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Rezensionen verfasst von
Favre Robert "Robert A. Favre"
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Mädchenfänger
Mädchenfänger
von Jilliane Hoffman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen CHATMANIA, 26. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Mädchenfänger (Gebundene Ausgabe)
Die 13-jährige Lainey aus kaputter Familie schickt eines Tages Zach, ihrem geheimen smarten Chatfreund, ein aufgemotzes Foto von sich. Als er sie zu einem Date einlädt, ist sie völlig aus dem Häuschen, sagt sofort zu, ohne zu ahnen, bei welchem Psychopathen sie eben angebissen hat. Sie trifft sich mit ihm und wird von da an nicht mehr gesehen. Leider teilt sie das Schicksal von anderen Teenagern, die demselben Serienmörder auf den Leim gekrochen sind.
Robert Dees, hemdsärmliger FBI-Agent mit Bauchgefühl und Spezialist für verschwundene Kinder, wird mit dem Fall beauftragt. Er geht ihm umso näher, als auch seine Tochter seit einem Jahr vermisst wird. Er kommt der Lösung keinen Schritt näher, da Laineys Mailfreund offenbar ein Cyber-Phantom ist, der im Internet marodiert, vorbei an elterlichen Kontrollen und Firewalls, immer auf der Suche nach unschuldigen Teenagern, die Mama und Papa und sich selbst beweisen wollen, wie harmlos das World Wide Web ist. Natürlich ist er geschickt genug, seine Identität per Mausklick verschwinden zu lassen. Geil nach infamem Ruhm, spielt er jedoch den Medien und den Ermittlern Bilder seiner Opfer mit versteckten Hinweisen zu.

Fazit: Internet-Inhalte und -Missbrauch beschäftigen die Gesellschaft immer mehr. Für die Autorin Grund genug, einen Roman über die schrecklichen Gefahren des Internets für Jugendliche zu schreiben. Die Autorin hat dabei gewiss nicht aus der Quelle der Inspiration gekostet, denn ihre Geschichte ist bloss ein weiterer Tropfen in den seichten Teich zahlloser belangloser Entführungsgeschichten. Ihr denkbar einfach gestrickter Klischee-Bilderbogen zielt weniger auf psychologischen Tiefgang denn auf Effekte und Spannung. Nur das Letztere weitgehend ausbleibt. Die zähen Ermittlungen geben gewähren zwar Einblicke in Polizei- und Gerichtsinterna sowie in die Sisyphosarbeit der Dezernate für vermisste Kinder, verdrängen damit aber die Spannung ins letzte Buchdrittel. Zu plump sind auch Hoffmanns Versuche, einen falschen Verdacht zu schüren, und gar keine Sozialkritik wäre besser als die dünne Suppe, die sie uns vorsetzt. Ein paar kritischen Gedanken reichen eben nicht, um ein Buch über das triviale Niveau hinauszuheben. Die Schleichwerbung auf eines ihrer früheren Bücher wirkt mit jeder Wiederholung penetranter. Etwas Abwechslung bietet allenfalls der Perspektivenwechsel zwischen Behörden, Entführer und Entführte.
Dem Roman mit einfachem Strickmuster fehlt es zwar nicht an Realismus und Plausibilität. Auch sind die Hauptfiguren und ihr Gefühlsklima gut beschrieben. Doch kein Vergleich zu den fundierten Milieubeschreibungen und nuancierten Charakterzeichnungen z.B. eines Mankells oder Nessers. Völlig im Dunkeln bleiben die Motive des Entführers. So bleibt mancher Ansatz in oberflächlicher Pseudomelodramatik ohne berührende Elemente oder fassbare Aussage stecken. Im Bestreben um Authentizität vergreift sich die Autorin zudem des Öfteren im Gossenslang, was im sonst routinierten und sachlichen Schreibstil völlig deplatziert wirkt. Einige Ideen des "Mädchenfängers" sind bereits in Karen Roses "Todesschrei" zu finden, doch dies nur nebenbei.
Die Auflösung des Falles glänzt, abgesehen vom vielleicht überraschenden Täter, nicht durch besondere Originalität. Hingegen trieft das Happy End nur so von hollywoodsüssem Kitsch.
Vergleicht man mit berühmten Entführungsgeschichten, so ist dies keine, deren Faszination durch die Decke schiesst.


Erbarmen
Erbarmen
von Jussi Adler-Olsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ERBARMUNGSLOS, 28. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Erbarmen (Taschenbuch)
Man möchte Carl Morck, einen arrogant wirkenden Individualisten, eigentlich am liebsten loshaben, doch er ist ein zu guter Kommissar, als dass man ihn in den Ruhestand befördern könnte. So soll er als Leiter eines neu eingerichteten Sonderdezernats eingestellte Ermittlungen in Fällen von besonderer Bedeutung neu aufrollen. Mit einem originellen syrischen Assistenten begibt er sich in sein neues Tätigkeitsgebiet. Sein Hauptaugenmerk gilt dabei dem ungelösten Fall der vor fünf Jahren spurlos verschwundenen aufstrebenden dänischen Politikerin Merete Lynggaards. Für Carl ein Fall ohne Konsistenz, klaren Linien, Motiven und tragfähigen Theorien, den aufzurollen jedoch nicht einer gewissen Eigenwilligkeit entbehrt.
Merete gilt seit ihrem Verschwinden als tot. Nur der Leser erfährt, dass man sie seither scheinbar grundlos an einem gottverlassenen Ort wie ein Tier gefangen hält und verfallen lässt. Die Realität ist für sie bedeutungslos geworden, denn ihr ist klar, dass sie sich auf direktem Weg in den Abgrund befindet.

Fazit: Adler-Olsen ist ein kriminalistischer Novize und Meister seines Fachs, der sich mit diesem Krimi angenehm von seinen schwermütigen skandinavischen Kollegen abhebt. In seinem spannenden Roman lässt er den Leser aus zwei Perspektiven den Überlebenskampf der Gefangenen und die Nachforschungen Carls verfolgen. Der Autor weiss, wie man den Leser auch bei komplexen Sachverhalten bei der Stange hält. Obwohl den Ermittlungen breiter Raum eingeräumt wird, fühlt sich der Leser hautnah ins Geschehen gezogen. Ohne enervierend ausufernde Beschreibungen der Episoden um die Qualen Meretes in ihrer Todeskammer wird das Grauen greifbar.
Der Autor erzählt in genüsslicher Leichtigkeit und sprachlicher Einfachheit, aber immer geschliffen und pointiert. Damit entfaltet er eine Wirkungskraft, die beim Leser eine erstaunliche Bandbreite von Gefühlen spürbar macht und die Kraft der Gedanken in einer ausweglosen Situation demonstriert. Adler-Olsen konzentriert sich weniger auf die Suche nach den Entführern als auf deren Motivation - und vor allem auf die Psychogramme seiner Protagonisten, die er in seinem alptraumartigen Plot hervorragend zu zeichnen weiss. Er hat es auch nicht nötig, in die vulgären Winkel der Sprache abzutauchen, obwohl es ein Roman dieses Genres zuhauf böte. Der Thriller ist gut gemachte und zielstrebig getaktete Unterhaltung, der durch sehr hohe atmosphärische Dichte, grosse Realitätsnähe, Spannung, herrlichem Witz und äusserst lebendiger Beschreibung der Protagonisten besticht.


Wie könnt ihr schlafen
Wie könnt ihr schlafen
von Monika Geier
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,00

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen PROVINZKRIMI, 5. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wie könnt ihr schlafen (Taschenbuch)
In Kreimheim, einem Nest der hinterpfälzischen Provinz, werden Knochen gefunden, die kaum noch als menschlich identifizierbar sind. Dennoch sind es die Knochen einer Babyleiche, die vor zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren im Garten eines geheimnisumwitterten Herrenhauses verscharrt wurde. Aufklären soll diesen Fall, der im Verlaufe der Handlung wachsende Ausmasse annimmt und bei dessen Ermittlungen sich die Ereignisse bald überschlagen, die junge sympathische Kommissarin Bettina Boll. Leichter gesagt als getan, denn in dem quasi Inzucht-Kaff stösst sie bei der verschworenen Dorfbevölkerung, die sich unter dem Deckmantel der spiessigen Rechtschaffenheit versteckt, auf eine Mauer des Schweigens.

Fazit: Zweifelsohne liegt Monika Geiers Debütroman, der mit stilistischer Eleganz geschrieben ist, ein Mordsplot zugrunde. Die Autorin ist sichtlich bemüht, den Suspense auf mehrere Ebenen zu heben. In ihrem Off-Mainstream-Bestreben übertreibt sie indes ihren Erzählkosmos dadurch, dass sie zu viel in ihre Geschichte verpackt: als Dreingabe zum Knochenfund erhält die Kommissarin noch einen weiteren Leichenfund, eine Vermisstenanzeige sowie einen Doppelmord aufgeladen. Spurensuchen und Befragungen nahezu bis zum Exzess sowie langfädige Beschreibungen und Kleinigkeiten, die nichts mit der Lösung des Falles zu tun haben, sind der beabsichtigten Skizzierung des Lokalkolorits und vor allem der Spannung abträglich. Die Geschichte erstickt im Dickicht von Intrigen und pathologischen Verstrickungen, was die Dynamik des Geschehens und den Lesefluss 0ins Stocken bringt. Es gelingt Geier selten, die gewünschte ländlich-spiessbürgerliche Atmosphäre zu kreieren. Eine lebendige, frische und lebensechte Skizzierung vermag sie lediglich ihrer Kommisssarin zu verleihen. Die übrigen Protagonisten, praktisch alles abseitige Nebenpersonen, wirken wie Ausschneidefiguren aus einem zweidimensionalen Leben. Beim hohen Bestand an Handlungsorten und etwas klischeehaften, weil an Skurrilität leicht überzeichneten Charakteren, tut mancher Leser vielleicht gut daran, sich ein Personenregister anzulegen, um Überblick und Zusammenhänge zu bewahren.
Mit weniger Verzettelung und strafferer Erzählführung hätte die Autorin ihren Roman zu einer aussergewöhnlich dumpfig, atembeklemmenden, mit zerstörerischer Energie geladenen monströsen Geschichte entwickeln können, der ihr weit hergeholter und dick aufgetragener Schluss dann doch nicht so stark in die Quere käme. Doch entwickelte sich dieser Roman für mich nicht zum Krimi mit dem hintersinnigen Nervenkitzel, der mir das Blut in den Adern gefrieren liess.


An einem Abend im Herbst
An einem Abend im Herbst
von Joseph Hayes
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen WILDE GERECHTIGKEIT, 16. November 2010
Rezension bezieht sich auf: An einem Abend im Herbst (Gebundene Ausgabe)
Carola, die junge Mutter erwartet heute Gäste. Während ihre Freunde langsam eintrudeln, ist sie noch im nahen Wald unterwegs, um noch etwas zum Schmücken der Tafel zu finden. Ein Tag wie jeder andere, doch einer, der die Existenz Carolas in seinen Grundfesten erschüttern wird, denn während ihre Freunde noch über ihr Ausbleiben rätseln, wird sie brutal überfallen und vergewaltigt. Halb tot und vor Angst wie von Sinnen erscheint sie schliesslich in ihrem Haus. Doch da stösst sie auf Unverständnis und Gleichgültigkeit. Man rät ihr sogar davon ab, eine Anzeige zu erstatten. Ihr Mann, ein Schwächling, ist unfähig, ihr zur Seite zu stehen. Nur ein alternder, wortkarger Polizist unterstützt sie durch dick und dünn.

Die Aufklärung des Falles wird für den Polizisten zu einer Frage von Leben und Tod. Die Suche nach dem Täter, der - wie bald klar wird - aus Carolas Bekanntenkries kommen muss, gerät schon bald zu einer explosiven Mischung aus Heuchelei, Habgier und Hass. Nach und nach fallen die Masken, blättert die brüchig gewordene Fassade von Wohlanständigkeit ab, hinter der sich die Menschen in Carolas Umfeld verbergen. Ihr innerer Aufruhr treibt sie in einen verbissenen Kampf nach Gerechtigkeit und vor allem Rache, der sie an den Rand des psychischen und physischen Zusammenbruchs bringt.

Fazit: Psychologische Finesse und lückenlose Spannung prägen diesen abgründigen Thriller um Rache und Gerechtigkeit bis zum atemberaubenden Countdown. Der Suspense dieses Lesestoffs mit aufrührerischem Anspruch findet auf mehreren Ebenen statt und beschränkt sich nicht nur auf die Frage: wer ist der Täter bzw. wird er überführt? Der Autor führt den Leser tief in die Psyche seiner äusserst achtsam gezeichneten Figuren. Eindringlich beschreibt er die Heuchelei der sogenannt rechtschaffenen Gesellschaft. Ein rundum toller Roman, der einen die Zeit vergessen lässt.


Der Augensammler: Psychothriller
Der Augensammler: Psychothriller
von Sebastian Fitzek
  Gebundene Ausgabe

11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen OHNE AUGENMASS, 24. Oktober 2010
Es ist die Geschichte des so genannten. Augensammlers, der ein grausames Versteckspiel treibt: Die Mütter der entführten Kinder tötet er und den Vätern gibt er einige Stunden Zeit, um seine Kinder wieder zu finden, bevor er sie im Versteck ersticken lässt, in das er sie verschleppt hat. Dadurch, dass der Psychopath den Kinderleichen jeweils noch das linke Auge entfernt, beabsichtigt er, dem Grauen eine neue Dimension zu verleihen.
Der Journalist und ehemalige Polizist Alexander Zorbach will den Geistesgestörten zur Strecke bringen, doch er wird selbst zum Hauptverdächtigen und Gejagten, nachdem ihn unerklärliche Phänomene zum neuesten Tatort führen, wo er eindeutige Spuren hinterlässt. Mit der Hilfe der blinden Psychotherapeutin Alina, die behauptet, den Augensammler behandelt zu haben und durch Handauflegen in die Vergangenheit sehen(!) zu können, hofft er, seine Unschuld zu beweisen, den Fall zu lösen und schliesslich das Elysium zu finden.

Fazit: Fitzeks Roman ist ein wässriges Spiel mit Fantasie und Wirklichkeit, dessen Plot keiner Überprüfung standhält und dessen eingestreute Sozialkritik der beabsichtigten Kernaussage in keiner Weise gerecht wird. Cliffhanger, kurze Kapitel und häufige Perspektivenwechsel - normalerweise Garanten für Spannung und Tempo - verpuffen wirkungslos. Da mutet die rückläufige Seitennummerierung als zusätzliches Spannungselement nur noch als müder Gag an. Statt die Haupthandlung zu bereichern und auszuschmücken, zerfleddern und lähmen repetitive philosophische Erörterungen, Aspekte des Blindseins, Reflexionen über Alexanders traumatische Erinnerungen und breit getretene Nebenstränge das konfuse, mit mysteriösem Ballast überladene Geschehen. Die Tragödie verkommt so zum reinen Selbstzweck.
Der Einsatz einer esoterischen Blindschleiche als Ermittlungshilfe ist ein billiger Versuch des Autors, sich beim Schreiben nahezu alle Ausflüchte ins Reich der künstlerischen Freiheiten zu erlauben, um die Handlung nach seinem Gutdünken zurechtzubiegen. Leider aber wird die Geschichte dadurch jeglicher Authentizität beraubt, und indem Fitzek die Leserschaft mit immer neuen Wirrnissen und Unstimmigkeiten bombardiert, löscht er den letzten Rest von Plausibilität. Das Beste ist noch der Schluss, den der Autor erfreulicherweise nicht aus dem üblichen Klischee-Teich fischt. Doch auch danach bleiben die Tatmotive und damit der eigentliche Sinn seines Romans verborgen. Summa summarum ein in keiner Weise nachvollziehbarer dubioser und diffuser Thriller. Zerfallserscheinung des "deutschen Stars des Psychothrillers"? Jedenfalls wird es für mich keinen nächsten Fitzek-Roman geben.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 28, 2010 9:44 AM CET


Splitter
Splitter
von Sebastian Fitzek
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen IRRSAL, 4. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Splitter (Taschenbuch)
Traumatisiert durch einen selbst verschuldeten Unfall, bei dem seine schwangere Frau mit ihrem ungeborenen Sohn ums Leben kamen, meldet sich Marc für einen medizinischen Feldversuch an, bei dem es nicht um die Aufarbeitung verdrängter Erinnerungen geht, sondern im Gegenteil darum, traumatische Erinnerungen durch chemisch erzeugte Amnesie zu tilgen. Er sieht darin die letzte Chance, seine schrecklichen Erinnerungen loszuwerden. Nach den ersten Voruntersuchungen schlägt seine Hoffnung indessen schnell in Enttäuschung um, wird er doch gewahr, dass das wirkliche Grauen nicht hinter, sondern vor ihm liegt: plötzlich leidet er an Halluzinationen, und gewisse Erinnerungssequenzen erscheinen ihm wie ein Traum. Nach und nach dringt der Wahnsinn wie Nebel durch die Fugen seiner Normalität.
Gejagt von Selbstzweifeln und surrealen Visionen fürchtet Marc um seine Identität. Auf der Suche nach Splittern seiner Erinnerungen irrt er orientierungslos quer durch Berlin. Kaum glaubt er, sich an etwas erinnern zu können, stellt es sich als Irrtum heraus. Seine Umwelt scheint ausgetauscht und er selbst auf einer anderen Existenzebene zu wandeln, bei dem ihm laufend der Boden unter den Füssen wegkippt. Die psychischen Tiefschläge treiben ihn in Abgründe, deren Schlamm alle Geheimnisse seiner Seele zuzudecken scheinen, und immer enger legt sich eine Manschette der Angst um ihn. Ist er Opfer einer Verschwörung? Aber zu welchem Zweck?

Fazit: Nicht nur seinen Helden setzt der Autor in diesem beklemmenden Roman einer Irrfahrt sondergleichen aus, auch seine Leser reisst er hinein in diesen Strudel. Er beschreibt Marcs Seelenzustand so eindringlich, dass man sich unweigerlich in die Rolle des Protagonisten gedrängt fühlt und - wie dieser - völlig die Übersicht über das Geschehen verliert. Fitzek peitscht die Spannung gnadenlos voran, indem er das Verwirrkarussell von Seite zu Seite schneller drehen und damit das Puzzle von Marcs Leben mehr und mehr zersplittern lässt. Doch er treibt sein Spiel zu sehr auf die Spitze: dem fulminanten Auftakt lässt er in der zweiten Hälfte des Buches ein immer wilderes Patchwork von Irrungen und (Ver)Wirrungen folgen, das er so breit auswalzt, dass darunter leider Spannung und Leselust leiden. Es nervt einfach, weil es kein Ende zu finden scheint. Die Auflösung ist alles andere als spektakulär, aber immerhin äusserst originell.

Summa summarum ist "Splitter" eine höchst abstruse, völlig an der Realität vorbeikonstruierte Story aus dem Reich der Fantasie, wie man sie nur in Romanen vorfindet.


Die Reinheit des Todes: Roman
Die Reinheit des Todes: Roman
von Vincent Kliesch
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen SAUBERE MORDE, 9. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Reinheit des Todes: Roman (Taschenbuch)
Ein geheimnisvoller Serienmörder hat zum dritten Mal zugeschlagen und stellt das LKA Berlin vor scheinbar unlösbare Rätsel, denn es findet statt Spuren und Motiv nur tödliche Kälte: der Täter hinterlässt den Tatort als klinisch reine Leere der Sauberkeit - nebst einer makellos hergerichteten Leiche. Es deutet vorerst alles darauf hin, dass der Täter mit seinen perfekten Verbrechen die Polizei bloss zu einem Duell herausfordern will. Die letzten Hoffnungen ruhen auf Hauptkommissar Julius Kern, der Jahre zuvor einen grausamen Massenmörder fassen konnte, der jedoch mangels Beweisen freigesprochen wurde. Daran ist Kern fast zerbrochen - so auch seine Ehe, und der Fall scheint ihn immer noch zu beschäftigen; noch mehr als der aktuelle.

Fazit: Der Roman spielt sich auf zwei Handlungsebenen ab - Vergangenheit und Gegenwart -, die schliesslich raffiniert zusammenlaufen.
Dem Autor gelang ein beachtlicher Debütroman mit psychologisch nuancierten Charakterzeichnungen, subtiler Identifikationswirkung und einer Prise Mystik. Als einziger Zugang zum Mörder bleibt dem Kommissar, sich in dessen Denkweise hinein zu versetzen. Das ist eindringlich, intensiv und mit Tiefgang beschrieben. Gleichzeitig schildert Kliesch in unsentimentaler, realistischer, zuweilen auch extrem roher und drastischer Weise die Verbrechen. Er fasst das Grauen klischeefrei und ungeschminkt in Worte, ohne den guten Stil zu vergessen.
Die klare, lebendige und flüssige Sprache macht den durchdachten Plot trotz vieler Charaktere und Nebenschauplätze zu einer Geschichte so süffig wie guten Wein. Interessant und originell ist der Aspekt, die Überführung des Täters an eine gescheiterte Beweisführung zu knüpfen und des Kommissars grösstes Problem zu seiner letzten Hoffnung für die Lösung des Falles zu machen. Etwas zu unklar bleibt mir lediglich, warum sich der Täter in der Rolle als erlösender Erzengel sieht.
Die Aufklärung der Verbrechen ist spannend beschrieben. Da die Identität der Täter rasch aufgedeckt wird, erzeugt der Autor eine ebensolche Spannung durch die einfühlsame Beschreibung derer kranker psychologischer Profile, die sie zum Morden antreibt. Ihr teuflisches Charisma erzeugt sowohl Abscheu wie Mitgefühl. Der Roman thematisiert somit nicht bloss die Indizienfragen, sondern konzentriert sich vor allem auf die psychologischen Aspekte der Figuren und ihrer Beziehung untereinander. Dies gelingt dem Autor besonders durch die wechselnden Erzählperspektiven.

Der durchgehende Spannungsaufbau wird getragen von einem hintersinnigen Nervenkitzel. Zu bedauern ist, wer davon nicht mitgerissen wird.


Der Diener Gottes: Roman
Der Diener Gottes: Roman
von Keith Ablow
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ARCHITEKTUR DES WAHNSINNS, 14. August 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Diener Gottes: Roman (Taschenbuch)
Besässe der Täter grössere Demut, wäre er Chirurg geworden, um verletzte, kranke und alte Körper wiederherzustellen. Doch Schönheit zurückzubringen ist ihm, der sich als Diener Gottes sieht, nicht genug: er muss sie erschaffen und zwar genau so wie ein Architekt(so der Originaltitel), der mit seiner Arbeit nicht die eigenen Bedürfnisse, sondern die seiner Kunden erfüllt, um damit die Form zu finden, die ihre inneren Wahrheiten wiederspiegelt und damit ein Streiter jener Architektur zu sein, die die erhabene Verschmelzung von Form und Funktion nachempfindet, welche die menschliche Anatomie aufweist.
In der faszinierenden und perfekten Symbiose von Form und Funktion der menschlichen Anatomie findet er die Inspiration für seine Arbeiten, indem er die erhabene Architektur des Körpers offenbart und gleichzeitig die Weitergabe dessen fehlerhafter Gene verhindert. Konsequenterweise entwirft er seine Häuser ausschliesslich für glückliche Familien oder macht sie glücklich, indem er sie ohne ihr Wissen von störenden menschlichen Elementen befreit. Als absoluter Ästhet fügt er seinen Opfern keine Schmerzen zu, denn er will nicht Leiden verursachen, sondern ihm ein Ende setzen.
Da der genial-irre Täter nicht die geringste Spur hinterlässt, tappt die Polizei völlig im Dunkeln. Die Ermittler bitten deshalb den Psychiater Frank Clavenger um Hilfe. Dieser ist mit diversen Problemen belastet: er ist alkoholabhängig und sein labiler Adoptivsohn Billy manövriert sich ständig in neue Schwierigkeiten. Dessen Probleme drohen ausser Kontrolle zu geraten und Frank die Konzentration für seinen Job zu rauben. Der Vater in Frank lähmt den Psychiater in ihm und umgekehrt. Auch die Beziehungsprobleme zu seiner Gelegenheitsfreundin beim FBI sind schwieriger als die Fälle, die er zu lösen hat.

Fazit: Der Täter und seine Motive sind von Beginn weg bekannt. In Ablows gut recherchiertem und leicht gesellschaftskritischem Roman geht es einzig und allein darum, wie Clavenger dem Wahnsinnigen auf die Spur kommt. Das ist geradlinig und schnörkellos beschrieben, und es gelingt dem Verfasser gar, plumpen, aber geschickt getarnten Klischees Leben einzuhauchen. Seine emotionale Tiefgründigkeit beweist Ablow durch glaubhafte Schilderung von Clavengers Alkoholproblem und dessen Sorgen um den Adoptivsohn. Die übrigen Personen sind nebensächlich und entsprechend blass bleibt die Figurenzeichnung. Der abrupte, aber schwache Schluss steht in krassem Gegensatz zur originellen und interessanten Grundidee.

Ein solider, unterhaltsamer Krimi - nicht besonders aufregend und dessen Spannung sich in Grenzen hält.


Ausgelöscht: Thriller. Smoky Barrett, Bd. 4
Ausgelöscht: Thriller. Smoky Barrett, Bd. 4
von Cody McFadyen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen ZÜNDEND, 25. Juli 2010
FBI-Agentin Smoky Barrett hat es mit einem Serientäter zu tun, der weiss, dass es für einen Menschen Schlimmeres gibt als den Tod. Er lässt ihn am Leben, doch dieser kann nicht über das reden, was ihm zugestossen ist. Der Täter wird weitere Opfer finden, und Smoky könnte eines von ihnen sein.

Fazit: Spurensuche, Ermittlungen und Abklärungen dominieren die erste Hälfte des Romans. Danach wirds packend bis zum Schluss dank rasantem und dramatischem Anzug der Spannungsschraube. Das billige Motiv wird durch den Autor zu einem überdimensionierten Plädyoer für den Täter aufgebauscht, tut jedoch der genial konstruierten, aber unrealistischen Story keinen Abbruch. McFadyen taucht in die düstersten Abgründe der menschlichen Seele hinab und hinterlässt einen sehr harten Roman, der Bedrohung ausstrahlt und häufig in ungeschminkter und vulgärer Sprache daherkommt. Also nichts für Schönleser. Zum Täter entsteht in keinem Moment ein Bezug. Er tritt erst ganz am Schluss auf, bleibt aber dennoch gesichtslos und unspürbar. Ganz im Gegenteil zur Hauptprotagonistin, aus derer Sicht die Geschichte geschildert ist. Sie ist mit Haut und Haaren darin involviert und versucht, die Motivation und das Denken des jeweiligen Täters zu verstehen. Damit lässt sie den Leser in eindrücklicher und sensibler Weise an ihrer Gefühlswelt teilnehmen. Dies vor allem macht das Buch für mich lesenswert und überdeckt die genüssliche Darstellung der Gewalt.


Die Blutlinie: Thriller. Smoky Barrett, Bd. 1
Die Blutlinie: Thriller. Smoky Barrett, Bd. 1
von Cody McFadyen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen BLUTRAUSCH, 6. Mai 2010
Das Leben der erfolgreichen FBI-Agentin Smoky Barrett ist seit dem Doppelmord an ihrem Mann und ihrer Tochter zerstört. Völlig traumatisiert und auf der Kippe zum Selbstmord, vegetiert sie abgekapselt vor sich hin; nur ihr Psychiater findet Zugang zu ihr. An die Fortsetzung ihrer Karriere wagt sie nicht zu denken, bis zum Tag, als ihre beste Freundin ermordet wird. Durch die Aufklärung des Falls erhofft sie sich, endlich die Geister der Vergangenheit los zu werden. Doch dieser Mord ist nur das erste Glied einer langen Kette von perversen Bluttaten. Der Täter hält sich für einen Nachfahren des legendären Jack the Ripper. Völlig auf Smoky fixiert, fordert er sie zu einem perfiden Katz-und-Maus-Spiel heraus, das er erst beendet sieht, wenn sie ihn fasst. Smoky nimmt die Fährte auf; die Jagd auf ihn wird für sie zur selben Obsession, wie Jack Junior sein Spiel treibt.

Fazit: Der Autor schöpft in seinem mitreissenden und überzeugenden Thrillerdebüt aus dem Vollen und liefert exakte Einblicke in die Abgründe einer Psyche, die eine deformierte Persönlichkeit wie die eines kaltblütigen Serienmörders dazu treibt, Grenzen zu überschreiten. Es ist die Geschichte eines Monsters, das eine Spur der Verwüstung und Vernichtung hinter sich her zieht und sich am Schmerz der Opfer labt wie ein leichenfressender Dämon an einem Grab.
Die Beschreibung aus der Sicht der Hauptperson macht diese zur eindrücklichen Identifikationsfigur, deren Gemütszustand den Leser konstant begleitet. Die düstere Story ist atmosphärisch sehr dicht umgesetzt. Die äusserst intensiven und eindringlichen Schilderungen der Ermittlungsarbeiten und forensischen Abklärungen zeugen von einer präzisen Fachkenntnis des Autors. Sie paart sich mit einem treibenden Schreibstil und einer Wortgewalt, die den Leser völlig in die Handlung reissen und ihn von einem Gefühlsrausch in den anderen treiben. Sehr effektiv setzt Mcfayden den Tempowechsel als Stilmittel ein: aus scheinbar belanglosen Handlungen erwischt es den Leser unverhofft wie Faustschläge mitten in die Magengrube. Oft überschreitet die Darstellung der Misshandlungen die Schmerzgrenze, was den Roman zu einer harten Kost macht.
Die Hochspannungsgeschichte macht Angst, nicht weil sie ein aussergewöhnlicher Thriller ist, sondern weil sie mit einer schier unüberbietbaren Intensität geschrieben ist, die den Leser wie Krallen packt und nicht mehr loslässt. Die Nebenfiguren erscheinen nicht als solche, sondern sind als eigenständige Persönlichkeiten charakterisiert. Der Autor leuchtet die hintersten Winkel der Empfindungen aller Protagonisten aus und beschreibt aufs Eindrücklichste den Rand des Abgrundes, an dem FBI-Beamte arbeiten. Es ist ein Job, in dem keine Regisseure ihren Helden eine Brotkrumenspur in Form einer logischen Kette von Schlussfolgerungen und Hinweisen auslegen, die zum Nest des Täters führen, wo dann das "Aha!" plötzlich aufleuchtet.

Ein Buch, das unter die Haut geht!


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