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Rezensionen verfasst von
tim4812 (Uelzen)

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Black Mass
Black Mass
DVD ~ Johnny Depp
Wird angeboten von Filmwelt
Preis: EUR 7,85

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen PACKT MIT DEM TEUFEL - SUPER INSZENIERT, NUR ETLICHE JAHRE ZU SPÄT, 5. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Black Mass (DVD)
Johnny Depp ist beängstigend gut, sein Maskenbildner noch eine Spur besser und alle übrigen Beteiligten an diesem Film liefern eine fraglos bemerkenswerte Arbeit ab, wobei hier besonders der Kameramann mitsamt seinem Beleuchter Erwähnung finden sollten, welche selbst im sonnigen Florida dafür Sorge tragen, daß die Stimmung düster bleibt.
Nur wem bleibt 2016 bei einem Streifen solcher Art noch groß die Spucke weg, der in den letzten 30 Jahren mit einer Fülle an Blockbustern, Independent-Produktionen und TV-Serien aus aller Welt konfrontiert wurde, wo psychotische Mafiosi, korrupte Cops und über Leichen gehende Karrieristen aus Politik, Justiz und Secret Service auftreten, als wäre die Welt ihr Selbstbedienungsladen?
Wenn es mediale Produkte wie DIE SOPRANOS, DEPARTED, THE WIRE, TRUE DETECTIVE, CITY OF GOD sowie diverse Abhandlungen über die KRAYS (ganz zu schweigen von Fabrikaten wie MACHETE - lustig - bzw. THE TAKE - ZWEI JAHRZEHNTE IN DER MAFIA - völlig daneben) nie gegeben hätte und somit das Wort "Schw . . . lutscher" von fiktiven Vertretern des Syndikats als auch der Polizei nicht schon tausendmal auf Leinwand oder Bildschirm ausgesprochen worden wäre - ja dann würde BLACK MASS wirklich 5 Sterne verdienen.


American Sniper
American Sniper
DVD ~ Sienna Miller
Preis: EUR 5,00

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen VERSTAUBTE INSZENIERUNG à la EASTWOOD, 26. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: American Sniper (DVD)
Sicher nervt zuweilen der patriotische Grundton, aber was hilfts? Der Protagonist ist nun mal ein vollrohr vaterländisch Gesinnter, der mit mahlenden Kiefern die Hölle der Navy-Seal-Ausbildung durchschrammt. Für God's Own Country ("dem schönsten Land der Welt") erschießt er 160 Feinde, darunter auch Kinder. Daß seine Kameraden ihn zur Legende hochstilisieren, bedeutet ihm nicht viel. Er droht am Krieg zu zerbrechen, zieht gerade noch rechtzeitig die Reißleine und findet Halt bei seiner Familie. Diese tragische Figur wird von Bradley Cooper souverän verkörpert - übertriebene Rambogesten fehlen, hier ist der kühl kalkulierende Macher am Werk, dem allmählich der Boden unter den Füßen schwindet.
Schade nur, daß so ein uninspirierter Knochen Regie führen mußte. Jeder Abschnitt dieses Streifens wirkt altmodisch in Szene gesetzt, gemessen an den packenden Vorreitern, die z.T. schon ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel haben:

FULL METAL JACKET / DIE AKTE JANE : Die Ausbildung zum Marine bzw. Navy Seal ist nicht von Pappe
EIN OFFIZIER UND EIN GENTLEMAN : Bevor Soldat Frau fürs Leben in die Arme schließen darf, sollte er drei Filmminuten lang ihr überagiertes Gezicke aushalten können.
SAVIOR : Heckenschütze schießt auf Jungen.
BLACK HAWK DAWN : "Häuserkampf" erweist sich für den bis an die Zähne mit Vernichtungstechnik ausgestatteten Angreifer als aussichtslos.
GREEN ZONE : Zwischen US-Militär und der irakischen Bevölkerung bestehen unüberwindbare Kommuniktionsschranken.
TÖDLICHES KOMMANDO (THE HURT LOCKER) : Marine kommt nach jedem weiteren Einsatz im Irak weniger mit dem Alltag daheim zurecht.

Diese Dramen enthüllen rigoros, daß sich Krieg auch nach tausenden von Jahren nicht als Mittel zur Konfliktlösung eignet - im Gegensatz zu Eastwoods konventionellem Lehrstück, geistern sie einem noch ewig im Kopf herum.
Ach nee, so wie Eastwood drehte man vor 50 Jahren. Allein die Zeichnung des Feindes - finstere Turbanköpfe mit rollenden Augen - Rück-ständig! Rück-ständig!


Maria Stuart
Maria Stuart
von Stefan Zweig
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

4.0 von 5 Sternen SCHICKSAL AUS DEM 16. JAHRHUNDERT LEBENSNAH ERZÄHLT, 22. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Maria Stuart (Gebundene Ausgabe)
Stefan Zweig überwindet die Distanz zu dem fünfhundert Jahre hinter uns liegenden Geschehen, indem er Maria Stuart seine leidenschaftliche Stimme verleiht. Er begleitet ihr Leben wie ein Vater, Bruder, Berater, Liebhaber und Troubadour: bewundernd schildert er Stuarts in Gefahren und Bedrängnis erwachenden Mut, verzweifelt kommentiert er ihre mangelnde Fähigkeit, die Staatsräson vor das mit Blindheit geschlagene Gefühl zu setzen. Als Leser gewinnt man zu dieser Figur eine Nähe, als hätte man deren persönliche Briefe gelesen.
Zweigs Vergleich Stuarts mit der Gegenspielerin Elisabeth I., die ihn durch ihre verklemmte Eitelkeit wohl weniger zu einem Roman inspirierte, fällt nüchtern aus: er setzt sie, im Gegensatz zu Stuart, als moderne Regentin ins Bild, die den Wohlstand der Bevölkerung durch vielfältige Maßnahmen im Land und auf See fördert und nicht nur in Verteidigung und Bestätigung ihres gesalbten Thronrechts die ausschließliche Herrscherrolle sieht.
Maria Stuart hinterließ in Schottland keine bleibenden Spuren. Dennoch rief sie immer wieder Dichter und Schriftsteller auf den Plan, dem Schicksal dieser vielfach romantisch verklärten Königin nachzuspüren. Vermutlich kann man dieses Phänomen mit Faktoren wie Schönheit, bizarre Verhaltensweisen, diverse Liebesgeschichten und einer gewissen Verruchtheit begründen, die uns noch heute wohlige Schauer über den Rücken jagen.


The Walking Dead - Die komplette zweite Staffel [4 DVDs]
The Walking Dead - Die komplette zweite Staffel [4 DVDs]
DVD ~ Andrew Lincoln
Preis: EUR 24,99

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen ZOMBIES HUI - PALAVER PFUI !, 17. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Serie überraschte mich mit ihren schonungslosen Gewaltdarstellungen: jedes erdenkliche Objekt, das bei richtiger Handhabung irreparable Schädel- und Hirntraumata herbeiführt, kommt zum Einsatz. Im Gegenzug wird von Seiten der Untoten kräftig zurück gebissen und gekratzt: gehörige Fleischpartien aus Schulter, Wade oder Gesicht fallen reißenden, kariösen Zähnen zum Opfer, Bauchdecken geraten durch schmutzige Fingernägel in üble Bedrängnis. Pornografische Zerfleischungs-Szenen dieser Art kannte ich bereits aus THE EVIL DEAD (TANZ DER TEUFEL - 1981). Und nun läuft sowas als Familienunterhaltung im Fernsehen - WOW!
Die Endzeitstimmung ist glaubhaft eingefangen: Bilder von verwaisten Boulevards, angenagten Vorstädten, erstarrten Blechlawinen auf dem Highway und mittendrin zuweilen eine wesende Leiche - ja, so mag THE DAY AFTER aussehen. Offenbar scheute man weder Produktionskosten noch Mühen mit den Zensurbehörden.
Nur wem nützt der ganze Aufwand, wenn die Macher keinen einzigen holperfreien Dialog schreiben können? Dialoge nehmen in der zweiten Staffel einen immensen Raum ein, sind aber allesamt umständlich, langatmig und unausgegoren. Probleme, welche angesichts einer solchen Katastrophe unweigerlich auftauchen, werden von den Überlebenden solange zerredet, bis der Zuschauer das gesamte Ensemble zum Kuckuck wünscht, ausgenommen Daryl, den angenehmen Hinterwäldler, dessen Text sich auf knapp zwanzig Worte pro Folge beschränkt. Sprachlosigkeit trotz Dauerdiskussion - Verfasser von Zwiegesprächen sollten heutzutage mehr drauf haben, als das Vorabend-TV-Geplapper der 80er.
Und nun auf zur dritten Staffel. Dort sollen frisch geölter Teamgeist und gute, fachliche Praxis im Umgang mit Wiedergängern dem kontraproduktiven Blabla den Rang ablaufen.


Criminal Minds - Die komplette erste Staffel [6 DVDs]
Criminal Minds - Die komplette erste Staffel [6 DVDs]
DVD ~ Mandy Patinkin
Preis: EUR 9,97

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen DIE RÜCKKEHR DER PAPPKAMERADEN, 17. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Serien wie BREAKING BAD, THE WIRE oder DAMAGES bestachen durch ihre Figurenzeichnung: ca. 25 Jahre nach DETEKTIV ROCKFORD machte Ami-Fernsehen mal wieder Spaß, da sich der Zuschauer endlich mit Charakteren konfrontiert sah, die aus Fleisch und Blut zu bestehen schienen. CRIMINAL MINDS wirkt dagegen wie ein Rückschritt in die Steinzeit. Die Hauptdarsteller, die z. T. schon ihr Unwesen in CHICAGO HOPE trieben, lassen ebenso hier wie dort nur zwei Wesenszüge erkennen: die mechanische Hingabe zum jeweiligen Job und gutes Aussehen. Aber wie sollten sie auch Persönlichkeit entfalten, wenn Verleiher und Verfasser ihrem Team für die Lösung eines komplexen Falles höchstens eine Dreiviertelstunde einräumen.
Pluspunkt: jede Folge wartet auf mit Sinnsprüchen von Personen aus der Politik- und Kriminalgeschichte, also Kriegern, Schlächtern, Massen- u. Serienmördern, wie auch mit Informationen über tatsächliche Verbrechen.


Die Geschichte Europas
Die Geschichte Europas
von Dietrich Schwanitz
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen MANCHMAL ANSCHAULICH, MANCHMAL STRÄFLICH KNAPP, 18. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Geschichte Europas (Taschenbuch)
Wenn jemand europäische Geschichte von ihren Anfängen bis heute in eine Publikation von 300 Seiten zwingt, argwöhnt man eine Kette von simplifizierten Wiedergaben komplexer Geschehnisse herbei. In diesem besonderen Fall verblüfft aber der Autor den Leser immer wieder mit anschaulichen Skizzen und nachhaltigen Analysen.
Das Kapitel DIE GRIECHEN, DER OLYMP UND DIE HEROEN DER LITERATUR verdichtet auf wenigen Seiten verständlich und einprägsam die griechische Götterwelt.
Im Kapitel DIE BIBEL kann sich der Autor seiner Ablehnung gegenüber dem Christentum nicht enthalten: etliche Passagen wirken auf den Leser karikativ, z. B. die atemberaubende Schlußfolgerung auf den Seiten 36 - 37, wo die Kreuzigung Christie als Rückkehr der Menschen zum Menschenopfer beschrieben- und daran Hegels dialektischer Prozeß der Weltgeschichte geknüpft wird.
Der KLASSISCHEN ANTIKE hingegen zollt der Autor ohne ein Fünkchen Ironie tiefste Bewunderung. Seine Verehrung für die griechischen Philosophen gipfelt in dem Satz: "Über Platons Wirkung ist gesagt worden, daß die europäische Philosophie aus nichts als Platons Fußnoten bestehe."
Die RÖMISCHE GESCHICHTE liest sich flott und macht deutlich, daß diese die Welt bis heute prägende Epoche niemals auf acht Seiten abgehandelt werden darf.
In DAS CHRISTENTUM werden die Wunder Jesu z. T. auf griechische Vorbilder zurückgeführt, z. B. die Tempelreinigung, die sich von der Stallreinigung des Augias ableiten soll. Ferner wird der Frage nachgegangen, wann sich Christus zum Messias erklärte.
DAS MITTELALTER wartet mit einer soliden Beschreibung des feudalen Systems auf; dafür nehmen die nahezu 1000 Jahre des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gerade den Raum einer Randnotiz ein.
In DIE NEUZEIT sind die Beschreibungen des Genfer Gottesstaates unter Calvin (den Schwanitz als "protestantischen Ayatollah" bezeichnet) ebenso aufschlußreich wie sein Fazit zur nationalen Kultur, die durch den 30jährigen Krieg in einen hundert Jahre dauernden Tiefschlaf geraten sei.
In DAS 17. JAHRHUNDERT macht der Autor erneut keinen Hehl aus seiner Anglophilie. Hierbei stechen vor allem seine verbalen Zuspitzungen im Hinblick auf den Puritanismus und seiner Folgen hervor: "Die protestantische Mentalität ist durch ständige Selbstkontrolle und Selbstprüfung bestimmt (das disponiert heute die Amerikaner für die Psychoanalyse)".
Das 18. JAHRHUNDERT hebt sich bemerkenswert von konventioneller Geschichtsschreibung ab: abermals wird der Fehlentwicklung Preußens und Russlands zu totalitären Staaten das Ideal Englands, Frankreichs und der USA gegenübergestellt. Gelungen ist die mit wenigen Strichen gezeichnete Auseinandersetzung zwischen England und Frankreich unter Einbeziehung ihrer Kolonien in Nordamerika.
Das 19. JAHRHUNDERT ist wiederum von des Autors Abneigung gegenüber Preußen durchdrungen. Unter der Prämisse "Nur ein demokratisch legitimierter Staat kann sich ein Nationalgefühl leisten" richtet sich seine Argumentation gegen Bismarcks Politik und die sich daraus bis zum Dritten Reich ergebenden Folgen.
Mit das 20. JAHRHUNDERT endet der Galopp durch die Historie. Eindrucksvoll sind die Passagen über den hoffnungsvollen Beginn, der 45 Jahre später den größten Teil Europas in einen Trümmerhaufen verwandelte, unter dem 70 Millionen Tote vergraben lagen. Das Nazi-Regime wird als Albtraum beschrieben. Erst die 68er sagten den weiterhin praktizierenden "Eliten" von damals ihr komplettes moralisches Versagen offen ins Gesicht. Obwohl Schwanitz der Studentenrevolte schwärmerisch zuneigt, da sie die überfällige Kulturrevolution einleitete, distanziert er sich in konservativ "witziger" Weise von den Intellektuellen: "In den entscheidenden Fragen hat es die Bundesrepublik noch immer geschafft, ihre Intellektuellen zu ignorieren. Auch das war ein Glück."
Der weitere Werdegang der BRD inklusive Wiedervereinigung wird positiv oder allenfalls milde kritisch gezeichnet. Seinen Wunschtraum einer demokratischen Grundordnung ohne Stände scheint er darin nun endlich verwirklicht zu sehen.
Stilistische Ärgerlichkeiten:
"Christus wurde etwas gefoltert."
"Apostel Paulus war der christliche Trotzki."
Luthers Ablehnung der Juden wird mit dem Aufruf zu einer Reichskristallnacht gleichgesetzt (S.84).
Der Absatz über Thomas von Aquin endet in einer trivialen Beschreibung seiner Fettleibigkeit (S. 88).
Das Verhältnis zwischen Friedrich Wilhelm I. und seinem Sohn Friedrich II. wird mit Begriffen wie "Macho" und "Weichei" beschrieben (S. 120).
Ludwig XVI. war "ein ziemlich ratloser Depp."
"Das war der Weg Bismarcks. Er hat die Deutschen in die Sch... geführt."


Die Flüsterer: Leben in Stalins Russland
Die Flüsterer: Leben in Stalins Russland
von Orlando Figes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4.0 von 5 Sternen STALINZEIT = LEIDENSZEIT, 3. November 2014
Orlando Figes Buch spiegelt die Auswirkungen der Stalinistischen Gewaltherrschaft auf die russische Nation wieder. Interviews mit betroffenen Überlebenden werden darin aufgezeichnet.
Stalins Regierungszeit war (abgesehen von den Jahren des Zweiten Weltkriegs) durch Terrorwellen unterschiedlicher Intensität gekennzeichnet, wobei der Autor an einer kaum überschaubaren Anzahl von Menschen aus unterschiedlichen Schichten folgende Phänomene herausarbeitet:
- Die von staatlicher Willkür, Armut, Hunger und Verlust von Angehörigen geprägte Anpassungsfähigkeit des Einzelnen.
- Das Festhalten an der Vatergestalt Stalins durch etliche, die in der Hölle des GULAG täglich ums Überleben kämpften.
Stalin startete einen Angriff gegen das eigene Volk, wobei ihm als Klassenkämpfer die Ausrottung bestimmter Gesellschaftsschichten (Kulaken, Bürgerliche, Adlige) besonders am Herzen lag.
Eher nebenbei begründet der Autor die an Opferzahl herausragende Terrorwelle der späten 1930er Jahre mit der Absicht Stalins, jeden inneren Widerstand im Angesicht eines drohenden Krieges mit Stumpf und Stiel auszumerzen: das einst zaristische Regime, welches sich seit 1914 mit dem Deutschen Reich im Stellungskrieg befand, wurde durch die 1917 ausbrechende Revolution maßgeblich geschwächt.
Figes schenkt abweichend von den vielen Personen, die in seinem Buch auftauchen und wieder verschwinden, dem Dichter Konstantin Simonow höchste Beachtung: dieser Prototyp eines Opportunisten überwand seine durch Geburt und Herkommen belastete Position und wurde für lange Zeit der unangefochtene Hofdichter des roten Zaren - jemand, der nicht von heute auf morgen in die tödliche Ungnade des Diktators fiel, stellte eine Ausnahmeerscheinung dar. An Simonow wird deutlich, daß Rücksichtnahmen auf andere Menschen - einschließlich Familienmitgliedern - für das eigene Fortkommen und Überleben nach dem herrschenden Faustrecht des Dschungels gefährlich- und daher zu unterlassen waren.
Bei fortschreitender Lektüre beginnt die Empfindung des Lesers schließlich an der Fülle aufgezeigter Schicksale zu leiden.


Monsieur Claude und seine Töchter
Monsieur Claude und seine Töchter
DVD ~ Christian Clavier
Preis: EUR 7,99

24 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Monsieur Claude und seine Schwiegersöhne" wäre treffender, 30. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Monsieur Claude und seine Töchter (DVD)
Ganz lustig sind die Reibereien der Schwiegersöhne untereinander: pausenlos entschlüpfen ihnen Negativklischees über die Kulturkreise der anderen und ein jeder spielt sofort die Mimose, wenn er persönlich angerempelt wird, den eigenen vor zehn Sekunden geleisteten Fauxpas gar nicht zur Kenntnis nehmend. Mangelnde Selbstreflektion liefert dem Film die komische Grundlage, wobei dieser selten den heiklen Schwellenwert des Vorabendprogramms überschreitet (FSK: geeignet ab 0 Jahren). Recht niedlich inszeniert ist dann auch, wie Monsieur Claude und der afrikanische Patriarch, zwei stolze Klotzköpfe vor dem Herren, innerhalb nur eines Nachmittages nach geglücktem Fischfang und ein paar Gläsern Wein dickste Freunde werden.
Bemerkenswert dagegen, wie es die Darstellerinnen der Mütter verstanden, ihren undankbaren Nebenrollen Geist und Seele einzuhauchen. Aber die im Titel erwähnten Töchter? Blasser hätte man die gar nicht zeichnen können: bis zum Filmende vermochte ich sie kaum auseinanderzuhalten, da sich ihre Funktion auf reines Stichwortgeben beschränkte. Nein, nein - etwas mehr Seele sollte ein Skriptschreiber schon in diese Figuren investieren, damit das Ganze nicht endgültig zur glatten Operette verkommt.
Die gelungenste Szene ließ mich zwischen der Vergabe von zwei oder drei Sternen schwanken: das Nesthäkchen stellt den Eltern ihren schwarzen Verlobten vor. Das nach dem Aufeinandertreffen eintretende Schweigen versucht er mit dem wunderbaren Satz zu brechen: "Liebling, du hättest mir ruhig sagen können, daß deine Eltern weiß sind!" Etwas mehr davon und meine Kritik wäre milder ausgefallen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 2, 2014 5:29 PM CET


Der Schatz im Silbersee
Der Schatz im Silbersee
DVD ~ Lex Barker

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beinahe so lustig wie der "Schuh des Manitu", 17. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Schatz im Silbersee (DVD)
Wegen der Schatzkarte müssen zu Beginn etliche dran glauben, wobei sich deren Funktion dem Zuschauer nicht wirklich erschließt - sie stellt eine völlig beliebige Landschaft vor, einen blauen Klacks, umzingelt von umgedrehten Vs und grünen Strichen. wie von Klein Erna mit Fingerfarben gemalt.
Gleichrangig zum Brüllen ist auch die Sache mit den Wiedergängern: die alleingelassenen Frauen und Kinder eines Indianerstammes sterben durch die Hände der weißen Schurken. Anfänglich betrauert, werden sie später von den eben noch Rache schwörenden Familienvätern quietschfidel wie der Frühling wieder in die Arme geschlossen. Oder ist das möglicherweise der Krieger heimlicher Ausweichstamm, in dem Nebenfrauen und Bankerte geparkt sind? Diese Frage geht im Stammesjubel unter.
Der Schatz selbst liegt wie für Touristen in einer angenehm zu begehenden Höhle aufgebahrt, besteht aber größtenteils aus messingfarbenem Haushaltsplunder wie schiefen Töpfen oder Kannen. Die aufgebrachten Schurken bringen daraufhin den alten Museumsführer zu Boden, legen sich allesamt auf ihn drauf und knuffen ihn, während Oberlump Herbert Lom (= Inspektor Dreyfus) in ein riesiges Loch voll Mousse au Chocolat fällt.
Eine Gaudi für jede Altersklasse.


Motel Room 13
Motel Room 13
DVD ~ Robert De Niro
Preis: EUR 9,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Eine" Szene war richtig gut!, 17. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Motel Room 13 (DVD)
Die fürs Casting Zuständigen brauchten nicht lange suchen, entsprechen die Charaktere doch exakt den Leib- und Magenrollen der hier versammelten Stars: de Niro gibt routiniert dämonisch den soziopathischen Oligarchen ohne Bodenhaftung, während Cusack, gestresst wie üblich, durch einen verworrenen Plot stolpern- und das Publikum mit seiner gespielten Nervosität nerven darf. Die Figur des vibrierenden-, kurz vor der Eruption stehenden Strange Guy schrie förmlich danach mit Crispin Glover "Zurück in die Zukunft - Mc Fly" besetzt zu werden. Rebecca da Costa, bereits auf Thriller und Horrorfilme festgelegt, übernimmt den Part der rätselhaften Schönen: sie treibt mit Cusack ein Katz- und Mausspiel, welches bis zur Mitte des Films im ersten Gang dahineiert. Der leicht ungeduldige Zuschauer wird dabei an den Rand seiner Schmerzgrenze geführt.
Doch ab der zweiten Hälfte wird er plötzlich durch w i r k l i c h verblüffende Wendungen überrascht und kriegt als Belohnung immerhin e i n e an Tarantino gemahnende Szene serviert: anfangs sachlich auftretende Cops mutieren schlagartig zu sadistischen Folterknechten. Man erlebt selten, daß bereits wurzeltreibende Gleichgültigkeit gegenüber einem angenommenen Mittelmaß-Produkt der kalifornischen Weichspülerfabrik derart plötzlich tatsächlicher Beklemmumg weicht. Nur leider kommt anschließend die Langeweile wieder schneller dahergestiefelt, als man Scheißfilm sagen kann.


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