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Rezensionen verfasst von
Andreas S. "AS" (München)

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Wird angeboten von Music-Special-Sale
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen abgefeimt, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: 1 (Audio CD)
~
Nein, auch diesmal werde ich nicht schlau aus dem Kerl. Ist der vertonte Dadaismus Zeugnis genialer pilosophischer Gedanken oder ist es eine geniale Täuschung über bloße Banalität?
Seis drum, irgendwie liegt die Wahrheit vermutlich dazwischen und irgendwie ist Gabi Delgado auch genial.
Soweit zum Text.

Die Stimme ist so einzigartig wir unnachahmlich, sie mag etwas polarisieren, aber wer sie mag, wird jede Silbe innerlich feiern.
Soweit zu dem was kein Gesang ist.

Musikalisch ist der Mann, als einer der Pioniere elektronischer Musik in Deutschland, im Grunde schon über alle Zweifel erhaben. Entstanden oder gesprossen aus der wohl essentiellen Keimzelle deutscher Elektroklänge, dem Studio von Conny Plank, stellte die Formation DAF einen ganz wesentlichen Markstein für die spätere Entwicklung dar. Besonders hervorzuheben wäre neben den bekannten großen Plank-Projekten an dieser Stelle vielleicht noch Chrislo Haas, der DAF vor den großen Erfolgen verließ und mit Liaisons Dangereuses ebenfalls zu einem echten Urgestein der deutschen Elektrobewegung wurde.

Trotz vielem Hin und Her, bei DAF ist seit den fetten Jahren, abgesehen vom kurzen Aufrappeln in 2003 mit ordentlichen, aber eher wenig beachteten 15 neuen Stücken, nicht viel entscheidendes passiert. Umso überraschender ist es nun, wie mühelos Gabi ohne "Brother from a different mother" Robert hier und jetzt an alte Tugenden anknüpft.
Es war noch nie leicht musikalisch das Damals in das Heute zu übertragen. Das liegt ja noch nicht mal an der Pause, die viele Musiker einlegen, um es dann altersweise noch einmal mehr schlecht als recht zu probieren. Auch ohne Pause wie zum Beispiel bei Yello zu beobachten, um in der elektronischen Welt zu bleiben, ist es offenbar nicht leicht, über die Jahre den Anschluss an den Zeitgeist zu behalten. Dort vielleicht systemimmanent, weil Yello genaugenommen noch nie ganz in der Zeit lag. Früher der Zeit voraus und jetzt nicht richtig überholt, aber doch irgendwie nicht mehr so ganz im Strom. Ob das überhaupt nötig ist, wäre die andere Frage. Kraftwerk stellen sie ja nicht und ruhen sich auf den Lorbeeren aus bzw. machen endlosen Ausverkauf.

Aber Respekt, Gabi Delgado ist das mit seinem aktuellem Album ziemlich gut gelungen. Ob es ihm in die Karten spielt, dass auch die Jungen die alten Sounds mit mehr oder weniger Geschick allerorts aufgreifen und sich unsere Ohren wieder mehr an diese Sounds gewöhnt haben als noch vor zehn Jahren, das sei mal dahingestellt. Denn es ist gerade bei den erfolgreichen "jungen" Zitierern in der Regel mit einem Vergleich zwischen alt und neu leicht zu hören, dass es nur mit Kopieren der alten Sounds noch lange nicht getan ist. Die guten Stücke schaffen diesen Spagat nur indem sie geschickt zitieren und mit aktuellem kombinieren.

Selbst wenn die DAF Stücke von damals auch heute noch nicht wie aus der Zeit gefallen klingen, hat Delgado hier gekonnt modernisiert. Mehr Dynamik, fettere Sounds und vielleicht auch etwas mutigere Beats. Insgesamt einfach doch etwas frischer Wind, der Zeit und den Hörgewohnheiten angepasst. Wie der das gemacht hat, ohne, dass es sich so einfach erklären ließe, ist so ein Gabi Geheimnis. Die Genialität von DAF bestand ja schon damals in der Einfachheit. Nichts zuviel aber auch nichts zuwenig. - Damals hätte man auch selbst darauf kommen können, auf diese Texte und diese Sounds. Kam man aber nicht, sondern nur Gabi und Robert. Genauso lässt sich vermutlich auch das aktuelle Rezept von Delgado nicht ergründen. Ist einfach gelungen. Scheibe laufenlassen, schmunzeln und genießen

Die Scheibe wird allen gefallen, die damals DAF schon gut fanden und nicht in der Zeit verhaftet blieben. Sie wird auch sonstigen Freunden elektronischer Musik gefallen. "Nebelmaschine" dürfte ja ohnehin schon aus dem einen oder anderen Club bekannt sein.
Lediglich ist Gabi hier etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Scheibe ist rund doppelt so lang wie die damaligen und das wirkt sich gegen Ende etwas auf das Überraschungsmoment aus. Will heißen, etwas weniger wäre mehr gewesen, aber wer will sich darüber beschweren.


Aelita
Aelita
Preis: EUR 6,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Konzept-Fingerübung, 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Aelita (Audio CD)
~
Wenn es einen Preis für das hässlichste Plattencover gäbe, er wäre Mando Diao sicher. Man muss schon sehr selbstbewusst sein, die Arme hinter dem Kopf verschränkend, so einen designhandwerklichen Kahlschlag abzuliefern.
Aber das nur am Rande, denn jeder kann das Bild hier sehen und sich selbst eine Meinung bilden und wer kauft schon Platten nach dem Cover oder besser gesagt, wer kauft schon Platten nach dem Cover nicht, wenn die Musik gut ist.

Also zur Musik. Mando Diao haben sich stetig verbessert und mit "Give Me Fire" zuletzt ein Jahrzentalbum herausgebracht. Fast jedes Stück war eine Singleauskopplung wert und da waren wirklich Songs, mit einem Wahnsinnsdrive, Mördermelodien, Hooklines die nie mehr aus dem Kopf gehen und Wiedererkennungswerte, die schon beim ersten Hören das Gefühl erzeugten, sie schon ewig zu kennen. Kannte man aber nicht, sondern war einfach so gut und so zeitlos, dass es kaum zu glauben war.
Dann MTV unplugged. Der Aufstieg in die erste Liga der zeitgenössischen Populärmusik und als Ergebnis ein großartiges Konzertvideo.
Anschließend muss man sich als Musiker nach so einer Phase doch erst mal schütteln, sich entspannen und was anderes machen, das ist klar. Bei Björn Dixgård und Gustaf Norén bedeutet das ein neues musikalisches Projekt zu gründen, bzw. nebenbei ein bestehendes stockholmer Musikkollektiv zu vereinnahmen. Auch Caligola mit zwei Alben im Halbjahresabstand trug eindeutig die Handschrift von Mando Diao, wenngleich der musikalische, klangliche Begleitrahmen moderner und popiger daherkam.
Dann ein eher poetisches ruhiges Album. Die Vertonung von 10 Gedichten eines schwedischen Dichters in Landessprache wurde hierzulande erwartungsgemäß nicht so wahrgenommen.

Und jetzt also ein Konzeptalbum rund um einen alten analogen sowjetischen Synthesizer oder ein Synthesizeralbum rund um das Konzept alter analoger sowjetischer Synthesizer. Nur welches Konzept? Das Konzept, das entsteht, wenn zwei Musikverliebte ein neues Klangspielzeug bekommen? Das ist kein Konzept. Das ergibt vielleicht eine inspirierende Jamsession. Aber nicht zwingend ein aufnahmereifes Album. Und genau so klingt das Album eben auch.

Perfekt produziert. Das haben die Jungs inzwischen drauf. Aber uninspiriert. Da haben sich zwei in ihrer eigenen Begeisterung verloren, sei es im Spielen mit dem neuen Gerät oder in der fixen Idee unbedingt mal etwas ganz anderes zu machen.
Nun, ganz anders ist das Album ja keineswegs. Die altbekannten Harmonien sind noch da. Wieder unverkennbar Mando Diao. Was fehlt sind indes echte Ideen und eben der Wahnsinnsdrive, die Mördermelodien, Hooklines und Wiedererkennungswerte. Das was hier geboten ist war alles schon mal da und zwar besser. Synthiemusik gab es in den 80ern zu genüge. Die Songs von damals sind Unikate, sind unvergesslich und bestenfalls in Sounddynamik heutiger Technik unterlegen. Und die Songs hinter dem neuen (alten) Synthiekleid waren auch schon einmal da, nämlich von Mando Diao. Allerdings besser. Eben mit mehr Drive, besseren Melodien und musikalisch passender umgesetzt, denn hier fehlen irgendwie die Gitarren und ein treibendes Schlagzeug. Das war bei Caligola schon so, das ist jetzt, da die auch noch die abwechslungsreicheren Stile des Kollektivs fehlen, umso schmerzlicher.

Um es noch einmal deutlich zu machen. Das ist keine schlechte Musik. Im Gegenteil. Das ist eine ziemlich gut gemachte Synthieplatte. Aber eben nicht mehr.
Selbstverliebt waren Mando Diao schon immer. Dafür sind sie sogar bekannt. Solange die Selbstverliebtheit nicht aus der Musik direkt zum Hörer spricht sondern nur die Band selbstverliebt ist, weil ihr musikalisch Dinge gelingen, die nur wenigen gelingen, dann ist das schon in Ordnung oder sogar eine Notwendigkeit. Aber dieses Album klingt mit jedem Takt verdammt selbstverlieb, durch und durch. Endlose (wenn auch an sich schöne) Synthieharmonien auf epische Maße ausgedehnt. 6 Songs dauern über 5 Minuten, 4 davon über 6 Minuten und "If I Don't Have You" bringt es gar auf 7:45 langatmige Minuten, die den Spaß an den davor gehörten ganz netten Songs einschließlich der flotten Single endgültig madig machen. In über 7 Minuten haben die richtig guten ganze Rockopern erzählt. Queen, Bowie, Led Zeppelin, Genesis, Pink Floyd. Die Reihe ließe sich lange fortsetzen. Aber die hatten eben was zu erzählen. Inhaltlich wie musikalisch. Mando Diao lassen die Gitarren weg und stattdessen nur den Aelita erzählen. Etwas Keyboards mit Rhythmus, dazu ein bisschen Gesang, sie modelieren die Klänge etwas hoch und runter und klatschen sich während der Synthie läuft und läuft ein high five nach dem anderen.
Das anschließend auf Platte zu pressen und so zu tun als hätte man das Rad ... pardon, den Synthesizer neu er-/gefunden, das ist nicht nur arrogant, das ist selbstherrlich. Aber dazu passt wiederum das Cover. Dieses Cover lustig zu finden ist so selbstverliebt wie die Musik innendrin.

Jungs bleibt bei Euren Leisten und das ist knackige mitreißende oder auch schmachtvolle Rockmusik. Und vergesst auch nicht Euch um die Songs und Melodien zu kümmern. Nehmt Euch Zeit, wenn es sein muss, ein guter Song darf ruhig etwas abgehangen sein. Überlasst es den verträumten Nerds, mit den dünnen Stimmen und schrägen Ideen die Syntiesounds der 80er zu zitieren und zu variieren. Das habt Ihr nicht nötig. Eure kräftigen, rauhen und schmissigen Stimmen verlangen nach entsprechenden Geräten. Es gibt notfalls Synthies die können auch anders, aber offenbar nicht der Aelita.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 9, 2014 8:29 PM MEST


Gravel & Wine
Gravel & Wine
Preis: EUR 5,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verzaubernd, 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Gravel & Wine (Audio CD)
~
Gin Wigmore ist eine Wucht. Aber nicht so eine Wucht, die ihre Hörer mit ihrer Stimme schier wegschmettert oder sich effektheischend in den Vordergrund knödelt. Nein die liebe Vir-gin-ia reißt einen einfach mit, sie überrascht in jedem Song aufs neue und rührt zugleich.
Aber eins nach dem anderen. Überraschend ist allein das perfekte Klanggewand mit dem sie sich umgibt. Es klingt nach alten Soul- und Swingzeiten, aber auch völlig modern. Nun vielleicht klingt es auch modern, weil sich die Retrowelle insbesondere bei den Damen inzwischen fast etabliert hat. Aber Frau Wigmore ist anders. Sie strotzt vor Energie, wie kaum eine andere Sängerin. Dazu hat sie eine grandiose Band mit der sie sich gegenseitig die Bälle zuwerfen kann und am Ende ist kaum mehr zu sagen, wer hier eigentlich wen antreibt oder mitreißt.

Die Stimme der Neuseeländerin, die muss man allerdings mögen. Freilich, auch wenn sie wirklich klasse singt, kann ihre fast kindliche Stimmlage schon polarisieren, aber wer nicht beim ersten Ton davonrennt, der wird den Charme, den sie mit ihrer Stimme ausstrahlt, die schier unbändige Kraft und die gute Laune, die sie damit transportiert sowie die herzallerlieben Nuancen in ihrer Prasierung, nicht mehr vergessen können. Allein die Erinnerung an bestimmte Stellen lässt mich jedes Mal lächeln und die gute Laune sofort wieder aufleben, die die Songs beim Hören versprühen. Kindlich ist ihre Stimme allerdings nur in der Tonlage, die Wucht und Inbrunst, die wächst dagegen regelrecht über die zierliche Person hinaus. Wie gesagt, man muss sie mögen.
Spätestens wenn sie zum zweiten mal
"And your love is my poison
I'm drinking it down
And I'll drink it all down again"
singt, treibt es mir beim Wort "Poison" und seinem ausklingenden Tremolo die Tränen der Rührung und Begeisterung in die Augen. Herrlich.

Vergleiche mit anderen aktuellen Sängerinnen drängen sich wie schon angedeutet in Scharen auf. Da sie im zweiten Moment jedoch alle hinken und ob heilvoll oder nicht: Seit ich die Stimme zum ersten mal hörte, geht mir das Bild nicht aus dem Kopf, Gin Wigmore könnte die Enkelin von Wanda Jackson sein.

Schon das erste Album "Holy Smoke" ist ein klasse Stück Musik und lässt bereits mehr erahnen, aber "Gravel & Wine " ist schlicht ein Knaller, eine Wundertüte, ein Mitreißer. Man will sich bewegen, schreien, lachen, freuen, immer wieder und wieder.

Eines kann jedoch nicht verheimlicht werden und trübt die Begeisterung ein wenig. Die Scheibe ist fürchterlich gemastert. Jede Dynamik ist herauskomprimiert. Lautheitskrieg par exellance. - Diese Platte möchte man aufdrehen, laut hören und feiern. Leider nicht möglich, dann wird es unerträglich schrill.
Bei fast jedem Album hätte es hier Punktabzug gegebeben, aber die enthaltene Musik, die eingefangene Ausstrahlung und gute Laune kann nicht einmal diese schreckliche Abmischung verhunzen.

Wer die Chance hat die liebe Gin einmal live zu erleben, der sei abschließend noch gewarnt, denn alles oben nur vorsichtig angedeutete, verstärkt sich dramatisch, denn die leibhaftige Gin ist eine absolute Granate. (Die im Internet zu findenen Videos geben übrigens eine gute Vorahnung). Eine herzallerliebe Wucht. Wer sie sieht ist ihr verfallen oder ein Stein. Ach was, diese Frau verzaubert sogar Steine.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 25, 2014 5:05 PM MEST


Red Beans and Weiss [Vinyl LP] [Vinyl LP]
Red Beans and Weiss [Vinyl LP] [Vinyl LP]
Preis: EUR 23,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rumpelstilzchen, 16. Mai 2014
~
Der hierzulande nahezu unbekannte Meister liefert wieder eine herrliche gutgelaunte Sammlung an Skurrilitäten und Kostbarkeiten ab. Geschichten um Chuck E. Weiss gibt es viele und er selbst hat ein kleines Faible dafür, sie immer wieder anders zu erzählen, aber gesichert ist wohl, dass einst Lightnin' Hopkins den jungen Teenager und passionierten Schlagzeuger in Denver in dessen heimatlicher Stamm-Bluesbar entdeckte und in seine Begleitband aufnahm. So lernte er nach und nach die gesammelte Prominenz des Blues, kennen und wurde mit ihnen Bestandteil der Geschichte.

Selbst als Künstler bekannt wurde er jedoch erst 1981 mit seinem ersten Album "The Other Side Of Town", in das es sich übrigens auch mal reinzuhören lohnt, auf dem ein gewisser Mac Rebennack, auch bekannt als Dr. John, Klavier spielt als ginge es um sein Leben und eine Frau Jones mit ihm im Duett singt. Dieselbe Rickie Lee Jones die ihm in ihrem Debutalbum zwei Jahre zuvor schon einen Song widmete.
Bis zu seinem zweiten Album sollte es 18 Jahre dauern, doch seit dem erscheinen in regelmäßiger Unregelmäßigkeit die musikalischen Kleinode des Herrn Weiss, die sich spielerisch im Feld zwischen Blues, Zydeco, Rock'n'Roll, Folk und Jazz bewegen.
Seiner Musik ist diese Gelassenheit anzumerken, die nur Ergebnis einer solchen langen Karriere sein kann und es ist auch die Gelassenheit eines Künstlers, der immer dabei war, aber nie im Mittelpunkt stand. Weiss ist witzig ohne albern zu werden, eben weil er entspannt ist und Spaß an der Musik hat. Beweisen muss er nichts, aber sein Nähkästchen, das gibt was her. Seit dem 1999er Album produziert ihn sein Freund Tom Waits und das hört man auch. Wer hier wen beeinflusst, ist kaum noch zu ermitteln, aber das spielt auch keine Rolle, da es wahrlich für keinen von beiden eine Schande ist, sich vom anderen beeinflussen zu lassen. Co Produzent ist heute wie auch schon '99 kein geringerer als Herr Depp. Ja genau, der! Welchen Einfluss das auf die Musik hat, mag jeder für sich selbst herausfinden. Tatsache ist, dass der Jonny ein Musikliebhaber ist und als solcher hat er nicht ganz unrecht, wenn er dieses Album als nicht nur Chucks bestes und reifstes Album bezeichnet, sondern auch als das wichtigste Album des Jahres überhaupt.

Nun, ein sehr gutes ist es allemal. Und eines das über jede Menge Stallgeruch, dieser amüsanten, bunten Mischung aus Blues, Boogie und vielen anderen Urstilrichtungen der amerikanischen Musik eine frische Brise versprüht. Doch auch wenn die Songs aus dem breiten Spektrum des Albums heraus auch mal leicht in poppigere Gefilde hineinragen, heißt das nicht, dass das nicht immer noch sehr zünftig klingt und es an allen Ecken und Enden rumpelt. Aber es ist stets ein gefälliges Rumpeln, schließlich hat der Chuck mit seiner derb kernigen Stimme schon länger nichts mehr zu beweisen als der Tom. Ein hübsch urwüchsiges Album und sein Künstler, die unbedingt entdeckt werden wollen.

Die zwölfzollige Ausgabe ist von den Eckdaten her ein Knüller. Zwei 45er Scheiben in einem schicken Klappcover und dazu noch eine bequeme CD. Alles klingt sehr ordentlich. - Leider sind meine beiden Scheiben sehr wellig und jeweils die B-Seite außer Zentrum gepresst. Mal sehen ob der Umtausch Besserung bringt (wird ergänzt).
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 20, 2014 12:46 PM MEST


Diplomat Spacetec Pen Pocket, schwarz
Diplomat Spacetec Pen Pocket, schwarz
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Preis: EUR 15,62

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auch der Nachbau schießt scharf ..., 3. März 2014
~
..., wenn nicht noch schärfer.
Bis vor kurzem kannte ich diese Version des idealen Hosentaschenschreibwerkzeugs nicht und auch nicht die Tatsache, dass die deutsche Firma Diplomat dieses großartige Ding, offenbar nach dem Original Patent, offiziell nachbaut.

Das Original, das hier aufgrund der starken Ähnlichkeit nicht ignoriert werden kann, den Fisher Space Pen Modell Bullet (http://www.amazon.de/Fisher-Space-bullet-matt-schwarz/dp/B000WGD13U/ref=pd_sim_office_7?ie=UTF8&refRID=0Z1K39YWM18Y4WD15WQV), den trage ich seit Jahren in der Hosentasche und erkenne die Unterschiede zwischen den beiden Geräten daher blind.

Aber eins nach dem anderen. Warum überhaupt ist ein Nachbau interessant, wenn das Original nach wie vor erhältlich ist?
Zudem erzählt dieser originale Stift grandiose Geschichten. Die von dem Astronautenkuli, der im Weltraum erprobt wurde und nicht nur dort, also im Vakuum, sondern auch auf der Erde über Kopf, und unter Wasser schreibt, die ist schon von Haus aus eine Steilvorlage für jeden echten Mann. Dass das Ding dann auch noch Bullet heißt, eben so wie es aussieht, tut sein Übriges.
Warum also das Lager wechseln?

Nun da wäre erst mal der Preis. Der Fisher kostet rund das doppelte. Das ist schon mal eine Marke.
Außerdem handelt es sich gewissermaßen immer noch um das Original, wenn Diplomat das Fisher-Patent verwendet. Zugegeben schon schwächer das Argument. Aber dann kommt nochmal ein ganz anderer Aspekt ins Spiel, der Diplomat ist nämlich ein Deutscher oder zumindest ein Europäer. Die rohen Messinghülsen bezieht die Firma aus Italien, Gewindeherstellung sowie Oberflächenbearbeitung (Lackieren, Verchromen) und Montage erfolgt in Deutschland. Die Minen werden ebenfalls in Deutschland gefertigt.
Und schließlich gibt es auch noch haptische Erwägungen. Die Modelle unterscheiden sich geringfügig. Bei Fisher sind die matt schwarz lackierten glatt und die verchromten dort wo die Finger greifen gerillt.
Da für mich die verchromten nicht in Frage kommen, einerseits hat ein echtes Werkzeug nicht zu glitzern und gegebenenfalls Lichtreflexe zu erzeugen und andererseits sind die in der Hand rutschiger, da hilft auch die Riffelung nicht. Der schwarze Fisher liegt auch ohne Riffelung sehr gut in der Hand und ist aufgrund der Mattlackierung von vorneherein sehr griffig.
Bei Diplomat hat allerdings auch der schwarze eine Riffelung und ist vorne ganz ein wenig dicker als der Fisher, was gut in der Hand liegt. Spontan lässt sich der Diplomat so mit weniger Kraft greifen, was entspannender ist. Das lässt sich allerdings nur im direkten Vergleich feststellen, denn zuvor war ich jahrelang mit dem Fisher bestens zufrieden.

Darüberhinaus wären noch ein paar Kleinigkeiten zu unterscheiden, teilweise schon leicht zu erkennen, wenn man die Stifte nebeneinander legt. Allein die Längenverhältnisse des zusammengesteckten Schreibers unterscheiden sich. Der Fisher ist insgesamt minimal schlanker.
Die Spitze, die die Mine fasst, ist anders gearbeitet. Die Beschichtung/Lackierung ist anders.
Über Dauerhaftigkeit der Beschichtung kann ich beim Diplomat noch nicht viel sagen, aber das Messing kommt an den Kanten irgendwann ebenso wie beim Fisher durch. Kunststück, der Stift ist permanent mit den Schlüsseln in der Tasche und bei jedem Schreibvorgang wird die Kappe abgezogen, aufgesteckt, abgesteckt und wieder draufgeschoben. Das scheuert irgendwann die Kanten blank. Diese Patina ist aber erarbeitet und meiner Meinung nach sieht es gut aus, wenn mit der Zeit etwas Messing durchscheint.
Die Kappe sitzt beim Original etwas länger fest. Beim Diplomat wird die Kappe beim Abziehen nach kürzerem Weg locker. Dafür sitzt die Kappe hinten zum Schreiben aufgrund der ebenfalls leicht kräftigeren Schaftform etwas satter. Die beim Fisher rutscht zwar nicht, aber lässt sich aber minimal bewegen, wenn man will. Ob sich dadurch mit den Jahren der Rand ausweitet, kann ich nach vier fünf Jahren noch nicht (spürbar) bestätigen. Das sind in der Praxis aber alles kein Probleme nur individuelle Geschmacksmomente.

Ein klarer Nachteil beim Diplomat ist jedoch die Zähigkeit der Tinte. Die Mine schreibt sich wesentlich schwergängiger als die Fisher Minen. Insbesondere, wenn man nach längerer Zeit mal wieder den Fisher schreibt, dann entgleiten einem die Buchstaben schon fast. Das Schriftbild der Diplomatmine ist m.E. dafür etwas exakter als bei Fisher, der eher mal etwas zuviel Tinte rauslässt.
Ich habe mir kürzlich nach zwei Wochen intensivem Schreiben mit dem Diplomat durch das starke Aufdrücken für einen dickeren Strich sogar Schmerzen im Zeigefinger zugezogen, die drei, vier Wochen brauchten um wieder zu verschwinden. Erst dachte ich an eine Sportverletzung, bis ich wieder was Schreiben wollte, da kam ich dann drauf, dass das am Stift lag. - Allerdings lässt sich der Diplomat auch mit der Fisher Mine nachladen.

Daher ist der Stift von Diplomat in meinen Augen großartig, er erzählt nicht die unschlagbare Bombenstory, ist aber preisleistungsmäßig unschlagbar.

Als "immer am Mann"-Werkzeug ist zumindest einer der beiden Stifte unverzichtbar. Für gelegentliche kurze Notizen ist auch die Diplomatmine in Ordnung und sogar sauberer im Schriftbild. Wer auf die Details achtet und nicht auf das Geld, der sollte die beiden miteinander vergleichen und die Hand entscheiden lassen, denn man kauft ja erst mal einen und hat den schließlich immer dabei. - Es sei denn, man kauft für jede Hose einen, geht auch, insbesondere kann der Stift ja beim Waschen drin bleiben.


Taffe Mädels
Taffe Mädels
DVD ~ Sandra Bullock
Preis: EUR 5,97

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen heiße Sache, 29. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Taffe Mädels (DVD)
~
Kann ein Film, der mit einem Song der Isley Brothers und einem Vorspann im Stile der 70er Jahre Krimis und Krimikomödien beginnt, schlecht sein?

Die Frage, wie auch der Film an sich, wird polarisieren. Die einen, die froh sind, die 70er weit hinter sich gelassen zu haben, schalten schon bei eben diesem Vorspann wieder ab. Die anderen, die den Charme dieser Zeit und ihrer eigenen Ästhetik lieben, sind köstlich eingestimmt, auf eine lockere Krimikomödie im besten Sinne.
Wann nochmal sind Komödien gut? - Richtig, dann wenn sie locker und ungezwungen wirken. Das ist die große Kunst der Komödie, die so wenige beherrschen.
Paul Feig („Brautalarm“) beherrscht sie, diese Kunst, und wie. Selten vergehen knapp zwei Stunden so schnell, ohne ein Nachdenken über Plausibilitäten, komische Bewegungsabläufe und unnötige oder gar unfreiwillige Albernheiten.

Nun ist dieser Film zwar wahnsinnig albern, aber eben gekonnt. Das muss man schon mögen, hier wieder die Polarisierung, aber wer es gerne etwas überzeichnet, etwas anarchisch, jedoch ohne maßloses Überdrehtsein mag, der wird hier bestens bedient. Freilich ist das ein schmaler Grad, aber so wird der Film entweder ziemlich gar nicht oder ziemlich gut gefallen.

Die Story ist einerseits angenehm unbedeutend, so dass keine an den Haaren herbeigezogenen Wendungen den Spaß trüben können, andererseits bietet sie dem Getriebe der beiden werdenden "Kumpel" genügend Schmiere. Im Vordergrund stehen also die beiden (freilich) extremen Charaktere, die von den Hauptdarstellerinnen Melissa McCarthy („Brautalarm“) und dem was von Sandra Bullock nach Straffungsoperationen noch übrig geblieben ist, köstlich verkörpert werden. Bullock spielt das von niemand gemochte, überkorrekte, überehrgeizige, (ausschließlich) karrierescharfe Mauerblümchen, McCarthy den von niemand gemochten, unflätigen, sich im Klein-Klein verlierenden und aus asozialen Verhältnissen stammenden, aber im Herzen guten Trampel.
Die Gemeinsamkeit ist offensichtlich, die eine wird nicht mal von ihrer Familie gemocht, die andere hat noch nicht mal eine eigene Katze, geschweige denn eine Familie, welche sie mögen könnte. Natürlich hassen sich die beiden vom ersten Moment an und wie es ausgeht ist da auch schon klar. - Ein Buddy Movie im besten Sinne.

Was den Film besonders stark macht sind die Dialoge. Sie nehmen einem nicht nur die Wörter aus dem Mund, die man sich in anderen Filmen oft schmerzlich verkneifen muss, weil die Darsteller einfach partout immer das Gegenteil von dem sagen, was man selbst gern gesagt hätte, sondern diese Dialoge können darüberhinaus auch hartgesottene Vielseher noch überraschen.
Und was den Film noch stärker macht ist das Timing - das A und O einer Komödie - und das passt so dermaßen gut, dass der Film schon um ist, bevor auffällt, daß hier keine verpatzten Pointen, gespielt wirkende Bewegungen oder aufgesetzte Slapstickeinlagen vorkommen.
Umso mehr fällt es beim Betrachten der sich quantitativ im üblichen Rahmen bewegenden Zusatzausstattung auf, dass Paul Feig ein Perfektionist sein muss und der Dreh wohl teilweise richtig in Arbeit ausartete, bis ihm die letzte Nuance gefiel. Selten war die Sammlung missglückter Szenen so wenig komisch. Hier zeigt sich, dass Leichtigkeit und Timing das Ergebnis von Können und Exaktheit sind und dass Feig das richtige Händchen für die Zusammenführung der vielen nötigen Mosaiksteinchen hatte.

Das einzige was vielleicht die Stimmung ein bisschen trüben kann, ist es mit ansehen zu müssen, dass Sandra Bullock nicht mehr aussieht wie Sandra Bullock. Da möchte man dem Operateur oder Schönheitsberater im Gegenzug am liebsten seine Visage einmal rundherumziehen. Sandra Bullock sieht nurmehr aus wie eine stilisierte Sandra Bullock Mangazeichnung. Für die Komödie selbst ist es nicht so tragisch, da der versteifte, regungslose Gesichtsausdruck zur "Taffe Mädels" Rolle passt, bei der trotz aller Frotzeleien natürlich keine Mine verzogen werden darf.

Was den deutschen Verleih dazu getrieben hat, den Originaltitel "The Heat" fernab jedes Bezugs in einen C-Movie-Ramsch-Titel zu verwandeln, ist unbegreiflich. Selbst wenn zuzugeben ist, dass der deutsche Titel dem Sinn nach zu den Hauptrollen passt, weiß man das erst hinterher und muss sich in der Videothek bei der Auswahl doch erst mal einen Schubs geben. - Dafür ist die positive Überraschung wiederum umso größer ...

An dieser Stelle ist allerdings noch anzumerken, dass die deutsche Synchronfassung außergewöhnlich gelungen daherkommt. Weder nerven unnötige Eindeutschungen und noch hilflose amerikanische Durchreichungen. Hier hatte der Synchronregisseur ein ähnlich gefühlvolles Händchen wie der Regisseur des Films.

Der Film bietet ein ordentliches Bündel guter Laune und stellt im Segment der leichteren Komödie ein echtes Juwel dar.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 1, 2014 6:11 PM CET


Santa's Funk & Soul Christmas Party Vol.2
Santa's Funk & Soul Christmas Party Vol.2
Preis: EUR 19,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für den heiligabendlichen Kurzentschluss, 24. Dezember 2013
~
Ist nicht so langsam ein jeder auf der Suche nach Alternativen zum ewiggleichen Weihnachtswühltisch in den Tonträgerabteilungen? Auch die scheinbar ambitionierten Produktionen erweitern den Horizont in der Regel nicht, wenn sie doch nur das gleiche Liedgut nochmal ein wenig anders abnudeln. Nils Landgren gehört diesbezüglich langsam schon zum festen Inventar, in diesem Jahr reicht er seine Dritte für den Gabentisch ein oder Mary J. Blige mit Mary's Wortspiel Christmas, machen mit ihren zwar wahnsinnig guten Produktionen in der Sache jedoch auch nichts besser. Alter Wein in neuen Schläuchen.

Deutlich andere Wege geht das oberbayerische Tramp Label. Nun bescheren sie ihre zweite Weihnachts-Zuammenstellung. Label-Chef Tobi Kirmayer teilt den Gram bezüglich der allseitigen Advents-Beschallung und hat sich mit Jan Kohlmeyer ein paar andere Songs zusammengesucht. Funk, Soul und Gospel, teils vergriffenes Vinyl aus den 50er bis 70er Jahren und einige Songs erscheinen hier erstmals auf CD. Das ist eine rundum gelungene Mischung, nicht nur für Raritätensammler. Jingle Bells war offenbar auch hier nicht vermeidbar, aber in zweieinhalb Versionen, die wirklich weit ab vom Wühltisch swingen.

Und - die Scheibe lässt sich im Grunde sogar über das ganze Jahr hören, zumindest, wenn man auf die Texte nicht allzu genau achtet. - Meine persönliche Entdeckung auf der Scheibe (und ab jetzt auf der Vinylstöberliste): The Salem Travelers
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 27, 2013 4:48 PM CET


Hubcap Music [Vinyl LP]
Hubcap Music [Vinyl LP]
Preis: EUR 12,97

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schrottvergolder, 14. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Hubcap Music [Vinyl LP] (Vinyl)
~
Da ist er wieder, der Mann, der aus Schrott Musik macht, der in Personalunion in der Lage ist ZZ Top das Fürchten zu lehren und der eigentlich völlig außer Konkurrenz spielt.
Der Mann, der mal mit nichts anfing und davon noch das meiste übrig hat, wie er dann auch sein drittes Album nannte (I Started Out With Nothin And Still Got Most Of It Left).
Dieses Nichts ist allerdings ausgesprochen ursprüngliche, wilde, rohe, unangepasste, minimalistische, großartige und mitreißende Bluesmusik. Nicht mehr und nicht weniger. Kein Zeitgenosse spielt oder verkörpert heute Blues so direkt, schwungvoll und gleichzeitig so zeitgemäß. Völlig unverständlich daher, dass er nicht längst den ollen Clapton als zeitgenössisches Synonym für den Blues abgelöst hat.

Der heute 71 jährige Seasick Steve, der sich so nannte, weil er eben seekrank wird, hat eine veritable Story mit allen Klischees zu erzählen. Zerbrochenes Elternhaus, das frühe Ausreißen als Teenager, um nicht in Verlegenheit zu kommen, den misshandelnden Stiefvater zu erschießen und anschließendes Leben auf der Straße. Da er kein Blatt vor den Mund nimmt, macht dies auch seine Liveauftritte zu einem echten Erlebnis. Seit den 60ern als Sessionmusiker recht umtriebig, später auch als Produzent, brachte er es aber erst ab 2001 zu eigenen Produktionen. Seit dem wurden seine Alben stets besser, musikalischer oder klanglich stimmiger, ausgereifter.

Nun zwischenzeitlich zu später Bekanntheit geraten, pflegt er das Image des Hobo mit einer Konsequenz die seinesgleichen sucht. Seine Gitarren, wenn sie denn den Gitarren sind, scheinen eher zu zerfallen, als dass sie noch brauchbare Töne hergäben, geschweige denn seiner ruppigen Spielweise standhalten könnten. Zuletzt hatte er dieses "Piece of S***" wie er es nannte, diese rote E-Gitarre mit nur drei Saiten, die ihm ein Freund mitbrachte, zu einem Instrument verwandelt. Nicht etwa indem er es herrichtete, nein lieber schrieb er seine Songs drumherum. Und mit diesem Schrott klingt sein Sound voller, brachialer, als bei ZZ-Top eine Gibson-Custom-Vollausstattung.
Gegen Steve wirkt selbst einer wie Jack White mit seinen Vintage Gitarren wie ein noch experimentierender Schulbub. Trotzdem ist dieser sich nicht zu schade, ihm die Steilvorlage für sein nächstes Projekt zu schenken. Für Jacks Radkappe suchte Steve sich noch eine Rückseite und allerlei anderes Schrottmaterial und fertig war nicht nur sein neues Instrument, sondern auch das Motto der neuen Scheibe.

Und bei diesem Album klingt er auch musikalisch noch einmal vielseitiger und reifer. Vor zwei Jahren präsentierte er mit "You Can't Teach An Old Dog New Tricks", ein Album, das sehr gut und homogen klang, aber nicht seine interessantesten Songs beinhaltete. Hubcap Music bietet beides. Vorneweg "Down On The Farm", dessen kraftvolles Riff und erst recht dessen Groove ZZ-Top wahrlich in die zweite Reihe schickt. Aber auch die soul balladigen "Purple Shadows" im Duett mit Elizabeth Cook und "Coast Is Clear" haben es in sich und zeigen eine ganz neue Seite des musikalischen Handwerkers. Eben jener Jack White gibt sich beim etwas psychedelischen "The Way I Do" als Leadgitarrist die Ehre und "Home" schlägt gar die Richtung Coutry ein.
Neben Steve dürfte auch Dan Magnusson, der kongeniale Schlagzeuger (auch live) an seiner Seite, für den unbändigen Groove und die Schippe mehr verantwortlich sein.

Die LP (inkl. Downloadcode) kommt im Einfachcover und mit allen Texten bedruckter Innenhülle, ist sehr sauber gearbeitet, schwer und klingt erfreulich gut. Das unbetitelte 12. Stück bietet somit das vermutlich bestgehörte Traktorgeräusch der Musikgeschichte. Und das ist Programm.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 25, 2013 4:14 PM MEST


The Unbelievable Guitar & Voice Of Jerry Reed
The Unbelievable Guitar & Voice Of Jerry Reed
Preis: EUR 21,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen musifizierte Lässigkeit, 19. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
~
Über die Bedeutung des Wortes "lässig", lässt es sich lange philosophieren oder gar debattieren. Zugegeben, alles bei nem geistreichen Getränk hier oder da schon selbst erlebt, seis drum. Ein endgültiges Ergebnis war nie zu verzeichnen gewesen oder vielleicht auch irgendwie wieder vergessen worden.
Nach dem ersten Durchlauf dieser CD ist das alles Schnee von gestern. So klar vor Augen, förmlich zum Anfassen, mitten im Raum steht sie, die Lässigkeit, ganz durchsichtig, völlig plastisch. Warum nur konnte man da nicht früher einfach so draufkommen?

Wenn einer etwas unheimlich gut beherrscht - vermutlich mit einer gehörigen Portion Talent, aber auch wahnsinnig viel Übung -, dass es scheint, als wäre es völlig mühelos, ganz einfach und selbstverständlich. Wenn er dann noch keinerlei Aufhebens darum macht und es einfach tut oder vorführt, so als wärs nix, aber es ist großartig und - jetzt wird es nochmal wichtig - wenn die die das vorgeführt bekommen, einfach genießen können und sich freuen, ohne, dass sie überlegen müssen, wie das jetzt auf den Könner wirkt, ob er jetzt verschüchtert wird oder etwa arrogant, dann ... ist das lässig.
Wenn einer dabei überhaupt nicht lächeln muss, dann ist das sogar cool. Bogart zum Beispiel ist cool oder Prince.
Wenn einer dabei aber sogar noch lächeln kann, dann ist das einfach lässig.

Der Jerry Reed, der ist so einer, der spielt Gitarre, dass einem davon schwindelig wird, wenn man genau darauf achtet, aber man muss gar nicht so genau darauf achten, die spielt sich nämlich überhaupt nicht in den Vordergrund. Im Gegenteil, er singt ja auch dazu. Allerdings ist auch der Gesang so lässig. Warm, markant, hell, kräftig im Bariton oder auch dann und wann mal schnell bis in den Bass hinein. Nie aufdringlich und immer klingt es so beiläufig, nicht, dass es ihm egal wäre, ganz und gar nicht, aber er muss nichts beweisen oder aufführen. Er singt einfach, was er sich ausgedacht hat. Schlicht und ergreifend.

Ach, um noch was klarzustellen. Schwere Countryfans werden hier entgegen des Jerry Reed vorauseilenden Ruchs nicht froh. Das ist einfach Musik, mit Gitarre, Gesang und etwas Begleitband. Auch kein Folk, kein Schlager, kein Blues, kein Rock'n'Roll. Selbst wenn Jerrys Musik von allem etwas in sich trägt, das ist eine eigene Klasse.

Diese liebevolle CD-Ausgabe von 2012 enthält seine ersten beiden Studioalben in einer ausgezeichneten neuen Abmischung. Ursprünglich produziert '67 und '68 von seinem Mentor und Fan Chet Atkins.
Apropos, die Rolle die Chet bei Jerry spielt, lässt sich vielleicht so zusammenfassen: Erst hat er ihm noch ein paar Tricks gezeigt und nach einer Weile hat er kaum mehr glauben mögen, was der liebe Jerry daraus macht. Jedenfalls sind sie lange Freunde gewesen und haben drei Jahre später auch noch zwei herrliche Sologitarrenscheiben aufgenommen, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Hülle ist ein Gatefoldcover (Innenbild siehe oben) in Pappe. Sehr hübsch. Enthalten ist ferner ein schönes Heftlein mit allerlei Infos und vor allem Abbildungen der Album-Cover mit Rückseiten im vollen (CD-) Format.

Das erste Album ist einfach nur ein Knaller. Alles bisher gesagte konzentriert sich hier in den Rillen. Jerry spielt unglaublich flott, gemütlich, spanisch, klassisch und auch unauffällig - und er singt ... aber das war ja schon gesagt.
Das zweite Album ist etwas anders. Auf der ersten Seite (Stücke 13-18) sind die Songs immer wieder mal mit einem dezentem Orchester unterlegt. Das macht die Produktion deutlich weicher. Das erinnert ein bisschen an eine reduziertere Dean Martin Produktion oder Scott Walker. Auch sehr hübsch, aber nie zu kitschig. Auf der B-Seite, da ist er dann aber wieder ganz der alte von der ersten Scheibe.

Jerry Reed Hubbard ist der "Guitar Man". Und das nicht nur, weil er dieses grandiose Lied schrieb, sang und anschließend Elvis dabei auf der Gitarre begleitete.
Und er ist verdaaammt lässig. Viel lässiger als Elvis. Oder will jemand behaupten, es wäre nicht lässig, wenn Elvis' verzweifelter Aufnahmeingenieur anruft und bittet, die Gitarre zu übernehmen, weil Elvis' Studiogitarristen es nicht genauso hinkriegen wie Jerry, Elvis es aber genauso haben will.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2013 6:08 PM MEST


Best Of Jerry Reed
Best Of Jerry Reed
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 24,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen lässige Gitarrenvirtuosität, 18. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Best Of Jerry Reed (Audio CD)
~
"Guitar Man" ist ein ziemlich lässiges und gleichzeitig schwungvolles Lied von Elvis Presley. Dass er das nicht selbst geschrieben hat, dürfte kaum überraschen. Weniger bekannt ist aber vielleicht, dass Elvis im September '67 den erst ein paar Monate lang bekannten Song von Jerry Reed genau so aufnehmen wollte, wie er bei diesem klang. Als die Studiogitarristen das nicht hinbekamen, musste Reed ran und nahm mit Elvis gleich noch zwei weitere Songs auf ("U.S. Male" ebenfalls aus seiner Feder und "Big Boss Man").

Der "Guitar Man", der hierzulande wohl als Schauspieler durch seine Rolle in "Ein ausgekochtes Schlitzohr" (Smokey and the Bandit) an der Seite von Burt Reynolds besser bekannte Jerry Reed Hubbard, glänzt aber nicht nur durch sein einzigartiges, flinkes Gitarrenzupfen. Auch seine natürlich kernige Stimme, die eben nicht kitschig, sondern einfach nur markant und je nach Stimmung auch etwas rauh klingt, hebt ihn angenehm aus dem typischen Countygejodel hervor. Seine großartigen Songs bewegen sich stilistisch in einem weiten Spektrum und wechseln von folkigen Balladen, über jazzige Töne, bluesige Strukturen, bis hin zu fast funkigem Country. Das etwas albern anmutende "When You're Hot, You're Hot" darf als einer seiner größten Erfolge auf diesem frühen Querschnitt seiner Top Nummern natürlich ebensowenig fehlen, wie das progressive "Amos Moses", die einzige Covernummer "Georgia On My Mind" - obligatorisch für den aus Atlanta stammenden Künstler - oder die legendäre Instumentalnummer "The Claw". Letztere dürfte bitteren Anteil daran haben, dass die Pfandleiher ungewöhnlich viele Gitarren zu verkaufen bekamen, nachdem der Griff der "Klaue" schnell viele packte, sie das Gitarrespielen doch bald wieder frustriert aufgaben. The Claw oder überhaupt Reeds Technik ist eben nicht unbedingt das, was dem Gitarrenanfänger ans Herz gelegt werden sollte.

Diese Songsammlung, die er 1971 gemeinsam mit seinem langjährigen Mentor und Bewunderer Chet Atkins produzierte, unterstreicht seine Vielseitigkeit in besonderem Maße. Baujahrbedingt fehlen zwar spätere Hits, jedoch sind diese 11 Songs eine echte Marke. Es dürfte kaum Künstler geben, die auf einem Album ebenso unterschiedliche Hits vereinigen können, dabei aber trotzdem einen so einheitlichen Ton haben. Vielleicht klingt die Zusammenstellung daher auch eher wie ein Album. Nicht zuletzt dürfte ein entscheidendes Bindeglied auch eine gewisse Ironie sein, die Reeds Wirken stets begleitete, bis hin zu seinen späten Werken. - Ironie brauchte man wohl auch um bei den Schlitzohrfilmen mitzumachen ...

Ein Mann, der auf dem Coverfoto so dermaßen lässig rüberkommt, der kann schon gar keine schlechte Musik machen. Angenehm locker dargebotene Virtuosität auf der Gitarre, eine markante sympathische Stimme und 11 köstliche Songs:

A1 - Guitar Man (Jerry Hubbard)
A2 - Georgia On My Mind (H. Carmichael, S. Gorrell)
A3 - A Thing Called Love (Jerry Hubbard)
A4 - Tupelo Mississippi Flash (Jerry Hubbard)
A5 - Amos Moses (Jerry Hubbard)
A6 - Today Is Mine (Jerry Hubbard)
B1 - Georgia Sunshine (Arranged by – John Ragsdale, Written by – Jerry Hubbard)
B2 - The Claw (Instrumental) (Jerry Reed)
B3 - When You're Hot, You're Hot (Jerry R. Hubbard)
B4 - Ko-Ko Joe (Jerry Reed Hubbard)
B5 - U.S. Male (Jerry Reed)

Soweit in verschiedenen Foren ersichtlich dürften auf der CD die gleichen Songs zu finden sein, wie auf der mir vorliegenden LP von '72. Der Kauf lohnt sich fast schon allein wegen der großartigen Version von "Georgia On My Mind", die auf den meisten jüngeren Zusammenstellungen nicht zu finden ist.
- Vorsicht: Die hier verknüpft angebotene Vinyl-Version ist eine gänzlich andere Zusammenstellung. -
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2013 2:38 PM MEST


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