ARRAY(0xb740b030)
 
Profil für Favre Robert > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Favre Robert
Top-Rezensenten Rang: 3.049
Hilfreiche Bewertungen: 1559

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Favre Robert "Robert A. Favre"
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Der Sunde Sold: Kriminalroman
Der Sunde Sold: Kriminalroman
von Inge Löhnig
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen RELIGIÖSER FANATISMUS, 15. Mai 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Sunde Sold: Kriminalroman (Taschenbuch)
Der fünfjährige Jakob wurde entführt. Dank der Nachlässigkeit des Kidnappers wird er von einer Joggerin gefunden - nackt und gefesselt auf einem Scheiterhaufen im Wald –, bereit zur Opferung, so wie Isaak im Alten Testament. Unter den Dorfbewohnern geht die Angst um. Der traumatisierte Junge spricht seit seiner Befreiung nicht mehr. Aus Rücksicht wagt Kommissar Konstantin Dühnfort, der die Ermittlungen leitet, eine Gegenüberstellung erst als Ultimo Ratio. Wenig später wird Jakobs Erzieherin grausam zu Tode gemartert. Der Kidnapper scheint ein Dilettant zu sein, denn er hinterlässt jede Menge Hinweise. Dennoch laufen die Ermittlungen ins Leere und die Polizei steht vor einem Rätsel. Kommissar Dühnfort vermutet, dass der Täter nur ein religiöser Fanatiker mit Allmachtsfantasien sein kann, der Sünder büssen lässt, um damit ihre Seelen zu retten.

Fazit: Löhnigs Debütroman beginnt mit leisen Tönen und lässt keinen Krimi vermuten. Er spielt in scheinbar ländlicher Idylle mit traditionell geprägter Dorfgemeinschaft mit ihrer speziellen Gruppendynamik. Die Ermittlungsgeschichte glänzt mit Tiefgang und einem intelligenten Plot über Vergangenheitsbewältigung mit Schwerpunkt Traumen. Die erschütternde Realitätsnähe und der berührende Umgang mit einem heiklen Thema fesseln emotional und halten die Spannung konstant hoch, obwohl der Täter bald einmal erahnt werden kann. Die Handlung ist wie aus einem Guss, schreitet zügig voran und entwickelt eine Dynamik, die in deutschen Krimis dünn gesät ist. Ermittlungen werden nicht breitgewalzt, sondern auf interessante Art beschrieben. In kleinen Dosen lässt die Autorin Verdachtsmomente in die Geschichte einsickern und führt den Leser immer tiefer in psychische Abgründe. Mit nebensächlichen Handlungen schafft sie eine äusserst dichte Atmosphäre. Stark ist die Qualität ihres bildhaften Schreibstils, der das Lesen zum Vergnügen macht. Das ist Kopfkino pur! Löhnigs Krimi-Highlight kommt völlig ohne reisserische Effekte und Klischees aus, umso eindringlicher ist seine ergreifende Dramatik. Stark auch, wie die Autorin allen Charakteren Profil verleiht. Menschliche Beziehungen und Konflikte werden eindrücklich offengelegt, bis hin zu Randfiguren. Äusserst facettenreich ist die Rolle des der Kommissar als ernsthafter Mensch, der einen inneren Kampf gegen seine Einsamkeit führt, überall Fallstricke und Probleme sieht, sich aber mit Akribie für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzt. Erfreulich dabei ist, dass Löhnigs Ermittler frei von genreüblichen, zum Klischee gewordenen Macken, Neurosen, Alkoholprobleme oder sonstige mentalen Defekten ist. Auch der sadistische Mörder kommt nicht zu kurz: Seine seelische Zerrissenheit schildert die Autorin auf eine Weise, die einfährt. Ihr Crescendo endet in keinem bombastischen Feuerwerk, geht dafür aber unter die Haut, denn was letztlich zur Auffindung des Täters führt, ist ein Geheimnis, das das Dorf seit Jahrzehnten mit sich trägt.
Löhnigs erster Roman ist eine gelungene Symbiose von Kriminalfall und Charakterstudien. Auf die Fortsetzungen darf man sich freuen, falls es im gleichen Stil weiter geht.


Blutsommer
Blutsommer
von Rainer Löffler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen GRAUSIG SPANNEND, 3. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Blutsommer (Taschenbuch)
Innerhalb weniger Monate wurden fünf grausam verstümmelte Leichen gefunden. Die Presse nennt den abartigen Täter "Metzger". Martin Abel, bester Fallanalytiker des Stuttgarter LKA, wird zur Unterstützung der Polizei nach Köln beordert. Ihm eilt der Ruf eines eigenbrötlerischen und missmutigen Kotzbrockens voraus. So ist es nicht erstaunlich, dass er nur äusserst zähneknirschend in die Zusammenarbeit mit dem fast krankhaft ehrgeizigen Nachwuchstalent Hannah Christ einwilligt. Die zwei wünschen sich dann auch gegenseitig zum Teufel. Abel, der meint, an Schrecklichem schon alles gesehen zu haben, erlebt an den Kölner Tatorten eine völlig neue Dimension: Der Mörder behandelt seine Opfer wie Schlachtvieh. Seine Unberechenbarkeit macht es so gut wie unmöglich, auf seine Fährte zu kommen. Die Polizei hält er dauernd zum Narren und hat gar die Chuzpe, mit Abel zu telefonieren. So gleicht die Jagd nach dem irrsinnigen Schlächter einer Irrfahrt im Dunkeln. Er ist so gut wie unsichtbar und hat es zum Dessert auch noch auf das Ermittler-Duo abgesehen.

Fazit: Der harte, bisweilen blutig-unappetitliche Roman besticht durch intensive atmosphärische Dichte und geradlinigen Geschichtsaufbau. Die omnipräsente, durch ein starkes Handlungstriebwerk unterstützte Spannung ist untermalt mit schlagfertigen Dialogen voll trockenem Humor. Der Autor schafft es, Figuren mit wenigen Worten – den richtigen eben - zum Leben zu erwecken. Am eindrücklichsten ist die Charakterisierung des griesgrämigen Fallanalytikers Abel, der jeden vor den Kopf stösst und sich einen Dreck um Konventionen kümmert. Sein Beruf liess sein Privatleben zu einer Kulisse für einen Mann werden, dessen Ziel es ist, Irre zur Strecke zu bringen. Die Menschen, die ihm einst nahestanden, wurden zu Schatten, die es nicht schafften, die Kälte, die von seinem Herzen Besitz ergriffen hat, zu durchdringen. Nur von irgendwo ganz hinten scheinen seine Augen eine zaghafte Wärme auszustrahlen. Er macht Alleingänge, verstößt gegen Dienstvorschriften und riskiert die Suspendierung. Doch der fanatische und von sich selbst überzeugte Einzelgänger führt die Ermittlungen unbeirrt weiter und integriert sich damit schneller wieder in den Job, als Kollegen und er selbst je geahnt hätten. Seine einsamen Ermittlungen basieren häufig auf Inspiration und spontanen Eingebungen, für die er selbst keine Begründung findet, die ihn der Lösung aber immer näher bringen. Umso interessanter ist es, zu beobachten, wie das extrem ungleiche Analytiker-Duo Abel/Christ zur Zusammenarbeit findet, um den kranken Typen zur Strecke zu bringen, in dessen obligat desolate Kindheit und abscheuliche Motivation der Leser durch mehrere Rückblenden Einblick erhält. Löffler hat das Serienkiller-Genre zwar nicht neu erfunden, drückt dem Geschehen jedoch seinen eigenen Stempel auf. Sehr positiv fällt auf, dass er seine Leser nicht mit aufwändigen Ermittlungen, uferlosen Hypothesen und endlosen Analysen quält. Er geht zur Sache und hält die Handlung konstant in rasanter Fahrt. Raffiniert und behutsam und stets spannend entwickelt der Autor eine unverwechselbare und beklemmende Atmosphäre. Man weiß nicht, was mehr verwundert: die Kunst des Autors, Verbrechen, Umwelt und Aufklärung auf einmalige Art zu verweben, oder jene, die menschliche Ebene so zu zeichnen, dass lebensechte Figuren entstehen. Der Autor schafft es, trotz der Abscheulichkeit der Verbrechen und der moralischen Verkommenheit der Opfer, den Impuls der Rachegelüste zu neutralisieren und statt des Schwelgens in grässlichen Blutbädern das Verlangen des Lesers nach Erklärung zu wecken. Damit hält er seine Leser mühelos bei der Stange.
Obwohl es sonnenklar ist, dass auch in diesem Thriller die Guten siegen, schafft es der Löffler, die Spannung bis zum mörderischen Schlussbouquet zu steigern. Und er hat es nicht nötig, die Auflösung des Plots durch ein Labyrinth von Konstruktionen zu führen.


Schrei in der Dunkelheit: Psychothriller
Schrei in der Dunkelheit: Psychothriller
von Claudia Vilshöfer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DER DUFT DES VERRATS, 21. April 2013
Anne, die deutsche Auslandstudentin in New York, teilt mit ihrer texanischen Kollegin Amber ein Appartement. Als Anne und der attraktive Baseballstar Noah ein Liebespaar werden, scheint Amber Anne das Glück zu neiden und Noahs Gunst erobern zu wollen. Damit beginnt die Freundschaft der beiden Frauen zu bröckeln. Noah verstrickt sich in Schulden, nachdem ein Unfall seine sportliche Karriere zunichtemacht. Als er erfährt, dass Amber die Tochter eines Ölmagnaten ist, wittert er seine Chance und schlägt ihr eine Scheinentführung vor. Mit dem Lösegeld wären seine finanziellen Sorgen gelöst. In den Semesterferien tingelt das Trio durch die Staaten, um Noahs irren Plan in die Tat umzusetzen, von dem Anne jedoch nichts ahnt. Unterwegs erlebt die Dreierbeziehung einen drastischen Klimasturz: als Amber sich immer deutlicher an Noah heranmacht, wird Anne von diffusen Zwangsvorstellungen heimgesucht und von wachsender Eifersucht zerfressen. Sie beginnt, an Noahs Integrität zu zweifeln. Immer tiefer treiben die drei in den Wahnsinn der Unberechenbarkeit. Eine explosive Mischung, die schliesslich in der Sonnenglut des Death Valleys detoniert. Doch die Geschichte ist noch lange fertig. Anne macht schliesslich einen verhängnisvollen Fehler und Noah ist im Begriff den Irrtum seines Lebens zu begehen.

Fazit: Der actiongeladene Psychothriller mit origineller Thematik ist punkto Plausibilität und Logik nicht immer lupenrein, dafür aber enorm fesselnd von A bis Z. Schnell ist man mitten in der Story und gefangen im Intrigennetz, das die Autorin geschickt aufbaut. Die raffinierte Dreiecksgeschichte lebt vor allem vom eindringlich geschilderten Psychogramm der drei Protagonisten: Menschen können so gefangen voneinander sein, dass sie sich umbringen wollen müssen. Wollen müssen – das ist die schuldlose Schuld, quasi griechische Tragödie. Das endet nie gut. Die Geschichte mündet in einen eindrücklichen Endspurt mit einer handfesten Überraschung auf den letzten Seiten.


Der 7. Tag
Der 7. Tag
Preis: EUR 2,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen STEIGENDE SPANNUNG, 13. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Der 7. Tag (Kindle Edition)
Sybille und Michael sind ein glückliches Paar und erwarten ein Baby. Doch eines Tages lässt Michael Sybille im Stich und verschwindet spurlos mit 9.6 Millionen Euro unterschlagener Mandantengelder. Sybille kommt fast um vor Verzweiflung. Ihr Leben zerbricht: Sie verliert ihr Baby, ihren Job, ihr Vermögen. Nach einem Nervenzusammenbruch erwachen Hass und Rachegedanken. Sie hat vergessen, wie sehr sie Michael liebte. Die Suche nach ihm, um seine Geschichte zu erfahren und ihn anschliessend umzubringen, ist das Einzige, das sie noch am Leben erhält. Allein ihre Recherchen laufen ins Leere.
Als ihr Mann grausam erstochen aufgefunden wird, gibt es nur eine Verdächtige: Sybille. Die Anklage lautet auf Mord. Sie bekennt sich zwar schuldig, kann sich indessen nicht erinnern, das Verbrechen begangen zu haben. Oder will sie nicht? Die Wahrheit erfährt der Leser in diesem kurzen Justizkrimi, der so spannend ist, dass man ihn in einem Rutsch durchliest.

Fazit: Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Im ersten, eher informativen als spannenden Teil werden die sieben Prozesstage beschrieben. In Rückblenden wird dabei das Leben der Angeklagten aufgefächert. Im zweiten Teil schildert Sybille ihre Version des Geschehens. Der dritte Teil beinhaltet die Recherchen einer Zeitung, an die Sybille ihre Geschichte verkauft.
Der abwechslungsreiche Roman mit gutem Spannungsaufbau ist kurzweilig, protokollartig redigiert (ohne Tiefgründigkeit) und daher leicht zu lesen. Der Plot ist gut durchdacht, so dass der Leser meint, die Lösung früh zu erkennen. Da Geheimnis lüftet sich jedoch erst am überraschenden, zugegebenermassen etwas konstruierten Ende.


Zorn - Tod und Regen: Thriller
Zorn - Tod und Regen: Thriller
von Stephan Ludwig
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen GRAUZONE, 10. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zorn - Tod und Regen: Thriller (Taschenbuch)
Eine Riesenschweinerei am Tatort ohne Leiche, Spuren und Verdächtigen, jedoch mit literweisem Blut, bescheren Hauptkommissar Zorn unangenehme Arbeit, dafür aber endlich wieder mal Abwechslung in seinem verhassten Job. Der Staatsanwalt verschleppt jedoch die Ermittlungen, und dessen Sekretärin muss sterben, weil sie Zorn verheimlichte Akten liefert. Kurz darauf muss auch der Staatsanwalt daran glauben. In allen Fällen hinterlässt der Täter verwirrende Hinweise und sucht sogar den Kontakt zu Zorn.

Fazit: Er ist nicht das Gelbe vom Ei, Ludwigs Start-Roman. Der Autor hat zwar eine wunderbar anschauliche Schreibweise, vor allem was die Charakterisierung seines Ermittler-Duos betrifft. Die beiden sind so lebensnah beschrieben, dass man den Eindruck erhält, sie schon längst zu kennen. Sie treten wie zwei Gegenpole in Erscheinung, harmonieren und ergänzen sich indessen bestens. Da ist der griesgrämige und phlegmatische Hauptkommissar Claudius Zorn. Er verströmt eine nahezu greifbare Aura von Desinteresses und Gleichgültigkeit. Der Job langweilt ihn, weil er vorwiegend aus stupidem Papiergeraschel besteht. Da er Polizeiakten hasst, ermittelt er entsprechend wiederwillig und chaotisch und delegiert bürokratische Aufgaben an seinen kleinen dicken und gutmütigen Kollegen Schröder. Hinter dessen trotteliger Erscheinung verbirgt sich ein akribischer Ermittler, der seine Aufgaben pedantisch genau und hochkonzentriert zu erledigen versteht. Doch ein komisches Ermittler-Duo, witzige Situationen und trockener Humor sind eindeutig zu wenig für einen guten Krimi. Die Handlung ist nicht besonders originell, tritt weitgehend an Ort und vor allem bleibt der Nervenkitzel weit hinter Ludwigs zweitem Roman (Vom Leben und Sterben) zurück. Auch nach Halbzeit ist keine Spannungs- und Temposteigerung auszumachen. Folglich überfliegt man die Seiten immer schneller, in der Hoffnung, durchzuhalten und endlich die Auflösung zu erfahren, die dann aber ziemlich übertrieben, jedoch ohne Fantasie daherkommt. Wohltuend immerhin ist, dass der Autor kein Heer von Protagonisten auf den Leser loslässt. Schliesslich bleibt der Eindruck einer stark verwobenen Geschichte mit wackeligen Motiven, einigen Unglaubwürdigkeiten und einer sehr weit hergeholten Auflösung.


Schafkopf: Kriminalroman
Schafkopf: Kriminalroman
von Andreas Föhr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen KEIN SUPERBLATT.., 29. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Schafkopf: Kriminalroman (Taschenbuch)
Einem Bergwanderer wird vor den Augen von Polizeiobermeister Kreuthner der Kopf weggeschossen. Die Ermittler stossen auf einen zwei Jahre zurückliegenden geheimnisvollen Vorfall. Das Verschwinden einer jungen Frau, ein dubioser Anwalt, dem 200'000 erschwindelte Euro gestohlen werden und ein weiterer Mord bringen den ruhigen Fluss des Lebens eines idyllischen bayerischen Landkreises noch mehr in Unordnung und machen die Verwirrung der Ermittler komplett.

Fazit: Ein wendungsreicher süddeutscher Regionalkrimi, der sich um sieben Ecken windet, durchsetzt mit vielen Nebenhandlungen, Rückblenden, abrupten Szenenwechseln und überflüssigen Dialogen. Drei Zeit- und mehrere Handlungsebenen sind dem Überblick und der Orientierung ziemlich abträglich, vor allem, wenn sie scheinbar zusammenhangslos durcheinander gewürfelt werden. Verknüpfungen werden dadurch völlig eingenebelt, was möglicherweise in der Absicht des Autors liegt. Leider wird dadurch aber das Aufkommen von zügiger Spannung unterbunden. Zu viele Zufälle tragen zur Lösung bei und dramaturgische Kunstgriffe untergraben die Plausibilität der ganzen Geschichte zusätzlich. Das verlangt dem Leser einiges an Toleranz ab. Kein Vergleich zu Föhrs "Prinzessinnenmörder". Der volksnahe bayerische Sprachduktus fliesst wie üblich in die Dialoge ein. Wohl dem, der das mag. Originell in Föhrs Roman ist der Wortwitz, der trockene Humor, die kauzigen Figuren und die blühende provinzielle Polizeifolklore. Richtig in Schwung kommt die Geschichte erst auf den letzten Seiten, wo ein überraschendes Ende die Zuschauerperspektive völlig auf den Kopf stellt. Ob das völlig publikumswirksam aufgesetzte Happy-End dazu passt, ist Ansichtssache. Für mich insgesamt ein enttäuschendes Leseerlebnis.


Der Prinzessinnenmörder: Kriminalroman
Der Prinzessinnenmörder: Kriminalroman
von Andreas Föhr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen SYMPATHIE FÜR EINEN MÖRDER, 19. März 2013
Seine Morde sind minutiös geplant und inszeniert. Er hinterlässt identische Tatmuster: Seine Opfer tötet er mit einem Stich ins Herz und kleidet sie in ein goldenes Brokatgewand. Er ist ein Serienkiller, der der Polizei immer einen Schritt voraus ist und sie dazu noch genüsslich verhöhnt, indem er absichtlich Hinweise streut. Diese reichen indes nicht aus, um dem Ermittlerteam in der bayerischen Provinz unter der Leitung von Kommissar Clemens Wallner die richtigen Zusammenhänge zwischen den Morden zu liefern. In einem Wettlauf gegen die Zeit wird fieberhaft recherchiert, um weitere Morde zu verhindern. Allem Anschein jedoch völlig erfolglos.

Fazit: Ein spannender, glaubwürdiger und klischeefreier Roman hat hier das Wort. Der ihm zugrunde liegende Plot ist in seiner Einfachheit hervorragend durchdacht. Dem Autor gelang eine unglaubliche atmosphärische Dichte – wie ein Film, aber mit einer Eindringlichkeit, wie sie nur Worte hervorbringen. An die Stelle der Frage nach dem Mörder tritt rasch die Frage nach dessen Motivation und ob ihm die Ermittler überhaupt habhaft werden können. Damit verschiebt der Autor die Spannung auf zwei Ebenen – eine Spannung, die sich bis zum packenden, völlig unerwarteten Ende kontinuierlich steigert. Gespickt mit geistreichen Einfällen, trockenem Humor, komischen Effekten und intelligenten Dialogen entzückt der Roman überdies durch herrliche Anekdoten aus dem Privatleben der Protagonisten. Die Handlung lebt vor allem von sehr differenziert und originell ausgeprägten Figuren, die aber aufs Nötigste beschränkt sind. Durch ihre Interaktion erhalten damit nicht nur die Hauptprotagonisten, sondern auch die verschrobenen Nebendarsteller ihren eigenen Charakter. Als Leser fühlt man sich dadurch im Nu in die Handlung einbezogen. Dazu trägt auch Föhrs einfacher, flüssiger Stil ohne protzige Satzkaskaden in relativ kurzen Kapiteln bei. Er setzt die Fahndung nach dem Täter, der bei ihm Ausdruck einer umfassenden Pathologie ist, fantasievoll in Szene. Erstaunlicherweise wird der eiskalte Killer beinahe zum Sympathieträger, sobald dessen Antriebskraft bekannt ist. Föhr lässt so viel Originalität in seine Geschichte einfliessen, dass er bei der Besetzung der Kommissare erfreulicherweise auf Depressions-Typen à la Wallander und heroische Super-Typen verzichten kann. Alle Figuren sind schlicht aus dem Leben gegriffen.
Der mit buntem Lokalkolorit gewürzter Roman besticht durch einen unterhaltsamen Wechsel zwischen ernsthafter Ermittlungsarbeit und bayerischem Gaudi, ohne dass er zur Komödie wird. Damit ist es Föhr bestens gelungen, zwischen hohem Anspruch und spannendem Lesevergnügen zu balancieren.


Zorn - Vom Lieben und Sterben: Thriller
Zorn - Vom Lieben und Sterben: Thriller
von Stephan Ludwig
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen ZUM TÖTEN GERN, 9. März 2013
Hauptkommissar Claudius Zorn und sein Kollege Schröder ermitteln: Ein Jugendlicher wurde kaltblütig ermordet, förmlich hingerichtet. Er gehörte zu einer Clique von fünf Teenagern, die sich seit Kindertagen kennen.Während die Presse das Maul zerreisst, treten die Ermittlungen auf der Stelle, denn obwohl ein Verdächtiger gefunden wurde, nehmen die Morde kein Ende. Dabei ist nicht der Hauch eines Motivs auszumachen, und die Zusammenhänge bleiben völlig im Dunkeln. Klar ist nur, dass der Mörder gezielt und durchdacht vorgeht und seine Opfer ganz genau auswählt. Da diese zur Jugendgang gehörten, vermuten Zorn und sein Kollege, dass das Motiv des Täters in dieser Clique liegt. Doch sie stossen dort auf eine Mauer des Schweigens. So bleiben Zusammenhänge und Täter weiterhin völlig im Dunkeln – sowohl für die Ermittler als auch für die Leser.

Fazit: Ludwigs Roman ist zwar ein bisschen konstruiert, wer jedoch darüber hinwegsieht, kommt in den Genuss einer spannenden und witzigen Geschichte, gespickt mit köstlichen Dialogen vollen staubtrockenen Humors und überraschenden Wendungen, die den Leser genauso irreleiten wie die beiden Ermittler. Mit Claudius Zorn und seinem Kollegen Schröder hat der Autor zwei herrlich gegensätzliche Einzelgänger geschaffen. Sie bieten eine Mischung zwischen Experten und Witzfiguren, denen man eine Lösung des Falls kaum zutraut. Claudius Zorn gibt den eigenwilligen, bequemen, ungeschickten Polizeibeamten, der wie der letzte Kleindarsteller einer Vorabendserie durch die Gegend stolpert. Er hat überhaupt keinen Bock auf seine Arbeit. Vorschriften und Administration sind ihm ein Gräuel. Er entspricht ziemlich jedem Vorurteil über einen grantigen Polizeibeamten, dem scheinbar jegliches Einfühlungsvermögen fremd ist. Kein Wunder, geniesst er unter seinen Kollegen den Ruf eines trägen Sacks, dem alles schnuppe ist. Sein Kollege Schröder, klein dick, glatzköpfig und scheinbar ohne Vornamen, ist Zorns Wasserträger. Vordergründig macht er den Eindruck eines dümmlichen Clowns, ist jedoch äusserst sensibel und hat es faustdick hinter den Ohren. Zusammen konkurrieren die beiden Kommissare in ihrer Strategie und Taktik, müssen indessen am Ende ihrer Auseinandersetzungen erkennen, dass sie einander näher sind, als sie es wahrhaben wollen. Bestens gelungen ist dem Autor mit seinen beiden skurrilen Figuren die Balance zwischen Satire und Dramatik – und das notabene nie auf Kosten des Ernstes des Themas. Gekonnt navigiert Ludwig auch zwischen einem gewissen distanzierten Grundton zu den Protagonisten und einer wohltuend kontrastierenden tiefen Ebene. Der knappe, aber nichtsdestoweniger äussert bildhafte Schreibstil wirkt wie Streicheleinheiten. Der zügige Handlungsablauf in kurzen Kapiteln und die wellenartig über den Leser schwappende Spannung garantieren Lesespass bis zum überraschend ambivalenten Schluss. Ich bin gespannt auf Ludwigs dritten Roman.


Der Augenjäger: Psychothriller
Der Augenjäger: Psychothriller
von Sebastian Fitzek
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen WIE DIE FAUST AUFS AUGE, 23. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Augenjäger: Psychothriller (Taschenbuch)
Der renommierte Augenchirurg Dr. Suker lebt sein abartiges Doppelleben, indem er in seiner Freizeit an den Augen seiner Opfer experimentiert, bevor er sie vergewaltigt und dann aussetzt. Traumatisiert durch ihre schrecklichen Erlebnisse begehen diese anschliessend Selbstmord. Nach einem anonymen Hinweis wird Suker überwacht, und die Polizei bittet Alina, ein blindes Medium, sie zu verwertbaren Beweismitteln zu führen. Dadurch gerät Alina in einen Strudel aus Wahn und Gewalt, woraus sie einzig ihr Freund Alexander Zorbach befreien könnte. Doch Zorbach sucht noch immer verzweifelt nach seinem Sohn Julian. Er befindet sich in der Gewalt des Augensammlers, der Zorbach vor ein perfides Ultimatum stellt.

Fazit: Nachdem mich die überschwänglichen Rezensionen wieder einmal auf den Leim geführt haben, ist er nun doch bei mir gelandet, der Nachfolger des "Augensammlers". Im "„Augenjäger" versucht Fitzek, die Welt zu verdrehen, Gut und Böse auf den Kopf zu stellen und Opfer zu Tätern zu machen. Das Resultat ist ein patchworkartig zusammengeflickter Roman. Die Ereignisse folgen sich alles andere als geradlinig, die Szenerie wechselt sprunghaft. Dazu ist der Weg des Geschehens mit vielen Handlungsebenen, Schauplätzen und personellen Verknüpfungen gepflastert. Dies alles erschwert dem Leser den Überblick und zwingt ihm einen mühsamen gedanklichen Zickzackkurs auf. Statt mit Originalität zu überraschen, liegt dem Autor mehr an billigen Schockeffekten. Mit dem Einsatz des blinden Mediums, das in die Zukunft sehen kann, scheint Fitzek sich jede Eskapade ins Reich seiner Fantasie erlauben zu dürfen. Das Ganze wirkt folglich so realitätsfern und irr konstruiert, dass dadurch das Krimi-Genre völlig ad absurdum geführt wird. Darüber hinaus bleiben die Figuren ziemlich seelenlos, ihre Motive weitgehend im Dunkeln und ihr Handeln erscheint unglaubhaft. Sieht man darüber hinweg, ist Spannung durchaus vorhanden, allein es fehlt der wirkliche Nervenkitzel. Schliesslich erfolgt die Auflösung der zahlreichen Handlungsfäden auf provozierend schnodderige Art und spottet jeglichen seriösen Krimi-Kompositionsprinzips. Fitzek schiesst schlicht völlig über das Ziel hinaus. Der Roman haut in die gleiche Kerbe wie sein Vorgänger, weshalb das für mich definitiv der letzte Fitzek-Roman war.


Böser Wolf: Der sechste Fall für Bodenstein und Kirchhoff (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 6)
Böser Wolf: Der sechste Fall für Bodenstein und Kirchhoff (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 6)
von Nele Neuhaus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen IN DER VORHÖLLE, 7. Februar 2013
Die Leiche eines fünfzehnjährigen Mädchens wird aus dem Main geborgen. Die multiplen Verletzungen, die bei der Obduktion festgestellt werden, lassen auf schweren Missbrauch über einen längeren Zeitraum schliessen. Seltsamerweise liegt keine Vermisstenanzeige vor, und niemand kennt das Mädchen. Die Kriminalhauptkommissarin Pia Kirchhoff und ihr Chef Oliver Bodenstein stehen trotz aufwändiger Ermittlungen auch nach Wochen mit leeren Händen da. Erinnerungen an einen ähnlichen Fall vor neun Jahren werden wach. Dann werden sie zu einem neuen Fall gerufen: Eine bekannte TV-Moderatorin wurde nackt und mit bestialischer Brutalität geschändet im Kofferraum eines Autos vorgefunden. Die Ermittlungen ergeben, dass sie bei Recherchen für ihre Sendung einer Enthüllungsstory puren Sprengstoffs auf der Spur war, dabei aber offenbar den falschen Leuten zu nahe gekommen ist. Dies erst lenkt die Ermittlungen in die richtige Richtung, bei denen Pia und Oliver inmitten scheinbar gepflegter Bürgerlichkeit auf einen bodenlosen Abgrund unfassbarer Verlogenheit, Bösartigkeit und Brutalität stossen. Einflussreiche Leute aus den Spitzen der Gesellschaft gehen über Leichen, um eine Aufdeckung ihres schändlichen Tuns zu vermeiden.

Fazit: Die Autorin zeigt den Schrecken und die Machtlosigkeit gegenüber Pädophilie in aller Deutlichkeit und aufwühlender Weise auf. In ihrem komplexen und verschachtelten Roman führt sie den Leser auf diverse Handlungsebenen und in ein weit verzweigtes Beziehungsgeflecht zwischen einem Heer von Protagonisten. Zahlreiche Schauplätze, Szenenwechsel in schnellen Schnitten sowie wechselnde Erzählperspektiven und Wendungen verwirren zunächst, verzetteln die Handlung und machen sie kaum durchschaubar. Darunter leiden Kontinuität und Tempo der Geschichte. Viele Andeutungen und bruchstückhafte Informationen prasseln auf den Leser nieder und flattern wie Puzzlestücke in seinem Kopf herum. Es dauert seine Zeit, bis sie sich in ein ziemlich unvollständiges Bild einfügen lassen. Zusammenhänge werden erst in der zweiten Romanhälfte einigermassen erkennbar. Man sollte daher die Lektüre nicht zu häufig unterbrechen, um den Überblick zu wahren. Immerhin weiss man als Leser schneller als die Ermittler, wer sein Unwesen treibt.
Es ist ein düsteres, brisantes Thema, das Neuhaus aufgreift: Sie macht einen Kinderschänderring zum Epizentrum ihres Romans und konstruiert einen wahren Sumpf von Korruption. Dies tut sie sachlich, realitätsnah und doch mit dem nötigen Respekt - ohne dem Leser ihre Meinung zu suggerieren. Sie enthält sich jeglichen Kommentars. Weder moralisiert sie, noch entwirft sie aus blosser Effekthascherei Horrorszenarien und Überdramatisierungen. Indem sie sich auf die schlichte Widergabe der Ereignisse beschränkt überlässt sie es der Fantasie ihrer Leser, sich ein Bild über die Schrecknisse zu machen. Ihre Darstellungen gleichen daher eher einer Reportage. Sie liebt sehr detaillierte Schilderungen und pflegt das Lokalkolorit. Situationen sowie Dialoge fliessen ihr gut aus der Feder, hingegen lässt sie es zu sehr an atmosphärisch dichten Bildern fehlen. Weil auch Täter und Betroffene weitgehend im Hintergrund bleiben, ist es schwer möglich, sich die Charaktere zu verinnerlichen. Mehr Nähe und eine psychologische Entwicklung der Figuren hätte dem Roman genau die Prise Tiefe verschafft, die ihm noch fehlt. Gekonnt hingegen lässt die Autorin Schicksale unterschiedlichster Arten kollidieren – und zerbrechen. Alles in allem ist dem vertrackten Plot ein guter Unterhaltungswert nicht abzusprechen. Die Spannung ist zwar nicht gerade überbordend, doch trägt sie die Handlung einigermassen konstant über die Runden. Die Seiten fliegen erst am Schluss vorbei. Ein Happy-End kann es natürlich dabei natürlich nicht geben, denn der bösen Wölfe gibt es zu viele.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20