Profil für J. Foerster > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von J. Foerster
Top-Rezensenten Rang: 47.871
Hilfreiche Bewertungen: 107

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
J. Foerster
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
In der Gegenwart: Übungen zum politischen Denken II
In der Gegenwart: Übungen zum politischen Denken II
von Hannah Arendt
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtige Essay zu tagespolitischen Ereignissen, 21. Januar 2013
"In der Gegenwart. Übungen im politischen Denken II" ist neben "Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Übungen im politischen Denken I" wohl der wichtigste Essayband Arendts. Er ist erst nachträglich herausgegeben worden und führt bereits publizierte Arbeiten zusammen. Der Inhalt wurde in 4 große Abschnitte gegliedert: I. Deutschland am Ende des Krieges und Entwicklungen in der Bundesrepublik; II: 'Krieg und Revolution' nach den Erfahrungen zweier Weltkriege; III. Innere und äußere Angelegenheiten der amerikanischen Republik; IV. Standort und Statur der Menschen nach der Eroberung des Weltraumes.
Unter I. sind so wichtige Essays wie "Organisierte Schuld" und "Die Nachwirkungen des Naziregimes: Bericht aus Deutschland" versammelt. II. enthält die Reflexionen über die Ungarische Revolution und "Macht und Gewalt" III. besteht im Wesentlichen aus dem vergriffenen Essay Band "Zur Zeit", hier findet man die Essays "Little Rock", "Ziviler Ungehorsam", "Die Lüge in der Politik" und "Zweihundert Jahre Amerikanische Revolution". Im Abschnitt IV. handelt sich um Essays aus dem Umfeld von "Vita Activa" zur "Eroberung des Weltraums" und "Der archimedische Punkt". Aus dieser kurzen Aufzählung wird bereits die Wichtigkeit des Bandes deutlich, werden in ihm doch vergriffene oder nur schwer zugängliche Texte, die für das Denken Arendts sehr wichtig sind, gut editiert und preiswert zur Verfügung gestellt. Anders als bei den Essays aus "Zwischen Vergangenheit und Zukunft" ist hier der tagespolitische Bezug noch unmittelbarer erkennbar. Diese Essays sind Eingriffe, Interventionen einer wachen Intellektuellen. Sie eignen sich m.E. deshalb besonders zum Einstieg in das Arendtsche Denken. Auch hier begegnet uns ein unorthodoxes, offenes Denken und Urteilen, ganz im Sinne des öffentlichen Vernunftgebrauchs Kants.


Vita activa oder Vom tätigen Leben
Vita activa oder Vom tätigen Leben
von Hannah Arendt
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltentfremdung als Krise der Moderne, 13. Januar 2013
Die Vita Activa gilt im Allgemeinen als das philosophische Hauptwerk Hannah Arendts, in dem sie im Anschluss an die griechische Philosophie, hier vor allem an die praktische Philosophie des Aristoteles, ihre Vorstellung von Politik darstellt. Viele namhafte Interpreten lesen dieses Buch aufgrund der radikalen Kritik an der (Massen-)gesellschaft als eine Verfallsgeschichte. Am Beginn stand die reine Erfahrung der Politik in der antiken Polis, am Ende bleibt nur der herrschende Konformismus, die Intimisierung der Öffentlichkeit und der Konsum und das angepasste Verhalten als einzige Tätigkeitsform. Arendts Frage ist einfach: Was tun wir eigentlich, wenn wir tätig sind? Diese Frage erhält ihren Sinn durch die Diagnose, dass der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgehe und damit die einzige Tätigkeit auf die sich die Menschen noch verstehen. Ohne Arbeit, keine Freizeit, damit werden die Menschen in eine tiefe Sinnkrise gestoßen.
Arendt untersucht zunächst, wie es geschehen konnte, dass die Arbeit, die in der Antike noch verachtet wurde, einen solchen Aufstieg erlangt hat, sodass sich die Hierarchie der drei idealtypischen Tätigkeitsformen: Arbeiten, Herstellen, Handeln, vollkommen umkehrte. Arbeiten sei der Bereich der Auseinandersetzung mit der Natur, um die physische Reproduktion des Einzelnen und der Gattung zu erhalten. Sie steht im ewigen Kreislauf der Natur, also von Geburt und Tod, Wachsen und Vergehen. Das Arbeiten stellt keine Gebrauchsgegenstände, sondern nur Verbrauchsgegenstände her. Das Herstellen ist die Tätigkeit des Handwerkers. Er erstellt die gegenständliche Welt und die Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Das Herstellen errichtet eine Welt, an der die Menschen Dauer und Stabilität erfahren, weil ihre Haltbarkeit das Leben überdauern kann, wenn die Menschen die Dinge pflegen. Um die Dinge herzustellen, muss die Natur geformt werden. Für Arendt ist deshalb das Herstellen prinzipiell gewalthaltig. Das Herstellen folgt einer Zweck-Mittel-Logik. Das Handeln ist eine unmittelbare Beziehung zwischen Menschen und für Arendt die Grundtätigkeit der Politik. Hierfür bedürfen die Menschen kein Material. Auch das Handeln stiftet eine Welt, nämlich eine Netz menschlicher Bezüge und Bedeutungen. Das menschliche Leben gewinnt erst einen Sinn, wenn wir die Welt besprechen, d.h. in dem wir uns Geschichten erzählen. Handeln und Sprechen gehen Hand in Hand. Das Handeln steht unter der einzigen Bedingung der Pluralität, das Menschen und nicht der Mensch die Welt bewohnt. Für das Arbeiten und das Herstellen ist die Anwesenheit anderer Menschen nicht notwendig. Gerade die Pluralität erzeugt aber die Aporien des Handelns, die in der Kontingenz, der Flüchtigkeit, der Grenzenlosigkeit und Unberechenbarkeit bestehen. Das Handeln hat zwar einen Anfang, aber kein Ende und es erzeugt anders als das Herstellen keine Ergebnisse und Güter. Arendt betont immer wieder, man wisse im Handeln nie was man tut und es komme meist anders, als man es intendiert habe. Allerdings tritt im Handeln der Mensch als Person in der Öffentlichkeit in Erscheinung und wird zu einem unverwechselbaren Individuum. Und nur im Handeln ereignet sich Freiheit. Der Sinn von Politik ist Freiheit. Die politische Philosophie seit Platon habe nun, um die Aporien des Handelns zu umgehen, das Handeln im Sinne des Herstellen beschrieben und praktiziert. Hierdurch wird das Handeln zu einer Angelegenheit von Befehl und Gehorsam und Gewalt zu einer legitimen Äußerungsform der Macht. Max Weber hat den Machtbegriff, den Arendt als unpolitisch kritisiert, im Sinne der vorherrschenden Lehre von der Politik definiert: Macht ist die Chance seinen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, ganz egal, worauf diese Chance beruht. Gewalt wird zur ultima ratio der Politik. Das ist das Verständnis der Politik gegen das sich Arendt wendet. Für sie entspringt Macht aus dem Miteinanderhandeln. Insofern besitzt niemand alleine Macht. Die Macht entspringt im Zwischenraum, der sich bildet, wenn Menschen miteinander handeln und sprechen.
Diese Gedanken werden in der Vita Activa entfaltet und es wird deutlich, dass die Beschäftigung mit diesem Buch unumgänglich ist, wenn man das Arendtsche Denken verstehen möchte. Für Arendt ist die Politik kein schmutziges Geschäft, sondern ihr Sinn besteht in der gemeinschaftlichen Sorge um die Welt und nur in ihr lebt die Freiheit. Gleichwohl kommt der Politik keine Notwendigkeit zu. In diesem Sinn kritisiert sie die aristotelische Rede vom zoon politikon. Es gibt für sie keine anthropologische Substanz des Politischen.


Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Übungen im politischen Denken I
Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Übungen im politischen Denken I
von Hannah Arendt
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beste Übung des Denkens, 9. Januar 2013
"Zwischen Vergangenheit und Zukunft" ist wohl neben "Elemente und Ursprünge", "Vita Activa" und "Über die Revolution" von zentraler Bedeutung. In diesem Buch sind die theoretisch wichtigsten Essays versammelt. Der Untertitel sagt es bereits, diese Essays sind "Übungen im politischen Denken". Es sind Übungen, in denen es nicht um Wissen und Wahrheit geht, sondern um Selbstreflexion und Verstehen. Die Wahrheitsfrage wird in der Schwebe gehalten, wie sie in der Einleitung schreibt. Sie möchte nicht darüber belehren, "was gedacht werden soll und welche Wahrheiten hochzuhalten wären". Es geht ihr m.E. um die Übung und Einübung einer Haltung zur Welt, zur Pluralität und zur Kontingenz menschlichen Handelns. Etwas pathetisch könnte man sagen, es ist eine Haltung der Freiheit. Arendt möchte zeigen, was es heißt, im Denken gegenwärtig zu sein und Erfahrungen zu machen. Ihre Methode ist nicht die logisch stringente und zwingende Argumentation, ihr geht es nirgends um Begründung, wie man es beispielsweise aus der analytischen Philosophie ala John Rawls kennen. Arendt ist keine Systembauerin wie Kant, Hegel oder Habermas. Insofern haben die Texte den Charakter des Offenen, der zum Weiterdenken anregt. Arendt hat hierfür die Metapher "Denken ohne Geländer" geprägt, der die Erfahrung des Traditionsbruchs zugrunde liegt. Und dennoch enthalten diese Essays immer das Ganze Denken Arendts, alles, was ihr Denken ausmacht und was ihr an der Welt aufgegangen ist. Die Themen der Essays stehen in enger Beziehung zu den oben genannten großen Werken und beziehen sich auf die Geschichte, Geschichtsphilosophie, dann zum Verhältnis von Politik und Verstehen, Freiheit, Revolution, Kultur und Wahrheit. Es findet sich ein wichtiger Essay über den Begriff der Autorität und über das Verhältnis von Moral und Denken. Diese Essays wie auch die Essays aus "In der Gegenwart. Übungen im politischen Denken II", die sich auf tagespolitische Ereignisse ihrer Zeit beziehen, eignen sich deshalb in besonderem Maße, sich dem Denken Hannah Arendts zu nähern.


Über die Revolution
Über die Revolution
von Hannah Arendt
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politische Theorie at its best, 30. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Über die Revolution (Taschenbuch)
Dieses Buch ist ein Muss für alle, die sich mit dem Denken Hannah Arendts beschäftigen wollen. In diesem Buch entwickelt sie ihre Grundansicht, das Freiheit der Sinn der Politik ist. Durch den Vergleich von Französischer und Amerikanischer Revolution zeigt sie, dass einzig die Amerikanische Revolution eine politische Revolution und damit den Grundbedingungen des politischen Handelns, der Pluralität, angemessen war. Dieser Pluralismus ist schon in den Prinzipien der amerikanischen Verfassung, Gewaltenteilung und Föderalismus, sichtbar. Arendt entwickelt hier ihre Unterscheidung von Republik und Demokratie/Nationalstaat. Der Amerikanischen Revolution ist Arendt zufolge eine Gründung der Freiheit gelungen, weil sie es geschafft hat, das Absolute (Gott, Wahrheit, Souveränität) aus dem Prozess des politischen Handelns und Entscheidens auszuschließen und das Zusammenleben auf Recht gegründet hat. Im Gegensatz zur "Vita Activa" deckt "Über die Revolution" die wichtigen römischen Wurzeln ihres Denkens auf. Die Amerikaner würden beispielsweise das Recht im Anschluss an Montesquieu im römischen Geiste als Stiftung von Bezügen und Revolution als Gründung verstehen. Gründung meint in diesem Zusammenhang radikale Neuerung und Bewahrung in einem. Andererseits wird in diesem Buch einmal mehr deutlich, dass für Arendt Politik eine Angelegenheit der Meinung und der Urteilskraft ist. Sie argumentiert, dass Politik keine Angelegenheit der Pflicht und des Allgemeinwohls sei, sondern dass die Handelnden erfuhren, was Public Happiness bedeutet. Nur im gemeinsamen Handeln wird Freiheit sinnlich erfahrbar. Am historischen Material erläutert sie die Unterschiede zwischen Herstellen und Handeln, Freiheit und Befreiung und Macht und Gewalt. Arendt denkt darüber nach, warum die Französische Revolution vom Ziel der Freiheit abgekommen und in Terror versunken ist. Wie kann man einen politischen Neuanfang gestalten, der eine dauerhafte Ordnung der Freiheit gründet. Im letzten Kapitel setzt sie sich dann kritisch mit dem Vergessen des revolutionären Erbes und dem Verlust des Geistes der Revolution in den USA auseinander und entwickelt ihre Ansichten über die Räte und Townhalls als Quelle des politischen Handelns und der Revolution. Dieses Vergessen habe dazu geführt, dass wir unter Freiheit vor allem freie Marktwirtschaft verstehen und nicht das frei Gestalten der und Sorgen um unsere Welt. Und obwohl es heute in der Wissenschaft zum guten Ton gehört, das Buch wegen seiner Haltung zur sozialen Frage abzulehnen, würde ich doch jedem gerade dieses Kapitel empfehlen. Gerade dieses Kapitel kann dazu dienen, die eigenen lieben Ansichten in Frage zu stellen. Ich schätze gerade an Arendt, dass sie mit ihren unorthodoxen Ansichten Verwirrung und Irritationen auslöst, die einen zum Nachdenken anregen. Würde man sie dogmatisch lesen, wäre sie um das Beste gebracht, was sie zu bieten hat. Sie schafft es, dass wir unseren Kopf drehen und mal aus einer anderen Perspektive schauen. Frei nach dem Motto: Der Kopf ist rund, damit wir in alle Richtungen denken können.


Die Kraft zur Korrektur: Über Politik und Literatur
Die Kraft zur Korrektur: Über Politik und Literatur
von David Grossman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Stimme der Humanität, 1. Februar 2011
Dieses Buch hat mich gefunden und tief beeindruckt. Ich kannte den Autoren nicht und dennoch sprang mich das Buch förmlich an. Und ich bin froh, dass mir das Buch in die Hände gefallen ist. Es hat mich vom ersten Wort an in seinen Bann gezogen und gefesselt, mit seiner Nachdenklichkeit, Ehrlichkeit und seiner bedingungslosen Bereitschaft der Selbsterkenntnis und -kritik. Grossman ist im besten Sinne des Begriffs ein Patriot. Denn Patriotismus impliziert Hannah Arendt zufolge Opposition und Kritik. Patrioten erregt das "Unrecht, begangen von meinem eigenen Volk, [...] mehr als Unrecht, das andere Völker begehen" (Hannah Arendt in einem Brief an Gershom Scholem). Obwohl Grossman Arendt nicht erwähnt, erscheinen mir seine Texte im Geiste dieser Haltung geschrieben zu sein. Solidarische Kritik aus tiefster Besorgnis. Er fordert die "Kraft zur Korrektur" und Umkehr, die Kraft zur Öffnung und zum Dialog mit den Feinden.
Grossman beschreibt die Auswirkung des permanenten Bedrohungszustands auf die israelische Gesellschaft als geistige, emotionale und soziale Lähmung. Da ich es nicht besser kann, möchte ich anhand von zwei Zitaten einen Eindruck von Rückhaltlosigkeit des Gedankens, wie er sich in diesem Buch findet, vermitteln: "Das Gefühl, umzingelt zu sein, und die Angst vor dem, was sich jenseits der Grenzen gegen uns zusammenbraut, zieht automatisch die Versessenheit auf einen Konsens um jeden Preis nach sich - einem Konsens, der mitunter wie das instinktive panische Zusammenpferchen einer sich bedroht fühlenden Schafherde wirkt." (S. 106)
"Wer auf die Gabe des Zuhörens und Einsatzbereitschaft schwört, verpflichtet sich im Grunde, ununterbrochen die simple Tatsache in Erinnerung zu behalten, die man so gerne übersieht: dass in den Rüstungen Menschen stecken. In unseren und in denen unserer Feinde. In der Rüstung der Angst, der Gleichgültigkeit, des Hasses und der Verkümmerung der Seele. [...] Die Literatur - nicht unbedingt dieses oder jenes Buch, sondern die Art des Zuhörens, die echte Literatur bewirkt - ruft uns dazu auf, uns aus der Umklammerung der 'politischen Lage' zu lösen und unser Recht auf Individualität und Einzigartigkeit zu reklamieren. [...] Wenn uns dies gelingt, können wir vielleicht an den Punkt gelangen, an dem - ohne dass wir einander ausradieren müssen, ohne dass der eine vor dem anderen in die Knie gehen muss - die vollkommen entgegengesetzten Geschichten unterschiedlicher Menschen, unterschiedlicher Völker und sogar eingeschworener Feinde gleichzeitig nebeneinander existieren. Nur wenn wir dahin gelangen ' [...] -, werden wir endlich in der Lage sein zu verstehen, dass in ernsthaften politischen Verhandlungen unsere Wünsche sich mit den Wünschen des Feindes treffen müssen und dass wir dazu verpflichtet sind, auch deren Recht und Legitimation anzuerkennen ' falls sie tatsächlich rechtmäßig und legitim sind. [...] Über den Feind zu schreiben bedeutet in allererster Linie, über den Feind nachzudenken. Das ist fraglos die Pflicht jedes Menschen, der einen Feind hat, und wenn er sich hundertmal im Recht fühlt' (S. 58-61).


Dreaming Wide Awake
Dreaming Wide Awake
Preis: EUR 6,99

5.0 von 5 Sternen fast zu schön, um es auszuhalten, 10. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Dreaming Wide Awake (MP3-Download)
Auch hier ist schon so manches gesagt worden und auch hier möchte ich nur meine 5 Sterne loswerden.
Diese CD ist nur schön und vielleicht die Harmonischste von allen, sicherlich die Eingängigste, das ist aber nicht wertend gemeint. Sie ist wirklich ein Taste of Honey, wäre hätte gedacht, dass man ein solch tolle Fassung aus diesem alten Beatles Stück heraus holen kann. Insgesamt besticht wieder die tolle, eigenständige Instrumentierung (geniale Gitarrenarbeit), Arrangements, perfekte Stimmungsmalerei. Obwohl es kein schlechtes Stück gibt und alle überdurchschnittlich sind, stechen dochfür mich das Neil Young Cover Old man, Taste of Honey, Stop, Hit the Ground, Wake up little Sparrow heraus. Wer diese Musik als seicht und mainstream bezeichnet, steckt entweder zu sehr in einer Schublade oder hat Probleme mit Schönheit. SIcherlich ist das kein Jazz und auch avantgardistisch möchte sie nicht sein, aber ehrliche, nicht auf Verkaufszahlen schielende Musik. Es sind kleine GEschichten, mitgeteilte Gefühle und vorbehaltlose und unaufdringliche Kommunikation. In diesem Sinne ist dieses Album mit der Norah Jones Cd Come with me vergleichbar.


The Orchard (Ltd. ed. )
The Orchard (Ltd. ed. )
Preis: EUR 11,26

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein wüdiger Nachfolger, 10. November 2010
Rezension bezieht sich auf: The Orchard (Ltd. ed. ) (Audio CD)
Eigentlich ist ja schon alles gesagt. Ich schreibe diese Rezension nur noch, um dieser CD meine 5 Sterne zu geben. Ich finde, Lizz Wright ist es sehr gut gelungen, einen würdigen Nachfolger für "Dreaming Wide awake" zu produzieren, der kein bloßer Abklasch bzw. keine Kopie ist, sondern eine gelungene Weiterentwicklung darstellt. Diese Cd knüpft an die Stimmung, an dem musikalischen Konzept und die musikalischen Traditionen des Vorgängeralbums an. Die Arrangements sind sparsam und meistens mit akkustischen Instrumenten gespielt. Die Stimme und der Song stehen immer im Mittelpunkt. Die Musiker verfolgen keine Solotrips, alle ziehen am gleichen Strang, sodass alle Stücke wie aus einem Guß und sehr organisch klingen, von einem fast magischen Verständnis inspiriert. Es ist wie ein wirkliches Nach-Hause-kommen, durchaus ambivalent. So stimmt der erste Titel "Coming Home", eine ruhige Ballade, perfekt ein. Trotz des getragenen Tempos ist sie sehr kraftvoll, aber auch traurig. Das zweite Stück "My Heart" ist gleich ein zweites Highlight. Ein uptempo Stück mit einer schönen Melodie und tollen Gesangsarragements, sehnsüchtig, ein wenig zerrissen, sehr gefühlvoll. "I idolize you" ist ein Blues der absoluten Spitzenklasse, sehr sparsam instrumentiert, Klavier und slide Guitar ergänzen sich perfekt und das kurze Solo der Gitarre besticht durch den Sound, unbeschreiblich. "HEy Man" ist ein Stück Country und Gospel feeling. "Another Angel" ist eher eine verträumte, ein wenig "jazzig"-popig angehauchte Ballade. Mit diesem Stück kann ich nicht soviel anfangen, obwohl es sehr schön gesungen ist. "When I Fall" ist schon wegen der schönen Gitarrenbegleitung höhrenswert. Weiß nicht, wie man diese Art Musik nennt, ist aber auch egal. Ich würde sie als eine Mischung aus Blues, Gospel, Soul und Bluegrass beschreiben. Dann kommt aber mit "Leave me standing alone" wieder ein absolutes Highlight. Ein halftempo Stück mit einem schönen Background Chor, der gleichzeitig den Rhythmus macht. Sehr stimmungsvoll, powervoll, eine tolle Gitarre, die absolut nur das Notwendigste spielt, aber das ist ja gerade das Geniale. Es ist sehr dynamisch, mit schönen Spannungsbögen. Es ist flehend, bittend und fordernd zugleich. Und dann folgt wohl einer der schönsten Balladen überhaupt: "Speak your Heart", schon allein das Stück ist 5 Sterne wert.Ich weiß nicht, wie man von diesem Stück nicht berührt wird, wenn man Lizz Wright toll findet. "This is" ist eine uptempo Ballade, zwar nicht so schön wie "Speak your Heart", aber es birgt Überraschungen und Hörwurm-Charakter. Wieso das Album keine Abwechslung besitzen soll, ist mir schleierhaft. "Song for Mia" ist wieder eher hymmnisch und offen, es ist, als ob man in den morgendlich Sonnenaufgang geht, einem weiten Horizont entgegen. Das Stück atmet. "Thank you" ist ein Led Zepplin Cover, das sehr eigenwillig und eigenständig ist. Man hat zwar das Gefühl, das Stück zu kennen, aber ich bin nicht darauf gekommen, woher. "Strange" ist wirklich strange, es ist nicht so mein Fall. Es kann aber auf keinen Fall, den Gesamteindruck schmälern.
Uff, sorry, jetzt habe ich mich doch hinreissen lassen. Ich finde, diese Cd hat zwei Ohren verdient.;o)


Fellowship
Fellowship
Preis: EUR 7,97

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach nur begnadet und göttlich :o), 9. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Fellowship (Audio CD)
Ich finde diese CD einfach großartig. Schon allein, weil Lizz auf den ersten Hörblick nicht da einfach weiter macht, wo sie mit ihren ersten CDs aufgehört hat. Sie ist rockiger, bluesiger und sie geht an die Wurzeln des Souls, den Gospel. Das ist aber m.E. nur folgerichtig. Es ist überzeugend, ohne viel Schnickschnack, einfach nur gute Musik, die sich auf das Wesentliche beschränkt. Sicherlich die melodiösen und eingehenden Stücke, wie Old Man, Hit the ground oder das wunderschöne Speak your Heart fehlen auf dieser CD, aber die kann man ja auf den anderen beiden CDs hören. Aber Fellowship atmet eine tiefe Ehrlichkeit und Spiritualität, die sie mit den anderen CDs verbindet. Mir gefallen besonders die etwas schnelleren Titel wie das Titelstück, Imagination und das Hendrix Cover In From the Storm, sehr eigenständig und dennoch eine Reminiszenz. Presence of the Lord von Clapton ist auch sehr schön, wenn man auch die Stimme von Steve Winwood immer im Ohr hat. Aber auch das Gospelmeddley ist ganz voller Kraft und Verbundenheit. Insofern bleibt sich Lizz Wright auch treu. Sie schafft etwas Neues, das sich aber organisch mit dem Bisherigen verbindet, sodass man alles CDs hintereinander hören kann, ohne Ermüdungserscheinungen. Na ja, vielleicht habe ich ja nur Glück, dass mir Blues und Gospel ebenfalls gefallen und auch für die kleinen Verbeugungen vor dem afrikanischen Erbe dieser Musik habe ich ein Faible. Allerdings finde ich, sollte man eine Künstlerin nicht in ein Corsett pressen, wenn man von ihr ehrliche und überzeugende Musik hören möchte. Kurz und gut: Diese CD ist eine Überraschung, ohne dass der Wiedererkennungseffekt fehlt. Und sicher findet hier keine musikalische Revolution statt, but it is the same old true story, experience of mankind und als solche zeitlos.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2010 8:44 PM CET


Über das Böse: Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik
Über das Böse: Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik
von Hannah Arendt
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

53 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Anleitung zum eigenständigen Denken - Aufklärung im besten Sinne, 8. Oktober 2009
Es tut mir leid, aber ich muss beiden Rezensenten widersprechen. Ich finde diese Vorlesung über das Böse grandios und das aus mehreren Gründen. Zunächst ist es sicherlich die sinnliche Präsenz und die persönliche Ansprache, die dem Arendtschen Stil inne wohnt und der in dieser Vorlesung in gesteigerter Form hervorsticht. Hier kann man ihr beim Nachdenken buchstäblich zu sehen. Sie spricht klar und ohne intellektuelle Attitüde, wobei die Sache, die verhandelt wird, sicherlich keine leichte Kost ist. Arendt ringt wirklich mit diesem Problem, denn sie ist und war von ihm existentiell betroffen. Diese Vorlesung über das Böse ist im Kontext der Eichmann-Debatte gehalten worden, in der Arendt heftig wegen ihrer Rede von der "Banalität des Bösen" angegriffen worden ist. Diese Vorlesung kann als Versuch gelesen werden, diese Charakterisierung des Bösen als banal zu reflektieren und zu erläutern. Wer also immer schon mal Wissen wollte, warum Arendt Eichmann Gedankenlosigkeit als Kern seiner banalen Boshaftigkeit vorgeworfen hat, dem sei diese Vorlesung wärmstens empfohlen. Eine weitere Frage, die in dieser Vorlesung behandelt wird, ist die Frage nach der moralischen Qualität des Denkens, also kann das Denken Unrecht und Ungerechtigkeit verhindern, und wenn ja, wie und warum. Ein dritter Grund, dieses Buch zu lesen, ist der originelle Überblick über die Geschichte der Moralphilosophie: Von Sokrates, Platon, Aristoteles, über Jesus, Paulus, Augustinus hin zu Kant und Nietzsche werden die Ansichten über das Böse dargestellt und kommentiert. Dabei verfährt Arendt so, dass sie die unterschiedlichen Autoren in ein Gespräch bringt, in dem es nicht so sehr um fertige Antworten und Lösungen, sondern immer um Anregungen zum weiter und selber Denken geht. Das mag den/die eine/n oder andere/n unbefriedigt lassen und enttäuschen, an sich ist es aber die beste Tradition der Aufklärung, Menschen zum eigenständigen, kritischen Denken anzuregen. In diesem Sinne endet das Buch auch mit der Aufforderung zum eigenen Urteil als Widerstandskraft gegen Opportunismus, Konformismus und die Banalität des Bösen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 13, 2013 9:44 AM CET


Let It Rain
Let It Rain
Preis: EUR 7,97

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Besser geht es nicht., 17. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Let It Rain (Audio CD)
Ich bin/war kein Tracy Chapman Fan und bin auf die CD nur durch Zufall gestoßen, aber ich muß sagen, sie ist unübertrefflich toll. Alle Stücke sind gelungen, es gibt keinen Ausfall. Es ist eine tolle Mischung aus Sadness, Hoffnung und Kraft, blues, gospel und soul, ohne daß es irgendwie kitschig oder aufgesetzt wirkt. Die Musik ist unaufdringlich, aber intensiv und einfühlsam. Tracy Chapman beherrscht die hohe Kunst der Einfachheit, die niemals in das Banale abrutscht. Eine wirklich runde Sache. Meine Lieblingsstücke, wenn es die bei dieser Scheibe überhaupt geben kann, sind You are the one, Say Hallelujah, Another sun, In the dark und und und. Hohe Kunst, mehr davon.


Seite: 1