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Rezensionen verfasst von
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Leitfaden Luftfracht: Ein Lehr- und Handbuch
Leitfaden Luftfracht: Ein Lehr- und Handbuch
von Hans-Helmut Grandjot
  Taschenbuch
Preis: EUR 72,76

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fehlendes Register ist bei einem Fachbuch mit diesem Preis unverzeihlich, 30. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Kompendium befasst sich in 10 übersichtlich gegliederten Kapiteln mit der Bedeutung der Luftfracht, ihrem rechtlichen und politischen Rahmen, den Organisationen im Luftverkehr, dem Luftfracht-Markt, der Luftfracht-Infrastruktur, der Luftfracht-Transportkette, der Luftsicherheit, dem Tarif- und Ertragsmanagement, E-Freight und E-Cargo sowie dem Thema "Umwelt und Nachhaltigkeit". Es ist damit eine knappe, verständliche Einführung für jeden, der einen ersten Zugang zu dem Thema benötigt.

Äußerst ärgerlich ist allerdings, dass es die Autoren nicht für nötig gehalten haben, das Werk mit einem Register zu versehen. Es enthält stattdessen lediglich ein knappes Glossar, in dem aber nur ein kleiner Teil der in dem Buch verwendeten Fachbegriffe vorkommt und dies ohne Hinweis auf die Seiten, auf denen sie in dem Buch näher behandelt werden. Darüberhinaus fehlt ein Abkürzungsverzeichnis, was angesichts der vielen - und nicht immer sofort erläuterten - Abkürzungen die Verwendung des Werkes sehr erleichtert hätte. Das ist bei einem Kompendium - und noch dabei einem so hochpreisigen - unverzeihlich und schmälert seinen praktischen Wert beträchtlich.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Der Leitfaden ist 2012 neu aufgelegt worden. Zu diesem Zeitpunkt war durch die Entscheidung der Europäischen Kommission vom 9.11.2010 bereits bekannt, dass zumindest ein Teil der zwischen 2000 und 2008 massiv gestiegenen Frachtraten auf das verbotene Kartell der Air Carriers und nicht auf die gestiegenen Rohölpreise zurückzuführen war. Hierüber hüllen sich die Autoren in Schweigen.


Cabo de Gata
Cabo de Gata
von Eugen Ruge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Berufswechsel, 9. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Cabo de Gata (Gebundene Ausgabe)
Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt als Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt, sollten einen Berufswechsel in Erwägung ziehen, anstatt Bücher über Schriftsteller zu schreiben, denen nichts mehr einfällt. Dass solche Schriftsteller damit dann auch noch Literaturpreise einheimsen (wie z.B. auch Kappacher mit seinem Fliegenpalast), dürfte darauf zurückzuführen sein, dass auch die Jurys solcher Preise sich mehrheitlich aus Schriftstellern zusammensetzt, denen nichts mehr einfällt oder Möchtegern-Schriftstellern, denen leider noch nie etwas eingefallen ist...
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2013 9:10 AM CET


Blumenberg: Roman
Blumenberg: Roman
von Sibylle Lewitscharoff
  Gebundene Ausgabe

37 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Armer Büchner, 4. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Blumenberg: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Jury des Grauens hat wieder einmal zugeschlagen und diesmal ganz, ganz tief ins Klo gegriffen. Lewitschafotts affektiertes, maniriertes und inhaltsleeres Sprachgehopse in "Blumenberg", wie auch schon in "Apostoloff" erinnert mich an die Aufführung des "königlichen Nonplusultras" bei Huckleberry Finn. In Arkansas wussten die Leute allerdings noch, was zu tun ist, wenn man sie veralbert: die Autoren mit mit halbverwesten Katzen zu beschmeißen und Teer und Federn bereitzuhalten. In Deutschland schmeißen sie stattdessen mit 50.000 Euro. Das wäre ja noch zu ertragen, wenn es das eigene Geld der Jury wäre und diese den gleichen Betrag noch einmal nehmen würde, um denen, die Büchner lieben, ein Schmerzensgeld zu bezahlen. Aber es ist eben nicht eigenes Geld, sondern solches, das der Steuerzahler berappen darf. Verglichen mit dem, was an Lewitscharoffs Äußerungen über Büchner zu befürchten ist, sind die 50.000 Euro verplemperte Steuergelder allerdings noch das kleinere Übel. Schon jetzt hat sie bekannt geben lassen, dass sie mit Büchner rein gar nichts anfangen kann. Bekanntlich hat Frau Lewitscharoff auch schon den Kleist-Preis mit der Bemerkung entgegengenommen, dass Kleist in ihren Augen ein Weichei, ein hässlicher Vogel und zugleich ein Verbrecher gewesen sei und sich im Übrigen über diesen Mann nur allerpeinlichstes und von Dummheit strotzendes Zeug abgestottert. Den Charakter, angesichts ihrer Idionsynkrasie oder Ignoranz diese Preise abzulehnen, hatte sie freilich nicht - so stark stinkt das Geld dann wohl auch wieder nicht. Dafür, was die Dame über Büchner absondern wird, kann nach allem nur das Schlimmste befürchtet werden. Ich schäme mich fremd, lieber Georg Büchner. Und sehe mit Grausen dem Tag der Preisverleihung entgegen.

NACHTRAG vom 06.03.2014: Ich würde doch gern mal sehen, wie dämlich die Blindenjurys, die diese unsägliche Person mit Preisen zugesch(m)issen haben, jetzt aus der Wäsche kucken, nachdem Frau Lewitscharoff Menschen, die das Pech hatten, nicht per Geschlechtsverkehr gezeugt worden zu sein, zu Untermenschen deklariert hat. Mich dagegen wundert bei dieser Frau nach dem ungeheuren und unerträglichen Schwach- und Stumpfsinn, den sie in ihren "Romanen" abgesondert hat, gar nichts mehr. Nicht einmal, dass sie nun auch noch die Onanie verbieten möchte, obwohl einem bei ihrem Anblick doch schon von alleine jede Lust auf derlei Tun vergeht...

NACHTRAG vom 08.03.2014: Schriftsteller sollen keine Gutmenschen sein, sondern gute Literatur produzieren. Das ist das eigentlich skandalöse an diesem Vorgang: dass der deutsche völlig verkommene Kulturbetrieb den nichtigen, aufgeblasenen und gähnend langweiligen Schrott dieser Dame mit Literatur verwechselt, mit seinen Preisen zugeschüttet und dabei die Namen großartiger deutscher Dichter wie Kleist und Büchner in den Dreck gezogen hat. Jetzt, wo Frau L. sich mit ihren - in der Tat unsäglichen - Urteilen moralisch disqualifiziert hat, sollen ihre "Romane" plötzlich schlechte Romane sein? Nein, sie waren es schon immer.
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 15, 2014 2:28 PM CET


Literarische Spaziergänge durch Tübingen: Auf den Spuren von Hölderlin bis Härtling
Literarische Spaziergänge durch Tübingen: Auf den Spuren von Hölderlin bis Härtling
von Andreas Rumler
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kuschlig, 30. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das kuschlige Tübingen mit seiner Professoren- und Fachwerkbehaglichkeit hat auch viele Dichter und Denker beflügelt - und sei es auch, um, wie Peter Weiss, mit Grauen wieder den Abflug zu machen. Die literarischen Spaziergänge Andreas Rumlers nachzugehen, mit diesem Buch in der Hand, lohnt sich auf jeden Fall, bei gutem Wetter allemal, Leseanregungen gibt es zur Genüge. Ein wenig mehr Witz, Ironie oder Süffisanz hätte ich dem Buch dennoch gewünscht, denn nicht zu allen Literaten, die darin vorkommen, muss man ein gleich inniges Verhältnis haben. So habe ich persönlich mich immer darüber geärgert, dass das Neuphilologicum "Bert-Brecht-Bau" genannt wurde, obwohl Brecht - in meinen Augen ohnehin keiner der ganz Großen - keinerlei persönliche oder literarische Beziehung zu Tübingen aufweist und die politische Botschaft, die die linke 68er-Studentenschaft mit dieser Namensehrung wohl einst aussenden wollte, mit "Hölderlin-Bau" ebensogut, wenn nicht besser hätte vermittelt werden können. Auch darüber, dass Theodor Haering, in dessen Haus Peter Weiss einige Zeit lebte, ein übler und in der Wolle gefärbter Nazi war, der seine braune Soße auch noch in der Nachkriegszeit verspritzte und dennoch zum Tübinger Ehrenbürger gemacht wurde, sollte ein Leser nach meiner Auffassung in einem solchen Werk informiert werden.

Also ein zum kuschligen Tübingen passendes Büchlein. Und dass mein Roman "Uhlandgymnasium" darin lobende Erwähnung findet, sei dem Autor natürlich besonders gedankt...


Sehnsucht nach Leben
Sehnsucht nach Leben
von Margot Käßmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerträgliches Geseier, 30. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Sehnsucht nach Leben (Gebundene Ausgabe)
Dass dieses Buch nichts ist als eine unerträglich peinliche Ansammlung von hochtrabend formulierten, aber nichtssagenden Allgemeinplätzen, Geschwätz, Geschwurbel, Geseier und Selbstbeweihräucherung, wird einem schon nach den ersten Worten klar. Noch abstoßender ist das Cover, auf dem die Verfasserin mit photoshop-mäßig auf thirtysomething verjüngtem Gesicht wie ein Pin-Up-Girl im Priesterlook posiert. Dass diese Dame sternhagelvoll Auto gefahren ist, mag man ihr ja noch verzeihen, das haben schon andere Würdenträger vorgemacht. Dass aber eine derart peinliche Persönlichkeit ohne jede intellektuelle Substanz zur EKD-Vorsitzenden aufsteigen konnte, lässt für den Zustand und die Zukunft der einstigen geistigen Heimat so brillanter Köpfe wie Friedrich Schleiermacher, Albert Schweitzer, Rudolf Bultmann und Dietrich Bonhoeffer Schlimmes ahnen.


Die vergessene Verschwörung: Hans Oster und der militärische Widerstand gegen Hitler
Die vergessene Verschwörung: Hans Oster und der militärische Widerstand gegen Hitler
von Terry Parssinen
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Römer wussten, dass man einem Krieg nicht entgeht..., 27. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Was hier geschehen ist, lässt sich mit der folgenden Metapher deutlich machen: Zunächst wurde mit vorgehaltener Pistole ein Pfund verlangt. Als diese Forderung erfüllt war, wurden zwei Pfund mit vorgehaltener Pistole verlangt. Schließlich gab sich der Räuber mit einem Pfund, 17 Schilling und Sixpence zufrieden. Der Rest wurde mit der Zusage ausgeglichen, dass wir ihm künftig in jeder Beziehung entgegenkommen würden" (Winston Churchill, am 5. Oktober 1938 vor dem britischen Parlament).

Worauf spielte Churchill an? Die britische und die französische Regierung unter Chamberlain und Daladier hatten sich von Hitler wie Tanzbären durch die Manege ziehen lassen und die Tschechoslowakei in dem Münchner Abkommen kampflos und ohne jede substantielle Gegenleistung den Nazis und ihrem Terrorregime ausgeliefert. Um einen Krieg zu vermeiden - den sie damals mit weitaus geringeren Opfern hätten gewinnen können als den, den Hitler ein knappes Jahr später dann doch vom Zaun brach. Dabei wäre es wahrscheinlich nicht einmal zum Krieg gekommen. Denn deutsche Wehrmachtsgeneräle und andere Verschwörer standen bereit, Hitler in dem Moment zu stürzen, in dem er den Befehl zum Angriff auf die Tschechoslowakei gegeben hätte. Doch der Befehl kam nicht, denn Chamberlain und Daladier ließen sich von Hitler nur allzu willig über den Tisch ziehen, Hitler durfte kampflos ins Sudetenland einmarschieren und die Verschwörung war gegenstandslos. Hitler hatte erneut triumphiert, war durch diesen außenpolitischen Erfolg innenpolitisch fast unangreifbar geworden, die Tschechoslowakei war wehrlos gemacht und er hatte eine Front weniger, ein Jahr für weitere Aufrüstung gewonnen und konnte Stalin als Verbündeten gewinnen.

Parssinen beschreibt die letzten Tage, in denen die Chance bestand, den Zweiten Weltkrieg zu vermeiden, in kurzen, harten Schnitten: er beschreibt die Verschwörer und ihre Skrupel, den Hitler gegebenen Eid zu brechen; ihre verzweifelten Versuche, mit der britischen Regierung ins Gespräch zu kommen, die Diskussionen in britischen Regierungszirkeln, Hitlers Verhandlungen mit Chamberlains Abgesandten und mit ihm selbst, in denen diese sich von ihm abwechselnd anbrüllen und Honig ums Maul schmieren ließen. Das ist atemberaubend und spannender als jeder fiktive Thriller. Nur, diesem Thriller fehlt das Happy End. Das Ende kam erst 7 Jahre und 50 Millionen Tote später. Happy kann man so etwas kaum nennen.

"Daher beugten die Römer immer vor, weil sie die Ereignisse voraussahen, und ließen sie nicht erst herankommen, nur, um einen Krieg zu vermeiden; denn sie wussten, dass man einem Krieg nicht entgeht, sondern ihn nur zugunsten der Gegner aufschiebt." (Macchiavelli, "Der Fürst"). Hätten die Briten mal auf ihn gehört...


Tod im Gymnasium
Tod im Gymnasium
von Thomas Himmelbauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Whodunit, 27. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Tod im Gymnasium (Taschenbuch)
Dies ist ein nicht völlig unspannender, aber doch etwas dröger Whodunit im Stil von Tatort, Agatha Christie & Co., überwiegend erzählt aus der Perspektive des - eher biederen - Ermittlers und Familienvaters Osterbach. Der Autor scheint überhaupt eine Schwäche für Bäche zu haben, insbesondere aber für dreisilbige Familiennamen, Osterbach, Eschenbach, Dirkbacher, Erlacher, Hofpichler, Großpichler, Firntaler, Ringelstein, Moosgruber... Das erschwert es zusätzlich, der ohnehin verwickelten Geschichte zu folgen und zwingt zum Zurückblättern. Anlegen eines Personenverzeichnisses beim Lesen lohnt also. Ansonsten folgt die Geschichte den Konventionen des Genres, der Polizist im Zwiespalt zwischen Beruf, Vater- und Ehepflichten, viele Unschuldige müssen in Verdacht geraten, bevor es dann zum großen Showdown kommt und anschließender raumgreifender Erklärung des Geschehens und seiner Aufklärung durch den Kriminaler. Der Autor ist laut Umschlagtext Lehrer, Schauplatz des Romans ist die Schule und die Schüler reden so: "Als ich um etwa 18 Uhr 45 bei der Schule eintraf, teilten mir ein paar Mitschüler, die gerade aus der Schule kamen, mit, dass mein Vater noch bei Frau Prof. Ringelstein wartete." Also voll aus dem Leben gegriffen...


Weiskerns Nachlass: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Weiskerns Nachlass: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Christoph Hein
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wer anderen ans Bein pinkeln will..., 19. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Protagonist dieses Romans namens Rüdiger Stolzenburg ist ein hochqualifizierter Gelehrter, der mit 59 Jahren immer noch auf einer prekären halben Stelle in einem geisteswissenschaftlichen Universitätsinstitut sitzt. Eine Beförderung ist nicht in Sicht, die Mittel wurden zusammengestrichen, Alter und Altersarmut dräuen, darüber hinaus eine Steuernachzahlung von elftausend Euro, weil das Finanzamt für die Vortragstätigkeit unseres Helden, mit der dieser sein mickriges Dozentensalär aufbessert, zehn Jahre lang einen falschen Umsatzsteuersatz angewendet hat. Weiter sieht sich Stolzenburg während der Handlung, die sich über einen Zeitraum von etwa drei Wochen erstreckt, u.a. ausgesetzt: dem Drängen seines Betthäschens, einer Friseuse (!), nach einer Dauerbeziehung mit ihm nebst gemeinsamem Tisch und Bett; der Angst vor "Liposomen" (gemeint sind wohl Lipome); dem Desinteresse des Abendlandes an seinem wissenschaftlichen Spezialgebiet, der Forschung über den vergessenen Mozart-Zeitgenossen Weiskern; den Ansinnen von Studenten (gegen Geld) und Studentinnen (gegen Sex), deren Noten für ihre unsäglich mickrigen Studienleistungen aufzuwerten; dem Betrug einer osteuropäischen Bande mit gefälschten Weiskern-Manuskripten; den Pumpversuchen einer zickenden Tochter aus längst vergangener Ehe; einer eisenkettenschwingenden Gang strafunmündiger Lolitas, moralinsauren Forderungen einer ihn zappeln lassenden Herzensdame, zugeparkten Fahrradwegen sowie Panikattacken während eines Flugs nach Basel.

Das erinnert thematisch von Ferne an skurrile Figuren, wie sie den Zoo kulturschaffender Schafsköpfe etwa in Hildesheimers Lieblosen Legenden bevölkern, dort allerdings hat der Zoobesuch nur die erfrischende Dauer von Kurzgeschichten. Doch selbst über die Länge eines Romans hätte mich die, wenn auch wenig sympathische, Hauptfigur durchaus unterhalten können, wenn der Autor sie uns nicht derart bierernst und distanzlos präsentieren würde oder ihre oben genannten anekdotischen Verwicklungen zu einem Spannungsbogen, einer Gesamthandlung, einer integrierenden Struktur geformt hätte.

Sollte der Autor seine larmoyante Abrechnung mit einem angeblich verkommenen Kulturbetrieb, der so herausragende Themen wie die Weiskern-Forschung und ihre Repräsentanten schändlich vernachlässigt, mit einer ärmelschonerisch-federfuchsenden Steuerbürokratie oder mit Studenten, die ihre Diplomnoten per Anwalt einklagen, allerdings ironisch gemeint haben, so ist ihm leider auch dies misslungen. Dazu trägt vor allem bei, dass der Autor Sachverhalte behauptet, die er offensichtlich falsch oder überhaupt nicht recherchiert hat und bezüglich derer darum jede Ironie ihr Thema verfehlt. Wer sich als Autor sarkastisch über eine mit Verbeamtungen geizende Kultusbürokratie auslässt, weil solche "den Pensionsfonds" belasten, sollte sich vielleicht erst einmal darüber informieren, dass in Deutschland weder Pensionen noch Renten öffentlich Bediensteter aus "Pensionsfonds" gespeist werden. Weiteres Beispiel für miserable Recherche: dass der Dozent persönlich - und nicht die Universität - die Kosten eines Rechtsstreits über eine Examensnote zu tragen hätte. Oder dass Zuschläge für verspätet gezahlte Steuern - sie heißen übrigens "Säumniszuschläge" und nicht "Versäumnisgebühren" - in dem Roman 12 Prozent im Monat betragen statt - wie in Wirklichkeit - 12 Prozent im Jahr. Überhaupt die ganze Steuergeschichte, eines der Hauptthemen des Romans, ist von vorn bis hinten blödsinnig, so dass der Schuss gegen das (an sich ja im Einzelnen durchaus kritikwürdige) deutsche Steuerwesen nach hinten losgeht. Wenn nämlich tatsächlich die Anwendung des falschen Umsatzsteuersatzes zu der hier thematisierten Nachzahlung geführt hätte, dann hätte der Protagonist mit seinen Vorträgen so viel verdient haben müssen, dass die ganzen Behauptungen über seine prekären finanziellen Verhältnisse in sich zusammenfallen. Ebenso ist es mit dem Studienabbrecher, dem sich unser Protagonist in seiner Steueraffaire anvertraut. Dieses arrogante Jüngelchen spekuliert in seiner Loftwohnung Tag und Nacht mit Aktien und ist gleichzeitig angeblich ein erfolgreicher Steuerberater - als könne jedes dahergelaufene unexaminierte Smartass sich als Steuerberater bezeichnen und beim Finanzamt auftreten, ohne von diesem, von der Steuerberaterkammer oder der Staatsanwaltschaft in die Schranken gewiesen zu werden.

Im Klappentext heißt es vollkommen ironiefrei, Hein habe mit Stolzenburg eine Figur geschaffen, in der sich prototypisch die Gefährdungen unserer Gesellschaft spiegelten. Mich erinnerte der Roman eher an Lichtenbergs Aphorismus, die lächerlichste Figur mache jemand, der einem anderen ans Bein pinkeln wolle, aber dabei Harnverhaltung hätte.


Harthaus
Harthaus
von Nikolaus Wegener
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Kunst der Verschrobenheit, 30. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Harthaus (Taschenbuch)
Der Protagonist, ein Architekt, den seine Beteiligung an einer Filmproduktion ins finanzielle Desaster gestürzt hat, flieht vor dem Gerichtsvollzieher aus seiner Berliner Wohnung und lässt sich von nebulösen Gerüchten über ein Heim für gefallene Menschen in das Niemandsland zwischen Braunschweig und der ehemaligen Zonengrenze treiben. Dort folgt er verrosteten Eisenbahnschienen und findet schließlich das "Harthaus" mitsamt seinen skurril-verrückten Bewohnern. Auch er begibt sich unter die Fuchtel des ins Boxen verliebten Heimleiters, dessen Charisma allerdings ebenso bröckelt wie der Putz seines Armenhauses. Er besiegt ihn wider Erwarten im Boxkampf, verjagt ihn, führt die Bewohner des Heims in den Kampf gegen das Oderhochwasser und wird für sie der neue Anführer sein.

Ein prachtvoller Roman, der die Gesetze dieses Genres unerschrocken fleddert und gerade deshalb als verschrobene Heldenreise funktioniert. Don Quijote und Kafka lassen grüßen. Sicher kein Roman für jeden, aber bestimmt einer für Genießer eines sehr subtilen, ausgefallenen Humors.


Sunset. Roman
Sunset. Roman
von Klaus Modick
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Feinfühlig, kenntnisreich und konzentriert, 1. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Sunset. Roman (Taschenbuch)
Mir haben nicht alle Werke von Klaus Modick gefallen, aber dieses hat mich sehr berührt und eingenommen. Eine schwierige Zeit (die MacCarthy-Ära), ein schwieriger Mensch, ein schwieriges Alter... Lion Feuchtwanger lebt als alter Mann in dem goldenen Käfig einer ausladenden Villa in dem idyllischen, aber abgelegenen Pacific Palisades, kriegt die Nachricht vom Tod seines Freundes Bertolt Brecht und eine Einladung zu seiner Beerdigung. Die hat längst stattgefunden, als die Nachricht ihn erreicht, aber er hätte ohnehin nicht fahren können, denn er musste befürchten, nicht mehr in die USA zurückreisen zu dürfen und in dem Europa bleiben zu müssen, das er auf der Flucht vor den Nazis verlassen hatte. In den Gedanken und Geschehnissen eines einzigen Tages spiegelt sich die Geschichte seiner Freundschaft mit Brecht, die zugleich eine Geschichte seines Lebens ist. Das ist, obwohl sehr kenntnisreich, angenehm unbelehrend, dennoch zugleich ernst und unterhaltsam geschrieben. Noch eindrucksvoller wurde es mir, als ich letztes Jahr die Feuchtwanger-Villa (die heute ein deutsches Kulturinstitut beherbergt) besichtigt habe. Schönes kleines Stück Literatur, danke dafür, Klaus Modick.


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