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Rezensionen verfasst von
Ailis "Leseturm"
(TOP 500 REZENSENT)   

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Ich folge deinem Schatten: Thriller
Ich folge deinem Schatten: Thriller
von Mary Higgins Clark
  Gebundene Ausgabe

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Satz mit x..., 14. Dezember 2011
Dieser Roman beginnt mit dem fünften Geburtstag des kleinen Matthew. Doch Matthew ist nicht da, um mit seiner Mutter zu feiern, denn er wurde vor knapp zwei Jahren entführt und bis heute gibt es keine Spur. Niemand weiß, was mit dem kleinen Jungen passiert ist und ob er noch lebt. Zan Moreland, seine Mutter, versucht beharrlich sich durch ihre Arbeit als Inneneinrichterin abzulenken und steckt jeden Penny, den sie nicht zum Leben braucht, in die Suche nach ihrem Sohn. Am Abend seines Geburtstages trifft sie sich in einem Restaurant mit ihrem Ex-Mann Ted, der gerne gemeinsam mit Zan seines Sohnes gedenken möchte. Und genau in dieses Treffen platzt Josh, Zans Assistent, mit einer Hoffnung bringenden Neuigkeit: es sind Fotos vom Tag der Entführung aufgetaucht, auf denen zu sehen ist, dass eine Frau den kleinen Matthew im Park aus seinem Buggy holt und mit ihm verschwindet. Doch diese Fotos haben einen Haken: die Frau, die dort zu sehen ist, ist Zan. Und natürlich glaubt niemand ihren Beteuerungen, nicht die Frau auf den Fotos zu sein.
Das könnte als durchaus spannender Plot durchgehen, doch Mary Higgins Clark macht einen entscheidenden Fehler: der Leser erfährt schon früh von ihr, dass Matthew noch lebt und es nicht Zan selbst ist, die auf den Fotos zu sehen ist. Damit ist die Luft raus und man fiebert nur noch mit, ob es Zan gelingt, ihre Unschuld zu beweisen und wartet auf die Auflösung, wer denn nun der wirkliche Täter ist. Den hatte ich allerdings sehr schnell entlarvt, denn zu allem Überfluss ist diese bereit so geschröpfte Geschichte auch noch vollkommen durchschaubar.
Viel mehr möchte ich zu dem Buch auch gar nicht sagen. In Aufbau und Sprache ist die Autorin sich treu geblieben - kurze Kapitel und ständiger Perspektivenwechsel -, doch spannend war dieser Krimi nicht, vielmehr war er eine große Enttäuschung.


Und hinter dir die Finsternis: Roman
Und hinter dir die Finsternis: Roman
von Mary Higgins Clark
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 3 bis 4 Sterne für diesen Kriminalroman, 13. Dezember 2011
Dieses Buch lässt sich im Grunde genommen mit einem Satz zusammenfassen: Das war solide Krimikost! Ein Krimi nach klassischem Vorbild, was auch bedeutet, dass er manchmal vielleicht ein bisschen betulich und altmütterlich wirkt, aber was soll ich sagen? Ich mag dieses althergebrachte Strickmuster, denn es hat sich schon oft bewährt.

In diesem Roman erzählt Mary Higgins Clark die Geschichte der jungen Kay Lansing Carrington, die erst vor kurzem den einige Jahre älteren Peter Carrington geheiratet hat. Bereits als kleines Kind war sie beeindruckt vom Anwesen und Haus der Familie Carrington, deren Gärtner Kays Vater Jonathan war. Am Abend einer großen Feier im Herrenhaus hatte ihr Vater sie mitgenommen und die kleine Kay schlich sich heimlich ins Haus, weil Jonathan ihr von einer Kapelle im Inneren erzählt hatte, die sie unbedingt sehen wollte. Als sie sich nähernde Stimmen hörte, versteckte sich die Kleine zwischen den Kirchenbänken und wurde so Zeugin eines Erpressungsgesprächs zwischen einer Frau und einem Mann. Als die beiden gegangen waren, schlich sie sich leise wieder nach draußen, erzählte aber niemandem davon. An diesem Abend verschwand ein junges Mädchen und der damals 20-jährige Peter geriet unter Verdacht, etwas mit ihrem Verschwinden zu tun zu haben, was ihm jedoch niemals nachgewiesen werden konnte. Wieder einige Jahre später ertrank die schwangere Ehefrau Peters im Pool und wieder wurde er verdächtigt, doch auch diesmal konnte ihm keine Schuld nachgewiesen werden.
Kay weiß das alles und dennoch verliebt sie sich in Peter und heiratet ihn schon nach nur wenigen Monaten. Doch die Vergangenheit ruht nicht und so muss Kay gleich an den ersten Tagen ihrer Ehe erleben, wir ihr Mann erst ins Kreuzfeuer der Medien gerät und dann des Mordes angeklagt wird, als auf dem Grundstück der Carringtons die Leiche der vor 22 Jahren verschwundenen Susan Althorp gefunden wird. Doch Kay hält fest zu ihrem Mann und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit...

Dieser Krimi ist nach Clarks bewährtem Muster aufgebaut: kurze Kapitel, unterschiedliche Erzählsperspektiven und etliche Verwicklungen, die einen immer wieder auf eine andere Fährte locken. Manche ihrer Schlussfolgerungen wirken ein wenig gewollt und auch das Ende hat sie eher lieblos hingeschustert, als sei ihr mit einem Mal die Luft ausgegangen. Nichtsdestoweniger habe ich diesen soliden Krimi gerne gelesen und war auch bis zum Schluss gespannt, wie er wohl ausgehen mag. Im Klappentext ist von einem Thriller die Rede, doch denke ich, dass der klassische Thrillerleser hier eher enttäuscht wäre. Für mich ist dieser Roman ein Krimi der guten alten Art, sonst hätte ich ihn wohl auch nicht gelesen.


Holundermond
Holundermond
von Jutta Wilke
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nette Unterhaltung für junge Teens, 12. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Holundermond (Gebundene Ausgabe)
Mit "Holundermond" habe ich erneut zu einem Roman aus dem Bereich Kinder- und Jugendbuch gegriffen. Wenn mir der Sinn nach einer schönen Geschichte steht, die mich einfach nur gefangen nimmt, ohne dass ich mich mit zu viel Moral und Botschaft rumschlagen muss, sind solche Abenteuerromane für Jugendliche eine gute Wahl.
Und so erging es mir auch mit diesem Buch: ich wurde gut unterhalten und mehr wollte ich auch gar nicht.
Jutta Wilke erzählt die Geschichte der 12-jährigen Nele, deren Leben sich ganz falsch anfühlt, seit ihre Eltern sich getrennt haben. Gestern noch ist ihr Vater Jan ausgezogen, heute schon sitzt er im Garten neben Nele und eröffnet ihr, dass sie nicht wie geplant zwei Wochen ihrer Sommerferien bei ihm verbringen kann. Er muss nach Wien, um der dortigen Polizei bei der Aufklärung verschiedener Diebstähle zu helfen. Jan ist Kirchenhistoriker und aus drei Wiener Kirchen verschwanden in den letzten Monaten wertvolle Gegenstände. Da Jan sich weigert, den Bitten seiner Tochter nachzukommen, die ihn anfleht, sie mit nach Wien zu nehmen, packt sie kurzerhand ihren Rucksack und versteckt sich im Auto ihres Vaters, der erst viel zu spät merkt, welchen blinden Passagier er an Bord hat. In Wien angekommen trifft Jan sich gleich am nächsten Tag mit seinem österreichischen Kollegen Dr. Holzer, der nicht wirklich begeistert ist von der Hilfe aus Deutschland. Nele und Flavio, den sie in ihrer Pension kennengelernt hat, trauen dem seltsamen Mann nicht über den Weg und schon bald soll sich zeigen, dass selbst ihre schlimmsten Befürchtungen mit der Wahrheit nicht Schritt halten können...
Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass man es mit einem Buch für Kinder bzw. Jugendliche zu tun hat. Mit erwachsenen Maßstäben finden sich so einige Ungereimtheiten, die einem den Spaß verderben können, wenn man sich zu sehr an ihnen festbeißt. Daher habe ich versucht, bei der Lektüre die Logik unter den Tisch fallen zu lassen und bin damit, so denke ich, auch ganz gut gefahren. Ob man die Jugend allerdings unterschätzt, wenn man meint, dass ihnen die kleinen Fehler nicht auffallen, wüsste ich nicht mit Gewissheit zu sagen. Ein Patzer war auch ein bisschen größer, aber fast hätte auch ich ihn überlesen.
Nichtsdestoweniger ist Jutta Wilke ein spannender Roman gelungen, dessen Protagonisten mir sympathisch waren, wenn ich mir auch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte.


Der Regen, bevor er fällt: Roman
Der Regen, bevor er fällt: Roman
von Jonathan Coe
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Über Mütter und Töchter, 9. Dezember 2011
Dieser Titel schlummerte schon lange auf meinem Wunschzettel und ich muss sagen, dass sich das Warten vollkommen gelohnt hat. Jonathan Coe ist ein ehrlicher, aber dennoch einfühlsamer Erzähler, dem es gelungen ist, eine zu Herzen gehende Geschichte über Liebe, Hass und Schuld zu schreiben, die man so schnell nicht vergessen wird.
Die Geschichte beginnt mit dem Tode Rosamonds, und Gill, ihre Nichte, wird damit beauftragt, sich um den Nachlass zu kümmern. Als sie in Rosamonds Haus zu räumen und zu sortieren beginnt, findet sie vier Kassetten, die Rosamond selbst besprochen hat und die für Imogen sind, eine entfernte Verwandte Gills, die sie nur ein einziges Mal in ihrem Leben gesehen hat. Das war auf Rosamonds 50. Geburtstag und Imogen war das kleine, blinde Mädchen, mit dem Gill sich den ganzen Abend über unterhielt. Auf diese Kassetten nun hat Rosamond die Geschichte gesprochen, die in ihrem Ergebnis letztlich zu Imogen führte. Drei Generationen von Frauen, angefangen bei Imogens Großmutter Beatrix, haben durch ihr Handeln und Fühlen dazu beigetragen, dass es kam, wie es kam, und Rosamond möchte Imogen vermitteln, warum ihre Geburt unvermeidlich war.
Der Geschichte dieser Frauen möchte ich nun nicht im Detail vorweggreifen, doch es geht um Mütter und Töchter und darum, wie es ist, wenn Mütter ihre Töchter nicht lieben können.
Dieser Roman hat mich sehr berührt. Die Geschichte geht ans Herz, ohne dabei kitschig zu sein. Jonathan Coe hat Figuren geschaffen, an denen man sich reiben kann. Sie sind nicht aalglatt, nicht eindimensional oder schnell zu durchschauen, nein, sie haben Tiefe, mal liebt man sie, mal hat man nur Abscheu übrig. Sie befinden sich im Wandel, sind dynamisch und authentisch. Kurzum: dieser Roman hat Tiefe und hat mich dennoch unterhalten, das findet man selten.


Die Insel der besonderen Kinder: Roman
Die Insel der besonderen Kinder: Roman
von Ransom Riggs
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut, aber kein Knaller..., 7. Dezember 2011
Mein Wunsch war es, ein Buch zu finden, das sich so richtig gut zum winterlichen Schmökern eignet. Mit Ransom Riggs Jugendbuch habe ich das bekommen, muss jedoch sagen, dass der Funke letztlich nicht so ganz überspringen wollte.
Es ist eine spannende Geschichte, die der Autor uns hier erzählt: Jacob wächst mit den seltsam anmutenden Geschichten seines Großvaters Abe auf. Dieser erzählt ihm von den Kindern eines Heimes, die auf einer Insel in einem riesigen alten Haus leben und alle besonders sind. Da gibt es zum Beispiel ein Mädchen, das schwebt oder einen Jungen, der riesige Steinblöcke stemmen kann. Es gibt aber auch Monster, die diese Kinder jagen und töten wollen. Jacob ist fasziniert von diesen Geschichten, doch je älter er wird, desto mehr zweifelt er an seinem Großvater, der ihm das alles als wahr verkaufen will. Doch dann, Jacob ist gerade 15, geschieht etwas Schreckliches, und Jacob muss sich der Vergangenheit seines Großvaters stellen, um seine eigene Zukunft nicht zu verlieren...
Gespickt ist dieser Roman mit vielen Fotografien von außergewöhnlichen Menschen oder Situationen, die Ransom Riggs zusammengetragen hat und die ihn zu dieser Geschichte inspirierten. Da gibt es eben das scheinbar schwebende Mädchen oder einen Jungen, in dem Bienen leben. Doch leider muss ich sagen, dass ich nur wenige Fotografien derart faszinierend fand - die meisten Bilder schienen mir doch recht gewöhnlich und hätten für sich genommen sicher keine besondere Aufmerksamkeit von mir bekommen, hätte der Autor sie nicht geschickt in die Geschichte eingebaut.
Was mich an dem Roman letztlich störte, war die mangelnde Charakterisierung der Figuren. Jetzt mag man sagen, es sei ein Jugendroman, der seine jungen Leser nicht überfordern will, doch ich denke, damit tut man der Jugend unrecht. Für mich blieben die Helden dieses Romans merkwürdig leer und ungeformt. Gerade die "besonderen Kinder" blieben konturenlos, als seien ihre speziellen Fähigkeiten alles, was sie ausmacht.
Und auch das Ende hat mich nicht überzeugt, denn entweder will Riggs aus seiner Geschichte einen Mehrteiler machen oder er hat den Schluss wirklich so lieblos hingeschustert, wie er auf mich wirkte.
Es bleibt der Eindruck, ein gutes Buch gelesen zu haben, dem aber noch das ein oder andere zu einem wirklichen Knaller fehlt. So war "Die Insel der besonderen Kinder" für mich eine nette Nachmittagsunterhaltung, jedoch mit einem leicht faden Beigeschmack.


Swetlana Geier: Ein Leben zwischen den Sprachen. Aufgezeichnet von Taja Gut
Swetlana Geier: Ein Leben zwischen den Sprachen. Aufgezeichnet von Taja Gut
von Taja Gut
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lesenswert!, 29. November 2011
Wer russische Literatur mag, der kennt auch Swetlana Geier. Besonders ihre Dostojewskij-Neuübersetzungen haben sie bekannt gemacht, was wirklich bemerkenswert ist, denn selten werden Übersetzer in diesem Maße gewürdigt und in den Mittelpunkt gerückt.
Der vorliegende Band enthält insgesamt Aufzeichungen aus vier Interviews, die Taja Gut in den Jahren 1986, 1993, 1999, 2004 und 2007 mit der im Jahre 2010 leider verstorbenen Swetlana Geier geführt hat. Den längsten Teil bilden dabei die Aufzeichnungen aus den Jahren 2004 und 2007, die restlichen Interviews und ein kleines Zeitdokument befinden sich im recht großzügigen Anhang. Während es in den früheren Gesprächen mehr um ihr Tun und Denken geht, was sich mitunter schon sehr philosophisch und anspruchsvoll liest, offenbart sie in den Aufzeichnungen aus den Jahren 2004 und 2007 erstmals detaillierte Fakten aus ihrem ereignisreichen Leben, besonders aus Kindheit, Jugend und frühem Erwachsenenleben. Denn Swetlana Geiers frühe Jahre waren ereignisreich und prägend, sie erlebte als in Kiew geborene Ukrainerin den Terror unter Stalin, ebenso aber auch die spätere deutsche Besatzung durch Hitler. Besonders interessant ist ihr Verhältnis zu Deutschland und ihr Denken über die Deutschen, die sie durch die guten Taten, die wenige ihr und ihrer Mutter haben zukommen lassen, in einem fast durchweg positiven Licht sieht.
Es ist gut, dass die Interviews aus den früheren Jahren im Anhang nachzulesen sind, denn Swetlana Geiers Antworten aus den Jahren 2004 und 2007 wirken mitunter ein wenig ungeordnet und unverständlich, besonders wenn es um ihre Arbeit und ihr Selbstverständnis als Übersetzerin geht, da sie ein Wissen voraussetzt, was sicher nicht jeder Leser dieser Aufzeichnungen vorweisen kann. Die drei früheren Interviews sind zwar sehr anspruchsvoll, da man ihnen deutlich die Germanistin anmerkt, die Swetlana Geier ja war, doch sie erläutern manchen Fakt, der mir aus dem Hauptteil noch ungeklärt geblieben war.
"Ein Leben zwischen den Sprachen" ist anspruchsvolle Lektüre, die den Leser an vielen Stellen fordert, ihn leider aber auch oft alleine lässt. Taja Gut hat die Gespräche mit Swetlana Geier nur aufgezeichnet und auf Erläuterungen verzichtet, so dass sich dieses Buch eher an jene richtet, die sich auch vorher schon mit Swetlana Geier und ihrer Arbeit auseinandergesetzt haben. Allen anderen wird es mitunter so gehen wie mir: sie möchten die Lücken gerne füllen, um diese großartige Frau besser verstehen zu können. Und so bin ich ein bisschen hin- und hergerissen: eine reine Aufzeichnung der Gespräche ohne weiterführende Erläuterungen hat sicher viel für sich, weil sie Swetlana Geier ungetrübt und ungefiltert zeigen, einfach so, wie sie war. Doch für den Leser bleiben so auch manche Dinge unerklärt, was wiederum schade ist, da dies ein Gefühl der Unvollständigkeit zurücklässt.


Das Labyrinth der Träumenden Bücher: Roman
Das Labyrinth der Träumenden Bücher: Roman
von Walter Moers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für mich wie immer ein Genuss!, 24. November 2011
Im Vorfeld meiner Lektüre kam mir schon viel erboste Kritik zu Moers' aktuellem Buch zu Ohren. Viele sind empört und enttäuscht, dass der vorliegende Roman nur der erste Teil einer Geschichte ist, die noch weitererzählt werden muss. Moers selbst nennt es in einem Brief an seine Leser sogar bloß eine Ouvertüre, das lässt manchen Zamonienfreund erzürnen. Und ja, das ist auch sicher ärgerlich, so wie ich Cliffhanger fast immer als nervtötendes Kunstmittel empfinde. Denn wer viel liest, vergisst unter Umständen auch viel - ich habe also immer Not, Details aus dem ersten Teil nicht mehr zu kennen, wenn der zweite Teil dann endlich im Handel ist. Und wer nun auf das große Aber wartet, der hat absolut recht: denn ich habe die Lektüre dieses neuen Zamonien-Romans dennoch genossen, und zwar von der ersten bis zur letzten Seite. Ich bin einfach ein Bewunderer von Moers' Sprachkunst. Ich liebe seine Worterfindungen, die in ihrer Fülle ein eigenes Wörterbuch füllen könnten. Ganze Gattungen und Untergattungen zamonischer Lebensformen tummeln sich da vor meinem inneren Auge - das ist ein Fest für die Phantasie! Und da stört es mich auch nicht im Geringsten, dass die Handlung eher dahinplätschert und nicht zum nervösen Nägelkauen verführt, wie man es aus dem Vorgängerroman "Die Stadt der träumenden Bücher" kennt. Walter Moers erzählt seine Geschichte diesmal ungewohnt unaufgeregt, aber sie scheint mir die grandiose Einleitung zu einem zweiten Teil zu sein, der wieder so spannend und abenteuerlich wird, wie wir es von ihm kennen.
Und so kann ich den Kritikern dieses Romans nur in einem zustimmen: es ist mehr als ärgerlich, dass man nun auf die Fortsetzung der Geschichte warten muss. Aber nie werde ich behaupten, dieser erste Teil hätte mich enttäuscht oder gelangweilt, denn ich weiß diese detaillierte Einführung und Vorbereitung zu schätzen, denn sie ermöglicht eine facettenreiche Weiterentwicklung der Handlung. Und so hoffe ich, dass Walter Moers mich in dieser Vorahnung nicht enttäuschen möge, aber für mich hat er mit "Das Labyrinth der träumenden Bücher" erneut bewiesen, was er kann.
Wer nur auf eine einfache Geschichte aus ist, der ist mit diesem Buch sicher nicht gut beraten. Man muss die Geduld mitbringen, in dieser Ouvertüre nicht nur reine Unterhaltung, sondern in erster Linie Information zu finden. Wer sich diesem Gedanken öffnen kann und zudem noch wortreiche Formulierungen à la Moers liebt, dem kann ich nur zu diesem Roman raten.


Na und, ich tanze
Na und, ich tanze
von Ben Becker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Blick über den eigenen Tellerrand, 15. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Na und, ich tanze (Gebundene Ausgabe)
Ben Becker wird oft als Rüpel bezeichnet, doch das gefällt ihm gar nicht. Denn Rüpel sind böse und so empfindet er sich nicht. Er will seinen Spaß haben, aber weh tun soll das niemandem, außer vielleicht von Fall zu Fall ihm selbst. Andere nennen ihn ein Enfant terrible und damit kann er schon viel mehr anfangen, denn als schreckliches Kind kann man ihn durchaus sehen. Und das scheint mir nach der Lektüre seiner Autobiographie auch die Quintessenz seines Lebens zu sein: er will nicht erwachsen werden, will nicht zu sehr in der Realität leben. Ben Becker lebt seinen Traum, denn er lebt die Kunst: ein bisschen Musik, ein bisschen Theater und ab und zu mal einen Film. Er weiß auch, dass solch ein Leben der reinste Luxus ist für einen Menschen wie ihn und er genießt diesen Luxus in vollen Zügen. Und so erzählt er in diesem Buch von seinem Leben, von seiner Kindheit, die ihn für immer prägen sollte, und seiner wilden Jugend, von der man glauben könnte, sie hält bis heute an. Er beschreibt, wie er zur Schauspielerei kam, welche Steine in seinem Weg lagen und wie er sie beseitigt hat. Er verschweigt scheinbar nichts, geht auch mit seinem Drogen- und Alkoholkonsum sehr ehrlich um, aber mich beschlich relativ oft das Gefühl, dass er da dennoch sehr viel runterspielt und beschönigt. Auch seine Liebe zur Nacktheit auf der Bühne macht aus mir sicher keinen zukünftigen Zuschauer seiner Kunst und dennoch habe ich diese Autobiographie regelrecht verschlungen, denn Ben Becker ist ein großartiger Erzähler. Und das muss er auch sein, denn seine Einstellung zum Leben deckt sich größtenteils nicht mit dem, wie ich mein Leben zu meistern pflege, aber er macht einfach deutlich, dass das alles nur für ihn gilt und er keinen Anspruch auf richtig oder falsch erhebt. Er erzählt einfach, wie er lebt und mit den Chancen und Katastrophen, die das Leben für uns alle bereithält, umspringt. Dabei wird deutlich: ich würde wohl das meiste anders machen und dennoch geht von seinem Weg eine gewisse Faszination aus. Ben Becker schert sich nicht darum, was die Gesellschaft als Norm vorgibt, er macht sein Ding - und genau das zeigt auch sein Buch.
Zwischen Ben Becker und mir gibt es kaum Schnittflächen und doch war ich fast schon ein bisschen traurig, als ich die letzte Seite erreichte - ich hätte ihm noch sehr lange zuhören können! Und sehr wahrscheinlich ist diese Andersartigkeit auch genau der Grund für meine Faszination, denn spannender ist es allemal, wenn man mal über den eigenen Tellerrand gucken darf.


Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur)
Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur)
von Marie-Sabine Roger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erneut ein ganz wunderbares Buch von Marie-Sabine Roger!, 10. November 2011
Marie-Sabine Rogers Roman "Das Labyrinth der Wörter" habe ich mit großer Begeisterung gelesen, weswegen ich mich nun schon lange auf ihr neues Buch gefreut habe - und ich wurde nicht enttäuscht! Auch "Der Poet der kleinen Dinge" ist wieder so zauberhaft ehrlich, unprätentiös und liebevoll in seinen Schilderungen. Es geht um Alex, die mit ihren 30 Jahren noch keinen festen Platz im Leben gefunden hat. Sie reist von einem Ort zum nächsten, von einem Job zum nächsten, meidet dabei Bindungen und Beziehungen, weil sie diese Freiheit auch weiterhin noch genießen will. Doch dann mietet sie sich für ein paar Monate bei Marlène, Bertrand und Gérard ein, während sie in der örtlichen Hühnerfarm arbeitet. Gérard ist behindert, sein Körper ist ganz verdreht und entstellt und ob er auch noch dumm ist, weiß Alex anfangs nicht zu sagen, bis sie ihn kennen und lieben lernt:

"An dem Tag, als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin, habe ich gedacht, so wie er aussieht, muss er den IQ einer Kaulquappe haben. Aber das stimmt nicht. Gérard ist intelligent. Pech für ihn. Aber er hat trotz allem Spaß und liebt das Leben.
Deshalb beschämt er uns." (S. 193 ff.)

Und so geschieht Alex nun das, was sie immer vermieden hat: es entsteht Zuneigung, eine Bindung, das Gefühl, Verantwortung übernehmen zu müssen. Denn Marlène, die Frau von Gérards Bruder Bertrand, kann ihren Schwager nicht ausstehen. Sie sieht ihn als Klotz am Bein, der ihr eh schon versautes Leben noch grauer und trauriger macht. Fast könnte man Mitleid mit ihr haben, wäre da nicht ihre abscheungswürdige Grausamkeit und Verlogenheit, mit der sie sich durchs Haus jammert. Sie nennt ihn Dusselchen, Trottel, Vollidiot, Dödel, Strohkopf, Dummerjan und brüllt ihn mit Vorliebe an. Der Gipfel ihres Hasses ist die fixe Idee, man könne Gérard doch aussetzen, wüsste doch eh kaum jemand, dass es ihn gibt. Das ist der Punkt, an dem Alex sich nicht mehr aus der ganzen Situation herausnehmen kann, dazu hat sie Roswell - wie sie ihn nennt, nach dem Außerirdischen aus der Roswell-Affäre - schon zu tief in ihr Herz gelassen. Bei ihren Versuchen, Roswells Leben schöner zu gestalten, bekommt sie plötzlich Unterstützung von ungeahnter Seite: zwei junge Männer, die mit ihrem Leben nichts anzufangen wissen, deren Leben leer ist:

"Heute weiß ich, was mit mir los war: Ich hatte zu viel Leere in mir und zu wenig Leben. Ich sehnte mich so sehr nach einer Leidenschaft, nach einer starken, heftigen Sache, die einen vorwärtstreibt. Einem Ziel. Ja, einem Schicksal! Wennschon, dennschon." (S. 46)

Und wer hätte gedacht, dass dieses Schicksal ein verkrüppelter und vernachlässigter junger Mann sein würde, der das Leben trotz allem zu nehmen wusste?

Diese Geschichte hat so viel Charme, so viel Wärme und am Ende auch noch einen Hoffnungsschimmer - es ist großartig! Marie-Sabine Rogers Figuren nehmen kein Blatt vor den Mund, sie sind freiheraus und ehrlich, und dabei sehr liebenswert. Und das, ohne dass sie für mich Identifikationsfiguren gewesen wären, das nun wirklich nicht. Aber sie wussten ihre Gefühle und Gedanken zu kommunizieren und ich habe sie verstanden. Und genau wie auch schon bei "Das Labyrinth der Wörter" ist es die Authentizität der Figuren, die mir sehr gefällt: sie machen eine Entwicklung durch, verarbeiten so manches, verändern auch einiges, doch sie bleiben sie selbst!
Diesen Roman kann ich wirklich jedem ans Herz legen!


Irrlichter: Ein Worpswede-Krimi
Irrlichter: Ein Worpswede-Krimi
von Helga Beyersdörfer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nett - nicht mehr und nicht weniger, 7. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Irrlichter: Ein Worpswede-Krimi (Taschenbuch)
Es gibt Bücher, die kann man lesen, muss man aber nicht. Sie hinterlassen keinen tieferen Eindruck, sie sind einfach seichte Ablenkung für einen Nachmittag. Danach legt man sie weg und erinnert sich fortan nicht mehr an die Lektüre, obwohl man sich für wenige Stunden gut unterhalten fühlte. Solch ein Buch ist Helga Beyersdörfers zweiter Worpswede-Krimi auch: das war nett, aber ich denke nicht, dass es ein Wiedersehen geben wird.
"Irrlichter" stellt den ehemaligen Lehrer Alexander Laroche in den Mittelpunkt, der seine Stelle als verbeamtete Lehrkraft an einem Gymnasium in Frankfurt am Main aufgegeben hat, um die nächsten zwei Monate im beschaulichen Örtchen Worpswede zu verbringen, wo er sich darüber klar werden will, was er mit seinem Leben anstellen möchte. Dazu hat er ein kleines Chalet in einer neu erbauten Luxus-Anlage gemietet, die, wie er bei seiner Anreise gleich feststellen muss, total ausgestorben ist. Außer ihm ist kein Gast da, obwohl die Saison bereits begonnen hat. Erst möchte niemand mit der Sprache rausrücken, doch dann erfährt Alexander, dass die Firma, die diese Anlage bauen wollte, Insolvenz angemeldet hat und einer der beiden Chefs sich zu allem Überfluss auch noch an einem Baum auf dem Gelände erhangen hat. Da Alexander nicht abergläubisch ist und auch nichts von dem Gerede über Flüche hält, welches der Dorfklatsch hervorbringt, beschließt er trotz allem zu bleiben. Doch dann kommen ihm die Geschehnisse in Worpswede näher, als er je gedacht hätte...

Die Kriminalgeschichte, die Helga Beyersdörfer hier erzählt, ist recht simpel gestrickt und wirkt sehr beschaulich. Von einer atmosphärischen Stimmung, die der Klappentext verspricht, ist nichts zu spüren und auch das Moor sorgt nicht für kribbelige oder geheimnisvolle Spannung - was besonders schade ist, denn der Text auf dem Buchrücken hatte mich darauf hoffen lassen. Im Grunde hätte dieser Roman überall spielen können, von einem besonderen norddeutschen Flair ist zumindest für mich nichts zu spüren.
Sprachlich ist der Roman nicht anspruchsvoll, soll heißen: der Stil passt zum Kleid des einfachen Unterhaltungsromans - nicht schlecht, aber auch nicht herausstechend. Wer auf einfache Geschichten steht und viel mehr von einem Kriminalroman auch nicht erwartet, der ist hiermit sicher gut beraten. Ich hätte mir allerdings mehr gewünscht!


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