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Rezensionen verfasst von
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland)

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Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie
Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie
von Rüdiger Safranski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 27,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Neuinszenierung, 18. Januar 2014
Schon wieder eine Goethe-Biografie? Nach den hunderten, die es schon gibt?

Andererseits: "Iphigenie" wird ja auch immer neu inszeniert, selbst wenn jedes einzelne Wort hundertmal gesprochen, hundertmal von Germanisten umgedreht wurde. Und gerade wer den Faust auswendig kennt, dürfte sich jedesmal von Neuem interessieren, wenn er wieder auf die Bühne gebracht wird und wie.

So spricht nichts gegen Neuinszenierungen von Goethes Leben. Wie Safranski herausarbeitet, hielt Goethe von den Philosophen nicht viel und von der Religion noch weniger, umso mehr aber vom Leben. Seines hat an Buntheit fast alle seiner Werke (in denen sich Großartiges ebenso wie ziemlich Missratenes findet) übertroffen. Und jedes Zeitalter, jeder gescheite Biograph gewinnt ihm etwas Neues, etwas Eigenes ab: "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen". Goethe hat vieles gebracht, und daher auch vielen etwas, vor allem sich selbst, und Safranski legt eine spannende Neuinszenierung davon auf die Bretter.

Und einen lustigen Druckfehler gibt es auch, auf S. 419: "Die Kraniche des Abakus". Oder hat sich da jemand einen Scherz erlaubt?


Tabu: Roman
Tabu: Roman
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

62 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Anwälte und andere Unsympathen, 31. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tabu: Roman (Gebundene Ausgabe)
(***Vorsicht Spoiler***) Diese Story aus wie mit Pressluft aufs Papier gehämmerten Stakkatosätzen ist zwar sinnfrei, aber immerhin schnell erzählt: ein Typ, dessen Vater sich aus nicht näher erläuterten Gründen entleibt und dessen Mutter sodann einen Unsympathen (a) heiratet, wird, so soll es wohl suggeriert werden, aus eben diesen Gründen selber ein Unsympath (b) mit autistischen Zügen, der pornografische Edelfotos und damit ordentlich Geld macht. Das füllt die erste Hälfte des Buches. Nun abrupter Szenen- und Perspektivwechsel: wir sehen einen unsympathischen Anwalt (c), der die Verteidigung eines Mordverdächtigen übernehmen soll, um dessen Identität der Autor zwar eine Weile ein ziemliche Gewese macht, was sich allerdings als äußerst überflüssig herausstellt, da wir durchaus ahnen, dass es sich um diejenige des Unsympathen (b) handelt. Und Potz Blitz - er ist es tatsächlich. Er soll eine Frau ermordet haben, deren Leiche allerdings unauffindbar ist. Ein auch nicht gerade sympathischer Polizist (d) hat dem Unsympathen (b) nun Folter angedroht, woraufhin der den Mord gestanden hat, den er - wir ahnen es ebenfalls - aber gar nicht begangen hat. Im Gerichtssaal klärt uns der Autor mit schulmeisterlich erhobenem Zeigefinger in einem Dialog zwischen den Unsympathen (c) und (d) darüber auf, was er von der Folter hält: erfreulicherweise nichts (auch das ahnten wir allerdings schon). Jetzt stellt sich heraus, dass es weder Mord noch Opfer gab und dies auch popelleicht nachzuweisen gewesen wäre, wenn der Unsympath (b) es dem Unsympath (c) nur gesagt hätte. Das hat er aber nicht und darum ein paar Monate im Knast gesessen. Warum? Angeblich, um nachzuweisen, dass Wahrheit und Wirklichkeit unterschiedliche Dinge sind. Hä???? Kann mir jemand von den 5-Sterne-Rezensenten das mal erklären?

Und vielleicht bei der Gelegenheit gleich noch mit, wieso der Autor, wo er doch Folter doof findet, uns mit einer dermaßen albernen Geschichte foltert?
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2015 3:30 PM MEST


Das Komplott
Das Komplott
von John Grisham
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Aufhören!!!, 31. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Komplott (Gebundene Ausgabe)
Die Buchproduktion von Grisham erinnert mich an eine Maschine, aus der im Sekundentakt Presswürste quellen - alle aus den gleichen Zutaten (Blut, Innereien, Pökelsalz und synthetische Aromastoffe) und mit Einheitsgeschmack, wenn auch die Rührmaschine dafür sorgt, dass die Maserung bei jeder ein wenig anders ausfällt.

Hier ist sie so: Ein (natürlich unschuldig) eingebuchteter schwarzer Anwalt befreit sich mithilfe eines mindestens neunmal um sieben Ecken gedachten Plans, obskurer amerikanischer Rechtsvorschriften und der Übertölpelung ganzer Kompanien ihn verfolgender FBI-Smartasses auf völlig legale Weise aus dem Knast und einen Kumpel noch dazu und kann sich reich und glücklich nach Antigua zurückziehen. Hoffen wir, dass es ihm da nicht so langweilig wird wie mir bei der Lektüre dieses öden, wirren und vollkommen unglaubwürdigen Romans, der noch dazu miserabel geschrieben und in jeder Hinsicht unlogisch ist, durch ständige hirnlose Perspektivwechsel nervt und durch billigste, sofort durchschaute Tricks die Intelligenz des Lesers beleidigt.

Kann nicht mal irgendwer den Aus-Schalter bei dieser Wurstmaschine betätigen!


Leitfaden Luftfracht: Ein Lehr- und Handbuch
Leitfaden Luftfracht: Ein Lehr- und Handbuch
von Hans-Helmut Grandjot
  Taschenbuch
Preis: EUR 72,76

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fehlendes Register ist bei einem Fachbuch mit diesem Preis unverzeihlich, 30. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Kompendium befasst sich in 10 übersichtlich gegliederten Kapiteln mit der Bedeutung der Luftfracht, ihrem rechtlichen und politischen Rahmen, den Organisationen im Luftverkehr, dem Luftfracht-Markt, der Luftfracht-Infrastruktur, der Luftfracht-Transportkette, der Luftsicherheit, dem Tarif- und Ertragsmanagement, E-Freight und E-Cargo sowie dem Thema "Umwelt und Nachhaltigkeit". Es ist damit eine knappe, verständliche Einführung für jeden, der einen ersten Zugang zu dem Thema benötigt.

Äußerst ärgerlich ist allerdings, dass es die Autoren nicht für nötig gehalten haben, das Werk mit einem Register zu versehen. Es enthält stattdessen lediglich ein knappes Glossar, in dem aber nur ein kleiner Teil der in dem Buch verwendeten Fachbegriffe vorkommt und dies ohne Hinweis auf die Seiten, auf denen sie in dem Buch näher behandelt werden. Darüberhinaus fehlt ein Abkürzungsverzeichnis, was angesichts der vielen - und nicht immer sofort erläuterten - Abkürzungen die Verwendung des Werkes sehr erleichtert hätte. Das ist bei einem Kompendium - und noch dabei einem so hochpreisigen - unverzeihlich und schmälert seinen praktischen Wert beträchtlich.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Der Leitfaden ist 2012 neu aufgelegt worden. Zu diesem Zeitpunkt war durch die Entscheidung der Europäischen Kommission vom 9.11.2010 bereits bekannt, dass zumindest ein Teil der zwischen 2000 und 2008 massiv gestiegenen Frachtraten auf das verbotene Kartell der Air Carriers und nicht auf die gestiegenen Rohölpreise zurückzuführen war. Hierüber hüllen sich die Autoren in Schweigen.


Cabo de Gata
Cabo de Gata
von Eugen Ruge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

10 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Berufswechsel, 9. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Cabo de Gata (Gebundene Ausgabe)
Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt als Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt, sollten einen Berufswechsel in Erwägung ziehen, anstatt Bücher über Schriftsteller zu schreiben, denen nichts mehr einfällt. Dass solche Schriftsteller damit dann auch noch Literaturpreise einheimsen (wie z.B. auch Kappacher mit seinem Fliegenpalast), dürfte darauf zurückzuführen sein, dass auch die Jurys solcher Preise sich mehrheitlich aus Schriftstellern zusammensetzen, denen nichts mehr einfällt oder Möchtegern-Schriftstellern, denen leider noch nie etwas eingefallen ist...
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2013 9:10 AM CET


Blumenberg: Roman
Blumenberg: Roman
von Sibylle Lewitscharoff
  Gebundene Ausgabe

39 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Armer Büchner, 4. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Jury des Grauens hat wieder einmal zugeschlagen und diesmal ganz, ganz tief ins Klo gegriffen. Lewitschafotts affektiertes, maniriertes und inhaltsleeres Sprachgehopse in "Blumenberg", wie auch schon in "Apostoloff" erinnert mich an die Aufführung des "königlichen Nonplusultras" bei Huckleberry Finn. In Arkansas wussten die Leute allerdings noch, was zu tun ist, wenn man sie veralbert: die Autoren mit mit halbverwesten Katzen zu beschmeißen und Teer und Federn bereitzuhalten. In Deutschland schmeißen sie stattdessen mit 50.000 Euro. Das wäre ja noch zu ertragen, wenn es das eigene Geld der Jury wäre und diese den gleichen Betrag noch einmal nehmen würde, um denen, die Büchner lieben, ein Schmerzensgeld zu bezahlen. Aber es ist eben nicht eigenes Geld, sondern solches, das der Steuerzahler berappen darf. Verglichen mit dem, was an Lewitscharoffs Äußerungen über Büchner zu befürchten ist, sind die 50.000 Euro verplemperte Steuergelder allerdings noch das kleinere Übel. Schon jetzt hat sie bekannt geben lassen, dass sie mit Büchner rein gar nichts anfangen kann. Bekanntlich hat Frau Lewitscharoff auch schon den Kleist-Preis mit der Bemerkung entgegengenommen, dass Kleist in ihren Augen ein Weichei, ein hässlicher Vogel und zugleich ein Verbrecher gewesen sei und sich im Übrigen über diesen Mann nur allerpeinlichstes und von Dummheit strotzendes Zeug abgestottert. Den Charakter, angesichts ihrer Idionsynkrasie oder Ignoranz diese Preise abzulehnen, hatte sie freilich nicht - so stark stinkt das Geld dann wohl auch wieder nicht. Dafür, was die Dame über Büchner absondern wird, kann nach allem nur das Schlimmste befürchtet werden. Ich schäme mich fremd, lieber Georg Büchner. Und sehe mit Grausen dem Tag der Preisverleihung entgegen.

NACHTRAG vom 06.03.2014: Ich würde doch gern mal sehen, wie dämlich die Blindenjurys, die diese unsägliche Person mit Preisen zugesch(m)issen haben, jetzt aus der Wäsche kucken, nachdem Frau Lewitscharoff Menschen, die das Pech hatten, nicht per Geschlechtsverkehr gezeugt worden zu sein, zu Untermenschen deklariert hat. Mich dagegen wundert bei dieser Frau nach dem ungeheuren und unerträglichen Schwach- und Stumpfsinn, den sie in ihren "Romanen" abgesondert hat, gar nichts mehr. Nicht einmal, dass sie nun auch noch die Onanie verbieten möchte, obwohl einem bei ihrem Anblick doch schon von alleine jede Lust auf derlei Tun vergeht...

NACHTRAG vom 08.03.2014: Schriftsteller sollen keine Gutmenschen sein, sondern gute Literatur produzieren. Das ist das eigentlich skandalöse an diesem Vorgang: dass der deutsche völlig verkommene Kulturbetrieb den nichtigen, aufgeblasenen und gähnend langweiligen Schrott dieser Dame mit Literatur verwechselt, mit seinen Preisen zugeschüttet und dabei die Namen großartiger deutscher Dichter wie Kleist und Büchner in den Dreck gezogen hat. Jetzt, wo Frau L. sich mit ihren - in der Tat unsäglichen - Urteilen moralisch disqualifiziert hat, sollen ihre "Romane" plötzlich schlechte Romane sein? Nein, sie waren es schon immer.
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 15, 2014 2:28 PM CET


Literarische Spaziergänge durch Tübingen: Auf den Spuren von Hölderlin bis Härtling
Literarische Spaziergänge durch Tübingen: Auf den Spuren von Hölderlin bis Härtling
von Andreas Rumler
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kuschlig, 30. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das kuschlige Tübingen mit seiner Professoren- und Fachwerkbehaglichkeit hat auch viele Dichter und Denker beflügelt - und sei es auch, um, wie Peter Weiss, mit Grauen wieder den Abflug zu machen. Die literarischen Spaziergänge Andreas Rumlers nachzugehen, mit diesem Buch in der Hand, lohnt sich auf jeden Fall, bei gutem Wetter allemal, Leseanregungen gibt es zur Genüge. Ein wenig mehr Witz, Ironie oder Süffisanz hätte ich dem Buch dennoch gewünscht, denn nicht zu allen Literaten, die darin vorkommen, muss man ein gleich inniges Verhältnis haben. So habe ich persönlich mich immer darüber geärgert, dass das Neuphilologicum "Bert-Brecht-Bau" genannt wurde, obwohl Brecht - in meinen Augen ohnehin keiner der ganz Großen - keinerlei persönliche oder literarische Beziehung zu Tübingen aufweist und die politische Botschaft, die die linke 68er-Studentenschaft mit dieser Namensehrung wohl einst aussenden wollte, mit "Hölderlin-Bau" ebensogut, wenn nicht besser hätte vermittelt werden können. Auch darüber, dass Theodor Haering, in dessen Haus Peter Weiss einige Zeit lebte, ein übler und in der Wolle gefärbter Nazi war, der seine braune Soße auch noch in der Nachkriegszeit verspritzte und dennoch zum Tübinger Ehrenbürger gemacht wurde, sollte ein Leser nach meiner Auffassung in einem solchen Werk informiert werden.

Also ein zum kuschligen Tübingen passendes Büchlein. Und dass mein Roman "Uhlandgymnasium" darin lobende Erwähnung findet, sei dem Autor natürlich besonders gedankt...


Sehnsucht nach Leben: Mit Bildern von Eberhard Münch.
Sehnsucht nach Leben: Mit Bildern von Eberhard Münch.
von Margot Käßmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

12 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerträgliches Geseier, 30. Mai 2013
Dass dieses Buch nichts ist als eine unerträglich peinliche Ansammlung von hochtrabend formulierten, aber nichtssagenden Allgemeinplätzen, Geschwätz, Geschwurbel, Geseier und Selbstbeweihräucherung, wird einem schon nach den ersten Worten klar. Noch abstoßender ist das Cover, auf dem die Verfasserin mit photoshop-mäßig auf thirtysomething verjüngtem Gesicht wie ein Pin-Up-Girl im Priesterlook posiert. Dass diese Dame sternhagelvoll Auto gefahren ist, mag man ihr ja noch verzeihen, das haben schon andere Würdenträger vorgemacht. Dass aber eine derart peinliche Persönlichkeit ohne jede intellektuelle Substanz zur EKD-Vorsitzenden aufsteigen konnte, lässt für den Zustand und die Zukunft der einstigen geistigen Heimat so brillanter Köpfe wie Friedrich Schleiermacher, Albert Schweitzer, Rudolf Bultmann und Dietrich Bonhoeffer Schlimmes ahnen.


Die vergessene Verschwörung: Hans Oster und der militärische Widerstand gegen Hitler
Die vergessene Verschwörung: Hans Oster und der militärische Widerstand gegen Hitler
von Terry Parssinen
  Gebundene Ausgabe

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Römer wussten, dass man einem Krieg nicht entgeht..., 27. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Was hier geschehen ist, lässt sich mit der folgenden Metapher deutlich machen: Zunächst wurde mit vorgehaltener Pistole ein Pfund verlangt. Als diese Forderung erfüllt war, wurden zwei Pfund mit vorgehaltener Pistole verlangt. Schließlich gab sich der Räuber mit einem Pfund, 17 Schilling und Sixpence zufrieden. Der Rest wurde mit der Zusage ausgeglichen, dass wir ihm künftig in jeder Beziehung entgegenkommen würden" (Winston Churchill, am 5. Oktober 1938 vor dem britischen Parlament).

Worauf spielte Churchill an? Die britische und die französische Regierung unter Chamberlain und Daladier hatten sich von Hitler wie Tanzbären durch die Manege ziehen lassen und die Tschechoslowakei in dem Münchner Abkommen kampflos und ohne jede substantielle Gegenleistung den Nazis und ihrem Terrorregime ausgeliefert. Um einen Krieg zu vermeiden - den sie damals mit weitaus geringeren Opfern hätten gewinnen können als den, den Hitler ein knappes Jahr später dann doch vom Zaun brach. Dabei wäre es wahrscheinlich nicht einmal zum Krieg gekommen. Denn deutsche Wehrmachtsgeneräle und andere Verschwörer standen bereit, Hitler in dem Moment zu stürzen, in dem er den Befehl zum Angriff auf die Tschechoslowakei gegeben hätte. Doch der Befehl kam nicht, denn Chamberlain und Daladier ließen sich von Hitler nur allzu willig über den Tisch ziehen, Hitler durfte kampflos ins Sudetenland einmarschieren und die Verschwörung war gegenstandslos. Hitler hatte erneut triumphiert, war durch diesen außenpolitischen Erfolg innenpolitisch fast unangreifbar geworden, die Tschechoslowakei war wehrlos gemacht und er hatte eine Front weniger, ein Jahr für weitere Aufrüstung gewonnen und konnte Stalin als Verbündeten gewinnen.

Parssinen beschreibt die letzten Tage, in denen die Chance bestand, den Zweiten Weltkrieg zu vermeiden, in kurzen, harten Schnitten: er beschreibt die Verschwörer und ihre Skrupel, den Hitler gegebenen Eid zu brechen; ihre verzweifelten Versuche, mit der britischen Regierung ins Gespräch zu kommen, die Diskussionen in britischen Regierungszirkeln, Hitlers Verhandlungen mit Chamberlains Abgesandten und mit ihm selbst, in denen diese sich von ihm abwechselnd anbrüllen und Honig ums Maul schmieren ließen. Das ist atemberaubend und spannender als jeder fiktive Thriller. Nur, diesem Thriller fehlt das Happy End. Das Ende kam erst 7 Jahre und 50 Millionen Tote später. Happy kann man so etwas kaum nennen.

"Daher beugten die Römer immer vor, weil sie die Ereignisse voraussahen, und ließen sie nicht erst herankommen, nur, um einen Krieg zu vermeiden; denn sie wussten, dass man einem Krieg nicht entgeht, sondern ihn nur zugunsten der Gegner aufschiebt." (Macchiavelli, "Der Fürst"). Hätten die Briten mal auf ihn gehört...


Tod im Gymnasium
Tod im Gymnasium
von Thomas Himmelbauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Whodunit, 27. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Tod im Gymnasium (Taschenbuch)
Dies ist ein nicht völlig unspannender, aber doch etwas dröger Whodunit im Stil von Tatort, Agatha Christie & Co., überwiegend erzählt aus der Perspektive des - eher biederen - Ermittlers und Familienvaters Osterbach. Der Autor scheint überhaupt eine Schwäche für Bäche zu haben, insbesondere aber für dreisilbige Familiennamen, Osterbach, Eschenbach, Dirkbacher, Erlacher, Hofpichler, Großpichler, Firntaler, Ringelstein, Moosgruber... Das erschwert es zusätzlich, der ohnehin verwickelten Geschichte zu folgen und zwingt zum Zurückblättern. Anlegen eines Personenverzeichnisses beim Lesen lohnt also. Ansonsten folgt die Geschichte den Konventionen des Genres, der Polizist im Zwiespalt zwischen Beruf, Vater- und Ehepflichten, viele Unschuldige müssen in Verdacht geraten, bevor es dann zum großen Showdown kommt und anschließender raumgreifender Erklärung des Geschehens und seiner Aufklärung durch den Kriminaler. Der Autor ist laut Umschlagtext Lehrer, Schauplatz des Romans ist die Schule und die Schüler reden so: "Als ich um etwa 18 Uhr 45 bei der Schule eintraf, teilten mir ein paar Mitschüler, die gerade aus der Schule kamen, mit, dass mein Vater noch bei Frau Prof. Ringelstein wartete." Also voll aus dem Leben gegriffen...


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