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Jan-niklas Bersenkowitsch "buecherwiese2"
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart
Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart
von Jesse Bullington
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine, gar nicht mal so traurige, Schelmengeschichte, 22. Dezember 2013
Deutschland im Mittelalter, genauer gesagt um das vierzehnte Jahrhundert herum, denn die Pest hat bereits in Europa gewütet und reichlich Ernte gehalten. Der Mensch leidet, hungert und klammert sich an seinen Glauben an Gott, in der Hoffnung auf das ewige Seelenheil. Manchmal bricht er auch in das Heilige Land auf. Auch die Gebrüder Großbart (oder Grossbart im Englischen und auf dem Cover der deutschen Ausgabe. Vielleicht ist ihr Name auch ein Wortspiel im Original, da "Gross" in dieser Sprache auch "eklig" bedeutet. Durchaus passend in diesem Buch), gedenken dies zu tun, allerdings aus ganz anderen Gründen. Denn die selbsternannten Jünger der heiligen Jungfrau Maria sind nämlich professionelle Grabräuber und da es in Ägypten davon en Masse geben soll, kommt dies für sie wohl dem Paradies auf Erden am nächsten.

Schon das dürfte wohl ein deutliches Zeichen dafür sein, dass die ungewaschenen Brüder nicht ganz sauber sind und ihre vielen schrecklichen Taten im Verlauf des Buches sprechen ebenfalls dafür. Allerdings zieht "Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart" einen Großteil seines Charmes aus diesen, doch der Reihe nach.

Zunächst einmal sei als erstes erwähnt, dass dieses Buch in keinster Weise eine leichte Lektüre ist. Im Gegenteil, wer hier eine romantisch verklärte Mittelalteridylle erwartet, hat sich das falsche Buch zum lesen ausgesucht. In "Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart" wird deftig geflucht, gemordet, verstümmelt, sich auf jede nur erdenkliche Art und Weise entleert und dem ganzen Buch haftet eine Aura der Gemeinheit an, die man nur viel schwarzen Humor ertragen kann. Dieser findet sich dabei an so gut wie jeder Ecke und auch Freunde intellektueller Diskussionen, beziehungsweise wer auch immer christlichen Idee Gottes kritisch gegenüber steht, dürften an den manchmal sehr scharfsichtigen Bemerkungen, der ansonsten doch sehr groben Brüder ihre Freude haben. Kurz gesagt, die Geschichte der Großbarts ist keine leichte Kost. Hier geht es wie gesagt brutal zur Sache, aber so grafisch die Gewalt hier auch dargestellt werden mag, man bekommt nie das Gefühl, dass sie dem puren Selbstzweck dient.

Im Gegenteil, wenn man aufmerksam liest und die derben Scherze außer acht lässt, bekommt man eventuell sogar das Gefühl, dass es bei "Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart" vielleicht doch um mehr geht, als nur darum sich auf besonders widerwärtige Art und Weise auszutoben und dem romantischen Mittelalterbild mancher Menschen (was man auch auf die Fantasy übertragen kann, da im Buch durchaus Magie praktiziert wird) oder gar dem Gutmenschentum an sich zynisch die Meinung zu sagen. Im Gegenteil, eher geht es vielleicht darum dass die bösen Taten die man im Leben begeht einem eines Tages einholen und Rache (eine Menge Leute wollen es den Großbarts einholen, deren erste Schandtat übrigens darin besteht sich an jemanden zu RÄCHEN, der ihnen ,aus ihrer Sicht, Böses tat) keine wirkliche Lösung ist. Damit kommt das Buch am Ende einer neutestamentlichen Interpretation am nächsten, was vor allem noch einmal verdeutlicht, dass man es vor allem eher als modernen Schelmenroman denn als klassisches Fantasybuch lesen sollte, vor allem da die "fantastischen" Elemente in diesem Buch, keineswegs "erfunden" sind, sondern tatsächlich Teil der mittelalterlichen Glaubenswelt waren. Dem Autor Jesse Bullington gelingt es also am Ende ein Stück Fiktion zu schaffen, welches sich wie die moderne Prosaversion eines (falschen) alten Volksmärchen liest, wodurch es also wieder an den weiter oben schon erwähnten, intellektuellen Wert gewinnt.

Doch natürlich gibt es wichtigere Fragen zu klären, wenn man sich überlegt den Roman zuzulegen.

Macht es Spaß das Buch zu lesen? Ja. Der Stil ist einfach, aber trotzdem clever geschrieben und es kommen bei allen derben Scherzen, viel mehr Wort- und Insiderwitze für Kenner der mittelalterlichen Literatur zur Sprache und es hilft auch, dass dem ganzen Buch genug Ironie anhaftet, um sich von (fast) jeder noch so grausigen Szene zu distanzieren, um am Ende nicht in Depression zu versinken.

Bleibt der Spannungsbogen bis zum Ende bestehen? Wenn man mit "Spannung" "Abwechslungsreichtum" meint, dann lautet auch hier wieder die Antwort eindeutig "ja". Denn dem mittelalterlichen Vorbild entsprechend, teilt sich das Buch eher in mehrere, am Anfang zunächst nicht, aber zum Ende hin immer mehr miteinander verbundene Episoden auf, die allesamt Spaß machen und lediglich beim Abenteuer der Großbarts mit einer Hexe etwas gestreckt wirken. Wer sich damit (und mit dem für manche vielleicht etwas abrupten Ende) anfreunden kann, bekommt hier Unterhaltung der Höchstklasse geboten.

Wird das Buch zum Ende hin etwas zahmer? Nein. Der Schrecken dessen was die Großbarts tun, wird nur dadurch gemildert, dass die beiden zwar Räuber, Plünderer und Mörder sind, aber wenigstens keine Frauen vergewaltigen. Wie schon geschrieben, ist dieses Buch bitterböser bis gehässig, aber in keinster Weise werden die beiden Hauptfiguren oder ihre Taten verherrlicht. Vielleicht sind sie am Ende einem nicht mehr ganz so unsympathisch, da sie einander doch sehr gut zusammenhalten und hier und ihre lichten, bis menschlichen Momente haben, aber in keinster Weise werden diese beiden Anti(antianti)helden am Ende geläutert oder ihre Untaten bereuen. Darin mag am Ende sogar die Tragik dieser Figuren liegen, was dem Titel auch abseits der Ironie etwas mehr Gewicht verleihen würde.

Am Ende ist "Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart" bestimmt kein Buch für jedermann, aber auf jeden Fall eines, dessen Lektüre man bestimmt nicht bereuen wird, sollte man sich auf die eigenwillige Prämisse (die zugegeben zwar nicht neu, aber sehr kompetent umgesetzt ist) einlassen und den den gar garstigen Gebrüdern eine Chance geben.

Am Ende hat das Buch auf jeden Fall seine fünf Sterne verdient und sei es auch nur, da es der Autor Jesse Bullington wagte etwas, für die heutige Zeit, Ungewöhnliches zu versuchen. Umso mehr, da er diese Idee auch noch erfolgreich und unterhaltsam umgesetzt hat.

5 von 5 Sternen, alle aus den Grabkammern früherer Großbarts entwendet.


Lazarus Volume 1 Tp
Lazarus Volume 1 Tp
von Greg Rucka
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,19

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Frau für's Grobe wird vorgestellt, 10. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lazarus Volume 1 Tp (Taschenbuch)
in der Welt von "Lazarus" ist das eingetroffen, was verschiedene Weltuntergangspropheten bereits tausend Mal vorausgesagt haben: die Gesellschaft brach zusammen und von da an herrscht das Recht des Stärkeren. Nur ein paar privilegierte Familien verfügen noch über genügend Ressourcen und Technologie, um wie Feudalherren über den Rest Amerikas zu herrschen. Besser gesagt, über den Teil den sie beherrschen wollen. Jeder Familie ist ein spezieller Vollstrecker unterstellt, ein Cyborg, eine Kampfmaschine die als "Lazarus" bezeichnet wird, da man sie nur schwer töten kann (selbst Kopfschüsse setzen sie nur temporär außer Gefecht) und sie sich nach kurzer Zeit wieder regenerieren.

Forever Calyle ist ein solcher Lazarus und ihrem Vater, dem Familienoberhaupt, treu ergeben. Zwar zeigen sich hier und da einige moralische Skrupel, aber die werden zur Seite geschoben, denn die Familie geht vor. Doch wer weiß, ob sich das nicht ändern wird, denn im Calyleclan sind Verschwörungen und Machtkämpfe an der Tagesordnung und Forever gerät schon bald in einen solchen.

Eines muss vorneweg gesagt werden: der erste Band von "Lazarus" erzählt im Gegensatz zu Serien wie "Fatale" nicht wirklich eine in sich geschlossene Geschichte mit Potenzial für eine Fortsetzung, sondern mehr einen vier Hefte langen Prolog, dem mit Sicherheit eine Fortsetzung folgen wird. Ist das schlecht?

Nun, davon abgesehen dass man die einzelnen Hefte schnell durchgelesen hat, kommt es darauf an ob man mit dem Charakter Forever warm wird oder nicht. Und sie kann einem durchaus sympathisch sein, denn obwohl sie gnadenlos im Kampf ist, hat sie durchaus warme und mitfühlende Züge und der Wunsch von ihrem Vater anerkannt zu werden, ist wohl etwas was viele nachvollziehen können. Sicher, sie ist damit kein sonderlich origineller Charakter (frühestens seit Pinochio kennt man die Geschichte vom unlebenden Ding, das Liebe und Anerkennung will), dafür aber ein kompetent geschriebener und so fühlt sich der erste Band von Lazarus auch an: kompetent. Der Autor Greg Rucka (bekannt durch viele Thriller und Comiclesern wohl durch die brillante Serie "Queen and Country") verspricht weder zu viel, noch zu wenig, keine Szene ist zu kurz oder zu lang, von den Dialogen gibt es genau die richtige Anzahl und überhaupt schreit nichts von Seiten der Erzählung her, dass wir es hier mit einem schlechten Comic zu tun haben, ganz im Gegenteil. Allerdings sind auch noch keine Anzeichen für ein angehendes Meisterwerk vorhanden.

Auch die Zeichnungen von Michael Lark stechen noch nicht großartig vor. Sie sind realistisch, die Figuren sehen wie echte Menschen aus und die vorkommene Gewalt wird weder stilisiert noch verharmlost. Also bleibt Lazarus auch in diesem Fall "kompetent", aber noch nicht herausragend (das schreibt aber allerdings jemand, der seine Zeichenstile individueller mag, wie zum Beispiel den von Brian Hurtt (Sixth Gun) oder Mike Mignola (Hellboy) ). Am Ende muss man sich die Frage stellen, ob "kompetent" wirklich ausreicht, um dafür seinen Geldbeutel zu öffnen oder ob man nicht doch besser sein Budget sparen und für etwas anderes aufheben sollte.

Man weiß es nicht, man weiß es nicht. Fest steht jedoch, dass "Lazarus" ein "guter" erster Sammelband ist, der nicht viel falsch macht, allerdings auch nicht mehr. Man wird abwarten müssen. So jedenfalls bekommt man ihn nun relativ günstig, sodass ein Kauf einen nicht ganz so wehtut, wie es vielleicht ansonsten der Fall wäre.

4 von 5 Sternen und ein unentschiedenes Schulterzucken


Poseidon: Earth Shaker (Olympians)
Poseidon: Earth Shaker (Olympians)
von George O'Connor
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,08

4.0 von 5 Sternen Herr der Meere, Vater vieler Monster, 3. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Poseidon, der mittlere der drei Brüder, bestehned aus ihm, Hades und Zeus dem Jüngsten. Nach dem krieg gegen die Titanen entschied das Los,wer welchen Teil der Erde beherrschen würde. Poseidon zog das Meer und es passt gut zu ihm. Mal ist es ruhig, dann toben vernichtende Stürme über ihm, welche mit niemanden Mitleid zeigen, es sei denn der Herr der Meere hat ein Einsehen. Doch das passiert nur allzu selten. Denn wie seine Kinder tendiert der Herr der Meere dazu, sich wie ein Monster zu geben.

George o'Connors, Autor und Zeichner von Olympians, schreibt in seinem Nachwort wie schwierig es doch war Poseidon zu schreiben. Ei ähnliches Gefühl wird der Leser auch dabei haben, sich mit ihm anzufreunden. Denn obwohl er der erste Gott der Reihe ist, der als eigener Erzähler seine Gedanken kundtut, bleibt am Ende doch immer eine gewisse Distanz zwischen ihm und den Leser. Denn mag sich zum Beispiel Zeus auch ein ewiger Schürzenjäger sei und sich gedankenlos verhalten, so zeugt er jedoch genügend Gefühle der Zuneigung und andere freundliche Charakterzüge, dass man das Gefühl bekommt, dass er den Menschen gar nicht so unähnlich ist. Poseidon dagegen erscheint eine mehr wie eine tickende Zeitbombe, der sich außen ruhig gibt, unter dem es jedoch gefährlich brodelt. Man möchte nicht in seiner Nähe sein, wenn er dan doch einen seiner Wutanfälle hat. Nein, Poseidon ist bei weitem keine sympathische Figur und seine Kinder (der Held Theseus und der Zyklop, denn Odysseus in dieser erzählten Episode der Odyssey erzählt) spiegeln dies auch wieder. Sollte es noch einmal eine Verfilmung für Kinder geben, wäre er der perfekte Bösewicht, schließlich kommen auch ein Großteil aller Monster aus seinem Reich (und es gäbe Hades auch die Möglichkeit einige Sachen klarzustellen, denn im Vergleich zum Rest der Familie, würde man ihn sich noch am ehesten zu sich nachhause einladen).

Auf der anderen Seite, das zeigt O'Connors auch, ist er auch wesentlich cleverer als seine beiden Brüder, die am Ende ja doch eher offen und ehrlich vorgehe oder zumindest keine Gedanken an große Pläne verschwenden. Poseidon dagegen zeigt, dass er in Phasen denkt, wie man auch anhand der Geschichten von Theseus und bei der Gründung Athens sieht. Mag er auch zunächst verloren haben, er kehrt wieder zurück und wendet alles zu seinem Gunsten. Dies macht ihn dann als Figur und Persönlichkeit wiederum interessanter und steigert auch den Unterhaltungswert des Buches. Denn wie gesagt, auch Theseus ist kein großer Sympathieträger (kaum vorzustellen, dass diese Version sich einmal mit dem Heracles von "Olympians" anfreunden würde, der bei O'Connors ein anständiger Geselle ist). Somit wird man von Seitens der Erzählung nach einiger Zeit mit ihm warm, auch wenn es einige Anläufe brauch, bis dieser Fall endlich eintritt (in meinem Fall, ganze vier).

Zeichnerisch bleibt O'Conors weiterhin auf der Höhe. Das Highlight dieses Bandes ist auf jeden Fall die Episode, in der Theseus das Labyrinth durchquert und den Minotaurus erschlägt, eine Szene so stark erzählt und abstrakt gezeichnet, dass sie nur von der Szene aus Bad 3 "Hera" getoppt wird, in der Heracles Cerberus hinter sich herzog. Am Ende behält Poseidon die "gute" Qualität seiner Vorgänger bei und erhält wohlverdiente Sterne.

Bleibt nur zu hoffen, dass er diese Rezension nie lesen und die Heimatstadt des Rezensenten überfluten wird, denn schließlich hat sein Band nicht die Höchstwertung erhalten. Am Ende ist er doch ein recht empfindliches Kerlchen.


Einsamer Wolf - Der Darke Kreuzzug
Einsamer Wolf - Der Darke Kreuzzug
von Joe Dever
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kreuzzug des Bösen, 1. Dezember 2013
Eine kurze Anmerkung: Die Rezension dieses Buch bezieht sich direkt auf das Buch an sich, ich habe jedoch in meiner Rezension zum ersten Band ("Flucht aus dem Dunkeln") die jeweiligen Spielmechaniken angerissen und erklärt. Wer also noch nicht weiß worum es sich bei einem Abenteuer-Spielbuch handelt, sollte sich vielleicht zuerst die Rezension des ersten Bandes durchlesen.

Die Mechaniken zu dem vorangegangen Pfad "Magna-Kai" wurden im sechsten Band "Königreiche des Schreckens" erläutert und auf eine Erklärung des nun durchzuspielenden Pfades "Großmeisters" wurde verzichtet, da er trotz neuer Disziplinen keine spielerischen Neuerungen enthält.

Nachdem Einsamer Wolf seinen Freund Banedon in "Die Verdammten von Kaag" aus den Kerkern der namensgebenden Festung befreite, wurde es wieder etwas ruhiger. Doch auch abseits von Einsamer Wolfs idyllischer Heimat Sommerlund gibt es genügend Konfliktherde, wie zum Beispiel das Königreich Lencia, welches mit der Drakarim-Nation Nyras schon seit Jahrtausenden einen erbitterten Krieg führt. Zunächst schien es so, dass die Lencianer nach Vernichtung der Schwarzen Lords endlich die Oberhand gewinnen würden, doch drang eine gar schreckliche Nachricht an König Sarnacs, Lencias Herrscher, an sein hoheitliches Ohr: ein uraltes Juwel aus der Zeit von Agarash dem Verdammten (der Antichrist Magnamunds) wurde von Kriegslord Magnaarn, Sarnacs böses Gegenstück aus Nyras, schon seit einiger Zeit gesucht und er scheint das Versteck des mächtigen Artefakts gefunden zu haben. Das kann nichts Gutes bedeuten findet Sarnac und deswegen sendet er einen Botschafter zur einzigen Person, für die die Rettung der Welt ein Ganztagsjob ist. Natürlich handelt es sich dabei um Einsamer Wolf, welcher erst nach dem Teil mit dem alles zerstörenden Juwel des Bösen zustimmt Lencia zu helfen und davor ablehnte (womit er sich genauso verhielt, wie sich der Rezensent Einsamer Wolf spätestens seit Band 4 der Serie vorstellt. Aber "Fauler Hund" wäre wohl kein sonderlich guter Name für einen Kai-Lord gewesen). Also bricht er nach Lencia auf, um dann gemeinsam mit einen gewissen Hauptmann Prarg aufzubrechen und zum vierten Mal seit Band 12 Feindesland zu infiltrieren.
Dabei wird er auch ein weiteres Mal daran erinnert werden, warum er die meiste Zeit alleine reist.

"Der Darke Kreuzzug" setzt das bekannte Handlungsmuster von Einsamer Wolf als Infiltrator hinter feindlichen Linien wie gesagt konsequent fort, macht jedoch im Gegensatz zu Band 12 bis 14 wieder einiges anders. Zum Beispiel erzählt "Der Darke Kreuzzug" endlich wieder eine richtige Geschichte, anstatt sich nur auf die Erkundung der Region Nyras zu beschränken. Und es ist sogar eine gute, mit einer netten Wendung, voller Spannung und heroischen Momenten, die dem Leser die Sorte guter Momente verschaffen, die die Serie ja auch ausmachen. Natürlich ist es wieder schade, dass der eigentlich hochinteressante Konflikt zwischen Lencianern und Drakarim auf simples schwarzweiß begrenzt ist, aber gut, wenn es einen auf Grauzonen ankommen würde, würde man die Reihe wohl kaum kaufen (obgleich "Königreiche des Schreckens" diesbezüglich immer noch hervorsticht). Spielerisch ist auch alles schön ausbalanciert. Eigene Entscheidungen, der Einsatz von Disziplinen und einigen zufälligen Würfelwürfen sind gut ausbalanciert und es ist mal wieder erstaunlich wie viel im Verlaufe des Buches passiert, obwohl es weiterhin denselben Platz wie die restlichen Bücher besitzt. Es gibt auch weiterhin viele Kämpfe, aber die meisten sind optional und Band 15 hat sogar mit Kriegslord Magnaarn einen recht kompetenten Bösewicht, von dem man jedoch nach Ende dieses Bandes nichts mehr lesen wird.

Alles in allem ist "Der Darke Kreuzzug" nun endlich wieder ein "guter" Band, der seine vier Sterne ohne wenn und aber rein objektiv verdient hat und der nur deswegen nicht einen fünften Stern erhält, weil er zwar in sich kompetent ist, sich aber bei weitem nicht so besonders anfühlt, wie zum Beispiel der ewige Favorit des Rezensenten "Die Schlucht des Schicksals" oder der ewige Fanfavorit "Die Schatten der Wüste" (welchen ich im nachhinein mit vier Sternen zu niedrig bewertet habe. C'est la vie). Am Ende ist jedoch gut genug, dass man wieder Vertrauen in die Reihe gewinnt, sollte man es nach den drei letzten Bänden, die alle erzählerisch und spielerisch höchstens durchschnittlich waren, verloren haben.

Eventuell könnte das Bonusabenteuer "Burg Akital" von Manticore-Verlags Gründer Nicolai Bonczyk ja die Wertung noch nach oben schieben, aber das tut es nicht. Das liegt nicht daran, dass es schlecht ist. Im Gegenteil, es ist kompetent geschrieben, erzählt eine gute Geschichte und auch die Fähigkeiten von Hauptmann Prarg (Einsamer Wolfs Begleiter, in dessen Rolle man hier schlüpft) sind sinnig und laden dazu ein ausgereizt zu werden. Doch leider bleibt "Burg Akital" hinter seinem Potenzial zurück und ist am Ende ein gutes Reiseabenteuer, welches vielleicht durch eine Militärmission (wie zum Beispiel die Verteidigung der Burg Akital) hätte ersetzt werden können. Sei es wie es sei, am Ende ist es wie gesagt trotzdem "gut" und festigt noch einmal die festgelegte Wertung, die den Band als "gut" auszeichnen und ihn daher vier Sterne verleihen.

Zum Abschluss möchte ich noch ein wenig ein paar Worte über Einsamer Wolfs wahre Quelle für allen Ärger verlieren: Hauptmann Prarg, der von König Sarnacs (und damit vom Autor Joe Dever) zugewiesene Führer des mächtigsten aller Kai-Lords. Begleiter sind bei Einsamer Wolf nichts Neues. Manchmal hatten sie die Handlung um etwas Drama bereichert und boten auch eine gute Möglichkeit den Leser über dieses oder jenes zu informieren, ohne dass es gezwungen wirkte. Was jedoch wichtig ist: zumeist blieben sie im Hintergrund und die Interaktionen mit ihnen verlief zum größtenteil minimal. Prarg jedoch kommt in vielen Szenen vor und die Interaktion mit ihm nimmt einen wesentlichen Teil der Handlung ein. Dadurch erhält er mehr Profil und Persönlichkeit als alle Begleiter zuvor. Problematisch ist nur, dass er keine sonderlich sympathische ist, denn im Vergleich zu Einsamer Wolf gibt er sich die meiste Zeit, inkompetent, faul und vom Pech verfolgt. Wenn es eine Falle gibt, Hauptmann Prarg wird direkt reinrennen. Kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod, Einsamer Wolf wird für Prarg die Krankenschwester spielen müssen. Davon abgesehen, dass der faule Mistkerl sich nur zu gerne vor dem Wachdienst drückt.
Wäre Einsamer Wolf also eine klassische Heldenserie mit Prarg als dessen Sidekick, würde Letzterer konstant alles abbekommen und all die Fehler vorweisen, die der Kai-Großmeister auf Grund seines Legendenstatus sich nicht leisten könnte und ihn (Einsamer Wolf) nur noch heldenhafter erscheinen lassen würden.
All dies könnte man jetzt nun als störend empfinden, aber wenn man die ganze Sache mit etwas schwarzen Humor betrachtet, fällt dies nicht weiterhin ins Gewicht. Ich zumindest stelle mir Prarg als eine Art Flashman (berühmter Antiheld einer britischen Serie von Historienromane, die eine Satire auf Abenteuerromane dartellten) Magnamund vor, nur dass er im Gegensatz zu Frasers Antihelden (mit dem Prarg sich auch den prächtigen Schnurrbart teilt) immer sein Bestes gibt und kläglich dabei scheitert, am Ende jedoch immer befördert wird, weil er am Ende als letzter noch steht.
Wenn man so darüber nachdenkt, wäre eine eigene "Hauptmann-Prarg"-Serie, die alles was die Reihe Einsamer Wolf ausmacht auf's Korn nimmt, vielleicht gar keine so schlechte Idee gewesen, aber gut, die Blütezeit der Spielbücher ist leider vorbei und so sollten wir uns mit dem zufriedengeben was wir haben.

Und das bleibt, wie schon mehrmals geschrieben, weiterhin, mit vier Sternen versiegelt, "gut".
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 10, 2013 11:12 AM CET


Andrax 5: Gnadenlose Jagd
Andrax 5: Gnadenlose Jagd
von Peter Wiechmann
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Das Ende der Reise, 28. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Andrax 5: Gnadenlose Jagd (Gebundene Ausgabe)
"Ach Holernes, treuster Weggefährte, mein Diener und..."

"Ruhe. Komm zum Punkt, Andrax."

"Nun gut. Die Geschichten werden nicht besser. Die Luft ist einfach raus, trotz einiger origineller Ansätze."

"Zum Beispiel?"

"Zum Beispiel die letzte Episode, in der wir plötzlich in den wilden Westen versetzt werden und drt, verfolgt von einem geheimnisvollen Skelettmann, berühmte Personen der Geschichte, wie General Custer oder Sitting Bull treffen. Das Szenario und auch wie wir dort hingelangten hätte genug Potenzial für fünf Geschichten gehabt, aber wie immer ist alles zu dick auf wenige Seiten gedrängt und so reisen wir von einer Episode in die nächste, ohne das irgendetwas hängen bleibt."

"Das hat uns doch vorher nie sonderlich davon abgehalten, Spaß zu haben."

"Schon, aber wie ich schon in band 4 sagte, die Luft ist einfach raus! Es gibt zwar immer noch Ideen, aber keiner scheint mehr Lust zu haben unsere aufregenden Abenteuer angemessen aufzuschreiben!"

"Verdammte Alliterationen..."

"Ach, es ist einfach schade. Aber trotzdem hatten wir eine gute Zeit oder nicht? Wen haben wir nicht alles bekämpft: falsche Götter, böse Wissenschaftler, Kriegsherren, sexistische Magierinnen...und dieser Band hätte zumindest eine richtig gute Geschichte, wenn man sie abgedruckt hätte."

"Erklär mir das."

"Die Sache ist die: am Ende des Bandes, wo sich das Nachwort befindet, erzählt uns Peter Wiechmann dass Jordi Bernet in Spanien mit einem anderen Autor ein inoffizielles Ende der Serie geschrieben und veröffentlicht hat. Davon kriegen wir in der deutschen Ausgabe nur wenig mit, ein paar Abdrücke und übersetzte Sprechblasen um genau zu sein. Abr was da erzählt wird, der düstere Unterton und wie ich da alleine durch das Ödland irre..."

"Alleine?"

"Ja. Schätze, du bist tot. Jedenfalls hat das schon was, genau wie die Pointe der Geschichte, die trotz des viel zu hocherhobenen Zeigefingers einfach etwas hat. Der Zeigefinger ist ja auch nichts Neues für uns, aber hier wirkt er endlich einmal angebracht. Vielleicht hätte das unserer Serie auch gut getan. Eine neue Richtung, vielleicht etwas düsterer, aber diese eue Ausrichtung hätte unseren Abenteuer eventuell wieder etwas neuen Schwung gegeben. Nun ja, was soll's. Am traurigsten ist jedoch, dass die Geschichte nich in ihrem richtigen Format abgedruckt wurde und die Leser so nie es so erleben werden, wie es gedacht war. Tja..."

"Tja..."

"..."

"Lust durch die Steppe zu ziehen?"

"Gern."

"Vielleicht werden wir ja doch irgendwann mal neu aufgelegt. Dann mit koheränter Handlung, echter Charakterisierung und na ja, vielleicht bin ich dann nicht immer der inkompetente Hampelmann und du auch nicht immer der selbstgerechte, blonde Übermensch."

"Und bessere Dialoge. Vergiss die nicht."

"Oh ja, unbedingt. Aber so hatten wir doch zumindest eine gute Zeit oder? Und das obwohl es zum schluss hin nicht mehr so unterhaltsam war, wie am Anfang."

"Das stimmt wohl mein Freund. Und das ist es wohl was am Ende zählt."

"Das und echte Qualität."

"wir sind Kinder der 1978- bis späte 80er, was erwartest du da? Watchmen?"

"Der kam in den 80ern raus."

"Ach sei still und genie einfach die unschuldige Nostalgie, die selbst die schlechtesten unserer Geschichten auch heute noch verströmen..."

3 von 5 Sternen


Andrax, Bd.4 : Im Sog des Verderbens
Andrax, Bd.4 : Im Sog des Verderbens
von Peter Wiechmann
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Das würden wohl die Hauptfiguren selbst sagen:, 28. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Andrax?"

"Ja, Holernes, treuer Gefährte?

"Lass den Quatsch, wir sind hier unter uns. Konntest du schon ien Blick in den nächsten Band werfen?"

"In der Tat, das konnte ich wirklich. Was soll ich sagen, zeichnerisch bleibt alles beim Alten, aber ich glaube unsere Abenteuern geht langsam die Puste aus."

"Wie das?"

"Nun, davon abgesehen, dass die erste Geschichte noch teilweise stringent ist, es geht um ein böses Supermodel, das die Leute in der Umgebung unterwirft und mich zu ihren Gemahl machen will..."

"Natürlich, was auch sonst..."

"...aber danach, scheint niemand so richtig zu wissen, wohin mit uns. In manche Geschichten werden zwei oder mehrere Episoden gezwängt, die bei besserer Ausarbeitung fr eine Geschichte gereicht hätten, aber scheinbar hatte wohl niemand weder Zeit noch Lust dazu. Dabei ist durchaus Potential vorhaden: Körper stehelende Wissenschaftler, Meister des Kung-Fu, eine parodistische Geschichte über die Furcht vor dem was anders ist, da ist schon Potenzial vorhanden. Aber niemand macht was draus. Wirklich schade."

"Hmm. Sehr."

"Die einzige Geschichte die noch ausgearbeitet worden ist, ist die letzte, eine Geistergeschichte über Magnetströme und so weiter. Wiechmann berichtet auch am Ende über ihre Entstehung, natürlich erneut so fragmentarisch wie eh und je."

"Wie sollte es auch anders sein."

"Nicht wahr? Auf jeden Fall sind unsere Abenteuer hier bei weitem nicht mehr so aufregend, wie noch zuvor. Sie sind Routin geworden, auf die schlechte Art und Weise."

"Schade. Sehr schade."

"Ja, das stimmt. Aber der Vollständigkeit halber wird man sich diesen Band wohl holen müssen, aber einen anderen Grund gibt es nicht. Aber vielleicht fahren wir ja im letzten Band noch einmal zu Hochtouren auf!"

"Ja, vielleicht..."

3 von 5 Sternen


Andrax, Bd.3 : Gegen Götter und Monster
Andrax, Bd.3 : Gegen Götter und Monster
von Peter Wiechmann
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Werwölfe und Panzer, 27. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gleich zu Beginn sei folgendes angemerkt: wer Andrax kennt, den erwartet hier nichts Neues. jordi Bernet zeichnet weiterhin vielfältig und formvollendet schön (der Mann scheint "alles" zeichnen zu können), Andrax und Holernes bleiben dieselben abenteuerlustigen Hohlköpfe, ähm Helden als die wir sie kennengelernt haben und am Ende triumphieren sie. Ach ja und eter Wiechmanns Nachworte sind immer noch nicht besser geworden.

Was jedoch an diesem Band anders ist, ist die Anzahl der Geschichten (zwei), deren Länge (beide haben knapp hundert Seiten vorzuweisen) und die Qualität der Geschichten. Diese ist nämlich...fast gut, selbst nach heutigen Standarts. Unglaublich aber wahr. Zwar unterliegen auch sie der üblichen Episodenhaftigkeit, mit der der Rest der Serie zu kämpfen hat, aber die Geschichten sind so aufgebaut, dass alles was in ihnen vorkommt miteinander verbunden ist (sieht man einmal von einer Episode mit Amazonen einmal ab) und die Lösung sich aus den vorhandenen Teilen in der Geschichte selbst und nicht aus einer plötzlichen Deus ex Machina heraus ergeben. Es existieren also richtige Handlungsbögen und wenn man heute versuchen würde die Serie Andrax neu aufzulegen und mam Beispiele für "gute" Vorlagen nennen solle, wären diese beiden wohl dabei.

Dabei bietet die zweite Geschichte höchstens dieselbe Sorte Trash die man schon gewohnt ist. Andrax und Holernes geraten in eine Gegend, die von kleinen Pygmäensteppenreitern und den Bewohnern einer großen Stadt bevölkert wird, die beide jedoch unter der Kontrolle eines "großen Wesens" stehen. Doch während die Steppenreiter von der geheimnisvollen Wesenheit zur Aggressivität angstachelt werden, sind die Bewohner der Stadt auf eine paradiesische Art und Weise friedfertig und fast scheint es so, als ob das große Wesen sie nur schützen wollen würde. Doch dies hier ist Andrax. Andrax gibt sich nicht mit philosophischen fragen ab, so interessant sie auch sein mögen. Wozu hat er denn am Anfang der Geschichte einen Panzer gefunden (den er natürlich als echter Mann der 70er tadellos fahren kann. zu seiner Zeit war das in Mode)? Also werden am Ende Mauern niedergerrissen und Frieden mit Gewalt erzeugt, so wie man es seit Jahrtausenden praktiziert.
Was diese Geschichte wirklich auszeichnet, ist ihr großes Potenzial und das moralische Dilemma, in dem sich unsere helden eigentlich befinden dürften. Aber davon wollte man zu PRIMO-Zeiten nichts wissen.

Geschichte eins dagegen ist nach der Episode mit den Vampiren (der besten Geschichte des ersten Bandes) die einzige Geschichte mit ganz eindeutigen Fantasyanteilen. Und wie schon geschrieben, ist sie selbst heute noch fast gut. Ja, die Charaktere bleiben wie immer eindimensional (Andrax rettet, die holde Weiblichkeit schluchzt, die Dorfbewohner brennen), aber die Erzählung um den Werwolffluch einer weißen Wölfin und wie die Familie der betreffenden verfluchten Frau schon seit Jahrhunderten darunter lidet, ist vom Konzept her immer eine gute Vorlage für eine Geschichte und dass Andrax in dieser Geschichte alleine unterwegs ist, gibt den Autoren die Möglichkeit, ihm einen neuen Sidekick zur Seite zu stellen. Dieser ist Rob in the Wood (es ist Robin Hood) und er versprüht in diesem einen Auftritt mehr persönlichkeit als Andrax in all den Geschichten davor. Er ist ein Gauner, aber einer von der charmanten Sorte ud man fragt sich, warum man mit dem Langweiler Andrax volieb nehmen muss, wenn wir diesen fleischgewordenen Archetypen des liebenswerten Schurken haben könnten? Nun ja, sei es wie es sei, Rob ist auf jeden Fall eine schöne Ergänzung dieser unterhaltsamen abenteuergeschichte, in der List und Schwertarm gebraucht werden und die durch ihren düsteren Unterton aus der Masse an Andraxgeschichten als wahre erle herausragt.

Am Ende hat man den besten Band der Serie vorliegen, mit zwei Geschichten, die wieder beweisen, dass Qualität am Ende immer über Quantität auf längerer Sicht triumphieren wird.

4 von 5 Sternen


Andrax, Bd.2 : Im Labyrinth der Zeit
Andrax, Bd.2 : Im Labyrinth der Zeit
von Peter Wiechmann
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Wie man die Welt verbessert: Lesend lernen mit Andrax, 26. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Andrax aufregende Abenteuer führen ihn und seinen fröhlichen Fahrtgefährten Holernes in weitere gefährliche Situationen, die nur auf Grund Andrax überragender Fähigkeiten (zum Glück weiß er ja so gut wie über alles Bescheid) gelöst werden können. So befreien unser tapferes Duo Neandertaler (natürlich) aus den Fängen einer griechischen Sklavenhalterkultur, bekämpfen einen Tyrannosaurus Rex mit überlegener Technologie und eines echsisch anmutenden Volkes (selbstverständlich) und kämpfen in einem dorf voller Germanen gegen unsterbliche Wissenschaftler und die niederen Instinkte, die den Menschen auch noch nach zweitausend Jahren beseelen.

Vor allem die letzte Geschichte ist das eigentliche Herzstück des Bandes (wohl einer der Gründe warum eine der in ihm vorkommenen Szenen auch das Cover bildet) und besticht vor allem dadurch, dass die Handlung etwas konzentrierter und dichter ist als in vorangegangenen Geschichten, aber trotzdem noch wirr und hektisch genug ist, um nicht etwa das Gefühl zu haben es mit einer durchdachten und durchgearbeiteten Geschichte zu tun zu haben, wie man sie heutzutage serviert bekommt, wo man glaubt Charaktertiefe und Planung könnten etwas zum Gesamtwerk beitragen, ha! Andrax lacht über solchen Anspruch. Andrax verlacht auch Logik oder Konsistenz und das ist auch, was die Serie weiterhin unterhaltsam macht (von der wundervollen Schwarzweißmalerei in jeder Geschichte einmal abgesehen). Wer meine Rezension zu Band 1 gelesen hat, kann an dieser Stelle abbrechen, denn es gibt nichts weiter zu sagen. Andrax bleibt weiterhin der schlaue, leicht (oder sehr) selbstgerechte weiße Held, der nichts falsch machen kann (DAS wäre mal eine Episode!), Holernes ist weiterhin der hohlköpfige Barbar, der all die Fehler macht, die Andrax sich nicht erlauben kann. Monogamie oder sich irgendwo niederzulassen ist beides nicht ihre Sache (obwohl Holernes auch noch verheiratet ist, dieser glatzköpgfige Schlingel) und sie sind schon zwei Glückspilze, dass sich niemand wirklich als intelligenter als sie beide herausgestellt hat.

Und doch gibt es ein kleines Paradox. Denn mögen alle Geschichten auch gewisse Muster verfolgen, es wird immer versucht zumindest eine abwechslungsreiche Mischung zu bieten. Auch wenn in zwei Geschichten Dinosaurier vorkommen (Holernes beschwert sich sogar darüber), der Hintergrund ist ein anderer. Niemals werden dieselben Gegner benutzt und auch wenn Gewalt die Lösung für alle Probleme ist, so wird man doch zumindest kreativ, was das anbetrifft.

"Andrax" bleibt weiterhin eine herrlich anachronistische Reise durch die Fantasie seiner Macher, die vielleicht nicht viel Können (oder Ambitionen so etwas wie Anspruch einfließen zu lassen) dabei sind, denen man jedoch den Spaß den sie hatten deutlich anmerkt und der auch auf den Leser überspringt, wenn dieser sich einfach mitreißen lässt. Alles bleibt also beim Alten, die Geschichten sind temporeich, Jordi Bernets Zeichnungen kraftvoll und Peter Wiechmanns geschwollenes Nachwort lässt einen laut fluchen, muss man doch mal wieder die interessanten Informationen aus diesem Wortwulst mühsam herausarbeiten.

Wie gesagt, alles bleibt beim Alten.

4 von 5 Sternen


Andrax, Bd.1 : Experiment des Grauens
Andrax, Bd.1 : Experiment des Grauens
von Peter Wiechmann
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Zeitlose Abenteuer in der Zukunft, 24. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
1978.

Der Starathlet Michael Rush wird von einem verrückten Wissenschaftler gekidnappt und in eine Art Tiefkühlschlaf versetzt. 2000 Jahre später wacht Michael, den der Professor in einer aufgenommen Übertragung nachträglich "Andrax" getauft hat, wieder auf und stellt folgendes fest: die Welt mag sich zwar verändert haben, aber bestimmt nicht zum Guten. Dinosaurier wandeln wieder auf Erden, kriegerische Barbarenstämme teilen sich die Welt mit Mutanten, mittelalterlichen Königreichen und futuristischen Metropolen. Dafür werden die meisten Frauen dadurch geeint, mit perfekten Maßen beschenkt worden zu sein und scheinbar allergisch auf mehr als nur den nötigsten Hauch Stoff zu sein.

Doch wie reagiert Andrax auf diese fremde, gefährliche Welt? Sitzt er ängstlich in der Ecke und traut sich nicht einmal den Kopf aus dem ehemaligen Labor zu stecken? Ha, natürlich nicht! Mit dem Mut eines echten Langweilers, äh Helden greift er sich ein Schwert, dessen Umgang er natürlich von Anfang an beherrscht, schwingt es hier, schwingt es da und ist bereit diese fremde, neue Welt gemeinsam mit dem Leser zu erkunden.

Das Abenteuer beginnt!

"Andrax" erschien 1978 im Comicmagazin PRIMO, herausgebracht von Rolf Kauka, geschrieben von Peter Wiechmann und gezeichnet von Jordi Bernet, den manche vielleicht noch als Zeichner des amoralischen Noir-Comics "Torpedo" kennen. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: man merkt, dass diese Serie aus dieser Zeit stammt. Die Dialoge sind trashig ("Hirne und Nüsse...sie knacken!"), die Geschichten folgen meistens keinen richtigen roten Faden, sind eigentlich nichts weiter als ein Vorwand Andrax in besonders gefährliche Situationen mit exotischen Monstern zu stürzen und wer seine Welten geordnet und in sich "logisch" mag, also eine Erklärung dafür braucht warum Dinosaurier neben Rittern und Aliens auf Erden wandeln, der wird sich vor Wut in die Knöchel beißen. Doch genau diese Unordnung, diese vollkommene laxe Haltung gegenüber dem, was man heute "Worldbuilding" nennt ist es, was Andrax auch wieder charmant macht. Es ist ein Jungencomic im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Held ist ein überperfekter Langweiler, eine rechtschaffene Landplage wie man sie sich mit dreizehn ersinnt und seine Abenteuern merkt man vor allem an, dass sie einfach nur Spaß machen sollen. Spaß in dem Sinne, dass man gespannt ist welches Monster Andrax und Holernes, sein späterer Gefährte, diesmal bekämpfen werden, während sie Raumschiffe fliegen, Panzer fahren oder auf Pferderücken in die Schlacht reiten. "Wer braucht schon Logik, wenn man sich einfach puren Eskapismus hingeben kann?", schienen die Macher sich gedacht zu haben und sie haben Recht.

Egal wie "unrealistisch" die Geschichten auch sein mögen, selbst wenn man die miesen Dialoge nur mit einer gesunden Portion Ironie lesen kann (die in dieser Ausgabe vorliegenden Texte sind übrigens die überarbeitet und verbessert worden...du liebe Güte!), so langweilig und überkompetent der schon fast unsympathische Herrenmensch Andrax auch sein mag, am Ende ist es einfach eine Freude sich zurückzulehnen und diese ersten Geschichten (darunter eine mit Vampiren, die erstaunlich gut gealtert ist) auf sich einwirken zu lassen, eine Reise in eine Zeit zu unternehmen, wo man Comics vielleicht noch als Medium für Kinder verstanden hat, man sich aber zumindest bis zum geht nicht mehr austoben konnte, ohne dass man es als ironische Hommage betrachtete.

Es hilft allerdings auch, dass die Zeichnungen von Jordi Bernet, wie bei Torpedo in schwarzweiß gehalten, auch heute noch gut sind und seine Monster wie auch Menschen alle wirklich recht ansehnlich sind, auch wenn er bei den Frauen wirklich nur den Typ leicht bekleidetes Topmodell zu zeichnen vermag, was man(n) aber wohl auch verzeihen kann.

Es ist also ein schöner Sammelband, der nur einen Wehmutstropfen besitzt: das Nachwort von "Andrax"-Autor Peter Wiechmann. Um es kurz zu machen: eigentlich erzählt er etwas über die Entstehungsgeschichte von Andrax, allerdings auf so eine geschwollene Art und Weise, dass man vor lauter Ärger den Inhalt des Nachworts leicht übersieht. Vielleicht hätte jemand noch einmal drüberschauen und es bearbeiten sollen, wie er es bei den Texten der Comics getan hat.

Trotzdem, am Ende hat man einen schönen, stabilen Hardcoverband gefüllt mit Geschichten, die heute noch zu unterhalten wissen und sei es nur aus purer Nostalgie.

4 von 5 Sternen.


West of Hell (Fatale (Image Comics))
West of Hell (Fatale (Image Comics))
von Ed Brubaker
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,33

4.0 von 5 Sternen Die eine Frau quer durch alle Jahrhunderte, 21. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Im dritten Sammelband der Reihe "Fatale" nehmen Ed Brubaker und Sean Phillips vom Hauptplot und erzählen stattdessen vier kleinere Geschichten aus Jos Vergangenheit (sielend in den 1920ern und in Rumänien des zweiten Weltkriegs, also in den 1940ern) in denen mal wieder deutlich wird, wie ALT sie eigentlich schon ist. Viel interessanter sind jedoch die zwei anderen Geschichten, eine im Mittelalter, eine im wilden westen, in denen zwei andere Frauen die Hauptfiguren stellen.

Der Clou: Sie scheinen die gleichen Fähigkieiten wie Josephine zu besitzen! Sie ist aso nicht die erste und (vielleicht auch nicht letzte) Frau, der dies alles passiert ist! Und obwohl der dritte Band von Fatale wieder nicht so richtig mit der Sprache rausrücken wollen, was es denn nun mit alldem auf sich hat, so bekommen wir doch wieder einige Andeutungen, kleine Details, Hinweise, die natülich nicht befriedigen, sondern nur weiterhin neugierig machen sollen.

Verflucht sollen die Leute sein, die wissen wie man gute Mysterien schreibt.

Und so schließt man auch diesen, weiterhin gut gezeichneten (diesmal sogar mit einigen neuen Gesichtern. Hut ab Mister Phillips), Bad, rätselt bleibt neugierig und wurde weiterhin gut unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Mal sehen, wer als nächstes von Josephine mit in den Abgrund gezogen wird.

4 von 5 Sternen.


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