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Jan-niklas Bersenkowitsch "buecherwiese2"
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Hellboy Vol. 3: The Chained Coffin and Others
Hellboy Vol. 3: The Chained Coffin and Others
von Mike Mignola
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,50

4.0 von 5 Sternen Die ersten Schritte Richtung wahrer Größe..., 26. Juli 2013
...können wir in diesem ersten Band gefüllt mit kürzeren Episoden aus Hellboys Alltag mitverfolgen. Als erstes muss man festhalten, dass keine von ihnen schlecht ist (und nie hat auch nur eine schlechte Hellboyepisode existiert. Eine erstaunliche Leistung bei einen Schaffensphase von 20 Jahren), nur "mittelmässig" und "unausgereift" wie man an den längeren Episoden "Almost Colossus" und "The Wolves of St. August" sehen kann. Man wird durchaus noch einigermaßen gut unterhalten und viele Episoden (zum Beispiel die gute und atmosphärische Titelgeschichte "Sarg in Ketten") sind auch wichtig für den späteren Metaplot, doch befindet sich Autor und Zeichner Mike Mignola immer noch am Anfang seiner Autorenkarriere und ist noch nicht ganz in der Lage sein volles Potenzial als Autor auszuschöpfen (auch wenn "Almost Colossus" nur kurz nach der großartigen Miniserie "Wake the Devil" erschien).

Doch blitzt schon hier ein erster Funken zukünftiger Brillanz auf und zwar in Form der längeren Geschichte "The Corpse" (dem noch die kürzere Episode "The Iron Shoes" angehängt wurde) auf, die später auch wieder für den großen Metaplot bedeutsam werden sollten. In "The Corpse" macht Hellboy sich in den 50ern daran ein entführtes Baby aus den Klauen der irischen Feen zu entreißen, die ihn einen Handel vorschlagen: Er vergräbt den Leichnam eines alten Sünders auf einem christlichen Friedhof und erhält dafür im Gegenzug das entführte Baby. Hellboy geht auf den Handel ein und erlebt eine der abenteuerlichsten Nächte seines noch jungen Lebens, in der ihn vor allem Gestalten aus den irischen Sagen das Leben schwer machen werden, während sich der Leser königlich amüsiert.

"The Corpse" wirkt als eine erste Hellboygeschichte wirklich ausgereift, paart sich hier doch Mignolas Gespür für das Komische mit seinem scheinbar unermesslichen Wissen über Folklore, mit Hellboy als sympathischen Kommentar dieser absurden Episode. Vielleicht hat es auch geholfen, dass Mignola die Geschichte bei ihrem ersten Erscheinen in Stücken von je zwei Seiten (und auf allen musste immer etwas Neues passieren) herausbrachte, auf jeden Fall wird der Leichnam zu keinster Zeit langweilig. Immer gibt es eine neue, bizarre Begebenheit zu betrachten, immer weiß Hellboy zur richtigen Zeit das Geschehen um ihn herum zu kommentieren und immer zeigt uns Mister Mignola zeichnerisch, dass er zu dieser Zeit schon ein Meister seines Fachs war und in der Lage ist Monster und Geister wie kein anderer zu zeichnen (mit seinem Kollegen Guy Davis an zweiter Stelle).

Kurz gesagt, "The Corpse" macht einfach Spaß und alleine schon wegen ihm lohnt es sich "Chained Coffin" zu erwerben, mit den anderen Geschichten als nette, atmosphärische Zusätze ("Sarg in Ketten" ist tatsächlich sogar sehr gruselig), selbst ohne den Vorwand sie zu lesen müssen, um Teile späterer Hellboygeschichten verstehen zu können (darunter auch wie Roger der Homunkulus zur B.R.P.D. stieß). Am Ende ist "Chained Coffin" trotz der schwächeren zweiten Hälfte ein "guter" Band, der sich seine vier Sterne zurecht verdient hat.


Hellboy 4: Sarg in Ketten
Hellboy 4: Sarg in Ketten
von Mike Mignola
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die ersten Schritte Richtung wahrer Größe..., 26. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Hellboy 4: Sarg in Ketten (Gebundene Ausgabe)
...können wir in diesem ersten Band gefüllt mit kürzeren Episoden aus Hellboys Alltag mitverfolgen. Als erstes muss man festhalten, dass keine von ihnen schlecht ist (und nie hat auch nur eine schlechte Hellboyepisode existiert. Eine erstaunliche Leistung bei einen Schaffensphase von 20 Jahren), nur "mittelmässig" und "unausgereift" wie man an den längeren Episoden "Fast ein Gigant" und "Die Wölfe von St. August" sehen kann. Man wird durchaus noch einigermaßen gut unterhalten und viele Episoden (zum Beispiel die gute und atmosphärische Titelgeschichte "Sarg in Ketten") sind auch wichtig für den späteren Metaplot, doch befindet sich Autor und Zeichner Mike Mignola immer noch am Anfang seiner Autorenkarriere und ist noch nicht ganz in der Lage sein volles Potenzial als Autor auszuschöpfen (auch wenn "Fast ein Gigant" nur kurz nach der großartigen Miniserie "Der Teufel erwacht" erschien).

Doch blitzt schon hier ein erster Funken zukünftiger Brillanz auf und zwar in Form der längeren Geschichte "Der Leichnam" (dem noch die kürzere Episode "Die Eisenschuhe" angehängt wurde) auf, die später auch wieder für den großen Metaplot bedeutsam werden sollten. In "Der Leichnam" macht Hellboy sich in den 50ern daran ein entführtes Baby aus den Klauen der irischen Feen zu entreißen, die ihn einen Handel vorschlagen: Er vergräbt den Leichnam eines alten Sünders auf einem christlichen Friedhof und erhält dafür im Gegenzug das entführte Baby. Hellboy geht auf den Handel ein und erlebt eine der abenteuerlichsten Nächte seines noch jungen Lebens, in der ihn vor allem Gestalten aus den irischen Sagen das Leben schwer machen werden, während sich der Leser königlich amüsiert.

"Der Leichnam" wirkt als eine erste Hellboygeschichte wirklich ausgereift, paart sich hier doch Mignolas Gespür für das Komische mit seinem scheinbar unermesslichen Wissen über Folklore, mit Hellboy als sympathischen Kommentar dieser absurden Episode. Vielleicht hat es auch geholfen, dass Mignola die Geschichte bei ihrem ersten Erscheinen in Stücken von je zwei Seiten (und auf allen musste immer etwas Neues passieren) herausbrachte, auf jeden Fall wird der Leichnam zu keinster Zeit langweilig. Immer gibt es eine neue, bizarre Begebenheit zu betrachten, immer weiß Hellboy zur richtigen Zeit das Geschehen um ihn herum zu kommentieren und immer zeigt uns Mister Mignola zeichnerisch, dass er zu dieser Zeit schon ein Meister seines Fachs war und in der Lage ist Monster und Geister wie kein anderer zu zeichnen (mit seinem Kollegen Guy Davis an zweiter Stelle).

Kurz gesagt, "Der Leichnam" macht einfach Spaß und alleine schon wegen ihm lohnt es sich "Sarg in Ketten" zu erwerben, mit den anderen Geschichten als nette, atmosphärische Zusätze ("Sarg in Ketten" ist tatsächlich sogar sehr gruselig), selbst ohne den Vorwand sie zu lesen müssen, um Teile späterer Hellboygeschichten verstehen zu können (darunter auch wie Roger der Homunkulus zur B.U.A.P. stieß). Am Ende ist "Sarg in Ketten" trotz der schwächeren zweiten Hälfte ein "guter" Band, der sich seine vier Sterne zurecht verdient hat.


Hellboy Volume 11: The Bride of Hell and Others (Hellboy (Dark Horse Paperback))
Hellboy Volume 11: The Bride of Hell and Others (Hellboy (Dark Horse Paperback))
von Mike Mignola
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,50

5.0 von 5 Sternen Höllenbräute und mexikanische Wrestler, 25. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eines vorneweg: Alle Geschichten in diesem Band sind "gut", das heißt im Grunde vier Sterne Material. Mike Mignola versteht es erneut zwischen gruseligen Szenen, Action und abstrusen Humor zu wechseln, mit einer Leichtigkeit die einen neidisch machen könnte, wenn Hellboy nicht so unglaublich sympathisch wäre. Doch stehen drei der Geschichten besonders hervor die dafür sorgen, dass der Band seine finale Wertung am Ende dieser Rezension erhält.

Diese Geschichten wurden alle von Richard Corben gezeichnet, dessen erdiger Stil Hellboy ein einzigartiges Aussehen verleiht und der es durchaus auch versteht etwas gruselig aussehen zu lassen, wie es ihm auch gelingt die komischen Aspekte der Geschichten zu betonen. Und was für Geschichten es sind.

Während "The Bride of Hell" eine interessante Geschichte über Rache und ihre Konsequenzen ist, in der Mignola die Grauzonen seines inzwischen sehr verschlungenen Universums aufzeigt und zu begeistern weiß, ist "Double Feature of Evil" eine humorvolle und gleichzeitig auch unheimliche Geschichte über ein verfluchtes Haus, in der man zufällig noch eine kleine Episode über ein verfluchtes Museum hinzugefügt hat.

Das was jedoch wirklich heraussticht ist die erste Geschichte "Hellboy in Mexico", in der Hellboy in einer Rückblende sich an eine kurze Episode mit drei Luchadore-Wrestlern in den 50ern erinnert und wie dies schlussendlich ausging. "Hellboy in Mexico" vereint alle Elemente, die eine Hellboygeschichte gut macht, den hier werden absurde Elemente (die Luchadores und das Finale) mit Mythologie (diesmal die mexikanische)zu einem großen, homogenen Ganzen vermischt und ergibt am Ende ein unterhaltsames Garn, welches sich mit den besten der Hellboygeschichten messen kann und wirklich aus dem ganzen Band hervorsticht (und sogar den Nachfolger "House of the living Dead" hinter sich lässt, der erneut in Mexico spielt) und auch bei der Entscheidung geholfen hat, wie viel Sterne er am Ende erhalten hat.

Fünf Sterne für eine unterhaltsame Episodensammlung, die zu Gänze zu begeistern weiß.


Antityp
Antityp
von Ralf König
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

5.0 von 5 Sternen Wie jemand auszog um das Christentum zu etablieren, 24. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Antityp (Gebundene Ausgabe)
Paulus. Wer ist eigentlich Paulus?

Diese Frage zu beantworten schickt sich Autor und Zeichner Ralf König im dritten Teil seiner Religionstrilogie "Antityp" am ausführlich zu beantworten. Paulus, das ist der ehemalige jüdische General Saulus, der sich zu Beginn der Geschichte auf der Jagd nach Jesus und seinen Anhängern befindet, mit dem Anliegen diese "ungläubigen Häretiker" zur Strecke zu bringen. Doch dann fällt er vom Pferd und in einer Vision kommt sein wahrer Charakter zum Vorschein: selbst ein sich selbst hassender, masochistisch veranlagter, humorloser Mann, fürchtet sich Paulus vor dem Tod und das was ihn im Leben danach erwartet. Doch was wäre, wenn er seinem Leben einen neuen Sinn geben und das Wort Gottes unter den dummen Heiden verbreiten würde, fragt ihn die Schlange Luzifer? Vielleicht könnte er sich damit ja das Leben nach dem Tode sichern und am Ende seinen Namen neben denen des Messias und seiner Apostel verewigen? Davon motiviert ernennt sich Paulus selbst zum dreizehnten Apostel und beginnt seine Reise durch die bekannte Welt.

Für ihn ein langer Leidensweg, für den Leser ein Grund sich ausgiebig auf Kosten dieser kleinen Witzfigur zu amüsieren.

"Antityp" dürfte von allen Teilen der Religionstrilogie der Provokanteste sein. Denn abgesehen von den angeblichen Wundern, ist der heilige Paulus eine reale Persönlichkeit, die den Grundstein für die größte Religion der Welt legte und dann entpuppt er sich in Königs Version nicht als der große und charismatische Prophet, sondern als rhetorisch unbegabten Giftzwerg, mit einem cholerischen Temperament, den man sich nie zu sich nachhause einladen würde. Doch kommt diese Interpretation nicht von ungefähr, stützt König sich doch auf die von ihnen verfassten Dokumente selbst (die auch fleißig zitiert werden) und darauf, was "seine" Religion später predigen sollte. Mehr noch als in den Vorgängerbänden stellt König Parallelen zur heutigen Welt dar, wenn er das damals "moderne" und nicht gerade von wenigen klugen Männern (die Philosophen natürlich) bewohnte Griechenland, gegen die wirren Reden der Hauptfigur antreten lässt und diese ihn, durchaus nicht zu Unrecht, verlachen. Darin erkennt man durchaus eine gewisse Parallele zu unserer heutigen Zeit, in der man Leuten wie Paulus wenig Aufmerksamkeit schenkt, da ihre Thesen für das geschulte Ohr doch zu unsinnig klingen.

Doch irgendwann müssen genügend Leute dem Paulus zugehört haben, so König und am Ende war es dann doch eine so lebensfeindliche Religion wie die seine (die sie durchaus auch im Konflikt mit dem jüdischen Original steht, wie die recht heftigen Diskussionen mit den elf originalen, noch lebenden Aposteln zeigen), die sich durchsetzte und mehr Leid brachte, als sie eigentlich vermied. Das Detail, dass die katholische Kirche sich erst durch die Unterstützung des römischen Kaisers Konstantin und seiner gewaltigen Staatsmacht wirklich zu dem entwickeln konnte was sie später war und heute ist, wurde entweder von König vergessen oder nicht berücksichtigt, doch die kritische Botschaft ist eindeutig zu erkennen. Doch obwohl dieser Band das wohl finsterste Ende von allen aufweist, gibt es da doch einen kleinen Hoffnungsschimmer, der ganz am Ende des Bandes aufleuchtet und erneut auf eine lebensfreundliche und akzeptierende Welt zu hoffen wagt und so dem Band doch noch eine versöhnliche Note verleiht.

Abseits solch schwer verdaulicher Kost, hat der Band noch mehr an Humor zugelegt und ist noch einmal bei weitem etwas feinsinniger geraten. Neben den üblichen Witzen über Paulus unangenehme Person, gibt es hier und da einige nette Gags, die Kennern der heiligen Schrift durchaus zusagen werden (Stichwort: Petrus und der Hahn) und die Dialoge sind weiterhin so bissig wie man es von König gewohnt ist. Dazwischen noch einige Witze die sich wohl besonders an die schwule Leserschaft Königs richten (man kommt wohl einfach nicht aus seiner Haut raus) und fertig ist der krönende Abschluss einer der klügsten und witzigsten Comic-Trilogien aus deutschen Landen, die es durchaus über die Staatsgrenzen hinaus verdient hätte gelesen zu werden, damit alle Leser lachen und mit Herrn König auf eine bessere Welt hoffen können, zu der wir immer und jederzeit vielleicht in der Lage sein dürften.

5 Sterne.


Warren Ellis' Crecy
Warren Ellis' Crecy
von Warren Ellis
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,10

4.0 von 5 Sternen Eine Schlacht, die einiges änderte..., 24. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Warren Ellis' Crecy (Taschenbuch)
...als solche wird die Schlacht bei Crecy in Erinnerung bleiben. Doch woran liegt das und wie kam es überhaupt zu dieser legendären Konfrontation zwischen Engländern und Franzosen? Davon wird aus Sicht des Engländers William of Stonham erzählt, der fleißig die vierte Wand durchbricht und dem Leser an dieser blutigen Episode der europäischen Geschichte teilhaben lässt.

"Crecy" ist ein "lehrreicher" Historiencomicm der durch die Person des William of Stonham dem Leser nähergebracht wird und sich vor allem an einer Freude grausiger Details und viel Gefluche auszeichnet. Das bedeutet nicht, dass der von Warren Ellis geschriebene dadurch schlecht wird,im Gegenteil die grobe Aussprache der Hauptfigur nähren sogar den Realitätsgehalt des Comics ( denn unsere lieben Vorfahren haben bei weitem nicht viel von gepflegter Aussprache gehalten), genau wie die Details (wie zum Beispiel ein Pfeil im Anus einer Figur) dazu beitragen, diesen noch einmal zu verdeutlichen sollen. Es bedeutet nur, dass Freunde des derben Humors hier voll und ganz auf ihre Kosten kommen werden, da Warren Ellis uns nur zu gerne die absurden Details der damaligen Zeit offenlegt, während der etwas saloppe Ton der Geschichte, den grausigen Realismus, den man hier erkennen kann erträglicher macht (allerdings auch nicht großartig viel).

"Crecy" ist ein interessantes Experiment, den man hat beim lesen durchaus Spaß, während man nebenbei noch etwas über die Lebensumstände damals lernt. Es zeigt uns wie es damals zugange ging (auch wenn Freunde des Mittelalters immer mal wieder beweisen wollen dass es "sooo schlimm nun auch nicht war"), lehrt uns über die Funktion des berühmten, britischen Langbogens und der Entstehung einer ersten, modernen Armee, die nicht Teil einer priviligierten Kriegerkaste waren (denn seien wir ehrlich, mehr waren die Herren Ritter damals nicht) und nebenbei gibt es viel zu lachen, wenn man sich für den derben Humor von Mister Ellis begeistern kann.

4 Sterne für ein nettes, gelungenes Experiment.


Archetyp
Archetyp
von Ralf König
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

5.0 von 5 Sternen Wer einen Schauer verlangt, kriegt die Sintflut, 23. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Archetyp (Gebundene Ausgabe)
Noah will den Weltuntergang, denn um ihn herum herrscht nur Sünde und Verkommenheit (dass die Leute einfach nur ein gesundes Verhältnis zur Sexualität und zum Leben allgemein haben kann oder will er sich nicht eingestehen. Nicht solange er nicht dran teilhaben kann). Alle sind sie verderbt außer ihn, der kleine hässliche Kerl mit der Kartoffelnase, der fromm bis zum geht nicht mehr ist und die Krone der Schöpfung darstellt. Und so nervt er den Schöpfer aller Dinge im regelmäßigen Abstand mit seinem Anliegen, dass dieser keine andere Möglichkeit sieht als die Schlange aller Schlangen, Luzifer, um Hilfe zu bitten. Und der weiß auch schon Rat und spinnt einen listigen Plan um dem fanatischen Moralapostel die Lektion seines Lebens zu erteilen.

"Archetyp" ist der zweite Teil der Religionstrilogie von Ralf König und damit die Fortsetzung von "Prototyp" und im direkten Vergleich zu diesem noch einmal eine deutliche Steigerung. Anstatt einer Ansammlung loser Episoden, haben wir es hier mit einer durchgängigen Handlung zu tun und auch die religionskritischen Ansätze sind in dieser kleinen Geschichte mit leicht erhobenen moralischen Zeigefinger zielsicherer und bissiger. Dies liegt vor allem daran, weil König in dieser Geschichte von Gott selbst, der als unerreichbare und maulfaue höhere Instanz ja auch im echten Leben sich eher durch Abwesenheit auszeichnet, ablässt und sich stattdessen auf die Menschen stürzt, die glauben Gottes Wille am besten auslegen zu können und ja eh alles besser wissen (wie Noah auch in den Gesprächen mit Gott immer mal wieder durchblicken lässt).

Es wird also nicht die Idee hinter der Religion angegriffen, sondern die nur zu menschlichen sterblichen Moralapostel, deren Fanatismus oft zu mehr Schaden führt, als sie eigentlich vermeidet und statt der von ihnen angestrebten "besseren" Welt stattdessen einen leereren und vor allem weniger schönen Anblick zurücklässt, als vielleicht sogar von ihnen in ihren verblendeten Hass auf alles was anders ist beabsichtigt war. Es wird also nicht die Religion an sich, sondern ihre allzu strikte und verbohrte Auslegung kritisiert, eine Kritik die man durchaus auch auf andere, nicht weniger verbohrte Ideologien ausbreiten könnte, da sich solche Dinge leider allzu oft in ihrem Aufbau doch zu sehr ähneln.

König plädiert also für eine Gesellschaft der Akzeptanz und der freien Entfaltung und das auf wunderbar lustige Art und Weise, dass man den intellektuellen Wert der Geschichte zwar schätzen kann, es aber nicht muss um "Archetyp" zu Gänze genießen zu können. Neben der offensichtlichen Witze wie zum Beispiel von "jeder Art ein Paar" auf die Arche zu packen, amüsiert König durch den von ihn gewohnten Wortwitz und zu Papier gebrachte Stellen aus der Bibel, denen ja schon in ihrer ursprünglichen Form gewisse bizarre Faktoren nicht abzusprechen sind. Der eigentliche Star der Geschichte ist jedoch Noah selbst, über den man sich nur zu gerne amüsiert, vor allem wenn sich im Laufe der Geschichte immer mehr sein schäbiger und heuchlerischer Charakter abzeichnet (sagen wir es so: für einen frommen, arbeitsamen Gläubigen, legt er kaum Enthusiasmus in den Teil mit der Arbeit rein) und von König zu einer Figur mit Kultfaktor gestaltet wird, die schon stark Züge aus den frankobelgischen "Funnies" annimmt.

Am Ende ist "Archetyp" ein sehr guter, witziger und geistreicher Comic geworden, der auch nach mehrmaligem Lesen weder an Geist noch Biss einbüßt und mit zum besten gehört was König je geschaffen hat. Ein sehr unterhaltsames Stück neunte Kunst, welches sich seine 5 Sterne verdient hat und nur vom letzten Teil der Trilogie, "Antityp", übertroffen wird, in dem sich König einer weiteren berühmten Person aus der Bibel zuwenden wird, die jedoch mehr bewirkt hat, als Noah in diesem Comic geschafft hat (zum Glück, möchte man sagen).

Man darf auf jeden Fall gespannt sein und amüsiert sich bis dahin fröhlich mit "Archetyp" weiter.


Hellboy Volume 12: The Storm and the Fury (Hellboy (Dark Horse Paperback))
Hellboy Volume 12: The Storm and the Fury (Hellboy (Dark Horse Paperback))
von Mike Mignola
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,50

5.0 von 5 Sternen Der Sturm fegt über das Land, 23. Juli 2013
Nimue, die Königin des Blutes hat ihre Armee um sich versammelt und trifft ihre letzten Vorbereitungen, um die Welt der Menschen mit Krieg und Verderben zu überziehen. Der einzige der sie noch aufhalten kann ist Hellboy, Träger von Excalibur und damit der wahre König von England. Die Zeichen stehen auf Weltuntergang und ein Sturm kündet sich an. Ein Sturm der alles hinwegfegen wird, wenn der Streiter der Menschen nicht rechtzeitig seine wahnsinnige Gegnerin erreichen und ihr schreckliches Treiben verhindern kann.

Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit und die Mächte der Zerstörung zerren schon mit freudiger Erwartung an den Ketten, die sie noch im Schach halten...

Es gibt viele Worte, die dem Rezensenten durch den Kopf geistern, wenn er "The Storm and the Fury" beschreiben möchte: episch, den Geist hinwegfegend, ein Meisterwerk oder ganz vulgär "geiler Scheiß".

Doch wie kann man solch starke Worte, die mit nicht minder starken Gefühlen einhergehen, in konkrete Sätze zusammenfassen und den Leser von der Qualität des vorliegenden Bandes überzeugen?

Kann man nicht.

Die Größe des Bandes zu erfassen bedeutet ihn auch zu lesen und sich auf die Erfahrung die er bietet einzulassen. Doch dazu sollte man auch die Vorgängerbände gelesen haben. Denn wenn diese Geschichte eines nicht ist, dann einsteigerfreundlich. "The Storm and the Fury" kann nur von Leuten gelesen werden, die Hellboy schon mehrere Jahre verfolgen oder zumindest alles was davor kam gelesen haben, denn "The Storm and the Fury" ist das Ende einer langen persönlichen Reise, in der Hellboy gefallen ist und sich wieder aus seiner eigenen Asche erhoben hat, um die Welt zu retten und zwar auf seine eigene Art und nicht wie andere es vorsehen (was ungefähr der Punkt seiner ganzer Lebens- und Leidensgeschichte ist). Es ist das epische Ende, welches man seit dem Ende des Bandes "Strange Places" herbeigesehnt hat und noch viel mehr, eine bildgewaltige Schlacht zwischen gut und böse, wie man sie sich oft erwünscht, aber selten präsentiert bekommt, entweder aus Zeitmangel oder weil die Fähigkeiten des Autors nicht ausreichen, um es in seiner Gänze angemessen zu Papier zu bringen.

Mike Mignola ist ein Autor, der das Talent und das Können beweist, der Geschichte ihren würdigen Abschluss zu verleihen und der sich im Laufe der Jahre immer mehr zum besseren entwickelt hat. Denn "The Storm and the Fury" ist am Ende auch das, ein Zeugnis davon wie sich im Laufe der Jahre die Qualität einer lange laufenden Serie zum besseren hin steigern und wie sich langfristige Planung und sich für eine Sache Zeit zu nehmen positiv auf ihren Verlauf Einfluss nehmen können. "The Storm and the Fury" steht als ein strahlendes Beispiel für sehr gute, vielleicht auch tiefe (wenn man Hellboy diese Art von Tiefe zugestehen möchte) Unterhaltung, auf deren Vollendung man zwar warten musste, sich das Warten am Ende jedoch gelohnt hat.

Kurz gesagt: Man bekommt inhaltlich worauf man gehofft und gewartet hat und noch viel mehr und Fans der Serie werden hiernach begeistert und emotional vielleicht sogar ein wenig zerrüttet sein ( mir ging es am Ende zumindest so) und am Ende wird man "The Storm and the Fury" beiseite legen, im Wissen etwas wirklich Großartiges gelesen zu haben.

Wie sieht es zeichnerisch aus? Weiterhin großartig, um es kurz zu sagen. Duncan Fegredo beweist hier zum letzten Mal (nach "The Storm and the Fury" zeichnet Mignola endlich wieder die Abenteuer seines gehörnten Helden) dass er die richtige Wahl für diese epische Trilogie/Tetralogie war und legt noch einmal richtig los. Es kracht und schmettert, Hellboy flucht weiterhin wie ein Seemann und Fegredo bringt das alles mit einem Elan zu Papier, das man sich am Ende fast wünscht, dass er die Hauptserie doch bitte weiterhin zeichnen möge, vor allem da er seinen Stil so sehr dem Mignolas angepasst hat, dass er ihn im vielen Punkten fast sogar besser wirkt als das Original, auf Grund der größeren Detailfreude seiner Zeichnungen. Doch alles hat mal ein Ende, wie auch im Comic selbst niemand müde ist zu betonen, und so tobt er sich noch einmal erfolgreich aus und am Ende hat man einen der schönsten (was angesichts der in ihm vorkommenden Ereignisse doch schon ironisch zu schreiben wirkt) Comics aller Zeiten und damit auch die perfekte Ergänzung zum meisterhaften Garn, welches Mignola hier nun endlich zu einem mehr als nur würdigen Ende gesponnen hat.

Mit "The Storm and the Fury" endet der zweite große Abschnitt in Hellboys Leben, womit nun geschätzt zwei Drittel der Serie nun endlich abgeschlossen sein dürfte. Doch gilt es noch einige Fäden und Angelegenheiten zu regeln, bevor Hellboy endlich seinen Frieden finden kann und der Leser wird ihn weiterhin auf dieser Reise begleiten. Wohin sie nach "Der Sturm" führen wird?

Das sei hier noch nicht verraten. Es sei jedoch gesagt, dass der große Rote noch einige Familienangelegenheiten zu regeln hat und er diesen betreffend sich in sehr tief gelegene Gefilde begeben wird.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 23, 2013 12:48 AM MEST


Hellboy 12: Der Sturm
Hellboy 12: Der Sturm
von Mike Mignola
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Sturm fegt über das Land, 23. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Hellboy 12: Der Sturm (Gebundene Ausgabe)
Nimue, die Königin des Blutes hat ihre Armee um sich versammelt und trifft ihre letzten Vorbereitungen, um die Welt der Menschen mit Krieg und Verderben zu überziehen. Der einzige der sie noch aufhalten kann ist Hellboy, Träger von Excalibur und damit der wahre König von England. Die Zeichen stehen auf Weltuntergang und ein Sturm kündet sich an. Ein Sturm der alles hinwegfegen wird, wenn der Streiter der Menschen nicht rechtzeitig seine wahnsinnige Gegnerin erreichen und ihr schreckliches Treiben verhindern kann.

Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit und die Mächte der Zerstörung zerren schon mit freudiger Erwartung an den Ketten, die sie noch im Schach halten...

Es gibt viele Worte, die dem Rezensenten durch den Kopf geistern, wenn er "Der Sturm" beschreiben möchte: episch, den Geist hinwegfegend, ein Meisterwerk oder ganz vulgär "geiler Scheiß".

Doch wie kann man solch starke Worte, die mit nicht minder starken Gefühlen einhergehen, in konkrete Sätze zusammenfassen und den Leser von der Qualität des vorliegenden Bandes überzeugen?

Kann man nicht.

Die Größe des Bandes zu erfassen bedeutet ihn auch zu lesen und sich auf die Erfahrung die er bietet einzulassen. Doch dazu sollte man auch die Vorgängerbände gelesen haben. Denn wenn diese Geschichte eines nicht ist, dann einsteigerfreundlich. "Der Sturm" kann nur von Leuten gelesen werden, die Hellboy schon mehrere Jahre verfolgen oder zumindest alles was davor kam gelesen haben, denn der "Sturm" ist das Ende einer langen persönlichen Reise, in der Hellboy gefallen ist und sich wieder aus seiner eigenen Asche erhoben hat, um die Welt zu retten und zwar auf seine eigene Art und nicht wie andere es vorsehen (was ungefähr der Punkt seiner ganzer Lebens- und Leidensgeschichte ist). Es ist das epische Ende, welches man seit dem Ende des deutschen Bandes "Seltsame Ort" herbeigesehnt hat und noch viel mehr, eine bildgewaltige Schlacht zwischen gut und böse, wie man sie sich oft erwünscht, aber selten präsentiert bekommt, entweder aus Zeitmangel oder weil die Fähigkeiten des Autors nicht ausreichen, um es in seiner Gänze angemessen zu Papier zu bringen.

Mike Mignola ist ein Autor, der das Talent und das Können beweist, der Geschichte ihren würdigen Abschluss zu verleihen und der sich im Laufe der Jahre immer mehr zum besseren entwickelt hat. Denn "Der Sturm" ist am Ende auch das, ein Zeugnis davon wie sich im Laufe der Jahre die Qualität einer lange laufenden Serie zum besseren hin steigern und wie sich langfristige Planung und sich für eine Sache Zeit zu nehmen positiv auf ihren Verlauf Einfluss nehmen können. "Der Sturm" steht als ein strahlendes Beispiel für sehr gute, vielleicht auch tiefe (wenn man Hellboy diese Art von Tiefe zugestehen möchte) Unterhaltung, auf deren Vollendung man zwar warten musste, sich das Warten am Ende jedoch gelohnt hat.

Kurz gesagt: Man bekommt inhaltlich worauf man gehofft und gewartet hat und noch viel mehr und Fans der Serie werden hiernach begeistert und emotional vielleicht sogar ein wenig zerrüttet sein ( mir ging es am Ende zumindest so) und am Ende wird man "Den Sturm" beiseite legen, im Wissen etwas wirklich Großartiges gelesen zu haben.

Wie sieht es zeichnerisch aus? Weiterhin großartig, um es kurz zu sagen. Duncan Fegredo beweist hier zum letzten Mal (nach "Der Sturm" zeichnet Mignola endlich wieder die Abenteuer seines gehörnten Helden) dass er die richtige Wahl für diese epische Trilogie (im Englischen vielleicht sogar Tetralogie) war und legt noch einmal richtig los. Es kracht und schmettert, Hellboy flucht weiterhin wie ein Seemann und Fegredo bringt das alles mit einem Elan zu Papier, das man sich am Ende fast wünscht, dass er die Hauptserie doch bitte weiterhin zeichnen möge, vor allem da er seinen Stil so sehr dem Mignolas angepasst hat, dass er ihn im vielen Punkten fast sogar besser wirkt als das Original, auf Grund der größeren Detailfreude seiner Zeichnungen. Doch alles hat mal ein Ende, wie auch im Comic selbst niemand müde ist zu betonen, und so tobt er sich noch einmal erfolgreich aus und am Ende hat man einen der schönsten (was angesichts der in ihm vorkommenden Ereignisse doch schon ironisch zu schreiben wirkt) Comics aller Zeiten und damit auch die perfekte Ergänzung zum meisterhaften Garn, welches Mignola hier nun endlich zu einem mehr als nur würdigen Ende gesponnen hat.

Mit "Der Sturm" endet der zweite große Abschnitt in Hellboys Leben, womit nun geschätzt zwei Drittel der Serie nun endlich abgeschlossen sein dürfte. Doch gilt es noch einige Fäden und Angelegenheiten zu regeln, bevor Hellboy endlich seinen Frieden finden kann und der Leser wird ihn weiterhin auf dieser Reise begleiten. Wohin sie nach "Der Sturm" führen wird?

Das sei hier noch nicht verraten. Es sei jedoch gesagt, dass der große Rote noch einige Familienangelegenheiten zu regeln hat und er diesen betreffend sich in sehr tief gelegene Gefilde begeben wird.


Prototyp
Prototyp
von Ralf König
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Im Paradies da wird gesungen, im Paradies da wird mit den Bestandteilen der Welt gerungen, 22. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Prototyp (Gebundene Ausgabe)
Gott hat sein Ebenbild geschaffen.

Das heißt Adam, ist etwas überjustiert und spricht in physikalischen Formeln und philosophischen Phrasen die alle die Existenz des großen Schöpfers in Frage stellen, doch nach ein paar Handgriffen belässt er es bei Kirchenliedern aus dem evangelischen Gesangsbuch.

Hurra!

Mit Adams Ankunft beginnt nun eine interessante Zeit im Paradies, an die der Leser nun bis zum Ende des knapp über hundert Seiten großen Bandes mitverfolgen wird.

"Prototyp" ist der erste Band einer religionskritischen Trilogie, in der sich Autor und Zeichner Ralf König kritisch mit dem Thema Religion in seinen zahlreichen Facetten auseinandersetzt. Während die Folgebände "Arche-" und "Antityp" vom Humor her wie auch von ihren Gedanken anregenden Handlungen jedoch zu dem besten gehören, was es auf dem Comicmarkt zu lesen gibt, stellt "Prototyp" einen interessanten, jedoch bei weitem noch nicht so ausgereiften ersten Versuch dar.

Anstatt einer durchgehenden Handlung, hat man es hier mit mehreren kleinen Episoden zu tun, die mal amüsant, mal nachdenklich, auch gerne mal schlüpfrig und provokant sind und sich an sich allesamt recht vergnüglich lesen. Doch es fehlt ihnen an der intellektuellen Differenziertheit der Nachfolger und im direkten Vergleich fallen sie zu diesen deutlich ab. Für sich alleinstehend sind sie trotz der erwähnten nachdenklichen Anklänge, auch nur leichte, durchschnittlich atheistische Kost, die zwar wie gesagt ganz unterhaltsam sind, aber eben auch nicht mehr. Leichte Kost eben, die nicht groß das anficht worüber sich der durchschnittliche nichtgläubige Bürger (wozu sich auch der Rezensent zählt) nicht sowieso schon im Alltag lustig macht, wenn er nur gelegentlich seinen Verstand gebraucht.

Am Ende ist "Prototyp" ein netter, aber noch nicht überragender Start einer Trilogie, die Höhen erklimmen wird, die hier noch nicht ganz zu erkennen sind, aber sich zumindest an einigen kleinen Stellen andeuten.

4 Sterne und ein inbrünstiges "Hallelujah!" einfach so zum Spaß.


Warren Ellis' Scars
Warren Ellis' Scars
von Warren Ellis
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,40

4.0 von 5 Sternen Narben im Geist..., 22. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Warren Ellis' Scars (Taschenbuch)
...hinterlässt der Alltag von Detective John Cain, zuständig für das Morddezernat einer namenlosen amerikanischen Stadt. Er sieht sich mit einer Grausamkeit konfrontiert zu der nur der Homo Sapiens Sapiens in der Lage ist und als er mit der Auflösung eines Mordes an einem kleinen Mädchen beauftragt wird, zerbricht etwas in ihm und er setzt alles daran den Mord aufzuklären und den Killer zur Strecke zu bringen. Notfalls mit allen nur erdenklichen Mitteln...

Warum liest man Krimis? Vielleicht um sich selbst mit einem Problem (einen Mord meistens) zu konfrontieren, welches man auf kalte Logik und eine Abfolge von Ereignissen reduzieren kann, ohne den emotionalen Input noch reinpacken zu müssen, damit die Welt mit einigen raschen Handgriffen wieder in ihre geordneten Bahnen zurückgeführt werden kann? Vielleicht aus morbider Neugierde, um indirekt in die tiefen Abgründe des menschlichen Geistes hinabsteigen zu können, mit dem Polizisten als Avatar des Lesers der an seiner Stelle seelisch wie geistig "vernarbt" wird, nur damit der Schaulustige Leser seinen Kick hatte und wieder in den friedlichen Alltag zurückkehren kann? Beides hat wohl durchaus seine Daseinsberechtigung für den Krimi als literarisches Genre, doch im Falle von "Scars" wird die Katharsis durch die Lösung dieses Falles "ausbleiben" oder hätte es zumindest, doch dazu später mehr.

"Scars" ist erstmal als erstes ein "realistischer" Krimi. Das heißt es finden keine Verfolgungsjagden statt (bis auf eine, was eines der Probleme des Bandes ist), die Hauptfigur, John Cain, ist zwar ksputt, aber nicht auf eine romantisierte Art und Weise und der Killer des kleinen Mädchens ist keine dämonisierte Karikatur eines Menschen, sondern wie Cain selbst ein Angehöriger der Gesellschaft, der auf den ersten, zweiten und dritten Blick normal und von der Glaubhaftigkeit seiner Motive her sogar erschreckend greifbar wirkt. Dadurch wird Scars zu einer düsteren, sehr hässlichen und leider auch allzu "wahren" Geschichte trotz seiner fiktiven Basis und zieht daraus auch seine Anziehungskraft und die Intensität, die dieser kleinen, schmutzigen Geschichte anhaftet. Es macht "Scars" real und könnte trotz der teilweise überzeichneten Bilder Jacen Burrows (man sieht den Personen einfach schon an ihren Kinns ihre Fiktivität an) eines der besten Werke des Autors Warren Ellis sein, das zwar keinen Spaß bereitet aber in seiner Eindringlichkeit das Potenzial hätte einer der besten existierenden Krimicomics der westlichen Hemisphäre zu sein.

Und dann beginnt es den Fehler doch zu sehr in das fiktive Feld abzurutschen.

Ab einem gewissen Punkt wandelt sich Detective Cain von einem psychisch labilen, aber identifizierbaren, Ermittler zu, nun, Dirty Harry wenn man ehrlich ist. Aus dem lebensechten Polizisten wird ein Avatar der Rache, der den Leser genau das bringen soll, wonach er sich wohl nach dieser schrecklichen Tat wohl verzerrt und sie auf einem Tablett und mit blauen Bohnen als Beilage serviert. Damit verlässt "Scars" sein realistisches Umfeld und wandert in das generische Umfeld ähnlich gestrickter "harter" Krimis ab und dadurch büßt es am Ende auch seinen künstlerischen Wert ein, den es bis dahin hart und erbittert gewahrt hatte.

Man kann Warren Ellis, immerhin selbst ein liebender Familienvater, aus menschlicher Sicht wohl daraus keinen Vorwurf machen, denn die Idee dahinter dürfte nur allzu menschlich sein. Immerhin darf eine solch schreckliche Tat nicht ungesühnt bleiben, Blut muss mit Blut vergolten werden, so dürfte die einhellige Meinung vieler emotional aufgewühlter Leute sein, wenn sie "Scars" lesen.

Doch in der Realität findet so etwas nur selten, bis überhaupt nicht statt. Schon alleine deswegen weil die Gesellschaft versucht gewissen Idealen gerecht zu werden, die uns von jenen kranken Menschen trennen sollen, die solche verabscheuungswürdigen Taten begehen oder weil es am Ende doch keinen Rächer der Entrechteten gibt, wohl auch aus guten Gründen.

Jedenfalls sorgt diese Abbiegung ins Generische dafür, dass "Scars" sich von einem zwar harten, aber bewundernswert realistischen Krimi, in einen weiteres Stück Genrekost der "harten" Schule verwandelt und damit auch leider die Relevanz einbüßt, die der Band im Grunde verbreiten will, weil am Ende doch alle bekommen, was sie sich wünschen.

Damit bleibt es zwar weiterhin "gut", ist aber im Grunde immer noch nur beliebig und Teil jener fiktiven Traumwelt, in der man als Leser nur zu gerne flüchtet, weil einem die reale Welt an manchen Tagen doch zu fürchterlich erscheint, um lange in ihr verweilen zu wollen.


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