Profil für Lothar Müller-Güldemeister > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Lothar Müller-...
Top-Rezensenten Rang: 1.075
Hilfreiche Bewertungen: 7905

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Headhunter
Headhunter
von Jo Nesbø
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unsympathisch, 9. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Headhunter (Taschenbuch)
Der Ich-Erzähler und Protagonist ist ein angeberischer Unsympath, dem ich während der Lektüre mehr als einmal gewünscht hätte, dass er für immer in dem von ihm selbst verschuldeten Schlamassel steckenbleibt. Das passiert natürlich nicht, denn die Geschichte nimmt mehrere überraschende Wendungen und bleibt dadurch - und durch ein paar Griffe des Autors in die Trickkiste - einigermaßen spannend, wenn auch zunehmend an den Haaren herbeigezogen. Am Ende bleibt der schale Geschmack, ein paar Stunden in der Begleitung eines Kotzbrockens verbracht zu haben, der seiner verdienten Strafe entwischt ist.


Der Geldkomplex: Roman
Der Geldkomplex: Roman
von Joachim Lottmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Uferloses Schwadronieren, 9. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Geldkomplex: Roman (Taschenbuch)
Eine Handlung sucht man in diesem 380-Seiten-Werk vergeblich, es ist nichts als ein langatmiges Schwadronieren über die Berliner (mit einigen kurzen Ausflügen nach Köln und in die Toskana) Szene von Kultur- und Betroffenheitsprofis, die sich von Kneipe zu Party zu Lotterbett hangeln und wieder zurück, von Bloggern, Proleten, Linken, Fußballverrückten, Türken, Pennern, Hartzies. Leute, die ihren Kopf noch nicht weggesoffen oder von ihrer eigenen Rhetorik besoffen geredet haben, gibt es in Lottmanns Kosmos so gut wie nicht, immerhin gelingen ihm mit seiner Beschreibung auch ein paar Lacher, aber angesichts der uferlosen und repetitiven Detailbeschreibungen der Geldarmut des Icherzählers und der sexuellen Ausschweifungen der ihn umgebenden digitalen Boheme wird der Humor-Effekt leider so dünn wie ein im Verhältnis 1:10 verwässerter Rotwein. Das Werk erinnert von fern an Henscheids Die Vollidioten: Ein historischer Roman aus dem Jahr 1972, aber Lottmanns Figuren lassen Henscheids Vollidioten aussehen wie einen Haufen Nobelpreisträger.


Angst
Angst
von Robert Harris
  Gebundene Ausgabe

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aus der Retorte, 9. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Angst (Gebundene Ausgabe)
Harris ist ein intelligenter, konzentrierter Geschichtenschreiber, aber wenn so einer kein Thema hat, in das er kein eigenes Herzblut investieren kann, kommt trotz allen guten Handwerks eben nicht viel mehr heraus als ein Retortenprodukt, das so viel Nachgeschmack hinterlässt wie ein Billigyoghurt mit chemischem Erdbeeraroma. Die Protagonisten aus dem Finanzolymp der Hedgefonds und Superreichen sind weder als Charaktere überzeugend noch nehmen sie für sich ein. So bleibt ein Panoptikum aus wenig sympathischen Figuren, mit denen ich als Leser keine Schnittmengen aufbauen konnte und die bereits von Kubrick und seinem HAL-Computer bekannte (also vierzig Jahre alte) Aussage, hüte dich vor Computern, bei denen man den Stecker nicht mehr ziehen kann. Aber selbst das steht eigentlich schon im "Zauberlehrling".
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 3, 2012 11:52 AM MEST


The Confession: A Novel
The Confession: A Novel
von John Grisham
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,95

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grisham kriegt die Kurve, 2. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: The Confession: A Novel (Taschenbuch)
Grisham thematisiert, wie auch schon in seiner Reportage Der Gefangene, miese Polizeiarbeit, die jemanden verurteilt haben will ohne Rücksicht darauf, ob er wirklich der Täter ist, Justizirrtümer und die Todesstrafe. Die Guten sind wie immer supergut, die Bösen superböse, dazwischen gibt es nichts, und das happy end ist vergiftet.

Am meisten gefällt mir noch immer Grishams Romandebut - A Time to Kill. Was danach kam, wurde von Titel zu Titel routinierter und fader, bis hin zum Ungenießbaren. Mit diesem Roman ist Grisham erfreulicherweise wieder eine geradlinige Geschichte gelungen, ohne Schnörkel und Tricks, spannend und unterhaltsam. Grisham hat die Kurve gekriegt und man muss sich nicht ärgern. Das war's dann aber auch schon.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 29, 2011 4:48 PM MEST


Unterm Rad: Erzählung
Unterm Rad: Erzählung
von Hermann Hesse
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,00

20 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zum Fremdschämen, 25. März 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unterm Rad: Erzählung (Taschenbuch)
Passieren tut schon mal so gut wie gar nichts in dieser "Erzählung". Der Protagonist, ein linkischer Dünnbrettbohrer, kriegt, nachdem er in seinem Heimatkaff bis zum Umfallen gebüffelt hat, ein Stipendium für die Klosterschule in Maulbronn, worauf das Heimatkaff und auch er selbst mächtig stolz sind. In Maulbronn büffelt er dann allerdings immer weniger, bringt nichts mehr, macht einen auf krank oder ist es und fliegt raus. Wieder in seinem Kaff, das nun nicht mehr so stolz ist, hängt er eine Weile bei seinem Papa ab und denkt, dass er doch als ehemaliger Klosterschüler viel zu schade ist, um hinter einem Ladentisch oder an einer Werkbank zu versauern. Außerdem überlegt er, ob er sich im Wald aufhängen soll, aber dazu fehlt ihm der Mumm. Irgendwann nervt es selbst seinen spießigen Papa und der steckt ihn in eine Mechanikerlehre. Die Mechanikerarbeit findet der empfindsame Bub leider ziemlich anstrengend, säuft sich deshalb mit seinen Arbeitskollegen am Sonntag einen an, fällt in den Bach und ist tot. Vielleicht ist er auch reingesprungen, nichts Genaues weiß man.

Außerdem küsst er in der Geschichte zweimal, (a) einen Jungen (au weia) und einmal (b) ein Mädchen. Nein, eigentlich wird er geküsst, Selberküssen traut er sich nicht. Der Junge (a) ist ein Mitschüler in Maulbronn, angeblich ein "Freidenker", der, Näheres bleibt unerforschlich, ein Grund dafür sein soll, dass des Helden Griechisch- und Hebräischnoten ins Bodenlose purzeln. Des Mitschülers wird Hesse dann überdrüssig und er schreibt ihn mittenmang aus dem Kloster und der Geschichte raus mit der Bemerkung, der sei später noch ein ganz tüchtiger Kerl geworden. Das Mädchen (b) war nur zu Besuch im Kaff. Es verkrümelt sich wieder nach Hause und ebenfalls aus der Geschichte, ohne tschüs zu sagen, was man ihr angesichts des tolpatschigen Gehabes dieses verschwiemelten Jünglings zwar kaum verdenken kann, letzterem und dem Autor aber völlig hekuba bleibt. Übrigens beschleichen den Jüngling beim Küssen nie zuvor gekannte Gefühle. Wow, da muss man erst mal drauf kommen...

Das war die Handlung (mehr nicht, ich schwör's). Was das Ganze soll? Keine Ahnung. Manche sagen, eine Anklage gegen das böse Schulsystem, aber hey, die Mitschüler landen ja auch nicht reihenweise im Bach, also muss es doch wohl am Protagonisten selbst liegen, und schließlich, was will er eigentlich? Zum Büffeln ist der junge Herr zu faul, aber dafür, mit den Händen zu arbeiten, ist er sich wiederum zu fein. Man möchte ihn ein mal pro Seite beiseite nehmen, ihm links und rechts eine scheuern und ihn fragen, "hast du sie noch alle?" Übrigens, falls sich bei Hesse während des Schreibens mal aus Versehen ein Anflug von Humor angekündigt haben sollte, ist er vermutlich prophylaktisch in den Kohlenkeller gerast und für die Dauer des Anfalls dort geblieben, damit die Geschichte nichts davon abkriegt.

"Bilde, Künstler, rede nicht?" Nix da. Hesse redet und redet nicht nur, er schwafelt und schwafelt. Zu allem muss er seinen Senf dazugeben, über die Natur, über die Charaktere, das Schulsystem, anstatt die Dinge, wie es Aufgabe eines Autors ist, zu beschreiben wie sie sind und den Leser selbst seine Schlüsse ziehen zu lassen.

Beschreiben tut der Autor allerdings seitenlang im Winde wogende Gräser, grünende Bäume, murmelnde Bäche, fallendes Herbstlaub. Und nach dem Motto "Was ist langweiliger als Angeln?" - "Zuschauen beim Angeln" zwingt er uns sogar noch, dem Protagonisten beim Angeln zuzuschauen. Ebenfalls seitenlang.

Beschreiben tut der Autor daneben eine Reihe von vollkommen nebensächlichen und uninteressanten Gestalten und Anekdötchen, die zur Handlung rein gar nichts beitragen. So füllt er dann einhundertsechsundsiebzig Seiten, die zum Peinlichsten, Ödesten und Lauesten gehören, was ich in meinem Leben gelesen habe. Wie der ganze Herr Hesse (man lese einmal seinen Briefwechsel mit Peter Suhrkamp und kommt aus dem Fremdschämen nicht mehr heraus). Es ist ja zu hören, der Hesse hätte sich in dem Protagonisten, diesem unsympathischen Schwachmatikus, selbst porträtiert. Das wäre allerdings ein bei diesem überaus eingebildeten und eitlen (und, nebenbei erwähnt, dabei extrem geldgeilen und geschäftstüchtigen) Herrn singulärer Anfall von Selbstkritik gewesen.

Eigentlich sollte sich langsam mal rumgesprochen haben, dass die Welt kein Streichelzoo ist und sich zu besaufen selten ein Problem löst. Bei den Hesse-Figuren ebenso wie bei seinen Fans anscheinend nicht. Dort dominieren Larmoyanz und Riesenerwartungen an das Leben bei gleichzeitig fehlender Bereitschaft einzusehen, dass man dafür auch was tun muss. Aber es ist ja immer einfacher, für die eigene Misere die Ursache bei anderen zu suchen als bei sich selbst. Wenn jeder vor der eigenen Tür kehren würde, wäre das Stadtquartier bekanntlich blitzsauber. Und wenn Hans Giebenrath es getan hätte, wäre er - um eine weitaus lesenswertere Schülergeschichte zu zitieren - wahrscheinlich "so alt geworden wie Grillparzer".
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 11, 2015 7:57 PM MEST


Die Gesellschaft der Gesellschaft.(2 Bd.)
Die Gesellschaft der Gesellschaft.(2 Bd.)
von Niklas Luhmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 28,00

22 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der Kaiser ist nackt!, 10. Januar 2011
Ich persönlich finde die hier zu lesenden Rezensionen zu Luhmanns Werk ebenso anmaßend und unergiebig wie Luhmanns Werk selbst.

Die begeisterten Rezensenten überbieten sich sogleich darin, mitzuteilen, dass das Werk "keine leichte Kost" sei. Das Lob gilt dann natürlich erst mal ihnen selbst - klar, ernennen sie sich damit doch zu Mitgliedern jener intellektuellen crème de la crème, die (im Gegensatz zu einfältigen Geistern wir mir) solch schwere Kost verstehen, verdauen und auch noch brilliant paraphrasieren können (wenn auch das Vokabular verdächtig an das Soziologesisch der Phrasen - Dreschmaschine erinnert). Und die zugleich das Herrschafts- und Geheimwissen haben zu beurteilen, dass Luhmann sich vollkommen zu Recht "im Seitentakt" von den Ergebnissen seiner Vor-Soziologen verabschiedet. Klar doch, seine Vordenker der letzten 2500 Jahre haben ja auch eine so unbrauchbare Aftersoziologie abgeliefert, dass ein paar Zeilen des Meisters genügen, sie auf dem Müllhaufen der Geistesgeschichte zu entsorgen. Aber wer sagt mir, das man sich nicht demnächst auch von Luhmanns Thesen wieder verabschieden muss? Und von denen desjenigen, der Luhmanns Thesen verwirft, danach auch wieder? Und wer liefert mit die Kriterien dafür, das zu entscheiden?

Könnte es vielleicht sein, dass stubengelehrte Philosophen und Gesellschaftstheoretiker wie er und vor ihm schon der Evangelist Johannes, wie Hegel, Fichte, Heidegger, Adorno oder Habermas unter einem zwanghaften Drang litten und leiden, die Wirklichkeit zu kategorisieren und auf Phänomene zurückzuführen, die sie sich zuvor selbst ausgedacht haben - wie ein Kartograf, der anfängt, das Gitternetz, das er über die Karte legt, erst für einen Teil der Landschaft zu halten, dann für wichtiger als die Landschaft selbst und schließlich für ein eigenständiges und hochinteressantes Objekt seiner eigenen Erkenntnis?

Soweit es das vor-naturwissenschaftliche Zeitalter angeht, mag es ja noch entschuldbar sein, dass kluge Köpfe versucht haben, die Frustration und den Schmerz über ihre lückenhafte Erkenntnis mit Spekulationspflastern und Begriffskorsetten zu lindern; seit es aber die Teilchenphysik, die Molekularbiologie, die Relativitätstheorie und die Evolutionslehre gibt, gibt es meiner Überzeugung nach keinen Grund mehr, die Welt mit Wortgeklingel statt mit evidenzbasierten und nachprüfbaren Methoden erklären zu wollen. Philosophie und Soziologie erklären nichts, was die Naturwissenschaft nicht besser erklären könnte. Für mich gehört Luhmann in die Grabbelkiste und die Beschäftigung mit ihm in die Kategorie untauglicher Versuch am untauglichen Objekt.
Kommentar Kommentare (45) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 4, 2015 6:59 PM CET


Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
Nichts: Was im Leben wichtig ist. Roman
von Janne Teller
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Dünn, 8. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nicht, dass ich etwas gegen dünne Bücher hätte. Die sechshundert- bis tausendseitigen Schwarten, die die Bestsellerregale und -listen vollmüllen, sagen viel über das Sitzfleisch ihrer Autoren und Leser aus, aber wenig über deren Geschmack, Geist und Intelligenz. Dennoch ärgert es mich, wenn bereits 110 Seiten marktschreierisch mit dem Epitheton "Roman" prahlen. "Erzählung" oder allenfalls "Novelle" hätte man das früher genannt und in einem Sammelband veröffentlicht.

Dünn ist hier aber nicht nur die Seitenzahl, sondern auch der Inhalt. Pubertäre Mutproben und Schülerstreiche kennt man aus vielen Filmen und Büchern und gegen das Thema wäre nichts einzuwenden, wenn die Autorin es uns glaubhaft rüberbringen, näher begründen oder uns wenigstens das Gruseln lehren würde. Das tut sie leider nicht, und so löst diese Beschreibung nirgendwo den Schauder über das Uferlose oder Unbegreifliche der jugendlichen Existenz aus wie Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Der Abituriententag oder Herr der Fliegen. Nun ist nicht jede(r) ein Musil, Werfel oder Golding, sondern nur ein(e) Rhue, Pausewang oder eben Teller. Aber dann muss man deren asthenische Werklein auch nicht zu literarischen Großereignissen hochstilisieren.


Wenn Kinder um sich schlagen: Trotz, Wut und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen
Wenn Kinder um sich schlagen: Trotz, Wut und Gewalt bei Kindern und Jugendlichen
von Dr. med. Rüdiger Penthin
  Broschiert

14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Für wen werden solche Bücher bloß geschrieben?, 2. Januar 2011
Ich frage mich wirklich, für wen solche Bücher geschrieben werden.

Dass Kinder verhaltensauffällig werden, wenn schon ihre Eltern es sind; wenn sie keine Zuwendung erhalten, wenn sie geschlagen, überbehütet, vernachlässigt oder mit idiotischen Glotzensendungen ruhig gestellt werden; meine Güte, Eltern oder Erzieher, denen diese Selbstverständlichkeiten unbekannt sind, lesen bestimmt nicht Herrn Rüdiger Penthin, um staunend solche Erkenntnisse zu gewinnen und sie in die Tat umzusetzen.

Das einzige, was mich inmitten Herrn Dr. med. Penthins einschläfernder Ansammlung von moralinsauren Platitüden fast vom Hocker gerissen hat, ist, dass er es völlig in Ordnung findet, kleine Zappelphilippe mit Ritalin vollzupumpen. Was ist das denn? Wie kann man auf der einen Seite die Eltern ermahnen, ihre Kinder nicht seelisch oder körperlich zu misshandeln, aber zwei Seiten weiter empfehlen, mit der chemischen Keule auf sie einzuprügeln?
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 17, 2012 5:14 PM MEST


Der Mann im Schatten: Thriller
Der Mann im Schatten: Thriller
von David Ellis
  Taschenbuch

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen In die Suppe gespuckt, 1. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Mann im Schatten: Thriller (Taschenbuch)
Ein Anwalt soll einen des Mordes angeklagten Jugendfreund verteidigen, den er vor langer Zeit aus den Augen verloren hat.

Das ist der Stoff, aus dem ernsthafte Romane werden können, aber auch fürs Urlaubsgepäck geeignete Thrillerkost.

In der üblich gewordenen Danksagung am Schluss des Buches erwähnt der Autor u.a. seine "brillianten Agenten", die ihm halfen, "den ursprünglichen Plot in etwas viel Bedeutungsvolleres umzuschreiben".

Nun darf man rätseln, wie der ursprüngliche Plot aussah und welches "Bedeutungsvollere" hinzugekommen ist. Vielleicht

- dass nicht der Freund, sondern ein unsympathischer Fremder den Strafverteidiger beauftragt und bezahlt;

- die Melodramatik, die daraus bezogen werden soll, dass der Anwalt kürzlich Frau und Kind bei einem Verkehrsunfall verloren hat, was aber bloß aufgesetzt wirkt und weder zum Charakter noch zur Handlung etwas beiträgt;

- dass der Anwalt zum Erstaunen des Lesers plötzlich nicht nur juristische Kunstgriffe beherrscht, sondern auch mit Faust und Pistole trefflich umgehen kann;

- dass die Ich-Erzählung mehrfach durch Ausflüge in die Höhle der Bösewichter unterbrochen wird, was nicht nur ein unverzeihlicher Bruch der Erzählperspektive ist, sondern auch einen Teil der Spannung nimmt;

- dass die anfangs realistisch erscheinende und gerade daher spannende Handlung am Schluss immer mehr ins Hanebüchene abgleitet?

Ich fürchte, dass der "ursprüngliche Plot" viel besser gewesen ist.

Aber der Autor hat wohl nicht seinem Stoff und seinen Charakteren vertraut, sondern sich von seinen "brillianten Agenten" oder wem auch immer einreden lassen, welche Zutaten unbedingt auch noch in die Suppe gehören.

Laut Camus ist ein Text nicht dann perfekt, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann, wenn man nichts mehr wegnehmen kann. Hier ist das Gegenteil passiert. Schade.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 8, 2012 5:11 PM MEST


Auch Deutsche unter den Opfern
Auch Deutsche unter den Opfern
von Benjamin Stuckrad-Barre V
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Hallodri, 28. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Auch Deutsche unter den Opfern (Taschenbuch)
Ich muss zugeben, ich hatte Stuckrad-Barre lange Zeit für einen Hallodri gehalten, einen Pop-Literaten, einen intellektuellen Dünnbrettbohrer. Diese Sammlung voller genauer, glasklarer und mit einer, wenn auch nie hochnäsigen, ironischen Distanz vorgetragenen Beobachtungen über die Deutschen, von denen sich jeweils die eine Hälfte als Opfer der jeweils anderen Hälfte fühlt - die Armen als Opfer der Reichen und umgekehrt, die Schuhverkäufer in Mitte als Opfer der Schuhkäufer und umgekehrt usw. - hat mich eines Besseren belehrt. Sie macht Vergnügen und Hoffnung auf mehr. Die literarisch hochwertige geschriebene Reportage ist ein tolles Genre, nur in Deutschland leider unterbesetzt. Stuckrad-Barre wäre jemand, der diese Lücke füllen könnte.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20