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Artikel 20 Grundgesetz (Bundesrepublik Deutschland)

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Nigrin 72943 Hartwachs- Politurpaste 250 ml
Nigrin 72943 Hartwachs- Politurpaste 250 ml
Wird angeboten von Die Oelquelle Inhaber Joachim Heinrich Hoos
Preis: EUR 6,75

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Inhalt gut bis sehr gut, Verpackung drei minus, 5. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer kleinere oder größere lackierte Oberflächen polieren und vor Regen, Umwelteinflüssen usw. schützen möchte, wird in dieser Hinsicht vom Inhalt sicherlich nicht enttäuscht werden. Die leicht "grünliche" Politurpaste hat m.E. genau die richtige Konsistenz und lässt sich daher äußerst flott mit dem Schwamm oder Lappen verteilen. Dünn aufgetragen trocknet die Politurpaste auch rasch und lässt sich anschließend ebenso leicht auspolieren.

Leider täuscht die Dose etwas über den Inhalt hinweg, da sich unter dem oberen Kunststoffdeckel ein großer runder und mehrere Zentimeter dicker Schwamm verbirgt. Der eigentliche Inhalt befindet sich dann in einer sogenannten Patentdeckeldose (wie bei Lackfarben), dessen Blechdeckel jedesmal äußerst umständlich mit einem Schraubenzieher aufgehebelt werden muss.

Fazit: Inhalt hui, Verpackung pfui!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 14, 2013 10:24 PM MEST


NachDenkSeiten: Das kritische Jahrbuch 2012/13
NachDenkSeiten: Das kritische Jahrbuch 2012/13
von Albrecht Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Demokratie braucht Nachdenker, 30. Oktober 2012
Ein meiner Lehrer vertrat die These, unsere Gesellschaft entwickle sich in Schritten: drei Schritte vorwärts und zwei zurück.

Betrachtet man die jüngere Geschichte unseres Landes, dann spricht vieles für diese These. Mit der Ratifizierung des Grundgesetzes schritt man 1949 in der jungen Bundesrepublik Deutschland verglichen mit der Barbarei, Unmenschlichkeit und dem Terrorregime des Dritten Reiches zweifelsohne drei Schritte vorwärts.

Die NSDAP, die sogenannte "Machtergreifung" 1933, die Diktatur Adolf Hitlers und der Zweite Weltkrieg sind aber nicht vom Himmel gefallen. Mit dem Grundgesetz und vor allem der Sozialstaatsklausel zog man auch die ökonomischen und sozial(staatlich)en Lehren sowie rechtlichen Konsequenzen aus einer gescheiterten freiheitlichen Demokratie, der Weimarer Republik.

Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte, dann muss man bei Lichte besehen feststellen, dass wir schon seit geraumer Zeit wieder den Rückwärtsgang eingelegt haben, wenn es um Demokratie, bürgerliche Freiheitsrechte, Menschenwürde, Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit und die Verteilung des Wohlstandes bzw. die Teilhabe der Bürger am Ergebnis des Wirtschaftswachstum geht.

Bei immer mehr Bürgern verdichtet sich die Erkenntnis, unsere real existierende Demokratie dient vor allem den Reichen und Superreichen: Gewinne in Milliardenhöhe werden privatisiert, Verluste in Milliardenhöhe auf die Allgemeinheit verteilt (Stichwort: "notleidende Banken"). Unsere Demokratie hat sich schleichend zu einer Plutokratie und zu einer Diktatur des Kapitals entwickelt. Wir sitzen in Deutschland schon lange nicht mehr in einem Boot. Die einen werden immer noch freier bzw. leistungsfähiger, die anderen immer unfreier. Und wie in der Weimarer Republik gibt es inzwischen nicht nur (Neo-)Nazis und Rechtsextreme, die auch noch Beifall klatschen, wenn Sozialdarwinisten und Rassisten wieder aus ihren Löchern kriechen und die Opfer dieser neoliberalen Politik von den Tätern zu Sündenböcken gemacht machen. Ausgerechnet die demokratische Partei, die nach dem Zweiten Weltkrieg einmal angetreten war, die Interessen der arbeitenden Bevölkerung, der Arbeitslosen, Gastarbeiter, Rentner und sogenannten kleinen Leute gegen die Interessen des Kapitals zu vertreten, ist zu einer weiteren Partei des großen Geldes mutiert.

Im Kapitel 6 (Seite 125) schreiben die Autoren: „Die Demokratie, sprich die Herrschaft des Volkes, lebt von einer funktionierenden Öffentlichkeit, von Menschen in Politik, Medien, Wissenschaft, die hinter die Fassaden blicken und aufklären. Die Demokratie lebt vom Austausch der Meinungen, auf dass die besten Lösungen für die anstehenden Probleme gefunden werden können.“

Dass es wirtschaftliche, soziale und auch ökologische Probleme gibt, ist unbestritten. Es sei denn, man gehört zu den Schönrednern in Deutschland, die alles verharmlosen und beschwichtigen wollen (Stichworte: Aufschwung XXL, "Jobwunder") oder mit Totschlagargumenten relativieren. Spekulationsblasen, Finanz- und Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Links- und Rechtsextremismus, Altersarmut usw. fallen nicht vom Himmel. Die Behauptung, ausgerechnet die Politik, die zu diesen Problemen geführt hat, wäre auch nun auch noch „alternativlos“, wie dies unter anderem unsere derzeitige Kanzlerin, Frau Dr. Merkel, macht, ist daher nicht nur eine Frechheit, sondern eine Verdummung des Volkes. Volksverdummung aber ist ebenso wie die Bestechung der Volksvertreter im Gegensatz zum Hoch- bzw. Landesverrat in Deutschland bislang weder ein strafbarer Tatbestand noch in anderer Weise justiziabel.

Man kann darüber streiten, ob der bekannte Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein ein „Jahrhundert-Genie“ war. Andererseits hat bislang noch niemand, der sich selbst als halbwegs intelligent bezeichnet, behauptet, er wäre ein dummer Mensch gewesen. Dieser Albert Einstein hat neben vielen anderen klugen Sätzen einmal gesagt: "Probleme lassen sich nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben."

Nun besitzen zweifelsohne nicht alle Menschen die Intelligenz eines Albert Einstein. Diesen Menschen kann man schwerlich vorwerfen, dass sie es selbst nicht merken, wenn sie hinters Licht geführt werden. Menschen, die zur "Elite" gehören oder sich selbst zur Elite unseres Landes zählen, aber andere für dumm verkaufen, wissen in der Regel allerdings ganz genau, was sie tun. Es sei denn, sie sind betriebsblind, haben einen Tunnelblick und/oder jeglichen Bezug zur Realität verloren. Auf Seite 202 schreibt der Co-Autor Jens Berger: „Das politische Deutschland trägt Scheuklappen, es bewegt sich in einer rosaroten Parallelwelt, in der die Sorgen und Nöte eines großen Teils der Bevölkerung nicht mehr vorkommen oder schlimmer noch als selbstverschuldet abgetan werden.“

Jeder, der aus unserer Demokratie eine "marktkonforme Gesellschaft" macht oder machen will wie unsere derzeitige Bundeskanzlerin, hat entweder von Tuten und Blasen keine Ahnung, geschweige denn von Volkswirtschaft, oder er bzw. sie steht nicht mehr auf dem Boden unseres Grundgesetzes.

Die real existierende Marktwirtschaft ist weder demokratisch noch sozial. Den Märkten ist es nämlich vollkommen egal, ob die Bürger eine bezahlbare Wohnung finden und Börsenzocker gleichzeitig mit Milliarden auf steigende Immobilienpreise spekulieren. Den Märkten ist es egal, ob sich Rentnerinnen, die ihre Rente mit Grundsicherung aufstocken müssen, obwohl sie ein Leben lang hart gearbeitet haben, das Futter für ihren Hund vom Mund absparen, weil die meisten unserer sogenannten Volksvertreter dies als „Luxus“ betrachten und im Regelsatz dafür kein Geld vorgesehen haben. Den Märkten ist es egal, ob sich ein Arbeitsloser auf einem Hochsitz langsam zu Tode hungert und im Fernsehen zig Millionen Euro für teure Werbespots ausgegeben werden, denen zufolge man nur einen bestimmen Schokoriegel usw. essen muss und alles wird gut. Den Märkten ist es egal, ob die Bürger, denen keine Millionen oder Milliarden in die Wiege gelegt wurde, einen sicheren Arbeitsplatz haben und dauerhaft über ein Einkommen verfügen, mit dem sie zum Beispiel die Kreditraten für das Auto oder Eigenheim bezahlen können, und Bonusbanker selbst dann mehrere Millionen im Jahr kassieren, wenn sie sich an den Finanzmärkten verspekulieren und dadurch viele Arbeitsplätze vernichtet werden.

"Sozialstaat ist mehr als Sozialtransfer" schreiben die Autoren auf Seite 119 und soziale Marktwirtschaft mehr als das tumbe Geschwafel "Bei uns muss niemand verhungern."

Wo sind die progressiven Denker und aufgeklärten Journalisten, die hinter diese Floskeln, die uns jeden Tag von Politikern, Kommentatoren selbsternannter “Qualitätsmedien“ und bezahlten Interessenvertretern großer Konzerne und Banken vorgesetzt werden, hinterfragen und zum Platzen bringen? Wo ist der Aufschrei der Bildungsbürger, wenn es um die Privatisierung von Schulen und Hochschulen zum Zwecke der Dividendenausschüttung an die Kapitaleigentümer geht? Wo sind die Lehrer, für die ihr Beruf nicht nur eine Einkommensquelle darstellt und Bildung eine Ware, die man auf einem Internat in der Schweiz kaufen kann, wenn die Eltern über genügend finanzielle Mittel verfügen? Wo sind die aufrechten Wissenschaftler, die sich nicht für ein paar Silberlinge korrumpieren lassen und Gefälligkeitsgutachten für unsere neoliberale Regierung erstellen wie z. B. der bekannte Professor Bernd R. von der Universität Freiburg? Wo sind die Unternehmer, denen im Gegensatz zu den meisten Managern mit ihrem betriebswirtschaftlichem Tunnelblick wissen, dass Löhne nicht nur Kosten sind, sondern volkswirtschaftlich auch Nachfrage. Wo sind die Liberalen, die unter „Freiheit" nicht nur die Freiheit der Märkte bzw. die Freiheit der Superreichen verstehen? Wo sind die christlichen Konservativen, die begreifen, dass sie mit ihrer neoliberalen "Sparpolitik" schon einmal eine freiheitliche Demokratie an die Wand gefahren haben? Wo sind die Demokraten, die sich nicht wie in der Weimarer Republik hinter der fatalistischen Ausrede verschanzen: "Gegen die da oben kann man sowieso nichts machen"? Genau das ist es nämlich, was die herrschende Nomenklatura, ihre politischen Helfer und medialen Handlanger den Bürgern heute ständig einreden wollen.

Es gibt zwar immer mehr Demokraten, die die Denkfehler, gezielten Tricksereien und bewussten Manipulationsversuche der Regierung und öffentlichen Meinungsmacher durchschauen, aber es sind immer noch nicht genug.

Man muss letztlich auch nicht immer und alle Schlussfolgerungen der Autoren im Detail teilen. Nichtsdestoweniger bietet das vorliegende Jahrbuch wieder eine Fülle schlagkräftiger (Gegen-)Argumente, wenn es um die sogenannte "Reform" des Sozialstaats, Deregulierung, Flexibilisierung, Niedriglöhne, die Umdeklarierung der Bankenkrise zur "Staatsschuldenkrise", die Mogelpackungen Riester-Rente und "Pflege-Bahr", das Statistische Bundes(beschönigungs)amt, die Profiteure der Inflationsangst, die steuerliche Privilegierung von Kapitaleinkünften, den Hochfrequenzhandel an den Börsen, die obszöne Vermögenskonzentration und vieles andere mehr geht.

In diesem Sinne: Werden auch Sie zum Nachdenker.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 3, 2012 1:11 AM CET


Pharmaka  32552 Bienenwachs Lederfit-Öl 1 l
Pharmaka 32552 Bienenwachs Lederfit-Öl 1 l
Preis: EUR 12,49

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Macht auch Motorradlederbekleidung geschmeidig., 18. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Produkt ist zwar für die Pflege von Lederprodukten im Reitsport ausgewiesen, lässt sich aber offenkundig auch ganz hervorragend für die Behandlung bzw. Imprägnierung von Motorradlederbekleidung "zweckentfremden".

Mein Tipp: Die Lederjacke bzw. -hose vor der Behandlung ganz leicht mit einem Fön und das flüssige Öl in der Mikrowelle vorsichtig auf 30 bis 40 Grad Celsius erwärmen. Dann zieht das Öl noch schneller und tiefer in die Poren ein, macht das Leder weich und man bekommt hinterher keine fettigen Finger. Wenn man die Prozedur einmal oder zweimal wiederholt, wird die Lederbekleidung auch stark wasserweisend. Nichtsdestoweniger sollte man natürlich bei Regen eine wasserdichte Regenkombi im Gepäck haben und im Fall des Falles überziehen können.


GEO EPOCHE Nr. 27: Die Weimarer Republik. Drama und Magie der ersten deutschen Demokratie
GEO EPOCHE Nr. 27: Die Weimarer Republik. Drama und Magie der ersten deutschen Demokratie
von Peter-Matthias Gaede
  Broschiert

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Scheitern der Weimarer Republik war nicht vorprogrammiert., 11. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Nr. 27 der Reihe "GEOEPOCHE" befasst sich mit der sogenannten "Weimarer Republik", also der Zeit in Deutschland von 1918/19 bis 1933. Der broschierte Band ist reich illustriert und liefert einen guten Überblick über die Extreme dieser "ersten deutschen Demokratie".

Während der Weimarer Republik wurden auf der einen Seite laut Editorial Deutsche mit insgesamt 17 Nobelpreisen ausgezeichnet, darunter z.B. Werner Heisenberg, Albert Einstein, Otto Warburg, Carl Bosch und Thomas Mann. Es gab Innovationen und Erfindungen wie den Zeppelin oder das erste "bemannte Raketenflugzeug", eine Blüte der Kunst und Kultur, Nackttänzerinnen, den Sieg Max Schmelings bei der Europameisterschaft im Boxen, schwerreiche Unternehmer und Industrielle wie Hugo Stinnes und Alfred Hugenberg, Reklamegeschrei, Verkehrslärm und Lichterglanz. Auf der anderen Seite standen Putschversuche, Hyperinflation, Börsencrash, Wirtschaftskrise, Lohndumping, der "Blutmai", die Dreigroschenoper, Armut und Arbeitslose, die Abfälle vor einer Markthalle nach Essbarem durchsuchen.

Die Verfasser lassen aber keinen Zweifel daran, dass die damalige parlamentarische Republik nicht zwangsläufig mit der "Machtergreifung" der NSDAP, also der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 und der Errichtung einer gleichgeschalteten Diktatur hätte enden müssen.

Mit seiner Spar- und Deflationspolitik nahm vor allem Reichskanzler Heinrich Brüning von der Zentrumspartei in den Jahren 1930 bis Mitte 1932 die Verschärfung der Wirtschaftskrise bewusst in Kauf oder hat "sie bewusst betrieben". Auf Seite 161 beantwortet der Wirtschaftshistoriker Carl-Ludwig Holtfrerich die Frage der Autoren: "Meinen Sie, Brüning hätte die Republik retten können?" mit: "Lassen Sie es mich so sagen: Den Handlungsspielraum, der ihm blieb, hat er nicht genützt."

Etwas störend empfinde ich die eingestreuten "Anzeigen" über Münzversandhäuser und irgendwelche Agenturen, auch wenn es sich nur sehr wenige handelt.


Hohe 3000er in den Alpen
Hohe 3000er in den Alpen
von Richard Goedeke
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gutes Fundament für hohe 3000er in den Alpen., 9. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hohe 3000er in den Alpen (Broschiert)
Selbstredend sollte man sich vor Durchführung einer Tour noch genauer über das ausgewählte Ziel informieren. Das vorliegende Taschenbuch bietet aber auf seinen insgesamt 216 Seiten genügend Basisinformationen für eine adäquate Vorauswahl aus den insgesamt 162 Alpengipfeln mit einer Gipfelhöhe zwischen 3.600 und 4.000 Metern und einer Prominenz von mehr als 100 Metern, die zu seinem eigenen Können und seinen eigenen Ansprüchen passt.

Das Buch ist übersichtlich und gut strukturiert. Alle Gipfel werden nach sechs Anforderungsprofilen unterschieden: (1) Bergbahngipfel, (2) präparierte Felsberge, (3) häufiger bestiegene Berge mit richtiger Felskletterei, (4) populäre vergletscherte Berge, (5) vergletscherte Berge ohne Spur und (6) selten besuchte, wirklich ursprüngliche Felsberge.

Anstiege, die in "wildes Hochgebirge führen und von den Begehern viel Erfahrung und Umsicht und ständige Improvisation verlangen", wie der Autor dies formuliert, sind mit einem Icon »Ausrufezeichen« als "ernsthaft" gekennzeichnet und sollten nur dann durchgeführt werden, wenn man bereits Erfahrung mit nicht präpariertem Hochgebirge besitzt oder einen sehr erfahrenen Begleiter bzw. Bergführer an seiner Seite hat.

Zu den einzelnen Gipfeln gibt es jeweils Wegbeschreibungen, kleine Kartenskizzen, Tipps zu Kartenmaterial und Spezialführern, Anreise und Hütten, Gehzeiten, Höhenmetern und besonderen Gefahren wie Gletscherspalten oder Wechten.

Abgerundet wird das Buch durch ein Register und eine Auflistung aller vorgestellten Alpengipfel einmal nach ihrer Höhe und dann nach ihrer Gesamtschwierigkeit.


Gesichter des Bösen
Gesichter des Bösen
von Sam Keen
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Feind als Bestie, Kriechtier, Insekt und Krankheitserreger., 9. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Gesichter des Bösen (Broschiert)
Das Buch erschien 1993 als deutsche Übersetzung der amerikanischen Originalausgabe von 1986 mit dem Titel "Faces Of The Enemy. Reflections Of The Hostile Imagination." von Sam Keen.

In dem äußerst reichhaltig illustrierten Buch (sw- und Farb-Plakate, Fotos, Grafiken, die bis in das 16. Jahrhundert zurückgehen über den spanisch-amerikanischen Krieg 1898 bis zum Jahr 1985, aber vor allem aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges), zeigt der amerikanische Psychologe Keen, wie die machthabenden Eliten eines Staates vor und während kriegerischer Auseinandersetzungen bewusst und gezielt Feindbilder schüren, um ihre Bevölkerung von der Richtigkeit des Krieges und der Bosheit des Feindes zu überzeugen.

Lange bevor der erste Schuss fällt, wird durch Ideologie und Propaganda ein Bild des Feindes aufgebaut, das Hass und Aggression schürt und die natürliche Angst vor dem Krieg herabsetzt. Sieht man von fahrlässiger Tötung, Psychopathen, individueller Notwehr usw. ab, dann haben die meisten Menschen offenkundig eine Hemmung, andere Menschen zu töten bzw. zu ermorden.

Feindbilder setzen die Bereitschaft zur Gewalt herab, weil sie den Gegner entmenschlichen. Der Feind wird als gesichtsloses Abstraktum, statistische Zahl, Feind Gottes, Barbar, Verbrecher, Folterer, Vergewaltiger, Bestie, Sadist, Kriechtier, Kinderschänder, Insekt, Ratte, Tod usw. bezeichnet bzw. dargestellt.

"Nicht die Waffen töten Menschen, Köpfe töten Menschen" heißt es in der Einleitung. Nach Ansicht des Autors ist der Homo sapiens bzw. der Homo faber in Wirklichkeit ein "Homo hostilis", eine feindselige Spezies, ein »feinderfindendes« Lebewesen. Der Autor zeigt am Ende seines Buches aber auch Möglichkeiten, wie die Menschen ihre eigene Paranoia überwinden können und aus dem "Homo hostilis" doch noch ein "Homo amicus" werden könnte.


Der falsche Präsident: Was Pfarrer Gauck noch lernen muss, damit wir glücklich mit ihm werden
Der falsche Präsident: Was Pfarrer Gauck noch lernen muss, damit wir glücklich mit ihm werden
von Albrecht Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,99

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zur Macht der Worte müssen auch noch die Argumente kommen., 8. April 2012
Der falsche Präsident - Ein herausfordernder Titel. Schließlich waren die Vertreter der meisten Parteien und unsere sogenannten "Qualitätsmedien" - von der Yellowpress einmal ganz abgesehen - vor, bei und nach der Wahl der Ansicht und sind es noch immer, dass Herr Gauck derzeit der "richtige" Stelleninhaber für das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland ist.

Warum dann diese Skepsis des Autors gegenüber dem Präsidenten mit dem größten gemeinsamen Teiler?

Auf der einen Seite war mir Herr Gauck bisher nur als Behördenleiter der nach seinem Namen benannten Behörde des BStU ein Begriff. Auf der anderen Seite "kenne" ich den Autor schon länger, da ich vor einigen Jahren auf der Suche nach weiteren Bürgern, die sich beim Lesen vieler Artikel unserer selbsternannten "Qualitätsmedien" zu politischen, volkswirtschaftlichen und sozialen Themen ebenfalls vorkommen, als würde man sie verkohlen bzw. verschaukeln wollen, nicht nur zufällig auf den Autor gestoßen bin.

Wenn man z.B. liest "Deutsche haben soviel Geld wie noch nie. - Nach den BVR-Angaben verfügte 2010 jeder private Haushalt in Deutschland im Durchschnitt über ein Geldvermögen von rund 115.400 Euro. Diesem Vermögen stand eine durchschnittliche Verschuldung pro Haushalt von 38.200 Euro gegenüber." (FM vom 12.10.2011), dann frage ich mich: Welche Botschaft soll damit vermittelt werden?

Ein Statistiker-Witz lautet: Im Durchschnitt gibt es eine angenehme Temperatur, wenn man den Kopf in den Backofen steckt und die Füße in Eiswasser. Deshalb ist die Verteilung natürlich von erheblicher Bedeutung. Ohne die Angabe, wie sich dieses private Geldvermögen verteilt (oder besser gesagt konzentriert), besagt das: Was? Oder will man mit dieser Meldung den Leuten vorgauckeln, dass alle Bürger in Deutschland "wohlhabend" wären, weil jeder Haushalt netto 77.200 Euro Geldvermögen auf der hohen Kante hat? (Die durchschnittliche Verschuldung pro Haushalt in Deutschland lag im Jahr 2010 bei rund 38.000 Euro. Ein Zyniker könnte nun auf die Idee kommen und fragen, wo dann dann eigentlich das Problem ist, denn per Saldo bleiben 39.200 Euro pro Haushalt übrig.)

"Als Quellen für die Zitate von Joachim Gauck dienten verschiedene Artikel und Dokumentationen, außerdem seine beiden Bücher ..." schreibt der Autor Albrecht Müller ganz am Schluss seines Bändchens, das diverse Originalzitate von Herrn Gauck enthält (unter anderem aus: WamS, Die Zeit, Deutschland Radio Kultur, SZ, Spiegel Online, Rheinischer Merkur, Tagesspiegel und FNP), die der Autor anschließend genauer unter die Lupe nimmt.

Aus diesem Grunde könnte man dem Autor Albrecht Müller natürlich vorwerfen, er hätte ein Art "Stock Picking" betrieben und sich nur die Zitate herausgesucht, die ihm in den eigenen Kram passen. Diesem Vorwurf muss man entgegenhalten: Wenn Herr Gauck, wie auf Seite 44 zu lesen ist, schon "einmal darüber nachgedacht hat, ob er ein linker liberaler Konservativer oder ein konservativer liberaler Linker sei" und zum Ergebnis kommt, "dass er in sich alle drei politischen Richtungen vereint" sieht, sich aber nicht für eine hätte entscheiden können (Müller, Seite 44), dann weiß man tatsächlich nicht, was man nun davon halten soll.

Ich würde mich auch als "linken liberalen Konservativen" bzw. "konservativen liberalen Linken" bezeichnen und darüberhinaus noch als "christlich" und "demokratisch". Meine inhaltlichen Bestimmungen dieser Begriffe unterscheiden sich aber nach der Lektüre des Buches von Herrn Müller ganz offenkundig wesentlich von Herrn Gauck, wenn Herr Gauck darunter versteht, dass die neoliberale TINA-Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte fortgeführt werden soll, wie der Autor Albrecht Müller auf Seite 54f schreibt.

"Die Bundesrepublik Deutschland ist ein sozialer und demokratischer Bundesstaat." heißt es Grundgesetz von 1949. Warum heißt es dort nicht: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein freiheitlicher und demokratischer Bundesstaat? Warum haben wir eine 5-Prozent-Klausel? Und warum ist die Macht des Bundespräsidenten beschränkt auf die "Macht der Worte" und darauf, die Ausfertigung von Bundesgesetzen zu verweigern?

Sowohl die Sozialstaatsklausel als auch die 5-Prozentklausel und die eingeschränkten Rechte des Staatsoberhaupts haben ihre historischen Ursachen. Sie sind letztlich das Ergebnis einer schon einmal gescheiterten Demokratie mit einer freiheitlichen Grundordnung, nämlich der Republik von Weimar, die manche Historiker im nachhinein als "Demokratie ohne Demokraten" bezeichnen, auch wenn dies nur eine der Hauptursachen ist. Aber weder das Dritte Reich noch der real existierende Sozialismus der DDR sind einfach so vom Himmel gefallen.

Demokratie existiert nur solange, wie die Bürger daran glauben, dass es bei Besteuerung tatsächlich gerecht zugeht, die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch größer wird, die Politik nicht zu einem Selbstbedienungsladen karrieregeiler Yuppies und zu einer Klientelpolitik für milliardenschwere Hoteleigentümer oder "notleidende Banken" verkommt, alle Bürger gleiche Aufstiegschancen haben und das Soziale nicht durch eine "Neue Soziale Marktwirtschaft" darauf reduziert wird, dass in Deutschland niemand verhungern müsse. Wenn immer mehr Bürger nicht mehr daran glauben, dass ihre berechtigten Interessen von denjenigen, die vorgeben das Volk zu vertreten, vertreten werden, dann ist das Grundgesetz irgendwann weniger wert als Klopapier. Denn das Grundgesetz gibt es kostenlos im Internet. Klopapier kostet Geld.

Niemand verlangt und erwartet von einem Staatsoberhaupt, dass der Stelleninhaber weiß, was Leerverkäufe sind und der Gini-Koeffizient besagt, wie man einen Chi-Quadrat-Test berechnet und wie Hedge Fonds funktionieren, ob kalte Fusion "funzt" bzw. warum nicht, was kalte Progression ist und wer Johann Georg Elser war. Aber man kann verlangen und erwarten, dass er nicht nur die Freiheit derjenigen im Auge hat, die sich auf der Sonnenseite dieser Gesellschaft befinden, sondern die Sorgen und Nöte aller Bürger tatsächlich ernst nimmt und seine historische Verantwortung nicht auf Gemeinplätze und Plattitüden beschränkt. Der Bundespräsident hat die Macht der Worte. Die klugen Argumente sollten noch hinzukommen oder wie der Autor es auf Seite 59 formuliert: "etwas tiefer zu bohren, etwas gründlicher zu fragen, etwas skeptischer zu sein, mehr zu wissen, um auch dann zu zweifeln, weil das nötig ist."


Beschissatlas: Zahlen und Fakten zu Ungerechtigkeiten in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt
Beschissatlas: Zahlen und Fakten zu Ungerechtigkeiten in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt
von Yvonne Kuschel
  Broschiert

23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der ganz normale Wahnsinn., 21. März 2012
In unserem Land wird einerseits monatelang über eine Erhöhung des Hartz IV-Regelsatzes von sechs Euro pro Monat debattiert. Andererseits werden über Nacht Rettungspakete für sogenannte "notleidende Banken" in der Höhe von 100 Milliarden Euro geschnürt.

Da sich die meisten Menschen nur Zahlen vorstellen können, die in ihrem täglichen Alltag vorkommen, zum Bespiel den Kaufpreis eines Autos oder den Benzinpreis an der Zapfsäule, haben die Autorinnen im vorliegenden "Atlas" viele kleine Zahlen den großen Zahlen zu den Themen Arbeit, Ernährung, Einkommens- und Vermögensverteilung, Steuerflucht, Verschuldung, Natur, Klima, Integration, Verkehr, Rüstung usw. gegenübergestellt und einige Sachverhalte durch zum Teil schon künstlerisch anmutende Diagramme abseits der üblichen Torten-, Säulen und Balkendarstellungen "begreifbar" gemacht.

Die Autorinnen weisen im Vorwort explizit darauf hin, dass zwar alle Daten und Fakten zu den oben genannten Themen mit großer Sorgfalt recherchiert wurden (am Ende des Buches findet man 9 Seiten mit insgesamt rund 250 diversen Quellenangaben), sie warnen aber dennoch selbstkritisch: "Trauen Sie keiner Zahl, hinterfragen Sie jede!" Das gilt, so führen sie weiter aus, insbesondere für die Methoden, die zu den vorliegenden Messungen, Rankings und Umfrageergebnissen aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft usw. geführt haben, wenn hierzu keine transparenten Angaben gemacht wurden und die Auftraggeber im Dunkeln bleiben.

Für die Zielsetzung des Buches kommt es meines Erachtens aber auch nicht darauf an, ob der Fondsmanager David T. im Jahr 2010 nun mit der Spekulation auf Immobilien usw. vier Mrd. US-Dollar verdient hat oder ein paar 100 Mio. Dollar mehr bzw. weniger oder sich das Privatvermögen von Herrn Dieter S., dem Eigentümer einer bekannten Handelskette in Deutschland, inzwischen auf 12 Mrd. oder 13 Mrd. Euro beläuft oder "nur" auf 11,5 Milliarden Euro. Entscheidend ist es, die geradezu irrwitzigen Größenordnungen und Relationen, um die es bei den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Schieflagen inzwischen geht, für interessierte Bürger und Leser anschaulich zu machen.

Am Ende eines jeden Kapitels werden unter der Überschrift "So kann es auch gehen" Lösungsvorschläge und gangbare Alternativen aufgezeigt.

Wenn man abschließend etwas kritisch anmerken will, dann ist es vielleicht der Umstand, dass einige Illustrationen etwas zu harmlos sind für das, was sie veranschaulichen sollen, z.B. dann, wenn es um Kriegstote oder den Hungertod von Menschen geht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 21, 2012 11:56 AM CET


Deutschland, Deutschland über alles: Ein Bilderbuch
Deutschland, Deutschland über alles: Ein Bilderbuch
von Kurt Tucholsky
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufschlussreiche Einblicke in die gescheiterte Weimarer Demokratie., 27. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das "Bilderbuch" von Kurt Tucholsky liefert aufschlussreiche Einblicke in die real existierende Weimarer Demokratie aus der Sicht eines sozialkritischen Bürgers, dem man damals (1918 bis 1933) kein X für ein U vormachen konnte.

Nun wiederholt sich Geschichte natürlich nicht wie die Wiederholung einer Sendung oder Serie im Fernsehen. Die Probleme unserer Demokratie, der "Bonner" bzw. "Berliner Republik", lassen sich auch nicht 1:1 auf die Republik von Weimar übertragen.

Ganz offenkundig gab es aber auch schon damals in der Weimarer Republik Politikerinnen und Politiker, die nicht die Interessen und das Wohl der Allgemeinheit im Auge hatten, sondern in erster Linie ihren eigenen Geldbeutel z.B. durch den heute als "Drehtüreffekt" bezeichneten fliegenden Wechsel von Führungspersonen zwischen Politik und Wirtschaft.

Man spricht dann von "Drehtüreffekt", wenn ein Politiker oder auch Wissenschaftler als späterer Mitarbeiter, Teilhaber, Berater usw. eines Unternehmens die Früchte erntet, die er in der aktiven Zeit durch seine Klientelpolitik, mit anderen Worten: politische Entscheidungen zugunsten dieses Unternehmens gesät hat.

Dazu schreibt Kurt Tucholsky im Kapitel "Der Staatshaushalt":

"Das Gehalt eines Lokomotivführer ist nicht groß - der Staat vertröstet den Mann mit der Pension, die ihm seinen Lebensabend schon versüßen werde. Diese Pension ist meist gering. Wohlhabende Männer aber, die als Minister ein Gastspiel in der Politik geben, das sich hinterher meist als rentabel erweist, bekommen folgende Pensionen:

Dr. Georg Michaelis, jener Reichskanzler, der im Jahre 1917 seine vollende Unfähigkeit erwies: ... jährlich.
Dr. Wilhem Cuno, der als Beamter die Entschädigungsverhandlungen mit den großen Schiffahrtsgesellschaften zu führen hatte und der dann - wie der Zufall so spielt! - der Direktor einer solchen Gesellschaft wurde; als Reichskanzler für die Inflation deshalb nicht verantwortlich, weil man ihn für nichts verantwortlich machen kann: etwa ... Mark;
Gottlieb von Jagow ...
Dr. Lewald ...
von Tirpitz; der Alte im Barte; der Mann, der den Reichtstag jahrelang hintergangen hat, um den Bau einer Flotte durchzudrücken, die im Kriege nichts genützt und nichts geschafft hat - also überflüssig gewesen ist: rund ... Mark.
...
Nun darf man bei Betrachtung solcher Ziffern nicht vergessen: Dieser Staat, der solche wahnwitzigen Summen ... jährlich auszahlt, ist schwer verschuldet; stand bereits einmal vor dem Nichts, belastet seine arbeitenden Steuerzahler schwer, um diese da zu mästen.

Freilich: auch diese Pensionisten arbeiten fleißig. Ein großer Teil dieser Minister ist immer noch rüstig: hat gut bezahlte Stellungen in der Industrie, die sich niemals mit ihnen befaßte, hätten sie nicht den Titel - so daß also die frühere Staatsstellung sich schon auf diesem Wege bezahlt macht: die Republik zahlt immer weiter. Sie zahlt ... und sie wird immer weiter zahlen, weil sich die Bezahlten ihre Gesetze selber machen; weil die Arbeiter und Angestellten nicht wissen, was mit ihren getrieben wird..."

(Seite 61f der reproduzierten rororo-Taschenbuchausgabe von 1973/1990)


Nachdenken über Deutschland: Das kritische Jahrbuch 2011/2012
Nachdenken über Deutschland: Das kritische Jahrbuch 2011/2012
von Albrecht Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Argumente der Vernunft gegen das neoliberale Credo in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, 1. November 2011
Erinnern Sie sich noch an die Veröffentlichungen von WikiLeaks im Dezember 2010 oder an den rechtsextremen norwegischen Terroristen Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 insgesamt 77 Menschen umbrachte? Oder an Carsten Maschmeyer, den Multimillionär und Gründer des Finanzstrukturvertriebes AWD, der die Ausstrahlung eines ARD-Filmbeitrages über seine Geschäftspraktiken und besonderen Beziehungen zur Politik erst mit massiven rechtlichen Schritten zu unterbinden versuchte und dann, nachdem dies nicht gelang, die Macher des Filmbeitrages mit den Worten: »Meiner Familie und mir wurde monatelang aufgelauert.« (SZ vom 5.2.2011) als impertinente Paparazzi diffamieren wollte (siehe dazu Seite 149).

Manche Themen verschwinden wieder sehr schnell aus den Medien. Manche Themen tauchen im Fernsehen, Radio und in den Zeitungen dagegen immer wieder auf oder werden sogar gebetsmühlenartig wiederholt wie die Propaganda von den Millionen fauler Hartz IV-Empfänger, die es sich von 364 Euro (Regelsatz pro Monat für einen erwachsenen Haushaltsvorstand) in der sogenannten sozialen Hängematte gemütlich einrichten, der angeblichen Steuerentlastung für die breite Masse der arbeitenden Bevölkerung durch das "Modell Kirchhoff" (siehe dazu Seite 100ff) oder den pseudowissenschaftlichen "Horrorprognosen" des Versicherungsvertreters Prof. Bernd Raffelhüschen zur demografischen Entwicklung (siehe dazu Seite 145ff).

Einige Themen wie die inzwischen geradezu obszöne Schere zwischen Arm und Superreich (siehe Seite 166ff), die mit jeder Krise größer geworden ist bzw. größer wird, tauchen dagegen äußerst selten oder gar nicht in den "Qualitätsmedien" auf.

Die Autoren der Nachdenkseiten (NDS) haben die Ereignisse des Jahres 2010/2011 wieder in einem Jahrbuch zusammengefasst und dem einseitigen neoliberalen Glaubensbekenntnis, der Heilslehre einer deregulierten und schrankenlosen ("freien") Marktwirtschaft, in der alle irgendwann einmal mindestens eine Milliarde Euro auf dem Konto haben, wenn sie nicht allzu dumm und fleißig genug sind, Argumente der Vernunft entgegengestellt.

Argumente der Vernunft gegen die Macht des großen Geldes in den Händen der oberen Zehntausend. Argumente der Vernunft gegen eine Marktwirtschaft, in der nur noch die als "Leistungsträger" gelten, die mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen. Argumente gegen den Glauben der "allein seelig machenden Wirkungen des Marktes". Argumente der Vernunft gegen die Ökonomisierung der Bildung und des gesamten Lebens. Argumente der Vernunft für eine Marktwirtschaft, die Arbeitslose und vermeintlich "Schwache" nicht ausgrenzt, sondern integriert. Argumente der Vernunft gegen die blinde Einseitigkeit in den Wirtschaftswissenschaften.

Treffend formuliert ist daher auch das Vorwort von Peter Bofinger, wenn er schreibt: "Als ich vor 38 Jahren mit dem Studium der Nationalökonomie begann, war diese Wissenschaft noch einigermaßen vielfältig. Es gab verschiedene Meinungen und unterschiedliche Vorschläge zur Lösung volkswirtschaftlicher Probleme. ... Das hat sich inzwischen sehr verändert. Analyse und Therapie werden von einer Schule, der deutschen Variante der Chicagoer Schule, beherrscht. Steuern senken, Löhne runter, sparen, privatisieren, deregulieren, die Märkte werden es [schon] richten. ... Vielfältige Informationen und kontroverse Denkansätze machen freier im Denken und schützen vor Einäugigkeit. Pluralität ist ein Wesensmerkmal von Demokratien, sie ist ein wichtiger Garant für die Herrschaft der Vernunft im politischen Meinungsbildungsprozess. Dogmatismus und absolute Vorherrschaft wissenschaftlicher Schulen sind das Gegenteil."

In diesem Buch werden daher auch keine Hymnen auf unsere politischen und gesellschaftlichen "Eliten" gesungen. Im Gegenteil: Der Finger wird in die Wunde gelegt. Inkompetenz, Dummheit oder Korruption bzw. gezielte Volksverdummung werden angesprochen, statt sie unter den Teppich zu kehren.

Abschließend schreibt Herr Bofinger: "Man muss nicht alle Ansichten der Autoren teilen ... Doch selbst wenn man anderer Meinung ist, wird man erfahren: Das Buch zu lesen lohnt sich. Es regt zum eigenen Denken an. Und was ist in einer Welt voller Probleme wichtiger, als immer wieder neu nachzudenken, statt dem Herdentrieb zu folgen.

In diesem Sinne: Werden auch Sie zum Nachdenker.


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