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g-hard85

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The Dreamer/the Believer
The Dreamer/the Believer
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 17,53

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 3.5 Sterne, 13. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: The Dreamer/the Believer (Audio CD)
Das Ende des doch recht ordentlichen Hip-Hop-Jahres 2011 sollte nochmal durch zwei Releases versüßt werden, nämlich durch das neue Werk von "The Roots" und zum zweiten durch das etwas überraschende "The Dreamer, The Believer" vom Midwest-Rapper Common. Während "How I Got Over" noch in bester Erinnerung geblieben ist und "Undun" eigentlich als Blindkauf-Produkt abgestempelt werden konnte, war ich mir bei Commons Platte unsicher, schließlich war "Universal Mind Control" enttäuschend und sicherlich sein bis dato schlechtestes Album gewesen. Immerhin konnte NoID, der große Teile der ersten drei Common-CDs (erfolgreich) produzierte und nun wieder mit von der Party ist, für erste Entwarnung sorgen. Außerdem lässt sich die Featureliste gut lesen, man bekommt endlich wieder (fast) nur Common geboten!

Die Entscheidung, die Produktion NoID zu überlassen, erweist sich als Glücksgriff, der Mann hat es musikalisch immer noch faustdick hinter den Ohren und bringt eigentlich nur gute Stücke hervor. Common ist und bleibt ein guter Rapper, auch wenn er in diesem Release teilweise etwas anders auftritt, aggressiver z.B. Am besten gefällt mir ja der "soulige" Common zu "Be"-Zeiten (passend auch zu seiner warmen Stimme), aber man darf sich ja ruhig weiterentwickeln. So ist "Sweet" doch ein recht aufbrausender, für ihn untypischer Track, der jedoch insgesamt ziemlich gut geworden ist. Noch besser ist der Anfang- und Schlusspunkt der CD, die wohl die besten Titel sind und wundervoll und liebevoll produziert wurden - "The Dreamer" erinnert mich ein bisschen am Resurrection-Sound, "The Believer" beweist mit John Legend, dass gesungene Hooks auch ins Schwarze treffen können. Daneben finden sich weitere überzeugende Stücke ein, etwa das bezaubernde Instrumental bei "Gold" (die Gesangseinlage nervt aber), "Lovin I Lost" (wieder eine herrliche Musik) oder "Cloth" - spätestens an dieser Stelle wird bestätigt, dass NoID außerordentlich anständige Arbeit geleistet hat!

Nichtsdestotrotz hat das Album Schwächen, auch wenn sie zu verkraften sind. Angefangen bei "Raw", das dämliche Gehupe ging bereits zu "Lean Back"-Zeiten auf den Geist, ansonsten ist der Track aber okay, den Tiefpunkt erreicht "The Dreamer, The Believer" aber im viel zu soften "Celebrate", die Hook ist grauenhaft und macht den Titel zu einem unwiderruflichen Skip-Track - so was geht gar nicht bei einem Common-Album! Danach folgt mit "Windows" zwar kein wirklicher Skipper, aber auch hier versagt das unnötige Gesinge - schade um den Beat... Zum Glück war es dann auch mit den Negativ-Points.

Man kann abschließend vollstens beruhigt sein, Common ist wieder da und lässt sich von seiner altbekannten Seite zeigen, die NoID-Wahl sollte hierbei kein Zufall gewesen sein. Die Produktion gefällt mir ausnahmslos gut und macht Hoffnung und Hunger auf mehr und Common hat noch immer etwas zu berichten; er gehört zum Glück zu den Leuten, die nicht krankhaft irgendwelchen Hypes hinterlaufen (abgesehen vielleicht beim Vorgänger-Album), sondern nach wie vor Hip-Hop machen. Nur wenig aussagende Party-Tracks mit nervtötenden Refrains könnte man das nächste mal weglassen. Macht aber nichts, wenn der Rest stimmt, mit Common ist wieder zu rechnen!


Reasonable Doubt
Reasonable Doubt
Preis: EUR 7,49

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 4.5 Sterne, 5. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Reasonable Doubt (Audio CD)
Vorerst sollte erwähnt werden, dass Jay Z nicht gerade zu meinen Lieblingsrappern zählt, im Gegenteil, ich kann offen gestanden keinem seiner Alben etwas abgewinnen, außer seinem Debut - es ist ironischerweise das einzige nicht Nummer 1-Album in Jay-Z'-Disco so weit ich weiss. Ehe 1996 "Reasonable Doubts" erscheint, genoss Shawn Carter im New Yorker Untergrund bereits ein gewisses Ansehen aufgrund seiner lyrischen Fähigkeiten (war u.a. zusammen mit dem damals ebenfalls noch unbekannten Ja Rule Gast bei Mic Geronimos Debut).

"Reasonable Doubts" ist für mich ein echter Blueprint, "Jigga" offenbart dem Hörer eine unglaubliche Vielfalt, sei es auf musikalischer oder auf textlicher Ebene, oder auch einfach in dem Sinne, dass die Hip Hop-Welt eine neue charismatische Hauptfigur begrüßen durfte, die fortan das Genre mitprägen sollte und auch heute noch prägt (wenn auch mit anderer Qualität als in früheren Tagen). Textlich gehörte er durchaus zum Besten, was die Eastcoast damals bieten konnte, thematisch gibt er sich so ein bisschen als nachdenklicher, philosphischer Gangster aus (inspiriert u.a. von Raekwons Mafioso-Stil auf dessen "Cuban Linx"), der, so scheint es, die Mischung aus westcoast'scher Gangsterideologie und New Yorker Lyriktalent anstrebte und schliesslich auch erfolgreich praktizierte. Die Produktion spiegelt diese Erscheinung wunderbar wieder, vor allem wenn es um die "nachdenklicheren", ernsten Songs geht.

Diese sind auch die mit Abstand besten der Platte, angefangen mit "Dead Präsidents II", der vielleicht berühmteste, mindestens aber einflussreichste Titel von ihm (mit dem berühmten Nas-Wortspiel im Refrain), der sicherlich seinen Beitrag dazu geleistet hatte, dass "Reasonable Doubts" generell als Klassiker angepriesen wurde. Mir gefallen aber zwei Tracks sogar noch ein wenig besser, einmal "D'evils", mit seinen tollen unterrichtenden Strophen sowie dem gelungenen Snoop Dogg-Sample auf einem starken Premo-Beat, und das großartige, sehr schwermütige "Can I Live", welches traumhaft mit klagenden Trompeten unterlegt ist - so bleibt selbst mir nichts anderes übrig, als Jay Z' Talent zu würdigen. Der gesamte Rest ist ebenfalls von hoher Qualität, angefangen mit dem ruhigen Opener (mit Mary J. Blige), darauf folgend das Gipfeltreffen zwischen Jigga und Biggie bei "Brooklyn's Fynest", das verträumte "Feelin' It", "Ain't No ****" (wobei die EPMD Version der 80er wohl etwas besser war) oder etwa auch das kreative "22 Two's".

Abschließend kann man diese CD zu den bedeutendsten Rapplatten der 90er einreihen, neben vergleichbaren Werken wie etwa "Illmatic" oder "Ready To Die". Ich halte es zudem für durchaus diskussionswürdig, ob Jay Z eventuell ein besserer Lyriker ist als Nas, ohne selbst dabei ein konkretes Urteil fällen zu wollen. Jedenfalls gefällt mir fast alles post 1996 von ihm wenig bis überhaupt nicht (das gilt auch für "The Blueprint"). Die Magie und besondere Stärke seines Debuts möchte ich aber keinesfalls anprangern und halte eine Höchstnote durachaus für angebracht.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 29, 2012 8:45 PM CET


The Low End Theory
The Low End Theory
Preis: EUR 6,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 5 Sterne, 4. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: The Low End Theory (Audio CD)
ATCQ konnte, nach einigen Zusammenarbeiten/-auftritten mit De La Soul und den (im Laufe der Zeit leider nicht mehr relevanten) Jungle Brothers 1990 ihr Debutalbum hinlegen, welches mit großer Begeisterung empfangen und gewürdigt wurde. Gerade mal ein Jahr später erschien "The Low End Theory", welches nochmal eine Steigerung zu ihrem ersten Klassiker werden sollte. Im Vergleich zu ihrem Erstling hat sich einiges getan um Q-Typ und Phife und zwar vor allem im musikalischen Sinne. Die komplette Platte ist extrem homogen gehalten mit (fast) immer der gleichen Erfolgsformel: viele Drums, "harter" Bass und einfach gehaltene Soundstruktur, gepaart mit jeder Menge Jazzelemente. Die bevorzugte Verwendung von Jazz (und teils auch Soul-Stücken) galten so ein bisschen als eastcoast'sche Antwort zur langsam aber sicher auftretenden neuen Funkrichtung der Westküste.

Der besondere und einzigartige ATCQ-Sound (dessen Stil zwar bekannt, aber nie so perfektionistisch-elaboriert gewesen war) machte die Platte zum Außergewöhnlichen, die schnellen Drums, der kräftige Bass lassen wie nichts anderes den Körper bewegen, den Kopf nicken, den Gemütszustand aufleuchten. Dies demonstriert bereits der grandiose Anfangstrack, "Excursions", der ziemlich perfekt den eben genannten Sound darstellt: er fängt relativ geschmeidig an, irgendwann folgen die Drums, zu denen Q perfekt seine Rhymes losfeuert und endet vorerst mit einem wundervollen jazz-melodiösen Zwischenstück, ehe die Show weitergeht - für mich einer der mit Abstand besten Opener überhaupt. Sehr genial auch der darauf folgende Titel "Buggin' Out", der die gleiche Qualität aufweist. Trotz der einheitlich gehaltenen Musikstruktur ist "The Low End Theory" erfreulich abwechslungsreich, so gibt es neben diesen "bewegenden"/mitreißenden Stücken auch die der entspannnenden Sorte wie etwa "Jazz (We've Got)" oder "Vibes And Stuff" (wieder mit einem traumhaften Zwischenstücke, auf Refrain wird öfters verzichtet). Die Produktionen wissen generell als Gesamtpaket zu gefallen, Langeweile taucht ein keiner Stelle auch nur ansatzweise auf.

Raps und Inhalte überzeugen sowieso; Q gehört zu den cleversten und flowstärksten Rappern überhaupt (zeichnet sich natürlich auch mit seiner nasalen Stimme aus), Phife ist etwa auf derselben Wellenlänge (wenn auch mit weniger Einsätzen) und die perfekte Ergänzung. Thematiken sind auch für damalige Verhältnisse altvertraute: Musikindustrie-Kritik, Gewalt oder auch Widmung der eigenen jazzigen Stilrichtung. Gut gewählt sind auch die Features, mit Brand Nubian, Diamond D und ein gewisser Busta Rhymes (mit seiner berühmten "RRRRRROAW RRRRRRROAW like a dungeon dragon"-Line, von "Scenario").

"The Low End Theory" ist nicht einfach nur ein Klassiker, wie viele andere auch von den 90er, es ist ein universelles, genreübergreifendes Meisterwerk (weswegen die Hälfte der ATCQ-Hörer nicht zwingend Rap-Fans sind). Grund dafür ist natürlich vor allem die innovative Mischung aus melodiösen Jazz und "ruffen" minimalistischen Effekten - sozusagen "staubtrockene Melodie", die bei jedem Hinhören immer wieder etwas neues zu endtecken bereit hält und das ist auch heute, zwei Dekaden später, der Fall. Definitiv eine der essentiellsten Musikplatten der letzten Jahrzehnte!


Collected EP
Collected EP
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 4 Sterne, 3. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Collected EP (MP3-Download)
Nur zufällig bin ich auf diese EP gekommen, nämlich durch das "Tha Connection"-Feature (eine Gruppe, die in den letzten Jahren für ziemlich frischen Wind in der Hip-Hop-Szene sorgen konnte). Von Darkitect wusste ich bis dato gar nichts, was sich auch bis heute nicht geändert hat (ist das ein Europäer?); allerdings serviert der Künstler in diesen kurz gehaltenden 8 Tracks eine gehörige Portion Talent!

Eigentlich ist die Musik nicht wirklich neuartig, jedoch ist sie um Welten besser als (fast) alles andere, was ich 2011 gehört habe. Hier ist alles stimmig, die Produktion ist wundervoll atmosphärisch und die Gäste mehr als passend gewählt. Jeder Track überzeugt auf ganzer Linie, es gibt sogar einen Track, den ich jetzt schon als Klassiker bezeichne: "Helpless" (natürlich mit Tha Connection). Die Musik hier ist atemberaubend, beschwört eine fantastisch melancholisch-emotionale Stimmung auf und wird von sehr eindringlichen Strophen begleitet - traumhaft! "Darkwinds" geht da in eine vollkommen andere Richtung und erscheint als klassischer "Kopfnicker". Bei "Pollution" ergänzen sich die schwermütige, mit Bläsern beschmückte Musik und dem etwas stimmschwach erscheinenden Hus (klasse Rapper!) perfekt, "In My Dreams" ist dann wieder so ein richtig gelungener dramatischer Song und "Blind To Religion" erinnert mich immer wieder daran, "Königreich der Himmel" aus meiner Dvd-Kiste rauszukramen.

Hoffentlich erscheint bald neues von Darkitect, der Junge scheint grad eine sehr kreative Phase zu haben und arbeitet mit den richtigen Leuten zusammen. Schade, dass der Spass nach knapp 25 Minuten vorbei ist und dass man sich wohl vorerst mit einem mp3-Download zufrieden geben muss (die 6-7 Euro sind es aber wert), wärs ein Longplayer mit derselben Klasse, wäre es für mich vielleicht eine 4.5 Sterne-Platte (und damit bis jetzt alleinstehend) gewesen und der beste Rapoutput 2011. Hört euch auf jeden Fall das Snippet an!


Violence Begets Violence
Violence Begets Violence
Preis: EUR 21,23

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen 2.5 Sterne, 11. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Violence Begets Violence (Audio CD)
Tja, dass es mit JMT schon seit Jahren bergab geht, ist kein Geheimnis, aber mittlerweile haben wir wohl endgültig den Tiefpunkt der Gruppe erreicht, auch wenn man sich im Vergleich zu anderen Releases immerhin noch gerade eben im Mittelfeld befindet, aber eines nach dem anderen. "Violence Begets Violence" ist das zweite Album, indem Jus Allah sein Comeback feiert und erscheint nun im neuem Rap(-)Gewand, d.h. im Klartext, simple Wortkonstruktionen und eine "neue" tiefe Stimme, die aber irgendwie gefällt; Premiere an diesem Album ist jedoch die Abwesenheit vom ehemaligen Beatgenie Stoupe - warum geht es jetzt als JMT-Album durch? Ob die Abwesenheit bdauerlich oder gut ist, muss jeder für sich entscheiden, einen Stoupe ersetzen ist unmöglich, allerdings reden wir vom Stoupe von vor zehn Jahren, eine innovative Aufrischung muss nicht unbedingt falsch sein und so dürfen sich einige unbekannte Artisten ans Werk machen.

Die Produktion bleibt aber weitgehend bedeutungslos, nicht vollkommend schlecht, aber ziemlich 08/15, typischer temporärer AOTP-Sound, den kein Mensch braucht. Und raptechnisch wird hier Langeweile pur geboten, Vinnie Paz hat überhaupt nichts mehr zu berichten, die schwulen- und kirchenfeindlichen Themen sind absolut einfallslos und überholt, die sorgten zwar vor zehn Jahren für Aufsehen, aber man hatte genug Zeit, sich mal etwas neues einfallen zu lassen. Eine detaillgetreue Rezension überspringe ich, es gibt sowieso nichts besonderes zu berichten, die Beats sind wie gesagt plastisch, die Raps billig; dass man Leute umbringen will und diverse Minderheiten hasst und auf unterster Schiene verspottet, interessiert auch keine Sau mehr. Es gibt sage und schreibe einen Track, den ich ganz cool finde - wenn auch nicht überragend - und zwar "Design In Malice" und das auch nur aufgrund der gutgewählten Features von Young Zee und Pacewon, der Rest plätschert dahin. Wenigstens sind die Beats nicht grauenhaft schlecht und sorgen dafür, dass sich die Platte zumindest im Durchschnitt weiderfindet und nicht als absolut schlecht bezeichnet werden sollte; trotzdem, für JMT-Verhältnisse indiskutabel.

Was sich seit Jahren angebahnt hat, findet hiermit seinen letzten Endes traurigen Schlusspunkt. "A History Of Violence" fand ich gar nicht mal so schlecht und Jus Allah konnte auf seine primitiven Art irgendwo doch noch rocken, die Gruppe wollte ich noch nicht aufgeben, aber nach so vielen uninspirierten Outputs von Seiten Paz' (Kollabo mit Ill Bill, AOTP-Auftritte, Soloplatte etc.) und dieser CD hier ist das Kapitel JMT für mich nun entgültig beendet. Die ersten zwei CDs habe ich weiterhin in bester Errinerung, die nachfolgenden Alben bis einschließlich 2008 höre ich mir auch gerne an, da man immer wieder etwas interessantes, neuartiges wiederfindet. Aber damit dürfte nun Schluss sein. JMT, ruhet in Frieden!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2011 10:34 PM CET


Quality (Explicit Version)
Quality (Explicit Version)
Preis: EUR 9,39

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 3 Sterne, 10. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Quality (Explicit Version) (MP3-Download)
Endlich, nach zwei enorm starken Kollabos, '98 mit Mos Def alias Black Star und 2000 mit Hi-Tek als Eternal Reflection, erblickt 2002 mit "Quality" Talib Kwelis Debut das Licht der Welt. Und Qualität, um's vorwegzunehmen, soll hier in der Tat geboten werden. Einerseits liegt dies an Talib selber, der zu den Top-Rappern der letzten gefühlten 15 Jahren zählt und m.E. durchaus mit einem Nas oder Q-Tip Ähnlichkeiten aufweist, andererseits an den größtenteils starken Produktionen, für die Berühmtheiten wie Kanye West (der zu der Zeit bereits langsam aber sicher seine Genialität zu offenbaren vermag), DJ Quik, DJ Scratch, J Dilla oder Ayatollah verantwortlich sind, leider aber diesmal ohne Hi-Tek.

Die Abwesenheit von Hi-Tek ist bedauerlich, für mich ist er derjenige, der Talib bisher am besten in Szene setzen konnte (neben dem Black Star-Album und "Train Of Thought" auch bei "Mood", dem Debut der Gruppe Doom) und auch meisterlich Rote Fäden garantierte. Genau einer von diesen fehlt hier und ist der einzige Kritikpunkt, den ich aufzählen kann, es ist jedoch ein schwerwiegender Punkt. Dabei startet "Quality" verdammt gut, "Rush" ist ein richtiger Bombentrack mit einem wunderbar auftrumpfenden Talib, der auch im Rest der CD ununterbrochen hochmotiviert zur Sache geht, technisch brilliert, thematisch vielseitig ist und ein Mann der Message ist, dem man zuhören sollte. "Get By" überzeugt ebenfalls mit toller Produktion von Herrn West (hier wurde glaube ich damals auch ein Video gedreht). Weitere herausragende Titel sind das mit einem hämmernden Beat unterlegten "Waitin For The DJ" (trotz schlechter Hook), "Guerilla Monsoon Rap" (mit guten Versen von Black Thought und Pharoahe Monch) und das spritzig-coole "Put It In The Air". Schön sind auch die ganzen Anspielstationen a la "Talk To You", in denen Talib seine ruhige und nachdenkliche Seite offenbart, eine Seite, die er ziemlich authentisch und gekonnt rüberbringt. Am besten gefällt mir aber der austeilende, (positiv-) aggressive Talib wie im Falle von "Rush" ("We fight, fuck, get buckwild, Kill, chill, make love, have child, Freestyle, b-boy, hit the block, Build, destroy, get it hot"), der leider etwas zu kurz auf "Quality" kommt.

Ich hatte mir seinen Erstling damals blind gekauft und bereue den Kauf definitiv nicht, jedoch habe ich ihn mir nie wirklich an einem Stück durchgehört, da mir der besagte Faden fehlt, eher höre ich mir die meisten Titel einzelnd an, die für sich alleinstehend sehr gut geworden sind. Vielleicht bin ich auch zu engstirnig und konservativ, wenn ich nach Hi-Tek schreie, aber ich bin nunmal den Hi-Tek-Kweli der 90er gewohnt und halte mich an diesen Sound auch fest. Ich stehe mit dieser Sichtweise natürlich alleine da und finde dennoch, dass diese CD in allen Belangen empfehlenswert ist und absolut guten Hip-Hop bietet. Die (guten) drei Sterne wollte ich nur nicht unkommentiert lassen.


How I Got Over (Explicit Version) [Explicit]
How I Got Over (Explicit Version) [Explicit]
Preis: EUR 9,29

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 4 Sterne, 10. November 2011
The Roots' neuestes Machwerk, "How I Got Over", dürfte mittlerweile ihr zehntes Album sein, wenn ich mich nicht irre. Und wenn man die beeindruckende, Anfang der 90er startende Disco sich mal vor Augen führt, stellt man fest, dass Ausfälle ausschließlich fehl am Platze sind, selbst "The Rising Down", meiner Meinung nach die wohl schwächste Platte, ist leicht überdurchschnittlich (das Debut habe ich allerdings noch nicht gehört). Und wiedermal konnte man getrost blind vorbestellen, wer knapp zwei Jahrzehnte ununterbrochen überzeugt, kann sich als einzigartig bezeichnen; The Roots liefern nicht nur ständige Qualität, sondern immer wieder neue Ideen und Innovationen, so auch im vorliegenden Fall.

Während die letzten beiden Alben eine eher härtere Unternote besaßen, ist nun eine wesentliche fröhlichere, melodiösere Stimmung vorhanden, auch wenn ernste und sozialkritische Themen wieder dabei sind. Diese "Gute Laune"-Stimmung spiegelt sich u.a. auf der Tracklist wieder, wenn man etwa Bezug auf Phonte, Blu oder John Legend nimmt, deren Stärke es ist, "warmen Stücken" die nötige Seele zu verleihen, desweiteren gibt es viel Sing-Sang (auch von Black Thought selbst), der zum Glück nicht kitschig-chartorientiert ist, sondern zum "How I Got Over"-Konstrukt wie die Faust ins Ague passt. Generell wird auf jeden Titel mit anderen Artisten zusammengearbeitet, die gut gewählt sind und die stimmungsvolle Atmosphäre nie durcheinander wühlen. Black Thought, den ich zu meinen Lieblingskünstlern zähle und zu den beständigsten Rappern gehört, rappt etwas weniger als sonst (die Platte dauert auch nur etwa 40 Minuten), überzeugt aber nach wie vor. Die Instrumentals sind natürlich live eingespielt (was mein Gehör aber von nicht eingespielter Musik nicht zu unterscheiden vermag) und bis auf ein-zwei Ausnahmen wundervoll konzipiert. Nur am Ende taucht ein Song auf, der nicht sonderlich gut geworden ist, aber nicht wesentlich die Atmosphäre durchbricht.

Letztlich ist festzuhalten, dass The Roots nach wie vor tolle Musik von höchster Qualitätsgüte vorweisen können; dürfte wohl daran liegen, dass man sich auf seine Stärken konzentriert und nicht irgendwelchen Trends krankhaft hinterherläuft, um auch chartmäßig gut da zu stehen, und darüberhinaus, dass man die Liebe zur Musik und zur Innovation immer wieder neu erfährt. Dies erklärt auch die verschieden Gesichter der einzelnen Roots-Alben, die allesamt mit ihren eigenen Stärken und Charakteristika glänzen können. Das bald erscheinende "The Undun" (cooles Cover übrigens, ähnlich wie bei den verschiedenen Versionen von "Things Fall Apart") kann man denke ich ebenfalls blind kaufen.


The Weatherman
The Weatherman
Wird angeboten von Giant Entertainment
Preis: EUR 19,66

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 3 Sterne, 10. November 2011
Rezension bezieht sich auf: The Weatherman (Audio CD)
Dilated Peoples-Mitglied Evidence zählt zu den meistgefeierten Rappern in der Untergrundszene und sein 2007 erschienenes Debutalbum "The Weatherman LP" zu den meistgefeierten Alben seines Jahrganges - zwei Tatsachen, die ich nicht so gänzlich nachvollziehen kann. Ich gehöre zwar nicht zu den überschwänglichen DP-Fans, kann aber durchaus was mit deren Musik anfangen und so kommt man fast schon automatisch zu dieser Platte. Zwar ist die lange Tracklist mit einer Gesamtspielzeit von etwa 70 Minuten etwas abschreckend, aber das muss natürlich nichts heissen.

Auf der Produzentenliste taumeln sich neben Evidence selbst auch Namen wie Alchemist, DJ Babu, DJ Khalil, Jake One oder DJ Revolution, also Personal, die für Qualität durchaus sorgen können. Und die liegt hier weitgehend vor, die meisten Beats gehen schnell ins Ohr und Filler gibt ehrlich gesagt keine. Evidence-Raps auf schlechten Beats sind mir auch nicht wirklich bekannt, vielleicht hat der Junge für sowas ein gutes Gespür. Besonders gut gefallen mir beispielsweise Babus "A Moment In Time" oder "Things You Do". Generell ist der musikalische Boden - wie das Cover auch - doch recht melancholisch-dunkel gehalten, was mir grundsätzlich zusagt.

Das Problem an "The Weatherman LP" ist m.M.n., dass es nicht überraschendes, nichts außergewöhnliches parat hält, die Produktion ist solide, aber überschaubar und soundtechnisch altbackend und darüberhinaus ist Evidence auf Dauer ein einschläfernder Artist, den ich mir auf einer DP-PLatte größtenteils anhören kann, nicht aber 70 Minuten lang solo. Dass er eine ruhige, langsame Rapart hat, kann als Stil bewertet und als Geschmacksache abgestempelt werden, aber ihn als überragenden Texter hinzustellen, ist völlig überzogen. Ich habe mir die CD gründlich angehört und habe weder auf textlicher, noch auf technischer Ebene feststellen können, dass Evidence in irgendeiner Form außergewöhnlich ist. Immerhin beweist er, dass er auch nicht unter dem Durchschnitt zu setzen ist und seine Texte zeigen zumindest sein Bemühen, gewisse Messages den Hörern zu liefern, auch wenn es eher als Versuch zu verstehen ist.

Ich will nicht "haten", würde ich mit Dilated Peoples nichts anfangen können, würde ich gar keine Rezension hierüber schreiben. Die Platte siedelt sich aber eher im Durchschnitt an und mir Fallen keine triftigen Gründe ein, die das Gegenteil belegen sollten. Evidence ist für meine Verhältnisse ein Mittelmaß-Rapper, allerdings lasse ich mich gerne auch eines Besseren belehren - falls jemand die Meinung vertritt, Evidence sei das Wahre, dann sollen mir dementsprechende Passagen des Albums genannt werden, in denen in irgendeiner Form starke Wortspiele, Cleverniss und Genialität, oder auch einfach innovative Ideen egal in welcher Form auftreten. Ich vermute nämlich, dass ich mit meiner Behauptung, der Rapper sei Mittelmaß, so ziemlich genau ins Schwarze treffe, aber wie gesagt - und ohne irgendwelche Leute zu attackieren, die sich nicht einreden lassen wollen, dass "The Weatherman" ein glasklarer Fall von Overhype ist - mit guten Gegenbeispielen ändere ich gerne meine Meinung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 11, 2012 8:36 PM MEST


Cellar Sounds Volume 3 [Explicit]
Cellar Sounds Volume 3 [Explicit]

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 4 Sterne, 9. November 2011
Binnen der letzten drei Jahre hat Nick Wiz eine Vielzahl unveröffentlichter Songs in Form von seinen "Cellar Sounds"-Volumes herausgebracht und der Rap-Welt seine verdammt starken Producer-Fähigkeiten demonstriert. Mittlerweile befinden wir uns beim dritten Teil und man fragt sich mehr als zuvor, wie viele geheime Perlen Nick Wiz noch in seinem Keller versteckt hält. Und Perlen sind es wahrhaftig, zum einen, weil der Mann typisch-klassische Produktionen schmiedet, zum anderen, weil die auf seinen Beats rappenden Artisten absolut nicht von schlechten Eltern sind.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, da erscheint ein Producer, der sicherlich bereits in den 90er ein Geheimtip war, mit ca. 130 Tracks, die er innerhalb 1992-1998 anfertigte, und heute - also ab 2008 - erst der Masse preisgibt. Und Nick Wiz darf gerne mit einem DJ Premier oder einem Pete Rock verglichen werden, nur, dass die beiden mehr Ansehen genossen, Wiz dagegen ist eher eine Gestalt im Hintergrund. So richtig beschäftigt habe ich mich mit ihm eigentlich auch erst seit 2008, auch wenn ich ihn unbewusst vorher schon wahrnahm (etwa auf "The Last Shall Be First").

Auch wenn die einzelnen Titel eine Zeitspanne von ungefähr 6 Jahren aufweisen, so sind sie sehr homogen und der Sound - und das gilt für alle drei Volumes - in derselben atmosphärischen Dichte, d.h. "ruffer", wenig melodiöser Eastcoast-Style. Die Gäste sind auch immer die gleichen, die da wären u.a. Shadowz In Da Dark, Ran Reed (oder Hitman), Cella Dwellas (vor allem UG), Miilkbone (der im Übrigen '95 ein gutes Debut hinlegte), Pudgee, LSD oder Native Assassins (unverständlich für mich, warum Shadowz In Da Dark oder Ran Reed nie eigene Alben herausgebracht haben, bei dem Output der drei "Cellar Sounds" hätte man qualitatives Material en masse gehabt...).

Da wir es mit über 40 Tracks zu tun haben, will ich keine detaillierte Review machen und nur ein paar Anspietipps geben: zuerst empfehle ich alle UG-Tracks, wie etwa das wunderbar trockene "Late Night", die nicht nur super produziert wurden, sondern auch einen Rapper in Topform aufweisen (das gilt minimal minder auch für Phantasm), dann "Murderous Flow", "Smooth With Mine", "Ghetto Biz", "Shadow Boxing" oder auch "Welcome To My Mind".

Die Übertracks a la "Bright Lights", "Mindbenderz" (beide Vol. 1) oder die erste Version von "Shadow Boxing" (von Vol. 2) bleiben zwar aus, aber mit den hier gebotenen 43 Titeln kann man dennoch glücklich werden. Die Volume 3 kommt an den ersten Teil nicht heran, aber an den zweiten weitesgehend schon und somit sind 4 Sterne m. E. gerechtfertigt, auch wenn man bedenkt, dass keiner, aber auch wirklich keiner dieser 43 Titel schlecht oder Skipper sind! Wer weiss, vielleicht überrascht Herr Wiz ja noch mit einer vierten Platte...


2000 Fold
2000 Fold
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 24,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 4.5 Sterne, 10. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: 2000 Fold (Audio CD)
Es mag verschiedene Sichtweisen bzgl. "richtiger" Underground-Rapmusik geben, für mich persönlich ist "2000 Fold" von Styles Of Beyond das Vorzeigemodell eines perfekten Undergroundlbums schlechthin. Hier werden auf nervige Gesang-Hooks verzichtet, Party-Songs sind fehl am Platz und 08/15-Mitläufer-Feature gibt es nicht, stattdessen wird von Anfang an von Seiten der beiden Rapper Ryu und Takbir munter los geflowt was das Zeug hält, man experimentiert ohne Rücksicht auf (Label-)Verluste und liefert möglichst einfache Beatmuster zum mitnicken. All diese Kriterien erfüllt "2000 Fold" bravourös!

Fangen wir mit dem Soundbild an, die Platte hört sich nach staubtrockener Strassenmusik an, wenig melodiös, aber mit vielen innovativen, musikalischen Eingriffen, die das Album zu einem Unikat machen. Dabei denke ich allen voran an "Survival Tactics" (mit militärischen Befehlsrufen und Raspeln im Hintergrund), "Winnetka Exit" (mit einem himmlischen Zwischenspiel im Mittelteil), "Many Styles" (mit starken Scratch-Einlagen von DJ Revolution) oder "Gollaxowelcome" (das Techno-Einflüsse der 80er anwendet). Die "normalen" Beats sind jedoch kein Deut minderwertiger, im Gegenteil; schon zu Beginn lässt das einfach strukturierte "Style Warz" den Kopf nicken wie zu "Survival Of The Fittest"-Zeiten, ähnliches lässt sich auch auf den drei darauf folgenden Tracks sagen, die allesamt absolut sauber produziert wurden. Sehr stark sind darüberhinaus das trocken-düstere "2000 Fold", "Easy Back It Up" sowie das alles überragende "Marco Polo" (mit einem gewissen Bond007 als Gast).

Raptechnisch - und ich will möglichst objektiv sein - liefern Ryu und Tabkir Strophen der allerhöchsten Güteklasse! Die Inhalte sind vielseitig und interessant, die Reimtechnik und der Flow überbieten diese aber - die dargebotenen Leistungen haben Weltklasse! Die beiden harmonieren stimmlich und technisch perfekt miteinander und können, wie im Laufe des Albums mehrmals auch getönt wird, sich verschieden Stilen annehmen. Am besten gefallen mir die zwei, wenn sie aggressiv loslegen. Auf Lyrik-Beispiele soll hier aber verzichtet werden, man kann sich jedoch ja als Appetizer mal den Bomben-Refrain von "Marco Polo" anhören.

Styles Of Beyond erinnern auf ihrem Debut ein wenig an Dilated Peoples, zumindest stellenweise, nur dass sie ein-zwei Qualitätsebenen drüber anzusiedeln sind. Starke Raps gepaart mit überragenden und sehr vielseitigen Produktionen ergeben einen Untergrundkracher der besonderen Art, den man wenigstens einmal angehört haben sollte.


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