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Rezensionen verfasst von
Ingram Braun

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The Hedgehog (Batsford Chess Book)
The Hedgehog (Batsford Chess Book)
von Mihai Suba
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kompetent, aber unübersichtlich, 31. Juli 2005
GM Mihai Suba ist ein ausgewiesener Igel-Experte, wobei im Zeitalter der Sizilianisch-Igel wohl darauf hingewiesen werden muß, daß es im Buch eigentlich ausschließlich um Englisch-Igel geht. Das Buch erzählt die Entwicklung dieser Eröffnung chronologisch. Sehr gelungen sind Subas Hinweise zur Zugumstellungsproblematik, denn anstelle des Igels kann man auch in Damenindisch, Tarrasch-Verteidigung oder anderen geschlossenen Eröffnungen landen. In schachlicher Hinsicht ist das Buch sehr kompetent und bisweilen auch angenehm launisch. Allerdings ist das Material nicht nach Varianten geordnet. Wenn man es nach der kompletten Lektüre wieder in die Hand nehmen will, um einzelne Varianten nachzuschlagen, dürfte das Fehlen eines Variantenindexes unangenehm auffallen.
Der Igel ist vermutlich ohnehin kein System für schwächere Spieler, und diesen ist Subas Buch auch nicht zu empfehlen. Letzztlich ist das Buch wohl nur für starke Spieler und Fernschachspieler interessant, die sich mit den Feinheiten dieses Systems beschäftigen wollen.


Einblicke in die Meisterpraxis: Eröffnungsvorbereitung und Psychologie. Angriff und Verteidigung: Fischers 6.Lc4-Sizilianisch. Igelstrategien und vieles mehr
Einblicke in die Meisterpraxis: Eröffnungsvorbereitung und Psychologie. Angriff und Verteidigung: Fischers 6.Lc4-Sizilianisch. Igelstrategien und vieles mehr
von Frank Zeller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungene Partiensammlung, 18. März 2005
Frank Zeller ist IM und mehrfacher Württembergischer Meister. Eigentlich keine Karriere, die dazu prädestiniert, eine Sammlung eigener Partien - dazu noch mit Mitte 30 - auf den Markt zu werfen. Freilich hat sich der Autor schon mit "Sizilianisch im Geiste des Igels" als talentierter Autor erwiesen, und auch diesmal ist ihm ein lesenswertes Werk gelungen, daß ihn mehrere thematische Kapitel (darunter eine Vorstellung des Autors, natürlich zum Igel, zu Sizilianisch mit Lc4 und Tragödien am Schachbrett) unterteilt ist.
Zeller hat einen lebendigen Schreibstil, den zu lesen Spaß macht. Obwohl der Autor kein Weltklassemann ist, ist sein Buch sicherlich besser als die vielen mitunter sehr oberflächlichen Sammlungen, mit denen das Spitzenschach zyklisch wiederverwertet wird.
Das Buch ist zwar nicht sehr umfangreich, aber man erhält ein sauberes Druckbild und erfreulicherweise eine feste Bindung. Den einen Stern ziehe ich vor allem deshalb ab, weil die Unterscheidung von Textzügen und Variantenköpfen nur durch den Schriftgrad nicht ganz so übersichtlich ist wie es z. B. die Verwendung von Kursiven gewesen wäre.


Sizilianisch im Geiste des Igels
Sizilianisch im Geiste des Igels
von Frank Zeller
  Gebundene Ausgabe

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bemerkenswert ausführliche Darstellung, 6. März 2005
IM Frank Zeller präsentiert ein Buch, das erklärt, wie man im Sizilianer igelt. Es ist kein Buch über eine bestimmte Variante, denn Igeln kann man über Najdorf, Scheveninger und Paulsen, wobei er letzteres für den sichersten Weg hält. Das Buch ist dafür geschrieben, von vorne bis hinten ganz durchgelesen zu werden. Tatsächlich nimmt er immer wieder Bezug auf frühere Ausführungen. Es enthält ausführliche wortsprachliche Erläuterungen, aber keine Variantenkataloge im Informatorstil.
Es ist schon bewundernswert, daß sich Zeller so viel Mühe gibt, um ein Eröffnungssystem zu beschreiben. Es ist kein Buch, um sich schnell ein System anzueignen, sondern eines, mit dem man jahrelang arbeiten kann. In dieser Hinsicht ist es sicherlich eine wertbeständige Anschaffung. Der einzige Kritikpunkt ist m. E. der, daß die praxisrelevanten Aufbauten mit c4 (statt Sc3) zu kurz kommen.


Birth of the Chess Queen: A History
Birth of the Chess Queen: A History
von Marilyn Yalom
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes Buch, aber fragwürdiger theoretischer Ansatz, 4. Februar 2005
Yalom legt ein Buch vor, in dem sie die Geschichte der Schachfigur "Dame" im Mittelalter mit der politischen Stellung mittelalterlicher Königinnen verknüpft. Sie selbst lehrt Frauengeschichte in den USA, und als Schachhistoriker staunt man schon etwas, wie gut sich die Autoren in die Geschichte des mittelalterlichen Schachs eingearbeitet hat, denn das ist alles andere als einfach. Trotzdem muß man den feministisch-historischen Ansatz hier als theoretisch verfehlt erachten. Im arabischen Schach war die Dame ein Wesir und konnte nur ein Feld diagonal ziehen und damit der schwächste Offizier. Im europäischen Mittelalter taucht sie in der frühesten Quelle (Einsiedelner Schachgedicht, Ende 10. Jhdt.) als domina auf. Die heutigen Zugmöglichkeiten erhält sie erst am Ende des 15. Jhdts. Schach als metaphorische Abbildung der Welt zu sehen und die Figuren vor dem Hintergrund der Geschichte zu interpretieren, wie es Yalom tut, wird dem Spiel, daß eine Eigenlogik erhalten muß, um überhaupt spielbar zu sein, nicht gerecht. Zwar haben die Schachzabelbücher in der Nachfolge des Dominikanermönchs Jacobus de Cessolis dies auch getan und waren im späten Mittelalter in ganz Westeuropa sehr populär, aber es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß diese theologische Rezeption in irgendeiner Form auf das Spiel selbst zurückwirkt. So bemerkt man als Leser auch, daß die schachhistorischen und die politisch-historischen Teile des Buches nie wirklich homogen verbunden werden, sondern eher kontrastiv wirken, obwohl das Gegenteil intendiert ist.
Das Buch ist sehr sorgfältig produziert, verfügt über eine Reihe von Farbtafeln, und wie erwähnt, ist Yalom die Einarbeitung in die Schachgechichte gut gelungen. Das alles reicht mir für vier Sterne, denn die Lektüre war wirklich keine vertane Zeit. Aber das der feministische Ansatz keine universelle Geltung für die Interpretation der Geschichte haben kann, belegt das Buch ungewollt auch ganz deutlich.


Orpheus
Orpheus

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach phantastisch, 26. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Orpheus (Audio CD)
Die Orffschen Monteverdi-Bearbeitungen verdichten das originale Material, dessen Affektivität für den an romantische Opern gewöhnten Hörer nicht so ohne weiteres erfahrbar ist. Rezitative, wie man sie von barocken Opern oder Oratorien gewohnt ist, gibt es nicht, alles ist arios ausgeführt. Der bezaubernde grazile Eindruck Monteverdis bleibt erhalten, der harte Duktus des Orffschen Personalstils ist nicht spürbar.
Mit der Bestzung Prey/Popp/Wagemann/Ridderbusch unter dem Dirigat von Eichhorn ist die Aufnahme ein Fest der Vokalmusik. Carl Orff selbst tritt zu Beginn der Oper als Sprecher auf.


Ethnoquest: An Interactive Multimedia Simulation for Cultural Anthropology Fieldwork, Version 3.0
Ethnoquest: An Interactive Multimedia Simulation for Cultural Anthropology Fieldwork, Version 3.0
von Frances Berdan
  Taschenbuch
Preis: EUR 61,12

5.0 von 5 Sternen Gelungenes Rollenspiel, 19. September 2004
EthnoQuest 3.0 ist ein Rollenspiel, mit dem junge Ethnologiestudenten in die Feldforschung (teilnehmende Beobachtung) eingeführt werden soll. Die Bewohner eines fiktiven mexikanischen Dorfes werden durch Fotos und Sprechblasen dargestellt. Das erfüllt zwar keine Anforderungen an industrielle Computerspiele, aber die gesamte Oberfläche ist liebevoll programmiert. Wichtig ist, das man während der 10 Lektionen immer wieder die Auswahl zwischen Fragen hat und sich auch auf subtile Weise irren kann. Man darf sich nicht nur mit Routine durch das Spiel durchklicken können. Auch ist der Verlauf nicht völlig determiniert, z. B. reagieren die Bewohner unterschiedlich auf männliche und weibliche Spieler.
Überhaupt ist es die erste didaktische Computersimulation für ein kulturwissenschaftliches Fach, die mir wirklich gelungen erscheint.


Calendrical Calculations Millennium edition
Calendrical Calculations Millennium edition
von Edward M. Reingold
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hauptwerk der Kalenderinformatik, 27. Juni 2004
Reingold und Dershowitz präsentieren in der zweiten Auflage ihres Werkes Algorithmen für 25 Kalendersysteme: Gregorianisch, ISO, Julianisch, Altägyptisch incl. Armenisch, Koptisch incl. Äthiopisch, Islamisch (Arithmetisch und nach Beobachtung), Persisch (astronomisch und arithmetisch), Bahá'í (westlich und zukünftig), Hebräisch, Maya-Kalender (lange Zählung, Haab und Tzolkin), Pawukon, Französische Revolution (astronomisch und arithmetisch), Chinesisch incl. Japanisch, Hindu (solar und lunisolar, jeweils alt und neu, aber nur eine der regionalen Varianten) sowie die Julianische Weltzeit (alt und modern). Das Buch ist weder historisch noch mathematisch orientiert, sondern ausschlielich auf die Computerimplementierung. Das Ziel der Autoren ist es, die Umrechnung und die Feiertagsberechnung für ± 10.000 Jahre von heute genau anzugeben, was aber nicht immer erreicht wurde. Die Algorithmen im Buch sind in mathematischer Notierung wiedergegeben. Es liegt eine CD-ROM bei, auf der sich Implementierungen in LISP, JAVA und für MATHEMATICA befinden. Außerdem gibt es eine HTML-Seite mit einem JAVA-Applet, daß allerdings nur Umrechnungen, aber keine Feiertage enthält.
Der einzige Kritikpunkt liegt darin, daß eine Bindung geeigneter wäre, die beim Programmieren aufgeschlagen liegen bleibt. Inhaltlich aber gehört das Buch sicherlich zu den bedeutendsten des Computerzeitalters.


Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Pflichtfortsetzung: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde: Fibel und Fibeltracht
Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Pflichtfortsetzung: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde: Fibel und Fibeltracht
von Rosemarie Müller
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtiger Separatdruck, 24. März 2004
Der Band enthält einen unveränderten Nachdruck des Stichwortes "Fibel" aus der zweiten Auflage des Reallexikons der germanischen Altertumskunde. Da es sich um eine archäologische Leitform handelt, wird das Thema auf 196 Seiten behandelt. Um besser zitieren zu können, wurde eine Seitenkonkordanz zum Original beigefügt (d. h., hinter jeder Seitenzahl steht in Klammern die des Originals). Nichtfachleute sollten sich aber darüber im Klaren sein, daß hier eine sehr gedrängte und viel Vorwissen voraussetzende Sprache benutzt wird.


Ist der Geist berechenbar? Philosophische Reflexionen.
Ist der Geist berechenbar? Philosophische Reflexionen.
von Wolfgang Köhler
  Broschiert
Preis: EUR 34,90

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswerte Zusammenstellung zu einem aktuellen Thema, 7. Februar 2004
Das Buch versammelt neun Beiträge von Wissenschaftstheoretikern. Drei sind überarbeitete Fassungen früherer Aufsätze, die anderen Originalbeiträge.
Es beginnt mit einem Beitrag von M.Scheutz zur Geschichte der Berechnungsthese. Er weist nach, daß deren Wurzeln und auch das Fürmöglichhalten von "Denkmaschinen" bis in das 17. Jahrhundert zurückreichen, weil einerseits die Annahme, daß Denken Repräsentationen benötige, mit der Entdeckung des Rechnens mit Variablen korrespondierte und andererseits Leibniz der Überzeugung war, daß es atomare, erste Begriffe gäbe. Aktuell wurde die These aber erst mit der Erfindung des Computers. Turing war davon überzeugt, daß seine Turingmaschine auch ein Modell des Gehirns sei. Zumindest die Vermutung, der Geist rechne, führte in Gehirnforschung oder KI durchaus zu beachtenswerten Resultaten. Kritik daran kommt (1) von Konnektionisten, die eine subsymbolische Ebene der Informationsverarbeitung annehmen, (2) von "Dynamizisten", die wegen der problematischen Erfassung nichtlinearer Dynamiken damit rechnen, daß essentielle Eigenschaften des Geistes durch die Berechenbarkeitsthese übersehen werden und deshalb auf dynamische Systembeschreibungen zurückgreifen, und (3) wird eingewendet, daß Kognition immer nur relativ zur Umwelt beschrieben werden könne. Scheutz weist schließlich auf neue Ansätze wie den dynamischer Regelkreise hin, die das dynamizistische und das Berechnungsmodell verbinden. Als Fazit fordert er, grundlegende Begriffe der Berechnungsthese (Programm, Prozeß, Implementation etc.) zu untersuchen.
Im nächsten Aufsatz stellt K.Fischer drei Grundirrtümer der Maschinentheorie des Bewußtsein vor. Der erste besteht in der funktionalistischen Annahme, jedes Programm würde auf jeder Maschine gleich funktionieren. Hätte man eine vollständige Beschreibung von Einsteins Gehirn, so könnte man sich durch Computerimplementation desselben mit Einstein - nicht einer Simulation! - unterhalten. Dagegen spricht, daß die Semantik eines Programms nicht im Programm selbst begründet liegt, sondern in dem, was der Programmierer damit meint. Theoretisch ist es ja vorstellbar, daß völlig verschiedene Sachverhalte mit demselben Programm bearbeitet und dabei identische Speicherzustände erzeugt werden. Der wesentliche Unterschied zwischen technischen und biologischen Kognitionssystemen sei, daß letztere die semantische Ebene bestimmen können. Daraus ergibt sich der zweite Grundirrtum, der in der syntaktischen Theorie des des Geistes besteht. Eine Tontafel mit einer unbekannten Schrift läßt sich nicht entziffern, wenn es keine zusätzliche Deutungshilfe gibt, und genaugenommen kann man nicht einmal beweisen, daß es sich überhaupt um Schrift handelt. Auch wenn zwei Schachcomputer gegeneinander spielen, braucht man kein Spielmaterial mehr, die bloße Manipulation physischer Zustände reicht. Für einen Zuschauer wäre das Schachspiel nicht erkennbar. Beides sind Beispiele dafür, daß sich Strukturen ohne minimale semantische Zuschreibung nicht allein aus ihrer Syntax denken lassen. Als dritten Grundirrtum identifiziert Fischer den Behaviorismus, der den psychologischen Theorienbestand auf Theorien reduzieren möchte, die durch Beobachtung verifiziert werden können. Deshalb können Behavioristen auch Computern mentale Zustände zuschreiben, weil sie diese nur vom Standpunkt des äußeren Beobachters her beurteilen.
Interessant sind die Ausführungen zum Funktionalismus von G.Brüntrup. Er zeigt, daß es ihn in zwei Varianten gibt, nämlich einen methodologischen und einen metaphysischen Funktionalismus. Während der methodologische nur die Darstellung von Korrelaten ontischer Entitäten als heuristisches Prinzip benutzt und dabei notwendigerweise nie völlig richtige oder vollständige Aussagen trifft, behauptet der metaphysische, daß sich funktionale und physische Ebene bis hin zur Identität decken lassen.
G.Keil liefert eine Betrachtung des Homunkulismus . Dieser besteht darin, daß Annahmen zur Kognition so formuliert werden, als nähme im Gehirn ein kleiner Mensch die Beobachterrolle wahr. Ein Beispiel dafür ist das invertierte Netzhautbild, daß dennoch richtig herum gesehen wird. Das ist nur ein Problem, wenn man die Netzhautreizung für eine eigene Bildinstanz hält, die dann selbst wieder gesehen werden müßte. Dieser Einwand trifft auf einer etwas subtileren Stufe den ganzen naturalistischen Repräsentationalismus, weil letztlich immer die Fähigkeit zur Regelfolge vorausgesetzt werden muß, was eine intensionale, nichtphysische Fähigkeit sei. Da nichtintensionale Phänomene durch Zustandsfunktionen ohne intentionalitätssuggerierende Verben beschrieben werden können, ist die Homunkulismusannahme eine überflüssige Sprachkonvention, die sich mancherorts zur Hypothese verdichtet.
H.Tetens verteidigt in seinem Beitrag den Naturalismus und hat damit einen schweren Stand. Er beginnt zunächst mit einer Darlegung von Wissensrepräsentation in semantischen Netzwerken und den Übertragungsschwierigkeiten von Laborphänomenen auf die komplexere Wirklichkeit. Wegen solcher komplexen Überlagerungen sei gar nicht zu erwarten, daß auch ein zutreffendes Theorem ein Phänomen der Wirklichkeit en detail richtig beschreiben kann. Und Tetens meint, daß Außen- und Selbstkommentare ohne weiteres in ein neurowissenschaftliches Modell des menschlichen Verhaltens integrierbar seien. Dafür bieten sich neuronale Netze an, weil man keine Algorithmen braucht, um einen sensorischen Input in beobachtbares Verhalten zu transformieren. Natürlich ist es angesichts der enormen Zahl der Verschaltungen im menschlichen Gehirn auch dann unmöglich, jemals eine vollständige Berechnung eines solchen vorzunehmen.
H.-D.Mutschler fragt "Rechnet die Materie?" Er weist darauf hin, daß die Physik eigentlich gar keinen Materiebegriff kennt, was die Naturalisten, die sich die Welt aus Materie gemacht vorstellen, irritieren sollte. Wenn man im naturalistischen Sinne eine Computer-Gehirn-Analogie annähme, entkommt man dem Problem der Zweckbestimmung des Rechners nicht, der für das Gehirn praktisch die metaphysische Annahme eines Natursubjekts bedeutet. Deshalb drohe der Naturalismus in einen Idealismus umzukippen. Schließlich erinnert er, daß zunächst so unerklärliche Phänomene wie Gravitation, Elektrizität und Magnetismus irgendwann einfach vom Explanandum zum Explanans befördert worden sind. Die Wissenschaft würde nicht untergehen, wenn dies auch eines Tages mit dem Geist geschähe.
L.Röska-Hardy geht der Frage nach, wie physisch der Geist sei?. Ihr Aufsatz ist unglücklich platziert, denn die meisten Argumente zu Intentionalität und Repräsentation, die sie an einer adäquaten naturalistischen Erklärung zweifeln lassen, hat man schon zuvor gelesen.
Der Beitrag von A. Kemmerling "Was ist der menschliche Geist?" ist ein aus einem Vortrag entstanden und deshalb wesentlich leichter lesbar als die anderen. An dieser Stelle muß man Kritik an den Herausgebern üben, denn für interessierte Laien wäre er eine gute Hinführung zum Thema und hätte deshalb an die erste Stelle gehört.
Als letztes geht noch einmal W.R.Köhler der (Un-)Berechenbarkeit des Menschen auf den Grund. Auch er kommt auf das Syntax-Semantik-Problem zu sprechen. Schließlich rundet er das Buch mit einigen Gedanken zum Thema Freiheit und Entscheidung ab.
Natürlich ist der Inhalt ebenso interessant wie aktuell. Allerdings handelt es sich eben auch um eine fachphilosophische Publikation, die einige Ansprüche an das Vorwissen der Leser stellt. Wer sich nicht selbst mit Erkenntnistheorie, mit Neurophysiologie oder KI beschäftigt, dürfte einige Probleme damit haben.


Einführung in Perl-Objekte, Referenzen & Module
Einführung in Perl-Objekte, Referenzen & Module
von Randal L. Schwartz mit Tom Phoenix
  Taschenbuch

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Notwendige Ergänzung, 5. Februar 2004
Die Autoren fassen ihr Buch als zweiten Band zu 'Einführung in Perl' von Schwartz auf. Dabei werden die Themen behandelt, die dort fehlen, nämlich Referenzen und das objektorientierte Programmieren (OOP). Das alles geschieht in dem lockeren, etwas ironischen Stil, der für die Perl-Bücher amerikanischer Autoren üblich ist. Eine kleine Einschränkung allerdings gibt es: der fortgeschrittene Anfänger wird sachte von der Objektorientierung bis zur Nutzung und zum Erstellen eigener Module im CPAN (Comprehensive Perl Archive Network) geleitet, aber eben nur mit Modulen, die auch selbst in Perl geschrieben sind. Viele im CPAN publizierte Module sind aus Geschwindigkeitsgründen in C geschrieben.


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