24 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Shooter-Blender mit bestechender Optik, 30. März 2013
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen
Technik:
Bioshock Infinite ist eines jener Mega-Spiel-Projekte die in der Branche als Triple-A-Produktion gelten dürfen. Mehr als 200 Millionen $ sollen den Medienberichten nach in das Spiel geflossen sein. Und das sieht man dem Produkt auch an. Sicher, BI ist keine Tech-Demo á la Crysis 3 die jenseits von schicker Optik nichts aufzuweisen hat. Dennoch kann BI durch seine stimmungsvolle bunt poppige Grafik punkten. Columbia ist eine wunderbare Karikatur us-amerikanischer Kleinstadt-Träume aus den 20er Jahren. Der Detailgrad der von den Entwicklern in die Gestaltung der Stadt, grade in der ersten Stunde, gesteckt wurde ist echt packend und atemberaubend schön.
Noch besser allerdings passt die wunderbare Klangkulisse. 20er Jahre Songs, eine tolle Musikuntermalung und stimmungsvolle Sounds lassen einen tief in Columbia abtauchen. Unterstützt wird die Atmosphäre durch auch im Deutschen gut aufgelegte Sprecher.
Ich hatte über die ganze Spielzeit keinerlei Abstürze oder Bugs, was grade heutzutage zu Zeiten von Day-One-Patches absolut nicht selbstverständlich ist. Das Game ist auch auf meinem Mittelklasserechner (Intel Quad Core, 8 GB, Geforce GTX 260) auch auf höheren Grafikeinstellungen wunderbar spielbar gewesen. Zudem sind die Ladezeiten zwischen den einzelnen Abschnitten wunderbar kurz.
Inhalt/Story:
Doch Bioshock hatte seit jeher nicht eine solch breite Fanbase weil es durch Optik bestach. Beeindruckend war vielmehr die Meta-Ebene des Produktes, die Botschaft und Intention, die primär durch die Story vermittelt wurde.
War es in den beiden ersten Teilen noch Rapture, jene Unterwasserstadt die sich Antagonist Andrew Ryan als neues Utopia unter dem Meer erdacht und durch Genexperimente in ein neues Sodom verwandelt hatte, ist es in BI Columbia, die Stadt über den Wolken.
Hinter dem fröhlichen Leben verbirgt sich jedoch auch hier ein doppelter Boden. Der als Erlöser angepriesene "Heilige" predigt Rassenhass und andere verachtenswerte Botschaften.
Mitten in diese Szenerie hinein platzt unser Söldner Booker, auf der Suche nach einer Elizabeth.
In schwarz-weiß-verzerrten Rückblenden bekommen wir von Stimmen mitgeteilt durch die Rückholung des Mädchens würde unsere Schuld getilgt und so machen wir uns auf den Weg. Unterwegs könnnen wir wieder wunderbar abwechslungsreiche Kräfte erwerben wie schon in den Vorgängern.
Ohne zuviel spoilern zu wollen kann man sagen, dass die Story das Prunkstück von BI ist.
Das Spiel spielt immer dann seine Glanzseite aus, wenn es fernab von jeglichen Schießereien agiert. Wenn die Geschichte durch Audiojournals, Minivideos, Propagandasprüche und vor allem durch unsere Begleiterin Elizabeth erzählt wird. Die Interaktion mit dem Mädchen und die hieraus resultierenden Gespräche sind atemberaubend gut und realistisch, ebenso wie die deutsche Synchro. Packende und verwirrende Erzählelemente treiben den Spieler voran und lassen ihn bei der erzählerischen Stange bleiben bis zum großartigen Ende das nach ca. 8 Stunden erreicht ist (Ich hab auf "normal" gespielt).
Hier zeigt sich, dass viel Geld in Drehbuchautoren und inszenatorische Darstellung geflossen ist. Die Geschichte um Schuld, Sühne und moraliche Grundfragen weiß vom ersten Moment zu begeistern und überzeugt dank seiner realistischen und nachvollziehbaren Handlungen und sympathischen Hauptfiguren. BI erzählt eine erwachsene Geschichte voller Sinnfragen und Dramatik. Hier verdient sich BI auch seine Sporen und bekommt volle Punktzahl.
Spielmechanik:
Warum dann nur 3 Sterne?
Nun, die Spielmechanik hakt und stockt an vielen Ecken und Enden. Letztlich ist Bioshock Infinite trotz aller erzählerischer Montur und des hübschen Unterbaus ein einfacher Shooter mit WASD, Links-/Rechtsmausklick, Alternate-Fire und Co.
Dagegen ist nicht einzuwenden, waren doch auch die Vorgänger starke Action-Shooter.
Dennoch hätten die Entwickler hier einfach mehr Sorgfalt auf die Umsetzung dieser prägenden Elemente setzen müssen.
Die vielfach vorkommenden Kämpfe sind frickelig, man sieht Feinde kaum. Die Zielsteuerung ist ungenau und die Steuerung verkommt auf dem PC mit Maus/Tastatur zu einer wahllosen Klickorgie ob der Anzahl und vor allem Geschwindigkeit der Feinde. 10 Kräfte die man wechseln kann, Nahkampfangriff auf separater Taste, Sprungtaste etc. All dies kam mir zuviel vor beim Spielen, zu überfrachtet. Höhepunkt war eine wüste Shoot-and-Kill-Orgie auf einem Friedhof, doch hier möchte ich nichts ins Detail gehen. Diese Action-Einlagen verkommen zu einem unübersichtlichen Gewusel. Bezieht man noch taktische Möglichkeiten wie das Herumfahren an Schienen und Luftkampf mit ein, geht der Überblick nach kürzester Zeit flöten.
Grade die atemberaubende Geschwindigkeit der Kämpfe stellt hier einen unerfreulichen Kontrast zu den meist ruhig und seicht erzählten Passagen der Haupthandlung dar. Hier wäre m.E. weniger mehr gewesen. Auch die Kollisionsabfrage ist eine kleine Katastrophe. Unser Held Booker bleibt an jeder Ecke hängen. Stühle und Dosen am Boden sind unüberwindbare Hindernisse, man eckt an und muss wuselig herauswinden.
All dies waren für mich Kritikpunkte die grade bei einem Shooter viel geschmeidiger und einfühlsamer von der Hand gehen müssen.
Mit zunehmender Spieldauer nerven die Kämpfe nur noch, man will wissen wie es weitergeht ohne in jedem Raum 2-10 Bösewichte aus dem Weg zu räumen. Das ist eines der Dilemma von BI. Die Story ist so gut und packend erzählt, da gerät das eigentlich dominierende Spielelement, der Shooter-Part, in den Hintergrund und wird lästig. Ähnliches hab ich in den letzten Jahren nur bei Alan Wake erlebt.
Auch ein Anti-Trend der in den letzten 10 Jahren dank WOW aufgekommen ist hält wieder übermäßig Einzug in Bioshock, da Looten. Wie wild hauen wir auf die Taste F über jeder Leiche, jedem Koffer, jedem Schrank, jeder Schublade. Das Spiel will hier Tiefgang und Interaktion suggerieren, scheitert aber grandios. Die Entwickler wollten damit schon bei den ersten beiden Teilen ein Flair von Rollenspiel ins Spiel packen. Letzlich hätten sie aber auch Manatränke und Health-Orbs auf der Erde verteilen können. Die Gegenstände die man findet heißen zwar Nahrung X und Getränk Y, sind letztlich aber nur banale Energie-Auffüller. Dieses Spielelement hätte man sich schenken können. Da stundenlange Ablatschen der Räume mit dem Hämmern auf "F" bliebe damit aus.
Fazit:
Letztlich ist Bioshock Infinite damit immer noch besser als die meisten Spiele der letzten 10 Jahre, dennoch reduziert sich trotz der schönen Story alles auf simpelste Shooter-Mechanik die leider wie oben dargelegt nach meinem Geschmack nicht gut genug umgesetzt ist.
Ich hatte dennoch Spaß mit dem BI, hätte mir aber, wie sicher einige, an vielen Stellen gewünscht dass es sich um ein Rollenspiel mit vielen Dialogen und Interaktion und nicht um einen Shooter handelt. Vielleicht kriegen wir alsbald ja ein RPG in Columbia oder Rapture. Wäre auch nicht schlecht:)
Empfehlenswert ist Bioshock Infinite dennoch, vor allem dank seines unverbrauchten Settings, seiner toll erzählten Geschichte und dem Sound.
Zusammenfassend noch mal meine Rezension als Pro/Contra:
Pro:
+ Großartige Inszenierung
+ Wunderbare Optik von Columbia
+ Packende, stimmungsgeladene, erwachsene Story
+ Elizabeth !!!!
+ Atemberaubende Klangkulisse
+ Coole Kräfte
+ Relativ lange Spieldauer für einen Single-Player-Shooter
+ Keine Abstürze, kurze Ladezeiten
+ Kein Hardwarefresser
Contra
- Hakeliger unübersichtlicher Kampf
- Pseudo-RPG-Elemente überflüssig (Looten)
- "Schlauch"-Level
- Waffen unterscheiden sich kaum
- Kämpfe wirken oft deplatziert und hemmen den Spielfluss