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Rezensionen verfasst von
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Das 7. Haus -  Tod in den Algen
Das 7. Haus - Tod in den Algen
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die DINKs und das Teufelsweib, 22. August 2014
Frank Kramer, so nennt der Autor einen reichen Anwalt im besten Mannesalter von 56 Jahren und stattet ihn sogleich mit prachtvollen physischen und intellektuellen Qualitäten aus wie kraftvoll-männlichem Aussehen, Multilingualität, ungebrochener Potenz, besten finanziellen Ressourcen sowie einer entzückenden jungen Frau (früher - wie könnte es anders sein - Ärztin an der Charité). Mit ihr hat er sich aus Berlin (wo natürlich noch eine Stadtwohnung unterhalten wird) in ein komfortables Frührentierdasein zurückgezogen in die Bretagne, wo er, selbstverständlich wohlintegriert in die dortige Dorfgemeinschaft, gemeinsam mit den Einheimischen über Touristen, Zugereiste und dumme Neureiche spottet, während er das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet , indem er an die Letztgenannten seine von eigener Künstlerhand (welche er nach dem Rückzug aus der Anwaltstätigkeit an sich entdeckt hat) gestalteten Gemälde für teures Geld verkauft, während Frau Ulrike (wenn sich die beiden nicht gerade lustvoll im Bette wälzen) sich bretonischen Kochkünsten widmet, deren uns der Autor in Form von üppig in den Roman eingestreuten Kochrezepten teilhaftig werden lässt. Damit die beiden nun nicht vor Entzückung an ihrem Wohlsein und dem wechselseitigen Gebrauch ihrer Geschlechtsorgane zugrundegehen, bricht in ihre DINK- Idylle ein zweifach Ungemach ein: einmal in Form brutaler Morde (erfreulicherweise erwischt es zwei Unsympathen, auf dass die Behaglichkeit, die sich beim Lesen eingestellt hat, nicht allzusehr beeinträchtigt werde) und zum zweiten in Form einer auf Giftalgen spezialisierten Biologin, verglichen mit deren weiblichen Vorzügen Scarlett Johansson wie die bucklige Schwester der Kräuterhexe Adelheid wirkt. Sie umstrickt mit teuflischen Winkelzügen den armen Frank Kramer, was diesem, dem Autor und auch uns umfangreiche Blicke auf die braunschimmernde Haut ihrer kilometerlangen Beine, auf ihre zauberhaften Brüste und deren feste dunkle Nippel sowie den seidigen Glanz ihrer Schamhaare ermöglicht. Ob sie auch mit den Morden zu tun hat? Ob sie der Verfolgung durch die korrupte und unfähige franzöische Polizei entkommt? Ob die Ehe der wunderbaren Kramers dem Ränkewerk dieses Teufelsweibes standhalten wird? Nun, das herauszubekommen, überlassen wir demjenigen, der sich die dreihundertundzwanzig Seiten dieses Romanes antun will. Eine Bitte an den Autor (dessen Lebensgeschichte übrigens ähnlich große Schnittmengen mit seiner Hauptfigur aufweist wie das Anagramm seines Namens): an den nächsten Roman einen Lektor ranlassen, Komma- und Grammatikfehler sind in diesem leider so ubiquitär wie Meeresfrüchte in der Bretagne.


Die Mandantin
Die Mandantin
von Andreas Hoppert
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Um viele Ecken, 9. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Mandantin (Broschiert)
Neben der juristisch einwandfreien Aufarbeitung des Stoffes - was in deutschen Krimis keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist - gefiel mir zunächst die klare Erzählperspektive des Autors Andreas Hoppert: kein unlogischer allwissender Erzähler, der von Schauplatz zu Schauplatz hüpft und dem Leser willkürlich mal was steckt, mal was verschweigt, sondern die ganze Handlung wird - obwohl es keinen Ich-Erzähler gibt - aus dem Blickwinkel des Protagonisten, Marc Hagen geschildert, der nun - anders als noch in Zug um Zug) - seine Anwaltszulassung wieder hat und in Bielefeld eine Feld-, Wald- und Wiesenpraxis betreibt. Die - tatsächliche oder vermeintliche - Wahrheit entfaltet sich dem Leser nur stückweise soweit, wie auch Marc Hagen sie im Zuge der Arbeit für seine durchtriebene, psychopathische Mandantin aufdeckt. Diese, ein angebliches Vergewaltigungsopfer, vermag ihre weiblichen Reize höchst effizient einzusetzen und bringt (nicht nur) Marc Hagen sowie die Beziehung zu seiner Lebensgefährtin und deren Tochter an den Rand der Katstrophe. Das bleibt, auch wo die Handlung zunehmend komplizierter wird und um viele Ecken geht, lange Zeit spannend, irgendwann fand ich es dann allerdings fast ermüdend, zumal einige Handlungsfäden nicht zu Ende gesponnen werden und eine gruselige Volte im allerletzten Satz alles wieder in Frage stellt. Eine etwas weniger komplexe Handlung zu Gunsten von etwas mehr charakterlichem Feintuning hätte dem Roman nach meinem Geschmack nicht geschadet. Dennoch ein unterhaltsames Lesevergnügen.


Zug um Zug
Zug um Zug
von Andreas Hoppert
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schach dem Staatsanwalt, 5. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zug um Zug (Broschiert)
Zug um Zug - der Titel ist ebenso ein Begriff aus der Rechtssprache wie er einen auch gleich ans Schachspiel erinnert. Und wie das Schachspiel lässt sich auch das Gerichtsverfahren als eine Schlacht mit engen, streng definierten Regeln denken. Mit Regeln, die einer physischen Schlacht ähneln, aber eben nur ähneln. Im Gericht wie auch im Schachspiel gibt es manchmal Möglichkeiten, ein Remis zu erzwingen, obwohl man dem Gegner bereits hoffnungslos unterlegen ist. Durch ein Patt, beispielsweise, oder durch ein Dauerschach. Und einem Schachspiel nachempfunden ist der Aufbau dieses Romans mit Vorbereitung, Eröffnung, Mittel- und Endspiel, die - für Nicht-Schachspieler - durch Zitate aus Meyers Schachlexikon erläutert werden.

Zum Inhalt: Ein Finanzberater, zugleich Schachgroßmeister ist des Mordes angeklagt. Er lässt sich von dem Gespann der versoffenen Anwältin Irene von Kleist und von Marc Hagen verteidigen. Letzterer war auch einmal Anwalt, hat aber seine Zulassung wegen eines Versicherungsbetruges verloren und ist nun bei Frau von Kleist als "Bürovorsteher" untergekommen. Ok, auch Schachfiguren haben ja etwas Holzschnittartiges...

Mehr von der Handlung will ich hier nicht verraten. Aber, dass ich, selbst Anwalt, den Roman heute mittag von Amazon bekommen und bis heute abend durchgelesen habe. Es ist ein Gerichtsthriller im klassischen Sinn: Die Geschehnisse werden den Beteiligten - und damit dem Leser - dadurch bekannt, dass sie sich in den "Spielzügen" von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, den Aussagen von Zeugen und Angeklagtem im Gerichtssaal und Verteidigergespräch widerspiegeln. Diese Ökonomie der Darstellung und die juristische Zuverlässigkeit der Beschreibungen (der Autor ist selbst Richter) machen die Lektüre der eigentlich hanebüchenen Geschichte zu einem spannenden Lesegenuss. Zugegeben, fürs Leben lernt man nicht viel mehr beim Lesen dieses Thrillers als vom Nachspielen und Analysieren einer Großmeisterpartie. Aber es macht mindestens genauso viel Spaß.


Knast
Knast
von Joe Bausch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schauspieler und Knastarzt, 28. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Knast (Gebundene Ausgabe)
Schauspieler und Arzt scheint - siehe auch Frau Furtwängler - keine so seltene Doppelbegabung zu sein: etwas Brimborium gehört eben auch zum Arztberuf dazu, von mancher Chefarzt-Visite am Krankenbett mit einem Tross Assistenten im Schlepptau könnte der eine oder andere Regisseur durchaus noch etwas lernen.

Umgekehrt scheint auch der Knastarzt Bausch vom Schauspieler Bausch zu profitieren: sofort durchschaut er die Tricks, mit denen die Knackis ihm den Kranken vorspielen oder ihn sonstwie hinters Licht führen wollen. Und wie der Schauspieler auf der Bühne hat der einsitzende Verurteilte mindestens zwei Gesichter: das der Rolle und das des Menschen, die sie spielt. Bausch sieht beide: Er stilisiert keinesfalls den Verbrecher zum bemitleidenswerten Opfer der Verhältnisse, aber er zeigt eben auch, dass ein menschlicher - und damit aufwändiger - Strafvollzug die Kriminalität nicht fördert, sondern sie reduziert.

Insgesamt liest sich dieses Buch ganz flott, hinterlässt aber doch einen zwiespätigen Nachgeschmack. Zum einen, weil der Verfasser - ähnlich wie auch Ferdinand von Schirach in seinen Erzählungen - die tatsächlichen Vorgänge wegen seiner Schweigepflicht nur in sehr verfremdeter Form schildern darf und damit die Authentizität verloren geht. Zum anderen, weil ihm manche Typologisierungen doch ziemlich plakativ und boulevardblatthaft geraten. Auch einige Details aus seiner Lebensgeschichte, die er einblendet, kommen recht ichbezogen und selbstdarstellerisch rüber. Da geht dann wieder der Schauspieler mit ihm durch.

Eine deutlich differenziertere Analyse des Knastwesens habe ich in dem hervorragenden Buch Ritual Knast: Die Niederlage des Gefängnisses: Eine Bestandsaufnahme gefunden; auch die Schilderungen von Kachelmann in Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz über seinen Aufenthalt in der U-Haft erschienen mir lebensnäher als die von Herrn Bausch. Und ein Thema erwähnt er überhaupt nicht: dass in deutschen Gefängnissen auch immer einige Unschuldige sitzen. Die Fälle Kachelmann, Wörz und Arnold lassen grüßen.


Der Liebeswunsch: Roman
Der Liebeswunsch: Roman
von Dieter Wellershoff
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bürgerliches Trauerspiel, 15. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Liebeswunsch: Roman (Taschenbuch)
Ein fast geometrisch angeordnetes Melodram um vier Menschen, bei denen trotz bürgerlich-saturierter Verhältnisse "Glück auf Glück im Zeitenstrudel scheitert". Die Figuren erscheinen manchmal etwas zu holzschnittartig, andererseits gelingt es Wellershoff dadurch, das Exemplarische der bürgerlichen Tragödie aus ihnen herauszuarbeiten: kaum hat der Mensch sich von bitterer Not befreit, lauert schon die nächste Plage, die Langeweile (Schopenhauer). Eine interessante psychologische Studie, wenn auch mit pessimistischem Nachgeschmack.


Im Überschwang: Aus meinem Leben
Im Überschwang: Aus meinem Leben
von Hannelore Elsner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sterbenslangweilig, 2. Februar 2014
Mir ging es bei der Lektüre dieses Buches wie Felix Krull bei seinem Besuch in der Garderobe des Schauspielers Müller-Rosé: Nichts gegen die Schauspielerin Hannelore Elsner - aber was wird besser, wenn ich auch noch weiß, dass sie die Schule geschwänzt oder sich von einer Freundin unter der Dusche hat zeigen lassen, wie sie sich mit dem Wasserstrahl selbst befriedigen kann. Das Buch ist leider nichts als eine sterbenslangweilige Aufzählung platter Anekdoten, Kindheitsanekdoten zunächst, die dann übergehen in endlosen Tratsch über ihre diversen Männer (irgendwann habe ich aufgehört zu zählen), telefonbuchartige Aufzählungen von Regisseurs- und Produzentennamen der westdeutschen Filmschickeria, Elsners Theater- und Filmengagements, jedoch ebenso oberflächlich und flüchtig, unreflektiert, ohne jeden Tiefgang, ohne Pointe, ohne Sprachwitz, ohne Humor, ohne dass der Leser etwas allgemeingültiges Neues erfährt, ohne einen einzigen eigenständigen, originellen oder intelligenten Gedanken der Autorin. Klatsch auf Klatschpresse-Niveau, ein vollkommen überflüssiges Buch, die Lektüre: vergeudete Zeit. Wer sich weiter an den darstellerischen Leistungen eines Schauspielers erfeuen will, sollte ihn vielleicht besser nicht in der Garderobe aufsuchen...


Sei dennoch unverzagt: Gespräche mit meinen Großeltern Christa und Gerhard Wolf
Sei dennoch unverzagt: Gespräche mit meinen Großeltern Christa und Gerhard Wolf
von Jana Simon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unverzagt?, 29. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Barockdichter Paul Fleming, der das Sonett mit dem Titel "An sich" und den Anfangszeilen "Sei dennoch unverzagt. Gib dennoch unverloren..." verfasste, soll Christa Wolfs Lieblingsdichter gewesen sein. Das Gedicht ist vom dreißigjährigen Kriegs geprägt, und der Dichter spricht sich selbst zu, dessen Grauen und Fährnissen stoisch zu begegnen:"Nimm Dein Verhängnis an" ... "eracht' es als kein Leid/hat sich gleich wider Dich Glück, Ort und Zeit verschworen".

Gegen Christa Wolf hatten sich nicht "Glück, Ort und Zeit verschworen". Sie mag mit den SED-Oberen aneinandergeraten sein, mit unterträglichen Betonköpfen unter ihren Schriftstellerkollegen wie Hermann Kant, sie mag bespitzelt worden sein, aber sie hatte immer noch die Freiheiten, jederzeit über die Grenze des Staates zu fahren, der andere Bürger abknallte, wenn sie es versuchten.

Das Gedicht ist schön, aber wenn Christa Wolf geglaubt haben mag, eine Leidensgefährtin Paul Flemings zu sein, so erachte ich das angesichts dessen, was sie in den langsam dahinplätschernden, über weite Strecken übrigens banalen und langweiligen Dialogen dieses Buches über ihr langsam dahinplätscherndes, über weite Strecken übrigens banales und langweiliges Leben ihrer Enkelin erzählt, als eine krasse Lebenslüge. Wenn nicht Schlimmeres.


Von Karl May zu Helmut Newton. Spurensuche in Berlin
Von Karl May zu Helmut Newton. Spurensuche in Berlin
von Carl-Peter Steinmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

5.0 von 5 Sternen Anschaulich, amüsant, informativ, 29. Januar 2014
Von einer Führung des Autors durch das kürzlich geschlossene Hotel Bogota - dem Haus Schlüterstraße 45 ist ein ganzes Kapitel gewidmet - hat mir meine Frau ein von ihm signiertes Exemplar mitgebracht. Gruppiert jeweils um einzelne Personen, Gemälde, Gebäude, schlägt der Autor darin eine Vielzahl von Kapiteln der Berliner Stadtgeschichte auf. Das ist sehr anschaulich, immer informativ und amüsant - bzw., wenn es um die schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte geht, wie sie sich in Berlin spiegelt, da ist es erschütternd. Erstaunlich, was der Autor alles recherchiert und ausgegraben hat. Schön wäre es gewesen, wenn es noch ein Register gegeben hätte, um die Fülle der von ihm zusammengetragenen Informationen zu erschließen. Jedenfalls werde ich mich mit Sicherheit im Sommer auch einmal einer seiner Stadtführungen anschließen.


Goethe -  Kunstwerk des Lebens: Biografie
Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie
von Rüdiger Safranski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 27,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Neuinszenierung, 18. Januar 2014
Schon wieder eine Goethe-Biografie? Nach den hunderten, die es schon gibt?

Andererseits: "Iphigenie" wird ja auch immer neu inszeniert, selbst wenn jedes einzelne Wort hundertmal gesprochen, hundertmal von Germanisten umgedreht wurde. Und gerade wer den Faust auswendig kennt, dürfte sich jedesmal von Neuem interessieren, wenn er wieder auf die Bühne gebracht wird und wie.

So spricht nichts gegen Neuinszenierungen von Goethes Leben. Wie Safranski herausarbeitet, hielt Goethe von den Philosophen nicht viel und von der Religion noch weniger, umso mehr aber vom Leben. Seines hat an Buntheit fast alle seiner Werke (in denen sich Großartiges ebenso wie ziemlich Missratenes findet) übertroffen. Und jedes Zeitalter, jeder gescheite Biograph gewinnt ihm etwas Neues, etwas Eigenes ab: "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen". Goethe hat vieles gebracht, und daher auch vielen etwas, vor allem sich selbst, und Safranski legt eine spannende Neuinszenierung davon auf die Bretter.

Und einen lustigen Druckfehler gibt es auch, auf S. 419: "Die Kraniche des Abakus". Oder hat sich da jemand einen Scherz erlaubt?


Tabu: Roman
Tabu: Roman
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Anwälte und andere Unsympathen, 31. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tabu: Roman (Gebundene Ausgabe)
(***Vorsicht Spoiler***) Diese Story aus wie mit Pressluft aufs Papier gehämmerten Stakkatosätzen ist zwar sinnfrei, aber immerhin schnell erzählt: ein Typ, dessen Vater sich aus nicht näher erläuterten Gründen entleibt und dessen Mutter sodann einen Unsympathen (a) heiratet, wird, so soll es wohl suggeriert werden, aus eben diesen Gründen selber ein Unsympath (b) mit autistischen Zügen, der pornografische Edelfotos und damit ordentlich Geld macht. Das füllt die erste Hälfte des Buches. Nun abrupter Szenen- und Perspektivwechsel: wir sehen einen unsympathischen Anwalt (c), der die Verteidigung eines Mordverdächtigen übernehmen soll, um dessen Identität der Autor zwar eine Weile ein ziemliche Gewese macht, was sich allerdings als äußerst überflüssig herausstellt, da wir durchaus ahnen, dass es sich um diejenige des Unsympathen (b) handelt. Und Potz Blitz - er ist es tatsächlich. Er soll eine Frau ermordet haben, deren Leiche allerdings unauffindbar ist. Ein auch nicht gerade sympathischer Polizist (d) hat dem Unsympathen (b) nun Folter angedroht, woraufhin der den Mord gestanden hat, den er - wir ahnen es ebenfalls - aber gar nicht begangen hat. Im Gerichtssaal klärt uns der Autor mit schulmeisterlich erhobenem Zeigefinger in einem Dialog zwischen den Unsympathen (c) und (d) darüber auf, was er von der Folter hält: erfreulicherweise nichts (auch das ahnten wir allerdings schon). Jetzt stellt sich heraus, dass es weder Mord noch Opfer gab und dies auch popelleicht nachzuweisen gewesen wäre, wenn der Unsympath (b) es dem Unsympath (c) nur gesagt hätte. Das hat er aber nicht und darum ein paar Monate im Knast gesessen. Warum? Angeblich, um nachzuweisen, dass Wahrheit und Wirklichkeit unterschiedliche Dinge sind. Hä???? Kann mir jemand von den 5-Sterne-Rezensenten das mal erklären?

Und vielleicht bei der Gelegenheit gleich noch mit, wieso der Autor, wo er doch Folter doof findet, uns mit einer dermaßen albernen Geschichte foltert?


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