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Rezensionen verfasst von
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland)

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Gut zu leben: Gedanken für jeden Tag (HERDER Spektrum)
Gut zu leben: Gedanken für jeden Tag (HERDER Spektrum)
von Margot Käßmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,00

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Platitüdensammlung für Spatzenhirne, 11. Dezember 2014
Mir unbegreiflich, dass immer neue Platitüdensammlungen aus der Fließbandproduktion dieser scheinheiligen Dame gekauft werden. Wie beschränkt muss man eigentlich sein, um für diese dünnflüssigen Ergüsse auch noch Geld auszugeben? Nun ja, wenn ich sehe, dass z.B. eine Rezensentin dieses Machwerks Mario Barths "Männer sind Schweine, Frauen aber auch" genauso toll findet wie Frau Kässmanns Käse und mit 5 Sternen auszeichnet, und außerdem noch glaubt mit Kartenlegen die Zukunft voraussagen zu können, scheint das intellektuelle Spektrum der Kässmann-Konsumenten abgesteckt...


Kammermusik
Kammermusik
von Klaus Funke
  Broschiert

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Schatzfund, 27. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kammermusik (Broschiert)
Auf einer Pritsche in der Zelle der Psychiatrie oder einer ähnlichen Einrichtung erinnert sich der Ich-Erzähler daran, was seiner Einlieferung vorausging: die Wiederbegegnung mit dem früheren Studienfreund, Liebhaber seiner Schwester und späteren kammermusikalischen Weltstar Stefan Bosel. Teils berechtigte, teils wahnhafte Wut, Neid, Hass auf seinen früheren Freund, auf das Musikgeschehen, auf Dresden, die Weltläufte und auf die eigene Unzulänglichkeit treiben ihn bei dem Konzert und dem nachfolgenden Essen mit seiner Schwester, mit Bosel und den anderen Mitgliedern des Bosel-Trios schließlich zu einem Amoklauf, in dem er das Interieur eines Dresdner Nobelhotels zerlegt. Eigentlich ist die ganze Erzählung ein einziger Amoklauf, eine Abrechnung, ein Wutausbruch, erschreckend zum Teil, aber auch komischer Momente nicht entbehrend und vor allem mitreißend, in klarem, schnörkellosem Stil, an Stefan Zweig, Robert (!) Walser, Wolfgang Hildesheimer oder Friedrich Dürrenmatt erinnernd, modern und zeitgemäß, knapp und psychologisch präzise beobachtet und geschrieben. Was für Trouvaillen man inmitten des manierierten, effektheischenden und marktschreierischen deutschen Literaturbetriebs doch immer mal wieder machen kann!


Der Tangospieler: Erzählung
Der Tangospieler: Erzählung
von Christoph Hein
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die unerträgliche Tristesse des real existierenden Sozialismus, 20. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Tangospieler: Erzählung (Taschenbuch)
Die Geschichte spielt in der DDR, 1968, kurz bevor die Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR einmarschierten, um dort dem "Prager Frühling" den Garaus zu machen und den sozialistischen Spuk nochmal um 20 Jahre zu verlängern, bevor aus dem Prager auch ein Warschauer, Berliner oder gar Moskauer Frühling hätte werden können. In der DDR gab es keinerlei Frühling, dort bedurfte es lächerlicher Kleinigkeiten, um ein Staatsfeind zu sein und für 2 Jahre in Bautzen zu landen. So, wie es dem Protagonisten dieser Erzählung ging, der das Pech hatte, bei einem Studentenkabarett, dessen Texte der Partei nicht passten, aushilfsweise Klavier gespielt zu haben.

Der Protagonist findet sich nach der Entlassung nicht mehr zurecht, sein vormaliger Arbeitsplatz an der Uni ist längst neu besetzt, er gammelt, besucht seine hinfälligen Eltern und kann mit ihnen ebensowenig anfangen wie sie mit ihm, er vögelt in der Gegend herum und wirkt eine Weile wie ein Wiedergänger von Camus' Figur Meursault in dessen Roman "der Fremde". Er wird von der Stasi bedrängt, für sie zu spitzeln und flieht schließlich nach Hiddensee, um dort im "Klausner" zu kellnern. Schließlich kriegt er doch wieder seine Stelle an der Uni, nachdem sein Nachfolger, eigentlich ein Opportunist, wegen einer unbedachten Äußerung zum CSSR-Einmarsch gefeuert wurde.

Diese Steilvorlage hat wohl Lutz Seiler genutzt, um später seine uferlose, öde und unerträglich geschwätzige Hiddensee-Schmonzette "Kruso" zu schreiben und ebenfalls im "Klausner" zu verorten. Während Kruso aber ärgerlicherweise die DDR zu einer Art Märchen-Erlebnispark mit ein paar Vopo-Vogelscheuchen als Gruselbeigabe verkitscht, verbildlicht Christoph Hein in seiner Erzählung mit gebotener Lakonie die ganze Tristesse des real existierenden Sozialismus und seiner trüben Repräsentanten, und das ganze in einer dazu passenden, kargen und unprätentiösen Sprache. Keine Lektüre, die Behagen auslöst, aber dafür: gute Literatur.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 11, 2014 10:05 PM CET


Kaltblütig
Kaltblütig
von Truman Capote
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lieber auf Englisch lesen, 24. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig (Taschenbuch)
Ich habe, nachdem ich den beeindruckenden Film "Capote" mit dem überragenden Philip Seymour Hoffman gesehen habe, dieses Buch noch einmal gelesen. Es schlägt, was seine Spannung, die Art des Autors zu beschreiben und die Intensität des Geschehens und der Figuren angeht, jeden fiktiven Roman und gehört für mich zu den bedeutendsten literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. Auf dem Deckblatt meiner englischen Ausgabe steht das Zitat von Chris Sullivan aus dem Jahr 1994, mehr als 30 Jahre nach dem Erscheinen des Werks: "This book has not dated one iota and is a must for every self-respecting reader or would-be writer". Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass die hier vorliegende Übersetzung leider viel von der harten, unsentimentalen Sprache Capotes nimmt. Bereits die ersten Seiten lesen sich eher wie ein Tourismus-Prospekt als Capotes nüchterne Beschreibung einer banalen Landschaft, in die etwas Ungeheuerliches einbricht. Capotes Sprache ist unkompliziert und unaffektiert und daher auch mit mittleren Englischkenntnissen gut zu lesen; der zeitliche Mehraufwand beim Lesen der Originalausgabe wird reich belohnt.


Zwei Herren am Strand: Roman
Zwei Herren am Strand: Roman
von Michael Köhlmeier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

38 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schon vom Ansatz her fragwürdig, intellektuell unredlich und zirkelschlüssig, 1. Oktober 2014
Ich halte von diesem Buch nichts, ebensowenig wie ich beispielsweise von Beyers Trakl-Schmonzette, von Kehlmanns Gauss-Humboldt-Schmarren oder von Martin Walsers Goethe/Levetzow-Kitsch und selbst von Mörikes süßlichem Mozart auf der Reise nach Prag etwas gehalten habe. Ich finde diese Art von Literatur bereits vom Ansatz her verfehlt. Es mag ja sein, dass, wie der SRF-Kritiker zu diesem Buch gesagt hat, sich kein Theaterbesucher dafür interessiert, wie Richard II. wirklich war, wenn er das Shakespeare-Stück sieht. Es ist aber etwas anderes, ob ein Autor, ohne bewusst zu fälschen, das Exemplarische oder Tragische an der Biographie einer bedeutenden historischen Person herausarbeitet - wie es Shakespeare getan hat, Stefan Zweig in den Sternstunden der Menschheit und Jacob Wassermann in Christoph Columbus, oder ob der Autor in Bildzeitungsmanier einen oder zwei berühmte Namen für eine triviale Geschichte ausbeutet, die ohne diese Namen niemanden interessieren würde.

Churchills und Chaplins Leben sind gut dokumentiert, durch ihre Autobiografien wie auch durch eine Vielzahl von Dokumenten und Zeitzeugen. Chaplin und Churchill waren keine "engen Freunde". Richtig ist, dass Chaplin einmal für ein paar Tage zu Gast in Churchills Landhaus war und dass sie sich ganz gut miteinander verstanden haben. Chaplin beschreibt dies im XXII. Kapitel seiner Autobiografie Die Geschichte meines Lebens auf 2 Seiten. Das war's.

Ich habe nirgends einen Beleg dafür finden können, dass Charlie Chaplin an einer endogenen Depression litt. Chaplin hatte nach dem Ende seiner ersten Ehe eine Lebens- und Schaffenskrise. So etwas wurde früher auch als reaktive Depression bezeichnet, hat aber nach heutiger Auffassung medizinisch nichts mit dem Krankheitsbild der Depression zu tun, die den Menschen ohne äußeren Anlass überfällt. Und selbst bei Churchill habe ich da meine Zweifel. Dass Menschen seines charakterlichen und intellektuellen Kalibers (also anders als Hitler, Stalin oder Mao, die "gelassen über das Schicksal von Tausenden dahingrinsen"), die innerhalb von Stunden Entscheidungen von unglaublicher Tragweite treffen müssen und die Verantwortung für Leben oder Tod von Millionen Menschen tragen, ins Grübeln und in Selbstzweifel darüber kommen, ob sie ihrer Verantwortung gerecht werden, ihrer Aufgabe gewachsen sind, ob sie richtig oder falsch entschieden haben, scheint mir eher eine Banalität als eine Besonderheit zu sein und deutet jedenfalls für sich genommen nicht auf das Krankheitsbild der endogenen Depression - unabhängig davon, wie Churchill es selbst genannt hat.

Wenn bei dieser Sachlage der Autor Tatsachen oder Vorkommnisse detailliert behauptet, die sich mit Sicherheit nicht so abgespielt haben, und das ganze auch noch mit fiktiven Zeugnissen belegt, so ist das Geschichtsklitterung und eine Vergewaltigung der Personen, die zu charakterisieren er vorgibt. Der Autor hat eine These und knetet dann die historischen Figuren willkürlich und selbstgerecht nach seinem Gusto so um, bis seine These scheinbar bewiesen ist. Das ist intellektuell unredlich und zirkelschlüssig und bleibt es auch dann, wenn der Autor das Ganze einen Roman nennt. Was aber von der Erzählung bleibt, wenn man die Namen Churchill und Chaplin durch "Kirchhügel" und "Kaplan" ersetzt, ist uninteressanter Tratsch ohne jede Spannung und ohne jede Pointe.

Man kann auch literarisch hervorragende Geschichtsschreibung leisten, ohne die geschichtlichen Gestalten für seine eigenen Zwecke zu missbrauchen; Jacob Burckhardt, Golo Mann, Sebastian Haffner und Joachim Fest haben es vorgemacht, Theodor Mommsen sogar den Nobelpreis für Literatur bekommen.* Das setzt allerdings voraus, dass der Autor um seine Figuren und um die historische Wahrheit ringt und kämpft. Am grünen Tisch sich ein paar Anekdoten auszudenken, ihnen die Namen berühmter Persönlichkeiten zu geben und sie altklug mit ein paar Wikipedia-Trivia aufzuhübschen, ist ebenso billig wie Politikerwitze, die sich beliebig auf jeden Politiker anwenden lassen, den man nicht leiden kann.

*Was allerdings nicht bedeutet, dass dies in allen Fällen ein Qualitätsmerkmal war; im Gegenteil hat das Nobelpreiskomitee bei den meisten seiner Entscheidungen genauso tief ins Klo gegriffen wie die Buchpreis-Jury, die diesen und andere Romane auf ihre "Shortlist" gesetzt hat.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 7, 2016 6:01 PM CET


Schuld
Schuld
von Grit Poppe
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Danke, 15. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schuld (Broschiert)
Grit Poppe schildert ihren jungen Lesern die DDR, wie auch schon in ihren früher erschienenen Romanen, als das, was sie war: ein den Einzelnen und seine Menschenwürde verachtender Unrechtsstaat, der Tausende Spitzel, Denunzianten, Mauer-Mörder und Sadisten aller Art in Form von Lehrern, Stasi-Schergen, Jugendhof- und Gefängniswärtern hervorbrachte, ausbildete und bezahlte, um die, die sich ihm nicht beugen und auch keine Duckmäuser, Mitläufer und Opportunisten sein wollten, zu bevormunden, zu kujonieren, zu brechen oder zu liquidieren. Grit Poppe beschreibt das System und seine Verlogenheit, und welche Verwüstungen es in den Leben ihrer erfrischend sympathischen, aber keineswegs undifferenziert gezeichneten jugendlichen Protagonisten und -tinnen anrichtet und sie (fast) zerstört. Sie tut dies in geradlinigen Geschichten ohne überflüssige Ausschmückungen und Seitenhandlungen. Einzige kritische Anmerkung: dass der Roman mit "Schuld" betitelt wurde, hat mir weder inhaltlich noch formal eingeleuchtet, sondern nur ungute Assoziationen an die reißerischen Buchtitel skandinavischer Splatterromane geweckt. An der Qualität des Werkes ändert das aber nichts, und "Schuld" der Autorin ist es möglicherweise gar nicht, denn das letzte Wort über den Titel behalten sich die Verleger vor.

Grit Poppes Romane unterscheiden sich in ihrem klaren Standpunkt erfreulich von manch anderen die DDR nostalgisch verklärenden Romanen, z.B. dem, der bald nach "Schuld" erschienen und sogleich von Zeitungsschreibern und Preisjurys hochgejubelt worden ist: Seilers "Kruso", der mit verkrampft artifiziellen Figuren und selbstverliebtem Sprachgetänzel diesen Unrechtsstaat zu einer Art Phantasialand oder Märchen-Erlebnispark verkitscht, mit ein paar Vopo-Vogelscheuchen als Gruselbeigabe.

Grit Poppes Bücher richten sich an Jugendliche. Wie weit sie diese mit ihrer Art zu schreiben erreicht, das zu beurteilen bin ich nicht mehr Teenager genug. Aber ich würde mir und unserem Land wünschen, dass sie mit ihren Werken breite Schneisen in die erschreckende Unwissenheit unter den Nachgeborenen schlägt: über das System der DDR im Besonderen, über Diktaturen jeder Couleur im Allgemeinen, und die allzu selbstverständlich hingenommenen Segnungen von Rechtsstaat, Demokratie und Menschenwürde, wie sie sich in heutigen Wahlbeteiligungsquoten niederschlägt. Einen besseren Gefallen als Grit Poppe kann man unserem Land nicht tun - Danke!


Kruso: Roman
Kruso: Roman
von Lutz Seiler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

287 von 326 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einer der langweiligsten Romane, die ich je gelesen habe, 13. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Kruso: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach Delius' wunderbarem "Spaziergang von Rostock nach Syrakus" und Heins brauchbarem "Tangospieler" kommt jetzt ein neuer Roman in den Buchhandel, dessen Protagonisten DDR-Intellektuelle sind, die sich, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, an der Mecklenburgischen Ostseeküste in der Gastronomie verdingen. Leider ist dieses an Seiten stärkste und zugleich von der Kritik am meisten hochgejubelte Werk das allerschwächste, wenn man die drei gegeneinanderhält.

Edgar, ein Germanistikstudent, der, wie der Autor nicht müde wird zu betonen, Trakl-Gedichte auswendig kann (wow, welch eine Leistung!!), schmeißt im letzten DDR-Sommer, nachdem seine Freundin von einer Straßenbahn überfahren wurde, sein Studium und fährt aufs Geratewohl nach Hiddensee, wird dort "Esskaa", (=SK, Saisonkraft), und stellt fest, dass die Hiddenseer Esskaas, überwiegend ausgeflippte Typen, sich zu einer Art verschworener Gemeinschaft zusammengeschlossen haben, angeführt von dem Russen Kruso, um den der Autor ein mächtig geheimnisvolles Gewese macht. Bitte, das hätte für eine interessante Kurzgeschichte oder Erzählung gereicht, zu mehr nicht, aber Seiler reiht stattdessen mit unter ständigen Wiederholungen und ohne jeden Handlungs- und Spannungsbogen 500 Seiten lang Landschaftsschilderungen und larmoyante Rückblenden, selbstverliebte obskure und an den Haaren herbeigezogene Metaphern ("Die Tage sickerten ins Meer"), Kindheitserinnerungen an Klappfahrräder (Mifa, nicht Diamant) und altklug-überflüssige ("der expressionistische Dichter") Aussagen über Georg Trakl , Gespräche des Protagonisten mit sich selbst und mit einem Fuchs (den er "alter Racker" nennt und ihm schildert, wie er sich von einem Mädchen einen hat blasen lassen - hallo, geht's noch???), DDR-Schnurren und -Gruseligkeiten wie aus einem Fotoband über den real existierenden Sozialismus oder einem Trödelladen mit DDR-Devotionalien, pubertäre Rituale und Saufgelage und schwiemeligem Sex aneinander und dazu immer wieder seitenlange Beschreibungen, wie in der Küche des Betriebsferienheims Geschirr abgewaschen wird, zu einer geradezu unerträglich langweiligen und stumpfsinnigen Lektüre, die ich - wie bei manch anderem Roman - nur deshalb bis zur letzten Seite durchgehalten habe, weil ich gedacht habe, jetzt muss doch endlich mal etwas passieren. Zumal auf dem Buchumschlag "am Ende ein Kampf auf Leben und Tod" angekündigt wird. Was allerdings eine glatte Lüge ist, denn ein solcher passiert ebenso wenig sonst irgendwas Erwähnenswertes. Die Hauptfiguren des Romans entwickeln sich nicht, Ed ist auf S. 481 noch immer der gleiche Schlaffi und Dünnbrettbohrer wie auf Seite 1 und ebenso statisch und klischeehaft wie der klugscheißerische, übergriffige Kruso, einer jener unappetitlichen Typen, die jede Intimdistanzzone anderer Menschen ignorieren.

Zu erwähnen ist allerdings die entsetzliche Sauertöpfigkeit und vollständige Humorlosigkeit des Romans. Jegliche innere Distanz zu seinem Sujet geht dem Autor ab, wodurch er sich als - vielleicht nicht Bruder, aber zumindest Cousin von Honecker, Mielke & Co. erweist, deren Regime er doch zu kritisieren vorgibt. Bereits hierdurch ist jeder Vergleich dieses Buchs mit dem "Zauberberg", zu dem einige Rezensenten gegriffen haben, dumm, ärgerlich und eine unverschämte Verleumdung von Thomas Mann.

Billy Wilder soll einmal gesagt haben: "Es gibt drei wichtige Regeln beim Filmemachen: Du sollst nicht langweilen, du sollst nicht langweilen, und du sollst nicht langweilen!"

Für Romane, die von Kritikern und Preisjurys hochgelobt werden, gilt diese Regel anscheinend auch, nur ohne das Wörtchen "nicht".

Wie ein Fremdkörper oder Wurmfortsatz wirkt das am Schluss angehängte Kapitel über die an der dänischen Küste angeschwemmten Leichen von Menschen, die versucht haben, die DDR über die Ostsee zu verlassen - eine eigenständige Geschichte, die mit dem vorangegenangen Roman fast nichts zu tun hat. Auch bei dieser ist es dem Autor gelungen, ein eigentlich dankbares Thema so aufzubereiten, dass es sich so spannend liest wie der Text einer kommunalen Friedhofssatzung. Außerst peinlich berührt hat mich aber nicht nur das, sondern auch die Tatsache, dass der Autor den Hintergrund dieser Geschichte nicht einmal selbst recherchiert hat, sondern von jemand anderem hat recherchieren und z.T. Auch formulieren lassen, wie in der FAZ nachzulesen ist. Da frage ich mich natürlich, welche 'Heizer' des Suhrkamp Verlages ' wie sie Seiler in seiner Dankesrede zur Verleihung des Buchpreises erwähnte ' noch an diesem Werk mitgeheizt haben? Schreiben unsere Buchpreisträger ihre Bücher inzwischen nicht mal mehr selber? Hat Herr Seiler auch von Dritten recherchieren lassen, wie Fellatio geht, den Eindruck könnte man nämlich gewinnen, wenn man seine Beschreibungen desselben liest.

Und hier noch ein Wort zu der 'magischen Sprache', die natürlich in der Laudatio der Jury nicht fehlen durfte. Ich kann das langsam nicht mehr hören. Die größten Schriftsteller haben, um mit Schopenhauer zu sprechen, "gewöhnliche Worte gebraucht, um ungewöhnliche Dinge zu sagen". Z.B. Goethe in seinen beiden Gedichten "Wandrers Nachtlied" oder dem "König von Thule". Oder Kafka, wenn er schreibt: "Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." Beide, Goethe und Kafka hatten etwas zu sagen und haben es gesagt, mit einfachen, treffenden Worten. Was heutzutage als "sprachmächtig", "sprachgewaltig", "wunderbare Sprache" oder mit ähnlichen Attributen daherkommt und von den Preisjurys und den Kritikern hochschwadroniert wird, ist doch immer - und in besonderem Maß in diesem Werk - wieder dies: der Autor hat uns nichts zu sagen und kleidet dieses Nichts in einen Schwall gesuchter, scheinbar wohlklingender Phrasen und Metaphern. Das ist keine Schriftstellerei, sondern eitles Geschwätz, Kunsthandwerk und Kitsch.

Zu guter Letzt fällt mir auf, dass keiner der jubilierenden Feuilleton-Schreiber in dem priesterlich-elitären, anmaßenden Gestus des Kruso, dem orakelhaften Geraune und der esoterischen Naturmystik des Autors dessen Verwandtschaft mit dem Gedankengut der bündischen Jugend, des George-Kreises und ähnlichen geistigen Wegbereitern des Nationalsozialismus erkannt hat. Oder sind die im Zeitalter der Verbrüderung der Putin-Versteher von Udo Voigt über Gerhard Schröder bis Sarah Wagenknecht heute wieder Mainstream?
Kommentar Kommentare (48) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 11, 2016 10:18 AM CET


3000 Euro
3000 Euro
von Thomas Melle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

84 von 135 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die Schrottlist, 10. September 2014
Rezension bezieht sich auf: 3000 Euro (Gebundene Ausgabe)
Soso, dieses Buch hat es also auf die Long- und dann auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft (tolle Bezeichnung für einen deutschen Buchpreis übrigens - lange oder kurze Liste, engere und engste Wahl geht wohl nicht?). Herzlichen Glückwunsch! Hier ist noch eine Shortlist, mit den Themen der Romane, die auf solche Listen kommen:

1) Gefrustete Studienräte, Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt, oder ähnliche Langweiler kriegen die Krise. Sie fahren dann nach Portugal, Finnland oder Tristan da Cunha, wo es aber nicht besser wird.

2) Das kapitalistische Haifischbecken, wie es sich der kleine Max vorstellt, nachdem er dreizehn Semester Sanskrit an der Uni Gießen studiert und es dann geschmissen hat.

3) Die schaurig-schöne DDR bzw. Nazizeit bzw. junge Bundesrepublik als Familientratsch, mit ein paar nostalgischen Requisiten aufgepeppt.

4) Seelenwunde Frauen in ihrer zweiten Lebenshälfte trauern ihrer ersten Lebenshälfte und verpassten Gelegenheiten hinterher.

5) Der Autor legt historischen Gestalten seine eigenen Lebensweisheiten in den Mund, was die Gestalten noch historischer und die Weisheiten noch weiser macht.

6) Deutsche stiefeln in entlegenen Weltgegenden rum und entdecken dort angeblich sich selbst oder den Sinn des Lebens oder andere schlimme Sachen.

7) Totalversager, die in Neuköllner Hinterhöfen hausen, finden, dass die Deutsche Bank AG/die böse Gesellschaft/ihre Eltern, jedenfalls alle anderen, nur nicht sie sie selbst für ihr Elend verantwortlich sind.

Preisfrage: zu welcher Kategorie gehört "3000 Euro"?*

*Auflösung:

Ein gewisser Anton, abgebrochener Jurastudent und zudem wg/Suff-Fahrt seines Führer- nebst Taxischeins verlustig gegangen, hat sich bei der Deutschen Bank 3.000 Euro geliehen und auch sonst einen Haufen Schulden, die er nicht bezahlt, und ist (a) bass erstaunt und (b) hell empört, dass seine Gläubiger ihm Anwälte und Inkassobüros auf den Hals hetzen. Nun "bangt er der Privatinsolvenz entgegen". Aber wieso eigentlich? Die Privatinsolvenz ist doch ein bedingter Schuldenerlass, also eine Wohltat, die unser Rechtssystem einem Schuldner gewährt, um ihm einen Neuanfang ohne Schulden zu ermöglichen?? Wenn jemand somit Antons Privatinsolvenz entgegenbangen müsste, wäre es die Deutsche Bank, denn deren Geld ist dann auf Nimmerwiedersehen futsch. Aber Anton hat vielleicht sein Jurastudium ein Semester zu früh abgebrochen, um dies zu wissen. Stattdessen kommt er auf den genialen Gedanken, sich gegen die Deutsche Bank, die auf Rückzahlung der 3.000 Euro klagt, mit der Behauptung zu verteidigen, er wäre gaga. Er findet sogar einen Anwalt, der tatsächlich gaga genug ist, diese beknackteste aller beknackten Ausreden der Richterin aufzutischen, doch der Autor lässt (in einem verblüffenden Anfall von Realismus) letztere nicht darauf reinfallen. Allerdings echauffiert sich der Autor mächtig darüber, dass die Firma, bei welcher Denise (Protagonist #2, alleinerziehende, ihre kleine Tochter rumschubsende Mutter und im Hauptberuf Kassiererin in einem Billigdiscounter) sich zwecks Pornoaufnahmen nackig gemacht und deren Chef vor laufender Kamera einen geblasen hat, sich bezüglich Denisens Honorars als säumiger bzw. fauler Schuldner erweist. Ja, was denn nun? - fragt sich der geneigte Leser. Ist es gut, dass man seine Schulden nicht bezahlt oder ist es doof? Der Autor ist uns bei der Beantwortung dieser Frage keine Hilfe, er weiß es wohl selbst nicht so genau. Dafür lässt er uns im weiteren Verlauf der Geschichte (wir sahen es von Anfang an mit Grausen auf uns zukommen) des Geschlechtsverkehres der beiden peinlichen Unsympathen teilhaftig werden, die man im richtigen Leben nicht mit der Kneifzange anfassen würde, wenn es sie denn gäbe und man das Pech hätte, ihnen zu begegnen.

Wer nun denkt, diese Bettleroper habe der Autor in der Absicht ersonnen und zu Papier gebracht, unsere Lachmuskeln zu strapazieren, den muss ich enttäuschen. Der Suffkopp Anton und die Schlampe Denise sind zwar in der Tat Witzfiguren, wenn auch dilettantisch gezeichnete. Aber der Autor stellt uns diese beiden Pappnasen mit einer Humorfreiheit, Leichenbittermiene und gravitätischen Attitüde vor, die jeden Begräbnisunternehmer vor Neid erblassen ließe. Und ähnlich erblassen wir als Leser, wenn ein Autor ein juristisches Problem zu einem Kernthema eines auf sozialkritisch gepeppten Romans macht, aber nicht mal prophylaktisch einen Juristen (ein abgebrochener Jurastudent hätte bei dieser magersüchtigen Geschichte vielleicht auch schon gereicht) fragt, ob seine Kenntnisse des Rechtswesens zumindest entfernt etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben oder ob er mit seinen Behauptungen die Intelligenz jedes halbwegs geschäftsfähigen Lesers beleidigt. Sich mit solchen Petitessen abzugeben, fand der Autor offenbar - darin der Verlottertheit seiner Hauptfigur nicht unähnlich - gänzlich überflüssig (das Lektorat ebenso). Die Vermutung dürfte nicht ganz ferne liegen, dass er von Prolltussen wie Denise und von der Pornoindustrie einen ähnlich blassen Schimmer hat wie von Anwälten, Gerichten und Jurastudenten, über die er nichts als lächerlichste Vorurteile aufs Papier zu rotzen weiß. Fazit: dummdreister verlogener Prekariatskitsch vom Allerschlimmsten, einer der schlechtesten Romane, die ich je gelesen habe und einer, durch dessen Nominierung sich die Buchpreisjury bis auf die Knochen blamiert und bis in alle Ewgikeit disqualifiziert hat.
Kommentar Kommentare (30) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 4, 2014 2:15 PM CET


Timpetill - Die Stadt ohne Eltern: Roman
Timpetill - Die Stadt ohne Eltern: Roman
von Henry Winterfeld
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön, dass dieses Buch wieder aufgelegt wurde, 30. August 2014
nachdem es jahrelang nur für horrende Preise antiquarisch zu erstehen war (auch wenn das dazu geführt hat, dass die beiden noch in meinem Besitz befindlichen alten Ausgaben deutlich an Marktwert verloren haben...). Es ist ein moralisches, aber nicht moralinsaures und sehr spannendes Buch, das auf eine mal humorige, mal ernste Weise zeigt, wie das Gemeinwesen funktioniert und auch, wie es nicht funktioniert. Helden des Romans sind der Ich-Erzähler (12) und sein Freund Thomas (13), letzterer ist eigentlich der einzige wirklich Erwachsene in der Geschichte; die nach Lebensjahren Erwachsenen dagegen gebärden sich wie dumme Kinder.

Ich habe das Buch als Kind und Erwachsener immer wieder mit Vernügen ge- und meinen eigenen Kndern vorgelesen und es ist immer noch eins meiner Lieblingsbücher. Die Meinung eines Rezensenten hier, es würde zweifelhafte politische Ideen transportieren, teile ich überhaupt nicht.


Sonnenfinsternis: Roman
Sonnenfinsternis: Roman
von Arthur Koestler
  Broschiert
Preis: EUR 16,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jahrtausendroman, 25. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Sonnenfinsternis: Roman (Broschiert)
Schärfer und ätzender als in diesem Roman über die Stalin-Ära, fokussiert auf einige wenige Wochen, in denen der Protagonist in Stalins Folterkellern verhört wird, wurde selten die verbrecherische Logik fast aller Ideologien und -ismen auf den Punkt gebracht: in ihnen gilt der Einzelne und sein Leben nichts, der furchtbare, wahnhafte und keinem Zweifel zugängliche Glaube der Ideologen an ein von ihnen angeblich erkanntes Ziel der Geschichte aber alles. So zieht sich die nun über zweitausend Jahre lange Linie der Wahnideen über die eigene Unfehlbarkeit von Platon über den Evangelisten Johannes, über die Ketzerverbrennung durch die "heilige" Inquisition, über Hegel und Marx zu Stalins Gulags und bis heute, da die selbsternannten Vollstrecker des Weltgeistes im Islamo-Faschismus zugleich ihre teuflische Karikatur wie auch einen würdigen Nachfolger gefunden haben. Einer der besten Romane, die ich kenne, und in dem Jahrtausend, das auf sein Erscheinen folgt, leider kein bisschen veraltet.


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