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Markku

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Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden
Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden
von Matthias Weik
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

116 von 138 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verpasste Chance, denn Sachbücher sind mehr als Büttenreden, 19. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist ein umfangreiches Buch mit einer Fülle an zusammengetragenen Daten. Dieses Material wurde dann genommen um eine ganze Menge an Kapiteln zu erstellen: Man findet viele interessante Gedankengänge, die immer mit zum Thema passenden Zitaten unterstützt wurden.

Leider, und das ist das große Manko dieses Buches, wirkt es in den meisten Kapiteln nicht ausgereift, d.h. es wird nur oberflächlich betrachtet, vereinfacht oder nicht zu Ende gedacht. Durch häufiges Ignorieren von konträren Fakten kommen die Autoren zwangsweise nur zu einem polemischen/unsachlichen/unausgewogenen Resümee. So kann man ein Comedyprogramm oder eine Büttenrede gestalten aber bitte kein Sachbuch!

Die größten Schwächen

- Zu viel Polemik in fast allen Kapiteln; das ganze garniert mit einem sarkastischen Zitat pro Kapitel (zB "Nicht Kinder bloß speist man mit Märchen ab"), runden den streitsüchtigen Eindruck ab. Merke: Zynismus ersetzt keine sachliche Argumentation!

- Fakten werden zurechtgebogen: wenn bspw. der Zins nach unten manipuliert wird, dann werden die Sparer & Lebensversicherte kalt enteignet => Finanzelle Repression! Schlimm!! Dass aber dieselbe Maßnahme die wirklich Vermögenden genauso trifft, davon kein Wort.

- Erklärung der Geldentstehung ist viel zu oberflächlich! V.a. fehlt der Hinweis, dass Banken für "Ihr" gezeugtes Geld auch Verantwortung tragen - d.h. es gibt vom Gesetzgeber (!) formulierte Regularien & Ausfälle sind mit Eigenmitteln zu kompensieren. Klar, so ein störender Fakt lässt man gern mal unter den Tisch fallen, wenn's den eigenen Thesen nicht dienlich ist. (Bem.: wie ist eine derart oberflächliche & naive Betrachtung mit der Ausbildung ("Ökonomen") der Autoren vereinbar? Und wer glaubt einen solchen Unsinn? Doch nur jemand, der sowas glauben will!?)

- Staat hat 18 Mrd bei Commerzbank "versenkt". Falsch, das waren vergleichsweise solide Garantien, die mittlerweile zu 90% zurückgezahlt (!) sind. Zwar ohne Zinsen, was aber viel weniger sensationell ist, wie die publizierte Behauptung.

- Umverteilung von den Fleißigen zu den Reichen. Dies ist ja DIE Kernthese des Buches und sollte entspr. ausgearbeitet sein. Dieser Gedankengang hat mich auch wirklich interessiert. Leider gibt es in dem Kapitel kaum mehr Handfestes als ein kleines Beispiel, anhand dessen illustriert wird, wie eine Familie mehr Zinsen zahlt als sie Zinsen erhält. Wie man aufgrund dieser Tatsache nun darauf schließt, dass daher die Familie immer ärmer wird, bleibt das Geheimnis der Autoren. Bsp.: Wenn ich 100 verdiene, 80 verkonsumiere, 10 Zinsen zahle, dann werde ich doch um 10 reicher!
Im selben Kapitel steht auch die Behauptung dass nur dann Wohlstand entsteht, wenn der Zins kleiner als das Wirtschaftswachstum. Auch falsch! Was ist der Zins und was ist der zugehörige Nominalwert? Entscheidend für Wohlstandsverlust ist doch nicht die Tatsache dass man Zinsen zahlt, sondern dass man immer mehr Zinsen zahlt (bzgl. Einkommen). Dieses müsste man dann begründen, falls man es kann, ansonsten ist die These des Wohlstandsverlusts unbewiesen.
In diesem Kontext wird von den Autoren das Faktum ignoriert, dass nun im Zuge der Finanzkrise die Zinsen dauerhaft niedrig und sogar unter der Inflationsrate bleiben werden (Finanzelle Repression, s.o.). Dies läuft doch der Umverteilungsmaschine "Zins" maximal effektiv entgegen! Wie schon zuvor, wird dieses wesentliche Merkmal einfach ignoriert, da es nicht in die eigene Argumentationskette hineinpasst (bzw. diese partiell zerbrechen würde).

- Exponentielles Wachstum ist nicht möglich. Um diese These zu illustrieren wird der Vergleich mit dem Schachbrett und den Reiskörnern angebracht (pro Feld immer die doppelte Menge an Körnern als im vorherigen Feld --- d.h. am Ende 2^64 Reiskörner!). Dieser Vergleich ist ein math. Taschenspielertrick, denn diese Exponentialfunktion hat die Basis 2, während Zinssysteme eine viel kleiner Basis (zB 1,04 bei 4% Verzinsung) haben, die zudem variabel (=> Zinssenkung!!) ist. Folglich ist auch die Aussage dieses Kapitels einfach falsch.
Diese Aussage lässt sich auch durch einfachere Ideen in Frage stellen, zB Betrachtung einer Welt mit 2% Zins und 2% Inflation.

Fazit: ein interessantes und auch sehr anregendes Buch; obwohl ich hier viel kritisiere, habe ich es gerne gelesen. Ich ärgere mich hauptsächlich darüber, dass von der Idee und vom Material her mehr drin gewesen wäre, wenn man sorgfältiger gearbeitet und weniger reißerisch formuliert hätte.

Edit (01/2013): bei nochmaliger Reflexion über das Thema und v.a. über die Botschaft des Buches muss ich es noch kritischer beurteilen. Die Gründe hierfür sind wie folgt:
- Das Buch ist formal, stilistisch und inhaltlich nicht ausgereift
- Es preist Ursachen der Malaise (permanente Staatseingriffe, Manipulation, Aushebelung von Regeln => Vermengung Finanzindustrie & Politik statt klare Regeln, minim. Eingriffe und Separation von Finanzindustrie & Politik) als deren Heilmittel an => DAS ist der Hauptgrund, warum das Buch eine falsche Botschaft liefert: es verschleiert nicht nur die Rolle der Politik und deren Eingriffe (Gesetze oder via Notenbank), sondern es verwechselt Ursachen mit Wirkung und leitet daraus falsche Handlungsanweisungen ab.

Dieses Buch ist also dann, und nur dann ein Erkenntnisgewinn, wenn man eine kritische Distanz zu den Thesen der Autoren wart. Wenn man hingegen sich vereinnahmen lässt, was anscheinend die überwiegende Leserschaft betrifft (vgl. die Vielzahl an 5* Rezensionen), so ist man danach nicht schlauer sondern nur radikalisierter als zuvor. Erstaunlicherweise gelingt dies auch bei anscheinend besonnenen Zeitgenossen.

Die Missinformation des Buches trägt also offensichtlich erfolgreich Früchte, sodass aus aufklärerischen Gründen m.E. sogar eine Abwertung auf 1* gerechtfertigt wäre. Da es aber nicht nur die Schuld der Autoren ist, dass zu viele Leser derart unkritisch sind, bleibt es bei 3*.
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 30, 2014 7:11 PM MEST


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