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Rezensionen verfasst von
Favre Robert "Robert A. Favre"
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Das Opfer: Psychothriller
Das Opfer: Psychothriller
von John Katzenbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen OBSESSION, 6. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Opfer: Psychothriller (Taschenbuch)
Handlung: Eine böse Ahnung nistet sich in Scotts Kopf ein, als er im Zimmer seiner Tochter Ashley einen besitzergreifenden Liebesbrief entdeckt. Seit einem One-Night-Stand bedrängt sie der attraktive und verführerische Michael. Er ist überzeugt, dass sie zu ihm gehört und bloss in ein falsches Milieu hineingeboren wurde. Wiederholt überhäuft er sie mit irrationalen Beteuerungen. Ihre Versuche, ihn abzuschütteln, binden ihn nur noch mehr an sie. So stellt er ihr unbeirrbar und beharrliche nach, beobachtet sie praktisch auf Schritt und Tritt und räumt jedes Hindernis aus dem Weg, das sich zwischen ihn und Ashley zu stellen versucht. Der Kerl ohne viel Kindheit und entsprechend gefährlicher Ausstrahlung wird für Ashley zur personifizierten Bedrohung. Sie fühlt sich ihm ausgeliefert und fürchtet um ihr seelisches und leibliches Wohl, denn nichts in seinem obsessiven Verhalten deutet auf Liebe hin. Vielmehr nisten in seinem Kopf Gedanken in einer gefährlichen Mischung von Blut und Begierde. Er treibt Spiele mit ihr und setzt Kräfte in Bewegung, denen sie vollkommen ausgeliefert ist und sie immer tiefer ins Netz seiner Bösartigkeit treibt. Mehr und mehr hat Ashley das Gefühl, dass sich in ihrem Leben sämtliche Verankerungen lösen und Michael im Begriff ist, ihre Existenz stückweise zu ruinieren. Das Gefährliche an ihm ist, dass er Menschen auf eine Art und Weise schaden kann, die kaum nachzuweisen ist. Dabei sondiert er ihr Umfeld, um sie mit seinem Psychoterror und allen möglichen anderen Mitteln gefügig zu machen und zu isolieren. Er ist gerissen, mit allen Wassern gewaschen und als Computerfreak und Hacker-Experte mit sämtlichen Finessen des Cyber-Stalkings vertraut. Da er enormen Schaden anrichtet, ohne eine Spur zu hinterlassen, hat die Polizei nichts gegen ihn in der Hand. Deshalb ergreifen Ashley und ihre Eltern die Initiative: sie schmieden einen Plan, um Michael auszumanövrieren. Damit gewinnt der Strudel des Schreckens an Energie, denn all ihre Strategien laufen ins Leere. Ashley und ihre Familie werden aus dem Gleis geworfen. Ein Leben aus Angst, Hilflosigkeit und Schrecken steht ihnen bevor.

Fazit: Ein packender und temporeicher Psycho-Thriller hat hier das Wort. Anders als in den üblichen Stalking-Romanen bringt der Autor Elemente ins Geschehen, die zu einer speziellen Note beitragen. Hier lernen wir es von einer besonders perfiden Seite kennen. Katzenbachs Story ist ein Exkurs in die Perversion, die aus den düsteren Winkeln einer männlichen Fantasie rührt. Der Roman ist durchs Band von dumpfem Unbehagen geprägt. Wie Schlangen schleicht der Psychoterror von Seite zu Seite und mit jedem Kapitel nimmt das Verbrechen deutlichere Gestalt an. Hautnah und eindrückliche zeigt dabei Katzenbach die ganze Skala des Zerfall eines gnadenlos in die Enge getriebenen Menschen und seiner Familie auf. Sehr viel Sorgfalt verwendet er auf die Beschreibung der handlungstragenden Figuren. Damit schafft er die nötige Nähe, um den Leser deren emotionale Höhen und Tiefen miterleben zu lassen. Die wechselnde Erzählperspektive zwischen Verfolger und Verfolgten verleiht dem Geschehen zusätzlichen morbiden Reiz und lässt einem am Schluss die Spannung auf den Magen schlagen.
In Katzenbachs überzeugendem Roman versteckt sich auch die Frage, ob ein Verbrechen ein Unrecht gutmachen, mit anderen Worten, Gerechtigkeit schaffen kann.
Dieser Thriller ist nichts für Valentinskarten, denn er atmet Unglück. Er zeichnet sich durch eine intensive Atmosphäre aus Angst und permanenter Bedrohung aus, ohne sich jedoch in Brutalität oder Blutorgien zu ergehen.


Der Mann, der kein Mörder war: Ein Fall für Sebastian Bergman
Der Mann, der kein Mörder war: Ein Fall für Sebastian Bergman
von Michael Hjorth
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen MEISTERWERK, 11. Juli 2012
Handlung: Pfadfinder entdecken die Leiche eines Sechzehnjährigen in einem Sumpf, brutal ermordet, mit unzähligen Messerstichen bestialisch verstümmelt und mit herausgeschnittenem Herzen. Bald ist der Tote als Schüler eines Elitegymnasiums identifiziert. Aber weiter kommt die Polizei nicht, denn der Mörder legt reihenweise falsche Spuren. Für alle ist der Mord unbegreiflich, für den Täter jedoch in guter Absicht begangen, um andere zu retten. Sebastian Bergmann, ein einsamer Psychologe und sozialer Super-GAU, erzwingt vom Polizeichef und früheren Freund aus privaten Gründen die Aufnahme in die Ermittlergruppe. Niemand aus dem Team mag ihn, aber er selbst mag den Fall, der ihn wider Erwarten packt.

Fazit: Wer hier Brutalitäten und blutrünstige Exzesse eines Serienmörders erwartet, ist auf dem Holzweg. Der durchs Band packende Roman ist voller kitzliger Situationen und brisanter, hervorragender Dialoge. Zudem war hier endlich mal ein Autorenteam am Werk, das auch detaillierte Recherchen mit Spannung und Intelligenz laden kann. Die Geschichte ist von Seite zu Seite abwechslungsreich, lebendig und farbig. Perspektivenwechsel geben Einblicke in die Psyche des Mörders und vor allem des unausstehlichen und widerlichen, aber brillanten Psychologen Bergmann, durch den die Geschichte erst interessant wird. So sagt auch der Originaltitel ("Hinter den Kulissen") mehr aus über den Inhalt als die deutsche Übersetzung, denn die Autoren dringen tief in die Domänen sozialer Unterschiede ein und gucken hinter die rissigen Fassaden scheinbar bürgerlicher Unversehrtheit. Messerscharf loten sie die psychischen Untiefen von vermeintlichen Vorzeige-Pädagogen aus und blicken in den Alltag eines gemobbten Schülers mit Unterschicht-Sozialisation, der in der Eliteschule um Anerkennung ringt. Doch das eindeutig faszinierendste Element des Romans ist die Figur des Ermittlers Bergmann, der alles andere ist, als ein Teamplayer, der im Windschatten fährt. Als ewiger Besserwisser versteckt er sich hinter einer Mauer von Attitüde und Intelligenz. Dem Kotzbrocken und charmanten Frauenheld in Personalunion, der seit seiner beschissenen Kindheit ein Trauma mit sich schleppt, kann punkto Ermittlungen niemand das Wasser reichen. In seinem tiefsten Inneren ist er aber urmenschlich. So ergeben sich die spannendsten Szenen in seinem Kampf gegen das Establishment und eine verlogenen Butzenscheibenidylle. Hinter Bergmanns akademischen Fassade, seinem grossen Wissen und ausgefeilten psychologischen Gespür gleicht der Eigenbrötler denen, die er jagt. Auch die übrigen sehr kontroversen Figuren sorgen mit ihren Interaktionen für einen fesselnden Handlungsverlauf. Die ausführlichen Ausflüge in ihr Privatleben schaffen eine intensive Nähe. Dem Autorenteam ist nichts fremder als Oberflächlichkeit. Wichtig sind ihm das Verborgene sowie die eigentlichen Zusammenhänge, konsequente, realistische Handlungen und schlüssige, unanfechtbare Indizienketten. Der temporeiche Roman ist äusserst realistisch, mit stark betontem menschlichem Faktor; bisweilen emotional, aber ohne kitschige Sentimentalitäten. Die Auflösung des Falls ist eine echte Überraschung, doch der wirkliche Hammer folgt auf der letzten Seite! Ein hervorragender, intelligenter Krimi, der pures Lesevergnügen bietet und grosse Lust auf mehr Romane dieser Autoren macht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 27, 2013 2:01 PM CET


Erlösung
Erlösung
von Jussi Adler-Olsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen RELIGIÖSER WAHN, 10. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Erlösung (Taschenbuch)
Inhalt: Eine verwitterte Flaschenpost landet bei Kommissar Carl Mørck. Die mit menschlichem Blut geschriebene Botschaft führt ihn auf die Spur eines entsetzlichen Verbrechens. Möglicherweise handelt es sich um das letzte Lebenszeichen zweier Jungen, die Jahre zuvor entführt wurden, aber nie als vermisst gemeldet wurden. Eine spannende Spurensuche beginnt.

Fazit: Sonderermittler Mørck in der Parallelwelt religiöser Fanatiker. Der Roman liefert das faszinierende Bild eines kaltblütigen Kidnappers. Der charmante, in seiner Kindheit traumatisierte Psychopath, der alles unter Kontrolle hat und unter dem Tarnmantel einer bürgerlichen Existenz sein früheres Milieu erpresst. Die von A bis Z spannungsreiche, in Sarkasmus marinierte Geschichte mit durchdachtem Plot und herrlich beschriebenen, nahe gehenden Charakteren, überzeugt auf der ganzen Linie. Der Autor verunsichert den Leser mit den gegensätzlichen Sichtweisen seiner Protagonisten. Viel Raum gewährt er sowohl dem mit Macken und Neurosen behafteten Ermittler als auch dem geheimnisvollen, chamäleonartigen Täter, der viel Sorgfalt darauf verwendet, den Tod zu verbreiten und dessen Methoden dabei so simpel wie grausam sind ' und notabene auf nachvollziehbaren Beweggründen basieren. Aufschlussreich ist deshalb, dass der Autor seinem Bösewicht äusserst menschliche Züge verleiht. Wie ein normales Kind zu einem Genie des Bösen gemacht wird, beschreibt er genauso fesselnd wie die Suche nach ihm. Adler-Olsens Botschaft ist so klar wie einfach: Wer Leiden sät, wird Leiden ernten. Ganz seiner Leserschaft überlässt er indes das Urteil über die Legitimität von Vergeltung. So reicht die Handlung des auf Spannung getrimmten Romans bei weitem über das Grundthema religiösen Wahns hinaus. Rache wird hier nicht als publikumsgefällige Stimmungsdramaturgie eingesetzt, sondern als Spiegelbild gesellschaftlicher Strukturen.
Wer sich an ausgeschmückten gemächlichen Passagen und ausschweifenden Nebenhandlungen nicht stört, dem bietet der vorliegende Roman pures Lesevergnügen. Jussi-Olsen ist ein fluider Erzähler, der ohne protzige Satzkaskade und komplexe Zusammenhänge auskommt, dafür mit Humor nicht geizt. Ich bin versucht zu sagen, er schreibe mit Witz über Abgründe. Mit "Erlösung" hat er sein bislang überzeugendstes Buch geschrieben. Wünschenswert wäre lediglich ein fantasievolleres Finale.


Wohin du auch fliehst: Thriller
Wohin du auch fliehst: Thriller
Preis: EUR 7,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen NICHTS ZUR ENTSPANNUNG, 22. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Catherine, ein lebensfrohes und unternehmungslustiges Partygirl lernt in einem Nachtklub den attraktiven Lee kennen. Sie verliebt sich sofort in ihn, und er verspricht ihr den Himmel auf Erden. Ihre bedingungslose Liebe scheint über jeden Zweifel erhaben. Allerdingt macht er ein grosses Geheimnis um seine Person und seine berufliche Tätigkeit. Das stört sie ein bisschen. Manchmal fühlt sie sich auch eigentümlich eingeengt und wird das unterschwellige Gefühl nicht los wird, von ihm kontrolliert zu werden. Wachsendes Unbehagen bemächtigt sich ihrer, als er sie zu dominieren und zu manipulieren versucht. Je länger ihre Beziehung dauert, umso eifersüchtiger wird er, macht ihr Vorschriften, raubt ihr praktisch jeden Freiraum, überschreitet immer öfter die Grenze zwischen Leidenschaft und Gewalt und treibt Psychospielchen mit ihr. Ihre Freundinnen, die in Lee den Traummann sehen, glauben nicht, was Catherine ihnen berichtet. Als ihre Bindungsängste mit Lee unerträglich werden, versucht sie zu fliehen. Sie muss jedoch erkennen, dass es kein Kinderspiel ist, einem Tyrannen zu entkommen. Hier mehr zu verraten wäre unfair.
Vier Jahre später versucht die völlig verstörte Catherine in neuer Umgebung und ohne Kontakt zu ihrem ehemaligen Freundeskreis ihr Leben wieder ins Lot zu bringen. Die Narben ihrer Vergangenheit belasten sie schwer. Beherrscht von der Angst, dass Lee sie finden könnte, leidet sie unter extremen manischen Ritual- und Kontrollzwängen. Ihr offenherziger und ruhiger Nachbar Stuart, ein Psychologe, empfiehlt ihr eine Therapie zur Befreiung ihrer Zwangsneurose. Sie fühlt sich zwar bei ihm wohl und sicher, ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit lassen sie indessen nur äusserst langsam Vertrauen zu ihm fassen. Dank seiner Fürsorge gelingt es ihr aber nach und nach, sich zu entspannen, und ihre Zuversicht und ihr Lebensmut steigen wieder. Doch just als sie glaubt, sich langsam ihrer Zwänge entledigen zu können, da holt die Vergangenheit sie ein und trifft sie wie ein eiskalter Wasserguss. Die alten Wahnvorstellungen suchen sie erneut heim, und ihr labiles Leben scheint wieder aus den Fugen zu geraten und auf einen Abgrund zuzusteuern.

Fazit: Was für eine verrückte Geschichte! Das ist Spannung pur, die buchstäblich unter die geht und zwar bis zum Schluss. Da gibts weder Hänger noch Längen. Dabei beginnt alles so harmlos und idyllisch. Die Handlung springt in kurzen Kapiteln zwischen Catherines Vergangenheit und ihrer Gegenwart hin und her. Der Leser ahnt zwar, wes Geistes Kind Lee ist; sicher ist er sich jedoch lange nicht, denn was das Buch so mitreissend macht, ist, dass die Autorin Catherines dramatische Vergangenheit nur portionenweise enthüllt und erst in der zweiten Romanhälfte allmählich zum Punkt kommt. Die Handlung beinhaltet alle Facetten, um zu überzeugen. Sie ist äusserst abwechslungsreich, aber dennoch sehr sorgfältig aufgebaut; nichts wirkt überhastet und konstruiert. Die zahlreichen Intermezzos dienen hier nicht, wie in so vielen Krimis, zum Übertünchen einer dünnen Handlung, sondern untermalen die fesselnde Geschichtsentwicklung. So ziehen einen die kurzen, atmosphärisch dicht beschriebenen Kapitel von Seite zu Seite. Man kann den Schluss kaum erwarten und möchte gleichzeitig, dass die Geschichte nie ende. Mit fein gestreuten Hinweisen entsteht eine Atmosphäre unheimlicher Beengtheit. Die Charaktere sind facettenreich und tiefgründig ausgeleuchtet. Einen breiten Raum nehmen vor allem die Variationen von Catherines Gemütszustand ein. Die schleichende Wandlung der lebensbejahenden jungen Frau, ihr psychischer Verfall zur völlig verängstigten Einzelgängerin - das ist so unglaublich eindringlich, differenziert und beklemmend beschrieben, dass es den Leser nicht loslässt. Auch der albtraumhafte Psychoterror macht die Lektüre zu einem alles andere als entspannenden Zeitvertreib und nichts für Zartbesaitete. Mit Catherine zusammen wird der Leser in ein wahres Wechselbad der Gefühle getaucht. Äusserst brutale und blutige Szenen wechseln zwischen sehr ruhigen und subtilen. In letzteren wirken manchmal derbe Ausdrücke an unpassenden Stellen leider störend. Mit grosser Sensibilität wird auch geschildert, wie sich zwischen Cathy und Stuart langsam ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Interessant und lobenswert ist, dass die Autorin nicht versucht, aus dem früheren Partygirl, das keine Chance ausliess, einen Mann abzuschleppen und deren negative Seiten einem gehörig auf die Nerven gehen, zur Sympathieträgerin zu machen. Das gibt dem Leser eine grössere Möglichkeit zur Objektivität.
Ein Psychothriller mit Suchtfaktor, den man schnell weg liest und der lange nachwirkt.


Rachesommer: Thriller
Rachesommer: Thriller
von Andreas Gruber
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen RACHE UM RACHE, 9. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Rachesommer: Thriller (Taschenbuch)
In Wien hat es die junge Anwältin Evelyn Meyers mit einer Reihe merkwürdiger Schadenersatzklagen zu tun, die alle eines gemeinsam haben: Männer der gehobenen Gesellschaft sind auf höchst ungewöhnliche Weise ums Leben gekommen. Evelyn glaubt nicht an Zufall und vertieft sich in die Fälle. Ihre Recherchen führen sie an die Nordsee, wo sie auf den Leipziger Kommissar Walter Pulanski trifft. Er ermittelt in vermeintlichen Selbstmordfällen von jugendlichen Insassen psychiatrischer Kliniken und ist davon überzeugt, dass es sich um als Suizid getarnte Morde handelt. Meyers und Pulanski ahnen bald, dass die beiden so unterschiedlichen Fälle mehr miteinander gemeinsam haben, als es den Anschein macht. Die Spur führt zu einem schrecklichen Geheimnis.

Fazit: Der Thriller beinhaltet ein erschütterndes und schwer verdauliches Thema, bei dem sich am Schluss zwei scheinbar unabhängige Handlungsstränge zu einer Symbiose vereinigen. Die häufigen Szenenwechsel an einer Vielzahl von Schauplätzen mögen für Liebhaber linearen Aufbaus störend wirken. Die Vorhersehbarkeit der beiden Handlungsebenen und die Rückblenden, in denen der Autor Zusammenhänge aufdeckt, wirken sich eher negativ auf die Spannung aus. Wirkliche Dramatik kommt erst im letzten Viertel auf, das rasant dem Showdown zusteuert; doch der Schluss mündet genau dort, wo ihn der Leser erwartet. Die beiden Hauptfiguren sind ziemlich facettenreich und glaubhaft charakterisiert. Hier der Kommissar, ein eigensinniger, antibürokratischer, ab er sympathischer Querdenker; da die hartnäckige, unerschrockene und etwas spröde Anwältin, deren Ermittlungen sich zu einer Gefühlsodyssee durch ihre eigene Vergangenheit ausweiten. Beide überschreiten ihre Kompetenzen massiv, was der Handlung eine Prise Würze verleiht. Ansonsten läuft die die Geschichte trotz ihrer Vielschichtigkeit ohne Überraschungen ab und folgt einem logischen Pfad, so dass der Leser nach der Hälfte des Buches ahnt, worauf alles hinausläuft. Beachtlich ist allerdings, wie die zwei völlig anders angelegten Fälle zusammenhängen. Der an sich interessante Roman mit gutem Plot kommt ohne Blut, Brutalität und Obszönitäten aus, dafür gibt's einige Klischees und konstruierte Manöver. Die Geschichte baut basiert hauptsächlich auf der Arbeit der beiden Hauptfiguren auf, deren etwas langfädige Ermittlungen zuweilen die Handlung der sonst abwechslungsreichen Geschichte mehr als nötig zum Stocken bringen. Etwas wacklig scheint mir das Fundament, das der Autor seinem Roman zu Grunde legt. Auch die Motive seiner Bösewichter dünken mich nicht immer völlig schlüssig. Schliesslich gibts eine stilistische Schwächen und inhaltliche Patzer. Man hätte die Thematik durchaus vertiefter behandeln und somit mehr aus ihr herausholen können. So bleibt "Rachesommer" für mich ein leidlich spannender Durchschnittskrimi.


Dein Wille geschehe: Joe O'Loughlins 4. Fall
Dein Wille geschehe: Joe O'Loughlins 4. Fall
von Michael Robotham
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen SEELENBRECHER, 1. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein überaus versierter sexueller Sadist und Experte für Menschenmanipulation und Folterung treibt seine Opfer in den Tod, indem er ihren Willen bricht, ohne mit ihnen in Berührung zu kommen. Seine Handlungen sind mit kühlem Kopf geplant und geradezu euphorisch ausgeführt. Jedes Verbrechen ist ein bisschen perverser und theatralischer aus das vorherige. Er ist Künstler, kein Metzger - diese Botschaft will er vermitteln. Mit Hilfe der Polizei versuchen der erfahrene Psychologe Joe O'Loughlin und sein Freund, ein pensionierter Detective, dem Täter auf die Spur zu kommen. Da die Polizei Joes Überlegungen keinen Glauben schenkt, nimmt dieser die Sache selber in die Hand. Noch kann er nicht ahnen, dass er sich selbst bereits im Visier des Mörders befindet. Durch seine Ermittlungen vernachlässigt er aber seine Familie, und sein Eheleben bekommt langsam Risse.

Fazit: Ein ausgefeilter Psychothriller mit raffiniertem Plot, durchgehend hohem Spannungslevel und mit dramatischen hundertdreissig Schluss-Seiten. Da die Spannung ausschliesslich auf psychologischen Mitteln basiert, ist der Roman frei von Blut und physischer Gewalt. Ungemein prickelnd präsentiert sich dabei das Spannungsfeld der Manipulation, in dem der skrupellose Täter operiert, um seinen Opfern den Willen zu rauben. Alle Protagonisten sind anschaulichen und liebevoll proträtiert, was sie einem sehr nahe bringt. Der stilistisch ohne Tadel geschriebene Roman besticht durch pedantisch genaue Beobachtungen und feinen Details, die tiefe Einblicke ins Seelenleben der Protagonisten gewähren. Der lineare Handlungsablauf ohne jegliche Abschweifungen und Nebenhandlungen bindet den Leser von Beginn weg ein und jagt ihn von Seite zu Seite. In der Gegenwartsform und sowohl aus der Perspektive des ermittelnden Psychologen als auch des Täters erfährt man hautnah den zunehmenden Horror sowie die Gedanken und Erlebnisse des Ermittlers, der mit jeder Seite näher dem Abgrund zusteuert. Zugleich lässt einen der Autor auch immer tiefer in die kaputte Psyche des Täters eintauchen und beschreibt eindringlich und beklemmend, wie dieser seine Opfer physisch und psychisch vernichtet, ihnen den letzten Funken Hoffnung, ihren Glauben und die Menschlichkeit raubt. Das geschieht bisweilen mit sehr ordinären und brutalen stilistischen Mitteln. Immer mehr spitzt sich der Thriller zu einem Duell zwischen Joe, dem Psychologen und dem Psychopathen zu. Letzterem gelingt, es auch einen tiefen Keil in Joes Eheleben zu treiben. Joe ist eindeutig der Sympathieträger, dennoch bemerkenswert ists, wie der Autor auch den perversen Seelenbrecher, mit Seele und Gefühlen ausstattet.

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Höhenangst: Roman
Höhenangst: Roman
von Nicci French
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen LIEBESANGST, 9. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Höhenangst: Roman (Taschenbuch)
Als sich Alice und Adam erblicken, erfahren sie die Liebe auf den ersten Blick. Ihrer Begegnung folgen Stunden sexueller Ekstase. Ihre leidenschaftliche Affäre steigert sich zur Obsession und tabulosen Beziehung. Alice verliert sich völlig in Adam, ist ihm mit jeder Faser ihres Körpers völlig verfallen. Ihre Vergangenheit und Zukunft scheinen mit ihm wie ausgelöscht und ihre Gegenwart nur noch auf puren Sex ausgerichtet. Bis Adam kam, hatte sie das Gefühl, in ihrem Leben bloss dahingeglitten zu sein, ohne einzutauchen. Sie verlässt ihren Freund Jake und streift ihr bisheriges Leben völlig ab, um Adam zu heiraten, obwohl sie fast nichts über ihn und seine Vergangenheit weiss oder von ihm erfährt. Sie weiss nur, dass er als Extrembergsteiger Touren geführt hat, bei denen mehrere Teilnehmer auf mysteriöse Weise umgekommen sind. Nach der Heirat spürt sie in ihrer Liebe, etwas Neues, das ihr Angst macht: In der Intensität seiner Zuwendungen überschreitet Adam die Grenze zwischen Leidenschaft und Gewalt. Seine besitzergreifende Liebe nimmt krankhafte Züge an und Alice weiss bald nicht mehr, ob sie sich in einem Zustand der Euphorie oder Verzweiflung befindet. Als sie dubiose Hinweise aus Adams dunkler Vergangenheit erhält, wird ihr Vertrauen zum ersten Mal auf die Probe gestellt. Sie versucht - gefangen in ihren ambivalenten Gefühlen - eine Art biografisches Puzzle zusammenzusetzen. Nachdem immer häufiger bedrohliche Schatten aus seiner undurchsichtigen Vorzeit auftauchen, nehmen ihre Nachforschungen die Ausmasse ehelicher Paranoia an und schaffen eine Kluft zwischen ihr und Adam. Ist sie derart von ihm geblendet, dass sie ihn gar nicht richtig sieht?

Fazit: Der erotische Psychothriller beginnt wie eine kitschige Liebesschnulze mit Sex in allen Variationen. Völlig unglaubhaft erscheint, wie sich Alice und Adam kennen lernten. Doch das ist nebensächlich. Dass der Roman nicht ohne die genreüblichen Klischees auskommt, trübt leicht den Gesamteindruck dieses trotz einiger Längen insgesamt sehr spannenden Romans. Die Elemente des Kriminalromans kommen erst zum Tragen, nachdem das Autorenduo die triebhaften Aspekte voll ausgeschöpft hat. Es wird zwar schnell deutlich, worauf Nicci French hinauswollen, für den Leser interessant und spannend ist jedoch der Weg zu diesem Ziel. Die Charaktere der beiden Hauptakteure sind glaubhaft, wobei sich Adam vor allem in Alices Befindlichkeit spiegelt und dadurch noch präsenter und bedrohlicher wirkt als bei einer direkten Beschreibung. Die tragenden Elemente des Romans aber sind eindeutig Alices Gemütszustände, ihr Widerstreit von Verstand und Gefühl. Wie Alice nur noch für ihre Empfindungen lebt und sich dabei wie in einem führerlosen Zug vorkommt - nur noch vom Tempo berauscht -, ist so glaubhaft beschrieben, dass man sich selbst von dieser beklemmenden Atmosphäre eingehüllt fühlt. Sehr subtil vor allem schildern die Autoren Alices Wandlung von der bürgerlichen Junggesellin zur hörigen Geliebten, die alle Brücken hinter sich abbricht, dann ihre Umformung von der euphorisierten zur zweifelnden, desperaten Ehefrau, die sich von etwas gefangen fühlt, das sie selbst nicht begreift und schliesslich ihre hartnäckige Entschlossenheit, ein Verbrechen aufzudecken.


Der Fall Collini: Roman
Der Fall Collini: Roman
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen (UN)SCHULD?, 31. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
In einem Berliner Luxushotel erschiesst der Rentner Fabrizio Collini einen alten Mann in dessen Zimmer und zertritt dessen Gesicht beinahe bis zur Unkenntlichkeit. Völlig grundlos, wie es scheint. Anschliessend lässt er sich widerstandslos festnehmen und gesteht die Tat, schweigt sich jedoch beharrlich über sein Motiv aus. Der junge Anwalt Caspar Leinen bekommt die Pflichtverteidigung zugewiesen, obwohl der Täter diese ablehnt, da er von der Justiz nichts erwartet. Was für Leinen wie eine vielversprechende Karrierechance aussieht, wird zu einem Alptraum, als er erfährt, dass er praktisch mit der Familie des Toten - einem der reichsten Unternehmer Deutschlands - aufgewachsen ist und der Ermordete für ihn wie eine Vaterfigur war. Trotz schwerer Gewissenskonflikte, seiner Befangenheit und wohl wissend, dass er mit der Verteidigung seine wunderbare Kindheit zerstört, übernimmt Leinen das Mandat. Ihm ist klar, dass er den Prozess verlieren wird, bis er anhand der Tatwaffe auf eine Spur stösst, die weit über den Fall hinausgeht und eine erschreckende Phase deutscher Justizgeschichte aufdeckt.

Fazit: Der kurze, linear erzählte Gerichtskrimi beruht auf einem wahren Fall, den der Autor verfremdete und literarisch verdichtete. Von Schirachs Sprache ist karg, schmucklos und von sachlicher Distanz - beinahe protokollartig. Seine Erzählweise kommt ohne Tiefgang, mäandernde Nebenhandlungen und Ausschmückungen aus - mit Ausnahme der unnötig detaillierten Schilderung bei der Obduktion. Auch die Figurenzeichnungen beschränken sich aufs Notwendigste. Umso mehr erstaunt es deshalb, wie es dem Autor trotz seines betont minimalistischen rhetorischen Gestus' gelingt, eine gewisse Anteilnahme und Atmosphäre zu erzeugen, aus staubtrockenen Gerichtsakten eine berührende Lebensgeschichte zu schaffen und mit seiner unterkühlten, emotionslosen Sprache dem Leser Sätze von bestürzender Amoralität wirkungsvoll einzuhämmern.
Obwohl Collini der Mörder ist, tritt er im Verlaufe des Romans kaum in Erscheinung und bleibt Nebenfigur. Leinen bekommt als einziger einige Konturen. Wie von Schirach in einem Interview erklärt, wollte er wissen, ob sich eine so komplizierte juristische Sache überhaupt interessant erzählen lässt, denn es geht ihm nicht um die Suche des Mörder, sondern um die Frage des Motivs. Vor allem aber wollte er auf ein dunkles Kapitel deutscher Justizgeschichte hinweisen. Die Hälfte des Romans nehmen die Vorbereitungen zum Prozess ein. Erst im Zuge der Auflösung steigt die Spannung etwas. Interessant wird es vor allem, wenn von Schirach das Prozedere im Gerichtssaal und die Feinheiten der Gesetzgebung schildert. Dabei macht er keine Wertungen und ergreift auch nicht Partei, weist jedoch darauf hin, dass Rechtsauffassung und gesellschaftliche Moral nicht starr sind, sondern sich im Lauf der Zeit verändern. Die zentrale Frage jedoch nach Schuld und Unschuld, Recht und Unrecht überlässt der Autor ganz dem mündigen Leser.


Ewig Dein: Roman
Ewig Dein: Roman
von Daniel Glattauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen BÖSE LIEBE, 17. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Ewig Dein: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Supermarkt lernen sich die forsche Judith und der charmante Hannes, beide Single, kennen. Für Hannes ist es Liebe auf den ersten Blick. Er begehrt sie, und Judith geniesst es, von ihm in den Mittelpunkt des Universums gerückt zu werden - anfangs'... Was sie zu stören beginnt: Sie ist zwar seine Auserwählte, doch lässt er ihr praktisch keine Wahl, denn Hannes ist geradezu unheimlich lieb! Nach und nach entdeckt sie Züge an ihm, die ihr nicht geheuer erscheinen. Immer öfter mischt er sich auch in familiäre Angelegenheiten ein, und immer erdrückender empfindet sie seine intensive Zuwendung und obsessive Liebe, die bindet, statt zu verbinden. Kein Wunder, dass ihre Beziehung aus der Balance gerät. Als ihr sein Drängen wirklich zu viel wird, trennt sie sich von ihm. Wohl wird es danach etwas stiller um Hannes, doch bemächtigt sich Judith bald eine gewisse Ungewissheit. Sie merkt, dass er die Trennung nicht akzeptiert, denn er beobachtet praktisch jeden ihrer Schritte, setzt alles daran, alles wieder einzufädeln und lässt nichts unversucht, auch ihre Gedanken zu besetzen. Das führt dazu, dass sie sich ein Feindbild aufbaut, das sie nicht mehr loslässt und zu zerstören beginnt. Mehr sei hier nicht verraten, ausser, dass die Geschichte eine völlig unerwartete Wendung nimmt.

Fazit: Ein zugleich herrlich erfrischender, mit feinem Humor gewürzter, wie auch beängstigend einschnürender Roman, wo sich ein simpler Stalking-Vorfall zu einem hochspannenden Psychodrama entwickelt, in dem Glattauer eine erstaunliche Tiefenvirtuosität beweist, die mit Raffinesse die normalerweise verschwiegenen menschlichen Zwischenräume ausleuchtet. Mit lockerer, aber ungemein bildhafter Sprache voller herrlicher Assoziationen und geistreicher Aphorismen zeichnet er in seinem - eine Spur zu konstruierten Roman - ein glaubwürdiges Psychogramm seiner Charaktere, entwirft mit sicheren Strichen emotionale Gefüge zwischen seinen Figuren und liefert nervenaufreibende Szenarien zwischenmenschlicher Beziehungen. Manchmal steckt schon in einigen Sätzen eine scheinbar vertraute Person. Er verwandelt seine Worte zu wahren Bildsequenzen und Klangkulissen - und das auf bloss zweihundert Seiten! Extrem geradlinig, knapp und ohne Nebenhandlungen, aber dennoch mit der nötigen Sensibilität beschreibt der Autor, wie Judith die Sehnsucht nach Hannes am wachsen hält, indem sie die Begegnungen mit ihm zu Beginn so gering wie möglich gestaltet, um den Vorrat an Erfüllungen nicht zu verkleinern. Ebenso feinfühlig schildert er Judiths innere Emigration unter Hannes' besitzergreifender Liebe, ihren Gang durch die Finsternis und die Versuche, den lästigen Eindringling in ihre Existenz in ihrem Kopf zu löschen. Ohne ausschweifende Beschreibungen, sondern allein durch die Abfolge der Ereignisse, lässt Glattauer den Leser den psychischen Prozess miterleben, in dem sich Judith von einer selbstsicheren Frau in eine Fremde verwandelt und durch ihre zwanghafte Beziehung in eine schizophrene Paranoia zu manövrieren droht. Das macht er so geschickt, dass man das Gefühl hat, ständig neben Judith zu sitzen und unter ihrem psychischen Druck mitzuleiden. Dabei dreht sich die Spannungsschraube konstant bis ins schier Unerträgliche und lässt einen die Lektüre nur gezwungenermassen unterbrechen. Dass einen Glattauer ständig in die Irre führt, sei nur nebenbei erwähnt. Der überraschende, etwas zu plötzliche Schluss schlägt voll ein.
Der Roman, der auf einer wahren Begebenheit beruht, ist Psychothriller und -drama, Liebes- und Leidensgeschichte in einem.


Adrenalin: Psychothriller
Adrenalin: Psychothriller
Preis: EUR 8,99

3.0 von 5 Sternen PSYCHOTHERAPIE, 11. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adrenalin: Psychothriller (Kindle Edition)
Joe O'Laughlin ist ein renommierter Psychotherapeut. Als die grausam zugrichtete Leiche einer ehemaligen Patientin aufgefunden wird, wird er von der Polizei um Mithilfe bei den Ermittlungen gebeten. Bald beschleicht ihn dabei ein böser Verdacht: Die Verletzungen des Mordopfers stimmen in erschreckender Weise mit den Gewaltphantasien eines Patienten überein. Da Joe den Verdacht für sich behält und Informationen verschweigt, gerät er selbst ins Visier von Detective Ruiz. Da er zudem kein Alibi für die Tatzeit vorweist, wird er wegen Mordverdachts verhaftet, muss aber mangels Beweisen wieder freigelassen werden. Da die Polizei nicht voran kommt und sein Leben auseinanderzubrechen droht, macht er sich selbst daran, die Fäden der Wahrheit zu finden. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, in eine heimtückische Falle zu tappen - und dass dabei nicht nur sein eigenes Leben bedroht ist.

Fazit: Ein realistischer, sehr ruhig angelegter Roman mit interessantem Plot, zahlreichen Dialogen, Sensibilität und viel Liebe zum Detail. Der Autor beweist grosse stilistische Sicherheit und Vielfalt. Schöne Metaphern. Eindeutig ein Roman mit literarischen Qualitäten. Der Schwachpunkt: ein Minimum an Action, Spannung auf Sparflamme. Dennoch nicht langweilig, da der Autor mehr Wert auf den Hintergrund seiner glaubwürdigen Akteure legt, hauptsächlich den des Psychotherapeuten Joe, dessen Lebensgeschichte und familiäre Probleme einem bald vertraut sind. Joe leidet an einer Krankheit, die er nicht akzeptieren kann und bekundet mehr Mühe mit seinen eigenen Problemen als mit denen seiner Patienten. Darunter leidet auch seine Familie in höchstem Masse. Eine Adrenalin-Ausschüttung bewirkte der Roman nicht bei mir (der Titel ist irreführend), gewährte mir jedoch anhand von Analysen, Gesprächen und inneren Monologen gute Einblicke in die Bereiche der Psychotherapie und Sozialarbeit. Damit und vor allem mit der Ich-Perspektive sowie der Gegenwartsform zieht der Autor den Leser ins Geschehen und macht es ihm leicht, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren.


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