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Rezensionen verfasst von
Sebastian Rhau "ZigoZago" (Berlin)
(REAL NAME)   

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Malpensa
Malpensa
Preis: EUR 18,80

29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeit- und Weltreisen. Ausstieg links., 22. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Malpensa (Audio CD)
1987. The Nits, eine weithin unbekannte Band aus den Niederlanden, hat einen kleinen, aber feinen Hit in Deutschland. Wie ich Rezensionen und Artikel hasse, die damit beginnen. Aber ohne diesen kleinen, feinen Hit über die niederländischen Berge würde ich sie wohl bis heute nicht kennen. Die Berge und die Band.

2000. Ich kaufe mir - aus Nostalgie? - in einem Second Hand-Laden in München das dazugehörige Album. Und in den folgenden Jahren alle anderen (bis auf das allererste; immerhin hatte ich es auf einer Plattenbörse schon in der Hand) von New Wave über Superpop und Märchenliedern bis zur Kammermusik mit Steinen und so weiter. Aber immer mit Anspruch, mit Fantasie und Bildern und Hintergründen und einem unglaublichen Gespür für Melodien, die im Kopf bleiben und sich im Herz festsetzen. Ich nahm mit, was in den weiteren Jahren kam und in besagter Weise fortfuhr. Einzig "1974", das Jubiläumsalbum und die Rückkehr von Stips, lässt mich bis heute etwas ratlos zurück. "Les Nuits" (2006) ist dunkel-verschroben, "Doing The Dishes" (2008) roh und ungeschliffen und voller Energie, "Strawberry Wood" (2009) wie das Kind der beiden Vorgänger, eine Mischung aus beiden, Tendenz zu den Nuits. Auf der dazugehörigen Tour sah ich sie zum ersten Mal live und war erstaunt über den Witz und die Spielfreude, den die drei älteren Herren da auf die Bühne brachten. Dass die Nits in Deutschland, wenn überhaupt, nur als ein One Hit-Wonder aus den Achtzigern angesehen werden, ist im Grunde eine Tragödie, aber so lange sie weiterhin Musik machen, stört mich das gar nicht so sehr: Dann bin ich auf Konzerten viel näher dran. Damit wären wir endlich bei:

2012. Die Nits, eine weithin unbekannte Band aus den Niederlanden, veröffentlicht ohne Werbetamtam ein neues Album, das 21. Studioalbum (inklusive der beiden EPs und "Hjuvi", dem Orchesterprojekt): "Malpensa", benannt nach einem Mailänder Flughafen. Ein Hardcover-Buchumschlag mit den drei altersweißen bzw. -weisen Männern auf dem Cover, darin ein liebevoll gestaltetes Booklet mit den Songtexten. Ein Kunstwerk schon von außen.
Musikalisch fiel mir zuerst die Stimme Hofstedes auf, die inzwischen ein schönes Alterstimbre hat, während er eine Ägypterin im schwarzen Kleid besingt. Die Musik des ganzen Albums ist dezent von elektronischen Beats durchzogen, über die die typische Nits-Instrumentierung gelegt wurde. Anders als bei den vorherigen Alben sind darin feine, aber offensichtlichere elektronische Soundspielereien eingewoben, wiederkehrende Samples zum Beispiel oder verblüffende Effekte. Das lockert den Sound des Albums erfrischend auf. Nicht, dass er das nötig gehabt hätte, aber was sich bei genauem Hinhören entfaltet, macht einfach Spaß.

Vom Opener "Five Fingers" geht es von Kairo weiter auf diverse europäische Brücken, wo Liebespaare ihre "Love Locks" hinterlassen oder Selbstmorde begangen werden, und nach Paris, wo die Princess of Darkness auf dem Motorrad durch die Straßen jagt. Auf der Schwelle zum Tod bewegt sich auch der "Man on a Wire", der im Entstehungsjahr der Nits, 1974, mal eben auf einem Seil zwischen den noch unfertigen Twin Towers in New York herumturnte. Auf altbekanntem Nits-Terrain tummeln sich die "Blue Things": Flüsse, Himmel, Wolken, fallender Schnee und Regen aus dem Blau über dem Dachfenster. "The Poor" bewegen sich zeitlos und federnd, während die Wuppertaler "Schwebebahn" mit einer Frau besetzt ist, die sich an den Winter 1963 in Berlin erinnert, an einen Mann, den sie nicht vergessen kann, an die Mauer, an Kennedy, Adenauer und Brandt. Der Text ist etwas holprig, aber sehr sympathisch auf Deutsch gesungen. Und wenn man wie ich des Öfteren in der Berliner S-Bahn unterwegs ist und dabei die Ansage hört, dass der nächste Halt Friedrichstraße sein wird, dann darf man nach einer kleinen Schrecksekunde (Was? Falsche Richtung?!) heimlich lachen. Mach ich jedes Mal.
Mein absoluter Liebling des Albums ist das folgende "Minus Second Floor", das sich erst voll entfaltet, wenn man weiß, dass die Geschichte von Orpheus und Eurydike dahintersteckt. Eine unheimliche, gespannte Atmosphäre, in der jeder Ton, jedes Geräusch so perfekt platziert ist, dass ich jedes Mal verzaubert bin. Allein dafür würde ich dem ganzen Album fünf Sterne geben. Und heimlich verdrücke ein Tränchen für all das, was uns die Nits seit dem "turn around" in der Wäschetrocknertrommel des Schwimmers aus den 80ern geschenkt haben.
In "Big Black Boats" brennen abwechselnd Leuchttürme und Schiffe, während dunkle Wolken bzw. Vögel über den Himmel ziehen und der Gedankenzug umdreht oder ausbleibt. Trains and boats and planes revisited. Der Stips-Song des Albums ist "Thing Thing", ein Nachdenken über die Benennung von Dingen, die sich eigentlich nicht fassen lassen. Der Höhepunkt von "Malpensa", das fast achtminütige "Bad Government and its Effects on Town and Country", kommt fast zum Schluss und beruht auf einem Gemälde eines italienischen Malers aus dem 14. Jahrhundert. Verzweifelte Fragen nach verlorener Liebe und dem verschwundenen Heimatland, heruntergewirtschaftet von Lügnern, münden in einem fluffigen Instrumental, in dem sich die Talente der Musiker austoben. Die Trompete, die ein wenig klingt wie auf David Sylvians Solo-Frühwerk, tanzt mit einer Orgel freestyle. Dem könnte ich ewig weiter zuhören. Wie schön, dass sie sich dafür den Raum gelassen und so gefüllt haben.
Den Abschluss bildet das kurze "Paper", weißes Papier, auf dem sich alte Maler verewigen.

"Malpensa" ist wieder ein wunderbares Kunstwerk geworden. Ich danke dem kleinen, feinen Hit über nichtexistente Berge und grüße all jene, die dahinter auch mehr als nur eine Eintagsfliege aus den Achtzigern sehen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 12, 2013 12:38 PM MEST


Mary Ann im Herbst: Die allerneuesten Stadtgeschichten
Mary Ann im Herbst: Die allerneuesten Stadtgeschichten
von Armistead Maupin
  Gebundene Ausgabe

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herbstzeitlos, 22. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Wenn mein Herbst kommt, soll er blühen" singt Pe Werner.

Mary Ann Singleton aus Cleveland, Ende der Siebziger in San Francisco gelandet und später als brave Ehefrau zwischen Lifecoach und Dinnerparty im öden Darien versandet, muss nach Krebsdiagnose und inflagranti erwischtem Ehemann ihr Leben neu ordnen. Dazu kommt sie in den Schoß ihrer ehemals logischen Familie zurück, die lange nicht mehr in der Barbary Lane weilt, aber größtenteils in San Francisco geblieben ist. Wie oft üblich bei Maupin kommen die lose verbandelten Charaktere anfangs in seperaten, sich abwechselnden Erzählsträngen vor, diesmal allerdings nicht wie bei "Michael Tolliver lebt" in der Ich-Perspektive, die am Ende geschickt und für mich sehr überraschend in einem großen Finale ineinander laufen. Das alles in einem - wie meine Vorrezensenten schon beschrieben haben - gemächlicheren Ton, den ich allerdings dem fortgeschritteneren Alter der Hauptpersonen (und mir) angemessen und auch schön zu lesen finde. Maupin versteht es nach wie vor, den Zeitgeist einzufangen und genüsslich einzuweben. Mary Anns Facebook-Erkundung wird sich in zwanzig Jahren wohl ähnlich amüsant lesen wie manche technische Neuerung aus den ersten Stadtgeschichten heute. Das finde ich neben der liebenvollen Zeichnung der Charaktere, der Tatsache, dass sie weiterleben, und den immer noch interessanten Geschichten einfach sehr sehr schön. Ich habe dieses Buch innerhalb weniger Tage mit Freude gelesen und kann dafür nichts als die volle Punktzahl vergeben.

"Wenn mein Herbst kommt, trag ich's mit Gelassenheit."

Mary Ann hat hat die Voraussetzungen geschaffen, ihren Herbst und damit ihr Leben wieder zum Erblühen zu bringen, nicht umsonst wird ihr im Flug zurück eine Telefonnummer zugesteckt, während sie neben - siehe da: Blossom sitzt. Angeblich arbeitet Maupin schon am nächsten Buch, das wohl den Untertitel "Die allerallerneuesten Stadtgeschichten" tragen wird. Und weißt du was? Ich freu mich drauf!


Rule of Thirds
Rule of Thirds
Preis: EUR 26,10

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Il vento caldo dell'estate, 14. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rule of Thirds (Audio CD)
Im Mai des letzten Jahres schickte mir eine Freundin mit Hang zu Skandinavien und 80er Pop einen YouTube-Link: "The Catcher In The Rye" von Azure Blue. Sommerfrische in Bild und Ton; Leute, die aus dem Himmel fallen in tiefes Blau, und dazu diese unwiderstehlich catchy Musik, funkelnd-neu und gleichzeitig wie eine Welle aus dem Jahrzehnt, in dem ich musikalisch sozialisiert wurde: Als wären China Crisis aus dem Jahre 1983 in die Jetztzeit gebeamt worden.
Azure Blue ist vor allem Tobias Isaksson aus Schweden. Wer seine früheren Bands Laurel Music und Irene kennt, weiß mehr als ich. Ich bekam "The Catcher In The Rye" den ganzen Sommer über nicht aus dem Kopf und erwartete entsprechend neugierig das Debutalbum, das schließlich im Herbst 2011 veröffentlicht wurde. Bis es dann auf CD ausgeliefert wurde, war schon nach Weihnachten. Seitdem bin ich: selig.

"Rule of Thirds" ist wie die Vorabsingle eine tiefe Verbeugung vor dem 80er Synthiepop der warmen, entspannten Sorte: China Crisis, OMD, die späten Roxy Music, Ultravox, New Order, The Cure. Die Robert Schmidt-Gitarre höre ich vor allem auf "Dreamy Eyes" heraus. "Little Confusions" erinnert mich gegen Ende an R.E.M.s "Belong", "Seasons" klingt ein wenig nach "1979" von den Pumpkins, "The Shore" hätte problemlos ein Hit für OMD sein können. Was alle Songs gemeinsam haben: Diesen warmen elektronischen, den Hörer umspülenden Klang (ja, wie das glasklare, azurblaue Meer) und die ebenso warme Stimme des Sängers. Das ist eine wunderbare Kombination zum Verlieben.
Azure Blue heißt für mich: Fallen lassen, sich treiben lassen, ein wenig Nostalgie, viel viel Gefühl und der heiße Wind eines großartigen Sommers.
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Rule of Thirds
Rule of Thirds
Preis: EUR 17,88

5.0 von 5 Sternen Il vento caldo dell'estate, 14. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rule of Thirds (Audio CD)
Im Mai des letzten Jahres schickte mir eine Freundin mit Hang zu Skandinavien und 80er Pop einen YouTube-Link: "The Catcher In The Rye" von Azure Blue. Sommerfrische in Bild und Ton; Leute, die aus dem Himmel fallen in tiefes Blau, und dazu diese unwiderstehlich catchy Musik, funkelnd-neu und gleichzeitig wie eine Welle aus dem Jahrzehnt, in dem ich musikalisch sozialisiert wurde: Als wären China Crisis aus dem Jahre 1983 in die Jetztzeit gebeamt worden.
Azure Blue ist vor allem Tobias Isaksson aus Schweden. Wer seine früheren Bands Laurel Music und Irene kennt, weiß mehr als ich. Ich bekam "The Catcher In The Rye" den ganzen Sommer über nicht aus dem Kopf und erwartete entsprechend neugierig das Debutalbum, das schließlich im Herbst 2011 veröffentlicht wurde. Bis es dann auf CD ausgeliefert wurde, war schon nach Weihnachten. Seitdem bin ich: selig.

"Rule of Thirds" ist wie die Vorabsingle eine tiefe Verbeugung vor dem 80er Synthiepop der warmen, entspannten Sorte: China Crisis, OMD, die späten Roxy Music, Ultravox, New Order, The Cure. Die Robert Schmidt-Gitarre höre ich vor allem auf "Dreamy Eyes" heraus. "Little Confusions" erinnert mich gegen Ende an R.E.M.s "Belong", "Seasons" klingt ein wenig nach "1979" von den Pumpkins, "The Shore" hätte problemlos ein Hit für OMD sein können. Was alle Songs gemeinsam haben: Diesen warmen elektronischen, den Hörer umspülenden Klang (ja, wie das glasklare, azurblaue Meer) und die ebenso warme Stimme des Sängers. Das ist eine wunderbare Kombination zum Verlieben.
Azure Blue heißt für mich: Fallen lassen, sich treiben lassen, ein wenig Nostalgie, viel viel Gefühl und der heiße Wind eines großartigen Sommers.
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Tanzt Keiner Boogie
Tanzt Keiner Boogie
Preis: EUR 8,97

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Danach kräht kein Hahn mehr. Schade eigentlich!, 11. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tanzt Keiner Boogie (Audio CD)
"Ich kaufte mir die Silly-Platten - alle bis auf die erste, die wirklich bescheuert ist" schreibt Alexander Osang in seinem empfehlenswerten Buch Tamara Danz - Legenden von 1997. Dies schien all die langen Jahre Konsens gewesen zu sein, so dass ich mir, dank Westsozialisation erst Ende der 80er mit Silly in Kontakt gekommen, aber sofort ins Herz geschlossen, erst Ende 2011 das hier vorliegende, erste Album von (Familie) Silly zugelegt habe. Der Titelsong war schon auf Bye Bye... - Best of Silly Vol. 1 mit drauf, fiel in seiner Angestaubtheit zwischen den Klassikern aber zu sehr aus dem Rahmen, um mich neugierig zu machen. Auch wenn man Zeitzeugen oder die Silly-Musiker in Interviews hört, gibt es über das erste Album nichts Positives zu berichten.

Und das ist soooo schade, das kann ich kaum beschreiben! Beim ersten Hören war ich auch noch skeptisch. Der Sound orientiert sich eher an den 70ern als die wavig-coolen Synthiealben, die folgen sollten (aber es war schließlich erst 1980), manches driftet in den Klamauk ab und erinnert an die DDR-Zeit von Nina Hagen. "Blue Jeans" ist, besonders herausgerissen aus den damaligen Umständen, heute kaum noch nachvollziehbar, "Gut' Nacht, Amigo" zieht sich zäh durch einen seltsam schlagerhaften Text und "Irgendwann stinkt jeden mal was an" ist mir viel zu nervig und altklug.
Aber dann hab ich genauer hingehört. Locker-flockig in Reggae getaucht "kräht kein Hahn mehr": Die Kombination aus Tamara und wer da sonst noch mitsingt passt wunderbar, das schlängelt sich in die Gehörgänge und bleibt stundenlang drin sitzen. Für "Angst in der Nacht" gilt das auch. Der Text ist bedrückend und naiv zugleich, die Stimmung bleibt aber trotzdem erfrischend leicht - trotz des Mühlsteins auf der Brust. Irgendwie auch niedlich. Der Instrumentalteil erinnert mich dann an Nina Hagen Bands "Der Spinner": Der Sound der Zeit. "Der letzte Kunde", heute gerne abgetan als DDR-Kult-Hit, war mir dennoch gänzlich unbekannt. Bei Saufliedern renne ich normalerweise auch schreiend davon, aber in diesem Fall ist das so sympathisch, da stimmt einfach alles. Das geht auch früh um 7 in der S-Bahn - auf dem Weg zur Arbeit, nicht nach Hause! - und macht mir jederzeit gute Laune. Albern ist es, gewiss gewiss. Interessanterweise wurde der Text von Werner Karma geschrieben, dessen Zeilen die folgenden drei Silly-Alben füllten. Der Legende nach kam er erst später ins Spiel, als er mit einem Stapel Blätter an die Band herantrat, auf denen alles stand, was wenig später zum Album Mont Klamott wurde. Irgendwie scheint es, als wollte keiner mit dem Frühwerk in Verbindung gebracht werden. Abgesehen von Tamara Danz war 1996 auch kein Musiker aus der Erstbesetzung mehr in der Band. Mit Silly von heute besteht somit kaum eine Verbindung.
Zuletzt kommt die Krönung des eigentlichen Albums, "Menschenland": Eine schwermütige Ballade über das Erwachsenwerden in der kalten Welt der modernen Gesellschaft. Text ebenso von Karma. Das kann ich hören und wieder hören und noch mal hören. Und alles am nächsten Tag von vorn. Wunderschön.
Dass ich so lange gebraucht habe, um diese großartigen Stücke zu entdecken, tut mir fast schon Leid. Aber umso mehr freue ich mich jetzt darüber.
Wer den Sound der Silly-Alben der 80er schätzt, wird womöglich enttäuscht sein, aber wer die Stimme von Tamara Danz liebt, wird hier Perlen entdecken. Nur Mut!
"Wirklich bescheuert"? Definitiv nein. Nur teilweise. Dafür locker 4 Sterne.

Eine Anmerkung noch zu den Bonustracks: Ich finde sie nicht weiter von Belang, da sie mir zu doll nach 70er Schlager klingen. "Yesterday", nun ja, ist nett, aber mit den Beatles konnte ich noch nie etwas anfangen. Nicht einmal, wenn sie von Tamara gesungen werden.


National Treasures-the Complete Singles
National Treasures-the Complete Singles
Preis: EUR 20,99

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Little Empires., 4. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die erste Begegnung mit den Manic Street Preachers hatte ich 1994 in Form der "Faster"-MCD, aber es dauerte vier Jahre, in denen sich die Manics grundlegend veränderten, und ein paar Ausstrahlungen des "If You Tolerate This Your Children Will Be Next"-Videos, bis ich angebissen hatte. Ich besorgte mir daraufhin alle Alben, musste aber feststellen, dass mir der brachialere Sound der ersten Alben weit weniger zusagte als die orchestralere Ausrichtung von "This Is My Truth Tell Me Yours", das mir von vorn bis hinten zusagte. Aber ich hab in meinem Leben auch noch kein Clash- oder Guns N' Roses-Album gehört. Ich gehöre also zu den Fans, die erst nach Richey Edwards dazugekommen sind und den Verehrern der ersten Jahre mitunter wie Verräter vorkommen. Im Laufe der Jahre kaufte ich mir alle weiteren Alben, hörte diese auch, aber war nie wieder so begeistert wie 1998. Bis jetzt. Nur nebenbei jubelte mir Amazon unter, dass es mit "National Treasures" eine neue Singles-Compilation geben soll, die ich mir dann einfach mal bestellte. Seitdem bin ich auf Entdeckungsreise. Allein die 38 Singles, hier vorliegend in der Reihenfolge ihrer Veröffentlichung, tragen einen durch 20 Jahre Musikgeschichte zwischen großen Gefühlen und harten Gitarrenriffs - mit Wut und politischem Anspruch.

CD1 umfasst die Jahre 1990 bis 96 und beinhaltet neben einer der frühen Singles ("Motown Junk") die der ersten vier Alben sowie mit "Suicide Is Painless" eine non-Album-Coverversion der Titelmelodie von M*A*S*H von 1992. Es war die Zeit der großen Parolen und politischen Statements, die sich auch im Auftreten des Quartetts zeigten und im schwer verdaulichen "The Holy Bible" mündeten. Edwards' Texte pendelten irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Nach seinem Verschwinden Anfang 1995 kehrten die Manics als Trio mit weniger plakativem Äußeren zurück, der politische Anspruch indes blieb, und ernteten den Erfolg, den sie ursprünglich haben wollten. Für einige Fans ist dies noch immer die einzig relevante Phase der Band. Mir geht es da umgekehrt, denn ich finde die Spätphase wesentlich zugänglicher und damit für mich interessanter.
CD2 beginnt im Jahr 1998 mit der ersten Nummer Eins in den UK-Singles-Charts und arbeitet sich durch die Auskopplungen aus fünf weiteren Alben bis 2011 hoch. Daneben finden sich die non-Album-Single "The Masses Against The Classes" und die beiden Singles aus den Best Ofs von 2002 ("There By The Grace Of God") bzw. der vorliegenden Zusammenstellung, einer Coverversion eines The The-Songs von 1983. Ausgespart wurde das Album "Journal For Plague Lovers" von 2009, aus dem es keine Auskopplung gab.
Die CDs sind verpackt in einem Hardcover-Buch im DVD-Format, das neben den Infos zu den Songs viele Fotos der Band beinhaltet. Dazu gibt es eine DVD mit allen Videoclips zu den Singles und drei Bonustiteln. Kann ich nur empfehlen: Ich kannte davon nur wenige und war beim Anschauen begeistert über so viele gut gemachte Kunstwerke. Langweilig wird das nicht!

Inzwischen habe ich mich durch das Gesamtwerk der Manics gearbeitet und immer wieder großartige Songs aus jeder Phase entdeckt. Leider spielten sie in Deutschland nie die Rolle, die sie verdient hätten, neben Grunge aus Amiland und später Britpop liefen sie immer eher am Rande, aber zur Orientierung und zum ersten tieferen Eintauchen in die Welt der Manic Street Preachers, sicher auch als schöne Rückschau für all jene, die mehr oder weniger dabei waren wie ich, taugt die vorliegende 2CD/DVD-Box auf jeden Fall. Ich würde sie auch umbenennen in "International Treasures", denn sie funkeln über jegliche Landesgrenzen hinweg.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2012 12:51 PM MEST


The Ghost That Carried Us Away
The Ghost That Carried Us Away
Preis: EUR 14,98

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Bear That Carries Me Away, 20. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Ghost That Carried Us Away (Audio CD)
Der wunderbar unspektakuläre Videoclip zu "I Sing I Swim" tauchte vor ein paar Wochen auf meiner Facebook-Startseite auf - ein Freund war so nett. Ich war auf der Stelle hin und weg und bestellte mir ohne Umwege oder weiteres Reinhören die beiden erhältlichen Seabear-Alben. So was passiert mir äußerst selten. Was mir noch nie passiert ist, ist, dass mich Musik derartig einnehmen kann, unspektakulär, wie sie ist. "The Ghost That Carried Us Away" ist schon über vier Jahre alt, war aber - wie so vieles - spurlos an mir vorüber gegangen. Schon von der Gestaltung her eher kindlich-naiv und gleichzeitig so cool, wenn man irgendein Hochglanzprodukt aus den Charts daneben stellt. Und ebenso verhält es sich mit der Musik. Das wurde in den Rezis vor mir ja auch schon schön beschrieben: Akustische Instrumente, Glockenspiel, Geige, Mundharmonika, Gitarre, Bass, dezentes Schlagzeug, nie aufdringlich, aber gleichzeitig so präsent akzentuiert, als wäre jeder Ton, jedes Geräusch genau da, wo es immer hingehörte. Darüber die warme Stimme des Sängers und Dichters, der von Bäumen und Eulen und Bergen und Laub und Spuren im Schnee und traumlosen Nächten und Füchsen und Vögeln singt, von dunklen Meeren und Sommern und Schiffen in Flaschen und abfallenden Blättern, die den Fluss hinabtreiben. Da es keine offiziellen Songtexte gibt, wird im Internet heftig um einzelne Wörter diskutiert, was ich heute erst mitbekommen habe. Vorher habe ich mir um die Texte kaum Gedanken gemacht, geschweige denn genau hingehört. Auf jeden Fall sind sie vielfältig interpretierbar, weil in Bilder verpackt, aus denen sich jeder selbst einen Reim machen kann. In schönen Bildern, die Lebendiges erzählen, wo es zwitschert und glitzert und atmet.
Für mich ist das die pure Entschleunigung. Mit Seabear auf den Ohren kann ich durch den alltäglichen Großstadtverkehr laufen und selbst im größten Gedränge die Ruhe selbst sein. Als wäre ich umnebelt von einer Wolke, die allen Stress einfach ausblendet. Oder auf dem Sofa liegen und glücklich sein.

"When the birds are sleeping
That's when the trees sing"
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 11, 2013 9:15 AM MEST


Hurricane Deluxe
Hurricane Deluxe
Preis: EUR 18,98

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dub be good to me!, 4. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hurricane Deluxe (Audio CD)
Als "Hurricane" vor fast drei Jahren erschien, haute es mich um. Diese Wucht, die Energie auch in den langsameren Stücken, die konsequente Fortführung von Grace Jones' stärksten Momenten aus den 80ern, ohne sich in angestaubtem Retrosound zu verfangen, das hätte ich nicht für möglich gehalten. In der Zwischenzeit hat das Album davon nichts verloren, mit manchem Hören wächst es sogar noch. Und hier kommen die Dub-Versionen ins Spiel. Allein bei der Vorstellung, das ganze Album in einer Art Variation zu hören, dubgemäß nicht als stumpfer Technoremix mit ödem Beat, sondern als Spiel der Instrumentalspuren mit eingestreuten Vocalparts, war ich voller Vorfreude, und dann saß ich da mit der CD im Player und wurde aufs Neue umgehauen.

Ich empfehle, es laut und über Kopfhörer zu hören. Jedes Stück wird zu einer Entdeckungsreise - man kennt die Gegend, aber sie sieht mitunter völlig anders aus. Als wäre der Hurrikan durch ein altbekanntes Land gezogen und hätte alles verschoben und anders zusammengesetzt. Dazu dieser Bass. Die Details sitzen zwischen angenehmer Entspannung und der nach wie vor vorhandenen Wucht, die mir mitunter Tränen in die Augen treibt. Das zieht an mir vorbei und nimmt mich mit oder lässt mich zurück und holt mich wieder ab. Ivor Guest, der schon für die Produktion des eigentlichen Albums zuständig war, war auch Hauptverantwortlicher für die Dub-Versionen (bis auf den "Devil Dub"), so dass er auch auf im Endmix nicht erschienene Instrumentalpassagen zurückgreifen konnte, was der Entdeckungsreise noch einen zusätzlichen Kick verleiht. Die Wirkung ist enorm.

Die Aufmachung des Digipaks ist spartanisch, die Schrift hält sich an die Erstveröffentlichung, nur die Schokoladenfabrik-Fotos sind verschwunden. Das Booklet ist entsprechend spärlich, enthält aber alle Infos über die Beteiligten. Ansonsten bin ich restlos begeistert und so froh über die Möglichkeit, "Hurricane" noch einmal neu entdecken zu können. Wer das Album bereits hat, sollte möglicherweise vorher reinhören. Für mich sind die Dubsies eine großartige Bereicherung - ohne Wenn und Aber.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 19, 2011 6:33 AM CET


Messages: OMD Greatest Hits - 30 Years in Sight & Sound
Messages: OMD Greatest Hits - 30 Years in Sight & Sound
Preis: EUR 7,99

21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen My feelings still remain ..., 29. August 2010
Manchmal schmeißen Plattenfirmen immer wieder den gleichen alten Mist in neuer Verpackung auf den Markt, manchmal lassen sie sich aber auch was dabei einfallen. In diesem Fall wurden die bereits 1998 veröffentlichten "OMD Singles" nicht nur durch die Dazzle Ships-Ableger "Genetic Engineering" und "Telegraph" ergänzt, sondern gleich mit einer kompletten Videoclip-Sammlung auf DVD zusatzausgestattet. Super Idee!

Zur CD: Bis auf Titel 1 und 2 (wohl wegen des Compi-Namens) chronologische Reihung der bekanntesten Singles von OMD. Das beginnt 1979 mit sympathisch analoger Elektronik ("Electricity"), die in die langsameren, warmen Soundcollagen des Architecture & Morality-Albums ("Joan Of Arc") übergeht, um dann nach einem Schritt zurück ("Telegraph") im Mitt-80er Chartspop zu landen ("Tesla Girls", "Secret"). Damit sollten endlich die US-Charts geknackt werden, was kurzzeitig auch gelang ("If You Leave" vom "Pretty In Pink"-Soundtrack). Die Band vergrößerte sich und gab sich organischer im Sound, doch gab es am Ende keine gemeinsame Basis mehr. Die letzte Single aus den 80ern, "Dreaming", erinnert mich heute noch an die seelenlosen Stock/Aitken/Waterman-Produktionen, die zu dieser Zeit die Charts bestimmten. Die anschließenden und bis 2010 letzten drei Alben (1991 - 96) veröffentlichte Andy McCluskey dann im Alleingang, was ihm noch einmal Chartserfolg bescherte ("Pandora's Box", "Walking On The Milky Way"), durch die Anbiederung an den damals angesagten Eurodance aber auch mitunter schwer verdaulich wurde, besonders für die alten Fans.
Was die vorliegende Zusammenstellung allerdings so großartig macht: Sie macht Spaß. Ob "Enola Gay", "So In Love" oder "Sailing On The Seven Seas", da steckt Energie drin, und wer seit den frühen 80ern ein Ohr für Pop hat, kennt die Songs. Das ist nicht Jedermanns Geschmack, aber wer ein paar der Songs in der Titelliste wiedererkennt und mehr hören möchte, ist mit dieser Zusammenstellung sicherlich gut bedient. Wem das nicht reicht: Die weniger kompakten, experimentelleren OMD mit ausschweifenden Stimmungsbildern finden sich eher auf den ersten vier Alben, von 1984 bis 1986 bekommt man erste Sahne Pop, zuletzt eher Dance-Pop.

Zur DVD: Ich kannte kaum einen der Videoclips. Die ganz frühen Aufnahmen zwischen Metallgestellen in leeren Fabrikhallen sind rührend, weil so typisch für die Anfänge des Musikfernsehens. Daraus werden mehr und mehr kleine Minidramen, die jeweils eine junge Dame beinhalten, die mit dem einen zusammen ist und am Ende mit dem anderen abzieht, was sich irgendwann ausgereizt hat. Ende der 80er gab es weniger in Bildern erzählte Geschichten, mehr Bandperformances, und die frühen 90er warten mit der damals im Pop so populären Farbenpracht auf, die mich immer wieder überrascht. Insofern ist die DVD auch ein schöner Streifzug durch die Geschichte des Musikfernsehens. Großartige Kunstwerke sollten allerdings nicht unbedingt erwartet werden. Für einen amüsanten Nachmittag aber reichen sie aus.

Wer also einen nicht vollständigen, aber guten Überblick über die ersten drei Kapitel der Band OMD haben möchte, darf hier zugreifen. Die lange Schaffenspause ist inzwischen vorbei; hoffen wir, dass das nächste Kapitel ähnlich ertragreich wird.


So Red the Rose (Special Edition)
So Red the Rose (Special Edition)

26 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The waiting game is over!, 13. April 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: So Red the Rose (Special Edition) (Audio CD)
"Schock! Duran trennen sich in zwei Bands!" stand Mitte 1985 auf der Bravo, was mich als damals 10jährigen ziemlich mitnahm. The Power Station waren schon am Plattenverkaufen, der Rest von Duran Duran hieß noch "Taylor Rhodes LeBon" und werkelte in Paris an einem geheimnisvollen Projekt. Zwischendurch gab's James Bond, Live Aid und einen Segelunfall. Ein halbes Jahr später saß ich am Heiligen Abend im Wohnzimmer, bastelte am Plastikmodellbausatz eines Cermedes 190E herum und hörte zum ersten Mal via MusiCassette Arcadias "So Red The Rose". Ich war beeindruckt. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich von Duran Duran "Rio" auf MC, "Arena" auf LP und ne Menge Poster an der Wand.
Wenig später bemerkte ich, dass MCs Schrott sind, kaufte mir irgendwann die LP, und dann dauerte es Jahre, bis ich auf die Anfang der 90er nachgeschobene CD-Veröffentlichung stieß. Die eigentliche Warterei zog sich dann allerdings durch das letzte Jahrzehnt, denn eine ordentliche Wiederveröffentlichung mit den Single-Versionen und Maxi-Remixen auf CD hielt ich für bitter nötig (das unoffizielle Bootleg "Heaven's Eyes" war mir nie vollständig genug). Jetzt ist diese da - und ich bin wieder beeindruckt.

CD1 enthält das Album, das, ich verweise auf die anderen Rezensionen, als "Meilenstein" im Mitt-80er-Pop bezeichnet werden kann. So wenig mich nach wie vor Durans drittes Album von 1983 anspricht (zu hohl, zu flach, zu bemüht), so sehr bin ich hiervon angetan, denn Arcadia schafften mit demselben Produzenten, aber weitgehend frei von den Zwängen der Teeniesensation Duran Duran eine musikalische Wunderwelt. Einen wichtigen Beitrag leisteten dazu sicherlich Gäste wie David Gilmour, Mark Egan, Grace Jones, Sting, Herbie Hancock, Carlos Alomar, Andy Mackay, David Van Tieghem oder Masami Tsuchiya, die das Klangspektrum von 3/5 bzw. 2/5 Duran Duran (Roger Taylor war irgendwann vor Fertigstellung des Albums raus) enorm erweiterten. Neben astreinen Pop-Singles wie dem treibenden "Election Day" oder "The Flame" finden sich eisige ("Lady Ice") bis exotische Soundcollagen ("El Diablo") mit einer Spielzeit von mitunter mehr als 7 Minuten. Nick Rhodes hatte den Fairlight-Synthesizer entdeckt. Die Songtexte sind early-Duran-obskur, werden aber auch konkreter ("Goodbye Is Forever" - Bravo-Leser von damals könnten sich erinnern, um welche junge Frau es ging), bisweilen sogar im weitesten Sinne politisch ("The Promise"). Das ist eine von Anfang bis Ende großartige Mischung, die auch 25 Jahre später noch funktioniert, sofern man nicht Protestsongs und Hardrock erwartet.
Im Anschluss an das Album werden die Single-Abmischungen aufgereiht, wobei die letzte Arcadia-Single "Say The Word" den Anfang macht, die im Sommer 1986 aus dem Soundtrack zu "Playing For Keeps" allein in den USA ausgekoppelt wurde und sich meines Erachtens nur wie eine ungehobelte Demoversion eines Songs anhört, dessen Potential nicht ausgeschöpft wurde. "Election Day" und "The Promise" sind beschnittene Albumversionen, "Goodye Is Forever" wurde dezent bearbeitet ("...and ever and ever and ever and ever..."), und bei "The Flame" durfte Nile Rodgers nochmal Hand anlegen, der schon "The Reflex" zum nervtötenden Singlehit gemacht hatte und später "Notorious" produzieren sollte. Zuletzt gibt's noch die längere Soundtrack-Version von "Say The Word" und die einzige B-Seite, bei der es sich allerdings um einen Instrumentalmix vom Wahltag handelt.

CD2 wartet dann mit den Maxi-Remixen auf, wobei die (nicht ganz-)Instrumentalversion von "The Promise" bisher unveröffentlicht war. Allesamt sind das Extended Mixe der alten Schule, also phantasievoll ausgestaltete Variationen um den eigentlichen Song, keine dumpfen Danceklopper. Hervorzuheben wäre noch die lange Version von "Rose Arcana", das mich an die späten Japan erinnert. Von den Mixen sind fast alle da, der hier als 'Cryptic Cut' ausgezeichnete Mix von "Election Day" scheint mir eher der 'Fact And Story'-Mix zu sein, aber um dies zu überprüfen, müsste ich die alten Vinyl-Maxis auflegen. Ich wüsste nicht einmal, ob meine Anlage dazu noch imstande ist. Schon allein deswegen bin ich EMI dankbar, denn alles in einer Box, die mir plastikverpackt besser gefällt als die letzten beiden Duran Duran-Pappboxen, das war schon lange nötig. Ein Satz noch zum Booklet: Ich finde auch, da wäre mehr drin gewesen, wobei sich das Artwork am Original orientiert und alle Fakten soweit präsent sind; Texte leider nicht.

Zuletzt möchte ich noch auf die DVD eingehen, bei der es sich lediglich um die digitalisierte Version der Arcadia-VHS-Veröffentlichung handelt. Wo man früher noch spulen musste (die Making Ofs sind ja ganz nett, aber mehr als einmal in 20 Jahren brauch ich mir die nicht ansehen), kann man heute bequem springen. Die Clips zu den "So Red The Rose"-Auskopplungen halte ich für durchwachsen: "Election Day" orientiert sich in seiner Sinnfreiheit wohl am Songtext (und alle haben einen Hüftschaden, aber teuer war's!), wogegen "The Promise" durch Schwarz/Weiß und Einfachheit gewinnt, mal von allzu offensichtlichen und dadurch lächerlichen Posen abgesehen. "Goodbye Is Forever" ist überladen und wirkt billig, "The Flame" ist Slapstick und bad acting, aber dadurch schon wieder charmant. Zuletzt durfte sich 'light photographer' Dean Chamberlain an "Missing" heranwagen, was perfekt passt und immer wieder schön anzusehen ist. Zwei Jahre später wurde er noch einmal für den Duran Duran-Clip zu "All She Wants Is" verpflichtet, da sind die Parallelen verblüffend. Leider gibt es keine Bonusclips wie TV-Auftritte.

Auf der englischen Amazon-Seite wurde das Remastering verteufelt, angeblich alles nur auf Lautstärke bedacht, so dass die Nuancen gekillt werden. Mir ist nichts aufgefallen, aber ich bin womöglich auch nicht der HiFi-Experte, der sich deswegen die Haare rauft und zum Boykott aufruft; im Gegenteil: Bravo-Schocks nehmen mich schon lange nicht mehr mit, und Poster von föhngewellten Mittzwanzigern hab ich auch keine mehr an der Wand, aber das, was Arcadia 1985/86 fabriziert haben, das höre ich immer wieder gerne, und manchmal bin ich davon auch noch so beeindruckt wie damals. Schön, dass das noch geht.
Kommentar Kommentare (19) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 28, 2012 11:55 AM CET


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