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Rezensionen verfasst von
Xirxe (Hannover)
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Denn wir waren Schwestern: Roman (insel taschenbuch)
Denn wir waren Schwestern: Roman (insel taschenbuch)
von Carrie La Seur
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Eine Hymne auf Montana, 23. Januar 2015
Montana ist die Heimat von Alma, doch mittlerweile lebt sie als erfolgreiche Anwältin in Seattle, hängt aber noch immer mit ganzem Herzen an diesem rauen, wunderschönen Land mit seinen einsilbigen Menschen, auch wenn sie es vor sich selbst nicht zugeben möchte. Als der überraschende Tod ihrer jüngeren Schwester Vicky sie mehr oder weniger nötigt in ihre Heimatstadt Billings zurückzukehren, sieht sie sich gegen ihren Willen gezwungen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dazu belastet sie der mysteriöse Tod ihrer Schwester, bei dem es einige Ungereimtheiten gibt wie auch die Sorge um ihre Nichte Brittanny. Nur wenige Tage will Alma in Montana verbringen, doch diese gestalten sich als eine Herausforderung, wie die toughe Anwältin noch keine zu bewältigen hatte.
Mehr oder weniger sind es eigentlich zwei Geschichten die hier erzählt werden. Zum Einen die Aufklärung der Umstände die zum Tode Vickys führten, zum Anderen Almas Gefühlsleben, das durch die Rückkehr in ihre Heimat und der Begegnung mit ihrer früheren Liebe in ein heftiges Chaos gestürzt wird. Während mir Ersteres zusagte (recht spannend mit einer für mich überraschenden Auflösung), empfand ich den anderen Teil zunehmend eher nervig. Nicht nur die Sprache störte mich ("Alma begreift allmählich die ozeanische Gewalt ihrer Gefühle..." S. 138 oder "...Bergkuppen, die wie Halbgötter über der Herrlichkeit eines Universums aus Hochebenen thronten." S. 152), auch die Vorhersehbarkeit der Handlung. Wer kriegt wen, wer macht was, die Guten (wenn auch mit kleinen Fehlern) sind in Montana, die Schlechten in der Stadt. Nach ca. 1/3 bis zur Hälfte des Buches ahnte ich, wie es ausgehen würde - und so war es denn auch, wie ich am Ende leider feststellen musste (aber, wie schon geschrieben, nicht beim 'Krimiteil').
So fällt mein Resümee etwas unentschieden aus: Die Aufklärung der Todesursache von Vicky habe ich mit Freude gelesen, Almas Gefühlsleben und Vergangenheitsbewältigung war nicht so mein Fall.


Der Klang der Fremde
Der Klang der Fremde
von Kim Thúy
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

4.0 von 5 Sternen Poetische Rückblicke, 11. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Klang der Fremde (Gebundene Ausgabe)
Als Zehnjährige floh die Autorin gemeinsam mit ihren Eltern aus Vietnam und gelangte über Malaysia nach Kanada. In kurzen Stücken, die selten mehr als eine Seite umfassen, blickt die nunmehr 40jährige in diesem Buch in nicht chronologischer Reihenfolge zurück auf ihre Vergangenheit und die ihrer Familie. Viele dieser Erinnerungen bergen den Ansatz für den Sprung zu einer anderen in sich.
Ein Beispiel: Sie berichtet von Kindern der GIs in Vietnam, die zumeist Waisen und/oder Obdachlose wurden. Einem dieser ehemaligen Kinder, einer mittlerweile jungen, obdachlosen Frau, begegnet sie in New York ohne ihr helfen zu können. Dabei erinnert sie sich an einen Onkel, der in Princeton seinen Doktor in Statistik machte und sie fragt sich, ob er die Anzahl der Risiken und Hindernisse berechnen könnte, denen diese junge Frau ausgesetzt war. Davon ausgehend überlegt sie, ob ihm dies auch mit der Berechnung der Wahrscheinlichkeit des Überlebens von Herrn An möglich wäre. Auch Herr An, ein früherer Richter und Universitätsprofessor, ist ein Flüchtling, der Grauenvolles durchmachte und ihr 'die Nuancen gelehrt' hat so wie Herr Minh in ihr den Wunsch zu schreiben weckte. Der Herr Minh, der an der Sorbonne französische Literatur studiert hatte. Und so weiter...
Menschen und Geschehnisse aus der Vergangenheit wecken Erinnerungen an Bekannte aus jüngerer Zeit und andersherum. Und so entsteht nach und nach ein Bild eines vielschichtigen, bunten Lebens, das neben Leid und Schmerz auch viel Wärme und Freude erlebt hat. Besonders eindrucksvoll empfand ich die Liebe und Dankbarkeit zum Dasein, die immer wieder durch die poetischen Sätze hervorklingen trotz all der entsetzlichen Dinge, die Kim Thúy erlebt hat. Ein berührendes Buch!


Schwimmen mit Elefanten: Roman
Schwimmen mit Elefanten: Roman
von Yoko Ogawa
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schach - das Eintauchen in den Ozean, 8. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen mit Elefanten: Roman (Taschenbuch)
Ein kleiner Junge, geboren mit zusammengewachsenen Lippen und entstellt durch eine verpfuschte Operation, entdeckt (indirekt durch einen Toten) seine Liebe zum Schachspiel. Ein ehemaliger Busfahrer, der jetzt als Hausmeister im Wohnheim seiner früheren Kollegen arbeitet und nun in einem ausrangierten Bus lebt, lehrt dem Kleinen die Regeln, aber auch den tieferen Sinn für das Spiel. Dieser taucht völlig darin ein, in 'Ein Meer, in dem Elefanten baden.', zumal er dort einen der wenigen Freunde wiederfindet, die er hat: Es ist Indira, ein verstorbener, früher auf dem Dach eines Kaufhauses lebender Elefant, den er in seinen Läufern wiederentdeckt (statt des Läufers gab es ursprünglich eine Figur 'fil' bzw. 'alfil', was Elefant bedeutet. Im Russischen heisst der Läufer noch immer Elefant.) Durch die Vermittlung seines Lehrers erhält er die Möglichkeit, in einem mysteriösen Schachclub zu spielen, jedoch nicht wie üblich an einem Tisch sondern unerkannt in einem Schachautomaten, was dem kleinen Jungen sehr entgegenkommt. Denn seine Fähigkeiten entfaltet er am besten, wenn er unter dem Tisch sitzt und das Spiel von unten betrachtet. Sein Können spricht sich herum und so erhält der Schachautomat schon bald den Namen 'Kleiner Aljechin' nach einem berühmten Schachweltmeister.
Es ist eine Geschichte, die zu Beginn trotz ihres poetischen Stils recht realistisch anmutet. Doch je weiter sie fortschreitet, umso unerklärlicher und seltsamer wirkt das Geschehen. Für den Jungen, der beschließt nicht mehr zu wachsen ('Größerwerden ist eine Katastrophe'), ist Schach nicht nur ein Zeitvertreib, sondern das Leben, einfach alles. Mir schien es immer mehr wie eine Art des Zen: Der Junge als Zen-Schüler, der durch seinen Meister an die Praxis herangeführt wurde und diese immer weiter verbessert hat (lt. Wiki: 'Ein anderer, ebenso wichtiger Teil der Zen-Praxis besteht aus der Konzentration auf den Alltag. Dies bedeutet einfach nur, dass man sich auf die Aktivität, die man gerade in diesem Augenblick ausübt, vollkommen konzentriert, ohne dabei irgendwelchen Gedanken nachzugehen.'...'Den Schülern wird die Bereitschaft zur Aufgabe ihres selbstbezogenen Denkens und letztlich des Selbst abverlangt.'), bis am Ende die Erleuchtung steht. Lt. Wiki '...ein oft plötzlich eintretendes Erleben universeller Einheit, d. h. die Aufhebung des Subjekt-Objekt-Gegensatzes...'.
Ob dies nun stimmen mag oder nicht, in jedem Fall ist es eine schöne, poetische und etwas märchenhafte Geschichte, deren eigentliche Bedeutung sich ohne Hinweise wohl nie erschließen wird. Aber muss man immer alles verstehen ;-) ?


Vegan to go - Schnell, einfach, lecker
Vegan to go - Schnell, einfach, lecker
von Attila Hildmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 3,5 Sterne sind leider nicht wählbar, 4. Januar 2015
Nachdem ich von dem Kochbuch 'Vegan for fit' eher abgeschreckt wurde (zu kompliziert, schwierig zu bekommende Zutaten...), schien mir 'Vegan to go' eine gute Alternative, um diese Kochform kennenzulernen. Schnell und einfach suggeriere ich mit 'To Go' - also genau das Richtige für Berufstätige. Und dann auch noch gesund - Herz, was willst du mehr ;-) ? Leider scheinen Attila Hildmann und ich aber doch eher unterschiedliche Auffassungen von 'To Go' zu haben. Doch der Reihe nach:
Die Aufmachung des Buches ist ansprechend und übersichtlich. Zumeist gibt es pro Rezept eine Doppelseite - Bild und Text, häufig ist insbesondere der Text sehr großzügig gesetzt. Die Bilder sind sehr appetitanregend und machen Lust, gleich loszukochen. Positiv finde ich auch, dass wirklich der Großteil des Buches den Rezepten vorbehalten ist. Auch wenn das bei einem Kochbuch selbstverständlich sein sollte, finden sich doch gerade bei Büchern einer 'neuen' Kochrichtung häufig seitenlange Ausführungen zu den Vorteilen einer Umstellung, was beachtet werden muss undundund, sodass der Rezeptanteil manchmal nur noch die Hälfte (oder noch weniger) der Seitenzahl beansprucht. Hier werden für die Einleitung gerade mal ein 1/6 bis 1/7 veranschlagt, was auch ausreicht.
Die Rezepte selbst sind lecker, zumindest die fünf die ich versucht habe. Das Nachkochen gelingt meist problemlos, allerdings (und hier kommt der Grund für den Punktabzug) unter 'To Go' verstehe ich etwas anderes. Wenn ich für ein Rezept ca. 15 Zutaten benötige, darunter so Dinge wie 'Tempeh' (musste ich erst nachschlagen was es bedeutet) und mindestens 60 Minuten für die Zubereitung benötige laut Anleitung (wobei ich deutlich länger brauche für alles), ist für mich dieser Ansatz schnell und unkompliziert verfehlt. Nochmal: Die Sachen sind lecker (vermutlich auch die, die ich noch nicht versucht habe), aber 'To Go' ist etwas anderes.
Da ich jetzt weiss, woran ich bin, kann ich mich darauf einstellen. Wer es allerdings nicht so mit dem 'Normalkochen' hat, dürfte deutlich seltener zu diesen Rezepten greifen.


Mops und Totschlag: Ellermann ermittelt
Mops und Totschlag: Ellermann ermittelt
von Victor Thoma
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Ganz ok für zwischendurch - aber mehr auch nicht, 29. Dezember 2014
Sooo viele begeisterte Rezensionen für dieses Buch - habe ich ein anderes gelesen? Oder bin ich einfach die falsche Leserin dafür? Kann natürlich auch sein ;-)
Ein eher erfolgloser und etwas träger Musiker, der sich mehr schlecht als recht als Klavierlehrer durch's Leben schlägt und durch seine überdurchschnittliche Schüchternheit noch ein zusätzliches Handicap aufweist, wird gleich durch zwei Ereignisse aus der Gleichförmigkeit seines Lebens gerissen: Die schöne aber auch mysteriöse Josephine, in die Ellermann sich verliebt hat, bittet ihn um Hilfe auf der Suche nach einem Mops, den sie zur Pflege hatte und der ihr entwischt ist. Gleichzeitig wird eine Klavierschülerin von ihm tot aufgefunden und ihre Diamanten sind verschwunden. Auf fast unerklärliche Weise wird Ellermann in diesen Fall hineingezogen und plötzlich findet er sich in einem Gewirr von Mord und Diebstahl wieder, in dem auch der verschwundene Mops eine Rolle zu spielen scheint. Von Josephine ganz zu schweigen...
Das mag sich alles erst einmal recht nett und amüsant anhören, doch bei mir kam diese Art des Humors nicht so richtig an. Ich haderte mit dem Protagonisten bzw. dessen Lebensumständen, die mir derart unglaubwürdig vorkamen, dass ich mich immer wieder fragte: "Wie kann er sich eine Haushälterin leisten? Was ist mit den anderen KlavierschülerInnen? Von was lebt er? Wie kann man nur so blöd sein?" (Letzteres bezieht sich auf Josephine ;-) Ok, Liebe macht blind, aber sooo blind?). Dazu kommt die Figur des Therapeuten der dies alles erzählt, von der mir auch bis jetzt noch nicht so klar ist, was ihr Part der Geschichte ist. Weshalb schildert Ellermann nicht gleich das Ganze? Das wäre um einiges sinnvoller gewesen. Auch wenn die Lösung des Falles bzw. der Fälle doch überraschte, hat sie für mich diesen Romankrimi (oder wie immer man das nennen mag) nicht gerettet. Durchschnittliche Kost - also eigentlich 2.5 Sterne.


Der Hals der Giraffe: Bildungsroman
Der Hals der Giraffe: Bildungsroman
von Judith Schalansky
  Audio CD
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lehrreich und traurig - ein beeindruckendes Stück Literatur, 28. Dezember 2014
Inge Lohmark, Biologie- und Klassenlehrerin einer 9. Klasse eines Gymnasiums im Osten, das mit dem Abitur dieser Stufe geschlossen werden soll, ist eine Frau, die sich Gefühle jeglicher Form versagt. Überkommen sie 'Anwandlungen' dieser Art, womöglich sogar in Anwesenheit anderer Menschen, geht sie sofort hart mit sich selbst ins Gericht und macht sich klar, wie unsinnig diese sind. Das Leben ist nichts als Biologie - und Gefühle haben dort nichts zu suchen, denn sie bringen keinen Nutzen. Ebenso rigoros beurteilt sie ihre Schülerinnen und Schüler, worüber man erst grinst ("..sie sind Blutsauger, die sich vom Lehrkörper ernährten.." oder über Schüler Tom: "Winzige Augen im feisten Gesicht. Geistloser Ausdruck. Noch ganz benommen von der nächtlichen Pollution. Ein Grottenolm war schöner...") bis einem die ganze Verachtung deutlich wird, die sie für diese Jugendlichen hegt. Doch auch ihr restliches Umfeld wird davon nicht ausgenommen: ihre Lehrerkollegen, der Nachbar, ehemalige Freunde.
Eine unsympathische Frau, keine Frage, doch je mehr man über sie erfährt, umso deutlicher wird, wie bemitleidenswert diese 55jährige ist, die offenbar Zeit ihres Lebens niemals gelernt und erfahren hat, Gefühle zu vermitteln und zu bekommen. Und es zeigt sich immer deutlicher, dass sie insbesondere mit ihrem eigenen Leben hadert - war das Alles?
Dagmar Manzel liest diesen Roman derart kunstfertig, dass man Inge Lohmark 298 Minuten vor sich sieht. Als unnahbare, gefühllose Lehrerin in einem kalten, harten Ton wie auch als die Frau, die sich an ihren Vater erinnert oder an ihre letzte wahre Liebe - weich, sanft und leise wird dann die Stimme Lohmarks. Auch die Interpretationen der weiteren Personen sind gut getroffen - Dagmar Manzel verleiht wirklich allen eine eigene Persönlichkeit, egal ob SchülerIn oder KollegIn.
Ein tolles Hörbuch, das unterhält und gleichzeitig das Biologiewissen auffrischt. Das fordert jedoch beim Zuhören ein bisschen Konzentration ein ;-)


Halbnackte Bauarbeiter : Roman.
Halbnackte Bauarbeiter : Roman.

4.0 von 5 Sternen Vergnügliche Lektüre für zwischendurch, 3. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Halbnackte Bauarbeiter : Roman.
Fast 40jährige Singlefrau, Durchschnitt pur, ohne Superjob, Superbody, Superwohnung, Superfreunde kämpft sich so recht und schlecht, ohne große Höhen und Tiefen durch's Leben. Als dann eine Art 'Lichterscheinung' (Brad-Pitt-Verschnitt) in ihr Leben treten will, schafft sie es auch noch, das zu verhindern. Doch der Ärger über die verpasste Chance ist groß und mit allen möglichen Mitteln versucht sie diese Chance nochmals zu bekommen.
Dies und den ganz normalen drögen Alltag mit all den üblichen Problem(chen)en, Hindernissen und manchmal auch Lichtblicken schildert die Autorin aus Sicht ihrer Protagonistin Ute in leicht genervtem, aber für die LeserInnen vergnüglich zu lesendem Tonfall. Insbesondere dadurch, dass es immer wieder Szenen gibt, in denen man(?)/frau sich wiedererkennen kann. Kein Buch für große Lacher, aber zum Schmunzeln reicht es allemal. Und das ist doch auch schon was!


Die Webers eine deutsche Familie 1932-45
Die Webers eine deutsche Familie 1932-45
von Noack Hans-Georg
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur für Jugendliche!, 3. Dezember 2014
Es wird die Geschichte der Familie Weber in den Jahren 1932-45 erzählt, eine Geschichte die sich vermutlich so oder so ähnlich tausendfach in vielen anderen Familien ebenfalls ereignet hat.
Der Vater, Sozialdemokrat, verhält sich nach einer Verhaftung eher zurückhaltend, aus Angst und Sorge um seine Familie. Doch die zunehmende Ungerechtigkeit und Brutalität gegenüber Andersdenkenden, Juden, Kranken und Alten sowie die Furcht vor einem Krieg lässt ihn im Widerstand aktiv werden. Sein ältester Sohn hingegen wird mit 10, 11 Jahren begeistertes Mitglied bei den Pimpfen und mit der Zeit ein überzeugter Anhänger Hitlers. Die Spannungen in der Familie steigen...
Zwischen die Kapitel mit den Erzählungen aus der Familie Weber hat der Autor wiederholt geschichtliche Informationen der damaligen Zeit eingefügt, so dass den Leserinnen und Lesern klar wird, vor welchem Hintergrund sich das Leben damals abspielte. Dadurch ertappt man sich immer wieder dabei, sich selbst vorzustellen: 'Wie hätte Ich damals gehandelt?'
Alles in allem: Sehr empfehlenswert! Man lernt nicht nur etwas über das Dritte Reich, das Buch regt auch zum Nachdenken an. Und nicht nur für Jugendliche geeeignet, sondern ebenso für Erwachsene!


Bericht eines Schiffbrüchigen.
Bericht eines Schiffbrüchigen.
von Gabriel Garcia Marquez
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Eindrücklicher Tatsachenbericht, 3. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Bericht eines Schiffbrüchigen. (Broschiert)
Diese Geschichte, die sich tatsächlich ereignet hat, ist schnell erzählt: Mann geht über Bord und treibt 10 Tage ohne Essen, Trinken und Werkzeuge auf einem Floß auf dem Meer bevor er das Festland erreicht. Sollte jemand einen Bericht à la Robinson Crusoe erwarten, wird er/sie enttäuscht. An tatsächlichen Ereignissen geschieht wenig bis nichts. Der Schiffbrüchige, dessen Bericht Marquez aufgezeichnet hat, schildert sachlich und detailliert sein Überleben auf dem Floß. Anschaulich wird dargestellt, wie selbst in Momenten der völligen Verzweiflung und Kraftlosigkeit sein Lebenswille wieder die Oberhand bekam. Beeindruckend!


Kokain von Pitigrilli. (2002) Taschenbuch
Kokain von Pitigrilli. (2002) Taschenbuch
von Pitigrilli.
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen!, 3. Dezember 2014
Was für ein Buch! In den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts (das Buch wurde 1922 veröffentlicht) flüchtet ein junger Mann aus Liebeskummer nach Paris. Dort wird er mehr oder weniger zufällig Journalist und verfällt dem Kokain ebenso wie zwei Frauen, zwischen denen er hin- und hergerissen ist: Seine alte Liebe von einst, früher Maddalena, jetzt Maud, 'hatte die ganze Skala einfacher Liebe durchschritten, um sich auf die Suche nach dem Laster zu machen.' Und Kalantan, die bildschöne Armenierin, 'die durch die kompliziertesten Formen des Lasters gegangen, um die Einfachheit von Umarmungen ohne Raffinement zu suchen.'
Doch es würde diesem Buch nicht gerecht, reduzierte man es allein auf diese Liebesgeschichte. Pitigrilli hält der damaligen Gesellschaft einen Spiegel vor und stellt ihre ganze Oberflächlichkeit und Verlogenheit bloß. Das Ganze wird dazu mit Witz und Intelligenz erzählt - es ist eine wahre Freude dies zu lesen. Ein paar Beispiele hierzu:
'Man muss heiraten, um die Art der Langeweile zu verändern.'
Eine Krankenschwester tröstet einen todkranken Patienten: 'Bedenke doch,...dass dein eines Bein schon im Paradies ist, und dass du nun bald wieder mit ihm vereinigt sein wirst.'
'...erste Anzeichen nahenden Alters. Es ist das Alter, in dem die Männer anfangen, sich braun zu kleiden.'
'Das Mönchlein erklärte ihm, dass man Christus lieben müsse, weil er sich für die Menschheit geopfert habe. Und Tito erwiderte ihm, dass dann die Maulwürfe und Kaninchen, die in den physiologischen Laboratorien geopfert würden, um neue Heilmittel zum Wohle der Menschheit auszuprobieren, ebensogut Jesus Christus seien.'
Und so weiter...
Dazu kommt noch eine ganz eigene Art der Erzählung der Genesis, ein wunderbares Plädoyer für Mütter von unehelichen Kindern, eine ausführliche Diskussion weshalb Prostituierte bessere Ehefrauen sind als Witwen, Überlegungen wie man Gefühle (insbesondere Eifersucht) durch Krankheiten heilen kann, viele Gedanken zum Thema Frauen und Männer und vieles mehr. Und auch wenn ich mich wiederhole: Dieses Buch erschien 1922!
Der einzige Wermutstropfen: In diesem Buch wimmelt es von altmodischen, französischen und spanischen Ausdrücken, die zum Teil auch weder per Lexikon noch Internet zu klären waren. Ein Anhang wäre hier sehr hilfreich gewesen.


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