Fashion Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Fußball Fan-Artikel calendarGirl Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16
Profil für C.H. > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von C.H.
Top-Rezensenten Rang: 3.012
Hilfreiche Bewertungen: 219

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
C.H.

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4
pixel
Vom Wissen und Wollen
Vom Wissen und Wollen
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Kein bisschen zu viel von allem, 16. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Vom Wissen und Wollen (Audio CD)
2016 ist mal wieder ein gutes Jahr für deutschsprachige Gitarrenmusik abseits des Mainstreams. Erst kamen Fjørt mit einem Brett von Album um die Ecke, nur um eine Woche später von Turbostaatscher Perfektion erneut getoppt zu werden. Daneben erschienen weitere ambitionierte Platten von Hey Ruin oder Illegale Farben. Und natürlich Marathonmann. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich 2012 etwa zur gleichen Zeit deren Debüt-EP und die von Heisskalt hörte: Marathonmann entschieden diesen Vergleich sofort für sich, Heisskalt klangen für mich damals zwar "ganz nett", aber auch ein wenig zu poppig und einfallslos und daher nicht sonderlich interessant oder gar besonders. Daher wurde ich auch 2014 völlig von 'Vom Stehen und Fallen' überrascht, das mir auf Anhieb sehr gut gefiel und einige, richtige starke Songs hatte, auch wenn man der Band noch anmerkte, dass sie noch gleichzeitig auf den beiden Hochzeiten Mainstream und sperriges Neuland tanzte. Welchen Weg schlagen sie nun mit 'Vom Wissen und Wollen' ein?

Ziemlich eindeutig: Innovation statt Charts, aber trotzdem die richtige Mischung aus Pop-Appeal, Sperrigkeit und emotionaler Härte. Der Song 'Absorber', der bei so manchem Rezensenten wohl nicht so gut ankam und mich anfangs auch vor den Kopf stieß, steht stellvertretend für das ganze Album. Natürlich bietet das Album auch konventionelle und besser ins Ohr gehende Einzelsongs, aber ob dem geneigten Hörer das ganze Album gefällt oder nicht, das steht und fällt ' zumindest meiner Meinung nach ' mit diesem Song. Wer sich auf 'Absorber' einlässt, der saugt auch 'Angst hab', 'Tanz tanz' und 'Trauriger Macht' in sich auf. Hervorgehoben seien zudem noch der ungestüm nach vorne preschende Opener 'Euphoria' sowie 'Von Allem', das von Dramatik und Atmosphäre an meinen Lieblingstrack vom letzten Album 'So leicht' erinnert.

Hier meine Bewertung der Einzelsongs:

1. Euphoria (10/10): schnell, hart, progressiv. Der Opener trügt: der Rest der Songs geht wesentlich weniger ungestüm zu Werke. Eindeutig das erste Highlight.

2. Absorber (9,5/10): gewöhnungsbedürftig, aber wächst mit jedem Hören. Zweites Highlight und einer der spannendsten Songs des Albums.

3. Nacht ein (7,5/10): entwickelt sich schnell zum Ohrwurm, reißt mich aber nicht so sehr mit und ist daher 'nur' guter Durchschnitt.

4. Angst hab (9,5/10): ein hibbeliger Song der Marke Post-Punk und was den 'Gesang' betrifft ähnlich gewöhnungsbedürftig wie 'Absorber'. Nächstes Highlight!

5. Apnoe (9/10): ziemlich ruhiger, atmosphärischer Song, bei dem mir besonders der Text gefällt.

6. Trauriger macht (9,5/10): epischer Track, der sich zum Ende hin allmählich aufbäumt. Gänsehautpotenzial!

7. Von allem (10/10): schlägt in eine ähnliche Kerbe wie der vorherige Song und ist ein perfektes Beispiel für die emotionale Klasse, die Heisskalt für mich so gut macht! Mein persönliches Highlight.

8. Doch (6,5/10): sperriger Song, mit dem ich mich noch nicht so recht anfreunden konnte. Bietet aber durchaus Potenzial zum Wachsen.

9. Nichts weh (7,5/10): guter Song mit schönem Text, aber qualitativ landet der Song eher im Mittelfeld des Albums.

10. Lied über nichts (8,5/10): war mir zunächst zu poppig und textlich zu platt, nach mehrmaligem Hören aber zu einem meiner Favoriten geworden. Klingt ein bisschen wie sehr düstere und pessimistische Kraftklub.

11. Tanz, Tanz (7/10): einer der härteren Songs der Platte, den man sich gut anhören kann, der aber nicht so recht hängen bleiben will.

12. Papierlunge (8/10): mit fast 8 min das längste Stück des Albums. Das Intro klingt wie Rise Against anno 'Endgame', ansonsten ein spannender Songverlauf, obwohl ich mir ein bisschen mehr von diesem Longtrack erwartet hätte, auch weil er ein bisschen langatmig ausfällt.

Heisskalt gehen mit ihrem zweiten Album ihren Weg konsequent weiter und wagen sich dabei auch auf neues Terrain, ohne alten Fans vor den Kopf zu stoßen. 'Vom Wissen und Wollen' klingt selbstbewusst und ist ein Album geworden, auf dem ich keinen schwachen Song ausmachen kann. Wer sie kennt, wird nicht enttäuscht, wer sich auf eine ungefähre klangliche Mischung aus Pop, Post-Hardcore und Post-Rock einlassen und mit dem zugegebenermaßen recht eigenwilligen Sprechgesang von Sänger Mathias anfreunden kann, der kriegt ein atmosphärisches Album einer der derzeit spannendsten Bands unseres Landes serviert. Fünf Sterne von mir! Ist das jetzt positiv genug?

Genre: eigentlich viel zu kompliziert zu beschreiben. Reinhören!

Ach ja: den Marathonmännern geht ob dieser Platte hier leider ein wenig die Puste aus!


A Moon Shaped Pool
A Moon Shaped Pool
Preis: EUR 9,99

78 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hype and dry, 9. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Moon Shaped Pool (MP3-Download)
Da ist er, der erste große Hype im Musikjahr 2016. Viel Zeit, um sich zu entfalten hatte er nicht: zwischen erster Single und der Veröffentlichung des ganzen Albums lag keine Woche, auch wenn die Gerüchteküche schon vorher kräftig brodelte. Kurz nach Veröffentlichung gestern Abend wurden dann auch auf plattentests.de Live-Konferenzen zum ersten Höreindruck eingerichtet (ok, mit ordentlichem Schuss Ironie), die ersten - ernstgemeinten! - Rezensionen auf den großen Seiten ließen auch nicht lange auf sich warten, es fehlte eigentlich nur noch die Eilmeldung der Tagesschau: +++ Radiohead veröffentlichen neuntes Album +++
Jetzt heißt es: locker bleiben. Sich das Album nicht vom ganzen Drumherum versauen zu lassen. Der Rolling Stone z.B. spricht davon, dass man aus "Daydreaming" eindeutig aktuelle Coldplay-Elemente heraushören könne. Da bin ich mir nicht sicher, ob das Magazin diese Review selbst fabriziert hat, oder ob der Text von Postillon oder Titanic kopiert worden ist.

Musikalisch steht fest: wer noch nie die Geduld dazu hatte, sich auf Radiohead einzulassen, der wird sich auch an "A Moon Shaped Pool" die Zähne ausbeißen. Für Die-Hard-Fans ist ohnehin jegliche Art von Review obsolet, da sie das Album seit dem 9. Mai 2016, 20.02 MEZ besitzen und sicherlich zu 99% nicht enttäuscht sein werden, dafür klingt das neunte Album einfach viel zu sehr nach Radiohead, wie man sie kennt und - in deren und meinem Fall - liebt. Etwas ruhiger vielleicht, aber wie immer experimentierfreudig im besten Sinne und mit über alle Zweifel erhabenen Großtaten wie "Burn the Witch" und "Identikit", die schon beim ersten Hören hängenbleiben, und neun weiteren Songkonstruktionen, die es sich in diesem Jahr (und darüber hinaus) zu "erarbeiten" gilt.

Daher an alle Freunde alternativer Musik abseits des Mainstreams, an euch, die ihr die Band für die am meisten überschätzte Band der 2000er haltet, an diejenigen, die sich bisher nicht an das Werk der Briten gewagt haben: konzentriert euch auf die Musik, denn die ist es doch, um die es hier eigentlich geht. Taucht ein in die Klangwelten, lasst euch mitreißen oder legt die Platte erst mal weg, wenn sie euch zunächst nicht zusagt, und hört sie irgendwann bei einem nächtlichen Spaziergang noch einmal oder haltet meinetwegen auch daran fest, dass das hier überkandidelte Ambientmucke für Hochintelligenzler wäre, aber bildet euch bitte, bitte, bitte eure eigene Meinung! Das ist etwas, was heutzutage - definitiv nicht nur was Musik betrifft - viel zu kurz kommt. Meine Meinung ist, dass hier ein wunderschönes Album vorliegt, an dem ich noch lange Freude haben werde, und das hier ist keine Überredung oder irgendein Aufdrängen einer Meinung, sondern einfach nur eine Einladung in den Radiohead-Kosmos einzutauchen.

Und an alle Fans: viel Spaß mit dem Album! :)
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 24, 2016 11:00 AM MEST


Ein Ende
Ein Ende
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das hier ist kein Ende, 8. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Ende (Audio CD)
Eins vorweg: "Ein Ende" ist nicht ganz so emotional wie "Wasser kommt, Wasser geht", hat nicht die Übersongs, die "Inselwissen" hatte (wenn ich nur an "Der Rückbau" denke, hab ich schon einen Ohrwurm), und hat nicht so viel Punkspirit wie "Treibeis" - aber hey, na und? Erstens kann das Album definitiv noch wachsen, und zweitens heißt das nicht, dass hier keine starken Songs drauf wären! Im Gegenteil, für mich ist das hier auf jeden Fall eines der besten Alben des Jahres bisher!

Die vierte Platte ist wie ich finde ein sehr homogenes Album geworden, auf dem kein Song alle anderen überragt, aber dafür auch kein einziger abfällt. Beim ersten Hören gefielen mir "St. Peter", "Tulpenfarm" und "Vom Ende an" besonders gut, beim nächsten waren es dagegen "Irgendwas", "Kette" und "Kreisel". Ich habe das Gefühl, dass die meisten Texte diesmal nicht ganz so griffig sind und nicht direkt im Hirn hängen bleiben, aber mit ein bisschen Auswendiglernen läuft das schon beim nächsten Konzert. Meinem Vorredner kann ich auch nur zustimmen, dass die Produktion wirklich gelungen ist und für eine "Feierabend-Band" extrem gut klingt!

Kurzum: Captain Planet gehören für mich neben Turbostaat, Pascow und Love A zu den "Big4" im deutschen Punk anno 2016 und "Ein Ende" festigt diese Position nur weiter. Die Band hat mich beim Erwachsenwerden begleitet und Captain Planet zu hören fühlt sich ein wenig so an, wie nach Hause zu kommen, daher hoffe ich auch, dass die Hamburger nicht ihren Albumtitel wahr machen, sondern noch fleißig weiter mitreißende Hymnen schreiben werden!

Anspieltipps: "St. Peter", "Tulpenfarm", "Kette", "Vom Ende an"

Genre: Norddeutscher Emo-Indie-Punk (doofe Genrebezeichnungen...), immer schön nach vorne, keine Verschnaufpausen!

P.S.: Hoffentlich wird das der Deluxe-Edition beiliegende Live-Album noch regulär veröffentlicht, denn das macht verdammt Spaß und hat einen richtig guten Sound! Besser konnte man die Energie eines CP-Konzerts und Klassiker wie "Baumhaus" oder "Rambo" nicht auf Band festhalten :).


Metro 2035: Roman (Metro-Romane, Band 3)
Metro 2035: Roman (Metro-Romane, Band 3)
von Dmitry Glukhovsky
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Starker Science-Fiction-Roman, enttäuschende Metro-Geschichte, 2. Mai 2016
Metro 2033 stellt für mich eine der besten Dystopien überhaupt dar, Metro 2034 war eine beim ersten Lesen mäßige, beim zweiten Lesen gute Fortsetzung, die nicht viel anders machte als der Vorgänger. Das Gegenteil ist nun bei Metro 2035 der Fall. Zwar reist Artjom wieder durch die Moskauer Metro und begibt sich auch oft an die zerstörte Oberfläche, doch steht weder die unheimliche Mystik des Untergrunds noch die schaurige Monsterszenerie des verwüsteten Moskau im Vordergrund, ja sogar findet sich beides fast gar nicht im Roman. Metro 2035 ist eindeutig mehr Ilias als Odyssee. Hinzu kommt der teilweise wirklich schwer verdauliche Stil des Buches: merkwürdige Tempuswechsel, unübersichtliche Dialoge, die Bezeichnung eines einzigen Charakters mit manchmal drei bis vier verschiedenen Namen und die mitunter zähe Erzählung stören den Lesefluss, sodass ich das Buch beinahe enttäuscht und frustriert bei etwa Seite 300 weggelegt hätte.

Dennoch bin ich froh, weitergelesen zu haben, denn zur Mitte hin nimmt die Geschichte endlich Fahrt auf und fesselt bis zum Schluss. Wahrscheinlich war da einfach der Punkt erreicht, dass ich mich damit abgefunden habe, dass es kein Metro 2033 2.0 geben wird. Das Problem ist schlicht und einfach, dass hier - im Gegensatz z.B. zu Star Wars 7 (den ich trotzdem sehr unterhaltsam finde) - eine Geschichte erzählt wird, die bis auf das Setting und einige Ideen und Charaktere der Vorgänger nichts mehr mit diesen zu tun hat. Vielleicht wäre Glukhovsky auch besser damit beraten gewesen, diese wirklich interessante, keineswegs ausgelutschte und zum Nachdenken anregende Verschwörungsdystopie nicht im Metro-Universum angesiedelt zu haben. Das hinterlässt leider einen etwas faden Beigeschmack - etwa so als hätten Tool endlich ihr neues Album veröffentlicht, das sich dann aber in Wirklichkeit als die neue Scheibe von Radiohead entpuppt: trotzdem super, aber man hat sich halt auf was anderes gefreut.

Wer also seine Erwartungshaltungen resetten und sich auf eine alternative, nicht minder spannendere Dystopie einstellen kann, der findet in Metro 2035 einen fesselnden, politischen Verschwörungsthriller mit verschmerzbaren Schwächen. Wer sich auf eine "klassiche" Metrogeschichte mit Mystik und Monstern gefreut hat, greift lieber auf eines der zahlreichen Bücher aus dem Metro-Universum zurück - mein Favorit ist dabei eindeutig "Piter" - oder stellt sich darauf ein, eventuell enttäuscht zu werden.

Was ich aber immer noch nicht verstehe: wenn die Welt 2008 untergegangen ist, wie kommen dann diese verfluchten Smartphones in die Metro?
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 20, 2016 6:35 PM MEST


ION Audio Max LP | USB Digital Encoder Vinyl Plattenspieler / Turntable mit eingebauten Stereo Lautsprechern - inkl. Converter Software (MAC/PC) - Wood
ION Audio Max LP | USB Digital Encoder Vinyl Plattenspieler / Turntable mit eingebauten Stereo Lautsprechern - inkl. Converter Software (MAC/PC) - Wood
Preis: EUR 90,57

4.0 von 5 Sternen Bei alten LPs hui, bei neuen pfui, 27. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nachdem mir mein Vater seine alte Sammlung an LPs aus den 70ern überlassen hatte, wollte ich diese nicht im Schrank verstauben lassen. So musste ein Plattenspieler her. Das Problem: für einen vernünftiges Gerät und die obligatorische Hifi-Anlage fehlten mir Platz und Geld. Daher musste es ein Gerät mit eingebauten Lautsprechern sein und so entschied ich mich für den Ion Audio Max LP. Eine gute Entscheidung!

Das Gerät sieht schick aus, wirkt nicht allzu billig produziert und ist verdammt günstig. Der Klang der alten LPs ist deutlich besser als ich erwartet hatte und zu dem Preis wirklich hervorragend. Anders sieht es bei aktuellen Platten aus (z.B. Baroness oder Turbostaat). Da hört man deutlich, dass sie für bessere Soundanlagen konzipiert wurden und das Klangerlebnis fällt dementsprechend dürftig aus. Als absolutem Laie auf dem Vinylgebiet fehlte mir auch eine vernünftige Anleitung. Die, die dem Gerät beiliegt, ist mehr als dürftig. Das beiliegende Programm zur Digitalisierung der LPs habe ich noch nicht ausprobiert.

Fazit: Der Ion Max LP ist ein guter "Studenten-Plattenspieler". Wer vornehmlich alte Platten auf dem Gerät abspielen will, wird damit sicher glücklich werden, für neuere Alben ist das Gerät aber meinem Ohr nach ungeeignet!


Abalonia
Abalonia
Preis: EUR 14,99

19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bloßer Budenzauber? Defintiv: Nein!, 30. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Abalonia (Audio CD)
Es ist immer so eine Sache, wenn die absolute Lieblingsband ein neues Album veröffentlicht. Zwei Jahre hofft man auf die Ankündigung, dann fiebert man ein knappes halbes Jahr der Veröffentlichung entgegen, um dann schließlich die Platte auf den Teller zu legen oder die CD in die Anlage zu schieben. Und sich dann fragt: was ist, wenn's ein Reinfall wird? Die Erwartungen viel zu hoch waren? Doch dann kommt die Erleichterung. Turbostaat überraschen nämlich gewaltig. Und das im absolut positiven Sinne.

"Abalonia" ist ein Konzeptalbum geworden - von da her durfte man ja auch mit Veränderungen rechnen - und das hört man auch. Es erzählt lose von einer Geschichte über Flucht, Krieg und Tod, die sich ins aktuelle Zeitgeschehen einfügt und viel Platz für Interpretationen lässt (ich finde das gesamte Setting erinnert ein wenig an den Ersten Weltkrieg). Die Texte fallen wieder etwas kryptischer aus als auf "Stadt der Angst" und an Highlights wie "Diese Stadt hat heimlich Durchfall und der sieht fast aus wie du" (aus "Der Wels") wird nicht gegeizt. In diesem Sinne wieder typisch Turbostaat. Musikalisch wird der Weg des letzten Albums weitergegangen, aber deutlich konsequenter, experimenteller, spannender. Das Prinzip Refrain-Strophe wird deutlich aufgebrochen und die meisten Songs lassen sich Zeit und dauern mehr als vier Minuten. Das ist gewöhnungsbedürftig und erfordert dementsprechend mehr Durchläufe, lohnt sich aber enorm. "Abalonia" ist definitiv ein Grower im klassischen Sinne.
Wer die Band noch nicht kennt, sollte vielleicht eher mit einem der alten Alben (Vormann Leiss oder Stadt der Angst z.B.) in die Welt von Turbostaat eintauchen. Diejenigen aber, die die Band bereits kennen, dürften auch mit diesem Album wieder ihre helle Freude haben, wenn sie insbesondere Songs wie "Fresendelf", "Oz Antep" oder "Sohnemann Heinz" zu ihren turbostaatlichen Lieblingen zählen. Aber auch die anderen, die eher die Sturm-und-Drang-Phase der Band favorisieren, kommen nicht zu kurz:

"Ruperts Gruen" ist Turbostaat in Reinform und gleichzeitig ein Schritt auf neues Terrain. Irgendwo zwischen "Fraukes Ende" und "Eine Stadt gibt auf" beginnt die Flucht vor irgendeinem Krieg. Alles ist schließlich besser als der Tod. Ein längerer Song, der zum Ende hin experimenteller wird und mit Sicherheit einer der besten auf "Abalonia"!

"Der Zeuge" wirkt erstmal ein wenig unauffällig, gefällt nach öfterem Hören aber umso mehr. Auch hier werden etwa zur Mitte des Songs neue - ruhigere - Wege beschritten. Schöner Song, der aber nicht herausragt.

"Der Wels" ist der kürzeste und am leichtesten zu interpretierende Song des Albums. Deutschtum, Fremdenfeindlichkeit - nicht mit uns. Musikalisch in Richtung "Hau ab die Schildkröte!" oder "Pestperle". Starker Song, freue mich schon live drauf!

"Die Arschgesichter" versetzt mich an einen windigen, regnerischen Tag an die Nordsee. Könnte so sicher auch auf einem der älteren Alben zu finden sein (Schlagwort: "Husum - verdammt!") und textlich wieder sehr stark: "Vielleicht gibt es ja zur Bratwurst noch Backpfeifensalat!".

"Wolter" ist der längste Song der Platte und kann zuerst schon fast als Post-Rock durchgehen. Mit seinem atmosphärischen Intro, der düsteren Stimmung und den kleinen, aber feinen Noise-Ausbrüchen ist er so etwas wie das Aushängeschild von "Abalonia". Das nennt man wohl Post-Punk in Vollendung.

"Eisenmann" ist mit Sicherheit der ungewöhnlichste Track - und vielleicht dadurch sogar der beste - des Albums. Durch die minimalistische Instrumentierung kann Jan seiner Stimme freien Lauf lassen und klingt dabei in den wütenden Momenten wie Jörkk Mechenbier von Love A - sehr stark! Die Krönung erfährt das Lied durch den hypnotisierenden "Refrain". Ob mit dem "Eisenmann" vielleicht der gleiche gemeint ist wie bei Black Sabbath? ;)

"Totmannkopf" kann nach diesem Mini-Epos nur klein wirken, weiß aber dadurch zu überzeugen, dass die Band hier mal das Tempo ein bisschen mehr anzieht. Der Text könnte auch von "Flamingo" oder "Schwan" stammen.

"Geistschwein" lässt sich wieder mehr Zeit und erinnert mit seinem repetitiven "Nein!" ein wenig an "Und ja" von den Nerven. Der Song fängt beinahe fröhlich an, schlägt dann aber fast unmerklich ins schaurige um. Musikalisch geht es ein bisschen in Richtung "Island Manöver", was mich hoch erfreut, da dies doch - bisher? - meine Lieblingsscheibe der Band war.

"Die Toten" baut sich ebenfalls langsam auf und ich muss wirklich zugeben, dass die Joy-Divison-Referenzen in manchen Rezensionen nicht allzu weit hergeholt sind. So sehr im Post-Punk der frühen 80er trieben sich Turbostaat noch nie herum. Ein hypnotischer Song, an dem besonders der Schlagzeug-Rhythmus und der Gesang herausragen. Die Schar der Untoten in John Carpenters "The Fog" könnte hier am Mikro stehen!

Der titeltragende Song "Abalonia" schließt die Platte ab und klingt wie Melange und Werkschau all dessen, was Turbostaat in ihrer bisherigen Karriere zustanden gebracht haben. Im Albumkontext gefällt der Song auch noch einmal deutlich besser als allein für sich. Das "Konzept-" vor dem "Album" geht somit eindeutig auf!

Es gibt nämlich viele Platten, die sich "Konzeptalbum" schimpfen, jedoch meistens nur, um aufmerksam auf sich zu machen. Bei "Abalonia" ist das nicht so. Hier erkennt man den roten Faden, der sich durch die Platte zieht, und die Songs miteinander verbindet. Damit ist auch klar, dass dies ein Album ist, das man unbedingt am Stück hören sollte. Geduld mitzubringen, kann zudem auch nicht schaden!
Der Sprung von "Flamingo" zu "Abalonia" könnte nicht größer sein. Turbostaat haben es geschafft, vermeintliche Genregrenzen zu sprengen, und sich damit an der Spitze der deutschsprachigen Independent-Musik etabliert. Da bleibt dann zwangsläufig die Frage: was kommt als nächstes? Ein Doppelalbum? Eine Rockoper? Wir wissen es nicht. Aber eines ist gewiss: Turbostaat werden uns wieder überraschen. So wie mit "Abalonia".

Genre: Post-Punk, Indie, Post-Rock

Zur Box:

Die Limited Edition ist sehr schön ausgearbeitet. Sehr hochwertiges Vinyl mit CD-Beilage, dazu eine Seven-Inch mit dem Song "Der Sturm", der musikalisch sehr schön ins Album passt, aber durch den merkwürdig verzerrten Gesang verstört. Hatte mir diese Box vor allem deswegen bestellt und weiß nicht wirklich, was ich davon halten soll. Das Halstuch und die hochwertigen Fotos runden das insgesamt gelungene Gesamtpaket ab. Wer die Box nicht mehr kriegen konnte, braucht aber nicht allzu enttäuscht zu sein! ;)
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 4, 2016 9:58 PM CET


Of Glass and Paper
Of Glass and Paper
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Münster: The German Gainesville?, 25. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Of Glass and Paper (Audio CD)
Zunächst einmal: die westfälischen Idle Class haben ihr Zweitwerk mit dem schönsten Artwork versehen, das ich seit vielen Jahren gesehen habe. Theoretisch würde allein das den Kauf schon vom künstlerischen Standpunkt aus rechtfertigen. Doch Gott sei Dank steckt in jedem der elf Songs genauso viel Liebe zum Detail wie im Cover. Der Gitarrist der Band, der für das Design verantwortlich war, kann nämlich ebenso schöne Bilder mit seiner Gitarre malen. Dazu singen zwei Sänger abwechselnd oder im Duett über Angst, Erwachsenwerden und gescheiterte Beziehungen. Klingt eigentlich ganz schön abgegriffen, ist es aber nicht, weil nicht der Holzhammerreim ausgepackt wird, die Lyrics aber dennoch sehr harmonisch rüberkommen und wie von Muttersprachlern geschrieben wirken. Dazu kommt, dass jeder Song absoluten Wiedererkennungswert hat, was ja im Punk oder Posthardcore nicht immer der Fall ist. Idle Class schaffen es z.B. in "The Sound Of Glaciers Calving" über sechs Minuten nie langweilig zu werden. Dazu zitieren sie des Öfteren auch mal aus ihrem Debütalbum (der Opener spielt ja schon vom Titel darauf an), was ihr ganzes Werk wunderbar homogen erscheinen lässt.
Die Münsteraner haben nochmal einen riesengroßen qualitativen Sprung nach ihrem ohnehin schon sehr guten Debütalbum gemacht und sind für mich die aktuell beste Band aus ihrem eigentlich totgeglaubten Genre in Deutschland und international ganz vorne mit dabei. Für Fans von Polar Bear Club, Flatliners, Red City Radio, The Wonder Years und Hot Water Music ein Pflichtkauf!

Anspieltipps: All Kippers and Curtains, I Used to Say It's Just a Phase, Worn Out Shoes, The Sound of Glaciers Calving

Genre: Melody-/Emocore, (Pop-)Punk


Kontakt
Kontakt
Preis: EUR 16,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Kompromisse: auf dass es kracht!, 23. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Kontakt (Audio CD)
Fjørt haben in den letzten vier Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt: eine Mini-LP in Eigenregie, das Quasi-Debüt auf This Charming Man und nun ihr neues Album, das über die norddeutsche Labelinstitution Grand Hotel van Cleef erscheint. Manche Band ließe sich von einem solchen Szeneerfolg aus dem Konzept bringen, doch Fjørt sind nicht 'manche Band'. Denn sie sind kein Escapado- oder Yage-Imitat, sondern die neue Vorzeigeband deutschsprachiger Musik der härteren Gangart.

Schon nach den ersten 40 Sekunden weiß man, was man seit zwei Jahren vermisst hat: Fjørt gelingt es wie kaum einer anderen Band, eine Atmosphäre aufzubauen, die ihresgleichen sucht. Drei junge Männer leben ihre Vorstellung von emotionaler Musik zwischen den Polen Metal und Hardcore mit einem dicken 'Post-' davor und gehen ihren Weg auf 'Kontakt' dabei sowohl lyrisch als auch musikalisch konsequent und kompromisslos weiter. Wobei, was heißt weitergehen? Die Band macht nochmal einen gewaltigen Schritt nach vorne und befördert damit die Erwartungshaltung für das nächste Album in ungeahnte Höhen! 'D'accord' war schon eine DER Platten im Jahr 2014 ' mit dem Über-Song 'Valhalla' -, aber auf 'Kontakt' gelingt es den Aachenern ihren eigenen Sound noch weiter zu definieren und die ganze Platte noch konsistenter zu gestalten. Trotz des neuen Labels braucht man kein Abdriften in seichtere Gefilde zu erwarten, auch wenn das Album insgesamt etwas zugänglicher ausfällt als der Vorgänger. Das liegt aber vor allem daran, dass die Band weiß, wann sie das Tempo auch einmal drosseln kann, um ein noch intensiveres Hörerlebnis zu schaffen. Nach dem Vorab-Song 'Lichterloh' war ich noch nicht hundertprozentig sicher, ob Fjørt meine Erwartungen erfüllen könnten, doch das Ergebnis übertrifft sie bei weitem! Dieses Brett von einem Album in diesem Jahr noch vom Thron zu stoßen dürfte ein schweres Unterfangen werden!

Im Anschluss wage ich mal eine Einzelbewertung der Songs:

'In Balance': Der Appetizer. 4/5
'Anthrazit': Das Epos. 5/5
'Prestige': Der Nackenbrecher ' unglaublich intensiv. 6/5
'Kontakt': Das Aushängeschild. 5/5
'Lichterloh': Der Tanz auf der Klinge. 4/5
'Paroli': Der Mittelfinger ' gegen 'Besorgte Bürger' und die Braune Pest. 6/5
'Abgesang': Der Finger auf die Wunde. 4/5
'Revue': Die Katharsis. 5/5
'Belvedere': Der Hoffnungsschimmer. 5/5
'Mantra': Der Tagtraum. 4/5
'Lebewohl': Die Perfektion und Kür des Albums. 6/5

Fjørt - 'Kontakt': Das Meisterwerk. 5/5. Danke dafür!


Kontakt [Vinyl LP]
Kontakt [Vinyl LP]
Preis: EUR 17,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Kompromisse, 23. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Kontakt [Vinyl LP] (Vinyl)
Fjørt haben in den letzten vier Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt: eine Mini-LP in Eigenregie, das Quasi-Debüt auf This Charming Man und nun ihr neues Album, das über die norddeutsche Labelinstitution Grand Hotel van Cleef erscheint. Manche Band ließe sich von einem solchen Szeneerfolg vielleicht aus dem Konzept bringen, doch Fjørt sind nicht 'manche Band'. Denn sie sind kein Escapado- oder Yage-Imitat, sondern die neue Vorzeigeband deutschsprachiger Musik der härteren Gangart.

Schon nach den ersten 40 Sekunden weiß ich, was ich seit zwei Jahren vermisst habe: Fjørt gelingt es wie kaum einer anderen Band, eine Atmosphäre aufzubauen, die ihresgleichen sucht. Drei junge Männer leben ihre Vorstellung von emotionaler Musik zwischen den Polen Metal und Hardcore mit einem dicken 'Post-' davor und gehen ihren Weg auf 'Kontakt' dabei sowohl lyrisch als auch musikalisch konsequent und kompromisslos weiter. Wobei, was heißt weitergehen? Die Band macht nochmal einen gewaltigen Schritt nach vorne und befördert damit die Erwartungshaltung für das nächste Album in ungeahnte Höhen! 'D'accord' war schon eine DER Platten im Jahr 2014 ' mit dem Über-Song 'Valhalla' -, aber auf 'Kontakt' gelingt es den Aachenern ihren eigenen Sound noch weiter zu definieren und die ganze Platte noch konsistenter zu gestalten. Trotz des neuen Labels braucht man kein Abdriften in seichtere Gefilde zu erwarten, auch wenn das Album insgesamt etwas zugänglicher ausfällt als der Vorgänger. Das liegt aber vor allem daran, dass die Band weiß, wann sie das Tempo auch einmal drosseln kann, um ein noch intensiveres Hörerlebnis zu schaffen. Nach dem Vorab-Song 'Lichterloh' war ich noch nicht hundertprozentig sicher, ob Fjørt meine Erwartungen erfüllen könnten, doch das Ergebnis übertrifft sie bei weitem! Dieses Brett von einem Album in diesem Jahr noch vom Thron zu stoßen dürfte ein schweres Unterfangen werden!

Die Vinylversion kommt mit Textbeilage und Download-Code.

Im Anschluss wage ich mal eine Einzelbewertung der Songs:

'In Balance': Der Appetizer. 4/5
'Anthrazit': Das Epos. 5/5
'Prestige': Der Nackenbrecher ' unglaublich intensiv. 6/5
'Kontakt': Das Aushängeschild. 5/5
'Lichterloh': Der Tanz auf der Klinge. 4/5
'Paroli': Der Mittelfinger ' gegen 'Besorgte Bürger' und die Braune Pest. 6/5
'Abgesang': Der Finger auf die Wunde. 4/5
'Revue': Die Katharsis. 5/5
'Belvedere': Der Hoffnungsschimmer. 5/5
'Mantra': Der Tagtraum. 4/5
'Lebewohl': Die Perfektion und Kür des Albums. 6/5

Fjørt - 'Kontakt': Das Meisterwerk. 5/5. Danke dafür!


The Things We Do to Find Peopl
The Things We Do to Find Peopl
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erfrischend & nostalgisch, 30. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: The Things We Do to Find Peopl (Audio CD)
Zwischen dem guten, alten Gaslight-Anthem-Album "Sink or Swim" und dem vor Energie sprühenden "Celebration Rock" der Japandroids machen es sich Beach Slang bequem und tragen ihren euphrorisierenden Indie-Punk in die Welt. Man könnte ihnen vorwerfen, dass sie zehn Mal das gleiche Songgerüst etwas variieren, aber wozu sollte man das tun, wenn es doch so grandios und zeitlos ist?
Diese jungen, grundsympathischen Jungs wollen einfach nur spielen und diese Spielfreude ist das, was ihr Debütalbum so erfrischend und kurzweilig macht. Das hört man in schnellen Rockern wie in "Young & Alive", in den melodieseligen "Porno Love" und "Noisey Heaven" oder im akustischen "Too Late To Die Young". Es gibt keinen Song, den ich skippen würde und nach knapp 25 Minuten ist die Achterbahnfahrt auch leider schon vorbei. Danke Beach Slang für diesen Lichtblick im trüben Herbst und wir sehen uns auf der Tour im nächsten Jahr!

Anspieltipps: alle!

Genre: Pop-Punk, Indie, Rock

P.S.: Unbedingt auch die beiden EPs aus dem Jahr 2014 anspielen!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4