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Rezensionen verfasst von
Verena Hagedorn "verena127" (Hamburg)
(REAL NAME)   

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Für den Rest des Lebens: Roman
Für den Rest des Lebens: Roman
von Zeruya Shalev
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr gut, aber nicht großartig, 28. Februar 2012
Über einen Roman von Zeruya Shalev zu meckern, ist meckern auf verdammt hohem Niveau. Die Autorin ist eine begnadete Stilistin, die packende und ganz und gar ungewöhnliche Bilder für seelische Zustände, aber auch für Körperlichkeit findet, und unter einer Schicht der individuellen Geschichte ganz viel ort- und zeitlose Wahrheiten bloßlegt, in diesem Fall über die entttäuschten Erwartungen, Wünsche, Sehnsüchte zwischen Eltern und Kindern, und das über mehrere Generationen. Dass dabei wenig an äußerer Action passiert, ist kein Fehler - auch in "Späte Familie" passiert "nur", dass eine Frau sich trennt, sich mit einem neuen Partner zusammentut und die Patchworkfamilie auch wieder vom Scheitern bedroht ist. Hier, ganz kurz: Alte Mutter liegt im Sterben, erwachsene Kinder hadern mit ihren Ehen und Lebenssituationen, Frau in Wechseljahren mit Teenagertochter möchte noch ein Kleinkind adoptieren. Das reicht durchaus für viele 100 Seiten.
Warum ich aber trotzdem nur vier statt fünf Sternen geben würde, geht in eine ähnliche Richtung wie eine andere Rezension hier: Ich finde das alles doch sehr trist, was möglicherweise sogar realistisch sein mag, aber dadurch beim Lesen auch irgendwann eintönig wird. Alle Figuren sind gleichermaßen unglücklich und enttäuscht von Eltern, Partnern, dem ersten Liebhaber, sehnen sich nach Neuanfängen, erleben wenige hoffnungsvolle Momente. Das ist nicht nur deprimierend, ich finde es auch nicht besonders gut komponiert. Es hätte für meinen Geschmack noch eine andere Farbe gebracht im Graubraun, einen Kontrapunkt.


Erziehungsquatsch: Worauf Eltern Einfluss haben - und worauf nicht
Erziehungsquatsch: Worauf Eltern Einfluss haben - und worauf nicht
von Inka Schmeling
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurzweilig, prall gefüllt und sorgfältig recherchiert - ein Vergnügen, 8. Februar 2012
Ich kann mich meiner Vor-Rezensentin nicht anschließen - im Gegenteil. Dieses Buch schafft den seltenen Spagat zwischen echtem Page-Turner (ich konnte kaum aufhören zu lesen, und das bei einem Sachbuch!) und profundem Sachwissen, vermischt mit persönlichen Anekdoten, die aber nie aufdringlich im Vordergrund stehen. Man merkt deutlich: Die Autorin hat eine Haltung, sie will mit diesem Buch anhand ganz verschiedener Aspekte aufräumen mit dem modernen Vorurteil, dass Eltern die Architekten ihrer Kinder sind, dass sie von Ernährung bis Schulwahl mit jeder Weiche die Zukunft ihrer Kinder beeinflussen - und plädiert stattdessen, unterstützt von einer Menge guter Argumente, für mehr Gelassenheit. Etwas, das gerade Kleinkindeltern heute bitter nötig haben. Woher der Vorwurf, dass Sie sich dabei bei den Büchern und Studien von Fachleuten bedient? Das genau ist Aufgabe einer guten Journalistin bzw. Autorin, Expertenwissen so zu bündeln, dass ein gut lesbarer, ausgewogener Text dabei herauskommt. Das ist oft populärwissenschaftlich, das darf und soll es aber auch sein. Ich würde das Buch uneingeschränkt empfehlen, vor allem solchen Eltern (v.a. Müttern), die vor lauter widersprüchlichen Empfehlungen zu Erziehung, Ernährung, Bildung schon völlig wirr im Kopf sind.


Was will man mehr
Was will man mehr
von Hans Rath
  Broschiert

4 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Pappkameraden statt Figuren, 21. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Was will man mehr (Broschiert)
Beim Kauf war mir nicht klar, dass es sich um eine Fortsetzung handelt, möglicherweise erklärt das ja etwas von meiner Enttäuschung über das Buch. Aber von vorne: Ich erwarte keine große Literatur, wenn ich mir einen reinen Unterhaltungsroman kaufe, sondern ich möchte Tempo, Pointen, liebenswerte, dreidimensionale Charaktere und möglichst noch einen Hauch von Erkenntnis (muss aber auch nicht). Vor allem an den Figuren hapert es hier aber ganz gewaltig. Es scheint vor allem ein Phänomen männlicher Unterhaltungsromanautoren zu sein, dass sie alle nach diesem höher-schneller-weiter-Prinzip schreiben: Wer erfindet die schrägsten Figuren, die irrsten Wendungen? Romane wie aus dem Creative-Writing-Seminar, erinnert mich an David Safier. Trotzdem kann ich mit keiner dieser Figuren Mitgefühl haben, Empathie, sie sind so überdreht und so offensichtlich konstruiert, dass mir ihr Schicksal vollkommen egal ist. Ich warte nun schon seit vielen, vielen Seiten darauf, dass es irgendwo mal um den spannenden Konflikt geht, wenn zwei Menschen zusammen ein Kind bekommen, die sich kaum kennen und nicht besonders mögen - aber daraus schlägt der Autor kein Potential. Stattdessen müssen es dann so abgefahrene Wendungen sein wie eine Frau, die hochschwanger freiwillig in den Kongo reist (selbst ein Privatpilot würde sie im übrigen nicht mitnehmen, wenn es nicht zwingende Gründe gibt) und dort ihr Baby bekommt. Immer wenn es interessant werden könnte, zaubert Hans Rath eine neue Figur aus dem Hut. Vielleicht ändert sich das alles im letzten Drittel des Buches noch....deutlich mehr als zwei Sterne übrigens würde ich für die teilweise genialen, Screwball-mäßigen Dialoge geben (à la "Wir haben nur noch Teekuchen, aber der ist von vorgestern. Oder Weihnachtskuchen, der ist von gestern, denn Weihnachten ist ja erst morgen"). Trotzdem: Wenn mir nach Unterhaltung ist, dann doch lieber immer wieder Nick Hornby.....der kann einfach Unterhaltung in 3D.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 1, 2012 8:38 PM CET


Das Recht auf Rückkehr
Das Recht auf Rückkehr
von Leon de Winter
  Gebundene Ausgabe

3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Politisch fragwürdig, dramaturgisch genial, 4. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Recht auf Rückkehr (Gebundene Ausgabe)
Eines der berühmtesten Beispiele für politische Propaganda stammt aus dem Vorfeld zum ersten Golfkrieg 1991: da wurde gezielt die Falschmeldung lanciert, Saddam Husseins Schergen hätten in einer Geburtsklinik in Kuweit Babys aus Brutkästen gerissen und damit zum Sterben verurteilt. Das erregte öffentliche Empörung in den USA und stärkte Bush sr. den Rücken für dessen Kriegspläne. Warum diese Abschweifung? Weil die Konstruktion des Plots in "Ein Recht auf Rückkehr" genau diesem archaischen Muster folgt. Ein unschuldiges Kind wird verschleppt und möglicherweise ermordet? Keine Frage, dass unsere Sympathien dem verzweifelten Vater gelten. Und damit gleichzeitig den Juden und dem Staat Israel.
Ich will nicht noch einmal den Inhalt des Romans zusammenfassen, der wirklich fesselnd geschrieben ist und düster-kreativ heutige Ansätze (Technik, Medizin, Geopolitik) in die Zukunft fortschreibt. Was mir bei aller Begeisterung für das Können des Autors aber deutliche Bauchschmerzen macht, ist die extreme politische Einseitigkeit. De Winter ist ein kompromissloser Unterstützer Israels und macht sich seine Figuren geschickt zum Sprachrohr - die aggressivsten Tiraden gegen Araber und Palästinenser legt er allerdings nicht unserem Sympathieträger in den Mund, sondern dessen Vater, einem emotional gebrochenen KZ-Überlebenden. Hauptfigur Bram darf hingegen, zumindest im Rückblick, als 20jähriger ein paar sympathisch-naive Friedenshoffnungen für den nahen Osten äußern. Was ist die kunstvoll verbrämte Aussage dieser hochkomplexen Geschichte? Ganz einfach: "Israel hat jedes Recht der Welt, mit allen erdenklichen kriegerischen Mitteln seine Gegner aus dem Weg zu räumen und auch vor der Zivilbevölkerung nicht halt zu machen. Nur so lässt sich verhindern, dass der gesamte nahe Osten zu einem rückständigen, islamistischen Riesenreich verkommt, und dass die im Roman gezeichnete Vision tatsächlich wahr wird." Starker Tobak, die nicht die literarische Qualität des Romans einschränkt - aber ganz unterschlagen würde ich diese fragwürdige Message denn auch nicht. Wer eine deutlich differenziertere Geschichte lesen will, in der der Nahostkonflikt als Folie für private Dramen dient, dem empfehle ich Jessica Durlachers "Emoticon", ebenfalls bei Diogenes erschienen. Diese Geschichte macht es sich zumindest in der Hinsicht nämlich weit weniger einfach, weil sie sowohl Araber als auch Juden sowohl als Täter als auch als Opfer schildert. Und das kommt der Wahrheit, wenn es sie denn gibt. doch erheblich näher.


Revolverherz: Roman (Chas Riley)
Revolverherz: Roman (Chas Riley)
von Simone Buchholz
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Ein Krimi für Krimiskeptiker, 6. August 2008
Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Krimis: So sehr ich gute Unterhaltung schätze, so sehr quält mich das mangelnde Sprachbewusstsein gängiger Genreliteratur. Hier endlich weiß jemand, was er tut: Es mag zwar Krimis mit einer vertrackteren Handlung und/oder einer überraschenderen Auflösung geben (deshalb vier statt fünf Sterne), aber Simone Buchholz' ganz eigener Ton, diese ganz und gar nicht klischeehafte Rollenprosa, hat mich sofort sehr für das Buch eingenommen. Mir ist völlig schleierhaft, warum ein anderer Leser die Sprache "anbiedernd" und "selbstverliebt" findet - für mich war der Streifzug durchs detailgetreue Kiezmilieu ein ästhetischer Genuss. Nur schade, dass es noch kein Hörbuch gibt, da die Autorin ihrer Figur live eine wunderbare Stimme verleiht - vielleicht liest sie ja mal wieder?
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 30, 2015 2:13 AM MEST


Insel 34: Roman
Insel 34: Roman
von Annette Pehnt
  Gebundene Ausgabe

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Weg ist das Ziel, 31. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Insel 34: Roman (Gebundene Ausgabe)
Annette Pehnt hat eine besondere Gabe: Sie schafft es, verwirrende Parallelwelten zu konstruieren, die an gewissen Stellen aber so deckungsgleich sind mit der Alltagswelt, dass Schauplätze und zeitliche Einordnung immer in einer irritierenden Schwebe gehalten werden. In ihrem ersten Roman "Ich muss los" war das eine deutsche Kleinstadt, die unverkennbar viele Parallelen mit Freiburg, dem Wohnort der Autorin hat; in ihrem zweiten Roman Insel 34 ist es eine heruntergekommene Küstenlandschaft, die wenig Platz für klassische Inselträume bietet: Es ist dort nicht etwa warm, tropisch und sinnlich, sondern im Gegenteil feucht, schimmlig und heruntergekommen, die Inselbewohner leben in Bungalows mit Eternitwänden und die einzige kulinarische Spezialität sind wässrig eingelegte Gurken. Je näher die Heldin ihrem erklärten Ziel, eben jener Insel 34, kommt, desto desolater wird die Athmosphäre, desto freudloser die Kontakte zu anderen Menschen, desto mehr Müll, Niedergang und Verwesung begegnen ihr. Man könnte die Geschichte auf mehreren Ebenen lesen - eine phantastisch-skurrille Heldinnensage, oder ein poetisches Gleichnis auf eine Frau, die sich immer mehr in ihre eigene Phantasiewelt, vielleicht in eine Art Wahn, zurückzieht. Dass ich dennoch nur drei Punkte vergebe, liegt an der Überraschungslosigkeit, der Vorhersehbarkeit der Ereignisse, auch wenn sie im kleinen immer wieder von skurriler Phantasie zeugen - mir hätte es besser gefallen, wenn der liebevoll-desolate Schauplatz die Kulisse für eine überraschendere Geschichte hergegeben hätte, statt selbst die heimliche Hauptfigur der Geschichte zu sein.


Erledigungen vor der Feier: Roman
Erledigungen vor der Feier: Roman
von Tilman Rammstedt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Im Osten nichts Neues, 23. Juni 2003
Es spricht für Tilmann Rammstedt, dass er sich im Kultur-SPIEGEL-Interview selbst als einer dieser "Noch-so-einer"-Autoren bezeichnet. Leider spricht es nicht für sein Buch. Denn alles, was man hier liest, kommt einem verdammt bekannt vor: Noch so ein sensibler Endzwanziger, der einer typisch studentischen Bohème-Existenz nachgeht und seine intelligenten Kiffer-und-Rotwein-Spinnereien in hübsch gemeißelte Sätze gießt, wobei es gar keine Rolle spielt, ob Haschisch und/oder Rotwein tatsächlich beim Schreiben Pate gestanden haben. Wir alle, zumindest diejenigen von uns, die in Großstädten leben, kennen solche Leute wie den Autor und seine Ich-Figur (zwischen denen er nicht einmal versucht, einen Unterschied zu konstruieren), wir mögen diese Menschen auch und haben den Impuls, ihnen über den Kopf zu streichen, wenn sie wieder einmal rotweinsinnige Gedanken von sich geben. Aber für ein Buch ist das dann doch reichlich belanglos. Ich, 33, würde dem 27jährigen Autor wohl den tantenhaften Rat geben: Erleb erst mal was, Junge, und dann klappt's auch mit dem nächsten Roman.


Himmelskörper
Himmelskörper
von Tanja Dückers
  Gebundene Ausgabe

24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lügen und Geheimnisse, 3. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Himmelskörper (Gebundene Ausgabe)
Beinahe märchenhaft geht es zu in Tanja Dückers neuestem Roman: Da lebt ein Geschwisterpaar am Waldesrand, da fährt man Schlittschuh am Bleichen See und fabuliert über ein Monster, das dem Großvater den Unterschenkel abgebissen haben mag, da schaut man verständnislos auf Klassenkameraden, die sich im Eiscafe vergnügen und ein zeitgemäßes Kinder- und Teenagerleben führen. Doch bald schon wird die Idylle getrübt: Nicht nur die Waldgeister des Vaters stellen sich als durchaus reale Wesen heraus, mit denen er die Mutter betrügt, auch die Großeltern sind nicht die gütigen, leicht skurrilen Märchenwesen, sondern ein Paar mit einer düsteren, schuldhaft verstrickten Vergangenheit in die Nazidiktatur. Wie die Erzählerin Stück für Stück die Lebenslügen einer ganz normalen disfunktionalen Familie lüftet (ihr Interesse dafür rührt auch daher, dass sie selbst schwanger ist und wissen möchte "in welches Nest sie ihr Kind setzt") und dabei transparent macht, wie Schuld und Scham, Verstrickung und Verdrängung aus der düstersten Zeit deutscher Geschichte auch heute noch Lebensläufe beeinflussen, das hat eine ganz eigene Poesie. Eine hochaktuelle Familiengeschichte, mit der die Autorin beweist, dass sie nicht nur Szene-Gestalten aus Berlin Mitte, sondern auch weniger "nahe liegende" Personen und Schauplätze zu literarischem Leben erwecken kann - dank Einfühlung, Sprachkunst und akribischer historischer Recherche. Groß!


Alle Familien sind verkorkst: Roman
Alle Familien sind verkorkst: Roman
von Douglas Coupland
  Gebundene Ausgabe

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nur im Kleinen gelungen, 27. Dezember 2002
Amerikanische Familienromane sind mal wieder im Trend - nach den großartigen „Korrekturen" und dem (für meinen Geschmack zu langatmigen) „Menschlichen Makel" legt also jetzt Herr Coupland mit seinen verkorksten Familien nach. Wir lernen: Die Welt, vor allem die amerikanische, ist eine Ansammlung heimlicher Neurosen und unheimlicher Vorstädte voller Fast-Food-Lokale, in denen pharmazeutische Verschwörungstheorien gedeihen und kriminelle Baby-Schlepperbanden ihr Unwesen treiben. So weit, so bekannt, so krude. Wir lernen eine fünfköpfige Familie nebst ungeborenem Nachwuchs, neuen- und Ex-Partnern kennen, die einem Horrorkabinett der Neurosen und Krankheiten entspringen: Aids, Depressionen, Alkoholismus, nichts wird ausgelassen. Nur: Diese ganzen Zutaten nebst unglaubhaftem Happy-End wirken immer wieder wie aus dem Creative Writing-Kurs zusammengepanscht, in dem ein Dozent seinen Schülern erklärt hat, dass Charaktere gar nicht exzentrisch genug sein können. Weder die Figuren noch die Geschichte schaffen es wirklich, zu fesseln. Was Douglas Coupland allerdings brilliant beherrscht, sind kleine Beobachtungen, absonderliche Gedanken, wirklich originelle Vergleiche und Sprachbilder - wer die Geschichte eher als eine Abfolge von Prosaminiaturen begreift, wird ganz sicher auf seine Kosten kommen.


Das blaue Kleid
Das blaue Kleid
von Doris Dörrie
  Gebundene Ausgabe

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschichten auf Augenhöhe, 9. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Das blaue Kleid (Gebundene Ausgabe)
Doris Dörrie in ihrem Element: als Alltagschronistin, als scharfe Beobachterin von Befindlichkeiten, die es auch fertig bringt, heiße Eisen wie den Tod literarisch anzupacken, ohne dabei melodramatisch zu werden. Schön in ihrem Buch sind vor allem die kleinen Verwerfungen in den menschlichen Beziehungen, die die etwas konstruierte Situation(2 Menschen, die beide einen Geliebten verloren haben, begegnen sich und wachsen aneinander) trotzdem so glaubhaft machen. Etwa die Rückblicke auf Babettes Reise nach Indonesien zusammen mit ihrem Mann, der auf dieser Reise bei einem Unfall ums Leben kommen wird: Noch im Flugzeug verbringt sie die Zeit mit Gedankenspielen, wie das Leben mit einem anderen Mann für sie aussehen könnte. Genau durch diese Ambivalenz der Figuren wird ihre Trauer umso echter und nachvollziehbarer, und das ist Doris Dörries große Kunst: selbst melodramatisches so auf die Augenhöhe des Lesers zu bringen, dass er in eine Geschichte eintauchen kann. Kein Buch für die Ewigkeit, aber ein tröstliches für den Alltag.


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