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Rezensionen verfasst von
Favre Robert "Robert A. Favre"
(REAL NAME)   

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In seinen Händen: Thriller
In seinen Händen: Thriller
von Harlan Coben
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen HANDFESTE SPANNUNG, 7. August 2011
Rezension bezieht sich auf: In seinen Händen: Thriller (Broschiert)
Die siebzehnjährige Vorzeigeschülerin Haley verschwindet spurlos. Eine verzweifelte, doch erfolglose Suche beginnt. Der Polizei bleiben nichts ausser einigen aufgebauschten Theorien. Der TV-Reporterin Wendy, die auf ihrer Quotenjagd mutmassliche Pädophile vor laufender Kamera in eine Falle lockt, gelingt es, den beliebten Sozialarbeiter Dan Mercer zu überführen. Dank dessen cleveren Anwalt wird er aber freigesprochen. Dennoch halten ihn einige Leute für schuldig und bringen ihn gar mit Haleys Verschwinden in Verbindung.. Weil Wendy ihre TV-Show vermasselt hat, wird sie entlassen. Und nun plagen sie Zweifel und Schuldgefühle: Hat sie die Hetzkampagne gegen Dan ausgelöst, die sein Leben buchstäblich zerstörte? Um ihn und sich zu rehabilitieren und ihre Stelle zurückzugewinnen, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln und sticht dabei in ein Wespennest. Doch nicht die akribische Suche nach Spuren und Indizien ist ihre Sache, sondern unentwegte logische Gedankenarbeit in Verbindung mit glaubwürdiger Intuition. Im simpel anmutenden Fall verstrickt sie sich indes in ein immer komplexer werdendes Geflecht von Intrigen und üblen Machenschaften.

Fazit: Cobens hochintelligenter Thriller fesselt von Beginn weg durch seine atmosphärisch ausserordentlich dichte und zügige Erzählweise. Seine Stärke liegt in der unnachgiebigen Reduktion auf das Wesentliche. Dennoch ist die äusserst virtuos inszenierte und mit überraschenden Wendungen gespickte Geschichte geprägt von psychologischem Tiefgang und Vielschichtigkeit. Mit angehaltenem Atem erlebt der Leser Cobens Talent, Gefühle zu sezieren. Seine Figuren leben; sie sind aus Fleisch und Blut. Er wirft ein grelles Licht auf die Risse in den menschlichen Beziehungen. Dabei kontrastieren aufs Eindrücklichste Schwarz-Weiss-Kategorien mit moralischen Relativierungen.
Der grosse Reiz des Romans liegt auch darin, dass der Fortschritt von Wendys Ermittlungen und die Annäherung an die Lösung in den glänzenden Dialogen der Hauptfiguren, in deren Diskurs deutlich werden. Dadurch baut der Autor einen peitschenden Rhythmus auf und schafft eine verschärfte nervöse Spannung, der man sich kaum zu entziehen vermag.
Häufige Szenenwechsel und einige überflüssige Sequenzen stören kaum, denn Coben schürt buchstäblich die Dramatik mit plakativer Zuspitzung und hängenden Spannungsbögen am Ende der Kapitel. Damit gewinnt die Handlung mit jeder Seite an verstörender Energie und entfacht eine Kraft wie ein unablässig saugender Strudel.
Die Handlung ist eingebettet in eine tiefe psychologische Kenntnis der Situationen. Hier liegt keine simple Entführungsgeschichte vor, sondern eine, die verschiedene Handlungsebenen miteinander verknüpft. Mit überraschenden Wendungen führt der Autor den Leser in ein Labyrinth von Verdachtsmomenten, die bis zum aussergewöhnlich raffinierten und verblüffenden Schluss des Buches nicht entwirrt werden.
Weil Coben sich moralisierende und sozialkritische Einfärbungen weitgehend versagt, wirken seine Beschreibungen unmittelbar und direkt als Erkundungen der Hilflosigkeit gegenüber dem unerklärlichen Kern des Verbrechens. So ist ihm ein hervorragender Thriller gelungen über Schuld und Unschuld, Vergebung und Vergeltung, in dem die Grenzen zwischen Recht und Unrecht, Recht und Gerechtigkeit, Be- und Verurteilen, Täter und Opfer zerfliessen. Der von Gewalt, Klischees und schmalzigen Liebesgeschichten freie Roman besticht auch durch die überzeugende Darstellung der Protagonistin, den plausiblen Hintergrund sowie einem Tempo, die den Leser von Seite zu Seite jagen.

Das ist Kopfkino at it's best. Ein brillant erdachter Fall, der in einer verzwickten, völlig unvorhersehbaren Geschichte mündet und nach 545 fesselnden Seiten, in denen Coban seine Leser völlig in seinen Händen hält, bedrückende und bedrohliche Visionen zurücklässt.


Ein einfacher Plan
Ein einfacher Plan
von Scott Smith
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen EINFACH FESSELND, 20. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Ein einfacher Plan (Broschiert)
Rezension bezieht sich auf: Ein ganz einfacher Plan (Taschenbuch)
Es herrscht tiefster Winter in der Hügellandschaft von Ohio. Die beiden Brüder Hank und Jacob sowie ihr Freund Lou entdecken zufällig in einer Senke, tief in den Schnee eingebettet und fast völlig vor ihren Blicken verborgen, ein abgestürztes Sportflugzeug - und darin einen Sack mit 4,4 Millionen Dollar. Als sich die Frage stellt, was mit dem Geld geschehen soll, entwickelt Hank einen ganz einfachen Plan: Falls nach dem Geld gefahndet wird, verbrennt er es; falls nicht, wollen sie es untereinander aufteilen. Bis dahin wollen sie abwarten und Stillschweigen bewahren.
Der Geldfund steht am Beginn einer ungeahnten Kausalkette, denn ihr Schweigegelübde ist die fatale Schwachstelle des Plans. Ihre Freundschaft hält dem Druck, unter dem sie fortan stehen, nicht stand. Kleine Missgeschicke, gegenseitiges Misstrauen, Gewissensbisse und Paranoia verstricken die drei in immer weitere Verbrechen und stürzen sie schliesslich in ein auswegloses Drama.

Fazit: Im Fokus von Smiths packendem Romandebüt steht weniger die kriminalistische Handlung als die Geschichte der zunehmenden Entfremdung von Brüdern und Freunden durch das Misstrauen, das sich zwischen ihnen aufbaut und sie immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens zieht. Langsam und unmerklich führt der Autor den Leser ins Zentrum eines psychologischen Dramas. Die zerbrechliche Moral macht aus gewöhnlichen Menschen Leute, die zu Bluttaten bereit sind.
Die fesselnde Charakterdarstellung der drei Männer und vor allem Hanks kontinuierliche Wandlung vom biederen, aufrichtigen Ehemann zum kaltblütigen Mörder beschreibt der Autor äusserst eindringlich, realitätsnah und mit grosser Überzeugungskraft. Die permanente Nähe, die er damit zu ihnen schafft, involviert den Leser lückenlos in die Handlung.
So einfach wie der Plan der drei Männer, so lebendig und flüssig ist auch Smiths Schreibstil, was die Handlung stetig vorantreibt und vor allem für eine sich permanent hochschraubende Spannung bis zum Schluss sorgt. Diese Technik reizt Smith bis zur Unerträglichkeit aus. Sie lässt einen die Seiten verschlingen und gleichzeitig wünschen, das Buch möge nie enden.
Thriller und Drama, teilweise verbunden mit Groteske, vermischen sich zu einer gelungenen Einheit. Atmosphärisch sehr dicht und bildhaft beschrieben, überlässt Smith die moralische Bewertung seiner Protagonisten dem Leser. Durch die Schilderung aus Hanks Sicht bezieht er den Leser dermassen ins Geschehen ein, dass er sich ihm kaum zu entziehen vermag, jedoch grosse Mühe hat, die Objektivität zu wahren. Kommt dazu, dass Hank ein ausgesprochener Sympathieträger ist, der lediglich durch die äusseren Umstände zum Verbrecher wird und dessen Ethik und gute Absichten nur deshalb erschüttert werden, weil er das Geld zum alleinigen Maßstab seines Lebens werden lässt. So tun sich ihm Abgründe seiner Seele auf, die er bislang für unmöglich hielt. Im vollen Bewusstsein seiner Wandlung, doch als wäre er darauf konditioniert, eine ihm völlig fremde Rolle zu spielen, kalkuliert er eiskalt und tut Dinge, die er gar nicht tun will, sucht jedoch gleichzeitig nach immer neuen Gründen, die es ihm ersparen könnten, die Verantwortung zu übernehmen. Der Dominoeffekt des Geldfundes wirkt auf ihn wie ein Katalysator - wie ein Deus ex Machina: er wird getrieben und lässt sich treiben, bis der moralische Morast die Fassade der Normalität einstürzen lässt.
Das blutige Suspense-Action-Psycho-Thriller-Drama, der abläuft wie ein Film, ist ein hundertprozentig reines Lesevergnügen und wirkt auch deshalb noch lange nach, weil er schildert, wie man oft das Falsche wählt, nicht weil es falsch ist, sondern weil man es für das Richtige hält.

Das Drehbuch zum Film, von Scott selbst geschrieben, wurde und 1998 mit einer Oscarnominierung belohnt.


Der Kruzifix-Killer (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller, Band 1)
Der Kruzifix-Killer (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller, Band 1)
von Chris Carter
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DAS FRÖSTELN DES TODES, 17. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Detektive Hunter wird eines Morgens an einen Tatort gerufen, wo er eine grauenhaft entstellte Frauenleiche vorfindet. Der Täter, anscheinend ein religiöser Fanatiker, hat, bis ein dem Opfer in den Nacken geritztes Doppelkreuz, keine Spuren hinterlassen. Er mordet scheinbar wahllos, als ob er experimentieren wollte. Er nimmt sogar Kontakt zu Hunter auf, fordert ihn heraus und verstrickt ihn so in ein perfides, tödliches Katz-und-Maus-Spiel, bei dem man nicht immer weiss, wer nun wen gerade jagt. Der Killer treibt ein ausgefeiltes psychologisches Lotteriespiel, indem er Leben und Tod seiner Opfer vom richtigen Tipp der Ermittler abhängig macht. Diese kommen indessen keinen Schritt voran, landen in einer Sackgasse nach der anderen und scheinen je länger je mehr einem Phantom hinterher zu jagen. Hunter selbst hat keine Ahnuing, wie nah er dem Killer in Wirklichkeit ist.

Fazit: Das Thema des religiös motivierten Killers sowie die Figurenzeichnungen sind alles andere als neu und werden hier in einer aufgefrischten Variation von Lecter-Mixtur dargestellt. Neue, originelle Ideen liefert der Autor zwar keine, doch gelingt es ihm, mit dem stilistischen Trick, den Schluss der Geschichte unmittelbar vor dessen Auflösung im Prolog vorwegzunehmen, den Leser gleich von Beginn weg ins Geschehen zu ziehen. Mit bewährten Elementen und bekannten Mustern, jedoch ohne grossen Anspruch an die Leserschaft, hält Carter den Spannungsbogen seines knallharten Pageturners mit psychologischem Touch bis zum Schluss hochgradig gespannt. Mit dem Ekel- und Brutalitätseffekt rührt er an Seelenseiten des Lesers, die dieser vielleicht lieber nicht gedeutet wissen möchte.
Mit lebendigem, schnörkellosem Stil, originellen Dialogen und kurzen Kapiteln peitscht Carter den Leser von Action zu Action. Die Charaktere sind etwas banal und klischeebehaftet (tougher Cop mit psychischen Problemen), aber dennoch durchwegs überzeugend und relativ lebensecht beschrieben - mit Ausnahme des Killers, der praktisch seelisch ohne Auslotung verharrt. So bleibt die Begründung für dessen Handeln im Trivialen hängen. Tiefgang wird erst im verblüffenden Finale angedeutet, doch er kommt zu spät und beruht, wie zu oft in Standardkrimis, eher auf einer willkürlich aus dem Hut gezauberten Begründung. Agatha Christie lässt grüssen.

Ein Buch aus der Thriller-Streamline, das man getrost in einem Rutsch lesen kann.


Im Zeichen des Blutes: Psychothriller
Im Zeichen des Blutes: Psychothriller
von Franck Thilliez
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen IM ZEICHEN DER VERGESSENHEIT, 25. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Ermittlerin Lucie Hennebelle ist auf der Jagd nach dem "Professor", einem legendären Serienmörder, dem die junge Manon Moinet anscheinend entkommen ist. Nur Manon kann Lucie zum Täter führen, doch sie leidet unter einer unheilbaren Amnesie. Ihre Erinnerung ist ein Puzzlespiel aus den Bruchstücken ihrer Vergangenheit. Wie also sollte Lucie zu den nötigen Informationen gelangen? Doch Manon ist eine hochbegabte Mathematikerin. Ihr ungewöhnliches Talent für die Zahlenrätsel, die der Täter jeweils am Tatort hinterlässt, bringt etwas Licht ins Dunkel. Dennoch scheint alles widersprüchlich, nichts zueinander zu passen und der Fall sich in Manons Amnesie aufzulösen.

Fazit: Ein Psychothriller ist das nicht, wie es der Klappentext verspricht, eher ein psychologischer Ermittlungsroman mit Krimi-Elementen. Weit entfernt in jeder Beziehung ist dieser Roman mit Thilliez' Blockbuster "Der rote Engel". Die Geschichte kommt extrem konstruiert und wenig glaubhaft daher. Da der Schwerpunkt auf Manons Amnesie liegt, die breit ausgewalzt wird, kommt die Handlung selbst nie richtig voran,vermag nicht wirklich zu packen, wirkt ziellos und entbehrt der richtigen Würze. Die Spannung kocht auf kleiner Flamme. Etwas plump versucht der Autor, den Verdacht des Lesers zu lenken, dabei weiss jeder Krimileser, dass der Täter immer der Unverdächtigste ist.
Das Hauptgewicht liegt auf der ausgefeilten Charakterisierung der beiden Hauptprotagonisten. Das hingegen ist dem Autor hervorragend gelungen. Vor allem zeichnet er ein deprimierendes Bild der unter Amnesie leidenden Manon, eingehüllt ins Narkotikum des Vergessens, völlig von der wahren Welt der Dinge entfremdet. Daneben gewährt Thilliez interessante Einblicke ins Gebiet der Neurologie und Mathematik, doch treibt er seine haarklein detaillierten, mit Fachjargon gespickten Ausschweifungen entschieden auf die Spitze. Zu viele Dialogwiederholungen zerren mit der Zeit an den Nerven. Auch wird es mit jedem Kapitel schwieriger, im Chaos aus Amnesie und mathematischen Rätseln den Überblick zu behalten. Noch verwirrter und unklarer wird die Geschichte bei der Erwähnung eines zweiten Mörders. Da ist Durchhaltewillen beim Lesen gefragt. An Fantasie fehlt es dem Autor wirklich nicht. Sogar das Basler Münster verlegt er vom Gross- ins Kleinbasel.
Es gibt Lesenswerteres unter der Sonne.


Der rote Engel (Ein Kommissar-Sharko-Krimi, Band 1)
Der rote Engel (Ein Kommissar-Sharko-Krimi, Band 1)
von Franck Thilliez
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ALCHEMIE DES GRAUENS, 8. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Vor einigen Monaten ist Suzanne, Kommissar Franck Sharkos Frau, spurlos verschwunden. Der verzweifelte Kriminalist ist deshalb froh um jede berufliche Ablenkung. Doch was ihm bevorsteht, ist eine bislang ungeahnte Kriminalität aus der Schlangengrube des Internet: Eine Mordserie mit bestialisch zugerichteten Opfern erfordert seine volle Aufmerksamkeit. Das nach Grausamkeit gierende Monster zelebriert seine schwarzen Messen und Mordrituale mit grösster Präzision und nimmt sich stundenlang dafür Zeit, aber ohne dabei auch nur einen Gedanken an ein sexuelles Vergehen zu verschwenden. Wie bringt er es fertig, seine sexuellen Impulse unter Kontrolle zu halten? Was ist seine Triebfeder? Für seine Verbrechen verwendet er eine komplizierte Konstruktion und setzt sie als ausgeklügelte Kunstwerke mit grösster Sorgfalt bis ins kleinste Detail in Szene. Bei seinen Folterungen spielt er gleichzeitig Krankenpfleger und unternimmt alles, um das Martyrium seiner Opfer bis zum ultimativen Limit zu ziehen.
Der Mörder hinterlässt nicht die geringste Spur, provoziert und manipuliert die Ermittler jedoch mit verschlüsselten Hinweisen, wie um ihnen die Spielregeln zu diktieren. Er führt sie auf Schritt und Tritt in die Irre und spielt mit ihnen wie ein Marionettenspieler mit seinen Holzpuppen. Ein Aspekt deutet darauf hin, dass nebst seinem ausgeprägten Sadismus die religiöse Komponente seine unermesslichen Grausamkeiten konditioniert, so als sollten die Opfer durch ihr Leid mit jedem Mal ein Stück von ihrer Erbsünde abwaschen.
Der Fall entwickelt sich für die Kriminalisten zu einem Puzzle, das unter eine Häckselmaschine geraten ist, und sie scheinen je länger je mehr hinter einem unmenschlichen Phantom herzujagen, einer Entität mit der Kraft des Unmöglichen, die sie zur Verzweiflung treibt. Beim Anblick der Tatorte des Grauens werden Sharko, der seinen Beruf beinahe noch mehr liebt als seine Frau, wieder seine eigenen Qualen über den Verlust von Suzanne emporgeschwemmt. Als er erfährt, dass der Mörder auch Suzanne in seiner Gewalt hat, lässt ihn der Schwung, den ihm seine Wut dabei verleiht, öfter als ihm lieb ist, jede Besonnenheit verlieren.

Fazit: Den - hoffentlich sehr hart gesottenen - Leser erwartet ein ausgesprochener Hardcore-Krimi, der keine Tabus kennt. Da öffnen sich Abgründe wie blutige Wunden. Die in seltener Eindrücklichkeit und schonungslos bis in alle Einzelheiten geschilderten Einblicke in die perverse Welt des SM- und Snuffmilieus muten wie ein Schlachtfest an. Das Erstaunliche daran: die Handlung bewegt sich auf ihrer Reise in die Abgründe der Moral, die Parallelwelt der Abscheulichkeiten und den Sumpf von Sadismus und Fäulnis vorwiegend auf einem gewählten Sprachniveau. Für den Leser mutet das wie ein Horror-Trip durch eine stilistisch gepflegte Parklandschaft an.
Die Handlung ist geprägt von einer unerhört dichten erzählerischen Substanz und getränkt in eine Atmosphäre makabrer Düsternis und einen dem Morbiden ergebenen Geist. Die intensive und unglaublich bildhafte Wortgewalt des Autors verwandeln jede Buchseite in eine Filmsequenz, getragen von einer Kadenz omnipräsenter Beklemmnis und einer treibenden Spannung, die Lesepausen nahezu verunmöglichen. Mittels stilistischer Taktik des Vorenthaltens und Verzögerns macht der Autor das Lesen so zum Zwang, dass man ständig versucht ist, am Schluss die Lösung nachzulesen.
Kraft seiner Worte und scharfsinniger Analysen zeichnet der Autor ein quälendes Psychogramm des Mörders und beschreibt eindringlich jene abscheuliche Substanz, von der dieser sich nährt. Akribisch und eindringlich setzt er dessen Motive dem Seelenzustand und den Gedankengängen seines Gegenspielers, des Kommissars, gegenüber, zu dessen verborgenen Facetten gehört, dass er sich bei seiner Modelleisenbahn den Trost holt, den ihm Menschen nicht geben können. Sehr eindringlich macht Thilliez lebendig, in welch ambivalentem Kosmos sich Sharko befindet, wenn er darüber brütet, zwischen welchen Welten er hin und her irrt: der normalen des Menschen und der irrealen des Polizisten ' zwischen der Wärme eines Lächelns und dem tief in jeder Psyche verborgenen Abgrund; die Erklärung, weshalb er seinen Beruf liebt und hasst zugleich.

Der Roman offenbart die absolute Bosheit und ist das Erschreckendste, das ich bis jetzt gelesen habe. Die Frage sei deshalb erlaubt, was einen Autor dazu bewegt, solche Perversionen so genau zu recherchieren und dem Leser so detailliert zu präsentieren?


Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff!
Nein! Ich geh nicht zum Seniorentreff!
von Virginia Ironside
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen MIT WENIGER ZUKUNFT EINE BESSERE GEGENWART, 17. Mai 2011
Herbst des Lebens? Mitnichten! Die Jungen haben viel Zeit, leider nur gehört ihnen bloss ein Bruchteil davon. Im Alter hingegen schrumpft die Zukunft, dafür hat sie für sich alleine. Ein Grund, das Leben mit neuer Entschlossenheit anzupacken. Nicht bloss wegen der Dinge, die man nicht mehr tun muss, sondern noch mehr angesichts der Vorzüge, die die Gelassenheit des Alters einem eröffnen. Es kann z.B. von Vorteil sein, wenn man sich nicht mehr an alles erinnern kann oder nicht mehr Sex einen Grossteil des Lebens bestimmt, sondern Gefühle der Nähe, Entspannung, Sinnlichkeit, Geborgenheit, Zufriedenheit und Erfüllung an die Stelle von Orgasmen treten. Den ungeheuren Reichtum an Möglichkeiten, der einem Berufstätigen fehlt, demonstriert Virginia Ironside an alltäglichen Dingen wie Reisen, Sex, Gedächtnis, Selbstbewusstsein, Arbeit, Aussehen, aber auch an tiefgründigen Themen, wie Freundschaft, Einsamkeit, Ängste, Schmerzen, Tod usw.

Fazit: Ein hinreissendes, mit subtilen Alltagsbeobachtungen gespicktes Gute-Laune-Buch nicht nur für Menschen, die ihrer Vergangenheit nachtrauern, sich durch das Alter in Torschlusspanik versetzen lassen und an seiner Sinngebung zweifeln, weil sie meinen, der aufregende Teil ihres Lebens sei vorüber; nein, auch eine Bestätigung für all die Senioren, die den Jugendwahn nicht mitmachen, sondern die Rosinen des Alterns erkennen und sie geniessen.
Das mit viel Witz und Ironie, aber gleichzeitig ungeheurem Tiefgang und herzlichen Emotionen geschriebene Buch ist eine Fundgrube für Menschen, die das Glück haben, das Alter zu erleben und für die das Alter nicht erst dann interessant wird, wenn sie zu alt dafür sind. Die Autorin schildert, welch ungeahnte Möglichkeiten und Freiheiten das Alter bietet, um mit dem Wissen und der Erfahrung, die der Jugend fehlen, das zu tun, wovon junge Menschen träumen. Die Spannweite ihrer stilistischen Ausdruckskraft reicht von warmherzig und einfühlsam bis hin zu Hohn und Spott. Bestimmte, mit staubtrockenem schwarzem Humor beschriebene Situationen sind zuweilen gar geprägt von beissendem Sarkasmus. Und wenn die Autorin auf gewisse gesellschaftliche Missstände hinweist, steigert sie gar in eine regelrechte negative, mieslaunige Griesetante, was man ihr angesichts der Komplexität des heutigen Lebens jedoch nachsieht.

Ohne die Einschränkungen und unangenehmen Realitäten des Alters zu ignorieren, ist dieses Buch eine herrlich lebensfreudige Auseinandersetzung mit dem Thema "Altern", in der die Autorin den Leser dazu aufruft, mit den negativen Vorurteilen darüber aufzuräumen und ihm Mut macht, die vielfältigen Chancen und Kraftquellen des Alterns anzugehen.


Der Gejagte: Roman
Der Gejagte: Roman
von Charlie Huston
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ACTION PUR, 12. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Gejagte: Roman (Taschenbuch)
Nach Hank Thompsons Erlebnissen als "Prügelknabe" in New York geht seine Odyssee in Mexico weiter. Drei Jahre sind seit seiner Flucht vergangen, da taucht in der kleinen idyllischen Strandbar, wo er mit seinen viereinhalb Millionen Dollars das Leben geniesst, ein Typ mit russischem Akzent auf. Ihm ist sofort klar, dass ihn die Russenmafia aufgespürt hat. Was folgt, ist eine atemlose Hetzjagd, die alles in den Schatten stellt, was man aus Road-Movies kennt, denn auch korrupte mexikanische Bullen und eine geldgierige Meute haben es auf sein Vermögen abgesehen.

Fazit: 0bwohl die Fortsetzung von Hustons Debütroman "Der Prügelknabe" nicht ganz mit dessen Wucht daherkommt, liefert der Autor auch hier wieder ein spannendes Feuerwerk an Action ab, das sich gewaschen hat. Vielleicht stumpft man auch etwas ab, wenn man die beiden Bücher hintereinander liest. Dennoch entfacht Huston auch hier von Seite zu Seite einen solchen Drive, der die Augen des Lesers förmlich über die Zeilen jagt. Dabei kommt die Action auf einen zugeschossen, wie die Markierungen auf der Autobahn. Die ausserordentlich treibende Story mit Momenten explosiver Gewalt ist gespickt mit staubtrockenem schwarzem Humor, Sarkasmus, treffenden, rotzfrechen Dialogen und einer Lakonik, die einem die Sprache verschlägt. Der Autor bemüht sich keinen Deut um gepflegten Stil, sondern passt sich dem Milieu an, in dem die Handlung spielt. Wie ein Maler mit kurzen Pinselstrichen ein Bild skizziert, beherrscht er die hohe Kunst, ohne weitschweifende Beschreibungen ein äusserst lebendiges Charakterbild seines Helden zu entwerfen und den Leser direkt ins Geschehen zu ziehen. Erstaunlich, wie er das mit seinem knappen, beiläufigen und schnörkellosen Stil schafft. Noch erstaunlicher, wie sich aus dem anfänglichen Loser ein gewiefter Verbrecher entwickelt, der zum ausgesprochenen Sympathieträger wird.

Auch dies wiederum ein Actionthriller, gegen den sich eine Treibjagd wie ein Leichenzug ausnimmt. Lesehappyhours sind garantiert.


Der Prügelknabe: Roman
Der Prügelknabe: Roman
von Charlie Huston
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ACTIONPOWERPLAY, 12. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Prügelknabe: Roman (Taschenbuch)
Der hilfsbereite Single Hank Thompson ist Barkeeper in New York. Sein Leidensweg als Antiheld beginnt damit, dass er einem Kerl den Gefallen tut, auf seine Katze aufzupassen. Was Hank nicht weiss - im Katzenkäfig befindet nebst der Katze ein Schlüssel, hinter dem einige höchst obskure Gestalten her sind und für den sie auch über Leichen gehen. Ehe er sichs versieht, gerät Hank dadurch in den Strudel einer kriminellen Geschichte, die ihn auf eine Odyssee durch den New Yorker Grossstadtdschungel schickt, gejagt von Gangstern und einem Revier korrupter Bullen. Dabei hat er nur einem Freund geholfen und probiert, alles richtig zu machen in seinem Leben. Doch das Einzige, was funktioniert, ist, die Leute zu töten, die versuchen, ihn zu erledigen. So mutiert er vom biederen Barkeeper zum Staatsfeind Nr. 1, aber nicht als Rächer, sondern als getriebene Seele, die das Recht auf seine Seite nimmt.

Fazit: Huston liefert hier ein Feuerwerk an Action, in dem sich die Spannungsschraube wie ein Helirotor dreht. Von Seite zu Seite entwickelt sich ein solcher Drive, der die lesenden Augen nur so über die Zeilen jagt. Die Action kommt auf den Leser zugeschossen, wie die Markierungen auf der Autobahn. Die ausserordentlich treibende Story mit Momenten explosiver Gewalt ist gespickt mit staubtrockenem schwarzem Humor, Sarkasmus, treffenden, rotzfrechen Dialogen und einer Lakonik, die einem die Sprache verschlägt. Der Autor bemüht sich keinen Deut um gepflegten Stil, sondern passt sich dem Milieu an, in dem die Handlung spielt. Wie ein Maler mit kurzen Pinselstrichen ein Bild malt, beherrscht er die hohe Kunst, ohne weitschweifende Beschreibungen ein äusserst lebendiges Charakterbild seines Helden zu entwerfen und den Leser direkt ins Geschehen zu tauchen. Erstaunlich, wie ihm das mit seinem knappen, beiläufigen und schnörkellosen Stil gelingt. Noch erstaunlicher, wie er aus einem Loser einen Draufgänger, aus einem Verbrecher einen ausgesprochenen Sympathieträger macht.

Ein Actionthriller, gegen den sich eine Treibjagd wie ein Leichenzug ausnimmt. Lesehappyhours garantiert


Todesbräute: Thriller
Todesbräute: Thriller
von Karen Rose
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen TODLANGWEILE, 25. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Todesbräute: Thriller (Taschenbuch)
In einer amerikanischen Kleinstadt treibt ein Serienkiller sein Unwesen, indem er einen dreizehn Jahre zurückliegenden Mord kopiert. Agent Agent Daniel Vartanian übernimmt die Ermittlungen, kommt jedoch nicht vom Fleck, da der Killer die Polizei mit falschen Fährten narrt und keine Fehler macht ' bis Alexandra Fallon, die Zwillingsschwester eines Opfers in der Stadt auftaucht. Dabei gerät sie selbst ins Visier des Mörders.

Fazit: der zweite Band der Trilogie schliesst thematisch an den ersten an, unterscheidet sich jedoch kaum von ihm. Die Autorin setzt die Stilmittel nicht ein, um atmosphärische Dichte und Spannung zu schaffen. Im Gegenteil: Die ganze Geschichte ist so tiefgründig wie ein Fisch im Sand und alles andere als einnehmend, dafür aber sät sie seitenweise Langweile. Es nervt gehörige, wie Rose ihre Erzählstränge in allen Richtungen wuchern lässt. Bis gut zur Hälfte des Buches wird nicht klar, worum sich die Handlung im Kern dreht. Bald schon spürt man dieses untrügliche Gefühl, dass dieses Epos eine einzige Qual werden wird. Und tatsächlich zerstören ein wucherndes Szenenstakkato, ein Dickicht personeller Verstrickungen und irre verwandtschaftliche Vernetzungen sowohl Lesefluss wie -lust. Ihr fehlt jeglicher Elan,und die Spannung kommt voran wie ein überladener Güterzug auf einer Bergstrecke. Dabei sind die Figuren so flach wie die Buchseiten. Endlose Dialoge, Mutmassungen und Ermittlungen zur Motivfindung komplettieren den Lesefrust. Am Ende führt die Auflösung des Plots durch ein Labyrinth abstruser Schlussfolgerungen. Wirrer und konfuser könnte ein Roman nicht sein. Was die Autorin dazu bewogen hat, diese verquaste, überkonstruierte Trilogie zu schreiben, weiss wohl nur sie selbst.

Ich hätte diese Todesserie nie zu lesen begonnen, hätten mich nicht die in glückstrunkenem Zustand verfassten Rezensionen irregeführt. Wenn ein Buch nicht den Anstand besitzt, mich in irgendeiner Weise zu packen, ist es für mich wertlos. Deshalb kann mir der dritte Band völlig gestohlen bleiben.


Todesschrei: Thriller
Todesschrei: Thriller
von Karen Rose
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen SCHREI NACH SPANNUNG, 20. Februar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Todesschrei: Thriller (Taschenbuch)
Nachdem die Polizei von Philadelphia auf einem verwilderten Grundstück ein Massengrab mit verwesten Leichen entdeckt hat, die wie mittelalterliche Grabfiguren drapiert sind, machen sich Detective Vito Ciccotelli und die junge Archäologin Sophie auf Spurensuche. Im Zuge ihrer Ermittlungen finden sie heraus, dass sie es mit einem besonders verabscheuungswürdigen Serienkiller zu tun haben: Als alternder Geschichtsprofessor sucht er in Model-Magazinen Personen aus, die niemand vermissen wird und verspricht ihnen eine Rolle in einer Dokumentation. Für seine wirkliche Tätigkeit indessen überschreitet er jede menschliche Grenze, indem er durch Folterung und Verstümmelung mit mittelalterlichen Folterinstrumenten mit den verschiedenen Phasen des Sterbens seiner Opfer experimentiert und sich an ihrer nackten Angst und blankem Entsetzens weidet. Da er sich als Künstler versteht, findet sein Werk vor laufender Kamera statt, das er dann als Computer-Animationen für Videospiele vermarktet.

Fazit: Ein äusserst vielseitiger Roman - nicht nur umfangmässig! Die Grundidee wäre Garant für eine nervenzerrende Geschichte mit einem Thrill, der den ganzen Körper erfasst. Immerhin verspricht das das Verlagsmarketing. Doch wer Schüttelfrost sucht, wartet über sechshundert Taschenbuchseiten lang vergebens darauf. Die Handlung folgt dem Standardmuster von Ermittlungsromanen. Der Leser wohnt den Gräueltaten des Täters nicht "live" bei. Er erfährt sie indirekt aus den Berichten der Gerichtsmedizin. Der Bösewicht selbst bleibt bis zum Schluss unpersönlich.
Zu Beginn mag einem die Story mit einem sorgfältigen Handlungsaufbau durchaus in ihren Bann zu ziehen, doch was so vielversprechend beginnt, mündet bald in einem Knäuel von verwirrenden, ausufernden Erzählsträngen und einem kaum überschaubaren Beziehungsgeflecht zwischen einem Heer von Protagonisten. Damit wird die Handlung zusehends komplexer und abstruser. Nebenhandlungen fliessen von allen Seiten ein, die mit dem Geschehen in absolut keinem Zusammenhang stehen, bloss verwirren und die Handlung unnötig in die Länge ziehen. Karen Rose hat eindeutig zu viel in ihre Geschichte gepackt. Wo andere Autoren aus dem Thema ein psychologisches Kammerstück geschaffen hätten, entfacht die Autorin irrlichternde Szenen- und Perspektivenwechsel. Dabei ist das Buch in ansprechendem, sachlichem, untendenziösem Stil geschrieben und hervorragend recherchiert, was ausholende Schilderungen bis ins letzte Detail beweisen. Die Charakterzeichnungen sind nuanciert, subtil und berührend. Die eingebaute Romanze zwischen dem Detective und der Archäologin ist geschmeidig und sensibel erzählt. Ihre inneren Monologe sind köstliche Begleitkommentare.
Aber wo in Gottes Namen bleibt die Spannung? Wo nur? Und welch einfallsloser Schluss!


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