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C.H.

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Das Ergebnis Wäre Stille
Das Ergebnis Wäre Stille
Preis: EUR 14,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur Konjunktiv, 15. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Ergebnis Wäre Stille (Audio CD)
Wär ja auch schade gewesen, wenn die Herren von Herrenmagazin weiter geschwiegen hätten. Nun melden sie sich mit ihrem dritten Album zurück, und zwar in Bestform.

Ihre Texte waren ja schon immer große Kunst, Lyrik auf allerhöchstem Niveau. Aber hier waren definitiv Poeten am Werk, deren Werk eigentlich im Curriculum für den Deutsch-Leistungskurs stehen müsste. Tut es nicht, und das ist auch irgendwie gut so, denn anstatt Textzeilen wie "Und der Abend führt den Schatten hinters Licht" (aus "Regen") auseinanderzunehmen und tot zu interpretieren, sollte man sich lieber einfach nur zurücklehnen und den weisen Worten von Herrn Jaspersen lauschen.
Musikalisch ist das ganze wieder näher am Debüt "Atzelgift". Manchmal vermisst man das Ungestüme, die "punkige" Attitüde vom grandiosen Zweitwerk, Titel wie der absolute Indie-Rock-Ohrwurm "Dein Wort" oder das stetig wachsende "Regen" trösten darüber aber allemal hinweg. Und wer seinen Song mit der Zeile "Du kennst jedes meiner Schweine" (aus "Qlinch") anfängt, dem muss man dafür die Hand schütteln und Beifall spenden. Dazu gibt es diesmal auch noch den ultimativen Kettcar-Moment: hört man den Gesang am Anfang von "Landminen", denkt man Marcus Wiebusch wäre bei den Aufnahmen zu Gast gewesen. Zum Refrain wird dann aber wieder klar: das hier sind Herrenmagazin, die alte, neue musikalische Großinstitution aus dem Norden, die keine Referenzen braucht, sondern selbst eine ist.

Was intelligenten, deutschsprachigen Indie-Rock angeht, führt 2013 dementsprechend kein Weg an den Hamburgern vorbei. Wenn man mal wieder den alten Spruch zur Hand nimmt, dass das dritte Album einer Band entscheidend für ihren weiteren Weg ist, muss man hier feststellen, dass Herrenmagazin keinen besseren und richtigeren hätten einschlagen können. Da liegt kein Geröll. Da stehen alle Wege offen.

Anspieltipps: Regen, Frösche, Dein Wort, Landminen, Qlinch, Krumdal


II
II
Preis: EUR 12,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen La Futura!, 22. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: II (Audio CD)
So trist und trübselig wie das Album-Cover ist "II" glücklicherweise nicht geworden. Ganz im Gegenteil: Blackmail brennen hier ein Feuerwerk ab, wie sie es wohl noch nie in ihrer Karriere getan haben. 10 Songs, 10 Hits. Das ist eine Ansage. Und erwarten konnte man das so auch nicht unbedingt.

Bisher setzten sich Blackmail-Alben immer aus einigen nahezu perfekten, sehr vielen guten und auch ein paar Songs zusammen, mit denen man nicht so richtig warm wurde. Das zweite Album mit dem gar nicht mehr so neuen Sänger Mathias Reetz brilliert aber nun in jeder Hinsicht. Mit "Impact" wird schon demonstriert, wie Blackmail 2013 klingen: progressiv, innovativ, episch. Und dabei auch noch verflucht eingängig. Das kriegen nur die wenigsten Bands hin. "The Rush" macht dann seinem Namen alle Ehre: immer nach vorne, keine Rücksicht auf Verluste. Gekrönt wird das Ganze nur noch durch Herrn Ebelhäuser selbst, der kurz vor Ende selbst das Mikro in die Hand nimmt und den Refrain einsingt. Ebenso tut er das im kurz-knackigen "La Futura" sowie im epischen Schlusspunkt "Dual", einem der besten Songs, den die Koblenzer je geschrieben haben. 6 1/2 Minuten voller Power, den Reetz und Ebelhäuser im Duett zum Besten geben. Mit "Kiss The Sun" und "Sleep Well, Madness" werden weitere Alternative-Perlen abgeliefert, die den alten Hits in nichts nachstehen. Auch das noisige "Palms" sei als weiterer Anspieltipp genannt. Letztenendes entpuppt sich aber wirklich jeder Song als Hit mit Ohrwurm-Charakter.

Blackmail festigen mit diesem Album eindrucksvoll ihre Spitzenposition im Alternative-Rock der heimischen Gefilde. Aber nicht nur dort: "II" gehört auch international zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Ebelhäuser hat im letzten Jahr viele grandiose und talentierte junge Bands produziert, sein Meisterstück ist aber eindeutig das eigene "II". Der Ton ist satt, aber immer noch organisch und natürlich, das Songwriting ist groß und auch die Texte wissen zu überzeugen. Vergleiche mit alten Alben finde ich unnötig, "II" ist anders, aber doch wieder irgendwie typisch Blackmail. Damit bleiben sie eine Klasse für sich. La Futura? So immer wieder gerne.


Alles Lebt.Alles Bleibt.
Alles Lebt.Alles Bleibt.
Preis: EUR 15,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles bleibt. Alles wächst., 19. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Alles Lebt.Alles Bleibt. (Audio CD)
Ich muss zugeben: am Anfang wollte ich mit der Platte nicht so richtig warm werden. "Memorandum" war noch rauer Post-Core, während "Alles lebt. Alles bleibt." dick produzierter Alternative-Rock ist. Aber die Scheibe wächst und wächst. Und macht das nicht ein gutes Album aus?

Produziert hat wieder Kurt Ebelhäuser, das erklärt auch, warum sich Mikrokosmos23 musikalisch immer mehr Blackmail annähern. Und das erklärt auch, warum die Platte wieder so gut geworden ist, denn was der Mann anpackt wird ja bekanntlich zu Gold. Textlich spielt sich hier auch alles wieder auf gewohnt hohem Niveau ab: Peter Löwe weiß eben, wie man anspruchsvolle und bewegende Lyrics schreibt. Diese Texte werden dann auch noch musikalisch stark untermauert, besonders hervorgehoben seien hier der mitreißende Über-Song "Alles an.", "Alles gegen Wände", das dich mit seinem Gänsehaut-Refrain in den Arm nimmt, das trübselige "Luftsprung" mit der wohl besten Textzeile des noch jungen Jahres ("Dein Herz erwürgt dich und du feuerst es an"), das verkopft-progressive "Orte ohne Boden", und, und, und. Letztendlich könnte man an dieser Stelle fast alle Songs aufführen. Anfängliche Skepsis könnten allerdings noch "Kopfherz" und "Reisegäste" auslösen, in denen mehr Pop als Rock regieren. Ist man damit erst mal warm geworden - die grandiosen Texte helfen dabei - findet man darin jedoch zwei weitere Perlen, zuzüglich der zehn anderen.

Am Ende hält man also doch wieder eine beeindruckend starke Platte der jungen Band aus Meißen in seinen Händen. Mikrokosmos23 zählen meiner Meinung nach zu den talentiertesten und besten Bands Deutschlands. Man darf hoffen, dass sie dieses Niveau auch in Zukunft halten werden. Bis dahin wird mir "Alles lebt. Alles bleibt." ein treuer Begleiter bleiben und garantiert noch häufig in meinem Player landen. Danke dafür.


Die Stadt Gehört Den Besten
Die Stadt Gehört Den Besten
Preis: EUR 3,87

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zukunft gehört den Besten, 19. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt Gehört Den Besten (MP3-Download)
Emotionen. Atmosphäre. Große Gesten. Marathonmann schaffen es auf ihrer Debüt-EP, die aus nicht mehr als 3 Songs besteht, einen Sog zu entfesseln, den viele Bands nicht mal auf einem ganzen Album erzeugen können. "Entfesseln" ist hier auch genau das richtige Wort, denn der deutschsprachige Post-Hardcore ist nichts anderes als eine vor Energie berstende Naturgewalt.

Nun vielleicht kurz etwas zu den Songs: "Hier fängt alles an..." ist zwar eigentlich ein Intro, aber doch irgendwie viel mehr als das. 2 Minuten lang baut die Band instrumental Spannung auf, bis man dann plötzlich die geschrienen Worte hört: "Ein Leben endet. Und ein anderes fängt an." Gänsehautmoment. Darauf folgt der Titelsong, und, nunja so etwas gutes habe ich schon lange nicht mehr gehört: dynamisch, atmosphärisch, ganz große Lyrics. Wer da nicht bewegt wird, ist wohl mehr Roboter als Mensch. Und der dritte Hit bleibt auch nicht aus: "Briefe von Gestern" entlässt dich in riesigen Erwartungen auf das Debüt-Album, das Ende März erscheinen wird.
Als Referenzen würden mir textlich nur Captain Planet oder Mikrokosmos23 einfallen, musikalisch seien vor allem Thursday genannt.

Marathonmann schüren mit dieser EP aus 3 Über-Songs große Hoffnungen und Erwartungen auf ihre erste LP. Erfüllen sie die, dann werden sie schon bald selbst Referenz sein, so viel sei gesagt. Doch für den Moment lassen sich 3 Euro wohl kaum besser anlegen als in diesem kleinen Post-Hardcore-Kleinod.


Opposites
Opposites
Preis: EUR 6,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konsequenz zahlt sich aus, 26. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Opposites (Audio CD)
Zunächst einmal: Ja, Biffy Clyro machen einen weiteren Schritt Richtung Stadien dieser Welt. Und ja, sie werden immer poppiger. Und nein, das ist jetzt nicht so schlimm, wie man vielleicht denkt. Denn sie bleiben dabei immer noch eines: nämlich sie selbst.

"Opposites" ist ein Doppelalbum voller Gegensätze geworden. Es zeigt eine Band im Wandel. Erste und zweite Seite unterscheiden sich dabei thematisch, musikalisch jedoch kaum. Auf beiden Seiten schmimmert die Band hindurch, die man von "Puzzle" und "Only Revolutions" kennt, aber auch die Band, die sich an neue Aufgaben wagt. Es stimmt, dass der Sound von den ersten drei Alben fast keine Resonanz mehr findet, aber warum alten Zeiten hinterhertrauern, wenn man dieses tolle Album vorliegen hat?
"The Joke's On Us" und "Modern Magic Formula" sind klassische Biffy-Rocker, die die "Puzzle"-Ideen konsequent weiterdenken, ebenso "Spanish Radio" und "Stingin' Belle" rocken straight nach vorne und schreiben dabei mit Mariachi-Trompeten und Dudelsäcken das Wort "Innovation" dazu noch ganz groß. "Black Chandelier", das man schon etwas länger kennt, bahnt sich mit großem Refrain den Weg ins Stadion (und ins Radio: aber sollte man sich nicht freuen, dass auch mal gute Musik im Radio läuft?). "Biblical" ist da noch deutlich elektronischer, weiß aber mit epischem Refrain zu überzeugen. Man könnte hier noch so viele weitere tolle Songs aufzählen wie "Sounds Like Balloons", die wunderschöne Ballade "Opposite" oder "Accident Without Emergency".
Biffy Clyro schaffen es, die Qualität über die 20 Songs ziemlich konstant hoch zu erhalten, auch wenn mir persönlich einige wenige Tracks nicht ganz so gut gefallen wie der Rest, wie z.B. der Opener "Different People" oder das etwas zu poppige "Pocket". Trotzdem: es ist keine Niete dabei, was man aber von der Band auch nicht erwarten konnte.

"Opposites" ist das Opus Magnum der Band geworden, sieht man über kleine Schönheitsfehler einmal hinweg. Nach einigen Durchläufen kann ich nur sagen, dass manche Songs direkt hängenbleiben, andere Grower-Potenzial haben. Genauso, wie es bei einem guten Album sein sollte! Meine Erwartungen wurden erfüllt, leider nicht übertroffen, aber ich will ja nicht kleinlich sein. Schlussendlich kann ich nur eine Kaufempfehlung - an die alten wie an die neuen Fans - aussprechen und der Band wünschen, dass sie weiter so bodenständig bleibt und ihren Stil weiterhin so konsequent perfektioniert. Hut ab vor dem ersten großen Ausrufezeichen dieses Jahres im Alternative Rock!

Achja: Warum es eine 1CD-Version gibt, ist mir schleierhaft, damit wird das ganze Prinzip dieses Albums zerstört (es gibt zwei Seiten: "The Sand At The Core Of Our Bones" und "The Land At The End Of Our Toes", auch optisch sehr schön in die Hülle eingearbeitet) und 6 tolle Songs gehen verloren. Also zur Deluxe-Edition greifen!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2013 5:13 PM CET


Koi No Yokan
Koi No Yokan
Preis: EUR 6,66

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vollendung, 10. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Koi No Yokan (Audio CD)
Artwork des Jahres: Check. Single des Jahres: Check. Album des Jahres: Check. Denn mal ehrlich: was bzw. wer soll jetzt noch kommen und sie vom Thron stoßen? "Koi No Yokan" ist so traumhaft schön wie sein Plattencover, aber auch genauso schwer ergründlich.

Erst mal muss ich zugeben, dass ich die Deftones erst dieses Jahr so richtig für mich entdeckt habe. "Diamond Eyes" konnte mich 2010 nicht so recht überzeugen (mittlerweile schon), aber nachdem ich "White Pony" gehört hatte, konnte ich dieser Band nicht mehr aus dem Weg gehen. Wär ja auch schade drum gewesen, denn dann hätte ich dieses Meisterwerk hier verpasst, das die Stärken dieser Band in allen Facetten in sich vereint.

"Leathers" ließ die Erwartungen an das fertige Album sehr hoch steigen, ein Biest von einem Song. Hart, aber auch unglaublich eingängig und emotional zugleich. "Tempest" legte die Messlatte dann noch ein wenig höher und "Koi No Yokan", nun ja, das setzt dem Ganzen dann wohl die Krone auf. "Swerve City" ist als Einstieg perfekt gewählt und steht für pure Energie. "Romantic Dreams" daraufhin ist etwas verschachtelter, mit beeindruckenden Rhytmuswechseln, ein sehr spannender Song. Zu "Leathers" wurde bereits alles gesagt. Single des Jahres. "Poltergeist" heizt dem Hörer genauso ein, ein klassischer Brecher und live unter Garantie eine Granate, gerade die ersten 30 Sekunden müssten für reichlich Stimmung sorgen. "Entombed" ist dann wieder ganz anders, elektronisch, ruhig, und kein anderer Song passt mit seinem interessanten Beat so gut zum Artwork. Was darauf folgt ist das unglaublich geniale "Graphic Nature". Wie kriegt man dieses Riff mit seiner Gitarre hin? Aus einer anderen Welt und der vielleicht beste Song der Platte. "Tempest" ist das, was der Name schon andeutet: ein Gewitter. Der Refrain von "Gauze" schwebt irgendwo zwischen Himmel und Hölle. Und "Rosemary" ist wieder so ein Über-Song: eine überragende Gesangsleistung von Chino Moreno wird nur noch von dem vor Energie berstenden Riff getoppt. Wie kann eine Band nur so viele geniale Ideen haben? Nach all der Innovation folgt dann mit "Goon Squad" wieder ein klassischer Deftones-Song und in "What Happened To You?" darf Moreno dann doch mal seine Stimmbänder etwas schonen und dem Hörer eine Gänsehaut verpassen.

Es ist mir fast schon peinlich, wie viele Superlative ich hier benutzen musste, aber ich hoffe eines ist klar geworden: "Koi No Yokan" ist wichtig. Sehr wichtig sogar. Man hört ihm an, wie viel Spaß die Musiker dabei hatten und dass hier fast schon perfektionistisch auf die Auswahl der Song geachtet wurde (mit der Folge, dass hier auch kein einziger Ausfall dabei ist). Absolut keine Musik für die Charts, die aber trotzdem dort landet, was doch sehr erfreulich ist oder? Dass Musik mit Charakter und Herz ihren Weg dorthin findet, kommt nämlich viel zu selten vor. Jeder Fan der Band wird dieses Album garantiert eh schon haben oder in Kürze besitzen, daher möchte ich auch eher denjenigen, die diese Band bisher nich so auf dem Schirm hatten (wie ich) oder von den letzten Alben nicht so überzeugt waren ("Koi No Yokan" ist so nah an "White Pony" wie kein anderes ihrer Alben) dieses Meisterstück alternativer Musik ans Herz legen. "We're alive somewhere else/ still asleep someplace new/ far ahead of our time/ now floating through."


The Devil and God Are Raging Inside Me
The Devil and God Are Raging Inside Me
Preis: EUR 5,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Monument der Rock-Musik, 2. November 2012
Für nichts anderes halte ich dieses Album, das ich zweifellos als mein absolutes Lieblingsstück Musik bezeichnen kann und aus meinem Plattenschrank nicht mehr wegdenken will. Die Rezension kommt spät, aber besser spät als nie. Auch wenn vielleicht schon alles in den vorherigen Rezensionen gesagt wurde, muss ich trotzdem noch einmal betonen wie wichtig dieses Werk von einer Band mit dem schlichten Namen Brand New ist. "The Devil and God..." ist das beste (und für mich einzige) Beispiel für ein Album, das der Perfektion zum Greifen nahe ist.

1. Brand New beherrschen ihre Instrumente. 2. Den Laut-Leise-Kontrast sowieso. 3. Jesse Lacey kann so authentisch verzweifelt klingen, wie sonst kaum jemand. Aus diesen Zutaten zaubert einem die Band 12 Songs aus dem Hut, die man so nirgendwo anders bekommt. Referenzen zu nennen halte ich daher auch für sehr schwer. Brand New sind Brand New sind Brand New. Eine Band, die Rock-Musik zelebriert; jegliche Vorsilbe wie Prog-, Emo- oder Post- würde zwar irgendwo passen, dem gesamten Sound aber nicht gerecht werden.

Auf "The Devil and God..." ist jeder Song an der richtigen Stelle, es gibt keine Filler, nichts, was nicht seine Daseinsberechtigung hätte. Und überall gibt es Gänsehaut-Momente. Wenn dich das "Yeah" in "Sowing Season" in die Realität zurückholt. Wenn Lacey in "Millstone" verzweifelt in die Straßen schreit. Wenn in "Jesus" nach kurzer Stille die tieftraurige Melodie wieder anstimmt. Wenn sich in "Degausser" (ein Wahnsinns-Song) die Chorstimme erhebt und der Sturm losbricht. Wenn in "Limousine" die Gitarre kurz vor Schluss dieses wahnsinnige Solo hinlegt. Wenn der Refrain in "You Won't Know" so richtig Fahrt aufnimmt. Wenn das verstörende Interlude "Welcome to Bangkok" in Geschrei (oder ist das Gelächter?) gipfelt. Wenn in "Luca" der Vulkanausbruch bis ins unerträgliche herausgezögert wird. Und das alles aufgebaut auf traumhafte, wenn auch kryptische Lyrics (die leider nicht im Booklet abgedruckt sind), welche alle die Tiefen und Abgründe der menschlichen Seele auf ihre eigene Weise erforschen.
"Not The Sun" und "Archers" wurden hier jetzt zwar nicht genannt (weil sie vielleicht nicht ganz so episch sind wie der Rest), aber dennoch sind sie nicht aus dem Kontext wegzudenken, denn sie füllen das auf, was dem Album beim ersten Hören fehlt: die Ohrwürmer. Und dann wäre da noch "Handcuffs", das das Album ruhig und nachdenklich ausklingen lässt. Nach 55 Minuten, in denen man in jeder hinhören muss, um auch ja nichts zu verpassen.

Das soll hier jetzt zwar nicht abschreckend klingen, aber bei mir hat das Album ewig gebraucht, um zu zünden. Wie Brand New nämlich den Bogen von ihrem vorherigen Album bis zu diesem hier schlagen, da muss der geneigte Hörer erst mal mitkommen. Denn selten hat man einen solchen musikalischen Reifeprozess gesehen bzw. gehört: von flottem Pop-Punk zu so erwachsenem und relevanten Rock, das verdient höchste Anerkennung.

Daher appeliere ich an jeden Liebhaber handgemachter und emotionaler Musik diesem Album eine Chance zu geben, zumal es hier (und auch sonst ziemlich überall) so günstig zu haben ist. Und wenn es dann doch nicht gefallen sollte, einfach weiterschenken. Der Nächste wird sich freuen: über ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht.


Lost Songs (Limited Edition)
Lost Songs (Limited Edition)
Preis: EUR 18,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unter Strom, 23. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Lost Songs (Limited Edition) (Audio CD)
Nach nur anderthalb Jahren wirft die Band mit dem eindeutig geilsten Namen der Welt ihr nächstes Album auf dem Markt. Das ging einfach nicht anders. Das musste raus. Denn "Lost Songs" ist ein wahrer Energiebrocken, ein vertontes Gewitter. Eigentlich kennt man das ja von den Herren aus Texas nicht anders, aber das hier ist einfach so schnörkellos und direkt wie noch nie. Kein Klim-Bim, kein Geplänkel, einfach straighter Rock.

Was mit dem Opener "Open Doors" in bester Noise-Manier seinen Anfang nimmt und mit "Time and Again" dann doch eher entspannt endet fährt dich an die Wand. Es überfährt dich fast. Wo "Tao of the Dead" noch eine epische Prog-Rock-Operette war, machen ...Trail of Dead einen Cut und lassen den Song einfach mal Song sein. Das ist am Anfang vielleicht ungewohnt (zumindest wenn man wie ich etwas ähnliches wie "Tao" erwartet hatte), spätestens beim dritten Anlauf wirst du aber mitgerissen. Und dann richtig. Wozu noch morgens Kaffee? Oder Red Bull? Leg einfach dieses Album ein und du bist wach. Allerspätestens nach dem Wake-Up-Call in "Opera Obscura".

Dieses Album bietet dir so viel: die flotten, lauten Rock-Nummern ("Catatonic", "Pinhole Cameras", "A Place To Rest"), die ruhigeren Verschnaufpausen ("Flower Card Games", "Awestruck") und sogar Classic Rock ("Moutain Battle Song").
Letzteres allerdings nur in der Deluxe-Edition. Und damit wären wir auch bei einem weiteren wichtigen Thema: soll es denn die einfache oder die Deluxe-Edition sein? Selten sprach etwas mehr für Nummer 2: vier wirklich tolle Bonus-Tracks - u.a. eine deutsche Version von "Lost Songs", die hier ausnahmsweise mal nicht peinlich, sondern echt sympathisch ist - , einen Auszug aus Conrad Keely's Buch "Strange News...", passend dazu in sehr schöner Buch-Optik und eine zweite CD, deren Sinn hier (wie man an den anderen Rezension sehen kann) umstritten ist. Aber die ersten beiden Argumente sollten schon mehr als Grund genug sein.

Also worauf wartest du noch? Lass dich wegblasen und stell dir dieses Album in dein CD-Regal. Oder ins Bücherregal. Das geht hier ausnahmsweise mal beides.


Treibeis
Treibeis
Preis: EUR 11,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen Depression und Repression, 15. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Treibeis (Audio CD)
"Nur eine Nacht in der keiner sagt, dass du es nicht wert bist." Zeilen wie diese belegen: Captain Planet singen nicht über Friede-Freude-Eierkuchen, sondern wissen, dass das Leben nicht ein einziger großer Ponyhof ist, wohl eher das Gegenteil. Auf ihrem nunmehr dritten Album hat sich thematisch also in keinster Weise etwas verändert, der Kampf des einfachen Menschen mit seinen alltäglichen Problemen, Stagnation ist hier aber trotzdem ein Tabu-Wort. Es gibt eben nur wenige Bands, die diese mitreißenden Refrains und Hymnen hinbekommen, deren Texte man überall an die Wand kritzeln möchte. Man könnte ihnen vorwerfen, dass sie immer sehr ähnlich klingen, wer sich aber länger mit der Musik beschäftigt, weiß, dass das nicht stimmt. Und warum muss eine Band eigentlich immer das Rad neu erfinden?

Denn wer Texte schreibt wie "Solange Norwegen nicht untergeht, gilt hier warten und weiter rufen: Land in Sicht!" (aus "Stichling") oder "Im Kampf gegen die Endlichkeit, zählt der Wille mehr als die Zahl der Beine" (aus "Spinne"), der gehört dafür in den Arm genommen. Captain Planet atmen den Geist von Hot Water Music oder Samiam und fügen sich dabei wunderbar in die Riege ihrer deutschen Kollegen wie Mikrokosmos23, Käfer K und Muff Potter ein. Aufwühlender Emo-Punk, mit dem Herz am rechten Fleck.

Wer bereits eins ihrer Alben besitzt, muss dieses Album sowieso kaufen und wer nicht, der sollte hier unbedingt reinhören, wenn er denn auf mitreißenden Punkrock und tiefgründige Texte steht. Denn "Treibeis" ist eindeutig eins der besten deutschen Alben des Jahres. "Nichts geht kaputt, alles ist für immer." Großartigst.

Unbedingt anspielen: Pyro, Nest, Spielplatz, Land unter, Nationalpark
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 25, 2012 7:34 PM MEST


Rock and Roll Is Black and Blue (Lim.Edition)
Rock and Roll Is Black and Blue (Lim.Edition)
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mr. Jones für Fortgeschrittene, 28. September 2012
Zuallererst: wer hier (wie auch ich) eine Platte wie "Below The Belt" erwartet hat, der wird zunächst einmal enttäuscht von dem sein, was er hier zu hören bekommt. Auch wer bis jetzt noch kein Werk von Danko Jones sein eigen nennt, sollte vielleicht zunächst einmal zu einer der alten Platten greifen. Bis auf die Single "Just A Beautiful Day" wollten die Songs bei mir nicht so richtig zünden und an den eher mäßigen Kritiken kann ich sehen, dass das bei vielen anderen wohl auch der Fall war. "Rock And Roll Is Black And Blue" aber eine Enttäuschung zu nennen wäre vorschnell geurteilt.

Bei mir hat es nämlich erst nach dem vierten oder fünften Mal "Klick" gemacht - auf der Autobahn. War die letzte Platte noch die Spaßgranate schlechthin und jagte ein Ohrwurm den nächsten, ist das hier wohl er die Platte für den Alltag (inklusive langer Autofahrten) und nicht unbedingt für die nächste Party. Außerdem hat Herr Jones wohl mal ein bisschen bei der Konkurrenz reingehört, denn "You Wear Me Down" und "Conceited" klingen verdammt nach den Queens of the Stone Age (letzteres klaut sich sogar den Riff von "You Think I Ain't Worth a Dollar..."). Das soll hier kein Plagiatsvorwurf sein, es ist erst einmal nur ein bisschen ungewohnt. Nach mehrmaligem Hören aber steht das dem Sound wirklich sehr gut.
Man muss der Scheibe einfach nur ein bisschen Zeit lassen, dann entpuppen sich nämlich Songs wie "Get Up", "I Don't Care" und "Legs" auch wieder als klassische Danko-Jones-Rocker; "Type of Girl" wird zur Reise zurück in die 80er auf einen Highway irgendwo im Herzen Amerikas; das Intro von "Always Away" ist das AC/DC Deja Vú schlechthin; in "Don't Do This" kann man vor Danko's Gesangsleistung nur den Hut ziehen, wie er das "I" in der Bridge in die Länge zieht ist wirklich beachtlich; und "I Believed in God" hat sogar einen richtigen Gospelchor. Auch der Bonustrack "In Your Arms" weiß zu überzeugen.

Also im Endeffekt hält der Name doch was er verspricht: hier kriegt man Rock 'n Roll in Reinkultur serviert. Zwar mit leichten Startschwierigkeiten, dafür aber vielleicht mit weniger Verschleißerscheinungen? Man wird es sehen. Und ob es jetzt gute vier Sterne oder knappe fünf sind, ist am Ende doch auch egal oder? Daher möchte ich jedem Danko-Fan und Rock-Liebhaber diese Platte ans Herz legen, wenn er denn ein bisschen Geduld mitbringt. Lohnen tut's sich allemal.


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