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Rezensionen verfasst von
NiWa

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In dieser ganz besonderen Nacht
In dieser ganz besonderen Nacht
von Nicole C. Vosseler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen If you are going to San Francisco ..., 29. April 2016
Rezension bezieht sich auf: In dieser ganz besonderen Nacht (Taschenbuch)
Ambers Mutter ist tot. Nun muss sie aus der deutschen Kleinstadt weg und zu ihrem Vater nach San Francisco ziehen. Einsam, voll Trauer und irgendwie verlassen, versucht sie ihren Platz im Leben zu finden und trifft dabei auf den mysteriösen Nathaniel, der aus einer ganz anderen Welt zu stammen scheint.

„In einer ganz besonderen Nacht“ ist zwar eine Geistergeschichte, die aber kaum gruselig ist, sondern in erster Linie den Flair des wunderbaren San Franciscos aufleben lässt und zum Nachdenken anregt.

Amber muss zu ihrem Vater nach San Francisco ziehen und fängt da ein neues Leben an. Die Autorin arbeitet wunderbar die Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland bzw. Europa und dem Alltag in San Francisco heraus. Der europäische Leser lernt viele Eigenheiten kennen, wird mit dem hiesigen Schulsystem vertraut und darf sich gemeinsam mit Amber u.a. über Milch- und Orangensaftkanister in Übergröße wundern, während die europäische Art der Kaffeezubereitung bei den amerikanischen Figuren den Blutdruck in die Höhe jagt.

Die Geschichte selbst liest sich gut und die Handlung ist interessant aufgebaut, wobei mich die Autorin tatsächlich einige Male richtig überraschen konnte.

Amber beginnt ein neues Leben, sie ist auf einer neuen Schule und findet rasch neue Freunde, von denen jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Nebenbei hat sie es mit nebulösen Geistererscheinungen zutun, die ihr nicht nur das Fürchten sondern auch das Lieben lehren, bis es in einer ganz besonderen Nacht zur Katastrophe kommt.

Mit Amber und ihren Freunden hat die Autorin vielschichtige und authentische Charaktere entwickelt, die auf mich sehr realistisch gewirkt haben. Was sich stellenweise wie ein lockerer Jugendroman liest, hat eine ungeahnte Tiefe, die man aufgrund des Covers so nicht vermutet hätte.

Zudem entführt die Autorin auf eine unvergessliche Sightseeing-Tour durch San Francisco, in dem sie die Handlung an sämtlichen Ecken platziert, die es in der „Belle of the Bay“ zu entdecken gibt. Egal ob die prallen Seelöwen, der Park Richtung Golden Gate oder Alcatraz, ich habe mich tatsächlich so gefühlt, als ob ich vor Ort wäre und habe dabei noch immer die Bilder dieser atemberaubenden Stadt im Kopf. Die Autorin nimmt Amber, ihre Freunde und den Leser an die Hand, marschiert mit allem gemeinsam den Strand Richtung Golden Gate Bridge entlang, taucht ins Getümmel am Fisherman's Wharf ein und springt mit allen lachend auf die Cable Cars, die einer Achterbahn gleich, über das Auf- und Ab der Straßen bimmeln.

Und obwohl sich vieles locker und leicht lesen lässt, stehen im Vordergrund der Geschichte ernste Themen wie Trauer, Verlust, Tod und mögliche Strategien, damit umzugehen. Die Autorin behandelt Hoffnungs- und Hilflosigkeit, unendliche Qualen, die der Tod bei Hinterbliebenen auslöst, aber auch, wie zwingend es notwendig ist, loszulassen und von einem geliebten Menschen nach dessen Tod tatsächlich Abschied zu nehmen, damit man wieder Hoffnung schöpfen sowie Liebe und Freude fühlen kann.

Für mich war es ein besonderes Jugendbuch, das nicht nur besondere Themen behandelt, die sich in einer besonderen Nacht zuspitzen, sondern vor allem in eine ganz besondere Stadt einlädt und auf seine besondere Art zauberhaft zu lesen ist.

© NiWa


28 Tage lang
28 Tage lang
von David Safier
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen 28 Tage lang, 24. April 2016
Rezension bezieht sich auf: 28 Tage lang (Taschenbuch)
Warschau 1943. Die Juden wurden von den Nazis im Ghetto zusammengedrängt und allmählich lüften sich die Reihen, weil die „Umsiedelung“ begonnen hat. Mira lebt mit ihrer Familie im Ghetto und schließt sich dem Widerstand gegen die SS an. Und sie trotzen der Besatzung länger als sie es selbst je vermutet hat: 28 Tage lang.

David Safier erzählt die sehr wichtige Geschichte des Aufstands im Warschauer Ghetto, der tatsächlich statt gefunden hat. Man liest leider nur selten davon, umso bemerkenswerter ist es, dass sich Safier damit auseinandersetzt, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Beachtlich ist die Botschaft, die immer wieder in den Vordergrund rückt: „Was für ein Mensch möchtest du sein?“ Das hat mir besonders gut gefallen, weil gerade diese Frage niemals an Aktualität einbüßen wird. Sie sollte laufend einen Weg in unser Bewusstsein finden und ständig auf’s Neue von jedem Menschen für sich beantwortet werden.

Noch besonderer ist die Art und Weise wie der Autor davon erzählt. In einer sehr modernen Sprache, ausgestattet mit einer jugendlichen Protagonistin geht er den Widerstand gegen die Nazis an.

Dieser Punkt ist meiner Meinung nach Vor- und Nachteil zugleich. Ohne jeden Zweifel wird damit eine jugendliche Leserschaft angesprochen, die sich dadurch mit dem Holocaust und dem Verbrechen an den Juden auseinandersetzt. Hier wird ein sehr behutsamer Einblick ins Ghettoleben gegeben, der sehr realistisch von den damaligen Zuständen berichtet, mit der Wucht der Wahrheit konfrontiert, aber gleichzeitig nicht zu sehr schockiert, um jüngere Leser nicht allzu überfordern. Trotzdem bleibt nichts ausgespart, aber Safier hat ein bemerkenswertes Talent gezeigt, den Leser auf eine einfühlsame Weise an vielem teilhaben zu lassen und ihn zum Nachdenken anzuregen:

„Woran glaubst du denn noch, Jurek?“
„Ich glaube an Marmelade.“
„An was?“ Ich war völlig verblüfft.
„Wenn ich schon sterbe, dann wenigstens mit Marmelade“
(S. 167)

Andrerseits ging mit durch den modernen Anstrich zu viel der damaligen Zeit verloren. Es ist nicht nur die Wortwahl, die dieser häufig nicht entspricht, sondern auch Gesten, Handlungen und Gedanken, die es in den 1940er-Jahren - auch nicht im Warschauer Ghetto - so gegeben hat.

Protagonistin Mira ist meiner Meinung nach eine Superheldin, die man als Leser eher in einer Dystopie anzutreffen erwartet und kein Mädchen, das heute schon um die 90 Jahre alt sein müsste. Obwohl diese dystopische, actiongeladene Handlung auf der einen Seite sehr ansprechend ist, gab sie mir andrerseits das Gefühl, eine komplett fiktionale Geschichte zu lesen und hier weiß ich nicht, ob das im Endeffekt tatsächlich so gut sein kann.

Abgesehen von dieser Kritik, sei sie nun angebracht oder nicht, habe ich dieses Buch sehr gern gelesen, mit dem jüdischen Widerstand im Ghetto gekämpft, gelitten und gelacht, und hatte dabei ständig all die Menschen vor Augen, die nicht die Chance hatten, dem Holocaust die Stirn zu bieten.

© NiWa


Der Trakt: Psychothriller
Der Trakt: Psychothriller
von Arno Strobel
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3.0 von 5 Sternen Wo ist Lukas?, 23. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Trakt: Psychothriller (Taschenbuch)
Sibylle wacht aus dem Koma auf. Das Essen beim Griechen, der Park, der Überfall - daran erinnert sie sich noch. Klar ist für sie auch, wer sie ist: Sibylle Aurich, sie ist 34 Jahre alt, Ehefrau und vor allem Mutter. Oder etwa nicht?

Sibylles Welt nach dem Koma läuft irgendwie verkehrt herum. Sie scheint sich zwar an ihr Leben erinnern zu können, aber ihr Leben nicht an sie. Ihr Mann meint, dass sie eine völlig fremde Frau für ihn ist, ihre beste Freundin erkennt sie nicht und von ihrem Sohn Lukas hat noch nie jemand etwas gehört. Hundert Fragen brennen Sibylle auf der Seele, aber die wichtigste davon ist: Wo ist Lukas?

Ich habe mich bisher noch nicht mit dem Autor beschäftigt, obwohl mich seine Thriller schon länger locken. Die kurzen prägnanten Titel, die dunklen Cover und die brisanten Klappentexte deuten auf außerordentliche Spannungsliteratur hin. Leider konnten meine Erwartungen nicht ganz erfüllt werden, vielleicht waren sie auch zu hoch gesteckt.

Zuerst muss ich sagen, dass „Der Trakt“ ein passabler Thriller ist. Von Anfang bis Ende wird Sibylles Erwachen packend erzählt und bereits die erste Passage läutet ein Verwirrspiel ein, das bis zu guter Letzt aufrecht erhalten wird, aber leider nur mäßig spannend ist.

Schon während der ersten Szenen ahnt man als erfahrener Thrillerleser, in welche Richtung die Geschichte geht. Zwar liegen die Hintergründe im Dunkeln, was doch noch einen gewissen Reiz verströmt, aber man weiß irgendwie sofort, was hier wohl passiert sein könnte.

Mit der Protagonistin Sibylle konnte ich mich nicht wirklich anfreunden, weil ich sie von Beginn an als anstrengend und hysterisch empfand. Es ist zwar durchaus nachvollziehbar, dass man in einer solchen Situation die Nerven verliert, aber einige Stunden nach dem Erwachen müsste auch ihr bewusst sein, dass sie mit der ständigen Frage „Wo ist Lukas?“ einfach nicht weiterkommt.

Vielleicht lag es an der Hörbuchversion, doch nach einiger Zeit bin ich schon richtig zusammengezuckt, wenn Sibylle fahrig „Wo ist Lukas?“ oder einfach nur „Lukas“ geraunt hat, obwohl sie diese Frage zum gefühlt hundertsten Mal den beteiligten Nebenfiguren stellt.

Der Handlungsablauf hat mich stark an einen Blockbuster im Fernsehen erinnert und besonders gut hat mir das Rätselraten um die Nebenfiguren gefallen. Wer ist Freund? Wer der Feind? Und die Frage nach dem Motiv blieb lange Zeit ungeklärt, wodurch ich mir laufend meine eigenen Theorien zurechtgelegt habe.

Die Auflösung ist meiner Meinung nach mittelmäßig und erinnert ebenso stark an einen etwas überzogenen Fernsehfilm, der nach dem üblichen Schema aufgeklärt wird.

Meiner Ansicht nach unterscheidet sich „Der Trakt“ kaum vom üblichen Einheitsbrei und ist mit den typischen Thrillerzutaten gewürzt. Es ist für mich ein Thriller, der Zwischendurch für Zerstreuung, aber nicht unbedingt für Begeisterungsstürme sorgt.

© NiWa


Infernale
Infernale
von Sophie Jordan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

5.0 von 5 Sternen Infernalisches Highlight, 22. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Infernale (Gebundene Ausgabe)
Inwiefern bestimmen die Gene unser Leben?

Davy ist hochbegabt. Sie ist eine gute Schülerin, musikalisch hochtalentiert und für die Zukunft stehen ihr alle Türen offen. Bis sie auf das Homicidal Tendency Syndrome (HTS) positiv getestet wird, denn Davys DNA identifiziert als Mörderin.

Diese Dystopie spielt nur wenige Jahre in der Zukunft, was mir gleich von Vornherein sehr gut gefallen hat. DNA-Tests schleichen sich allmählich in unsere Lebensgestaltung ein. Mittlerweile werden ungeborene Kinder schon auf genetisch bedingte Erkrankungen getestet, um zu entscheiden, ob sie überhaupt leben dürfen. Den Genen wird häufig die Schuld an Fettleibigkeit, Suchterkrankungen oder einer schwachen Konstitution gegeben, da wundert es eigentlich nicht, dass man auch nach einem Mördergen sucht und in Davys Welt konnte dieses Mördergen identifiziert werden.

Die Folge ist, dass sich Menschen nach und nach diesem Test unterziehen müssen und wenn das Gen festgestellt wird, werden sie an den Rand der Gesellschaft geschoben. Zu groß ist die Angst, einem potentiellen Mörder gegenüberzustehen, zu gefährlich könnte es sein, mit solch einer Person gemeinsam zur Schule zu gehen, und zu bedrohlich könnte es wirken, wenn das eigene Kind positiv getestet wurde.

Davy entspricht dem typischen „America Girl“, diese perfekten Mädchen, denen einfach alles gelingt. Sie ist unheimlich begabt, schafft alles mit Leichtigkeit, ist die Freundin des Jungen, den einfach jede andere anschmachtet, hat ein gut betuchtes Elternhaus und wächst wohl behütet in ihrer Familie auf.

Mit einem Schlag ist es vorbei und Davy wird von der verwöhnten Prinzessin, die alle umschmeicheln, zur potentiellen Mörderin, an der man sich keinesfalls die Finger verbrennen will.

Anfangs mochte ich Davy in ihrer Perfektion einfach nicht, obwohl sie im Grunde einen gutmütigen Charakter hat. Vielleicht war es auch nur der Neid auf dieses makellose Mädchen, das einfach alles hat, was man sich wünschen kann. Doch als Davy aufgrund des Testergebnisses die Schuhe ausgezogen wurden, hat sie mir richtig leid getan und sie wurde mir daraufhin immer sympathischer.

Besonders gut hat mir die beunruhigende Grundstimmung in dieser Dystopie gefallen. Obwohl sie ohne nennenswerte Actionszenen auskommt, schafft die Autorin die gesellschaftliche Entwicklung so zu transportieren, dass man sie beim Lesen richtig spüren kann. Denn die Luft wird für HTS-Träger immer dünner, sie werden immer weiter aus der Gesellschaft gedrängt und kämpfen dagegen an, was sie erst recht zu Mördern macht.

Außerdem ist diese Dystopie sehr realistisch aufgebaut. Vor jedem Kapitel gibt es Dialoge, Zeitungsberichte, o.ä., die über die aktuellen Geschehnisse informieren und wonach man die Konsequenzen am Beispiel von Davy gemeinsam mit ihr erfahren kann.

Hinzu kommt dieser wunderbar flüssige Schreibstil der Autorin, den ich als „weich wie Butter“ bezeichne, weil ich so richtig in diesem Buch versunken bin.

Ich habe Sophie Jordans „Infernale“ als außergewöhnliche Dystopie empfunden, die vielleicht etwas ruhiger angelegt ist, dadurch aber noch mehr zum Nachdenken anregt und sich meiner Meinung nach durch die realistischen Elemente und beunruhigende Atmosphäre als infernalisches Highlight auszeichnet.

© NiWa


Zwetschgendatschikomplott: Ein Provinzkrimi (dtv premium)
Zwetschgendatschikomplott: Ein Provinzkrimi (dtv premium)
von Rita Falk
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

4.0 von 5 Sternen Rustikale Unterhaltungskost, 17. April 2016
Grad einmal das letzte Fiasko im Privatleben verkraftet, schon ist das kriminalistische Gespür von Kommissar Franz Eberhofer erneut gefragt. Denn dem Birkenberger Rudi wird ein abgetrennter Frauenfinger von einer Krähe zu Füßen gelegt und da muss natürlich der Eberhofer ran.

Im mittlerweile 6. Fall vom Eberhofer wird wieder gemeinsam ermittelt. Der Eberhofer und der Birkenberger gehen zusammen auf Frauenmörderjagd und bei diesem kriminalistischen Zweiergespann bleibt kaum ein Auge trocken. Der Birkenberger Rudi ist dauernd eingeschnappt, was den Eberhofer zur Weißglut bringt. Allerdings ruft er ihn wirklich nur an, wenn er etwas vom ehemaligen Polizeikollegen will. Und wollen tut er diesmal so einiges von ihm. Es ist immer auf’s Neue amüsant, wie sich diese beiden - einem alten Ehepaar ähnlich - gebärden und trotz Eberhofers eher ausnutzenden Gemüts diese „echte“ Männerfreundschaft Bestand haben kann.

Das Privatleben vom Franz Eberhofer kommt natürlich nicht zu kurz. In Niederkaltenkirchen ist der Teufel los, die Oma kriegt wieder ordentlich Rabatt und die Sache mit der Susi ist längst nicht gegessen.

Während man also mit dem Eberhofer in feinstem bayrischen Wirtshaus-Charme die Ermittlungstätigkeiten aufnimmt, kriegt man die bodenständige Sichtweise auf die Ereignisse im Dorf und die aktuellen Münchner Wiesn-Morde seinerseits präsentiert.

Ich mag es besonders gern, dass man vom Eberhofer persönlich den Fall mit allem Pipapo erzählt bekommt. Egal ob es nun die polizeilichen Ermittlungen, die Runden mit dem Ludwig - seines Zeichens der Hund am Hof - oder die Ereignisse im Dorf betrifft, der Eberhofer berichtet im schönsten Bayrisch, trocken, gleichzeitig vor Sarkasmus und Ironie triefend, und gibt damit auch diesem Band einen authentischen Grundton, der im nächstbesten ländlichen Dorfwirtshaus genauso erzählt werden kann.

Im Mittelpunkt stehen nach wie vor die Figuren, den Kriminalfall selbst habe ich eher als Randerscheinung wahrgenommen, wobei er eigentlich einiges hergegeben hätte. Leider ist er mir eine Spur zu sehr in den Hintergrund gerutscht, was aber dem Gesamteindruck meiner Meinung nach jetzt nicht sonderlich geschadet hat.

Die Besonderheit dieser Reihe ist eben nicht die kriminalistische Handlung, sondern die gute Portion an bayrischem Humor, der das Alltagsgebaren von Kommissar Franz Eberhofer prägt und damit beim Leser für Schmunzeln und zeitweise sogar für Lachtränen Sorge trägt.

Wem nach deftiger Unterhaltungskost in rustikaler Bayernart ist, findet in Rita Falks Provinzkrimi-Reihe die richtige Zwischenmahlzeit, denn - obwohl schon sein 6. Fall - habe ich vom Eberhofer noch immer nicht genug.

Die Franz-Eberhofer-Reihe:
1) Winterkartoffelknödel
2) Dampfnudelblues
3) Schweinskopf al dente
4) Grießnockerlaffäre
5) Sauerkrautkoma
6) Zwetschgendatschikomplott
7) Leberkäsjunkie

© NiWa


Sag nie ihren Namen
Sag nie ihren Namen
von James Dawson
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Bloody Mary, 16. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Sag nie ihren Namen (Taschenbuch)
Was macht man als Schüler in einem Internat in der Einöde an Halloween? Genau! Man ruft Bloody Mary im nächstbesten Spiegel an. Exakt das machen Bobbie und ihre beste Freundin Nayla um vor den anderen Jugendlichen nicht blöd dazustehen. Zugegeben, etwas mulmig ist ihnen dabei schon zumute, doch wer glaubt schon an Geister?

Als sich Bobbie überreden lässt, mit einer Kerze bewaffnet ihrem Spiegelbild „Bloody Mary“ entgegen zu hauchen, denkt sie nicht, dass an der Legende etwas Wahres dran ist. Immerhin kommt sie als Außenseiterin dann nicht ganz so schlecht bei den anderen weg und die Legende um die blutige Mary im Spiegel ist zwar gruselig, aber nicht real. Oder?

James Dawson packt die Sage um Bloody Mary an einen gruseligen Schauplatz. Ausgerechnet am Internat in der britischen Abgeschiedenheit wird Bloody Mary angerufen. Es ist ein altes Gebäude, mit Geheimgängen, antiken Möbeln und sogar Priesterlöcher soll es geben. Schon allein mit diesem Ambiente wird ein Hauch von Gruselstimmung erzeugt, die sich der Altersgruppe entsprechend durch die Geschichte zieht.

Im Grunde erzählt Dawson die Geschichte von Bloody Mary nach, gibt ihr einen lockeren, modernen Anstrich und versetzt sie mit bewährten Schock- und Horrorelementen, die meinem Geschmack nach zwar zu kurz kommen, aber sicherlich dem genreunerfahrenen Leser manchen Schauermoment bescheren. Ich muss gestehen, hier hatte ich mir schon etwas mehr davon versprochen, aber trotzdem denke ich, dass es gerade deswegen auch für jüngere Leser gut geeignet ist.

Die Charaktere der Geschichte sind sehr klischeehaft besetzt. Es ist ein reines Mädcheninternat und daher wird man mit den üblichen Schulcharakteren konfrontiert: die Clique, auch als Elite bekannt, die ruhige aber toughe Außenseiterin alias Protagonistin Bobbie, ihre beste Freundin, quirlig, lustig und der Kumpeltyp, und natürlich der Mädchenschwarm, der an den elitären Mädels eigentlich gar kein Interesse hat.

Obwohl man diese Besetzung schon kennt, wirkt sie nicht langweilig, weil sie mit den verschiedensten Bloody-Mary-Versionen so gut verwoben ist, dass daraus eine ganz eigene Variante entsteht, und ich die Figuren an sich nur als Mittel zum Zweck empfunden habe, um Mary hinterm Spiegel hervorzulocken.

Gruselstimmung ist auf jeden Fall vorhanden, es gibt etliche Gänsehaut-Szenen, die allerdings nur angekratzt werden und nicht allzu sehr in die Tiefe schneiden. Für das Ende hat sich der Autor meiner Meinung nach schon fast Applaus verdient, weil er es richtig gut und doch recht schaurig hingebogen hat.

Insgesamt hat mir die Aufarbeitung der Bloody-Mary-Legende in diesem Jugendroman sehr gut gefallen. Als etwas hartgesottenere Leserin im Grusel- und Horrorgenre war mir zwar von Vornherein bewusst, dass mir dieses Buch nicht das Fürchten lehren wird, trotzdem wurde ich positiv überrascht und hatte großen Lesespaß.

© NiWa


Teufelsgrinsen (Anna Kronberg 1)
Teufelsgrinsen (Anna Kronberg 1)
Wird angeboten von Audible GmbH

4.0 von 5 Sternen Mr. Holmes & Dr. Kronberg, 15. April 2016
Ende des 19. Jahrhunderts in London. Anna Kronberg gibt alles für ihre Berufung. Frauen sind an Universitäten nicht zugelassen, doch das bringt sie nicht von ihrem Herzenswunsch ab. Getarnt als Dr. Anton Kronberg ist sie letztendlich selbst als Arzt an der Universität tätig und niemand ahnt, dass sich hinter dem eher zierlichen, aber brillanten Doktor, in Wirklichkeit eine Frau verbirgt.

Es handelt sich um einen soliden, gut ausgearbeiteten historischen Kriminalroman, der durch interessante Aspekte besticht.

Das Setting von London im ausgehenden 19. Jahrhundert finde ich immer exzellent gewählt, denn gerade diese Zeit wartet mit einer faszinierenden - wenn auch düsteren - Atmosphäre auf. Die Wissenschaft schreitet der Moderne entgegen, neue Erkenntnisse fließen nicht nur in den Alltag sondern auch in polizeiliche Ermittlungen ein, aber wie es nunmal mit dem Fortschritt ist, zeigt er sich nicht nur von der positiven Seite. Während London kürzlich von Jack the Ripper heimgesucht wurde und Anatomen für ihre Leichen sogar Mörder um Hilfe baten, taucht in Anna Kronbergs Geschichte ein Cholera-Opfer im städtischen Wasserwerk auf, was aber nicht nur sie sondern auch Sherlock Holmes für äußerst eigenartig hält.

Die Krimihandlung an sich ist solide aufgebaut und entspricht der genretypischen Grundstruktur. Nach dem Leichenfund folgt die Ermittlungstätigkeit, die aufgrund des historisch gewählten Rahmens natürlich schwerer von der Hand geht als es heutzutage der Fall wäre. Auch hier hat es der Leser mit Ermittlungen auf eigene Faust zutun, die mich aber sofort gepackt haben, weil man gleich zu Beginn auf den berühmten Sherlock Holmes trifft. Ja, der große Sherlock Holmes persönlich nimmt sich des Cholera-Opfers an, analysiert und kombiniert mit seinem scharfen Verstand und Dr. Anton Kronbergs Tarnung schwebt dadurch in höchster Gefahr.

Dr. Anton Kronberg - ursprünglich von seinen Eltern Anna genannt - gilt als brillanter Wissenschafter in seinem Bereich und als führender Kopf auf seinem Gebiet. Dass sich hinter der männlich-intelligenten Fassade eigentlich eine Frau verbirgt, vermutet niemand - bis Dr. Anton Kronberg auf Sherlock Holmes trifft.

Besonders gut hat mir die Findigkeit der Autorin gefallen. Protagonistin Anna alias Anton berichtet nicht nur davon, wie sie die Illusion ihrer Identität aufrecht erhält, sondern auch, wie sie es überhaupt geschafft hat, Englands führender Bakteriologe zu werden. Man darf nicht vergessen, es passiert zu einer Zeit, in der Frauen an Universitäten nicht zugelassen und praktizierende Ärztinnen maximal in Indien zu finden waren.

Hier zeigt sich schon, dass Anna Kronberg Sherlock Holmes in Scharfsinn, Analyse und Kombinationsgabe um Nichts nachsteht, und daher gehen Holmes und Kronberg gemeinsam die Ermittlungsarbeit an.

Dieses Ermittlerduo ist von ganz besonderer Natur, denn nicht nur Anna Kronberg verbirgt ihr wahres Wesen in der Öffentlichkeit, sondern auch Sherlock Holmes lässt sich nicht gern durchschauen. Doch hier macht es ihm die intellektuell ebenbürtige Frau Dr. Kronberg schwer und man hat es als Leser mit einem höchst faszinierenden Gespann zutun.

„Teufelsgrinsen“ ist daher ein fesselnder historischer Krimi, auf Grundlage des berühmtesten Detektivs der Welt, gepaart mit einem ebenso scharfsinnigen Charakter eines Arztes, der in Wirklichkeit eine Ärztin ist.

Die Anna-Kronberg-Reihe:
1) Teufelsgrinsen
2) Tiefer Fall
3) Die lange Reise
4) Der Irische Löwe

© NiWa


Love Letters to the Dead: (deutsche Ausgabe)
Love Letters to the Dead: (deutsche Ausgabe)
von Ava Dellaira
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufwühlender Jugendroman, 9. April 2016
Es fängt mit einer banalen Hausaufgabe im Englischunterricht an. Es soll ein Brief an eine verstorbene Berühmtheit geschrieben werden. Laurel schreibt an Kurt Cobain und hängt weitere Briefe u.a. an Amy Winehouse, Janis Joplin und Judy Garland an. Denn nur den Toten kann Laurel erzählen, wie ihre Schwester May gestorben ist.

Laurel ist an einer neuen Schule, sucht neue Freunde und findet dabei auch die erste Liebe. Sie sieht es als Neustart, denn niemand in ihrer neuen Umgebung weiß, dass sie die Schwester des toten Mädchens ist.

Nur den Verstorbenen kann sie sich anvertrauen. Sie erzählt vom Unterricht, den ausgeflippten Freundinnen, dem coolen Jungen Sky und den Schmetterlingen im Bauch, vom Zauber der Jugend und dem Fluch des Erwachsenwerdens und sie erinnert sich an May, der sie ihren Tod nicht verzeihen kann.

Dazu schreibt sie u.a. Judy Garland, sie sich schon als Kind mit „Somewhere over the Rainbow“ in den Himmel sang, Amy Winehouse, die sich immer auf’s Neue auf der Bühne selbst erfand und an Kurt Cobain, der sich wahrscheinlich schon im Uterus seine Wut von der Seele schrie.

Denn Laurel empfindet diese Wut ebenso, hat den Drang sich selbst zu erfinden und möchte sich eigentlich nur in den Himmel singen, denn ihr geht es gar nicht gut. Die Trauer um die Schwester überwältigt sie, ihre Familie ist schon vor diesem Schicksalsschlag zerborsten und sie gibt sich selbst die Schuld daran.

Die Autorin gibt einen eindrucksvollen Einblick in eine gequälte jugendliche Seele. So gern hätte ich Laurel in den Arm genommen, auch im Bewusstsein, dass es nicht viel geholfen hätte, denn diese Wut, mit der wohl jeder in der Jugend umzugehen lernt, wird durch Mays Tod ins Unfassbare verstärkt. Laurel trauert nicht nur um ihre Schwester, sie trauert auch um ihre Familie, die zerbrochen ist, um ihre Kindheit, der sie brutal entrissen wurde, um ihre alten Freunde, denen sie nicht mehr unter die Augen treten will und um die Frau, die May eigentlich hätte werden sollen.

Es hat aufgrund des leichten Erzählstils wie ein lockerer Jugendroman begonnen, nahm aber von Seite zu Seite tragischere Züge an und hat mich Laurels jugendlicher Gefühlswelt auf sehr intensive Weise ausgesetzt.

Der Bezug zu den verstorbenen Persönlichkeiten hat mir sehr gut gefallen, weil sie der ganzen Geschichte eine besondere Note verleihen. Laurel geht in ihren Briefen immer wieder kurz auf das Leben dieser Menschen ein, was vielleicht nicht ganz glaubwürdig wirkt, aber wahrscheinlich manchen Leser weiterhilft. Die außergewöhnliche Briefform ermöglicht außerdem behutsam in Laurels Seele zu blicken, aber immer nur so weit, wie sie es gerade zulassen will.

Ava Dellaira hat mit „Love Letters to the Dead“ einen aufwühlenden Roman geschrieben, der auch den erwachsenen Leser noch einmal durch die emotionale Hölle der Jugend schickt, dabei stark bewegt und zum Nachdenken anregt.

© NiWa


Blut und Feuer: Die Überlebenden 3 - Roman
Blut und Feuer: Die Überlebenden 3 - Roman
von Alexandra Bracken
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Die Überlebenden - das Finale, 8. April 2016
Es handelt sich um den Abschlussband von Alexandra Brackens Überlebenden-Trilogie.

Seit Ruby eine mysteriöse Viruserkrankung überlebt hat, wird sie von der Regierung gejagt. Kinder und Jugendliche die an IAAN erkrankt sind, sind entweder gestorben oder haben tatsächlich überlebt, jedoch haben sie nicht nur mit den körperlichen Folgen zu kämpfen. Denn die Überlebenden haben Psi-Kräfte, vor denen sich nicht nur andere Menschen sondern auch sie selbst fürchten. Aber ist das die Rechtfertigung, für die Lager, in die die Jugendlichen wie Vieh gepfercht werden?

Daher stellt sich eine Gruppe entflohener Jugendlicher gegen die Regierung, sie kämpfen gegen dieses Unrecht an und gehen den Ursachen der Erkrankung auf den Grund.

In diesem Abschlussband muss sich Rubys Widerstands-Gruppe neu formieren, hat dabei aber Hilfe von außerhalb und schwebt dabei in allerhöchster Gefahr.

Diese Widerstandsbewegung um Ruby agiert wie eine Terrorzelle, die sich gegen die Regierung auflehnt. Denn allesamt sind sie der fragwürdigen Rehabilitation der Lager entgangen, die durch unwürdige Behandlung und schmerzhafte Folter keine Aussicht auf Erfolg verspricht.

Alexandra Brackens Lager für Psi-Jugendliche lassen mich an die Konzentrationslager des 2. Weltkriegs denken. Auch in Brackens Dystopie ist es das Andere, das in Lagern weggeschlossen, erniedrigt und zur Nummer degradiert wird. Jedoch umgeht sie geschickt den historischen Beigeschmack und schafft mit vielen Kampf- und Actionszenen eine spannungsgeladene Geschichte mit jugendlichen Protagonisten, die nebenher auch zum Nachdenken einlädt.

Denn die Angst der Erwachsenen vor den Psi-Jugendlichen ist einerseits berechtigt, weil sie in ihrem Umfeld erheblichen Schaden anrichten können, und auch Ruby mit den Folgen ihrer Kräfte zu kämpfen hat. Andererseits liegt es auf der Hand, dass diese offensichtliche Gefahr keinesfalls zu dieser menschenunwürdigen Behandlung berechtigt, womit die Autorin im Grunde ein sehr aktuelles Thema aufgreift.

Mit Brackens Erzählstil habe ich mir stellenweise etwas schwer getan. Wie auch in den vorherigen Bänden, schlägt sie einen Zickzack-Kurs ein. Langweilige Passagen wechseln sich mit packenden Abschnitten ab und so war es für mich beim Lesen ein Hin- und Her aus mitreissender Sogwirkung und langweiligem Plätschern, was doch für ein widersprüchliches Lesevergnügen sorgt.

Die Charaktere haben es in diesem Abschlussband auch nicht leicht. Ruby machte eine Entwicklung durch, die mir zwar nicht gefallen hat, trotzdem interessant zu lesen war und gut in die Ereignisse eingebettet ist. Mein liebster Charakter war auch hier wieder Chubs - ein außergewöhnlicher junger Mann, der sich eines höflichen Umgangstons gespickt mit wunderbaren Sarkasmus erfreut.

Besonders gut am Handlungsverlauf finde ich, dass man eigentlich nie wusste, wohin die Reise geht. Zwar gibt es Andeutungen und Vermutungen, dennoch schafft es Bracken ein Gesamtbild aus Innen- , Außenpolitik und Bevölkerung zu kreieren, dass man erst am Ende der Geschichte erfassen kann.

Manch zäher Stellen ungeachtet, konnte mich Alexandra Bracken mit ihrem Abschlussband der Überlebenden-Trilogie überzeugen. Starke Actionszenen, komplexe Hintergründe und interessante Charaktere runden dieses Finale zu einem lesenswerten letzten Band ab, der die Trilogie in ein bemerkenswertes Ende führt, das mir gut gefallen hat.

Die Trilogie:
1) Die Überlebenden
2) Die Überlebenden 2. Furchtlose Liebe
3) Die Überlebenden 3. Blut und Feuer

© NiWa


Helenas Geheimnis: Roman
Helenas Geheimnis: Roman
von Lucinda Riley
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Patchwork-Family-Urlaubs-Geplänkel, 3. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Helenas Geheimnis: Roman (Taschenbuch)
Helena richtet sich in Zypern im Haus ihres verstorbenen Patenonkels ein. Seit ihrer Jugend ist sie nicht mehr hier gewissen und trotz der Vorfreude darauf, mit ihrer Familie einen traumhaften Zypernurlaub zu verbringen, wird ihr unbehaglich, wenn sie an ihr großes Geheimnis denkt.

Der Anfang der Geschichte hat mich richtig begeistert. Helena reist mit Sohn Alex und Töchterchen Immy in das alte Haus auf Zypern, um es für die restlichen Urlauber vorzubereiten. In den nächsten Tagen erwartet sie ihre Familie und Freunde, und dabei lässt sie sich auf die eine oder andere Erinnerung - wie zum Beispiel an ihre Jugendliebe Alexis - aus längst vergangenen Tagen ein.

Nach und nach trudeln die Gäste ein, die mir allesamt als starke Charaktere aufgefallen sind. Trotzdem konnte mich die Handlung überhaupt nicht packen und die Geschichte hat mir gleich gar nicht gefallen.

Seitenweise hat man es mit Urlaubsgeplänkel im Patchwork-Family-Stil zutun. Es gibt Eifersüchteleien, unüberstehbare Ehekrisen, alte und neue Geliebte, Stief- und Adoptivkinder, die sich nach Auskunft über ihre Herkunft sehnen, und es wird viel griechisches Essen und Salat zubereitet, mit den Kindern an den Strand gegangen und am Abend bei einem Glas Wein der Urlaubsfrust runtergespült.

Über all dem hängt Helenas Geheimnis, das mich lange darauf hoffen gelassen hat, dass die Autorin doch noch die Kurve kriegt und der Handlung endlich Schwung und Spannung gibt.
Aber Helenas Geheimnis - so dramatisch es auch eingewickelt ist - entpuppt sich als ein unglaubwürdiges und unnachvollziehbares Ereignis in Helenas Vergangenheit, was ich mir beim besten Willen nicht in dieser Form als lebensüberschattendes Geheimnis andrehen lassen kann. Denn einerseits kann ich es nicht verstehen, wie so etwas überhaupt passiert, und andrerseits ist es mir einfach zu blöd, zu glauben, dass man sich auf diese Weise ernsthaft auf eine Ehe einlassen kann.

Am Ende wartet die Autorin noch einmal mit reichlich Dramatik auf, die ich leider nur als hilflosen Versöhnungsversuch mit dem Leser deuten kann, um ihn zu guter Letzt doch noch wohlgesonnen zurückzulassen. Diese Dramatik hat zumindest mir den Rest gegeben, im letzten Abschnitt meine Enttäuschung weiter verstärkt und mich jeder Illusion von Lesevergnügen beraubt.

Eine Botschaft, die ich herausgelesen habe, konnte mich trotz meiner Enttäuschung doch ansatzweise erreichen und lies zumindest am Rande dieses eigene "Riley-Feeling" zu. Die Autorin zeigt, dass jede Generation seine Fehler selbst machen muss. Damit schafft sie nicht nur den perfekten Rahmen für die ausgelassene Jugend, die ohnehin nie auf die Alten hören will, sondern zeigt auch, dass diese Alten ebenfalls einmal jung waren und seither vielleicht das eine oder andere Geheimnis aus der Jugend die Gegenwart überschattet kann.

Es ist mir schwer gefallen, dieses Buch zu bewerten, weil ich die Autorin sehr gern mag. Ich liebe es, in ihre Familiengeschichten zu versinken und dabei generationenübergreifende Geheimnisse zu enthüllen. Allerdings ist dieser Roman meiner Ansicht nach eher für eiserne Fans der Autorin oder maximal als leichte Urlaubslektüre für den Strandurlaub geeignet und reicht beim besten Willen nicht an vorherige Bücher ran.

© NiWa


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