu diesem Zeitpunkt realisierte Jakob den familiären Hintergrund seiner Freundin, der ihr Leben immer noch in großem Maße bestimmte.
Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern kommt teilweise verwirrend wie auch vielschichtig daher. Der Ich-Erzähler in der Gegenwart ist ein Mann in Jakobs Alter, der seinen 14jährigen Sohn Benji mit dem ihm bisher unbekannten Freund Leka auf seinem Balkon vorfindet. Der Junge verschwindet ebenso unbemerkt wie er kam, was Benji ziemlich erschüttert, sodass sein Vater sich auf die Suche nach Leka macht. Dabei findet er den Vater des Jungen, Jakob, der ebenfalls auf der Suche nach seinem Sohn ist. Dieser erzählt ihm von seiner Liebe zu Lekas Mutter Arjeta. Nun wechseln Gegenwart, verschiedene Stufen der Vergangenheit wie auch die Perspektiven. Denn irgendwann fliegt der Ich-Erzähler mit seinem Sohn Lekas Spuren nach, wo sie unter anderem auf Arjeta treffen, die ihm ihre Sicht der Ereignisse schildert.
Merkt man, wie ich mich schwer tue mit einer Art von Zusammenfassung? Denn ausser der Liebesgeschichte von Jakob (der nebenbei ein erfolgreicher Computernerd und Spieleprogrammierer ist und das Leben eher wie ein Spiel betrachtet) und Arjeta kommen die erbärmlichen Verhältnisse im heutigen Bosnien zur Sprache, die Machtlosigkeit der Bevölkerung gegenüber den mafiosen Strukturen, die Perspektivlosigkeit der Jungen, der Krieg der noch lange nicht vergessen sein wird. Dann das Verhältnis von Leka zu seinen Eltern bzw. umgekehrt, denen ihre Arbeit wichtiger ist als ihr Kind, wobei es ihnen nicht unwichtig ist. Das Wohlstandsgefälle zwischen Deutschland und dem Balkan, die bei uns herrschende Saturiertheit - ach, je mehr ich über das Buch nachdenke, desto mehr fällt mir ein.
Und als ob all das nicht schon ausreichen würde, verlangt auch der Sprachstil Jan Böttchers Aufmerksamkeit. Nein nein, es sind keine komplexen Satzgebilde, die einen 'zwingen', dabei zu bleiben. Sondern Bilder für Gefühle und Stimmungen, die der Autor in ungewohnter Weise in Worten zusammenfasst. Ein Beispiel dafür ist der Abend, als Arjeta mit ihrer Familie wieder nach Prishtina zurückkehrt:
"Der erste Abend war eine Aufzählung: Großvater Naim, Großmutter Gladiola, Onkel Xherdan...
Der erste Abend war eine Abstellkammer. Sie warfen alles hinein, was dort für Jahre noch aufbewahrt werden sollte. Die Erzählung von den Lebenden und Toten, von der albanischen Unbeugsamkeit, von den verschwundenen serbischen Henkern, vom befreienden Einmarsch der Amerikaner....
Was der erste Abend auch war: Lammfleisch über dem Feuer, drei Flaschen Raki Rrushi...
Der erste Abend war das Fehlen ihres Onkels Jeton, der in der Schweiz geblieben war. Und der linke Unterschenkel von Arjetas jüngstem Bruder, der fehlte auch."
Ein ungewöhnliches Buch, ein anstrengendes Buch - aber auch ein Buch, das einem scheinbar weit Entferntes plötzlich nahe bringt.


Nach der Empörung: Was tun, wenn wählen nicht mehr reicht
Nach der Empörung: Was tun, wenn wählen nicht mehr reicht
von Klaus Werner-Lobo
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach dem Empören kommt das Handeln - Los geht's!, 15. April 2016
Vor einigen Jahren erschien das kleine Büchlein 'Empört Euch!' von Stéphane Hessel, das sofort viel Beifall fand, da es die Unzufriedenheit und den Ärger eines Großteils der Bevölkerung über den Zustand der Gesellschaft in klare Worte fasst: die zunehmende Distanz zwischen Arm und Reich, die Geiz-ist-Geil-Mentalität, die Rücksichtslosigkeit großer Industrieunternehmen gegenüber Mensch und Umwelt, die Dominanz der Wirtschaft in der Politik undundund. Doch Empörung schön und gut: Was (mir) fehlte, waren Hinweise und Ratschläge, was die/der Einzelne konkret unternehmen könnte. Klaus Werner-Lobo schließt diese Lücke mit seinem neuen Werk, soviel sei schon verraten, tadellos.
Vier Teile umfasst das knapp 200 Seiten starke Buch. Im ersten Teil erfolgt eine Bestandsaufnahme der Dinge, die viele Menschen heute umtreiben: Dass Politik immer öfter im Hinterzimmer ohne Öffentlichkeit stattfindet. Dass die Wirtschaft zunehmend Politik betreibt. Dass Gewinne in Unternehmen verbleiben, Verluste aber die Gesellschaft tragen muss. Undsoweiterundsofort, Themen zuhauf wie sich die politisch Interessierten vorstellen können.
Was tun? Dieser zweite Teil, der den größten Umfang des Buches einnimmt, ist erfreulicherweise sehr lebensnah. Klar ist, es gibt kein Patentrezept wie Dinge zu ändern sind, sieht man mal von etwas so Grundlegendem ab wie Informationen beschaffen und deren Verbreitung. Selbst die übelsten Missstände können weiterbestehen, wenn sie nicht bekanntgemacht werden. Doch wie dagegen angehen? So individuell die Menschen und die Anliegen, so individuell sind die möglichen Ansätze, von denen Werner-Lobo eine Menge aufzeigt. Beispielsweise Boykotte, Änderung der Lebensweise und/oder des Konsums, Engagement in NGOs und/oder Gewerkschaften, Kunst, ziviler Ungehorsam und Diverses mehr. Vieles mag Manchen bekannt sein, doch einer der großen Vorteile dieses Abschnittes ist es, auch die möglichen Gefahren dieser Aktivitäten aufzuzeigen und Hintergründe auszuleuchten, beispielsweise zum zivilen Ungehorsam. Reichlich Beispiele sind aufgeführt, die alle durch entsprechende Links oder Literaturverweise im Anhang vertieft werden können.
Ist die repräsentative Demokratie noch zu retten? Wenn sich nichts ändert wohl nicht. Und so schlägt der dritte Teil neue Möglichkeiten bzw. Veränderungen vor, wie aus der mittlerweile bestehenden Oligarchie tatsächlich wieder eine Herrschaft des Volkes werden kann. Dieser Abschnitt ist mit gerade einmal 13 Seiten recht knapp ausgefallen, da hier Politiksysteme als Ganzes beschrieben werden, weniger die Handlungsmöglichkeiten von Einzelnen.
Zuguterletzt gibt es eine Übersicht der momentan wohl aktivsten bzw. erfolgreichsten 'unbekannten' Initiativen, an denen man sich beteiligen kann, sofern man keine eigene Aktion auf den Weg bringen möchte.
'Eine Anleitung zum Selberhandeln' steht im Klappentext mit jeder Menge mutmachender Beispiele. Genau das ist es, für Alle, die sich nicht nur empören, sondern auch handeln wollen.


Die Frauen von La Principal: Roman
Die Frauen von La Principal: Roman
von Lluís Llach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die drei Marias auf La Principal, 9. April 2016
Wer heutzutage nicht den Erwartungen der Gesellschaft entspricht, hat es meist schwerer als die vielen angepassten MitläuferInnen. Doch um wieviel schwieriger gestaltete sich das Leben erst für Frauen in einer Welt, die nicht nur im Alltag von Machos dominiert wurde, sondern auch in einem beruflichen Umfeld wie dem Weinbau? Und das Alles zudem vor mehr als 100 Jahren? Doch die drei Marias des großen und berühmten Weingutes La Principal wissen sich zu behaupten: die erste gegen ihre Brüder, die ihr ihr Erbe neiden. Die Zweite, ihre Tochter, gegen die Folgen der Revolution und der Missachtung der Wahl ihres Gatten. Und die Dritte schließlich gegen den ganz alltäglichen Chauvinismus in der heutigen Geschäfts- wie auch Wissenschaftswelt. Alle Drei bringen das Weingut zu großem Ruhm und leben IHRE Leben, die in diesem Roman erzählt werden.
Es ist eine, nein, es sind mindestens zweieinhalb (die dritte Maria spielt eher eine Nebenrolle) mitreißende und spannende Geschichten, die mehr als ein ganzes Jahrhundert umfassen. Zudem gibt es noch einen Kriminalfall, der in der ersten Hälfte des Buches eher am Rande mitläuft, bis er gegen Ende dann doch in den Mittelpunkt rückt. Was meiner Meinung nach nicht notwendig gewesen wäre, denn die Geschichte der drei Frauen und damit die des Weingutes ist auch so bereits interessant genug. Für meinen Geschmack hätten zudem die historischen Hintergründe gerne vertieft werden dürfen, aber man kann wohl nicht alles haben ;-)
Bemerkenswert ist die Sprache des Autors (und damit auch der Übersetzerin). Trotz des eigentlich ernsten Themas klingt immer wieder sein Wortwitz hervor, der die Lektüre dadurch richtig amüsant werden lässt. Ein paar Beispiele: 'Sitzmöbel, die das Ungleichgewicht zur Tugend erhoben, waren mit Vorsicht zu genießen...' (S. 10, zum Schaukelstuhl). 'Er konnte sich fröhlich seinen Seitensprüngen widmen, und weil eine Gießkanne zwei Blumentöpfe begoss, hatten diese mehr Ruhe.' (S. 32). 'So sind die Reichen nun mal, erst kümmern sie sich um die Kiste mit dem Geld, dann um die Kiste für die Leiche'. (S.94).
Lediglich das Ende, das beinahe alle Fragen klärte, empfand ich in dieser Form unnötig. Es passte so gar nicht zum bisherigen Erzählstil und wirkte auf mich, als ob unbedingt irgendwie die Antworten angefügt hätten werden müssen. Ich hätte darauf gerne verzichtet, auch wenn es bedeutet hätte, dass ich nie die ganze Wahrheit erfahren würde ;-)


Die Birken wissen's noch: Roman
Die Birken wissen's noch: Roman
von Lars Mytting
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles in einem - Krimi, Historiengemälde, Familiengeschichte und Liebesroman, 31. März 2016
Was für ein wundervolles Buch! Spannend wie ein Krimi, gefühlvoll wie ein Liebesroman und nicht zuletzt auch lehrreich was die Geschichte des letzten Jahrhunderts betrifft. Das Alles kommt in einer schönen, leicht zu lesenden Sprache daher, sodass die Lektüre ein einziger Genuss ist. Irgendein Manko? Nein, mir fällt nichts ein (Und nein, ich wurde nicht vom Verlag für diese Rezension bezahlt ;-)).
Der 23jährige Edvard ist nach dem mysteriösen Tod seiner Eltern bei seinen Großeltern auf einem Hof in Norwegen aufgewachsen, die ihn liebevoll umsorgten, jedoch nie über den Rest der Familie sprachen. Nach beider Tod entdeckt Edvard im Nachlass seines Großvaters Unterlagen, die ihn beginnen lassen, Nachforschungen anzustellen: Wer war seine Mutter? Was ist mit Großvaters Bruder Einar? Weshalb dieses Schweigen? Was geschah tatsächlich, als seine Eltern starben? Schritt für Schritt arbeitet er sich in die Geschichte der Familie hinein, die nach und nach so spannend wird wie ein Kriminalfall und ihn zuerst auf die Shetlandinseln führt, wo er Gwen begegnet, einer jungen selbstsicheren undurchdringlichen Frau, die vielleicht mehr weiß als sie zugibt. Gemeinsam gehen sie den Hinweisen nach, die sie beide immer weiter in die Vergangenheit zurückführt, denn auch Gwen ist auf der Suche.
Was sich nun nach einer der typischen ‚Schmonzetten‘ anhören mag, ist alles andere als das. Zugegeben, es ist auch eine Liebesgeschichte, doch weder dominiert sie die Handlung noch artet sie in Kitsch aus. Wie selbstverständlich fügt sie sich in die Geschichte ein und stellt den Ich-Erzähler Edvard als das dar, was er ist: ein junger Mann, der neue Erfahrungen macht, die ihn erst verunsichern und dann jedoch stärken. Auf seiner Reise zu seinen Wurzeln (im wahrsten Sinne des Wortes) lernt er nicht nur die Vergangenheit seiner Familie, sondern ebenso sich selbst kennen und begreift, was für ihn wichtig ist.
Was für mich die Stärke dieses Buches ausmacht, ist die völlig überzeugende Erzählweise des Autors. Nichts wirkte übertrieben oder belehrend, kitschig oder gekünstelt – nein, Edvard erzählte seine spannende Geschichte und ich hörte ihm gebannt zu. Einfach toll!


Biest: Thriller: 5 CDs (Solveigh Lang-Reihe, Band 2)
Biest: Thriller: 5 CDs (Solveigh Lang-Reihe, Band 2)
von Jenk Saborowski
  Audio CD
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles nur Fiktion?, 25. März 2016
Der Einstieg bei diesem Hörbuch fiel nicht gerade leicht. Nicht, dass es nicht gut vorgelesen wäre oder die Geschichte Längen hätte oder so, nein, es war schlicht zu viel des Guten. Gleich zu Beginn gibt es vier oder fünf verschiedene Handlungsstränge, die nichts oder nur wenig miteinander zu tun haben, sodass ich während der ersten CD mehr damit beschäftigt war, die Details im Ohr zu behalten als mich dem 'Genuss' dieses Thrillers hinzugeben. Erst bei der zweiten CD wird deutlicher, wie und was die unterschiedlichen Protagonisten miteinander verbindet und ich konnte mich zurücklehnen ;-)
Um dem wirtschaftlich darbenden Russland auf die Beine zu helfen (und natürlich auch zu seinem eigenen Nutzen), entwickelt ein russischer Oligarch, der nur unter dem Namen 'Biest' bekannt ist, einen heimtückischen Plan, bei dem Europas Bevölkerung das Opfer ist. Durch den israelischen Geheimdienst erhält die europäische Spezialeinheit ECSB davon Kenntnis und versucht mit allen Mitteln, dieses Vorhaben zu vereiteln.
Im Großen und Ganzen ist 'Biest' ein durchschnittlicher Thriller, der nicht mit allzu großen Überraschungen aufwartet. Was ihn jedoch aus der Masse der Durchschnittsware heraushebt, ist die zumindest für mich schon beängstigend realistische Beziehung zu unserem Alltag.Terroristen infiltrieren bzw. verseuchen Industrieanlagen mit Computerviren, -würmern und was sonst noch so im IT-Bereich kreucht und fleucht, sodass diese Anlagen vollständig versagen und die gesamte Bevölkerung eines Landes gefährden können - wirklich nur Fiktion? In Zeiten, in denen beinahe wöchentlich darüber berichtet wird, wie Autos geknackt, Clouds gehackt oder Daten widerrechtlich verschlüsselt werden um Lösegeld zu erpressen, in solchen Zeiten soll das beschriebene Szenario von 'Biest' nur Phantasie sein? Mir kam das Alles sehr sehr realistisch vor und somit ergibt sich ein Großteil der Spannung aus eben diesem Nahe-dran-an-der-Wirklichkeit. Dazu gehört auch der Bezug auf reale Personen, deren Namen zwar leicht abgeändert wurden, doch durch die Umstände klar erkennbar sind.
Uve Teschner macht seine Aufgabe als Vorleser gut, Stimmungen werden deutlich vermittelt und die Handelnden sind fast problemlos zu unterscheiden.
Alles in allem ein spannender Thriller, der meiner Meinung nach jedoch nichts ist für Menschen, die bereits über eine gewisse Paranoia verfügen in puncto Untergangsszenarien ;-)


Der Edelsteingarten: Roman
Der Edelsteingarten: Roman
von Susanne Ayoub
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Liebe ihres Lebens, 19. März 2016
Als Frau nach kurzer Zeit einen Orientalen heiraten und in seine Heimat ziehen? Was heutzutage vermutlich vorsichtiges Kopfschütteln und gute Ratschläge zuhauf auslösen würde, muss in den fünfziger Jahren wie eine Reise zum Mond gewirkt haben. Doch Laura, die Hauptfigur dieses Buches, lässt sich nicht abschrecken. Sie folgt der Liebe ihres Lebens, dem jungen, gutaussehenden und vermögenden Younis nach Bagdad, nicht zuletzt um die belastende und deprimierende Atmosphäre ihres Elternhauses in Wien hinter sich zu lassen. Und ihr neues Leben entwickelt sich erst einmal gut, auch zu meiner Überraschung, da ich nach Lauras Übertritt zum Islam bereits das 'Schlimmste' befürchtete ;-) Auch wenn Younis orientalische Erziehung und Sozialisation immer wieder aufblitzen, gestaltet sich ihr gemeinsames Leben doch als überwiegend harmonisch, erst recht als Laura die kleine Jenny zur Welt bringt...
Es könnte eine Liebesgeschichte sein wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, wenn da nicht immer wieder die böse Politik dazwischen funken würde. Doch es ist die Zeit der Revolutionen im Irak, und so kämpfen nicht nur die Iraker auf der Straße, sondern auch die beiden jungen Menschen um ihre Liebe - aber auch irgendwie nicht. Denn erzählt wird ausschließlich aus Lauras Sicht, und sobald es um unangenehme Dinge geht (Younis könnte in die Revolution verwickelt oder ein Verräter sein oder ...) verschließt sie die Augen und will nichts weiter wissen. Und Younis selbst berichtet nur Nebensächliches. So erfährt man über das Tun von Lauras Ehemann ebenso wie über die historischen Hintergründe nur wenig bis nichts, was ich sehr bedauerlich finde. Auch die Figuren selbst bleiben eher blass, da aus Lauras Perspektive keinerlei intensivere Betrachtungen zu was auch immer angestrengt werden, sondern sich meist auf reine Beschreibungen beschränken.
Auch wenn das Ganze einen biographischen Hintergrund haben mag (die Mutter der Autorin soll als 'Vorlage' für diesen Roman gedient haben), wäre es sicherlich möglich gewesen, das damalige politische Geschehen zu recherchieren und in die Geschichte hineinzuarbeiten. So aber ist es sicherlich kein schlechter, aber doch recht oberflächlicher Liebesroman zweier Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen geworden, der zudem mit ungewöhnlich vielen Rechtschreibe- und Druckfehlern versehen ist. Schade, daraus hätte man mehr machen können.


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