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Rezensionen verfasst von
northbohemian (Dresden)

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World Peace Is None of Your Business (Deluxe Edition)
World Peace Is None of Your Business (Deluxe Edition)
Preis: EUR 17,99

8 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tief im Herzen der Postironie, 11. Juli 2014
Seit "Your Arsenal" lässt Morrissey jeder symphonisch/melodiös/skurrilen Platte eine folgen, die er mit dem füllt, was er für seine Version von Progrock und/oder Gitarrenwänden hält. So hat man "Vauxhall & I", "Maladjusted" und "Ringleaders of the Tormentors" in der ersten, das erwähnte "Your Arsenal", "Southpaw Grammar" und "Years of Refusal" in der zweiten Schublade. Lediglich die lose Ansammlung von Comeback-Hymnen aus dem Jahr 2004 - "You are the Quarry" - fällt etwas aus dieser Liste heraus.

"World Peace" ist dagegen wieder klar eine der verspielteren - und mir damit lieberen - Platten. Der etwas matschige und käsige Sound der "Years of Refusal" war eine Sackgasse, endlich gibt es wieder liebevoll ausgearbeitete Melodien mit allerlei zuckersüßem Gebimmel und Gebammel im Hintergrund, mit Toncollagen und Spielereien. Das macht endlich auch wieder unter Kopfhörern Spaß.

Müsste ich ich auf das bestehende Werk zurückgreifen, würde ich "World Peace" mit folgender Rezeptur beschrieben:

40 Prozent Vauxhall, 30 Prozent You are the Quarry, 20 Prozent Ringleader, 10 Prozent Years of Refusal, 5 Prozent Kill Uncle, 5 Prozent Bona Drag

Was die Botschaften betrifft: Hier ist bei Steven Patrick wohl endgültig der Zug abgefahren und er endgültig zum Chef im Club der alternden Exzentriker ernannt worden. Es reicht nicht mehr aus, den Tierschutz zu propagieren, jetzt wird offen der Tod des Stierkämpfers bejubelt, verpackt in einen Zuckerguss dadaistischer Wortspielereien unter Verwendung spanischer Städtenamen.

Auch die sogenannte Demokratie kriegt ihr Fett weg. Denn wer wählen geht, macht sich äußerst schuldig an der Fortdauer allen politischen Dilemmas. Meint Morrissey. Singt sich also mal wieder um Kopf und Kragen, kein besserer Elefant im Porzellanladen als er.

Die zunehmende Altersverbitterung zeichnete sich ja schon mit mit der "Autobiografie" ab, jenem in Buchform gebrachten Gerichtsprotokoll mit freundlichen Grüßen in Richtung Mike Joyce. Das wird jetzt nicht mehr besser. Morrissey bleibt der schrullige Sonderling und perfektioniert dieses Image - wie es nur ein Brite kann.

Aber: Dafür, dass ich nach sechs veröffentlichungsfreien Jahren eine Ansammlung lieblos zusammengestellter und nur schlecht maskierter Songfragmente erwartet hatte (um die Kriegskasse zu füllen), muss ich mir in Größenordnungen Asche aufs Haupt streuen. "World Peace" hat die große, arrogante Geste des "Ich-muss-nichts-mehr-beweisen" und trotzdem oder gerade dadurch die unverkrampfte Klasse eines Geniestreichs.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 25, 2014 3:23 PM MEST


Legende vom Glück des Menschen: Roman
Legende vom Glück des Menschen: Roman
von Peggy Mädler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die Wichtigkeit des Lebens, die Unwichtigkeit des Glücks" (Milena Jesenska), 1. September 2011
Während die Experten im Elfenbeinturm immer noch den ultimativen 'Wenderoman' fordern (was sie nicht davon abhält, seine Unmöglichkeit zu behaupten ' und sie haben insofern Recht, dass es "Der Turm" NICHT ist), hat ihn Peggy Mädler einfach geschrieben. Zwar nur auf straffen 210 Seiten, aber trotzdem... Unerhört! Die Experten fallen reihenweise in Ohnmacht, hoffentlich ist ein Notarzt im Elfenbeinturm. Denn Peggy Mädler macht alles richtig: In komprimierter, niemals hastiger Form beobachtet sie drei Generationen ostdeutscher Lebensläufe und damit fast das ganze 20. Jahrhundert mit der Genauigkeit der 'geborenen Hinterfragenden'. Den großzügigen Zeitrahmen verarbeitet Peggy Mädler mit schlafwandlerischer Sicherheit, die Atmosphäre der jeweils beschriebenen Epoche fängt sie detailgenau und einfühlsam auf. Wer das Buch allerdings nur als literarische DDR-Analyse begreift, ist eine Perlen verspeisende Sau: das deutsche 20. Jahrhundert, die DDR und die Wende sind in diesem Buch letztlich vor allem eine Folie für die immer und überall wirksamen und durcheinander tobenden Absurditäten von gesellschaftlichem Anpassungsdruck, scheinbarer und wirklicher Individualität, dem Schlausein im Rückblick, dem Dummsein in der Gegenwart, der vollkommenen Verblödung, was die Zukunft angeht, der Gleichzeitigkeit von Banalem und Ungeheuerlichem, von Peinlichkeit und Würde, der eigenen Winzigkeit, des blasphemischen und gleichzeitig so verständlichen Wunsches nach ... Glück. Ein Anti-Zyniker-Buch.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 26, 2011 12:54 PM MEST


All You Need Is Now (Deluxe Edition)
All You Need Is Now (Deluxe Edition)
Preis: EUR 6,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Every Moment That Arrives - You're The Greatest Thing Alive, 28. März 2011
Das hätte ich ihnen nicht mehr zugetraut: nach dem etwas hüftsteifen Altherrenpop auf 'Astronaut' und dem sich verkrampft berufsjugendlich und 'amerikanisiert' gebenden 'Red Carpet Massacre' (Timberlake, Timbaland) hielt ich die Kollaboration mit Mark Ronson für einen reinen Verzweiflungsakt - ausgebrütet im Hirn irgendeines irrlichternden PR-Zombies. Doch noch nie habe ich mich musikalisch so gern eines Besseren belehren lassen. Duran Duran haben es tatsächlich geschafft, an die Intensität ihrer Veröffentlichungen der 80er Jahre anzuknüpfen, fast jeder Titel auf 'All You Need Is Now' kann in enge verwandtschaftliche Beziehung zu einem der frühen Alben gebracht werden. Dabei ist der Titel Programm: Vitalität entscheidet sich im Kopf, im Hier und Jetzt. Pulsierend und geradeaus, mit dem Mut zum großen Pathos, ohne den Pop nicht funktioniert, gleichzeitig mit einer Naivität und Leichtigkeit (die allzu bedeutungsschwere Konstrukte verhindert) - und ohne die Pop ebenfalls nicht funktioniert - treiben Duran Duran ihr aktuelles Album voran.

Dieses Album ist eigentlich 'drei Alben'. Der im letzten Dezember lediglich als Downloadversion erschienene 9-Song-Torso, die nunmehr komplettierte 'physische' Veröffentlichung, die unter anderem mit den Titelsongvarianten 'A Diamond In The Mind' und 'Return To Now' das Ganze zu einem opulenten Konzeptalbum aufbaut und selbst die hinzu gekommenen Stücke - für sich 'en bloc' gehört - ergeben ein stimmiges Minialbum. 'Mediterranea' und die kleinen Titeltrackadaptionen sind dabei die überzeugendsten 'Neuzugänge'.

Betrachtet man das 14-Song-Werk in seiner Gänze, erkennt man 'All You Need Is Now', 'The Man Who Stole A Leopard' (feat. Kelis), 'Mediterranea' und 'Before The Rain' als tragende Säulen des Albums. In ihrer pompösen Pracht werden diese Stücke kontrastiert von 'aus der Hüfte geschossenen' und trotzdem auf den Punkt gebrachten Mid- bzw. Uptempotiteln: 'Blame The Machines', 'Being Followed', 'Safe' (mit Ana Matronic von den Scissor Sisters) und 'Girl Panic' (allesamt schon in der Dezemberversion vertreten) sind hier die stärksten. Zu meinem Gefallen haben sich Duran Duran mit allzu entspannten Balladen zurückgehalten: 'Leave A Light On' als Reminiszenz an 'Save A Prayer' kommt der Definition noch am nähesten.

Vielleicht ist 'All You Need Is Now' ein, zwei Titel zu lang geworden - aber das mutet mir letztlich an wie kleinkrämerische Mäkelei an einem nahezu perfekten Diamanten. Die Nähe zum Debütalbum ('Girl Panic'), zu 'Rio' ('The Man Who Stole A Leopard' ist ein ganz bewusst konzipiertes 'The Chauffeur Part II') und mit Abstrichen zu 'Notorious' ('Safe') beweist nicht etwa, wie sehr Duran Duran einer verblichenen musikalischen Vergangenheit nachhängen, sondern wie zeitlos die genannten Alben geblieben sind. Mark Ronson hatte angekündigt, die gereiften Herren zu dem seiner Meinung nach fehlenden 'würdigen' Nachfolger zu 'Rio' anspornen zu wollen. Es ist ihm mehr als nur das gelungen. Gewissermaßen reibe ich mir immer noch Augen und Ohren: 'All You Need Is Now' ist die Quintessenz dessen, was Duran Duran verkörpern und was in den 80ern hinter den aufwändigen Frisuren und den bunten Postern nicht wahrgenommen worden ist (und wohl auch danach nur unvollständig und widerwillig) - Pop mit großer Geste, Pathos und Melancholie, vorauspreschender Dynamik und einer Lebenslust, die nur auf den ersten Blick hedonistisch scheint.

Wären Duran Duran nicht die älteren Gentlemen, die sie nun einmal nach den Gesetzen von Biologie und Mathematik sind - wären sie also Newcomer - sie wären definitiv der Hype dieses Frühjahrs und die Radiostationen dieser Welt hätten nichts Besseres zu tun, als 'All You Need Is Now' und seine Songs rauf- und runterzuspielen. Aber egal: Dieses Album EXISTIERT, real und tatsächlich, unerwartet, unverhofft. Was ich spüre - neben dem Adrenalin, das in geschätzter 1.000-fach erhöhter Dosis durch meine Blutbahn rauscht - ist vor allem eines: Dankbarkeit.

In 100 Jahren ist keiner mehr von uns da (außer Johannes Heesters vielleicht). Wir sind die, die wir sind. Nicht mehr und nicht weniger. Jeder von uns. Unser 'Ich' ist das, was wir denken und fühlen: alterslos. 'All You Need Is Now'

P.S. Perfekt ist auch das Cover: die gelungene Symbiose aus Pathos und Ironie: also das, was Pop ausmacht.

P.P.S. Unbedingt sollte "Before The Rain" als Finale des Albums gehört werden. "Networker Nation" und der "Youth Kills Remix" von "All You Need Is Now" mögen als Bonusgaben nett und willkommen sein - im Kontext des "ganzen" Albums sind sie eher Fremdkörper
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 6, 2011 1:06 PM MEST


Hombre Lobo
Hombre Lobo
Preis: EUR 12,99

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Beginn des Alterswerks, 3. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Hombre Lobo (Audio CD)
Eines vorweg: allein das Cover verdient höchste Anerkennung. Im Stil einer noblen Zigarrenbox mit Goldprägung, leuchtendem Orange und Filigrantypografie erhebt die Pappbox Anspruch auf einen absoluten Spitzenplatz im Olymp der Tonträgerverpackungen. Wer die Plastikvariante kauft, ist selbst schuld und hat das Leben nicht verstanden.

Extreme Lo-Fi-Seeligkeit im Opener "Prizefighter" soll wohl unverminderte Vitalität und Wildheit suggerieren, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es hier mit dem ersten, eindeutig dem beginnenden Alterswerk des Mark Oliver Everett zuzuordnenden Album zu tun haben. Das ist keineswegs negativ gemeint: "Hombre Lobo" strahlt sehr souverän in jeder Sekunde seiner Laufzeit die selbstbewusste Haltung aus, niemandem mehr etwas beweisen zu müssen und bleibt trotz intimer Texte auf Distanz.

Emotional war mit dem Vorgänger "Blinking Lights" wohl alles gesagt. Dass es in diesem bombastisch-sinfonisch-zuckersüß-melancholischen Stil nicht würde weitergehen können, war klar. Da hatte Herr Everett ein 100%iges Meisterwerk geschaffen und die damit verbundenen Konsequenzen dürften ihm selbst sehr klar bewusst sein.

Also ist "Hombre Lobo" ein zurückgelehntes, nicht zu ambitioniertes, ein "einfaches" Eels-Album mit diversen Selbstzitaten und der bekannten, aber perfektionierten Technik, ruhige Titel sehr direkt mit brachialen zu konfrontieren.

Innovativ für Everett (aber warum sollte es überhaupt und jemals die geringste Notwendigkeit von Innovation bei einem so begnadeten Künstler geben?) ist am ehesten die Fiebrigkeit der Vorab-Single "Fresh Blood". So etwas habe ich in dieser Intensität noch nirgendwo gehört.

Gemeinsam mit dem ebenfalls sehr ruppigen "Tremendous Dynamite" und dem zwischen beiden Titeln eingeschlossenen "The Longing" bildet "Fresh Blood" das Herzstück des Albums.

Fazit: "Hombre Lobo" hat nicht annähernd die emotionale Wucht von "Blinking Lights", präsentiert sich aber wesentlich direkter, experimentierfreudiger und Mark O. Everett zeigt erneut seine musikalische Intelligenz.

Wenn dieses Album eine Botschaft vor sich herträgt, dann vielleicht diese: man sollte Musik nicht zerreden, sondern einfach hören ' und unbedarfte Rezensenten sollten einfach mal die Klappe halten.

Woran ich mich jetzt unverzüglich halte!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 26, 2009 5:19 PM MEST


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