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Rezensionen verfasst von
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland)

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Das Phantom des Alexander Wolf: Roman
Das Phantom des Alexander Wolf: Roman
von Gaito Gasdanow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

47 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich hatte aufgrund der hier veröffentlichten Rezensionen mehr erwartet, 23. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Erzählung beginnt vielversprechend. Der Ich-Erzähler schießt als blutjunger Teilnehmer des russischen Bürgerkrieges einen feindlichen Soldaten nieder, der ihn sonst seinerseits getötet hätte, und reitet mit dessen Pferd davon. Obwohl er im Krieg und selbst da in Notwehr gehandelt hat, plagen ihn Schuldgefühle wegen seines "Mordes". Im Pariser Exil zwischen den beiden Weltkriegen liest er in einer Novelle die Schilderung exakt dieses Erlebnisses aus der Sicht dessen, den er vermeintlich erschossen hat, und spürt ihn auf.

Diese Geschichte verarbeitet der Autor allerdings mitnichten zu einem "brillianten Spannungsbogen", wie es in der Inhaltsangabe behauptet wird. Sondern sie verliert sich in einer Reihe von mehr anekdotisch-assoziativen als sich zu einem architektonischen Ganzen fügenden Episoden und Begegnungen, gemischt mit grüblerischen Welt- und Selbstbetrachtungen.

Das gibt, wie einer der Rezensenten hier schreibt, sicher einen historisch und literaturhistorisch interessanten Einblick in die Befindlichkeit russicher Emigranten, die im Bürgerkrieg nicht auf der - damals - siegreichen Seite der Kommunisten standen. Aber Gasdanov mit Camus oder Nabokov auf eine Stufe zu stellen, halte ich für verfehlt. Seine existentialistische Einstellung weist sicher zu beiden Schnittmengen auf, aber die Dichte, Tiefe und Schärfe ihrer Werke erreicht er nicht.

Ohne dieses 1947 erstmals erschienene und jetzt neu übersetzte Werk miesmachen zu wollen: mit den hier von einigen Fünf-Sterne-Rezensionen geschürten allzu großen Erwartungen sollte man an seine Lektüre nicht herangehen, sonst besteht die Gefahr enttäuscht zu werden - ähnlich wie bei einem anderen jetzt neu aufgelegten Werk aus der gleichen Zeit.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 16, 2013 8:52 PM MEST


Er ist wieder da: Der Roman
Er ist wieder da: Der Roman
von Timur Vermes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,33

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Lachen bleibt einem im Hals stecken, 14. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Adolf Hitler, der, so Thomas Mann in Bruder Hitler "nichts gelernt hat, aus vagem und störrischem Hochmut nie etwas hat lernen wollen, der auch rein technisch und physisch nichts kann" - dafür jedoch eine "unsäglich inferiore, aber massenwirksame Beredsamkeit" entfaltete, erwacht im Jahr 2011 zu neuem Leben und wird sogleich zum Star des Fernsehens, also des Mediums, auf dessen Stars und Macher Thomas Manns Beschreibung ebenso perfekt zutrifft wie auf Hitler.

Und sogleich hängen die Leute noch mehr als allen anderen Fernsehclowns ihm an den Lippen, saugen seine banalen Weisheiten in sich auf und ignorieren seine verbrecherischen Absichten, mit denen er ebensowenig hinter dem Berg hält wie der echte Adolf es tat, bevor die Deutschen in an die Macht wählten. Ich musste immer wieder innehalten und mich fragen, was ich da eigentlich tue, über einen der schlimmsten und brutalsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte lauthals zu lachen, und sogleich blieb mir das Lachen im Hals stecken - und in dieser fürchterlichen Balance hält der Autor den Leser über die ganzen 380 Seiten des Buches.

Was uns an der Gestalt Hitler erschrecken sollte, - und da hat Thomas Mann den Finger in die Wunde gelegt - ist nicht das, was wir an ihm hassen, sondern das, was wir mit ihm gemeinsam haben. Das ist, wie der Autor in seinem Roman nachweist, leider sehr viel mehr, als wir wahrhaben wollen.

Auf den diversen Long- und Shortlisten der Buchpreise findet man Bücher wie dieses nicht. Humor ist eben eine zu ernste Sache, als dass man sie den Humoristen überlassen dürfte. So werden auch in Zukunft Leute, die zum Lachen in den Atombunker gehen, moralinsaure, aber politisch korrekte Langweiler mit Literaturpreisen bekränzen. Dafür finden Bücher wie dieses ihre Leser.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 9, 2013 2:35 PM CET


Credo. Das Apostolische Glaubensbekenntnis - Zeitgenossen erklärt
Credo. Das Apostolische Glaubensbekenntnis - Zeitgenossen erklärt
von Hans Küng
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Non credo, 30. September 2012
Es gehen immer weniger Menschen in die Kirche. Aber selbst von denjenigen, die noch hingehen und dort das apostolische Glaubensbekenntnis sprechen, dürften die meisten dies mit einem heimlichen schlechten Gewissen tun. Denn die meisten Gläubigen von heutzutage glauben vielleicht an eine - um mit Küng zu sprechen - "transzendent-immanente, allumgreifend-allesdurchwaltende wirklichste Wirklichkeit im Menschen und der Welt", einfacher gesagt, daran, "dass es da irgendwo noch irgendetwas gibt, das größer ist als wir", aber an so plastischen und konkreten Behauptungen wie die der jungfräulichen Geburt Jesu, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, unserer leiblichen Auferstehung von den Toten, dem Jüngsten Gericht über alle Menschen und dem ewigen Leben werden auch die meisten heutigen Kirchgänger so viele Zweifel hegen, dass ihr Glaubensbekenntnis doch eher ein Lippenbekenntnis ist. Mit anderen Worten, eine Lüge.

Diesen Menschen versucht der Theologe Küng zu helfen.

Nun ist Küng ein fortschrittlicher Theologe und er weiß, dass das Einzige, was angesichts der naturwissenschaftlichen Durchleuchtung des Mikro-, Makro- und Mesokosmos und angesichts der nicht leugbaren "Kriminalgeschichte des Christentums" (und anderer Religionen) die Gläubigen argumentativ noch vorzuweisen haben, ist, dass (a) auch die Nichtexistenz eines Gottes nicht beweisbar ist und (b) auch Atheisten böse sein können; Hitler und Stalin müssen als ewige Zeugen dafür herhalten.

Er sagt es zwar nicht ausdrücklich, aber es scheint doch ständig durch seine Ausführungen hindurch: die "Theologie" ist deshalb heute nichts mehr als reine Spekulation: Herumphantasieren, was sein könnte. Die religionswissenschaftlichen Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte der Bibel und die "Leben-Jesu-Forschung" haben das Alte und das Neue Testament als zeitbezogene Tendenzliteratur entlarvt. Historische Rückschlüsse können aus der Bibel so gut wie keine gezogen werden, nicht mehr jedenfalls als aus den Werken Homers. Durch die Fortschritte der Naturwissenschaft hat auch die Theologie (von einigen verbiesterten Sektierern abgesehen) zugegeben, dass die Bibel nicht wörtlich genommen werden kann. Die Theologie hat sich, nachdem sie die Aussagen der Naturwissenschaft nicht mehr leugnen konnte, darauf zurückgezogen, die Aussagen der Bibel seien nicht wörtlich, sondern bildlich zu verstehen. Sie hat eingeräumt, dass es wichtige und weniger wichtige Aussagen gibt, auch solche, die man besser ganz unter den Tisch kehrt, etwa bei der Hölle mit den Worten "dies ist kein Thema mehr". Das aber heißt: nunmehr kann sich jeder nach Belieben aus dem alten und dem neuen Testament der Bibel mit den Versatzstücken bedienen, die ihm passen. Ihm - egal aus welchen Gründen - nicht genehme Teile kann er dagegen willkürlich als nicht mehr zeitgemäß disqualifizieren, andere wiederum als zentrale, auch heute noch gültige Aussagen bezeichnen. Und wo die Widersprüche unübersehbar werden (z.B. bei dem Problem der Theodizee, Stichwort "Auschwitz") darf man sich dann auf die "Unerforschlichkeit" Gottes und eine "Theologie des Schweigens" zurückziehen, während man an anderer Stelle sehr detaillierte Wahrheiten über Gott zu berichten weiß.

Wenn ich Küng richtig verstehe, dürfen wir, ebenso wie die Bibel, auch das Glaubensbekenntnis nicht wörtlich nehmen. Das erlaubt ihm, an dem doch eigentlich sehr klaren Wortlaut des Bekenntnisses so lange herumzudoktern, bis dem keinerlei Verbindlichkeit mehr innewohnt Und demjenigen, der das Bekenntnis abgibt, seine Aussage beliebig zu relativieren: es sei doch nur symbolisch gemeint. Aber symbolisch wofür? Das kann dann jeder halten, wie er will.

Bei der Lektüre wurde ich lebhaft an ein Gesellschaftsspiel erinnert, das Friedrich Torberg in seinem Buch Die Tante Jolesch: oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten (über Schriftsteller- und Intellektuellenzirkel im Wien und Prag der 1920er Jahre) beschreibt: "Den Kronprinzen prüfen". Dabei ist einer der beiden Spieler der Professor, der den anderen Spieler, den dummen Kronprinzen prüfen muss, aber keinesfalls durch Examen fallen lassen darf. Er muss die allerleichtesten Fragen stellen (z.B. "wie hieß Friedrich der Zweite"), der Kronprinz muss sie so blödsinnig wie möglich beantworten (z.B.: "Quarz"). Dann muss der Professor diese Antwort interpretieren und plausibel erklären, warum sie vollkommen richtig und außerordentlich intelligent ist und der Kronprinz bestanden hat. Gelingt ihm diese Erklärung, hat er gewonnen - sonst der Kronprinz. Vor einer ähnlichen Aufgabe steht der moderne Theologe. Er muss die aus der Zeit gefallenen Passagen der Bibel und die uneidlichen Falschaussagen, die jeden Sonntag in dem apostolischen Glaubensbekenntnis millionenfach abgegeben werden, zu richtigen Aussagen uminterpretieren, damit die Gläubigen, die ihren Glauben bekennen, wieder ein gutes Gewissen und "die Prüfung bestanden" haben.

Das kann nur gelingen, wenn die Aussagen ihres konkreten Gehaltes entleert und so ins Wolkige uminterpretiert werden, dass ihnen am Ende keinerlei festlegbarer Sinn mehr innewohnt - ähnlich wie bei der Küngs eingangs zitierter Gottesinterpretation - und jeder sich darauf herausreden kann, es sei ja etwas ganz anderes gemeint. Das aber wiederum ist nichts als ein geheimer Vorbehalt, also eine Lüge. Leider, bei vielen Gläubigen, auch eine Lüge sich selbst gegenüber, und das sind bekanntlich die gefährlichsten.

Küng zitiert Bonhoeffer: "Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht". Und in der Tat: wenn es einen Gott mit solchen Eigenschaften und Fähigkeiten gäbe, wie die Gläubigen sie ihm zuschreiben, dann würde er sich jeder Vorstellungskraft entziehen, ähnlich wie sich Einsteins vierte Dimension, ein gekrümmter Raum, eine zeitliche oder räumliche Unendlichkeit des Universums oder ebenso seine Endlichkeit ("Was ist dann hinter dem Ende??" - "Was war vor dem Anfang??") unserer Vorstellungskraft entziehen; aber anders als diese wäre er nicht einmal über den Umweg mathematischer Modelle zu fassen. Dann ist aber jede "theologische" (= gotteskundliche) Spekulation über ihn nicht nur vollkommen sinnlos, sondern auch anmaßend. Wir können uns Gott eben doch nicht anders vorstellen als in einer physischen Gestalt - so, wie es Religionen aller Zeiten und Völker getan haben, in Form von Naturereignissen, als Flussgott oder Donnergott, als Gestirn, als Tier oder in dem Phänotyp eines Menschen, wie die griechischen Götter, oder dem Gott des Alten Testaments, der mit den Propheten redet und in den Bildern der Künstler ebenso wie in den Köpfen der Kinder als alter Mann mit wallendem Gewand auftritt - eine mächtige, vielleicht manchmal skurril-liebevolle, aber immer auch bedrohliche Vaterfigur. Und ich bin sicher, dass er als solcher immer noch in einem geheimen Oberstübchen auch derjenigen herumgeistert, die ihr Intellekt gezwungen hat, sich vor der Begegnung mit diesem alten sturen Mann möglichst fernzuhalten und in Abstraktionen zu flüchten, die aber die letzte Konsequenz scheuen: ihn dort hinauszuschmeißen mitsamt seinen verqueren Forderungen und Ansprüchen, zB denen, ihn anzubeten oder den Glauben an ihn zu bekennen. Wie man eben auch seinen alten Vater nur mit schlechtem Gewissen ins Pflegeheim entsorgt. Es gibt aber Situationen, da täte es allen gut, wenn man es doch täte.


Jenseits des Protokolls
Jenseits des Protokolls
von Bettina Wulff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

104 von 112 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Noch ein weiter Weg, 17. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Jenseits des Protokolls (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch nun tatsächlich von vorn bis hinten gelesen, wenn auch ohne es zu kaufen. Es ging ziemlich schnell, denn es ist sprachlich wie inhaltlich äußerst simpel gehalten, auf dem Niveau von Publikationsorganen, die sich an eher bildungsferne Leserkreise wenden.

Wir erfahren aus dem Buch kaum neue Tatsachen, einmal von solchen Dingen abgesehen wie dass Frau Wulffs Jugendliebe Rettungsschwimmer war und "nicht den schlechtesten Body" hatte oder davon, dass sie sich eigentlich ein größeres Tattoo stechen lassen wollte, davon dann aber absah, nachdem sie ihren jetzigen Mann kennen gelernt hatte.

Die Schilderung solcher Oberflächlichkeiten füllt die ganzen rund 200 Seiten Text. Aber gerade diese Aneinanderreihung von Banalitäten und Intimitäten und die Kulleräugigkeit, mit der Frau Wulff in die Welt blickt, ohne dass ihre Blicke irgendwo tiefer dringen als an die Oberfläche, zeigt eben am besten - und machen das Buch dann doch noch, zumindest als psychologisches Dokument, interessant (und nur darum 2 Sterne) - dass Frau Wulff mit ihrer Aufgabe als First Lady zunächst des Landes Niedersachsen und sodann der Bundesrepublik Deutschland vollständig überfordert war, in intellektueller, menschlicher und physischer Hinsicht. Was an ihrer ganzen Jammerei auf hohem Niveau noch am Sympathischsten aufscheint, ist, dass sie das irgendwann zu merken begonnen und darunter offenbar in zunehmendem Maß gelitten hat. Auch ihr Mann war mit seiner Aufgabe überfordert; dafür kann man nicht Bettina Wulff verantwortlich machen, eher ihn und noch mehr wohl Angela Merkel. Die hätten auch wissen müssen, dass Christian Wulff nicht nur der falsche Mann im Amt des Bundespräsidenten war, sondern er auch für dieses Amt nicht die richtige Frau mitgebracht hat. Der Abgang des Herrn Wulff, der die Konsequenz dieser personellen Fehlentscheidung von Frau Merkel und Herrn Westerwelle war, war dann für Frau Wulff - so entnehme ich es dem Buch - einerseits der unwürdige Abschluss dieser Episode wie auch ihre Befreiung aus dem Stress einer Position, der sie nicht gewachsen war. Dass sie in dieser Situation das Bedürfnis empfunden hat, sich ein wenig von ihrem Mann zu distanzieren, kann ich fast verstehen.

Leider hat die Überforderung der Frau Wulff mit dem Ende ihrer Position als First Lady keinen Abschluss gefunden. Auch wenn die Häme und der Spott, die manche Leute nun über sie ausgießen, selbstgerecht erscheinen: als PR-Expertin, als die sie in Zukunft anscheinend ihren Lebensunterhalt verdienen will, hat sie sich mit dieser Art von PR in eigener Sache nicht gerade empfohlen. Der Schuss ist nach hinten losgegangen. Dass weder ihr Mann noch die vielen angeblich guten Freunde, die sie in dem Buch nennt, ihr den Freundschaftsdienst erwiesen haben, sie vor dieser Veröffentlichung zu warnen, zeigt, dass sie noch einen weiten Weg vor sich hat.

NACHTRAG vom 07.01.2013: Und so war die Trennung von ihrem Mann wohl auch nur noch eine Frage der Zeit...
Kommentar Kommentare (21) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 19, 2012 10:53 PM MEST


projekt@party: Roman
projekt@party: Roman
von Beqë Cufaj
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gutes Thema, unbefriedigende Ausführung, 16. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: projekt@party: Roman (Gebundene Ausgabe)
In früheren Jahrhunderten kamen die Eroberer, später die Missionare, heute fallen in die geschundenen Länder die Entwicklungshelfer ein, die Mitarbeiter der UN-Missionen und der NGO's. Es sind, wie der Dolmetscher dem Ich-Erzähler erklärt, Karrieristen, Abenteurer, verkrachte Existenzen oder Idealisten, die aber wie so viele Idealisten schnell enttäuscht sind oder sich neu verlieben, nämlich in andere Krisenherde und Katastrophen. Der Ich-Erzähler, ein Stuttgarter Hochschullehrer, der aus seiner gescheiterten Ehe und unzähligen Affairen mit Studentinnen ausbrechen will und sich für eine Mission in dem freudlosen, hässlichen, bürgerkriegs- und interventionszerstörten Balkanland bewirbt, gehört wohl ein bisschen zu jeder dieser Kategorien; und genausowenig wie die anderen Helfer aus aller Herren Länder wird er in seiner Mission etwas bewirken. Denn die sind alle mehr mit sich selbst beschäftigt als mit ihrer Aufgabe, die sich im Übrigen als unlösbar herausstellt, denn die einheimische Bevölkerung betrachtet sie in erster Linie als Eindringlinge oder bestenfalls als Naivlinge, denen man leicht das Geld aus der Tasche ziehen kann. So bleiben die Helfer am liebsten unter sich in ihren schäbigen Büros und ein paar auf sie spezialisierten Kneipen, in denen allabendlich Hochprozentiges in Strömen fließt.

So weit, so gut, doch hat - jedenfalls in meinen Augen - der Autor nicht vermocht, hieraus eine ansprechende und packende Geschichte mit einem Anfang, einem Ende und einem Handlungsbogen zu machen. Immerhin nennt sich das schmale Werk einen Roman, und von einem Roman erwarte ich das. Stattdessen bleiben die Darstellung der erotischen und alkoholischen Eskapaden des Icherzählers, der Hässlichkeit des Balkanlandes und der Ineffizienz der UN-Missionare anekdotisch und repetitiv, Spannung kommt kaum auf und nach 140 Seiten ist so abrupt Schluss, dass das Werk wirkt wie ein Fragment.


Der Himmel ist kein Ort: Roman
Der Himmel ist kein Ort: Roman
von Dieter Wellershoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verstörungen, 12. September 2012
Dieser Roman beschreibt die Verstörungen eines privat wie beruflich wenig erfolgreichen jungen Dorfpfarrers und seiner Gemeinde am südlichen Rand von Hamburg, die aufgrund eines Verkehrsunfalles aufbrechen (oder war es vorsätzliche Tötung?). Unchristliche Regungen in der Gemeinde, Glaubenszweifel des Pfarrers, die Rabulistik, mit der die Kirchenoberen die Antinomien und Aporien des Glaubens zukleistern, eine peinliche Beinahe- Liebesaffaire mit einer älteren Frau, das ist von dem alten Routinier Wellershoff sehr süffig und kurzweilig heruntergeschrieben und in wenigen Stunden gelesen.

Es hinterließ bei mir dennoch ein schales Gefühl, denn am Ende blieb mir alles ein bisschen zu folgenlos, unaufgelöst, und es fehlten zwei Dinge, die laut Kurt Vonnegut bei einem guten Stück Literatur unabdingbar sind: Gib dem Leser wenigstens einen Charakter, für den er brennen kann; und: Jeder Charakter sollte etwas wollen, und wäre es nur ein Glas Wasser.


Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm
Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm
von Hans-Joachim Maaz
  Taschenbuch

15 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unbrauchbar und gefährlich, 12. September 2012
Herr Maaz macht sich anheischig, mit einer Theorie des Narzissmus unsere ganze Welt und ihre Misere zu erklären. Das geht gründlich schief, schon deshalb, weil es ihm nicht einmal gelingt plausibel zu machen, was die "narzisstische Störung" überhaupt ist. Zwar sagt er, dass sie in Selbstüber- ("Größenselbst") bzw -unterschätzung ("Größenklein") besteht, aber das ist letztlich nichts anderes als Wortgeklingel. Dass diesen Worten ein tatsächliches wissenschaftlich feststellbares einheitliches Phänomen zugrundliegt, bleibt eine bloße, von ihm durch nichts belegte oder begründete Behauptung. Sodann führt Herr Maaz alles, was ihm an unserer Gesellschaft nicht gefällt, und das ist ziemlich viel, auf diese narzisstische Störung der Menschen zurück. Eine derartige Simplifizierung hat leider keinerlei Erkenntniswert und ist daher unbrauchbar. Zweitens ist es auch sehr bedenklich, wie Maaz mit seinen Theorien nunmehr politikverdrossen gegen die westliche Demokratie zu Felde zieht, indem er aller Politiker ausnahmslos als gestörte Menschen bezeichnet, denen es angeblich um nichts als Bestätigung ihrer narzisstischen Größenphantasien geht. Gleichzeitig sind aber in seine Augen auch die Wähler narzisstisch gestört und wählen angeblich die Politiker, die ihnen, um an der Macht zu bleiben, das Blaue vom Himmel versprechen, während sie diejenigen Politiker abwählen, die ihnen reinen Wein einschenken. Wenn dieser Befund teilweise richtig sein mag, ist er doch ebenso teilweise auch grottenfalsch. Und nicht nur das, sondern er ist auch gefährlich. Letztlich sagt Maaz nichts anderes als dass die Demokratie angesichts der nicht auszurottenden Tendenz des Menschen zu narzisstischen Störungen eine dem Menschen nicht gemäße Staatsform ist. Darum möchte er gerne die in Wahlen legitimierten Institutionen durch "Expertengremien" ersetzen. Als ob die selbsternannten Experten nicht die schlimmsten Narzissten wären - und merkt er eigentlich nicht, wie nah er mit diesen Thesen am Programm der Neonazi-NPD entlangschrammt, die ebenfalls "Machteliten" an die Stelle gewählter Volksvertreter setzen will? Maaz' Theorien, verbunden mit seinen simplifizierenden Welterklärungen, ebnen die Wege in Politikverdrossenheit, Extremismus und Diktatur.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 5, 2013 11:55 PM CET


Schweigeminute: Novelle (dtv großdruck)
Schweigeminute: Novelle (dtv großdruck)
von Siegfried Lenz
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Harmlos, 13. August 2012
Wahrscheinlich mache ich mich hier mal wieder unbeliebt, aber ich finde diese Erzählung von Siegfried Lenz doch ein wenig harmlos und inhaltsarm.

Ein Sommer an der Ostsee in der schönen, alten Bundesrepublik, eine zarte Schüler-Lehrerin-Liebe, ein Unglücksfall... Alles sehr schön geschrieben und auch nicht so oberlehrerhaft wie Martin Walsers Goethe-Schmonzette oder so peinlich-kunstgewerblich-selbstverliebt wie Mosebachs Mond, aber eben doch auch nicht wirklich ergreifend.

Eine schönere Coming-of-age-Geschichte an der deutschen Küste als Hausmanns Abel mit der Mundharmonika wird wohl nicht geschrieben werden.

Und von den großen alten Männern unserer Literatur würde ich mir etwas weniger Altersmilde und etwas mehr Alterszorn wünschen.


Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung
Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung
von Uwe Lehnert
  Broschiert

8 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Definitiver Abschied von der Bibel, 28. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Ein Buch für Menschen, die dem Glauben der Kirche kritisch bis ablehnend gegenüber stehen und für ihre Einstellung Argumente suchen", so wird dieses Werk auf dem Umschlag charakterisiert.

Das ist leider eine dumme Beschreibung und sie wird der Arbeit Lehnerts überhaupt nicht gerecht. Denn wäre sie richtig, so würde sich das Buch nur an solche Leser wenden, die ein bereits über Bibel und Christentum gefasstes (Vor)Urteil bestätigt haben wollen.

In Wirklichkeit ist Lehnerts Buch eine für jeden ernsthaften Christen unverzichtbare und zugleich äußerst sorgfältige, abwägende, seriöse und an keiner Stelle polemische oder gehässige Auseinandersetzung mit allen Argumenten, die für oder auch gegen den Glauben an den Gott bzw. die "Dreieinigkeit" vorgebracht werden können. Wer sich die von ihm aufgeworfenen und sich aufdrängenden Fragen nie gestellt hat, kann kein überzeugter Christ sein, sondern nur ein unreflektierter Nachplapperer unverstandener Glaubenssätze.

Die Schlüsse, zu denen Lehnert kommt, fallen allerdings für die biblischen Lehren vernichtend aus - in intellektueller ebenso wie in moralischer Hinsicht. Würden die Menschen, die aus intellektueller Bequemlichkeit (=Denkfaulheit) oder Konformismus nach wie vor irgendwie dem biblischen Glauben zuneigen, die Fragen, die Lehnert aufwirft, zu Ende denken, müssten sie seine Ergebnisse teilen.

Die Fanatiker und Fundamentalisten, die allerdings keinerlei Argumenten zugänglich sind, auch nicht dem, dass sie sich vielleicht irren könnten, wird sicherlich auch Lehnerts brilliantes Buch nicht überzeugen. Aber sie werden es wahrscheinlich auch nicht lesen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2014 2:49 AM CET


Die Perspektive des Gärtners: Roman
Die Perspektive des Gärtners: Roman
von Håkan Nesser
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Seifenblase, 21. Juni 2012
Es verheißt selten etwas Gutes, wenn der Protagonist eines Romans ein Ich-Erzähler und zugleich auch noch von Beruf Autor ist - wie hier z.B. auch bei Cowboysommer: fällt dem "wirklichen" Autor denn nichts Originelleres ein? Wenn es Nesser hier dennoch gelungen ist, mich zunächst anfangs durch die Schilderung seltsamer, scheinbar übernatürlicher Geschehnisse in die Geschichte hineinzuziehen, so habe ich an irgendeinem Punkt, wie so oft, zu befürchten begonnen, dass er die geschürte Erwartung nie und nimmer würde einlösen können. So war es dann leider auch. Die Story platzte auf den letzten Seiten wie eine Seifenblase, die Auflösung hatte nichts mehr mit den Charakteren des Romans, ihren Sehnsüchten, Ängsten, Fähigkeiten und Defiziten zu tun, sondern der berüchtigte Deus ex Machina betrat die Bühne, bereitete dem Geschehen ein schnelles, prosaisches Ende und verleidete mir retrograd vollständig sogar die Lektüre derjenigen der vorangegangenen Seiten, die ich - neben etlichen überflüssigen und überflüssig ausgewalzten Passagen - zumindest partiell spannend gefunden hatte.


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