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Openuser

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Napoleons Rückkehr: Die letzten hundert Tage - Elba, Waterloo, St. Helena
Napoleons Rückkehr: Die letzten hundert Tage - Elba, Waterloo, St. Helena
von Volker Hunecke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

4.0 von 5 Sternen Politische Geschichte im kompakter Form, 24. Juni 2015
Mir gefällt das Büchlein gut, sogar besser als die Bücher von Willms, Müchler, Lenz, oder Zamoyski. Für ein paar Euro mehr bekommt man das Buch von Munro Price, es behandelt den gleichen Zeitraum und ist noch interessanter, aber das Buch von Hunecke ist grundsolide geschrieben. Ja, Hunecke spart mit Karten, und er verwendet einige Fremdwörter. Ich musste auch öfter in der Wiki nachschlagen,aber das ist ja kein Problem. Auf kompakten 250 Seiten bekommt man einen guten und fundierten Überblick, darum geht es. Schlachten und Kriegsgeschichte überlässt Hunecke anderen Autoren, das interessiert mich im Detail auch gar nicht. Ich finde die politische Geschichte interessant, dafür ist dieses Buch genau richtig.


Damenopfer: Erstaunliche Geschichten aus der Welt des Schachs
Damenopfer: Erstaunliche Geschichten aus der Welt des Schachs
von Christian Hesse
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein erstaunliches Schachbuch, 24. Juni 2015
Das Buch besteht aus Kolumnen, die in verschiedenen Zeitschriften erschienen sind. Es eröffnet mit einer Anleitung für Anfänger, damit auch diese das Buch lesen können, also Erklärungen zur Zügenotation und wichtige Schachbegriffe.Der Clou des Buches ist, dass im Buch zahlreiche QR-Codes abgedruckt sind, damit man auf seinem Smartphone die Züge bequem nachspielen kann.
Im Kapitel 1 schildert der Autor den Kampf Fischer gegen Spassky 1972. Nachzuspielen gibt es in diesem Kapitel noch nichts, es ist einfach zu lesen. In den nachfolgenden Kapitel dann aber müssen sehr viele Stellungen und Züge bewältigt werden. Das Niveau ist hoch und ganz und gar nicht für Anfänger geeignet. Manchmal stellt der Autor dem Leser Aufgaben, die ich selber selten alleine lösen konnte. Es gelingt mir nicht, 5 Züge exakt vorauszurechnen. Fortgeschrittene Spieler werden sich mit diesem Buch aber einige Stunden lang köstlich amüsieren können. Man merkt dem Buch an, dass der Autor Mathematiker ist, es gibt sogar einige geradezu philosophische Einlassungen. Besonders interessant fand ich die 3 Abschnitte über Computerschach, denn es lässt sehr schön die Fortschritte der Programmierung erkennen. Es ist ein erstaunliches Buch, weil man ein vergleichbares Buch auf dem Markt kaum finden wird. Es ist kein Lehrbuch, auch kein Geschichtenbuch, ich würde sagen, Unterhaltung für intelligente Menschen (zu denen ich nicht gehöre, ich habe das Buch nur streckenweise gelesen und dann weggelegt).


Sprachphilosophie: Eine Einführung
Sprachphilosophie: Eine Einführung
von Pirmin Stekeler-Weithofer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2.0 von 5 Sternen Für welche Zielgruppe ist dieses Buch geschrieben worden?, 13. Juni 2015
Ich schätze deutschsprachige Philosophen, die man auch als Laie lesen und verstehen kann. Ich denke jetzt nicht an David Precht, sondern zum Beispiel an Thomas Grundmann, Ansgar Beckermann, Gerhard Ernst. In der Reihe C.H. Beck Wissen soll auf ca. 120 Seiten über ein Thema fundiert für Laien geschrieben werden, so habe ich das Konzept verstanden.
Dieses kleine Büchlein ist aber eine Ausnahme. Stekeler-Weithofer wollte wohl so richtig zeigen, was er alles kann. Ohne hervorragende philosophische Grundkenntnisse kann man das Buch nicht verstehen, das Niveau ist sehr hoch. Da der Text ja auch sehr konzentriert ist, bin ich schnell ausgestiegen. Auch Satzbau und Stil sind sehr anstrengend. Für Studenten wird der Text zu knapp sein, das reicht sicher nicht, denn viele Themen wurden nur kurz angerissen oder sind überhaupt nicht vorhanden.
Die Einführung von Albert Newen für 17,95 EUR hat mir bisher gut gefallen. Im Herbst dieses Jahres erscheinen bei Metzler (als Handbuch) und bei UTB weitere sicher gut lesbare Einführungen. Diese werden mehr Geld kosten, aber was nützt es mir, 8,95 EUR auszugeben, wenn ich das nicht verstehen kann.


Grundkurs Erkenntnistheorie
Grundkurs Erkenntnistheorie
von Nikola Kompa
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen solides Lehrbuch, 30. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Grundkurs Erkenntnistheorie (Taschenbuch)
Gute Lehrbücher auf diesem Gebiet gibt es mittlerweile einige, ich selber besitze Grundmann, Ernst, Baumann Peter.
Dieses hier ist ein Sammelband, er besteht aus 22 Beiträgen von zumeist Philosophie-Professoren. 3 der Autoren lehren in den USA. Die Beiträge sind aber übersetzt in die deutsche Sprache. Es wurden im gesamten Band nur wenige Zitate aus der Literatur nicht übersetzt.
Der Verlag hat die Beiträge didaktisch aufgewertet mit Info-Kästchen, Diagrammen, sogar Fotos von einzelnen Philosophen und Kontrollfragen. Das Buch ist großformatig, was überrascht, man kann es schwer in eine Tasche packen, der Vorteil ist aber ein gelockertes Schriftbild, es ist auch mit schwachen Augen gut lesbar.
Schade, dass ein Gesamtregister fehlt, man würde gerne mal etwas nachschlagen, aber das ist bei einem Sammelband nun mal so.

Die Beiträge decken das gesamte Gebiet der Erkenntnistheorie gut ab. Es gibt sogar Aufsätze über Themen, die man üblicherweise nicht in Büchern über Erkenntnistheorie findet. Oliver Peterson schreibt beispielsweise über Kognitionspsychologie. Für mich neu der Beitrag über Default-Konzeptionen. Auch das Kapitel über Erinnerung ist interessant, findet man sonst nicht in solchen Büchern.

Meist gelingt es den Autoren, tiefer in das Thema einzusteigen, als es die genannten Lehrbücher tun. Einzig das Lehrbuch von Grundmann kann in Sache Eindringtiefe mithalten. Beispielsweise behandelt Sven Bernecker das Thema "Wert des Wissens" sehr vielschichtig, Platons Mehrwert-Intuition, Wissen instrumenteller und finaler Art, Wahrheitsmonismus vs. Wertepluralismus, Argumente dafür und Kritiker dagegen, das ist sehr lebendig.

Der Nachteil des Sammelbandes ist, dass wichtige Themen mehrfach im Buch behandelt werden, es kommt zu Wiederholungen, die Autoren haben sich nicht abgestimmt. Aber da jeder Autor mit einem anderen Blickwinkel die Sache betrachtet, ist das nicht schlimm wie ich finde.

Welches Buch soll man sich nun anschaffen? Der Peter Baumann ist gerade für Laien super lesbar, ein richtiges Lesebuch. Der Grundmann muss ernsthaft und zäh durchgearbeitet werden. Und auch der Grundkurs fordert alles ab. Ich denke, der Grundkurs ist für Bachelor-Studenten wie geschaffen, für Laien eher weniger.


Schlüsselwerke des Konstruktivismus
Schlüsselwerke des Konstruktivismus
von Bernhard Pörksen
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Alles Gesagte ist von jemanden gesagt, 16. April 2015
Für meinen Geschmack bietet der Band viel zu wenig Kritik am Kontruktivismus. Das eigentlich spannende wäre doch, die Schlüsselwerke herauszufordern. K.H. Müller erwähnt in einer Fußnote, Maturana wäre bei einer Tagung zur Erkenntnistheorie von Popper böse auf die Nase gefallen, man lehnte seine Ausführungen ab. Es fällt eben schwer, Maturanas begriffliches Geschwurbel philosophisch ernst zu nehmen. Damit hätte man sich ausführlich auseinandersetzen müssen.
Auf der letzten Seite des Buches wird der neue Realismus, angeführt von Markus Gabriel, erwähnt. Das war es fast schon mit der Kritik.

Die Evolutionäre Erkenntnistheorie fällt unter die Rubrik "Vorläuferstreit", dabei hat beispielsweise Gerhard Vollmer gute Argumente für einen hypothetischen Realismus vorgebracht, aber damit will man sich anscheinend lieber nicht auseinandersetzen.

Glaserfeld selbst ist der Diskussion ausgewichen. Er unterscheidet einfach eine metaphysische Ontologie von einer konstruktivistischen Wissenskonzeption.

Mir gefällt auch nicht, dass man Autoren wie Dewey als Konstruktivisten bezeichnet. Dazu stellt man die Hauptwerke, bei Dewey "Die Suche nach Gewissheit", sehr einseitig vor, berücksichtigt nur die Aspekte, die konstruktivistisch klingen.

Gut finde ich die Unterscheidung zwischen naturalistischen Konstruktivisten (via Gehirn, Bewußtsein, Wahrnehmung) und kulturalistischen Konstruktivisten (via Sprache, Kommunikation, Kultur). Gute Argumente, diese beiden Richtungen in einem Band zusammenzufassen, habe ich allerdings nicht gefunden. Ist die kulturelle Evolution nun nur eine Metapher?


Das archaische Griechenland: Die Stadt und das Meer
Das archaische Griechenland: Die Stadt und das Meer
von Elke Stein-Hölkeskamp
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,95

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Singe mir, Muse....., 3. April 2015
Ich mag die 6-bändige Reihe "Geschichte der Antike" sehr gerne. Bisher sind 4 Bände erschienen, die ich mir alle besorgt habe. Alle Bände sind von Fachleuten verfasst worden, auf dem aktuellsten Stand. Sie bringen genau das, was ich als Laie gesucht habe. Parallel lese ich noch die passenden GEO-Epoche Hefte dazu, mehr muss man dann nicht wissen, denke ich.

Stein-Hölkeskamp beschäftigt sich seit langer Zeit mit Archaik und hat bis November 2014 alle Fortschritte in dem Gebiet eingearbeitet. Konventionell sollte das Buch mit dem 8.Jh.v.C. starten, aber die Autorin beginnt mit einem Kapitel über Mykene, was in so einem Buch keinesfalls fehlen darf.

Da es mir wenige schriftliche Quellen gibt und Datierung generell ein riesen Problem darstellt, wird die Geschichte in diesem Band nicht linear dargestellt. Der Stoff wird systematisch unterteilt auf 9 Kapitel, z.B. Kapitel V die Welt der Polis, Kapitel VI die Welt der Bauern, Kapitel VII die Welt der Aristokraten usw. In die Kapitel integriert sind Fallstudien, die das Thema des Kapitels anhand eines Beispiels vertiefen.

Aufgrund der schwierigen Datenlage greift Stein-Hölkeskamp auch auf archäologisches Material zurück. Steine und Scherben haben aber nur ein Vetorecht, d.h. sie erzählen die Geschichte nicht aus sich heraus, helfen aber, falsche Geschichten auszusondern.

Die neuen Ansätze sind deutlich sichtbar (beispielsweise im Vergleich zu Murray, das frühe Griechenland, DTV, 1980). Um 1200 brachen die Palaststaaten zusammmen, monokausale Erklärungen, beispielsweise der Einfall der Dorer, sind nicht mehr haltbar. Die Autorin setzt auf mehrere Faktoren. Die Paläste waren abhängig von der Lieferung von Metallen, diese gingen zurück. Die Territorien der Paläste waren zu begrenzt, die vorhandenen Ressourcen reichten einfach nicht aus. Dazu Erdbeben, die Seevölker, der Zusammenbruch des Hethiterreiches, die Krise Agyptens, die Autorin spricht von einem Systemzusammenbruch.

Das Kapitel über Homer eröffnet mit einem Abschnitt über die Entstehung des Alphabets (um 800). Stein-Hölskeskamp legt sich auf einen einzelnen Erfinder oder eine kleine Gruppe fest. Das Alphabet wurde nicht erfunden zur Verschriftlichung der mündlichen Dichtung, es ist eher an praktische Dinge zu denken. Trotzdem haben die Dichter das neue Alphabet bald nach seiner Erfindung genutzt. Auch Ilias und Odyssee gehen auf einen einzelnen Dichter zurück, um 700 wurden die Verse niedergeschrieben. Der Inhalt muss um 700 schon fremdartig gewirkt haben, die beschriebene Heldenzeit mit Streitwagen, Bronzewafen und turmhohen Schilden war da schon lange vorbei. Die ausgegrabenen Häuser auf Chios in Emporo vermitteln eine Vorstellung der damaligen Lebensverhältnisse. Die Irrfahrten des Odysseuss versinnbildlichen geradezu die Kolonisation der Ägäis über das Meer.
Das Buch endet um 500, dem Beginn der Kämpfe mit den Persern, eine Epochenschwelle.
27 Karten und Abbildungen sind vorhanden, selbstverständlich aber nur im Schwarz-Weiss-Druck.Ein Bildband oder ein Geo-Epoche Heft kann daher zur weiteren Veranschaulichung ganz nützlich sein.


Jesus von Nazaret: Der sanfte Rebell (insel taschenbuch)
Jesus von Nazaret: Der sanfte Rebell (insel taschenbuch)
von Alois Prinz
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

4.0 von 5 Sternen Gut für den ersten Einstieg, 5. Februar 2015
Das Buch ist preislich günstig, leicht les- und verstehbar. Die Lektüre ersetzt mir den jahrelangen vergeblichen, auch minderwertigen, Religionsunterricht in der Schule. Für den ersten Einstieg ist das Buch hervorragend geeignet. Es behandelt Archäologie, Geschichte, Theologie, Philosophie. Nur leider: Nachdem ich die erste Hälfte des Buches gelesen hatte, wollte ich bereits mehr wissen, fing an, im Literaturverzeichnis zu blättern. Es spricht für einen Autor, wenn es ihm gelingt, so das Interesse zu wecken. Auf der anderen Seite aber bleibt dann das Büchlein schnell zurück auf dem Weg, es war nur ein erster Schritt, es steht dann im Bücherschrank, hilft nicht mehr weiter. Ich selber habe es mir nur aus einer Bibliothek entliehen, gekauft habe ich mir ein weiterführendes Buch.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 1, 2015 7:43 PM CET


Trost der Philosophie
Trost der Philosophie
von Karl Büchner
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,80

3.0 von 5 Sternen Anspruchsvolle Übersetzung, 30. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Trost der Philosophie (Taschenbuch)
Über das Buch selber will ich nichts sagen, dass haben andere zu Genüge getan.

Ich habe mir das Reclam-Bändchen gekauft, übersetzt von Karl Büchner. Eine weitere günstige Ausgabe gibt es von Dtv, Olaf Gigon ist der Überrsetzer.
Und da ist noch der kostenlose Text bei Zeno.org.

Es fällt mir schwer, die Reclam Aussage flüssig zu lesen. Am besten komme ich klar mit dem Text bei Zeno.org.

Nur ein Beipiel, gleich aus dem ersten Buch.
Reclam: "Siehe, zerrissene Musen befahlen mir, was ich schreibe"
Gigon: "Also schreiben mir voll Schmerz...die verwundeten Musen"
Zeno: "Also geboten es mir die trostlos klagenden Musen".

Die Musen sind einmal zerrrissen, einmal verwundet, einmal trostlos klagend. Mit Zeno kann ich am meisten anfangen.

So geht das durchweg. Bei jedem dritten Satz schaue ich bei Zeno, was der Text bei Reclam wohl bedeuten mag.Reclam lesen ist wesentlich anstrengender als Zeno. Ob jetzt Büchner philologisch richtiger liegt als Zeno kann ich nicht beurteilen, bin kein Fachmann.


1815: Napoleons Sturz und der Wiener Kongress
1815: Napoleons Sturz und der Wiener Kongress
von Adam Zamoyski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fortsetzung eines Bestsellers, 22. Januar 2015
Der Bestseller 1812 hat mir Zamoysi bekannt gemacht und mich zu diesem Buch greifen lassen. Das Buch mag objektiv gut sein, das zu beurteilen überlasse ich kompetentern Lesern. Auf jeden Fall hat Zamoyski dieses Mal wesentlich stärkere Konkurrenz also noch bei 1812. Denn es sind eine ganze Reihe von hervorragenden Büchern zum Wiener Kongress und Waterloo erschienen, zum Beispiel das Buch von Thierry Lentz. Zamoyskis Buch ist nur eines von vielen.

Ich persönlich habe mich eher gelangweilt und das Werk nach 2 Stunden aus der Hand gelegt. Zur Zeit sind sehr viele interessante und wichtige Bücher für Laien auf dem Markt, jeder muss sich entscheiden, wofür er seine kostbare Lesezeit hergibt.

Der Kongress selber wird auf 200 Seiten abgehandelt. Es ermüdet, den Verhandlungen folgen zu müssen. Es geht um Gebietsabspaltungen, Kolonien, Königstitel, jemand macht einen Vorschlag, einem anderen gefällt das nicht, usw. usw. Mir reicht in diesem Fall, das Endergebnis aus der Wikipedia entnehmen zu können.

Es hilft auch nicht, dass Zamoyski versucht, den Text durch das Einstreuen von amourösen Abenteuern der Protagonisten auflockern zu wollen. Im Gegenteil, es nervt, ständig lesen zu müssen, wer mit wem ins Bett geht oder eine Orgie feiert. Zamoyski geht selbstverständlich nicht ins Detail, aber diese Einlassungen nehmen dem Werk ein Stück seiner Seriosität. Thierry Lentz jedenfalls schreibt über solche Dinge nicht.

Wenigstens habe ich auf diese Weise eine andere Facette von Wilhelm von Humboldt kennengelernt. Der Mann besuchte ständig Prostituierte oder hat sich sehr junge Mädchen aus einfachen Verhältnissen zuführen lassen. Es ist doch immer wieder enttäuschend, feststellen zu müssen, wie wenig Gelehrsamkeit und einfache Moral miteinander zu tun haben.

Leider hat Zamoyski nichts geschrieben über Verhütung, Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten, das wäre dann noch kulturgeschichtlich interessant gewesen, so aber nicht.

Napoleon geistert zwar im Buch ständig im Hintergrund herum, dort bleibt er aber auch. Selbst in den Abschnitten "Der Flug des Adlers" und "Die Hundert Tage" wirkt die Zeichnung blass. Hier lobe ich Günter Müchlers Buch Napoleons 100 Tage". Müchler beschreibt dort sehr spannend die Geschehnisse, Zamoyski bleibt weit zurück, tut mir leid.

Die Schlacht von Waterloo beschreibt Zamoyski auf gerade mal einer Seite, in 1812 hat er den Krieg noch ganz anders in Szene gesetzt. Interessante Thesen, warum Napoleon die Schlacht verloren hat, habe ich bei Müchler gefunden, aber nicht bei Zamoyski.


Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift
Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift
von Konrad Paul Liessmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Katastrophenretorik überall, 15. Januar 2015
Ich bewerte wie fast immer gegen den Mainstream und gebe nur 3 Sterne. Das liegt auch daran, dass Liessmann genau das schreibt, was ich selber denke. Ich finde aber Bücher langweilig, an denen ich mich nicht reiben kann. Außerdem liege ich selten richtig, also kann auch Liessmann nicht.

Ich kenne beispielsweise eine fortgeschrittene Germanistikstudentin, die sehr bald vor einer Klasse stehen wird. Die großen Werke von Thomas Mann oder Tolstoi hat sie nach eigener Aussage nie gelesen, statt dessen leiht sie sich in Videotheken Blockbuster aus. Das ist das Ende der Bildung, was kann man sonst davon halten?
Der Philosoph Thomas Metzinger bezeichnet Whatsapp, Facebook und Google als "professionelle Aufmerksamkeitsräuber", ich stimme zu.

Aber zunächst zum Buch. Es besteht aus 11 Kapitel. Im ersten Augenblick glaubte ich, eine Aufsatzsammlung vor mir zu haben. Den der Inhalt wiederholt sich streckenweise, auf der anderen Seite fehlt auch manchmal der Zusammenhang, es sieht nicht aus wie ein Buch aus einem Guss.

Liessmann läßt kein gutes Haar an Bildungspolitikern, Lehrern, Eltern, Schülern. Nur der klassisch ausgebildete Philosoph, Herr Liessmann, kann uns noch erklären, was gute Bildung ist. Ein Satz aus dem Buch trifft nach meiner Meinung auf Herrn Liessmann selbst zu: "In der Katastrophen-, Test- und Dauerreformrhetorik zeigt sich die Praxis der Unbildung in ihrer hysterischen Gestalt". Ja, Katastrophenretorik ist das, was Herr Liessmann da selber betreibt.

Die Kritik an Powerpoint-Vorträgen ist weder neu noch originell. Und gelegentlich machen diese Vorträge sogar Sinn. Ein Meeting des mittleren Managements eines Unternehmens kann man nicht mit eine Philosophie-Vorlesung vergleichen.

Die Welt hat sich verändert, wir sind in das digitale Zeitalter eingetreten. Ich fremdle selber darin, aber es ist unabänderlich. Die Finnen verzichten ab 2016 auf die Schreibschrift, für jemand aus meiner Generation unvorstellbar, und doch ist es so.

Fluide Intelligenz ist ausreichend vorhanden, möglicherweise übertreffen die heutigen jungen Jahrgänge sogar die früheren. Die Intelligenz passt sich den Gegebenheiten an, sucht sich neue Wege, wir dürfen das kritisieren, aber aufhalten kann man es nicht.

Das Buch muss man lesen, es ist interessant. Aber Politiker, Lehrer, Eltern, Schüler und auch Philosophen sollten etwas mehr Gelassenheit an den Tag legen, es hilft nichts, übereinander herzufallen. Wenn jeder auf seiner eigenen Meinung besteht, wie gute Bildung auszusehen hätte, kann es nicht zu einem Konsens kommen.

Zusammenfassend meine ich, Liessmann pauschalisiert zuviel und er sollte auch mal über die Grenzen der Philosophie und ihren Wert für die Gesellschaft nachdenken, also eher vor der eigenen Tür mal kehren.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 4, 2015 2:21 PM CET


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