Profil für Andreas S. > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Andreas S.
Top-Rezensenten Rang: 2.017
Hilfreiche Bewertungen: 1590

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Andreas S. "AS" (München)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-19
pixel
Signs & Signifiers [Vinyl LP]
Signs & Signifiers [Vinyl LP]
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 21,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ha! - Dringende Anzeichen einer Referenz, 24. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Signs & Signifiers [Vinyl LP] (Vinyl)
~
Leute es gibt einen neuen Musikstil aus Australien: Rock 'n' Roll!
JD McPherson haut da eine Schwarte hin, dass es eine helle Freude ist. Gitarren die klingen, als wären sie schon 70 Jahre alt. Können sie aber nicht sein, so drahtig und gepfeffert wie sie hier gespielt werden, würden solche Antiquitäten keine Minute überleben. Schlagrhythmen die jeden Moment davonzugaloppieren drohen, Bläser die mit dem Kontrabass um die Wette donnern, dass es einem bei all dem Wirbel fast schwindelig wird, mit geschlossenen Augen übrigens erst recht.
Aber das alles ist noch gar nichts gegen die aufpeitschende Stimme vom JD. Die hat sich erst was gewaschen. So einen Schmiss habe ich selten - ach was - noch nie gehört.
Dabei ist jeder Song den diese Scheibe ausstößt anders, und doch überträgt sich jedes Mal wieder diese unvergleichliche wahnsinnige Energie, der sich zu entziehen unmöglich ist. Also Vorsicht! Leute mit Herzschrittmacher sollten Abstand nehmen und Träger zu langer, nicht mit Pomade beschwerter Haare sollten in Deckung gehen, bevor diese unwiederbringlich elektrostatischen Schaden nehmen.
Alle anderen können ihre körpereigene Motorik getrost für 34:43 Minuten vergessen. Wenn die Scheibe läuft machen sich nach kürzester Zeit sämtliche nicht festgebundenen Körperteile selbständig. - Einerseits ein Glück, dass der Spuk nach relativ kurzer Zeit vorbei ist, das bietet Gelegenheit zum Durchatmen und Gliedmaße Lockern. Musikalisch wird trotz der Kürze andererseits keiner was vermissen. Die Musik ist einfach schneller als andere und genaugenommen in gleicher Zeit viel musikalischer und reichhaltiger. Aber - und hier warne ich jetzt schon ausdrücklich vor - es wird keine Minute vergehen, während die letzten Noten noch elektrisierend im Raum herumschwirren und ein paar Eintagsfliegen den Garaus machen, da hat irgend ein Finger wieder auf Start gedrückt!

Gerade kommt ein Kollege vorbei und behauptet steif und fest, dass es Rock 'n' Roll seit den fünfziger Jahren gibt.

Kann nicht sein. Glaub ich dem nicht. Das hier ist ganz neue Musik. Auch wenn das schon irgendwie klingt, als hätte der JD seit vielen vielen Jahren nichts anderes gemacht, so gekonnt, cool und selbstsicher wie er das mit seinen Mannen da raushaut. Aber so frisch und aktuell und unverbraucht wie das klingt, das ist was ganz eigenes, neues, das kann vor dem JD noch keiner gemacht haben.
Frei nach Mc Pherson: Deutliche Anzeichen eines neuen Maßstabs.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 2, 2013 1:02 PM MEST


Lightnin
Lightnin
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erleuchtend, 24. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lightnin (Audio CD)
~
Für einen jungen Jugendlichen, der sich in den Endsiebzigern bis in die frühen Achtziger hinein musikalisch orientieren musste, stellte das Wort Blues in zweierlei Hinsicht eher ein Schimpfwort dar:
Entweder schrie einer auf einer Weiße-Sportsocken-Party lautstark "Blues" und legte eine möglichst langsame Schmusenummer auf, um sich die frühreife Klassensprecherin zu schnappen und die nächsten drei Minuten möglichst eng an sich ranzudrücken. Das war dann für alle herumstehenden hochnotpeinlich, weil man ganz plötzlich ohne das sonst übliche dreistündige Grübeln darüber, wie man die hübsche Schüchterne aus der Nachbarklasse ansprechen konnte, schnell und völlig überstürzt hätte handeln müssen. Nach diesen gut drei Minuten legte nämlich auch garantiert ein anderer seine lieblings Hardrocknummer auf, um möglichst kontrastreich und unter Demonstration seiner besonders harten maskulinen Musikvorlieben, sogleich im Einzelschütteltanz seine Hemmungen in der Ansprache des weiblichen Geschlechts zu überspielen. Der Zugzwang dieser stets unheimlich kurzen drei Minuten führte dann unter nervösen Chancen abwägenden Blicken in der Regel nicht zum Handeln, sondern eher zu einer "discontinuation du courage totale". Ja, französiche Tugenden beschränkten sich damals ausschließlich auf die Sprache ...
Oder man verstand zu jeder Zeit unter Blues vornehmlich dieses mumpfige, klanglich unsäglich überladene und selbstverliebte E-Gitarrensolotum, das für unsere noch unverbrauchten Ohren älter und überholter klang, als es der wahre Blues je war. Zarte Akustikgitarren waren damals abgemeldet. Diese massive und für mich heute noch unverständliche Strömung war das Hindernis, welches uns für lange Zeit breitbeinig den Blick auf den wahren Blues verstellte.

Irgendwann jedoch war die Zeit reif, den Blick auf die schlummernden Schätze der Wurzeln der Unterhaltungsmusik freizugeben. Und dann dauerte es auch nicht lange Sam "Lightnin'" Hopkins zu entdecken. Nach heutiger (wieder ganz aktueller) Maßgabe kann dieser vielleicht sogar als der wichtigste Wegbereiter des traditionellen Blues in die Neuzeit angesehen werden. Die als Texas Blues bezeichnete akustische Form des Blues, sehr ursprünglich, folkig, minimalistisch instrumentiert, aber virtuos, hatte sich Hopkins als Junge von Blind Lemon Jefferson abgeschaut. Indem er es schaffte, dem Vorblild helfend zur Seite stehen zu dürfen, konnte er stets dessen Gitarrentechnik beobachten. Solange bis er sie irgendwann zu seinem eigenen ganz besonderen Stil vervollkommnet hatte und ab den 60ern mit vielen Plattenaufnahmen für uns festhalten würde.
Mit sehr kerniger Stimme, akustischer Gitarre und vielleicht Bass und Schlagzeug, aber dann beides sehr zurückhaltend, ist das ungemein lässige Musik, die bereits alle Elemente beinhaltet, wie sie heutige Songwriter auch nach so vielen Jahren kaum anders präsentieren.
Die Musik von Lightnin' Hopkins ist somit ein wunderbares, wenn nicht sogar das beste Beispiel dafür, dass unsere heutige populäre Musik vom Blues abstammt.
Einerseits ist der Sound von Hopkins, so herrlich luftig und groovig wie er ist, doch klar im Blues verwurzelt und andererseits zeigt er bereits alle kommenden Elemente auf, wie den Boogie bis hin zum Rock'n'Roll oder auch den Folk bis hin zu der Zunft der allgegenwärtigen und sich selbst gitarrenbegleitenden Geschichtenerzähler. Eine echte Brücke über die Stile und die Zeit, die nicht zu altern scheint.
Dass eine Band wie Depeche Mode, die im ersten Moment von damaliger Musik am allerweitesten entfernt zu sein scheint, nach ihren Wurzeln sucht und in Verneigung ihr aktuelles Album "Delta Machine" nennt, ist hier sicher nur als Spitze des Eisbergs zu sehen.

Lightnin' Hopkins war wie schon angedeutet ein fleißiger Einspieler und so gibt es ab den frühen 60ern viele Alben von ihm, die die oben beschriebenen Qualitäten aufweisen. Das vorliegende, von Rudy van Gelder für Prestige/Bluesville Records aufgenommene, ist vielleicht nicht eines mit ganz besonders herausstechenden Nummern, aber dafür ein sehr typisches, und homogenes, das mit bester Laune der drei Musiker (neben Hopkins Leonard Gaskin am auf Zehenspitzen Schleichbass und Belton Evans am Streichelschlagzeug) aufgenommen wurde. Obwohl das Album wunderbare flottere Gangarten bietet, ist es gerade wegen seiner angenehmen homogenen Grundstimmung möglicherweise ein gutes Album für den Einstieg. Dennoch wird es auch nach Jahren nicht langweilen.

Klanglich ist die Aufnahme, die in den 90ern von Phil De Lancie remastered wurde, über alle Zweifel erhaben, insbesondere, wenn das Aufnahmedatum 9. November 1960 in Betracht gezogen wird. Herrlich, wie sich von rechts immer wieder ganz heimlich Belton Evans mit den Besen über die Trommel anschleicht, ganz sanft aber doch deutlich vernehmbar (Höhepunkt: "Shinin' Moon"). Die Gitarre, die der damals 48 jährige virtuos einspielte, ist präsent kraftvoll, aber nicht zu sehr im Vordergrund aufgenommen. Hopkins' Stimme ist sehr typisch, ganz kernig, extrem entspannt und vermittelt fast durchgehend eine unterschwellige Verschmitztheit. Verschluckt er dann noch wieder einmal auf herzallerliebe Art ein Endungs-S, kann man sich gegen ein wohlwollendes Mitschmunzeln nicht mehr wehren.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 26, 2013 4:38 PM MEST


Delta Machine (Deluxe Edition)
Delta Machine (Deluxe Edition)
Preis: EUR 13,99

9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Forward to the roots, 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Delta Machine (Deluxe Edition) (Audio CD)
~
22.03.2013
00:03 - Die Nachtschicht beginnt (nach 31,5 Jahren Wartezeit auf dieses Album erscheint das eigentlich nicht übertrieben), der Download in der besten verfügbaren Qualität läuft.

> Die Spannung ist groß, nach 13 Alben und guten 30 Jahren wird es wieder mal nicht leicht werden, das neue Album zu beurteilen. Sie haben ja angekündigt ein Album zu machen das modern klingt, wie auf den Kopf gestellt und nicht normal - was mag dabei herauskommen?
Bisher haben sie über all die Jahre der Versuchung widerstanden krampfhaft was neues und anderes zu machen. Kunststück, während andere Rockbands in den 90ern nach neuen modernen Einflüssen suchten, wie U2 mit Achtung Baby, um nur ein Beispiel zu nennen, bestand die Musik von DM von Anfang an aus modernen Einflüssen. Eher haben sie irgendwann die Finger nach musikalischen Wurzeln ausgestreckt und erdigere Klänge sowie Gitarren entdeckt. Aber immer klang alles eindeutig nach Depeche Mode.
Und, soviel ist nach wenigen Momenten wird klar werden, diese Musik klingt in der Tat anders, sehr anders, aber doch immer noch eindeutig nach DM. <

00:10 - (ca., die Aufregung verhindert das genaue Protokollieren) "Welcome To My World " läuft an.
Der Song fängt g... ähh großartig an. Der Sound ist etwas besonderes. Besonders karg, besonders groß und spätestens wenn die Stimme kommt ist es klar: Das Album ist nicht wie das letzte. Das war nicht schlecht, aber so recht blieb es nicht in Erinnerung.
Dabei fällt sofort auf, wie gut David Gahan drauf ist. Er klingt so frisch und so klar wie schon lange nicht, vielleicht wie noch nie.

01:30 - Das Album ist einmal durch und es ist viel passiert. Ein paar Dinge fallen sofort auf (kann man dem ersten Eindruck trauen, selbst wenn er so tief sitzt?):
- Depeche Mode sind kein bisschen müde
- Die Jungs haben analoge Synthies monatelang in ein Studio gesperrt, gut gegossen und es sind 17 neue Songs daraus gewachsen
- DM machen Blues
- DM machen Blues anders als alle anderen
- David Gahan klingt wie einem Jungbrunnen entsprungen, die Brüchigkeit (die Charme hatte und die den Umständen geschuldet war) die war in Ordnung, aber diese neue Energie, die ist phantastisch
- neue, gelungene Chorstimmen bei ein paar Songs
- dafür singt Martin Gore erstmals (meine ich) nicht einen obligatorischen Song gegen Ende des Albums
- zwei Mal spielt Martin Gore Gitarre, klare, saubere, atmosphärische E-Gitarre
- Spätestens bei "Schould Be Higher" wird Simon Le Bon auf die ergreifende, hellwache Stimme vom neuen alten Dave Gahen neidisch werden
- Die Songs handeln mehr denn je von Liebe, Schmerz, Erwartung, Enttäuschung, Schmerz und Liebe und Schmerz und was uns noch so bewegt
- DM haben ein Klangmosaik geschaffen, das 20 Jahre Clubkultur salongfähig macht, ohne etwas zu kopieren oder retrospektiv zu klingen und ohne sich anzubiedern
- DM schaffen wieder einmal eine Art Synthie State Of The Art
- DM klingen scharf wie der Bohrer beim Zahnarzt
- DM klingen sägend, satt und erdig wie nur die fettesten analogen Synthies das können (Kunststück, Martin Gore hat alles richtig gemacht als er mit Vince Clark im letzten Jahr übte Ssss)
- organischer können Synthiesounds nicht klingen (wer jetzt organisch und synthie in einem Satz nicht versteht sucht evtl. hier weiter: Old Sock)

03:05 - Austreten und was Trinken gewesen. Nochmal hören, aber nicht, weil es zur Beurteilung noch nicht angekommen genug ist, nein, weil das Album ein großartiges Klangmosaik darstellt, das ergründet werden will und Spaß macht.

Der erste Eindruck trügte nicht. Ein ganz starkes neues Album von den Jungs, die niemanden kopieren müssen um "modern" zu klingen und die den Schmerz in und zwischen den Zeilen nicht heucheln müssen. Wir sind froh, dass sie noch alle unter uns weilen und wenn sie so noch ein paar Jahre weiter machen.

Es ist zu empfehlen die Scheibe mit einer leistungsstarken Anlage anzuhören und tolerante Nachbarn zu haben. Ganz ist auch hier der Komprimierwahn nicht vorbeigezogen, vor allem bei den Stimmen (Loudness War) aber die Scheibe lässt sich schon einigermaßen laut hören und klingt vor allem im Bassbereich sehr außerordentlich. Es bleibt abzuwarten, was die angekündigte DoppelVinyl dynamikmäßig noch gutmacht.

Die Deluxe Edition lohnt sich, auch wenn alle 17 Songs mit rund 75 Minuten auf eine CD passen würden!?, weil die vier Songs gut sind (und alleine "All That's Mine" fast den Kauf lohnt).
Insgesamt ist das ein starkes Album. Wenn auch die absoluten Killermelodien fehlen, ist das ein Killerklangmosaik, an dem es für längere Zeit Details zu entdecken gibt. - Ein neues Lieblingsschmachtlied (gibt es auf jedem neuen Album von den Jungs, diesmal ist es): "Slow" und eine neue beste Stelle (die letzte Minute von "My Little Universe"
Gefühlt werden hier nicht die allerallerbesten Songs von DM des Thrones verstoßen, aber wer wollte das schon. Fette fette Sounds, gute Songs und ein Meilenstein in der Karriere einer Band, die sich selbst nie neu erfinden musste, die von Natur aus State of the Art war (q.e.d.). Im DM-Kosmos fast 5 Punkte.

04:30 - Noch ein paar Stellen gezielt hören, weil es nicht so leicht los lässt, aber für noch einen kompletten Durchgang muss einer erst mal drüber schlafen.

Musik volle Punktzahl
Klang leider nicht optimal (mehr als einen Punkt abzuziehen lässt das Herz aber nicht zu)
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 2, 2013 12:33 PM MEST


Big Inner
Big Inner
Preis: EUR 15,99

10 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Langer Bart, 12. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Big Inner (Audio CD)
~
Matthew E White, klingt ein bisschen wie I'm Kloot. Dies ist allerdings ein unseliger, pauschaler Vergleich. Aber die Ursache dürfte so banal wie einleuchtend sein: Die beiden Scheiben liefen gerade direkt hintereinander.
Doch auch Vergleiche, die zunächst etwas passender scheinen, wie der mit William Fitzsimmons oder Angus Stone oder Scott Matthew oder Bon Iver oder vielen anderen, sich ganz unkonventionell gebenden Rauschebartträgern, scheitern letztlich. Denn was Whites Stil von denen der anderen auf den zweiten Blick unterscheidet, ist die unterschwellige, aber eben doch deutliche Prägung seines Albums. Hier scheinen die großen 60er Songs der Unterhaltungsmusik mit leichter Tendenz in den Soul durch. Diese mit herrlichen Background Sängerinnen, Streichern und Bläsern veredelten Schmachtsongs.
Wer sich diese Instrumentierung und die Verwurzelung der Inszenierung wegdenkt oder nicht so genau hinhört, der findet freilich mit den oben genannten Künstlern, was Gesang und diese auffällige Unaufgeregtheit angeht, eine ganz passable Orientierung. Mit I'm Kloot weniger. Vom großen Popgeschäft insgesamt betrachtet, passen alle erwähnten wohl irgendwie in die Gruppe ursprünglich klingender Neofolker, aber im Vergleich zum Matthew E. W. sind zumindest die Kloots doch schon fast ruppige Gesellen.

Nun was macht dieses Album aus. Es bietet hübsche Melodien, die sich auch mal etwas Zeit nehmen. Es ist, wie schon angedeutet, wunderschön instrumentiert mit wohldosiertem Orchester, gekonnt arrangierten Bläsern und Hintergrundsängerinnen, die leicht ins Gospelige tendieren, was dem ganzen eine erfreuliche Note verleiht.
Auch die Abmischung ist gelungen, was ja leider heutzutage keine Selbstverständlichkeit darstellt.
Also ein Sänger-Album bester Tradition?
Nein, dazu ist die Stimme auf die Dauer leider einfach doch sehr monoton, um nicht zu sagen fad. Die Stücke auf dem Album, nur sieben an der Zahl und daher dementsprechend lang, sind halbwegs abwechslungsreich, wenn auch unaufgeregt, inszeniert. Manchmal etwas zu unaufgeregt und da stören dann die in ebenso unaufgeregter Stimme, teilweise schon litaneiartig (über Minuten) wiederholten Textpassagen umso mehr. Überhaupt wirken die Songs mit der Zeit ziemlich aufgebläht. Unterm Strich bleiben also sieben zu lange Songs, das ist dann insgesamt doch etwas zu wenig.
Wenn es um die Wiederbelebung der 60er/70er Schmachtsongs geht, so beherrscht das Jonathan Jeremiah momentan schlüssiger. Unaufgeregte Folksongs haben oben genannte auch schon irgendwie überzeugender abgeliefert. Dazwischen fällt M. E. White, mit seinem nur im erstem Moment besonderen Ansatz, irgendwo auf halbem Wege durch die Maschen.
Höhepunkt der Platte dürfte "Steady Pace" darstellen. Eben diese Nummer machte mich auch auf das Album neugierig. Eine Softsoulnummer, bei der alles stimmen würde, wenn sie auf einem insgesamt etwas schwungvolleren Album platziert wäre.

Gute Produktion, im Ansatz schöne Melodien und einige Stellen, die zu sehr ausgewalzt werden und irgendwann nicht mehr recht gefallen mögen. Daher mit drei Punkten keine echte Wertung.
Also zurück zu Kloot, das ist aufregender und beruhigender zugleich.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 13, 2013 3:56 PM CET


The Crossing
The Crossing
Preis: EUR 16,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Instrumentallyrik, 21. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: The Crossing (Audio CD)
~
Dies ist ein Instrumentalalbum. Das zweite der Band, die im Wechsel oder durchmischt mit den Dap-Kings, zu den beiden Haus und Hofkapellen des Daptone-Labels aus New York gehört. Das Label, in dessen Studio auch die selige Amy unbedingt aufnehmen wollte und es bekanntermaßen mit dem zweiten Album auch schaffte. Der typische sechziger Jahre Soulsound brachte ihr dann den internationalen Durchbruch.
Die Band, die dort zu Hause ist und erst richtig zur Hochform aufläuft, wenn sie Künstler wie Charles Bradley oder Lee Fields begleitet und auf deren Alben pro LP-Seite ein eigenes Instrumentalstück zwischenschieben darf. Was dort die Kür ist, wird hier auf ihrem eigenen Album zur Übung. Oder eher umgekehrt.
Bereits das erste Album, das inzwischen schon 3 Jahre auf dem Buckel hat, war durchaus gelungen, wenn auch Soulmusik ohne Gesang nicht für jeden etwas sein mag. Auch als Samplefundus wurde es u.a. von Jay-Z und 50 Cent geadelt.

Die Wartezeit auf das zweite Album ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Band im Studio wie auf Tour erst mal den anderen Künstlern zur Verfügung steht. Aber das Warten hat sich gelohnt. Nach dem ersten Album mochte man noch denken, so weit so gut, aber das Regal muss ich mir nicht mit gesangslosen Soulscheiben vollstellen. Und es war auch nicht recht vorstellbar, wie das Konzept weiter tragen oder sich entwickeln sollte. Umso schöner ist die Überraschung, die uns die Jungs aus der Menaham Street, Brooklyn bescheren.

Das Album beginnt etwas behutsam und auch die aparte harfengleich gespielte Spanische Gitarre kann alleine den Verdacht, dies Album könnte tatsächlich ein müder Abklatsch des ersten werden, zunächst nicht zerstreuen.
Beim zweiten Stück zuckt es gar nach wenigen Takten in den Stimmbändern, so als gälte es eine Lücke im Arrangement zu füllen. Aber kurz daruf kommen die Bläser in Schwung und beginnen eine mariachihafte Geschichte zu erzählen.
"Keep Coming Back" stellt dann einen kleinen Rückfall oder genaugenommen den Schwachpunkt des Albums dar. Dem Stück könnte ein wenig Gesang nun wirklich nicht schaden. Auch wenn das vielleicht der schlimmste Vorwurf ist, den man einem Instrumentalstück machen kann, ist dies am Ende jedoch kein schlechter Song und auch für das Album keine Katastrophe, aber das wird erst beim Weiterhören klar werden.
Das dann folgende "Three Faces" macht es noch eine letzte Minute spannend, aber danach schwinden langsam Stück für Stück die Zweifel. Die Instrumente beginnen sich zu unterhalten. Aus Stimmungen werden Erzählungen. Und immer, wenn ein Bild ausgemalt scheint, eröffnet ein anderes Instrument, ein anderer Klang eine neue zusätzliche Erzählperspektive.
Mit "Sleight Hand" folgt ein Dialog zwischen Bläsern rechts und Hammond links, kommentiert vom Klavier. Das ist großartig und eine echte Überraschung.
Im nächsten Stück beginnen verschiedene Gitarren, akustische und WahWahs die Unterhaltung, aus der mit Unterstützung von Orgel und Bläsern aber bald eine erfrischende Diskussion entsteht.
Im Anschluss folgt in "Seven Is The Wind" eine sirrende, sehr mystische Resonatorgitarre, die Geschichten unendlicher Weiten erzählt, die schier nicht enden wollen und auch keinen einzigen Ton früher aufhören dürfen.
Danach wird es noch etwas melancholisch, lyrisch und wieder belebend.

Die Band macht es spannend und sie hat es geschafft, sich und das Konzept des Soulinstrumentalalbums weiterzuentwickeln. Das zweite Album ist kein bisschen weniger lässig als das erste, aber jetzt erzählen sie auch noch Geschichten.
Die Musiker sind gereift, wenn auch die Bläser kein bisschen sauberer klingen als zuvor, fast scheint es als würden hier kleine Unregelmäßigkeiten gepflegt. Und es funktioniert. Die Arrangements sind gewachsen, ausgefeilter, aber die musikalische Umsetzung klingt so ehrlich und ursprünglich als kämen die Musiker zu einer spontanen Jamsession zusammen.

Lyrik im Soul braucht offensichtlich nicht immer Wörter und ist vielleicht noch spannender, noch romatischer, als wenn jemand alles vorsagt. Wenn die knapp 39 Minuten zum ersten Mal durch sind, fehlt der Musik und auch dem Ohr nichts. Und beim zweiten Anhören fügen sich die behutsameren, reduzierteren Stücke am Anfang als spannungsaufbauende Elemente nahtlos in das Album ein.
Wem das alles trotzdem noch zuwenig ist, der findet in dem Album zumindest einen ausgezeichneten Soundtrack für nahezu jede Lebenssituation.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 19, 2013 12:39 PM CET


Make the Road By Walking [Vinyl LP]
Make the Road By Walking [Vinyl LP]
Preis: EUR 15,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Muss man mögen, 3. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Make the Road By Walking [Vinyl LP] (Vinyl)
~
Wer einen Walkman hat oder einen Epigonen davon und auf Musikvideos steht, der sollte, beim nächsten Gang durch die Straßen in der Abenddämmerung, diese Musik eingelegt haben. Nach spätestens drei Takten und mit jedem Schritt verschmilzt alles zu einem Weltmittelpunkt und der sitzt genau zwischen den beiden Kopfhörerpolstern. Die Welt wird zu einem leibhaftigen saucoolen Musikvideo. Dabei muss man nur aufpassen, die Leute nicht zu sehr mit abgebrühten Blicken zu ängstigen und dabei nicht auch noch lauthals mitzusingen, denn dazu kann die Musik der Menaham Street Band schnell verleiten.
Nun aber endlich* zur Sache. Genau genommen ist das Album die konsequente Fortführung und Ansammlung von Soulalben-Sängerluftholsongs. Wer sie also schon immer liebte, diese schöne Tradition von Instrumentalzwischensongs auf Soulalben, wie sie das selbsternannte Soulretterlabel Daptone mit Alben von Künstlern wie Sharon Jones, Charles Bradley oder Lee Fields vorzüglich kultiviert, der kommt hier endlich voll auf seine Kosten. Nicht umsonst handelt es sich bei der Band aus der Menaham Street in Brooklyn, New York mehr oder weniger um eine der beiden Hausbands des Daptone Labels, die in leicht wechselnder Besetzung eben jene Soulsänger begleiten, im Studio wie auf der Bühne.
Wer spätestens beim dritten Song den Gesang vermisst, der möge machen, dass er auf die Straße kommt und eben seine eigene Stimme dazu erheben.
Im Arrangement wird alles geboten, was saftige Soulmusik ausmacht. Schmissige Bläser, die besonders erdig und rau rüberkommen, wie es nur die Mindestbesetzung Trompete, Saxophon und Posaune hinbekommt, twängende und wahwahende Gitarren, Flöten, Orgeln sowie sonstiges gut abgehangenes Tastenwerk.

Einzig nicht verständlich ist das Tonmischkonzept von Daptone. Was soll all das Vintageequipment und Bekenntnisse zum guten alten Sound, wenn nachher eine reduzierte Dynamik und eine nur mittelmäßige Raumverteilung den Hörgenuss wieder limitieren? Der Klang ist in Ordnung, aber beileibe nicht brillant. Das gleiche gilt für die mittelprächtige Pressarbeit auf angeblich hochwertigstes Vinyl. Darüber kann auch das übersolide typische US-LP-Cover und der beiliegende Gutschein für eine 192er Downloadversion nicht ganz hinwegtrösten. Was zum Abschluss bei der Vinyl noch etwas nervt, ist der Hidden Track, der um gehört zu werden verlangt, dass der Tonarm aus der davorliegenden Endlosrille, in die der letzte auf dem Cover angezeigte Song mündet, weitergehoben wird. Das ist bestenfalls einmal witzig.

Insgesamt eine mit schmatzigem Instrumentalsoul prall gefüllte Scheibe. Das gibts nicht alle Tage. Das muss man mögen, aber wenn man 's mag, muss man 's mögen.
Nicht ganze, aber knappe fünf Sterne.

*Ganz nebenbei, diese Rezension ist lange Zeit vergessen worden, weil der Rezensent dachte, sie schon längst geschrieben zu haben.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 11, 2013 4:33 PM CET


Middle Brother
Middle Brother
Preis: EUR 21,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gar nicht middlemäßig, 2. Januar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Middle Brother (Audio CD)
~
Die aktuelle amerikanische Indie-Supergruppe.
John J. McCauley III von Deer Tick, Taylor Goldsmith von Dawes und Matt Vasquez von Delta Spirit. Sie alle sind hierzulande kaum bekannt. Infolgedessen ist auch ihr Zusammenschluss und das Debütalbum ziemlich unentdeckt geblieben. Das betrifft bereits die Plattenfirmen, so dass die Scheibe in den Läden bisher gar nicht so leicht zu bekommen ist. Sehr zu Unrecht.

Schon beim Betrachten des Covers wird klar, hier handelt es sich entweder um drei komplette Vollidioten oder Typen, die es sich leisten können, sich einen Spaß aus ihrer Außenwirkung zu machen. Da ersteres zumindest an dieser Stelle nicht der Rede wert wäre, heißt das anders ausgedrückt, das Selbstbewusstsein der drei hat sich irgendwo gewaschen. Das kann man arrogant finden, ist es vielleicht auch ein Stück weit, aber zumindest nicht ganz unberechtigt, denn die drei können was. Aber weg von Äußerlichkeiten.

Independent ist bei dem Projekt mehr die Marktpositionierung als die Klangrichtung. Was hier vorliegt ist eine abwechslungsreiche und schwungvolle Mischung aus Country, Folk, Blues, Pop und Rock - handgemacht, mit altbewährten Instrumenten. Die vordergründige Rauheit und Ursprünglichkeit im Klang ist dabei in erster Linie ein Stilmittel, denn das Ergebnis klingt nicht nur überraschend musikalisch und versiert, sondern insgesamt sehr rund und vor allem eigenständig - ganz anders, als es die zitierten Stileinflüsse vielleicht erwarten lassen. Mitverantwortlich dafür ist einerseits, dass die drei und ihre Bands schon eine Schnittmenge haben und ausgezeichnet miteinander harmonieren, aber eben auch, dass jeder noch einmal ganz unterschiedliche Einflüsse beisteuert.
Die Plattenfirma nennt Neil Young, Bruce Springsteen und Tom Petty als Referenz. Geschenkt! - Kann man ernsthaft Musik mit amerikanischen Rockelementen machen, ohne eine dabei eine Stimme wie etwa Whitney Housten zu haben und nicht mit den dreien in eine Schublade gesteckt werden? - Im Grunde klingen die drei ziemlich anders und ziemlich eigen, nämlich wie Middle Brother.

Drei Sänger, das sorgt natürlich von Grund auf schon für Abwechslung und für Reibungsflächen, aber ihre verschiedenen musikalischen Hintergründe verschmelzen zu einem homogenen Kern und schaffen um ihn herum ein kongeniales Spektrum. McCauley der raunzige unbequeme Countryfolk-Songwriter mit zunehmender Tendenz zum Rock, ist immer für eine versteckte Harmonie zu haben, weswegen auch sein Werk mit Deer Tick mehr als nur einen Blick wert ist (zB War Elephant), Vasquez bringt Schwung und Varianz ins Programm, passt aber harmonisch hervorragend dazu (auch bei Delta Spirit lohnt sich eine eigene Visite unbedingt, zB History From Below) und Goldsmith sorgt für die etwas besinnlicheren Töne, was von Haus aus bei Dawes auf Dauer etwas zu zaghaft sein kann, aber hier in der großen Summe für die richtige Rundung sorgt.
Drei Sänger im Wechsel, oder im Chor das bringt traditionsgemäß viele Möglichkeiten bis hin zu ELO-artigem Arrangement bei "Me, Me, Me" oder schön auch im Strophenwechsel zum Abschluss bei "Million Dollar Bill".

Hier die vollständige Songliste:
1. Daydreaming - 4:50
2. Blue Eyes - 4:05
3. Thanks For Nothing - 3:44
4. Middle Brother - 3:12
5. Theatre - 4:40
6. Portland - 5:05
7. Wilderness - 2:43
8. Me, Me, Me - 2:57
9. Someday - 3:40
10. Blood and Guts - 5:59
11. Mom and Dad - 4:01
12. Million Dollar Bill - 4:03

Erfreulich ist auch die sehr räumlich und naturbelassen klingende Aufnahme. Digipack mit zwölfseitigem Textheftlein, was will man mehr?
Noch ein Geheimtipp, was sich ja im Internetzeitalter schnell ändern kann (der umtriebige McCauley ist dort schon mit einigen sehenswerten und auch witzigen Videos vertreten).
Zu wünschen wäre es den Jungs etwas mehr die Runde zu machen, solange sie dabei nicht den Halt verlieren, aber selbstbewusst und verschmitzt sind sie ja eh bis über alle Ohren.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 11, 2013 12:37 PM CET


8 Classic Albums
8 Classic Albums
Preis: EUR 11,78

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schlemmerplatten, 13. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: 8 Classic Albums (Audio CD)
~
Acht "echte" Bennetts, alias letztes amtierendes Urgestein der Jazz Standards und des Entertainments, auf einen Streich:
- Preis unschlagbar
- Qualität: Digitally Remastered and Enhanced
- Acht Originalalben auf einmal, wo die doch heute einzeln schon so schwierig zu kriegen sind:
CD1: Because of you (1952/56) + Cloud 7 (1955)
CD2: Alone at last with Tony Bennett (1955) + Tony (1957)
CD3: The beat of my heart (1957) + Long ago far away (1958)
CD4: Strike up the band (With Count Basie) (1959) + Hometown, My town (1959)

Kann man da nein sagen? Eigentlich nicht. Im Grunde würde sich die Anschaffung schon lohnen, wenn nur ein enthaltenes Album in der Sammlung fehlt.

Wo ist der Haken?
Nun, alle Informationen zu den Alben sind die obigen. Abgesehen von der Auflistung der Songs, enthält die dicke 4er Jewel-Box keine noch so kleine Information. - Nein, wirklich auch kein Heftlein, nicht mal ein Blatt. Kein Foto, außer dem schäbigen Bild auf der Vorderseite, das vielleicht digitalisiert ist, wie unschwer zu erkennen ist, aber jedenfalls nicht remastered oder enhanced. Liebloser geht es wohl nicht.
Unverständlich auch, da die Reihe, die bisher eher Jazz-Klassiker präsentierte, innenliegend wenigstens noch ein Faltblatt mit dem Foto einer Kollage der Originalcover und Produktionsnotizen wie beteiligte Musiker oder gar noch zusätzliche Künstlerfotos enthielten.

Weiterhin gilt es zu wissen, dass die Titel der Alben in ihren ursprünglichen Zusammenstellungen der LP-Versionen enthalten sind. Songs, die bei den CD-Veröffentlichungen ergänzt wurden, fehlen hier. Anders bei der viel liebevolleren Sammlung Original Album Classics, die in einem kleinen Pappschuber vier einzelne kleine LP-artige CD-Hüllen enthält und eben auch etliche zusätzliche Songs. Beispielsweise das Album "The Beat of My Heart" das als einziges auf beiden Zusammenstellungen enthalten ist, enthält 5 weitere Songs.

Der Klang ist tatsächlich ganz ordentlich und so kann, wer möchte sich mal so richtig mit Tony Bennett satthören. Wird halt eher eine Völlerei, als ein echtes Schlemmermenü. Aber zu dem Preis kann man doch auch nix sagen. So ergibt sich auch die Reihenfolge der eingangs genannten Vorteile, nämlich durchaus mit Bedacht.
Daher mit drei Sternen keine echte Wertung, entscheide jeder selbst.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 29, 2012 4:08 PM CET


K&M 16416 Mundharmonikahalter schwarz
K&M 16416 Mundharmonikahalter schwarz
Wird angeboten von Musikshop Speyer
Preis: EUR 18,85

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen MuHaHa - besser als keiner und davon der beste, 9. November 2012
Rezension bezieht sich auf: K&M 16416 Mundharmonikahalter schwarz
~
Erst mal zwei Worte zum angezeigten Bild (auch K&M 16416 Mundharmonika Halter). Hier ist der Mundharmonikahalter (MuHaHa) falsch herum aufgeklappt. (Ist für amazon weniger peinlich als für den Hersteller K&M, denn auf deren Internetseite ist das gleiche (und auch nur dies eine) Bild zu finden. - Dem Gerät liegt auch keine Beschreibung bei, also ist anzunehmen, dass K&M das Patent vielleicht nur eingekauft hat und selbst nicht weiß, wie man das Ding richtig verwendet...) (Daher hat der Autor dieser Zeilen auch keine Mühe gescheut und zwei eigene Bilder angefertigt.)

Andersherum aufgeklappt (vgl. Kundenbilder), wird ein Schuh draus, allerdings ein schwarz gewichster, nicht so ein lässiger metallisch belassener, wie ihn bekannteste Folkmusiker seit Generationen um den Hals hängen haben. Jedenfalls steht das Gestell so mit den kunststoffverkleideten Schrauben (der nächste optische Fauxpas) sicher auf der Brust auf, ohne über die runden Bügel zu wippen und das allerbeste ist, man muss dann seine Blas-/Ziehspieltechnik auch nicht umstellen, weil das Instrument falsch herum im Halter sitzt. - Der untere der Gummiüberzüge der beiden Haltebügel hat nämlich eine Querrille (vgl. Kundenbilder), in die die hintere Kante der allermeisten Richter-/Blues-MuHa ziemlich gut einrastet. Die bisher gängigen Modelle hatten statt der "Gummiformteile", wie Herr König und Herr Meyer sie nennen, bloß zwei Metallaschen, die die MuHa daran hinderten nach hinten herauszurutschen. Seitliches Verrutschen hinderte nur die Federspannung: Metall auf Metall. Autsch für denjenigen, der seine glanzpolierten Deckel liebte.
Soweit zum Zielbild der Montage, welches dem Gerät ja nicht beiliegt und des grundlegenden Aufbaus der Gerätschaft. Nebenbei auch ein erster Hinweis zur im Grunde ganz ordentlichen praktischen Funktion der Gummiüberzüge, die ja die Neuerung an diesem Modell darstellen.

Weniger gut ist der (Weichmacher-)Gestank, der von den Gummiüberzügen ausgeht. So etwas mag zB bei Kabelummantelungen oder Gummifüßen (nur) eine industrieethische oder umweltpolitische Frage darstellen, aber bei Teilen, die mir direkt unter der Nase hängen sollen, ist es vom Hersteller freundlich gesagt frech, so ein Material zu verwenden. Vom gesundheitlichen Aspekt ganz zu schweigen, umso mehr, da die Lippen beim Spielen deutlich an die Teile stoßen!

Aber auch funktionell ist unverständlich, dass K&M nicht festeres Material (mit weniger Weichmacher) verwendet, denn auch bei etwas härterem Material säße das Instrument, wegen der an dieser Stelle gelungenen Formgebung (Querrille) und dank der starken Federn, fest und sicher eingerastet zwischen den beiden Bügeln. So ist die MuHa bei den starken Klemmfedern und dem griffigen (fast schmierigen) Gummi jedoch schwierig zu verschieben und die Idealposition in der Querrille zum Einrasten gar nicht so leicht zu erfühlen. - Klingt vielleicht beim Lesen etwas detailverliebt, aber es ist wirklich eine Fummelei, wenn man sich vorstellt, dass das ganze ja idealerweise beim Tonart-/MuHa-Wechsel mit dem Halter um den Hals und vor dem Gesicht abläuft:
Mit der einen Hand drückt man die untere Schiene links gegen die strammen Federn herunter, mit der anderen Hand rechts und mit der dritten Hand schiebt man die MuHa in Position. - Scherz beiseite, natürlich geht das mit genügend Fingern auch ohne dritte Hand irgendwie, aber es bleibt fummelig.
Mit etwas Übung mag das mit der Zeit besser gehen. Ob auch der Gestank mit der Zeit geht, muss sich zeigen, im schlimmsten Fall kommen die "Gummiformteile" ab, zwei Löchlein sind von Haus aus vorgebohrt, da sollte schon die eine oder andere Idee trapsen.

Weiter fällt auf, dass die beiden Feststellschrauben an den Gelenken von Haus aus brutal fest gezogen sind. Damit wird auch gleich der nächste konstruktive Schwachpunkt klar: Die Rändelschrauben sind zu klein. Die Hebelverhältnisse mit den Fingern lassen es nicht zu, die nötige Kraft aufzubringen, die Schrauben zu lösen. - Im nächsten Akt wird sich zudem noch herausstellen, dass es auch kaum möglich ist, die nötige Kraft aufzubringen, die Schrauben wieder so fest anzuziehen, dass die MuHa beim beherzten Spielen nicht die Flucht antritt, sprich mit dem Hebel nach vorne kippt. - Zunächst aber ist tatsächlich eine Zange nötig um die Gelenkschrauben zu lösen, was sie dann jeweils mit einem deutlichen Knacken (!) quittieren, so fest sitzen sie.
Wie schon angedeutet fehlt danach mit den Fingern die Kraft, sie wieder so fest zu ziehen, dass ein sicherer Gegenwiderstand beim Spielen entsteht. Das gilt umso mehr, wenn der Halter in Position ist, da müssen die Arme voll angewinkelt werden um an die Schraubknöpfe zu kommen und dann ist es mit der Fingerkraft nicht mehr weit her. Haha, denkt sichs da leicht, dann ziehe ich die Schrauben vorher ordentlich fest und setze das Ding anschließend auf. Geht aber nicht! Für Kinder ab 6 Monaten ist das Spielgerät nicht mehr geeignet - rein von der Kopfgröße her, der schlicht nicht mehr zwischen Bügel und MuHa-Klemmung durchpasst.
Die beiden Schrauben mit aller möglichen Kraft festgezogen und bei nicht zu festem Druck mit dem Mund gegen die MuHa hält der Halter seine Position eingiermaßen, aber auf die Dauer werde ich mich daran jedenfalls nicht gewöhnen wollen und mich nach Flügelmuttern umsehen.
Im Ergebnis hat K&M hier gegenüber dem (einfacheren) Vormodell mit der Flügelschraube in zweierlei Hinsicht verschlimmbessert. Nicht nur bringt man dort die nötige Kraft besser auf, sie sieht auch weniger dämlich aus als die zwei auffälligen (aber greiftechnisch doch viel zu kleinen) Knöpfe an dem sonst eher filigranen und ohnehin schon depperten Gestell. Als ob die gschaftlhuberische Lackierung nicht schon peinlich genug wäre, die beiden großen drolligen Knopfaugen nehmen dem Nachwuchsfolker die letzte Würde. Einzig die Auflage der großen Knöpfe auf der Brust ist natürlich besser als eine irgendwie schiefstehenbleibende Flügelmutter. Aber da sind schon die Schlusselbeine besagter Generationen von Musikern mit klargekommen.

Diese Tatsache, dass sich die Gelenke nicht fest genug arretieren lassen ist in den Nahen und Weiten des Internets öfter zu lesen, also ist nicht von einem einzelnen Montagsmodell auszugehen.

Soweit zu den Besonderheiten dieses Modells. Vielleicht zum Abschluss noch anderthalb Worte zum Umgang mit dieser Art Halter überhaupt.
Die Einstellung des MuHaHa ist insgesamt reichlich ungewohnt und beim ersten Mal findet sich die richtige Position nicht ganz selbstverständlich. Die Hebel sind scheinbar viel zu kurz, die MuHa hängt recht tief und man kommt entweder mit dem Mund nicht hin, weil der Hals gar nicht so weit nach vorne will wie man dachte oder man schraubt das Ding näher am Mund "fest", dann hat man mit dem Kinn keinen Bewegungspielraum mehr, etwa wie ein eingezäumtes Pferd wenn der Cowboy "Brrrrr" macht. Nach einer Weile Feinjustage findet sich eine Position, die man am liebsten gleich für immer festschweißen würde, aber dann passt der Kopf wieder nicht durch ...
Klingt jetzt vielleicht wieder etwas streng, aber mit den kurzen Hebeln ist der Spielraum tatsächlich recht begrenzt. Allerdings ist das wiederum der Tatsache geschuldet, dass man ja auch über der MuHa noch Platz zum Singen haben sollte. Wären die Hebel länger gings also auch irgendwie nicht. Letztlich wohl einfach Gewöhnungssache.

Ansonsten ist die Konstruktion so simpel wie stabil (Kunststück bei dem zünftigen Material/Gewicht zum Halten einer kleinen MuHa!?) und vermutlich nur schwer zerstörbar.

Fazit: Das Ding funktioniert trotz aller (peinlichen) Detailmängel (ggfs mit leichten Modifikationen) im Ergebnis irgendwie ganz gut! Gegenüber den anderen gängigen Modellen ist die Halterung mit den Plastiküberzügen funktionell verbessert. Hohner hat jetzt ein neues Modell das "HOHNER FlexRack" im Angebot, das einige Detailverbesserungen bringt (zB Höhen- und Neigungsverstellung der Haltebügel, Bogen im unteren Haltebügel zum Einfingerbetrieb), aber gut das dreifache kostet und noch unglaublich viel gschaftlhuberischer aussieht. Das 'kann' man auf der Bühne nicht benutzen.

Der König & Meyer 16416 - ist funktionell wohl der beste MuHaHa, aber auch nur besser als keiner. Für den Preis iO.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 12, 2012 2:45 PM CET


The 2nd Law [Vinyl LP]
The 2nd Law [Vinyl LP]
Preis: EUR 22,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endgültig, 26. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: The 2nd Law [Vinyl LP] (Vinyl)
~
Endgültig haben Muse sich selbst gefunden. "The 2nd Law" ist das erste Album, das nicht nach der ersten bombastischen Hälfte deutlich abfällt.

Endgültig führt kein Weg mehr an Muse vorbei. All diese Größe, Pracht, Fülle, Präsenz, (Auf-)dringlichkeit, Theatralik und diese Selbstverständlichkeit im Auftreten, dieses fast arrogante Selbstverständnis in ihrer Show. Man muss das alles nicht mögen, aber es wird immer schwieriger drumherum zu kommen.

Endgültig bewerben sich Muse für den nächsten James Bond Song, "Supremacy" ist praktisch wie dafür gemacht.

Endgültig treten sie das Erbe von Queen an. Was bisher schon auffällig war, etwa der typische Chorgesang oder die epischen Songarrangements, gipfelt bei "The 2nd Law" in "Prelude/Survival" oder auch in "Panic Station", das wie eine moderne Mischung aus "Another One Bites The Dust" und "We Will Rock You", und klanglich an Queens zu Unrecht etwas geschmähtem Discoalbum "Hot Space", erinnert. Stimmlich muss man Matthew Bellamy nicht mit Freddy vergleichen, denn trotz alldem klingen Muse in erster Linie nach Muse und die Stimme von Bellamy ist dabei ein starkes zentrales Element. Ob die Jungs nun bewusst Stilmerkmale von Queen verwenden, darauf kommt es deswegen auch gar nicht an.

Endgültig bewerben sich Muse darum, den Soundtrack für einen Blockbuster zu liefern, "The 2nd Law: Unsustainable" schreit danach mehr den je.

Endgültig haben sich Muse selbst übertroffen, wo mag das hinführen? Egal, "The 2nd Law" ist erst mal großartig. Modern, rockig, episch und es ist stilbildend, weil es von allen Rockstilen das beste in sich vereint. Deswegen bedeutet der der Titel vermutlich etwas wie:
Artikel 1 - Muse sind Gesetz
Artikel 2 - ("The 2nd Law") Du brauchst keine anderen G ... neben Muse haben.

Nicht engültig ist einzig die Abmischung, die das Multilabel Warner offenbar fordert und die leider dem Loundnesswar nicht ganz entsagt. Diese Vinylausgabe ist deutlich angenehmer abgemischt als die CD, aber noch kein Dynamikwunder. Es gibt schlimmere Beispiele, aber so richtig laut Hören, wonach "The 2nd Law" förmlich schreit, ist nach oben etwas begrenzt. Im Gegensatz zur CD ist die Doppel LP weniger spitz abgemischt und dort wo die CD bei lauterer Gangart schon fast schmerzlich dröhnt, beibt der Klang angenehmer. Ein deutlich hörbarer Dynamikgewinn ist jedoch nicht zu vermelden.

Was daran besonders verwundert, ist, dass der Aufwand nicht im Verhältnis steht. Wenn man im Produktionsvideo beobachtet, welch ein Aufwand anfangs bei den Aufnahmen betrieben wird, was für ein Perfektionist Bellamy ist und beispielsweise das Orchester mehrmals wiederholen lässt, weil irgendein Nebengeräusch zu hören war, und wenn man ganz am Ende der Produktion die Mühe bei der Herstellung der sehr sauber gefertigten Doppel-Vinyl-Scheiben mit Klappcover betrachtet, dann stellt sich bohrend die Frage, warum das alles zwischendurch im Kompressor totgepresst wird. - Für die Dynamik die die LP (zwar im Vergleich zur CD immerhin) entfaltet, wäre die Aufteilung auf zwei Scheiben, wie es sonst nur bei audiophilen Produktionen üblich ist, nicht nötig gewesen, nur infolge der Laufzeit von insgesamt 53:49 Minuten wurde es dann aber (knapp) so oder so erforderlich.

Mag jeder für sich beurteilen, ob ihn das stört, den Nachbarn jedenfalls freut es doppelt, denn erstens hört man "The 2nd Law" etwas weniger laut und zweitens sorgt die Komprimierung dafür, dass alles relativ gleichmäßig laut und schon gedämpft verständlich durch die Wand dringt, ist doch auch was ...
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 30, 2012 6:46 PM CET


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-19