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Rezensionen verfasst von
Favre Robert "Robert A. Favre"
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Schuld währt ewig: Kommissar Dühnforts vierter Fall (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi, Band 4)
Schuld währt ewig: Kommissar Dühnforts vierter Fall (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi, Band 4)
von Inge Löhnig
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen SCHULDLOS SCHULDIG, 10. Juni 2013
Ein Verkehrsunfall mit Fahrerflucht: Das Opfer ist ein Architekt, dem die kleine Lena vor einigen Jahren direkt ins Auto gelaufen ist. Kurze Zeit später wird die Leiche einer jungen Studentin, aus einem See geborgen. Sie hatte vor einigen Jahren einen Autounfall, als sie einem LKW ausweichen musste. Dabei fand ihre mitfahrerende Freundin den Tod. Der LKW-Fahrer beging Unfallflucht, so dass das Ermittlungsverfahren eingestellt werden musste. Dem Team um den bodenständigen Kommissar Dühnfort fällt auf, dass sowohl der Architekt wie auch die Studentin auf dieselbe Weise umkamen, wie die zwei Opfer, in deren Tod sie verstrickt waren. Es scheint, dass jemand auf grausame Weise für seine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit sorgt, indem er Menschen richtet, die schuldlos am Tod anderer Personen beteiligt waren. Die Ermittlungen führen in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Opfer und Täter fliessend sind.

Fazit: Man beginnt, sich in Löhnigs viertem Roman daheim zu fühlen. Mit exakter Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen malt die Autorin mit gewohnter Sprachgewalt ein wahres Bilderbuch mit aussergewöhnlichem Plot. Sie packt eine komplexe Handlung mit prononcierten Charakteren und nuanciertem Lokalkolorit in einen fiebrigen Lesestoff. Das Privatleben ihrer Figuren mit ihren persönlichen Dramen entwickelt Löhnig konsequent weiter. Die Dialoge sind prägnant und pfiffig. Entstanden ist ein ordentlich spannender Krimi ohne Blutvergiessen und Gewaltdarstellungen. Trotz der Menge an vielschichtigen Figuren auf mehreren Handlungsebenen geht die Übersicht nicht verloren. Die subtil gestreuten Verdachtsmomente lassen den Leser bis zum überraschenden Schluss rätseln. Wie eine kühle Strömung in tiefen Wasserschichten begleitet den Leser bis dahin eine Unruhe, die sich stetig verstärkt und einen kalten Sog entwickelt. Akribische Untersuchungen, detailverliebte Schilderungen, lebendige und äusserst authentische Protagonisten sowie ein Kommissar, ohne den genreüblichen seelischen Knax gehören zu Löhnigs Markenzeichen und machen das Lesen sehr unterhaltsam.
Ein Krimi mit Stil und Niveau zum Thema Selbstjustiz, überzeugend umgesetzt.


So unselig schön: Kommissar Dühnforts dritter Fall (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi)
So unselig schön: Kommissar Dühnforts dritter Fall (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi)
Preis: EUR 8,99

3.0 von 5 Sternen LES FLEURS DU MAL, 30. Mai 2013
In einem Sudkessel einer verfallenen Münchner Brauerei findet die Hobby-Fotografin Vicki, die Motive in verlassenen Industrieruinen abbildet, eine enthauptete Frauenleiche. Auf einem ihrer Fotos meint sie, einen Hinweis zu erkennen, der eine Spur zum Mörder sein könnte. Ohne die Polizei zu informieren, beginnt sie, auf eigene Faust zu recherchieren, was sie in gefährliche Gefilde bringt. Kommissar Dühnfort und sein Ermittlerteam indes fischen über lange Zeit im Trüben, bis sie schliesslich verschiedene Verdächtige aus der Kunstszene im Visier haben.

Fazit: Ein leidlich spannender Krimi, bar jeder reisserischen Szene, dafür mit gut durchdachtem Plot, psychologischem Tiefgang und poetischen Untertönen. Auffallend ist Löhnigs gute Erzählkunst, verschiedene Handlungsebenen spannend miteinander zu verknüpfen. Gekonnt lässt sie dabei ihre Leser in die Perspektiven ihrer fein gezeichneten Charaktere wechseln. Ihr Schreibstil ist gediegen und äusserst Detailverliebt, doch stets zügig. Virtuos und sprachgewaltig malt sie wahre Stimmungsbilder. Subtil lässt sie das Motiv des Täters aufflackern: seine hasserfüllte Liebessehnsucht, die in verzweifelter Hoffnung endet.
Im Mittelpunkt des Romans steht Kommissar Dühnfort. Wie ein Spürhund vertraut er seinen Instinkten, verbeisst sich dabei oft in seine eigenen Schlussfolgerungen und prescht auch mal im Alleingang in eine falsche Richtung. Neben der eigentlichen Ermittlungsarbeit geht die Autorin immer wieder auch auf die Ebene von Dühnforts Privatleben ein. Als Melancholiker und einsamer Wolf wider Willen scheut er sich vor den Untiefen seiner Seele und steht sich daher selber im Weg. Der stete Kampf gegen seine ambivalenten Gefühle, denen er misstraut, belastet vor allem sein fragiles Verhältnis zu den Frauen, was ihn daran hindert, sein Liebesleben ins Lot zu bringen und zwingt, sein Leben immer wieder neu zu ordnen.
Neben der akribisch beschriebenen Recherchier-Arbeit, die nicht frei von Pannen ist und auch von den privaten Problemen der Ermittler belastet wird, zeigt die Geschichte, wie durch Verbrechen und seine Aufklärung Strukturen und Beziehungen leiden können.
Auch mit der jungen Fotografin mit schwieriger Jugend hat Löhnig eine sympathische unkonventionelle Figur geschaffen, die gegen den Strom schwimmt und gegen ihr Schicksal wettert, wodurch sie häufig im Clinch mit ihrer Umwelt liegt.
Der facettenreiche Krimi lebt somit nicht allein von der Suche nach dem Täter. Fast möchte man sagen, sie sei nebensächlich. Löhnig liegt viel an ihren Protagonisten und deren Beziehungen untereinander sowie auf vielen scheinbaren Nebensächlichkeiten, die dazu beitragen sollen, eine dichte Atmosphäre zu schaffen.
Die Auflösung kommt auf leisen Sohlen daher, lässt aber meines Erachtens einige Fragen offen.


In weißer Stille: Kommissar Dühnforts zweiter Fall (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi)
In weißer Stille: Kommissar Dühnforts zweiter Fall (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi)
Preis: EUR 8,99

2.0 von 5 Sternen HÖLLISCHE FAMILIENIDYLLE, 25. Mai 2013
In seinem Wochenendhaus wird ein pensionierter Kinderarzt tot aufgefunden. Kommissar Dühnfort, ein einsamer Wolf, der seine Gefühle nicht zeigen kann, aber sehr der Gerechtigkeit verpflichtet ist, übernimmt die Ermittlungen. Erste Untersuchungen ergeben, dass das Opfer im Laufe mehrerer Tage verdurstete. Die Spuren deuten auf Raubmord hin. Doch nachdem Dühnfort vom dunklen Charakter des Toten erfährt, stösst er auf ein familiäres Drama, das die längst erwachsenen Kinder des Ermordetet bis heute verfolgt. Hinter ihrer vordergründig heilen Familienfassade werden nach und nach tragische Wahrheiten sichtbar. Die Situation spitzt sich zu, als ein weiteres Mitglied der Familie tot aufgefunden wird. Damit tappen die Ermittler noch mehr im Dunkeln: Dühnfort hat das Gefühl, dass sie sich völlig verzetteln und in einem Labyrinth ohne Ausgang stecken, denn der Täter legt planlos falsche Spuren und beseitigt vermeintliche.

Fazit: Auf Löhnigs tollen Debütroman folgt dieser schwache Ermittlungskrimi, dessen Klappentext nicht hält, was er verspricht. Eine interessante Idee wurde auf zu langfädige Art weitergesponnen. Detail am Rande: die Ermittler tragen kaum zur Lösung des Falles bei.
Positiv: Einfacher, aber professioneller Schreibstil. Bildhafter Sprachschatz. Vielschichtige Charakterdarstellungen. Authentische Geschichte, mit einem Kommissar ohne die genreüblichen Macken.
Negativ: Spannung und Geschehen verwässern im Dickicht unnötiger Nebenhandlungen. Ausschweifende und übertrieben detaillierte Schilderungen über Spurensuche und Befragungen sowie wiederholte Gedankenwenderei über Täter und Motive führen zu Handlungsstau - eine harte Geduldsprobe vor dem dramatischen Schluss. Emotional flache Leselandschaft, in der Gemeinplätze ausgewalzt, statt psychische Abgründe ausgelotet und interessante Aspekte der familiären Beziehungen vertieft werden. Was in Löhnigs erstem Roman noch einfuhr, versandet hier in Hergebrachtem.


Der Sunde Sold: Kriminalroman
Der Sunde Sold: Kriminalroman
von Inge Löhnig
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen RELIGIÖSER FANATISMUS, 15. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Sunde Sold: Kriminalroman (Taschenbuch)
Der fünfjährige Jakob wurde entführt. Dank der Nachlässigkeit des Kidnappers wird er von einer Joggerin gefunden - nackt und gefesselt auf einem Scheiterhaufen im Wald –, bereit zur Opferung, so wie Isaak im Alten Testament. Unter den Dorfbewohnern geht die Angst um. Der traumatisierte Junge spricht seit seiner Befreiung nicht mehr. Aus Rücksicht wagt Kommissar Konstantin Dühnfort, der die Ermittlungen leitet, eine Gegenüberstellung erst als Ultimo Ratio. Wenig später wird Jakobs Erzieherin grausam zu Tode gemartert. Der Kidnapper scheint ein Dilettant zu sein, denn er hinterlässt jede Menge Hinweise. Dennoch laufen die Ermittlungen ins Leere und die Polizei steht vor einem Rätsel. Kommissar Dühnfort vermutet, dass der Täter nur ein religiöser Fanatiker mit Allmachtsfantasien sein kann, der Sünder büssen lässt, um damit ihre Seelen zu retten.

Fazit: Löhnigs Debütroman beginnt mit leisen Tönen und lässt keinen Krimi vermuten. Er spielt in scheinbar ländlicher Idylle mit traditionell geprägter Dorfgemeinschaft mit ihrer speziellen Gruppendynamik. Die Ermittlungsgeschichte glänzt mit Tiefgang und einem intelligenten Plot über Vergangenheitsbewältigung mit Schwerpunkt Traumen. Die erschütternde Realitätsnähe und der berührende Umgang mit einem heiklen Thema fesseln emotional und halten die Spannung konstant hoch, obwohl der Täter bald einmal erahnt werden kann. Die Handlung ist wie aus einem Guss, schreitet zügig voran und entwickelt eine Dynamik, die in deutschen Krimis dünn gesät ist. Ermittlungen werden nicht breitgewalzt, sondern auf interessante Art beschrieben. In kleinen Dosen lässt die Autorin Verdachtsmomente in die Geschichte einsickern und führt den Leser immer tiefer in psychische Abgründe. Mit nebensächlichen Handlungen schafft sie eine äusserst dichte Atmosphäre. Stark ist die Qualität ihres bildhaften Schreibstils, der das Lesen zum Vergnügen macht. Das ist Kopfkino pur! Löhnigs Krimi-Highlight kommt völlig ohne reisserische Effekte und Klischees aus, umso eindringlicher ist seine ergreifende Dramatik. Stark auch, wie die Autorin allen Charakteren Profil verleiht. Menschliche Beziehungen und Konflikte werden eindrücklich offengelegt, bis hin zu Randfiguren. Äusserst facettenreich ist die Rolle des der Kommissar als ernsthafter Mensch, der einen inneren Kampf gegen seine Einsamkeit führt, überall Fallstricke und Probleme sieht, sich aber mit Akribie für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzt. Erfreulich dabei ist, dass Löhnigs Ermittler frei von genreüblichen, zum Klischee gewordenen Macken, Neurosen, Alkoholprobleme oder sonstige mentalen Defekten ist. Auch der sadistische Mörder kommt nicht zu kurz: Seine seelische Zerrissenheit schildert die Autorin auf eine Weise, die einfährt. Ihr Crescendo endet in keinem bombastischen Feuerwerk, geht dafür aber unter die Haut, denn was letztlich zur Auffindung des Täters führt, ist ein Geheimnis, das das Dorf seit Jahrzehnten mit sich trägt.
Löhnigs erster Roman ist eine gelungene Symbiose von Kriminalfall und Charakterstudien. Auf die Fortsetzungen darf man sich freuen, falls es im gleichen Stil weiter geht.


Blutsommer
Blutsommer
von Rainer Löffler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen GRAUSIG SPANNEND, 3. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Blutsommer (Taschenbuch)
Innerhalb weniger Monate wurden fünf grausam verstümmelte Leichen gefunden. Die Presse nennt den abartigen Täter "Metzger". Martin Abel, bester Fallanalytiker des Stuttgarter LKA, wird zur Unterstützung der Polizei nach Köln beordert. Ihm eilt der Ruf eines eigenbrötlerischen und missmutigen Kotzbrockens voraus. So ist es nicht erstaunlich, dass er nur äusserst zähneknirschend in die Zusammenarbeit mit dem fast krankhaft ehrgeizigen Nachwuchstalent Hannah Christ einwilligt. Die zwei wünschen sich dann auch gegenseitig zum Teufel. Abel, der meint, an Schrecklichem schon alles gesehen zu haben, erlebt an den Kölner Tatorten eine völlig neue Dimension: Der Mörder behandelt seine Opfer wie Schlachtvieh. Seine Unberechenbarkeit macht es so gut wie unmöglich, auf seine Fährte zu kommen. Die Polizei hält er dauernd zum Narren und hat gar die Chuzpe, mit Abel zu telefonieren. So gleicht die Jagd nach dem irrsinnigen Schlächter einer Irrfahrt im Dunkeln. Er ist so gut wie unsichtbar und hat es zum Dessert auch noch auf das Ermittler-Duo abgesehen.

Fazit: Der harte, bisweilen blutig-unappetitliche Roman besticht durch intensive atmosphärische Dichte und geradlinigen Geschichtsaufbau. Die omnipräsente, durch ein starkes Handlungstriebwerk unterstützte Spannung ist untermalt mit schlagfertigen Dialogen voll trockenem Humor. Der Autor schafft es, Figuren mit wenigen Worten – den richtigen eben - zum Leben zu erwecken. Am eindrücklichsten ist die Charakterisierung des griesgrämigen Fallanalytikers Abel, der jeden vor den Kopf stösst und sich einen Dreck um Konventionen kümmert. Sein Beruf liess sein Privatleben zu einer Kulisse für einen Mann werden, dessen Ziel es ist, Irre zur Strecke zu bringen. Die Menschen, die ihm einst nahestanden, wurden zu Schatten, die es nicht schafften, die Kälte, die von seinem Herzen Besitz ergriffen hat, zu durchdringen. Nur von irgendwo ganz hinten scheinen seine Augen eine zaghafte Wärme auszustrahlen. Er macht Alleingänge, verstößt gegen Dienstvorschriften und riskiert die Suspendierung. Doch der fanatische und von sich selbst überzeugte Einzelgänger führt die Ermittlungen unbeirrt weiter und integriert sich damit schneller wieder in den Job, als Kollegen und er selbst je geahnt hätten. Seine einsamen Ermittlungen basieren häufig auf Inspiration und spontanen Eingebungen, für die er selbst keine Begründung findet, die ihn der Lösung aber immer näher bringen. Umso interessanter ist es, zu beobachten, wie das extrem ungleiche Analytiker-Duo Abel/Christ zur Zusammenarbeit findet, um den kranken Typen zur Strecke zu bringen, in dessen obligat desolate Kindheit und abscheuliche Motivation der Leser durch mehrere Rückblenden Einblick erhält. Löffler hat das Serienkiller-Genre zwar nicht neu erfunden, drückt dem Geschehen jedoch seinen eigenen Stempel auf. Sehr positiv fällt auf, dass er seine Leser nicht mit aufwändigen Ermittlungen, uferlosen Hypothesen und endlosen Analysen quält. Er geht zur Sache und hält die Handlung konstant in rasanter Fahrt. Raffiniert und behutsam und stets spannend entwickelt der Autor eine unverwechselbare und beklemmende Atmosphäre. Man weiß nicht, was mehr verwundert: die Kunst des Autors, Verbrechen, Umwelt und Aufklärung auf einmalige Art zu verweben, oder jene, die menschliche Ebene so zu zeichnen, dass lebensechte Figuren entstehen. Der Autor schafft es, trotz der Abscheulichkeit der Verbrechen und der moralischen Verkommenheit der Opfer, den Impuls der Rachegelüste zu neutralisieren und statt des Schwelgens in grässlichen Blutbädern das Verlangen des Lesers nach Erklärung zu wecken. Damit hält er seine Leser mühelos bei der Stange.
Obwohl es sonnenklar ist, dass auch in diesem Thriller die Guten siegen, schafft es der Löffler, die Spannung bis zum mörderischen Schlussbouquet zu steigern. Und er hat es nicht nötig, die Auflösung des Plots durch ein Labyrinth von Konstruktionen zu führen.


Schrei in der Dunkelheit: Psychothriller
Schrei in der Dunkelheit: Psychothriller
von Claudia Vilshöfer
  Taschenbuch

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DER DUFT DES VERRATS, 21. April 2013
Anne, die deutsche Auslandstudentin in New York, teilt mit ihrer texanischen Kollegin Amber ein Appartement. Als Anne und der attraktive Baseballstar Noah ein Liebespaar werden, scheint Amber Anne das Glück zu neiden und Noahs Gunst erobern zu wollen. Damit beginnt die Freundschaft der beiden Frauen zu bröckeln. Noah verstrickt sich in Schulden, nachdem ein Unfall seine sportliche Karriere zunichtemacht. Als er erfährt, dass Amber die Tochter eines Ölmagnaten ist, wittert er seine Chance und schlägt ihr eine Scheinentführung vor. Mit dem Lösegeld wären seine finanziellen Sorgen gelöst. In den Semesterferien tingelt das Trio durch die Staaten, um Noahs irren Plan in die Tat umzusetzen, von dem Anne jedoch nichts ahnt. Unterwegs erlebt die Dreierbeziehung einen drastischen Klimasturz: als Amber sich immer deutlicher an Noah heranmacht, wird Anne von diffusen Zwangsvorstellungen heimgesucht und von wachsender Eifersucht zerfressen. Sie beginnt, an Noahs Integrität zu zweifeln. Immer tiefer treiben die drei in den Wahnsinn der Unberechenbarkeit. Eine explosive Mischung, die schliesslich in der Sonnenglut des Death Valleys detoniert. Doch die Geschichte ist noch lange fertig. Anne macht schliesslich einen verhängnisvollen Fehler und Noah ist im Begriff den Irrtum seines Lebens zu begehen.

Fazit: Der actiongeladene Psychothriller mit origineller Thematik ist punkto Plausibilität und Logik nicht immer lupenrein, dafür aber enorm fesselnd von A bis Z. Schnell ist man mitten in der Story und gefangen im Intrigennetz, das die Autorin geschickt aufbaut. Die raffinierte Dreiecksgeschichte lebt vor allem vom eindringlich geschilderten Psychogramm der drei Protagonisten: Menschen können so gefangen voneinander sein, dass sie sich umbringen wollen müssen. Wollen müssen – das ist die schuldlose Schuld, quasi griechische Tragödie. Das endet nie gut. Die Geschichte mündet in einen eindrücklichen Endspurt mit einer handfesten Überraschung auf den letzten Seiten.


Der 7. Tag
Der 7. Tag
Preis: EUR 2,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen STEIGENDE SPANNUNG, 13. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Der 7. Tag (Kindle Edition)
Sybille und Michael sind ein glückliches Paar und erwarten ein Baby. Doch eines Tages lässt Michael Sybille im Stich und verschwindet spurlos mit 9.6 Millionen Euro unterschlagener Mandantengelder. Sybille kommt fast um vor Verzweiflung. Ihr Leben zerbricht: Sie verliert ihr Baby, ihren Job, ihr Vermögen. Nach einem Nervenzusammenbruch erwachen Hass und Rachegedanken. Sie hat vergessen, wie sehr sie Michael liebte. Die Suche nach ihm, um seine Geschichte zu erfahren und ihn anschliessend umzubringen, ist das Einzige, das sie noch am Leben erhält. Allein ihre Recherchen laufen ins Leere.
Als ihr Mann grausam erstochen aufgefunden wird, gibt es nur eine Verdächtige: Sybille. Die Anklage lautet auf Mord. Sie bekennt sich zwar schuldig, kann sich indessen nicht erinnern, das Verbrechen begangen zu haben. Oder will sie nicht? Die Wahrheit erfährt der Leser in diesem kurzen Justizkrimi, der so spannend ist, dass man ihn in einem Rutsch durchliest.

Fazit: Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Im ersten, eher informativen als spannenden Teil werden die sieben Prozesstage beschrieben. In Rückblenden wird dabei das Leben der Angeklagten aufgefächert. Im zweiten Teil schildert Sybille ihre Version des Geschehens. Der dritte Teil beinhaltet die Recherchen einer Zeitung, an die Sybille ihre Geschichte verkauft.
Der abwechslungsreiche Roman mit gutem Spannungsaufbau ist kurzweilig, protokollartig redigiert (ohne Tiefgründigkeit) und daher leicht zu lesen. Der Plot ist gut durchdacht, so dass der Leser meint, die Lösung früh zu erkennen. Da Geheimnis lüftet sich jedoch erst am überraschenden, zugegebenermassen etwas konstruierten Ende.


Zorn - Tod und Regen: Thriller
Zorn - Tod und Regen: Thriller
von Stephan Ludwig
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen GRAUZONE, 10. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zorn - Tod und Regen: Thriller (Taschenbuch)
Eine Riesenschweinerei am Tatort ohne Leiche, Spuren und Verdächtigen, jedoch mit literweisem Blut, bescheren Hauptkommissar Zorn unangenehme Arbeit, dafür aber endlich wieder mal Abwechslung in seinem verhassten Job. Der Staatsanwalt verschleppt jedoch die Ermittlungen, und dessen Sekretärin muss sterben, weil sie Zorn verheimlichte Akten liefert. Kurz darauf muss auch der Staatsanwalt daran glauben. In allen Fällen hinterlässt der Täter verwirrende Hinweise und sucht sogar den Kontakt zu Zorn.

Fazit: Er ist nicht das Gelbe vom Ei, Ludwigs Start-Roman. Der Autor hat zwar eine wunderbar anschauliche Schreibweise, vor allem was die Charakterisierung seines Ermittler-Duos betrifft. Die beiden sind so lebensnah beschrieben, dass man den Eindruck erhält, sie schon längst zu kennen. Sie treten wie zwei Gegenpole in Erscheinung, harmonieren und ergänzen sich indessen bestens. Da ist der griesgrämige und phlegmatische Hauptkommissar Claudius Zorn. Er verströmt eine nahezu greifbare Aura von Desinteresses und Gleichgültigkeit. Der Job langweilt ihn, weil er vorwiegend aus stupidem Papiergeraschel besteht. Da er Polizeiakten hasst, ermittelt er entsprechend wiederwillig und chaotisch und delegiert bürokratische Aufgaben an seinen kleinen dicken und gutmütigen Kollegen Schröder. Hinter dessen trotteliger Erscheinung verbirgt sich ein akribischer Ermittler, der seine Aufgaben pedantisch genau und hochkonzentriert zu erledigen versteht. Doch ein komisches Ermittler-Duo, witzige Situationen und trockener Humor sind eindeutig zu wenig für einen guten Krimi. Die Handlung ist nicht besonders originell, tritt weitgehend an Ort und vor allem bleibt der Nervenkitzel weit hinter Ludwigs zweitem Roman (Vom Leben und Sterben) zurück. Auch nach Halbzeit ist keine Spannungs- und Temposteigerung auszumachen. Folglich überfliegt man die Seiten immer schneller, in der Hoffnung, durchzuhalten und endlich die Auflösung zu erfahren, die dann aber ziemlich übertrieben, jedoch ohne Fantasie daherkommt. Wohltuend immerhin ist, dass der Autor kein Heer von Protagonisten auf den Leser loslässt. Schliesslich bleibt der Eindruck einer stark verwobenen Geschichte mit wackeligen Motiven, einigen Unglaubwürdigkeiten und einer sehr weit hergeholten Auflösung.


Schafkopf: Kriminalroman
Schafkopf: Kriminalroman
von Andreas Föhr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen KEIN SUPERBLATT.., 29. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Schafkopf: Kriminalroman (Taschenbuch)
Einem Bergwanderer wird vor den Augen von Polizeiobermeister Kreuthner der Kopf weggeschossen. Die Ermittler stossen auf einen zwei Jahre zurückliegenden geheimnisvollen Vorfall. Das Verschwinden einer jungen Frau, ein dubioser Anwalt, dem 200'000 erschwindelte Euro gestohlen werden und ein weiterer Mord bringen den ruhigen Fluss des Lebens eines idyllischen bayerischen Landkreises noch mehr in Unordnung und machen die Verwirrung der Ermittler komplett.

Fazit: Ein wendungsreicher süddeutscher Regionalkrimi, der sich um sieben Ecken windet, durchsetzt mit vielen Nebenhandlungen, Rückblenden, abrupten Szenenwechseln und überflüssigen Dialogen. Drei Zeit- und mehrere Handlungsebenen sind dem Überblick und der Orientierung ziemlich abträglich, vor allem, wenn sie scheinbar zusammenhangslos durcheinander gewürfelt werden. Verknüpfungen werden dadurch völlig eingenebelt, was möglicherweise in der Absicht des Autors liegt. Leider wird dadurch aber das Aufkommen von zügiger Spannung unterbunden. Zu viele Zufälle tragen zur Lösung bei und dramaturgische Kunstgriffe untergraben die Plausibilität der ganzen Geschichte zusätzlich. Das verlangt dem Leser einiges an Toleranz ab. Kein Vergleich zu Föhrs "Prinzessinnenmörder". Der volksnahe bayerische Sprachduktus fliesst wie üblich in die Dialoge ein. Wohl dem, der das mag. Originell in Föhrs Roman ist der Wortwitz, der trockene Humor, die kauzigen Figuren und die blühende provinzielle Polizeifolklore. Richtig in Schwung kommt die Geschichte erst auf den letzten Seiten, wo ein überraschendes Ende die Zuschauerperspektive völlig auf den Kopf stellt. Ob das völlig publikumswirksam aufgesetzte Happy-End dazu passt, ist Ansichtssache. Für mich insgesamt ein enttäuschendes Leseerlebnis.


Der Prinzessinnenmörder: Kriminalroman
Der Prinzessinnenmörder: Kriminalroman
von Andreas Föhr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen SYMPATHIE FÜR EINEN MÖRDER, 19. März 2013
Seine Morde sind minutiös geplant und inszeniert. Er hinterlässt identische Tatmuster: Seine Opfer tötet er mit einem Stich ins Herz und kleidet sie in ein goldenes Brokatgewand. Er ist ein Serienkiller, der der Polizei immer einen Schritt voraus ist und sie dazu noch genüsslich verhöhnt, indem er absichtlich Hinweise streut. Diese reichen indes nicht aus, um dem Ermittlerteam in der bayerischen Provinz unter der Leitung von Kommissar Clemens Wallner die richtigen Zusammenhänge zwischen den Morden zu liefern. In einem Wettlauf gegen die Zeit wird fieberhaft recherchiert, um weitere Morde zu verhindern. Allem Anschein jedoch völlig erfolglos.

Fazit: Ein spannender, glaubwürdiger und klischeefreier Roman hat hier das Wort. Der ihm zugrunde liegende Plot ist in seiner Einfachheit hervorragend durchdacht. Dem Autor gelang eine unglaubliche atmosphärische Dichte – wie ein Film, aber mit einer Eindringlichkeit, wie sie nur Worte hervorbringen. An die Stelle der Frage nach dem Mörder tritt rasch die Frage nach dessen Motivation und ob ihm die Ermittler überhaupt habhaft werden können. Damit verschiebt der Autor die Spannung auf zwei Ebenen – eine Spannung, die sich bis zum packenden, völlig unerwarteten Ende kontinuierlich steigert. Gespickt mit geistreichen Einfällen, trockenem Humor, komischen Effekten und intelligenten Dialogen entzückt der Roman überdies durch herrliche Anekdoten aus dem Privatleben der Protagonisten. Die Handlung lebt vor allem von sehr differenziert und originell ausgeprägten Figuren, die aber aufs Nötigste beschränkt sind. Durch ihre Interaktion erhalten damit nicht nur die Hauptprotagonisten, sondern auch die verschrobenen Nebendarsteller ihren eigenen Charakter. Als Leser fühlt man sich dadurch im Nu in die Handlung einbezogen. Dazu trägt auch Föhrs einfacher, flüssiger Stil ohne protzige Satzkaskaden in relativ kurzen Kapiteln bei. Er setzt die Fahndung nach dem Täter, der bei ihm Ausdruck einer umfassenden Pathologie ist, fantasievoll in Szene. Erstaunlicherweise wird der eiskalte Killer beinahe zum Sympathieträger, sobald dessen Antriebskraft bekannt ist. Föhr lässt so viel Originalität in seine Geschichte einfliessen, dass er bei der Besetzung der Kommissare erfreulicherweise auf Depressions-Typen à la Wallander und heroische Super-Typen verzichten kann. Alle Figuren sind schlicht aus dem Leben gegriffen.
Der mit buntem Lokalkolorit gewürzter Roman besticht durch einen unterhaltsamen Wechsel zwischen ernsthafter Ermittlungsarbeit und bayerischem Gaudi, ohne dass er zur Komödie wird. Damit ist es Föhr bestens gelungen, zwischen hohem Anspruch und spannendem Lesevergnügen zu balancieren.


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