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Tartaruga

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Abenteuer Dienstreise: Reportagen und ihre Entstehung
Abenteuer Dienstreise: Reportagen und ihre Entstehung
von Matthias Maruhn
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Total spannende Reportagen, 19. März 2014
Maruhn hat als Journalist bei der Neuen Ruhr Zeitung eine Menge gesehen, nicht nur als Lokalreporter, sondern auch als Korrepondent in Afrika, Bosnien oder Haiti. Und er versteht es perfekt, in kurzen Reportagen den Lesern Einblicke in ganz unterschiedliche Teile der Welt zu eröffnen. Wobei sich subjektive Eindrücke und objektive Informationen ergänzen. Gut hat mir auch der "Ruhrgebietsstil" des Autors gefallen, locker und handlungsorientiert an riesige Probleme heranzugehen.


Die Klimafalle: Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung
Die Klimafalle: Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung
Preis: EUR 15,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut geschrieben und interessant, 19. März 2014
Hans von Storch, der zu den bedeutendsten Klimaforschern Deutschlands gehört, scheint ein Mann mit eher leiser Stimme zu sein. Unaufgeregt, aber fundiert und in einer auch für Fachfremde verständlichen Sprache erklären er und Werner Krauss den Streit zwischen Klimawarnern und Klimaskeptikern, ohne sich von einer der beiden Seiten vereinnahmen zu lassen. Zu vermeiden sei der Klimawandel nicht, auch das 2 Grad Ziel sei unrealistisch. CO2 Emissionen sollten dennoch so weit wie möglich vermindert werden, denn das CO2 trage zweifellos zur Erwärmung bei. Zugleich müsse man mit der Bevölkerung Anpassungsmaßnahmen beraten. Es gehe um eine intelligente Lösung, die unter Einbeziehung aller Akteure gefunden werden muss. Im letzten Teil des Buches machen die Autoren am Beispiel der Nordseeküste deutlich, wie sie sich das vorstellen.
Wozu noch ein weiteres Buch zur Klimakatastrophe? Dieses unterscheidet sich von den meisten anderen durch seinen konstruktiven Ansatz und seine nachvollziehbare Darstellung der Probleme. Das Verständnis der Klimawissenschaft nicht nur als Natur-, sondern auch als Gesellschaftswissenschaft öffnet neue Perspektiven. Eines der interessantes Kapitel war für mich „Die Kulturgeschichte des anthropogenen Klimawandels“, ab Seite 174. Die Autoren stellen dar, dass das Klimathema alles andere als neu ist und seit Jahrhunderten darüber gestritten wird, ob und wie der Mensch das Klima beeinflusst, was er tun oder lassen sollte, um die Wettergötter zu besänftigen. Diesen religiösen Aspekt auch der aktuellen Klimadiskussion (Klimasünden, Klimaleugner) sprechen die Autoren zwar an (besonders Seite 170ff), aber dazu hätte ich mir mehr gewünscht. Ebenso wie zu den wirtschaftlichen Interessen auf beiden Seiten der Klimadebatte.


San Miguel: Roman
San Miguel: Roman
von T.C. Boyle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der alte Boyle gefiel mir besser, 2. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: San Miguel: Roman (Gebundene Ausgabe)
T.C. Boyle hat seinen Stil in der Tat geändert. Von den grellen Skurrilitäten der frühen Bücher ist nichts geblieben. Boyle ist jetzt ein normaler Autor. Schade eigentlich. Noch etwas hat sich bei San Miguel geändert: Bisher waren seine Romane auch eine Auseinandersetzung mit einem bestimmten gesellschaftlichen Thema. Die Immigration in "América", die Schizophrenie in "Riven Rock", die widersprüchliche Naturvorstellung der Ökologiebewegung in seinem letztjährigen Roman "Wenn das Schlachten vorbei ist", um nur einige Beispiele zu nennen. Auch das fehlt mir bei San Miguel". Es sind zeitlich aufeinander folgende, locker verwobene historische Familiengeschichten. Drei Episoden über Personen, die auf einer abgelegenen Insel leben. Die ersten beiden sind packende Schilderungen des Kampfes zweier Frauen um ihre Rückkehr in die Zivilisation. Die letzte Episode ist harmonischer, fast belanglos. Spannend aber, wie Boyle das tragische Scheitern der Männer beschreibt. Der amerikanische Traum, ein unbesiedeltes Land zu erschließen und in ein blühendes Paradies zu verwandeln - zumindest für die beiden zentralen Männerfiguren des Buches hat er sich ausgeträumt. Das ist interessant und treffend beschrieben. Anfangs konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Gegen Ende wurde es allerdings zäh.


Ökofimmel: Wie wir versuchen, die Welt zu retten - und was wir damit anrichten - Ein SPIEGEL-Buch
Ökofimmel: Wie wir versuchen, die Welt zu retten - und was wir damit anrichten - Ein SPIEGEL-Buch
von Alexander Neubacher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ärgerlich überzeugend, 6. Juni 2013
Spiegel Büchern begegne ich mit Vorbehalten, da sie oft etwas geschwätzig und mit wenig inhaltlicher Tiefe daherkommen, so wie das Magazin auch. Das ist hier anders. Der Autor kennt sein Metier, was ihn aber nicht hindert, trotzdem locker und spannend zu schreiben. Selten habe ich ein Fachbuch so rasch gelesen. Was man schon immer irgendwie ahnte, breitet Neubacher nun detailliert aus: Es macht wirklich keinen Sinn, in einem Land, das ständig von Überschwemmungen heimgesucht wird, auf der Toilette Wasser zu sparen. Es ist auch unlogisch, die Bürger zur Anschaffung giftiger Energiesparbirnen zu zwingen, zugleich aber den Autoverkehr, ja sogar den Fahrradverkehr, elektrisch betreiben zu wollen. Und warum eine Temperatursteigerung von 1,9 Grad noch akzeptabel sein soll, 2,1 Grad aber den Weltuntergang bedeuten, wurde auch noch nie so richtig geklärt.
Sicherlich kann man dem Buch Einseitigkeit und hier und da Polemik vorhalten. Auch ist mir die neoliberale Grundhaltung des Autors nicht sympathisch. Was er zur ökologischen Bewegung schreibt, ist inhaltlich aber überzeugend. Man kann den Stil oberflächlich und verkürzt nennen. Ich würde eher sagen, er spitzt zu und bringt die Dinge auf den Punkt. Eine echte Provokation für den grünen comon sense. Aber eine überfällige.


Kontrolliertes Rauchen: Tabakkonsum zwischen Verbot und Vergnügen
Kontrolliertes Rauchen: Tabakkonsum zwischen Verbot und Vergnügen
von Henner Hess
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Weniger statt gar nicht rauchen, 18. Januar 2013
Das Buch ist schon einige Jahre alt, hat aber die neusten Entwicklungen der Anti-Tabak-Bewegung richtig erahnt. Wegen seines interessanten Ansatzes lohnt die Lektüre auch heute, fast zehn Jahre nach dem Erscheinen, immer noch. Die Autoren kritisieren die neueren Auffassungen der WHO, wonach Tabak eine abhängig machende Droge wie Heroin sei. Tatsächlich war die WHO noch bis 1986 der Meinung, dass selbst bei extremer Dosierung die Wirkung des Tabaks nicht mit der anderen Drogen vergleichbar sei. Es handelte sich um eine Gewohnheit, nicht um eine Sucht. Die Autoren selbst schätzen die süchtig machenden Wirkungen des Nikotin als gering ein (116). Dies zeige sich nicht nur an der hohen Zahl von Wenig- oder Gelegenheitsrauchern, sondern auch an der weitgehenden Wirkungslosigkeit von Nikotinpflastern, elektrischen Zigaretten usw. Tabak sei vielmehr ein Genussmittel, das angenehme entspannende und anregende Momente ermögliche und mit angenehmen Situationen in Verbindung gebracht werde. Deshalb neigten die Raucher dazu, die damit verbundenen Gefahren zu verdrängen.

Rauchen nicht als Abhängigkeit oder gar Krankheit, sondern als erlerntes Verhalten zu sehen, ermögliche aber auch Rauchgewohnheiten umzustellen, zu kontrolliertem Tabakkonsum zu gelangen. Das Märchen von der Nikotinsucht bereits nach wenigen Zigaretten diene den Prohibitionsbefürwortern als Vorwand, den Tabak zu verbieten, aber liefere auch den Raucher selbst eine nette Entschuldigung, wenn sie nicht willens seien, ihren Konsum selbst zu kontrollieren. Wer kennt sie nicht, die Leute die genussvoll an der zwanzigsten Zigarette ziehen, dann aber sofort über ihre schreckliche Anhängigkeit zu jammern beginnen.

Das letztliche Ziel der Anti-Tabak-Bewegung sehen die Autoren in der Einführung des Selbstverschuldungsprinzips in die Gesetzliche Krankenversicherung. "Es soll Schluss sein damit, ungleiche Vorsorge gleich zu behandeln, die Fahrlässigen also zu belohnen und die Vorsorgenden zu bestrafen, in dem man allen die gleichen Leistungen verspricht."(114) Wer krank werde, müsse zukünftig nachweisen, dass er seine Krankheit nicht selbst verschuldet habe. Oder tiefer in die Tasche greifen. Das ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, aber man kann zweifeln, ob es der ausschlaggebende ist. Der Psychiater Manfred Lütz, Verfasser diverser Bestseller, brachte zum Beispiel den Begriff der "Gesundheitsreligion" ins Spiel: heutzutage nimmt das fanatische Beachten von Gesundheitsregeln die Angst vor dem Tod, eine Aufgabe, die früher der Religion zukam.

Nette Anekdote: in der Zeit des grassierenden Puritanismus zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde in den USA nicht nur in Bibeln das Wort "Wein" durch das Wort "Traubensaft" ersetzt, man hielt damals den Raucher für einen ausgesprochenen Lüstling und verdammte den Tabakkonsum, "weil die hitzigen Leidenschaften... dem anderen Geschlecht gegenüber...durch die Erregung, durch das Feuer, das der Tabak in Körper und Geist entzündet, noch enorm gesteigert" werden. (48) Heute meint die Wissenschaft gagegen, dass Rauchen impotent mache. Vermutlich stimmt weder das eine noch das andere.


Passivrauchen: Götterdämmerung der Wissenschaft
Passivrauchen: Götterdämmerung der Wissenschaft
von Romano Grieshaber
  Taschenbuch

7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plädoyer gegen linientreue Wissenschaft, 26. November 2012
Das Buch ist hochinteressant und spannend geschrieben. Romano Grieshaber, selbst Nichtraucher, weist am Beispiel der Rauchverbote die ganze Problematik einer sich auf Statistiken stützenden Gesundheitspolitik nach, besonders dann, wenn die Statistiker oder ihre Finanziers ein bestimmtes politisches Interesse verfolgen. Im Zentrum des Buches steht eine Untersuchung der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten, deren Forschungsleiter der Autor bis zur seiner Pensionierung im letzten Jahr war. Im Auftrag der Berufsgenossenschaft ging Grieshaber der Frage nach, ob Kellner durch das Rauchen in Gaststätten einem höheren Lungenkrebsrisiko unterliegen und deswegen ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten verhängt werden sollte. Im Rahmen der Untersuchung wurden die bei der AOK und zwei anderen großen Krankenkassen gemeldeten Lungenkrebserkrankungen der Kellner mit den Lungenkrebserkrankungen der Bäcker, Köche sowie der Gesamtbevölkerung verglichen. Ergebnis: von 93.928 Kellnern waren grade mal 7 an Lungenkrebs erkrankt. Schon diese Zahlen machen deutlich, dass die Hysterie um die Gesundheitsgefahren durch verqualmte Kneipen recht übertrieben ist. Zumal die Zahlen für andere Berufsgruppen, die nicht passiv mitrauchen, höher lagen! Auch in der Gesamtbevölkerung lag die Zahl der Lungenkrebserkrankungen im Durchschnitt höher als bei den Kellnern. Warum das so ist, ließt nicht klären. Eins wurde aber klar: Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko durch Rauch in Gaststätten gibt es mit Sicherheit nicht - das zentrale Argument der Rauchverbotsbefürworter war widerlegt.
Was Grieshaber anfangs selbst nicht ahnte: sein Gegner war nicht irgendjemand, sondern die World Health Organisation (WHO), die den "World war on Tobacco" ausgerufen hatte und die "Tabakepidemie" als ansteckende Krankheit bekämpfen will. Bis 2040 will die WHO die Welt vom Tabakkonsum komplett "befreit" haben. Da sind solche Untersuchungsergebnisse natürlich nicht "auf Linie". Von den Methoden der WHO und der von ihr abhängigen Wissenschaftler, von den Beschimpfungen des Autors als "Leugner" oder "Agent der Tabakindustrie", handelt das Buch -überzeugende Kritik einer autoritären Gesundheitspolitik, die sich auf verlogene Wissenschaft beruft.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 4, 2013 8:07 PM MEST


Retten wir den Euro!
Retten wir den Euro!
von Christian Felber
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Noch weitere Zentralisierung?, 15. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Retten wir den Euro! (Taschenbuch)
Christian Felber, bekannter Publizist und Mitbegründer von ATTAC, möchte den Euro retten, indem die EZB unbegrenzt die Staatsanleihen der Krisenländer kauft oder garantiert. Im Gegenzug sollen sich diese Länder zur Koordination einiger Steuer bereit finden, wobei es ihm vor allem um die Vermögenssteuer geht. 10 Prozent der Bevölkerung besäßen zwei Drittel des Gesamtvermögens- die Oberschicht. Es handele sich dabei um eine "neofeudale Besitzklasse, die mit rücksichtslosem Egoismus ihre Vorrechte verteidigt"(61). Würde man auf diese zwei Drittel eine Vermögenssteuer von 2 Prozent erheben, ergäben sich 100 Milliarden Euro - "in zehn Jahren wäre die Staatsschuld Deutschlands halbiert".(62) Das ist nun freilich eine klassische Milchmädchenrechnung, von denen es etliche im Buch gibt.
Denn, dies sagt der Autor nicht, man gehört schon zu den reichsten 10 Prozent mit einem Vermögen von 280.000€. Die Vermögenssteuer beträfe also keineswegs nur die Oberschicht, sondern auch die Mittelschicht. Der Besitzer eines Einfamilienhauses in München im Wert von vielleicht 600.000€ müsste Monat für Monat allein 1000€ an Vermögenssteuer zahlen. Erhebt man aber die Vermögenssteuer erst oberhalb eines Freibetrages, ergibt sich eine viel geringere Summe.
Leider nicht die einzige seltsame Rechnung im Buch. An mehreren Stellen spricht der Autor von den "stark wachsenden Kapitaleinkünften der Oberschicht" (112), die dadurch immer reicher würde. Tatsächlich liegt die Verzinsung von Bundesanleihen unter der Inflationsrate, die Dividendenrendite nach Abzug der Abgeltungssteuer grade mal 0,5 Prozent darüber und die Aktienkurse waren im Jahr 2000 höher als heute. Mit der klassischen Geldanlage ist schon lange kein Gewinn mehr zu machen.
Insgesamt ist das Buch von der populären Auffassung geprägt, die Finanzmärkte und die Geldanleger trügen die Schuld an der Krise Europas. Deswegen sollen Börsen und Fonds verboten und die Banken gemeinnützige Einrichtungen wie Kindergärten werden. Ratingagenturen müssen entmachtet werden- als hätten die etwas mit den Problemen der Südländer zu tun. Andere Ursachen der Krise, etwa der hohe Exportüberschuss Deutschlands, werden zwar auch genannt, tauchen aber mehr am Rande auf.
Die Lösung sieht der Autor in Steuererhöhungen und stärkerer Zentralisierung. Zwar beklagt er zurecht, dass die Politik das Subsidiaritätsprinzip nur in Sonntagsreden beschwöre (134), macht es selbst aber auch nicht viel besser. Die Steuerhoheit der Mitgliedsstaaten soll eingeschränkt und die Tarifautonomie aufgehoben werden, stattdessen sollten sich die Staaten auf eine EU-weite "Lohnregel" verständigen. Zur Förderung einer europäischen Öffentlichkeit seien "EU-weite Medien einzurichten. Diese müssen jedoch ...Kontrollen unterliegen."(149) Oha. Nirgendwo wird die Frage gestellt, ob wir die europäische Großmacht überhaupt brauchen, ob nicht das "Modell Schweiz" der bessere und sympathischere Weg wäre.
Interessant sind die Vorschläge, die der Autor zur Demokratisierung der EU unterbreitet. Wie er auch an vielen anderen Stellen interessante Ideen äußert, die das Buch lesenswert machen. Würde er nur nicht ganz am Schluss (145) fordern, dass die Vorstände und Aufsichtsräte der großen Firmen zu je einem Fünftel mit Eigentümern, Beschäftigten, Kunden, Initiativen für Geschlechtergerechtigkeit und Initiativen für Umwelt/zukünftige Generationen besetzt werden sollen. Fehlen nur noch die Homosexuellenverbände und die Vertreter ethnischer Minderheiten. Man sollte den Autor verpflichten, mit diesen Vorgaben mal ein kooperatives und effektives Leitungsgremium bei ATTAC zusammenzustellen, eine echte Herausforderung.


Imperium: Roman
Imperium: Roman
von Christian Kracht
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wahrer Lesegenuß, 19. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Imperium: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ironisch, ab und zu bissig, aber nie gehässig. Schon lange habe ich kein Buch mehr so schnell gelesen und mit solchem Bedauern beendet. Der Autor versteht es auf leichte Art zu unterhalten und trotzdem unser Bewußtsein zu schärfen. Nämlich für das durchaus aktuelle Thema, dass der Glaube an gesunde Ernährung sektenartig religöse Züge annnehmen kann. Dass er dafür heftig angefeindet wurde, ist nachvollziehbar. Dass er aber sogar in die rechte Ecke gestellt wurde, ist völlig absurd.


Mut statt Wut: Aufbruch in eine neue Demokratie
Mut statt Wut: Aufbruch in eine neue Demokratie
von Claus Leggewie
  Broschiert
Preis: EUR 14,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Große Transformation? Nein danke!, 25. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Claus Leggewie geht es um eine "große Transformation" (129). Mit diesem von Karl Polany entlehnten, nichtsdestotrotz etwas an Nordkorea erinnernden Begriff meint er vor allem "Selbstbeschränkung". Menschen müssten ihre "Wünsche erster Ordnung" zu zähmen lernen. Ziel sei Konsumverzicht. Solche heute "möglicherweise als Verzicht wahrgenommenen Beschränkungen" seien notwendig zum Wohl der künftigen Gesellschaften und Generationen (80). Die erste Welt solle "ihre Industrieproduktion, ihre Konsummuster und Lebensstile tiefgreifend umstellen". Die armen Länder sollten von vorherein einen anderen Entwicklungsweg einschlagen. Wie der aussehen soll, wird allerdings nicht weiter ausgeführt (58). Es geht also um nichts weniger als einen "fundamentalen Wandel" (58).
Konsumverzicht ist für Leggewie aber nicht wirklicher Verzicht. Er bedeutet höhere Lebensqualität. Er macht dies am Autofahren deutlich. In einer ergreifenden Saulus/ Paulus Geschichte schildert er uns seinen Abschied vom Auto. Öl- und Gummigeruch habe ihn in Verzückung gesetzt. Er sei zu Formel 1 - Wettbewerben "gepilgert" (94). Schön wär's. In Wahrheit ist er höchstwahrscheinlich in einer wahren Spritschleuder dorthin gefahren. Er berichtet uns von "rasender Fahrt auf einer wenig befahrenen nächtlichen Autobahn". Mit den Eltern habe er in einem grasgrünen Käfer die Grenzen nach Holland und Frankreich überquert, ein Gefühl unendlicher Freiheit. Doch vorbei. Nun habe er sein Auto vor zwei Jahren verkauft und verzichte auf Fahrten mit Autos anderer Leute. Auch das Rauchen habe er sich abgewöhnt. Allerdings - die Schilderung seiner Autoleidenschaft fällt recht emotional aus. Der folgende "nüchterne und selbstreflektive Bericht über eine erfolgreiche individuelle Entwöhnung" (94) gerät dagegen etwas zu lang. Mobilitätsbeschränkung koste nicht Freiheit, erfahren wir, sondern werde "Lebensqualität schenken". (95) Das klingt danach, als habe der Verfasser in einer heimlichen Garage noch einen Jaguar stehen, in dessen Handschuhfach einige Havannas bereit liegen. Es würde ihn sympathisch machen. Denn soviel politische Korrektheit auf einmal ist schlicht unerträglich.
Die Bürgerschaft solle "weit mehr als üblich an Entscheidungen beteiligt werden". Das heißt für ihn aber nur "erweiterte Information, Beteiligung und Rechtsschutz" (146). Etwas Substanzielles ist das nicht. Zwar ist im Buch viel von Bürgergesellschaft und Bürgerbeteiligung die Rede, die Forderung nach Volksentscheiden fehlt aber. Zwar mag er einen "begrenzten Gewinn" von Volksentscheiden nicht völlig ausschließen, "wenn parlamentarische und plebiszitäre Gesetzgebung Hand in Hand gehen", was immer das heißen soll (158). Es überwiegt aber beim ihm die Angst vor "populistischen Querschüssen" und dem "Durchmarsch tyrannischer Minderheiten" (155). Kalifornien sei pleite, wegen Volksentscheiden. Auch aus der Schweiz kämen sehr kritische Stimmen (154). All dies ist sehr vage und (vorsichtig gesprochen) sehr umstritten. Es wird schwer werden, einen einzigen Schweizer zu finden, der die direkte Demokratie abschaffen will. Und in Kalifornien gab es schon Volksentscheide, als der Staat noch einen Haushaltüberschuss auswies. Aber Leggewie ahnt zu Recht, dass die von ihm geforderte Wende zum bescheidenen Leben in den politischen Gremien mehr Freunde hat als in der Bevölkerung selbst. Deswegen möchte er zwar die mittelschichtslastigen Bürgerbeteiligungsverfahren und Bürgerdialoge ausbauen, echte Entscheidungsbefugnisse den "bedingungslos konsumbereiten Massen" (81) aber lieber nicht geben.
Stattdessen fordert Leggewie eine "Selbstreformierung des Parteiwesens" (133). Er hofft darauf, dass sich seine Vorstellungen im Parlament durchsetzen, wenn die starre Koalitions- und Fraktionsdisziplin durchbrochen werde (139). Seine Sympathien gehören eher Schwarz/ Grün als Rot/Grün. Denn: "Rot/Grün, nach Lage der Dinge vermutlich nur unter Einschluss der ... Linken möglich, würde wohlmöglich Rückzugsgefechte gegen den Untergang des europäischen Wohlfahrtsstaates führen". (136) Erstaunliche Worte eines Autors, der als Mitherausgeber einer marxistisch geprägten politischen Fachzeitschrift fungiert. Aber im Sinne seiner Logik durchaus folgerichtig. Konsumverzicht ist mit den Linken schwer zu machen.
Zwar will Leggewie einen freiwilligen Wandel. Er wünscht sich einen neuen "virtuellen Gesellschaftsvertrag." Dieser sei "irgendwelchen autoritären Neigungen abhold". (146) Wer dem Autor Neigungen zur Ökodiktatur unterstelle, verstehe nichts von Demokratie. Der Wandel solle nicht durch eine Ökodiktatur geschehen, sondern durch "gute Argumente" bewirkt werden. Freilich bleibt er an diesem Punkt unklar und es hält sich der Verdacht, dass er der Freiwilligkeit durchaus nachhelfen möchte. So heißt es recht unscharf: "Die wesentlichen Mittel sind ... Argumente" (67). Es gibt also noch andere Mittel. Weiter unten meint er: "Eingriffe in Freiheiten sind nur zulässig, wenn Gefahren im Verzug sind..." Nun ist freilich bekannt, dass für Leggewie und seine Mitstreiter stets Gefahren im Verzug sind. So müsse heute "weltweit eine politische Kurskorrektur stattfinden, um in punkto Klimawandel immense Schäden abwenden zu können."(58) Klimawandel und Ausstoß von Giftstoffen" habe ein derartiges Ausmaß angenommen, dass sie eventuell die Lebensgrundlagen künftiger Generationen irreparabel zerstören"(59). Wenn das keine Gefahren sind! An anderer Stelle sagt er: "Die Errungenschaften der individuellen Autonomie muss man mit ...Solidaritätspflichten verbinden, die aus...dem nachvollziehbaren Postulat der Nachhaltigkeit herrühren." (62) So ganz freiwillig scheint es für ihn doch nicht zur gehen.
Wie sehr unser Autor auf Zwang und Bevormundung setzt, wird allerdings erst klar, wenn er Beispiele anführt. Mindestens dreimal im Buch erwähnt er das Rauchverbot als gutes Beispiel für Verzicht (63,80,94). Nun setzt dieses Verbot grade nicht auf Freiwilligkeit und Überzeugung, sondern ist besonders in den angelsächsischen Ländern, wo das Rauchen überall verboten ist und sogar bei Einstellungen und Vermietungen oft totale Tabakabstinenz zur Pflicht gemacht wird, ein Beispiel für klassische autoritäre Politik. Ein weiteres Beispiel für positive nachhaltige Politik, das der Autor nennt, ist die Schuldenbremse (63, 80, 86). Auch hier reibt man sich die Augen. Die Bevölkerung wurde zu staatlicher Sparpolitik nie befragt. Bei Wahlen fand sie abgesehen von den Linken nur Parteien auf dem Stimmzettel, die sie befürworten. Die Schuldenbremse, die die keynsianische Wirtschaftspolitik der siebziger Jahre unmöglich macht, wurde sogar in die Verfassung gesetzt, so dass auch künftige eventuell andere Mehrheiten ohne weiteres daran nichts ändern können. International soll sie jetzt allen Europäern aufgezwungen werden, in dem die Regierungen einen nie mehr kündbaren Vertrag schließen (sog. Fiskalpakt). Denkbar, dass das Verfassungsgericht diesem undemokratischen Vorgehen einen Riegel vorschiebt. Noch ein Beispiel: Auf Seite 99 bezieht sich der Autor positiv auf die Theorie vom "ökologischen Fußabdruck", nach der jedem Erdenbewohner ein bestimmter Betrag an Co2 Ausstoß jährlich zugestanden wird. Eine Horrorvision, deren Umsetzung eine vollständige Kontrolle des Energieverbrauchs und damit des Verhaltens der Bürger voraussetzt.
Leggewies ganze Argumentation beruht auf der Prämisse einer drohenden Klimakatastrophe. Wir sehen uns "Herausforderungen planetarischer Art" gegenüber (191). Geht's nicht ein bisschen kleiner? Hier wäre weniger ausnahmeweise tatsächlich mehr. Die Temperaturen steigen seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Der seit dem Mittelalter zu beobachtende Anstieg des Meeresspiegels verlangsamt sich und wird sich wohl bis Ende des Jahrhunderts auf bescheidene 30cm belaufen. Nicht zufällig wenden sich immer mehr Staaten vom Weltklimarat ab. Auch in Deutschland wird die politische Debatte kritischer. Es wird jetzt offen über die Thesen des Klimarats diskutiert, während bis vor kurzem jede Kritik noch als Gotteslästerung behandelt wurde ("Klimaleugner"). Von einer drohenden weltweiten Katastrophe zu sprechen, ist maßlos übertrieben. Für notwendige Anpassungsmaßnahmen braucht man keine "große Transformation".
Doch Leggewie sieht sich zu Recht mit seinen Ideen im Mainstream. Zweifellos ist grünes Gedankengut aus einer Minderheitsecke herausgerückt und zumindest in der politischen Klasse und der intellektuellen Mittelschicht inzwischen die dominierende Ideologie. Freilich folgt auf den Aufstieg zum Mainstream meist der Niedergang, der sich zunächst in wachsender Kritik bei gesellschaftlichen Minderheiten andeutet. Es scheint so, dass dieser Prozess beginnt. Der Aufstieg der Piratenpartei ist ein Beispiel dafür. Das innovative Potential der Ökologiebewegung ist in der Tat verbraucht. Das merkt man auch am Buch. Bei allem Respekt vor dem berühmten Autor: Alles kommt einem bekannt vor. Und bombastische Sprache sowie der ausufernde Gebrauch von Modeworten ermüdet eher als das er überzeugt. Insofern hat Leggewie Recht, wenn er meint, von drohender Ökodiktatur zu sprechen, sei lächerlich. Einige seiner Mitstreiter möchten wohl schon gerne. Aber sie werden es angesichts wachsender Kritik am grünen Mainstream nicht schaffen.
Natürlich hat Leggewie auch Recht, dass Konsum nicht alles ist im Leben. Konsumverzicht kann durchaus zu Lebensqualität beitragen. Das ist freilich nichts Neues. Schon 1976 plädierte Erich Fromm für das "Sein" statt des "Habens". Später stellte Ronald Inglehart die zunehmende Bedeutung immaterieller Bedürfnisse fest. Damit war gemeint, dass Menschen weniger Arbeiten, mehr Zeit haben und im Gegenzug weniger Einkommen akzeptieren - ausgehend von einem hohen Gehaltsniveau. Einige entschieden sich freiwillig dafür, Luxuskonsum gegen Freizeit zu tauschen. Wobei sie bei halber Arbeitszeit immer noch materiell besser lebten als der Durchschnitt. Heute ist die Situation aber die, dass endlos gearbeitet werden muss und zusätzlich noch Konsumverzicht erwartet wird. Es ist das keiner Systemkonkurrenz mehr ausgesetzte Kapital, das verlangt, den Gürtel enger zu schnallen. Leggewies Buch will uns dazu bringen, es freiwillig zu tun. Nicht mehr für Gott und Vaterland. Aber für die Rettung der Welt und die nächste Generation.


Demokratie als Mogelpackung: Oder: Deutschlands sanfter Weg in den Bonapartismus
Demokratie als Mogelpackung: Oder: Deutschlands sanfter Weg in den Bonapartismus
von Thomas Wagner
  Broschiert
Preis: EUR 11,90

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Parteien die besseren Demokraten?, 16. Februar 2012
Kenntnisreiches und gut geschriebenes Buch, das die teilweise euphorisch vorgetragenen Forderungen nach Direktwahl, Bürgerbeteiligung und Volksentscheiden hinterfragt. Den Wunsch nach Bürgerbeteiligungsverfahren sieht der Autor kritisch, weil diese Verfahren mittelschichtsdominiert seien. Hinter der Forderung nach Direktwahl vermutet er die Sehnsucht nach dem starken Mann, der auch ohne Parteien "durchregieren" können. An beidem ist zweifellos etwas Richtiges und es ist gut, dass jemand darauf hinweist. Doch ist das höchstens die halbe Wahrheit. Dem Autor vernachlässigt, dass sich diese Forderungen auch gegen eine "politische Klasse" oder meinetwegen auch "Führungsschicht" richten, gebildet aus Parteien und Regierungen, die sich abschottet und Eigeninteressen verfolgt. Dass diese politische Klasse oft von rechten Parteien, Unternehmerverbänden und dubiosen Stiftungen angegriffen wird, muss absolut kein Grund sein, sie zu verteidigen. Diese Tendenz zur Verteidigung des Parteienstaates klingt im Buch aber an diversen Stellen durch. Zum Beispiel auf Seite 91, wo es heißt, anders als Bürgerinitiativen würden sich Abgeordnete und Parteien um alle sozialen Schichten, auch die unteren, kümmern. Schöns wärs. Oder auf Seite 126/127. Zustimmend zitiert er Colin Crouch, dass die "Reichen und Mächtigen" von der Zersplitterung in NGOs und Bürgerinitiativen profitierten. Dagegen seien u.a. Parteien Instrumente "den organisierten Interessen des Kapitals entgegentreten" zu können. Welche Parteien sollten das sein? Und geht nicht die Mehrheit der NGOs und Initiativen den "Reichen und Mächtigen" häufig ganz schön auf den Keks? Immerhin spricht er sich am Schluss dafür aus, die Forderungen nach direkter Demokratie "nicht kampflos den Rechten zu überlassen", sondern die progressiven Elemente des direktdemokratischen Diskurses" zu nutzen(132). Die Gewerkschaften werden ihm zustimmen. Haben sie doch mit Volks- und Bürgerentscheiden schon viele Privatisierungen verhindern können.


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