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Rezensionen verfasst von
Nathan Zuckerman "Boldo" (Berlin)

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Der Circle: Roman
Der Circle: Roman
von Dave Eggers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Teilen ist Heilen..., 13. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Circle: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin hin- und hergerissen.

Da ist zum einen: die großartig zugespitzte digitale Zukunft, die wir ja zum großen Teil schon so oder in ähnlicher Form erlebt haben und erleben. Google, Facebook, Amazon, Apple, NSA. Daten werden freiwillig und gerne herausgegeben, keiner von uns macht sich Gedanken darüber, was mit ihnen geschieht und große, mächtige Unternehmen sammeln all dies. Und können es auswerten. Ob sie es am Ende tun, steht noch nicht fest, aber wer Augen hat zu sehen, der sieht, wie sehr diese Unternehmen Zugriff auf unser Privatleben, auf unser berufliches Umfeld, unsere Hobbys, unsere sexuellen Präferenzen, unsere Haustiere, unsere Kinder, unsere Einkäufe. unsere - ach was weiß ich. Alles vermutlich. Und wir geben freiwillig Auskunft, aus voller Überzeugung, weil wir, um es mit Mae Holland auszudrücken, "alles, was (wir) erfahren haben, jeden, den (wir) kennen, für das Wissen eintauschen, dass (wir) gesehen und beachtet wurden, dass man sich vielleicht sogar an (uns) erinnern wird. Wir wissen alle, dass wir sterben."

Genau dies spitzt Dave Eggers in einer ersten, groben Zukunftsvision der Auswirkungen sozialer Netzwerke, der Technikgläubigkeit und der Abhängigkeit wunderbar zu. Es ist faszinierend zu lesen, wie sich die Maschen des Netzes der Überwachung, nein, eher der Teilhabe und Beobachtung immer enger spinnen, wie die Protagonistin immer mehr Bildschirme an ihren Arbeitsplatz gestellt bekommt, um noch mehr und noch wichtigere Aspekte sozialer Netzwerke berücksichtigen zu können. Wie viele sind es am Schluss. Neun?

In diesen Momenten ist das Buch großartig. Weil es uns einen Spiegel vor Augen hält und uns gleichzeitig zeigt, dass es letztendlich um Ausbeutung geht. Die Überwachung von Mitarbeitern durch das Unternehmen, all die Rankings und Bewertungspunkte, sollen die Protagonisten anhalten, noch mehr, noch besser, noch fleißiger zu arbeiten. Als Belohnung winkt eine gute Beurteilung, ein hohes Ranking, ein hohes Ansehen. Und verhalten wir uns nicht schon genauso? ich schreibe eine Rezension und wenn sie hilfreich ist, steige ich zur Belohnung im Rezensentenranking auf. Ich poste ein Foto bei Instagram oder Facebook und kriege viele Likes. Ich habe ein Macbook und bin cool. Das macht Eggers wirklich gut, und vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen bei der Reflexion des eigenen Verhaltens in sozialen Netzwerken.

Und damit komme ich zu den schwierigeren Aspekten des Romans, die mir die Freude etwas getrübt haben. Zum einen ist es die Sprache. Die ist zu simpel und zu langweilig. Vielleicht liegt das eher an der Übersetzung, da bin ich mir nicht ganz sicher - zumindest ist einmal davon die Rede, dass "mit Hochdampf" an etwas gearbeitet wird. Dieses Wort gibt es nicht und es spricht auch nichts dafür, dass es vom Autor eigens erfunden wurde - es wirkt vielmehr wie ein klarer Übersetzungsmissgriff. Wie auch immer: Eggers hat schon besser geschrieben, zumindest was seine Sprache betrifft. Zum anderen wirkt das Buch, vor allem zum Schluss hin, zu konstruiert. Vor allem das Ende, das mit viel Pathos eingeläutet wird, hat mich eher geärgert als begeistert. Klar, es gibt immer wieder überraschende Wendungen im Buch, die allerdings in aller Regel vorhersehbar sind und deshalb nicht so vollständig überzeugen können. Das hätte der Autor besser hinkriegen können. In den Bezügen zu "1984" hat er das ja auch.

Gleichwohl hat Eggers mich mit seiner Gesamtaussage, dem Thema und dem Tenor des Buches überzeugt. Trotz seiner Schwächen ist "Der Circle" ein sehr gutes Buch. Na ja, Teilen ist Heilen.


The Endless River
The Endless River
Preis: EUR 21,99

30 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überraschendes Ende, 7. November 2014
Rezension bezieht sich auf: The Endless River (Audio CD)
Wow! Was ist denn jetzt los? Bloß Resteverwertung aus der Divison Bell-Phase? Nein, meine Damen und Herren, selbst wenn das alles nichts anderes als Archivmaterial ist - diese letzte Pink Floyd-Scheibe ist für mich die Überraschung des Tages.

Schon vor der Veröffentlichung konnte man ja in der SZ lesen, dass hier die Pink Floyd der Phase 1970-1977 gewissermaßen ihre Auferstehung feiern würden, aber wie sie dies tun, lässt mich buchstäblich mit offenem Mund dastehen.

Vergessen sind die letzten Platten, die immer nur wie ein dünner Aufguss wirkten; vergessen die offensichtlich therapeutisch gedachten letzten beiden Platten mit Waters (The Wall und Final Cut - textlich eine Katastrophe, musikalisch - na ja). Nein, das hier vorliegende Material ist so traumschön, so unmittelbar anknüpfend an Wish You Were Here, Meddle oder Animals, dass es für den Fan der alten Schule eine wahre Freude ist. Insbesondere Richard Wright wird ein würdiges Denkmal gesetzt.

Die Platte versöhnt mich nach all den Jahren mit der Band, die ich als Jugendlicher grandios fand, 1987 live vor dem Reichstag in Berlin gesehen habe, um mich dann entnervt und gelangweilt von ihr abzuwenden; und die letzte Soloarbeit von David Gilmour war so grauenerregend, dass man sich schämen musste, sie überhaupt zu besitzen. Und all die Vorberichterstattung, vor allem aber das bereits vor Wochen vorgestellte Cover, haben ja auch für sehr viel Skepsis gesorgt, was die Qualität von Endless River betrifft.

Klar, das ist vielleicht alles nicht mehr zeitgemäß, aber es macht einen Riesenspaß. Es gibt nur wenige Aussetzer (was soll zum Henker dieses Saxophon?), die Platte wirkt wie aus einem Guss, ohne es wirklich zu sein. Toll.

Kurzum, wer Pink Floyd noch nie mochte, wird mit dieser Platte vielleicht nicht glücklich, aber all die Endvierziger bis Mittesiebziger, die mit dem Konzept der Band, den langen Instrumentalphasen ihrer Songs, dem zugespitzten Gitarrespiel David Gilmours, vor allem aber dem wabernden Keyboardteppich Richard Wrights glücklich waren und sind, werden The Endless River in der Tat als einen schönen, überraschend guten Schlussakkord werten und sich einfach freuen. Und vielleicht beim zweiten, dritten Stück feststellen, das gut ist, was jetzt los ist...
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 21, 2014 6:24 PM CET


Tusk (Deluxe Edition)
Tusk (Deluxe Edition)
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Immer noch eine der schönsten Platte der Popgeschichte, 1. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Tusk (Deluxe Edition) (Audio CD)
Tusk war meine erste richtige Platte. Mein erstes Rockmusikalbum, oder sagen wir, ambitionierte Popmusik. 1979 stand dieses merkwürdige Doppelalbum im Schuber in den Regalen, auf dem Cover ein zupackender, aggressiver Köter, die Innencover mit seltsamen, kaum nachvollziehbaren Collagen ausgestattet, und ich wusste nichts über die Platte, die Band, die Geschichte. Und trotzdem wollte ich die Platte, und ich bekam sie zu Weihnachten, und die Zeit der Unschuld, der Abba-Platten, High Life und Super 20, Saturday Night Fever und Grease, war schlagartig zu Ende. Ich war 13 Jahre alt und hatte die Musik entdeckt.

Ich habe seitdem sehr viele unterschiedliche Musikstile, Platten und CDs kennengelernt, vieles verworfen, mindestens genau so viel in meinen persönlichen Kanon übernommen, und ein großer Teil der Musik, die ich nach 1979 kennengelernt habe, ist deutlich besser als alles, was Fleetwood Mac in ihrer Bandgeschichte insgesamt aufgenommen haben, und trotzdem: Tusk ist eine der Platten meines Lebens, vielleicht sogar die entscheidende, die mich auf den Weg brachte, mir Musik vorbehaltlos zu erschließen, zu lieben oder zu verachten. Ich habe Tusk zweimal nachgekauft, mehrfach downgeloaded, die Vinyl-Ausgabe hätte ich ganz gerne noch ein weiteres Mal, und ich höre sie – unregelmäßig – immer wieder gerne, immer wieder voller Freude über eine großartig angelegte Platte, fantastische Popmusik auf allerhöchsten Niveau.

Ich könnte jetzt lang und breit mich über die wechselvolle Geschichte der Band ausmehren, über die wechselnden Besetzungen und Stilrichtungen, das Ende und den Neuanfang 1975, Manager und Gitarristen, Peter Green, der als Friedhofsgärtner arbeitete, Jeremy Spencer, Bob Welch und so weiter, aber das würde alles nur verwässern. Vielleicht nur soviel: zu Beginn des Jahres 1980 entdeckte ich eine Kassette aus dem Europa-Programm mit Fleetwood Mac und hörte diesen leicht durchgeknallten englischen Blues der späten 60er zum ersten Mal. Das hatte mit dem Album, das ich gerade zu Weihnachten bekommen hatte, nun gar nichts zu tun, war aber der erste Schritt hinaus in die Welt der Rockmusik und angrenzender Sparten und Startschuss für eine Neugier, die bis heute anhält.

Zurück zu Tusk: was hatte ich eigentlich erwartet? Irgendwelches schwermütiges Zeug, glaube ich. Das suggerierte mir das Cover. Und die ausgekoppelte Single – der Song Tusk war ja auch deutlich anders als das Zeug, was man sonst so im Mainstreamradio der späten siebziger Jahre in der Provinz zu hören bekam. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater – etwas skeptisch – die erste der vier Seiten auf den Plattenspieler legte und ihn anwarf, und wir statt der erwarteten, deutlichen, aggressiven, harten oder wenigstens schnellen Töne einen leisen Beginn, einen zurückhaltenden Rhythmus, eine sanfte Stimme hörten, Christine McVie, Over and Over. Meine Eltern waren beruhigt; ich musste mich erst einmal orientieren. Fand das eher langweilig.

Und dann: The Ledge. Lindsey Buckingham. 2 Minuten getriebener Rhythmus, fast archaisch eingespielt, sehr rau, schnell, rotzig. Aha! Da ist ein Gitarrist, der die Band irgendwie nach vorne bringt. Für einen 13-Jährigen, der noch am Beginn seiner musikalischen Findungsphase steht, ein erstaunlicher Song, ein außergewöhnlicher Sound. Und es geht abwechslungsreich weiter: Think About Me, Save Me A Place. Und Sara.

Sara ist bis heute einer der Höhepunkte dieses am Höhepunkten nicht armen Albums, eine Sternstunde der Musikgeschichte und (wie ich erst viel später entdeckte) der zweitbeste Song, den Stevie Nicks je eingespielt hat. Ein über 6 Minuten langes Stück, das sich vorsichtig entwickelt und dann eine Kraft entfaltet, die beispiellos ist. Das Lied wirkt wie getrieben (Mick Fleetwoods Schlagzeugspiel ist hier einmal mehr besonders hervorzuheben), und zugleich treibt es immer weiter nach vorn, weiter und weiter, und man wünscht sich, es würde niemals aufhören. Schon beim ersten Hören habe ich geahnt, was in Sara steckt, und ich entdecke immer noch Facetten, auch nach fast 35 Jahren. Und diese Stimme! Stevie Nicks entdeckt zu haben (ich glaube, damals war ich der einzige in meiner Klasse, der sie kannte) war und ist ein wunderbares Geschenk. Eine kleine Frau mit langen Fingernägeln und einer unverwechselbar schönen Stimme, einer geheimnisvollen Aura und exzellentem Songwriting.

Es geht weiter auf dieser Platte, Seite 2, Seite 3, Seite 4. Selbst die Songs von Christine McVie, die ich immer am schwächsten und langweiligsten fand, haben ihren Charme, und je öfter ich sie höre, um so besser werden Brown Eyes, Honey Hi oder Never Forget. Allerdings ist der Stellenwert der Buckingham-Songs nicht zu übertreffen. Die meisten Leute, die Fleetwood Mac mögen, finden ja Rumours besser als Tusk. Dreams, Go Your Own Way, Don't Stop, Second Hand News. You name it. Alles gut, ausgezeichnet produziert, hervorragend komponiert, sehr stimmig, fast gefällig, und dennoch mit diesem Ruch der Trennungen innerhalb der Band verbunden. Ja, wunderbar. Ich sage aber: Tusk ist besser. Zum einen, weil Buckingham auf dieser Platte erkennbar sich austoben konnte und davon reichlich Gebrauch gemacht hat. Not That Funny, What Makes You Think You're The One, That's Enough For Me. Vor allem aber I Know I'm Not Wrong. Und natürlich Tusk. Buckingham arbeitet archaisch, die Songs wirken hausgemacht (sind sie ja auch, vergleiche die Credits), aber immer getrieben von der Lust am Experimentieren und Rumspielen. Ich erinnere mich, zu That's Enough For Me ziemlich wild getanzt zu haben. Vermutlich war ich der einzige.

Zum anderen wegen Beautiful Child. Vierte Seite, zweites Stück. Stevie Nicks schreibt und singt. Hauptsächlich mit Klavierbegleitung. Harmoniestimme Lindsey Buckingham. Der Song zieht mir heute noch die Schuhe aus, auch wenn ich ihn im Schlaf mitsingen kann. Das ist der (in meinen Augen) beste Song von Stevie Nicks. Er führt einen buchstäblich in schwindelerregende Höhen, aus denen man – glücklicherweise recht sanft – vom Buckinghamschen Walk A Thin Line wieder herabgeholt wird. Der Rest ist der Titelsong und Never Forget, und man möchte gern wieder von vorn anfangen.

Fleetwood Mac und vor allem Lindsey Buckingham haben seit Tusk nie wieder diese Größe erreicht. Ich fand Mirage bei seinem Erscheinen ja noch toll, aber eigentlich auch nur deshalb, weil ich großer Fan war. Und Tango In The Night habe ich mir nicht einmal mehr gekauft. Erst Say You Will lässt wieder etwas von der Größe Lindsey Buckinghams erwarten, der auf der Rolling Stone-Liste der 100 bedeutendsten Gitarristen immerhin die Nummer 100 erreicht hatte. Und wer daran Zweifel hat, höre sich die Live-Version von I'm So Afraid auf dem Live-Album von 1980 an. Aber das ist ne andere Platte. Und ne andere Geschichte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 8, 2014 10:14 AM MEST


Atlantis: Roman
Atlantis: Roman
von Stephen King
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ganz großes Buch!, 22. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Atlantis: Roman (Taschenbuch)
Es gibt gute und wenige gute Bücher von Stephen King; die meisten lassen sich in Phasen seines Schaffens einteilen, und leider gab es nach 2000 eine Phase in seinem Schreiben, die ganz grauenvolle und langweilige Bücher hervorgebracht hatte: Duddits, Love, Wahn, dieser ganze unsägliche Kram. Und auch die Bände 5-7 des Dunklen Turm-Zyklus hätten möglicherweise anders ausgesehen, wenn King seinerzeit den schweren Unfall nicht gehabt hätte...

"Atlantis" ist 1999 erschienen - also vor dem Unfall. In meinem Regal stand das Buch ca. sechs, sieben Jahre ungelesen herum, in der irrigen (und bescheuerten!) Annahme, es gehöre dieser (zum Glück längst überwundenen) Phase schlecht geschriebener, langweiliger, uninspirierter Werke an. Was für ein Irrtum.

Dieses Buch trifft einen direkt ins Herz. Es ist: gut geschrieben, geschickt komponiert, mit Bezügen ins Gesamtwerk, aber auch für Neulinge zu verstehen. Übernatürliches findet buchstäblich nur am Rande statt und ist im Grunde irrelevant. So war mir King schon immer am liebsten, und so ist er auch am größten: im Spiel mit den Ängsten seiner Protagonisten vor dem Horror, erst in zweiter Linie mit dem Horror selbst.

Das Buch handelt vom Verlust der Unschuld: durch Liebe, Krieg, Sucht, Angst. Atlantis - der untergegangene Kontinent - steht für diesen Verlust, aber er steht auch und vor allem für den Verlust einer Generation: der wie King in den 40ern Geborenen, die in den Krieg ziehen oder versuchen mussten, sich ihm zu entziehen, sich vor ihm zu schützen. Deshalb spielt der Vietnamkrieg von der ersten bis zur letzten Zeile eine zentrale Rolle. Er ist zunächst noch fern, gewinnt aber für das Leben aller Protagonisten eine immer größere, bedrohlichere, ja existentielle Bedeutung.

Die Geschichte wird in 5 Teilen erzählt: zwei längeren, jeweils über 200 Seiten stärkeren Novellen, und drei kürzeren Erzählungen. Sie sind durch ihre Protagonisten miteinander verbunden, haben aber darüber hinaus Gemeinsamkeiten. Die schönste, die mir aufgefallen ist: es gibt immer jemanden, der irgendwann einen anderen, Verletzten, Kranken, Schwachen getragen hat, der größer, schwerer, unhandlicher als der Träger war. Und natürlich ist es die Liebe, die immer wiederkehrt - zu den Eltern, dem Vater (den es nie gab), zum Partner, zu Gott.

Doch, es gibt auch King-typisches. Für alle Leser des Dunkler-Turm-Zyklus stellt die Novelle "Niedere Männer in gelben Mänteln" ein wesentliches Zwischenstück dar, das zum Verständnis der Handlung der Bände 5-7 nicht unerheblich beiträgt. Es gibt Momente voller Spannung, und sogar ein bißchen Grusel. Aber nur ein bißchen.

Ich hatte - ehrlich gesagt - Angst, dass das Ende zu rührselig daher kommen könnte. Ist es nicht. Es berührt, ohne kitschig zu sein. Und die Fehler, die ich entdeckt hatte (das erste Album der Doors ist erst 1967 erschienen), sind im Nachwort angesprochen worden: das war so gewollt.

Ich habs ja schon immer gesagt: King ist ein wirklich guter Erzähler. Es lohnt sich, ihn zu lesen. Er ist gut, und das zeigt er seit ein paar Jahren ja auch wieder. Atlantis gehört ganz eindeutig zu den besten Werken von Stephen King, und ich würde mich freuen, auch weiterhin qualitativ hochwertiges auf diesem Niveau von ihm lesen zu können. King ist längst zum Chronisten der neuenglischen Mittelklasse geworden. Jedenfalls, was deren Ängste betrifft.


Two Against Nature
Two Against Nature
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 21,54

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für die Ewigkeit, 1. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Two Against Nature (Audio CD)
Es beginnt mit Percussions, die einen, noch nicht endgültig festgelegten, Rhythmus vorgeben möchten, beinahe so, als seien sie unentschlossen, ob die Richtung die richtige ist. Einsprengsel von E-Piano und Saxophon folgen, fügen sich ein, soweit das zu diesem Zeitpunkt möglich ist, bringen den Song in eine Struktur, oder weisen den Weg dahin. Nach 20 Sekunden setzt der Bass ein, und es ist klar, wohin die Reise geht. Nach weiteren 20 kommen Klavierakkorde hinzu, und bevor ab der 1. Minute Donald Fagen zu singen beginnt, setzt die Rhythmusgitarre wesentliche Akzente. Two Against Nature ist und bleibt der Höhepunkt des gleichnamigen Comeback-Albums von Steely Dan aus dem Jahre 2000. Eine Platte, die anknüpfte, nahtlos anknüpfte an Gaucho, das letzte Studioalbum von 1980, und die ich – und deswegen heute die Rezension – nach 5 Jahren Trennung wieder in Händen halte.

Der Titelsong ist nicht nur wegen seiner Struktur der Höhepunkt. Wer den Song hört, wieder hört, neu hört, ist überrascht wegen der diversen kleinen Reminszenzen an die Verbindung zwischen Jazz und Rock – also das, was man gemeinhin Fusion nannte – und Hinweise auf Musik, die man so gar nicht erwartet hätte. Die Art, wie Fagen hier das Rhodes einsetzt, lässt mich ständig an die Bitches Brew-Phase von Miles Davis denken, wo das E-Piano ja in ganz ähnlicher Weise eingesetzt wird. Gelegentliches Wabern, dort in der Stille, hier, bei Steely Dan, Becker/Fagen, eingebettet, wie immer, in eine perfekte Songstruktur, und zwar so geschickt, das man sich, immer wieder aufs neue, über kleine Details, Einsprengsel, Füllsel und wie dergleichen Effekte mehr auch immer heißen mögen, erfreut, und ich auch nach 13 Jahren den Song (und die Platte) immer wieder neu hören und entdecken kann.

Two Against Nature besticht aber insgesamt als Platte. Gaslightning Abbie, der erste Titel, schließt in der Tat an Third World Man, den letzten Titel von Gaucho, an und gibt einem das Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Auch dieser Song baut sich langsam auf, ist in seiner Struktur aber klarer und einfacher. Sensationell ist die Gitarrenarbeit Walter Beckers, die dem Stück den notwendigen Groove gibt. Das waren Steely Dan ja immer schon: funky, wenngleich die Bedeutung des Funk in ihrer Musik seit 1980 deutlich zugenommen hat (vor allem, wenn man die Soloplatten von Donald Fagen betrachtet).

Und es geht weiter. Eine Besonderheit der Steely Dan des 21. Jahrhunderts ist, dass man ihre Texte etwas besser versteht, also zumindest teilweise. Also manchmal. Die komplexe Lyrik früherer Alben ist – jedenfalls für mich – einer etwas zugänglicheren, aber deswegen nicht weniger poetischen Sprache gewichen. So heißt es in Jamie Runaway:

„Who makes the traffic interesting/Rescues a dreary Sunday/Who makes me feel like painting again/Honey it's you - Janie Runaway“

Oder – in die andere Richtung – in „Negative Girl“:

„She's in the zone/Crying on the phone/I need you here/I'm on the street again/Staggering out into the burn of the brain dead dawn/To arrive in time to find her gone

She's on the train/To somewhere up by Fordham Road/Her reptile brain/Locked down and ready in combat mode/Some cash - a key/This guy she has to see/A doctor friend uptown/And maybe she gets to me when she comes back down“

„What A Shame about Me“ handelt vom Versagen, vom Älter werden, von jugendlichen Träumereien, vom Vergleichen mit anderen, erfolgreicheren Menschen aus der eigenen Generation, und er gehört (deswegen) zu den großen Songs auf diesem wunderbaren Album. Und auch wenn Donald Fagen in diesem Song konstatiert, gescheitert zu sein („I'm still working on that novel/But I'm just about to quit/'Cause I'm worrying about the future now/Or maybe this is it“), wissen wir, am Ende der Platte, am Ende des Tages: Er ist es nicht. Steely Dan haben seinerzeit ihre Bedeutung für die Pop/Rock/Jazz/Wasweißichdenn-Musik klar unter Beweis gestellt. Eine Platte für die Ewigkeit.


Im Stein: Roman
Im Stein: Roman
Preis: EUR 9,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sprachliche Brillanz reicht denn doch nicht..., 17. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Im Stein: Roman (Kindle Edition)
Ein Buch mit solchen Rezensionen muss einfach gut sein. Das geht gar nicht anders. Clemens Meyer - der sich laut Spiegel verzweifelt dagegen wehrt, einen Nuttenroman geschrieben zu haben - hat auch in der Tat einen guten Roman vorgelegt. Er greift auch wesentliche Fragen unserer Gesellschaft auf, allerdings bleibt es beim Aufgreifen. Und das führt leider zu einem ernüchternden Ergebnis: Dieses Buch ist nicht interessant. Es ist ohne Zweifel sprachlich und kompositorisch eine Ausnahmeleistung; vor allem die Perspektivwechsel innerhalb von Absätzen, gar Sätzen sind eine wahre Freude für all diejenigen, die sich auch oder gerade an der kunstvoll erarbeiteten Sprache erfreuen können, und denen Sperrigkeit kein Fremdwort ist, Linearität der Erzählung kein Muss. Gerade des stete Springen in den Zeiten, Orten und Erzählperspektiven; vom Ich- zum Du- zum Er-Erzähler; die Andeutungen, Verdrehungen, Halbwahrheiten; ja selbst die immer wieder kehrenden - in vorigen Rezensionen schon angeklungenen - Bewusstseinsströme machen die große Stärke und die große Qualität dieses Buches aus. Insofern, muss man konstatieren, ist es ein gutes Buch.

Aber leider war es das denn auch. Vielleicht gibt es Leute, die sich schon immer gewünscht haben, dass das Milieu (um einen Begriff des Romanes, der gerne in Frage gestellt oder auch ironisch verdreht wird, aufzugreifen) in all seinen Facetten, dem vorder- wie hintergründigen Geschäft, den Protagonisten im Front- und im Back-Office (ja, der Rezensent kennt derartige Kunstgriffe auch...) in einem Roman mal dargestellt, durchleuchtet, kritisch oder unkritisch betrachtet wird. Für diese Leser ist der Roman denn auch richtig. Aber wenn ich mich beim Lesen immer wieder dabei ertappe, daran zu denken, dass der Autor sich gerne mit seiner Knasterfahrung brüstet, sich als enfant terrible feiern lässt, als böser Bube, dann erscheint mir diese gesamte Geschichte als deutlich zu aufgesetzt.

Ich vermag nicht zu sagen, ob dieser Roman nun gut recherchiert ist oder aus lauter Klischees besteht. Beides lässt sich anderen Rezensionen ja entnehmen. Leider ist er vor allem eins: langweilig. Und wie immer, gerade bei deutscher Literatur, wenn die Form entscheidet und nicht der Inhalt oder die Qualität des Inhalts nicht der der Form entspricht, muss man leider konstatieren, dass genau das nicht reicht. Im Ergebnis wirkt dieses Werk bei aller Qualität viel zu aufgesetzt. Man kann Ambitionen haben. Den Deutschen Buchpreis oder sonst was haben wollen. Scharf drauf sein, im FAZ-Feuilleton auf der ersten Seite hymnisch gefeiert zu werden. Ich wünschte mir aber, dass diese Ambition auch mit der notwendigen inhaltlichen Tiefe und Ernsthaftigkeit einhergeht und nicht beim Abfeiern der eigenen Genialität verharrt.

Das Buch ist also gut. Es ein zweites Mal zu lesen kann ich mir nicht vorstellen. Und ich gehe davon aus, dass es - ganz im Gegensatz zu anderen modernen, sperrigen Werken (David Foster Wallace, Don DeLillo) - wenig Nachhall in meinem Gedächtnis findet. Schade.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 18, 2013 4:11 PM MEST


Crimson/Red
Crimson/Red
Preis: EUR 16,99

46 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Watch Your Legend Grow, 16. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Crimson/Red (Audio CD)
Man kann Prefab Sprout auf zwei Arten hören. Die eine geht so: eine Gruppe von halbwegs gebildeten Leuten zwischen Mitte Dreissig und Ende Vierzig sitzt entspannt zusammen, Du legst „From Langley Park To Memphis“ ein, und nach wenigen Takten von „The King of Rock'n'Roll“ fragt irgendjemand, wer das noch mal war, und das hätte er mal im Radio gehört, in den späten Achtzigern, etc. Meistens. Dann hört man Prefab Sprout als unaufgeregte, gefällige, freundliche und nostalgische Hintergrundmusik, und das funktioniert auch ganz gut.

Wenn man die Musik von Prefab Sprout aber auf die andere Art hört, sich der Musik, der Stimme, den Arrangements, den Melodien und Texten hingibt, sich einlässt auf dieses Abenteuer der musikalischen Vielschichtigkeit von Paddy McAloon, dann ergibt sich etwas beinahe intimes. Eine Verbundenheit, gar nicht mit dem Musiker, sondern tatsächlich mit der Musik selbst, mit dem Song, der in einer Perfektion vorgetragen wird, wie es in der Popmusik, zumal der des einundzwanzigsten Jahrhunderts die große Ausnahme ist, sieht man einmal von Steely Dan ab, aber das ist ja ohnehin eine Jazzband. Oder so etwas in der Art.

Was aber ist das besondere? Und warum kann Musik, die einfach als nostalgische Erinnerung an die eigene Jugend im Hintergrund laufen kann, zugleich eine solch intime Atmosphäre schaffen? Vermutlich ist es zunächst einmal der klare, helle, deutliche Gesang von Paddy McAloon, einem einstmals leidlich hübschen, nunmehr eher zauselig-verschroben aussehendem Mann, einem Alm-Öhi der Popmusik, im fast buchstäblichen Sinne. Zwischenzeitlich erblindet, jetzt wieder sehend, mit erheblichen Hörproblemen geplagt, ist er da und wieder da und singt, als wäre in all den Jahren nichts passiert, zumindest ist seine Stimme fast nicht gealtert – die Erkrankungen sind jedenfalls (und zum Glück für uns „Cherished Listeners“) an seiner Stimme vorbeigerauscht.

Und dann sind es die Texte, die uns in den Bann ziehen. Mit den üblichen Popsongs haben die nämlich gar nichts zu tun. Ich räume ein, dass ich nicht immer alles verstehe, aber die Poesie in diesen Texten ist so überbordend, so faszinierend und so großartig, dass sie einen nicht mehr loslassen.

Das dritte aber, und vielleicht sogar das entscheidende, ist diese perfekt arrangierte, instrumentierte, gewissermaßen ausgeleuchtete Musik. Was ist das eigentlich? Pop? Vermutlich. Oberflächlich betrachtet handelt es sich wohl darum – eingängige Melodien, teils gefällig. Entscheidend ist aber, dass man sich wohlfühlt bei dieser Musik, dass Harmonien den Hörer tragen, mitnehmen, gefangen nehmen. Das ist wahrscheinlich mehr als das, was landläufig unter Pop verstanden wird. Und wie bei allen guten Platten wird sie mit jedem Anhören besser. Prefab Sprout gehört ganz eindeutig zu den Bands (oder Projekten), deren Werke immer wieder neues entdecken lassen: hier mal ein kleiner Gitarreneinschub, dort ein interessantes Percussion-Arrangement, das ganz unauffällig bleibt und urplötzlich, zum Teil nach Jahren, genauso unauffällig entdeckt wird. Und wenn sowohl die Details als auch das große Ganze stimmen (und wie vorliegend sogar perfekt sind...), dann bleibt nur ein Fazit: Großartig!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 4, 2013 8:27 PM CET


EVIL
EVIL
von Jack Ketchum
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstörend, beängstigend, großartig, 6. November 2012
Rezension bezieht sich auf: EVIL (Taschenbuch)
Das erschreckendste an diesem Buch ist, wie stets bei wirklich guter "Horrorliteratur", dass es reale Gewalt darstellt, Menschen in Situationen zeigt, in denen sie sich nicht unter Kontrolle haben und Dinge tun, die so unfassbar sind, dass man eigentlich nicht über sie sprechen möchte. Der 12jährige Protagonist des Buches berichtet in aller Ausführlichkeit über die Folter und die Ermordung einer 14-jährigen durch die (psychopathische) Nachbarin, deren Kinder und weiterer Kinder aus der Nachbarschaft, und selbst der Umstand, dass er überwiegend als Zuschauer beteiligt ist, macht seine Rolle in diesem Spiel nur bedingt erträglich.

Stephen King hat in seinem Vorwort das Buch mit American Psycho verglichen, und selbst, wenn es weder sprachlich noch inhaltlich daran heranreicht, so ist doch (vorausgesetzt, die Gewalt in American Psycho ist genauso "real" wie in Evil) der Schrecken des Lesers in beiden Fällen ähnlich. Wir stehen fassungslos vor den Ereignissen, den immer grausamer und widerlicher werdenden Gräueln, den Schmerzen und Demütigungen des Opfers, der Gruppendynamik, die im Laufe des Buches zunimmt und die Oberhand gewinnt gegenüber moralischen Bedenken einzelner Protagonisten.

Evil ist kein Spaß. Es ist ein entsetzliches Buch, aber es ist auch ein hervorragendes Buch, weil keine einzige Handlung gezeigt wird, die nicht tatsächlich passieren könnte. Das Buch zeigt uns unsere Schwächen, unsere Grenzen, unsere Beschränktheit. Es verstört, vom ersten Moment der Lektüre an. Deshalb lohnt es sich, gelesen zu werden.


Unendlicher Spaß: Infinite Jest. Roman
Unendlicher Spaß: Infinite Jest. Roman
von David Foster Wallace
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht zuviel Respekt, bitte, 6. November 2012
Ich war neulich bei einem Kollegen zu Gast, dem ich dieses Buch mal empfohlen hatte. Es stand, weiß, unbefleckt und wie neu in seinem Regal, und obschon ich ein wenig neidisch war (denn wer hat nicht gern seine Bücher in einem Top-Zustand), liess der Zustand dieses Buches nur den einen Schluss zu: es war noch nicht gelesen. Der Kollege räumte das auch ein, und ich forderte ihn auf, die Lektüre zu beginnen. Danach sieht das Buch vielleicht nicht mehr ganz so schön aus, aber die Mühe lohnt sich.

Mein Exemplar von Unendlicher Spaß, gekauft 2010, gelesen 2011, ist in Einschlagpapier eingewickelt, die Kanten sind kaputt und ich will nicht ausschließen, dass einige der 1552 Seiten ein wenig verknittert sind. Das Resultat einer Lektüre, die sich über ein halbes Jahr hinzog und überall stattfand: in der U-Bahn, auf dem Klo, im Bett, auf dem heimischen Sofa, buchstäblich überall. Selbst wenn es nur ein paar Seiten waren, die ich morgens auf dem Weg ins Büro geschafft habe: die kleinteilige, zähe, anstrengende Weise, das Buch zu lesen, hat sich gelohnt. Selbst anderthalb Jahre nach Beendigung der Lektüre ist dieses Buch ein Teil meines Lebens, vor allem der Schlussteil, der das ganze Elend der Drogensucht noch mal anschaulich vor Augen führt; aber auch alle anderen Zeiten, Orte und Personen, die durch den Roman wabern und mäandern, immer wieder auftauchen und verschwinden, Spiele, Filme, Sport, was weiß ich. Das Buch sperrt sich nur scheinbar - in Wirklichkeit wartet es auf nichts sehnlicher, als gelesen zu werden. Man muss den Respekt oder die Furcht überwinden, sich auch darauf einlassen, mal aus dem Fluss rauszufliegen - dann erlebt man Dinge, von denen man nicht zu träumen wagte.

Die Handlung, so es eine gibt, ist hier ausführlich dargelegt worden. dazu ist nicht mehr zu sagen. Eigentlich ist sie auch irrelevant. Relevant ist, was David Foster Wallace zu sagen hatte, und wie er es tut. Ich habe nie zuvor das Gefühl gehabt, so sehr in das Innere eines Süchtigen, eines Depressiven sehen zu können wie in diesem Buch, nie so sehr mit der Besessenheit von Menschen für ihre Profession mich auseinandergesetzt gesehen.

Sprachlich wie kompositorisch ist dieses Buch wohl nicht zu übertreffen. Von linearer Erzählweise kann keine Rede sein. Dafür wird ein französischer Akzent so gut dargestellt, dass man als Leser ständig applaudieren möchte. Lesen! Mehr ist nicht zu sagen.


Parkerilla
Parkerilla
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 19,57

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nie wieder anhalten...., 1. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Parkerilla (Audio CD)
Ich steh ja eigentlich nicht so auf Live-Platten. Den wenigstens Bands gelingt es, einen gelungenen Konzertabend auf Tonträger zu transportieren, und wenn, sind die Defizite in der Umsetzung trotzdem immer zu erkennen. Aber wer jemals The Heat in Harlem, Tear Your Playhouse Down oder New York Shuffle von dieser Platte gehört hat, der muss hingerissen und verzückt zugeben: es gibt Künstler, die es können. Aus meiner Sicht die überzeugendste Veröffentlichung von Graham Parker and The Rumour, einer Band und eines Künstlers, die leider viel zu wenig Beachtung gefunden haben. Parker hat es als einer der wenigen Europäer verstanden, den Rhythm and Blues nicht nur zu kopieren, sondern weiter zu entwickeln und ihm seinen ganz besonderen Stempel aufzdrücken. In den 70ern war ich leider zu jung, um ihn live erlebt zu haben, kenne aber seinen Rockpalast-Auftritt, der schon etwas außergewöhnliches war.

The Parkerilla gibt einen guten Einblick, was man versäumt haben könnte. Die Musik hat einen Drive, wie man ihn selten erlebt. Der (vor-)letzte Song, Soul Shoes, ist in dieser Performance nicht zu schlagen, kraftvoll, energetisch, großartig. Mal versucht, dazu Auto zu fahren? Man möchte nie wieder anhalten...


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