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Rezensionen verfasst von
Freddy K.

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Hugo Cabret
Hugo Cabret
DVD ~ Sir Ben Kingsley
Preis: EUR 5,55

15 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "HUGO" Vs. "THE ARTIST", 17. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Hugo Cabret (DVD)
Altmeister Martin Scorseses "Hugo" gegen "The Artist" von Michel Hazanavicius. Dieses Duell bestimmte nicht zufällig die Oscar-Verleihung 2012.
Natürlich handelte es sich einerseits um zwei Konkurrenten, die mit handwerklicher Klasse und publikumswirksamer Inszenierung weltweit Kritiker wie Publikum überzeugten. Dies mündete nicht nur im Favoritenstatus, sondern schließlich auch tatsächlich im Gewinn der meisten Academy Awards (beide erhielten jeweils 5), wobei "The Artist" mit dem Gewinn der wichtigsten Kategorien, u.a. für den Besten Film, das direkte Duell für sich entscheiden konnte.

Es spielte jedoch noch ein anderer Faktor eine unverkennbare Rolle: In beiden Filmen dreht sich alles letztendlich um die Liebe und Leidenschaft zum Kino bzw. zu den Anfängen des Kinos, sie sind ganz offenbar mit selbigen Eigenschaften entstanden und wurden vornehmlich auch für ein Publikum geschaffen, welches diese Passion gänzlich teilt ... und wo würden sie dieses wohl eher vorfinden als in der allgemeinen Riege der Filmkritiker und damit schlussendlich den Verantwortlichen sämtlicher Preisverleihungen.

Und damit nicht genug, beide Filme stellen auch eine ehrfürchtige Verneigung vor dem alten Hollywood dar: Konzept und Substanz von "The Artist" erschöpfen sich darin, die Ära des Stummfilms wie auch die des frühen Tonfilms nachzustellen und ihr zu huldigen, sie vielleicht in Ansätzen zu reflektieren. "Hugo" dagegen ist eine nicht nur aus narrativen Gründen mit und aus kindlichen Augen präsentierte Werkschau der Pionierarbeit von George Méliès im Bereich der Tricktechnik.
Hollywood konnte gar nicht anders, als sich angesichts einer mit so viel Herzblut vorgetragenen Verehrung der eigenen Historie geschmeichelt zu fühlen und es ist wohl seit Jahrzehnten bekannt, dass sich die Traumfabrik für derartige Schmeicheleinheiten gerne bei der Oscarverleihung mit satten Prämierungen bedankt.

Ob man das nun gutheißen mag oder nicht, soll hier nicht zur Diskussion stehen. Die Parallelen wurden stattdessen aufgezeigt, um nun anhand einer Gegenüberstellung einen eigenen Sieger im direkten Duell der beiden Filme zu ermitteln. Denn welcher der beiden Kontrahenten einem auch eher gefällt, man muss trotz Bedenken im Rahmen des beiderseitigen Oscartriumphes festhalten: Die Qualität beider Filme ist hoch!

Die Bewertung soll anhand von drei Kriterien erfolgen: Der handwerklichen Qualität, der inhaltlichen Qualität und schließlich, weil dies das mit Abstand bedeutendste Charakteristikum beider Werke darstellt, der Nostalgiefaktor.

a) Handwerkliche Qualität:

Martin Scorsese ist eine Regie-Legende; und auch wenn "Hugo" beileibe nicht an seine überlebensgroßen Meisterwerke wie "Taxi Driver", "Raging Bull", "Goodfellas", meinen persönlichen Favoriten "Casino" oder auch dem ja noch relativ frischen "The Departed" heranreicht, sieht man erstgenannten Umstand dem Film absolut an. Mit kindlicher Hingabe beschwört Scorsese das Paris der 30er Jahre herauf, labt sich an der schier unendlichen Detailfülle des Pariser Hauptbahnhofes, in dem der Film zum Großteil spielt und setzt immer den richtigen Ton an, um ein klassisches Kinderabenteuer zu erzählen, welches allerdings nicht unbedingt primär für Kinder gedacht ist.
Handwerklich ist alles durchgehend souverän inszeniert, da gibt es keinen Makel. Darüberhinaus jedoch gibt es nur einen Mitarbeiter in Scorseses Crew, der mehr als "nur" Souveränes geleistet hat und dieser Jemand ist - wen wunderts eigentlich? - Produktionsdesigner Dante Ferretti! Der erwähnte Detailreichtum ist, bei aller superben Beihilfe durch die gewohnt vorzügliche Arbeit von Kameramann Robert Richardson, Cutterin Thelma Schoonmaker und Kostümdesignerin Sandy Powell (allesamt wie Ferretti seit mehr als zwei Jahrzehnten das Stammteam von Scorsese und in ihren jeweiligen Metiers mit dem gleichen außergewöhnlichen Ansehen geehrt wie Scorsese selbst) als erstes der Verdienst des Italieners, welcher ein einnehmend magisches, lebendiges Szenenbild geschaffen hat, eine eigene Welt, gleichwohl keine Fantasy-Utopia, doch trotzdem mit märchenhaften Zügen. Sollte Ferretti in seiner Heimat noch immer nicht das seit gefühlten Ewigkeiten eminent verdiente Denkmal erhalten haben, hat er es sich mit "Hugo" längst selbst gesetzt.
Das klingt ja jetzt soweit nach einem Punktsieg gegenüber "The Artist" ... und "Hugo" hat ja auch seine Academy Awards ausschließlich in den Technik-Kategorien errungen, sodass an seiner handwerklichen Überlegenheit eigentlich kein Zweifel bestehen sollte.
Doch dann würde man vergessen, was den französischen Streich so besonders macht: In "Hugo" wird mit konventionellen Mustern und Mitteln eine Geschichte in und über eine vergangene Epoche der Filmgeschichte erzählt ... "The Artist" hingegen gelingt es, der Film einer vergangenen Epoche zu SEIN!!!
Er wirkt exakt aus der Ära des Stummfilms entsprungen, er IST ein klassischer Stummfilm par excellence. Zusätzlich aber gibt er sich damit nicht völlig zufrieden, sondern erweitert sein Gewand einer perfekten Imitation mit künstlerisch nicht uninteressanten formalistischen Reflektionen (siehe etwa der "gehörige" Alptraum Valentins). Selbige stellen nun zwar keine Meilensteine der Filmgeschichte dar, doch sie bereichern den Film um die gewisse Portion filmhandwerklicher Klasse und Besonderheit, die "Hugo" eben nicht so aufweisen kann.
--ERGEBNIS: ein knappes 1:0 für "The Artist".

b) Inhaltliche Qualität:

Nicht unbedingt die größte Stärke beider Werke.
Die Geschichten, die hier erzählt werden, verkehren unverkennbar im Rahmen des gesetzten Anspruches beider Filmemacher, einen mit cineastischer Passion entwickelten feuchten Traum für passionierte Cineasten zu schaffen: hier die ihren eigenen Zenit längst überschrittene Ikone der damals revolutionären Ära der Tricktechnik, dort die überholte und noch dazu uneinsichtige Ikone der nicht minder revolutionären Ära des Stummfilms. Und dann gibt es natürlich den jungen Außenseiterburschen bzw. die charismatische Starschauspielerin mit Herz, welche die Glanzzeit der jeweiligen Maestros nicht vergessen haben, selbige mit eben jener konfrontieren und sie letztendlich happy-end-gerecht zum glücklichen Neu-Anfang bewegen können. Wehe dem, der da im Kino neben einem vor Glückseligkeit schluchzenden Filmfreak saß und am Schluss ganz nüchtern anmerkte, dass das gerade Gesehene doch ziemlich rührselige Cineastenromantik sei.
Spaß beiseite; auch wenn man gerade Scorsese die Erfüllung seines Filmliebhaber-Traumes von Herzen gönnt, kann man nicht verhehlen, dass sich der inhaltliche Gehalt beider Filme - gerade im Vergleich zu den direkten Konkurrenten der Oscar-Verleihung 2012 um den Besten Film wie "The Descendants", "Midnight in Paris", "The Help" oder "The Tree of Life" - als ausgeprochen dünn erweist.
Bei "The Artist" könnte man einwenden, dass sein Bestreben, einen Hollywood-Stummfilm alter Schule in wirklich ALL seinen charakteristischen Facetten nachzustellen, also auch der rührenden narrativen wie substanziellen Eindimensionalität, seine nur allzu offensichtliche Formelhaftigkeit quasi entschuldigt bzw. dass jene deshalb ganz im Gegenteil vielleicht genau so gewollt war. Beides ändert jedoch nichts an der gähnenden inhaltlichen Leere.
"Hugo" kann dem immerhin eine Geschichte entgegensetzen, welche sich um die klassischen Abenteuer-Themen wie Freundschaft, Familie und Mut dreht. Die Dramaturgie hält sich zwar unverhohlen in konventionellen Bahnen und es fällt auch auf, dass Scorsese, dieser unangefochtene Großmeister der epischen Filmerzählung (siehe v.a. "Raging Bull", "Goodfellas" oder "Casino"), seinen Plot nicht ganz so hundertprozentig im Griff hat wie zu seinen besten Zeiten, dadurch an einigen Stellen mit der einen oder anderen Länge zu kämpfen hat. Dennoch kann "Hugo" - was auch den sehr guten Darstellern geschuldet ist - mit einer wesentlich wärmeren Geschichte aufwarten als der dann doch eher kalkuliert wirkende, selbiges wiederum freilich mit einer verschmitzten Doppelbödigkeit ausgleichende "The Artist".
Wie man es aber auch dreht und wendet, Substanz und Tiefe gehen bei beiden Erfolgsfilmen nicht über reine familien- und kassenfreundliche Unterhaltung hinaus.
Hat man ernsthaft etwas anderes bei beiden Filmen erwartet? - Wohl eher nicht.
Hätte man ernsthaft etwas anderes bei beiden Filmen erwarten können? - Allerdings!
--ERGEBNIS: in einem Zwischenduell auf eher bescheidenem Niveau vermag es "Hugo", zum 1:1 auszugleichen.

c) Nostalgiefaktor:

Angesichts des hier schon mehrfach erwähnten Zieles beider Filmemacher wohl die Königsdisziplin und ohne Zweifel erweisen sich hier beide Kandidaten als höchst beglückende Großkaliber. Ebenso so unzweifelhaft ist aber auch, dass eine Bewertung nur extrem subjektiv ausfallen kann, da diese Kategorie gänzlich auf die emotionale Verbundenheit des Zuschauers mit dem Medium Kino zielt.
Es sei aber dennoch mit folgender Erklärung versucht: Natürlich fällt der Nostalgiefaktor bei "The Artist" immens aus, wurde hier doch IN unserer Zeit quasi ein Film AUS vergangener Zeit produziert, der eben von so charmanter Einzigartigkeit ist, weil er völlig wie aus der Gegenwart gefallen erscheint.
"Hugo" hingegen spielt zwar in einer vergangenen Zeit, ist aber mit Mitteln des modernen (Hollywood-)Kinos inszeniert und funktioniert auch in Erzählung und Dramaturgie nach heute gängigen Mustern.
Aber: "Hugo" hat dafür ein entscheidendes As im Ärmel, nämlich die großen Meister der vergangenen Zeit selbst zu Wort kommen zu lassen! Seine wunderbarsten Momente hat der Film dort, wo er im Kontext des vorher Gezeigten, einer puren Liebeserklärung Scorseses an das Kino, sich ganz zurücknimmt und die alten Glanzstücke der alten Tricktechnik in all ihrer zu Tränen rührenden Unschuld zeigt. Hier wird einem bewusst, was durch die auf den nur noch immer lauteren und bombastischeren Effekt setzende Pixelfabrik, in die sich das Hollywood des Blockbuster-Zeitalters seit "Krieg der Sterne" 1977 entwickelt hat, heute immer mehr in den Hintergund gerät: Kino, das war im Anfang die Kunst des Staunens. Kinomagie, dieses heutzutage seltsam unterbewertete Wort, das war der Wechsel der klassischen Kaninchen- und Taschenmagier aus dem Zirkuszelt hinter die Kamera, eine neue Attraktion, der anbeginnende Siegeszug eines wahrhaftigen Traumfabrikanten.
Wenn Scorsese mit der Konvertierung des Méliès-Klassikers "Die Reise zum Mond" in 3D dann auch noch praktisch eine Brücke zwischen alter und neuer Tricktechnik schlägt, ist dies - unabhängig davon, ob man der 3D-Technik zugeneigt ist oder nicht - das ergreifende Bekenntnis eines selten bis nie durch irgendwelche Effektespektakel bekannt gewordenen Regiemeisters zum Kino der Attraktion und der Träume.
--ERGEBNIS: Punktsieg für "Hugo" - 2:1.

-

FAZIT: Das hochklassige direkte Duell zwischen zwei Publikums- und Kritikererfolgen entscheidet "Hugo", eine inszenatorisch starke Liebeserklärung an die wahrlich liebenswerte Ära der anbeginnenden Tricktechnik, sehr knapp, aber letztendlich verdient für sich.

-> 8/10 Punkte
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 17, 2012 2:21 PM MEST


Snow White & the Huntsman
Snow White & the Huntsman
DVD ~ Kristen Stewart
Preis: EUR 5,99

6 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Effektelärm plättet Kinomagie, 3. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Snow White & the Huntsman (DVD)
Zwei Schneewittchen-Verfilmungen in einem Jahr, zwei grundverschiedene Regisseure und damit zwei grundverschiedene Herangehensweisen, nichtsdestotrotz ein infantiler Wettlauf der Studiobosse darum, welcher Film zuerst im Kino anläuft...da drängt sich einem unbeteiligten Betrachter ja irgendwie die Frage auf, ob die wahren Kinder nun im Zuschauerraum oder auf den Produzentenstühlen sitzen.
Den Regisseuren war das wohl dankenswerterweise egal, beide hielten unbeirrt an ihrem jeweiligen Ansatz fest und so entstanden zwei Märchenverfilmungen der selben Geschichte, die jedoch unterschiedlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite Tarsem Singhs quietschbuntes und sich nicht allzu ernst nehmendes "Mirror Mirror", auf der anderen das düstere, augenscheinlich von "Herr der Ringe" inspirierte "Snow White and the Huntsman" vom ehemaligen Werbefilmer Rupert Sanders. Dass beide Regisseure ihr Konzept konsequent durchziehen, ist prinzipiell lobenswert, gestaltet sich im Endprodukt allerdings nur bei erstgenanntem Film als erfolgreich.
Im direkten Vergleich unterliegt "Snow White and the Huntsman" "Mirror Mirror" in beinahe allen Punkten, es mangelt ihm aber vor allem an genau jenen Bestandteilen, die "Mirror Mirror" so sympathisch machen: Herz, Charme und Eigenständigkeit.

Wo Tarsem eine unterhaltsame Geschichte mit seiner einzigartigen visuellen Ästhetik verbindet (auch wenn sie lange nicht so entfesselt und überwältigend wie bei "The Fall" ausfällt), kommt Sanders nicht über eine lieblose Vermischung allzubekannter CGI-gestützter Fantasyoptik mit klinisch sauberer Werbeclipfassade hinaus, die von einem noch liebloseren, an vielen Stellen belanglosen und im schlimmsten Falle verärgerndem Plot zusammengehalten wird, einem traurigen Paradebeispiel der Blockbuster-Seelenlosigkeit des gegenwärtigen Hollywood, von welcher nur angestrengt durch ermüdendes Effektegewitter abgelenkt wird.

Die visuellen Effekte sind ja ohne Frage prächtig und Sanders selbst macht handwerklich auch nicht allzuviel falsch, doch die gähnende Leere an Inspiration lässt sich damit kaum kaschieren.
Auch das prominente Ensemble hat darunter zu leiden und schleppt sich so unter der faktisch abwesenden Schauspielführung Sanders wahlweise unbeteiligt (Kristen Stewart), genervt (Chris Hemsworth) oder hysterisch (und damit an der Schmerzgrenze zwischen "unfreiwillig komisch" und unerträglich: Charlize Theron) durch den Film, während eine ganze Reihe entsetzlich unwichtiger Nebencharaktere hin und wieder mal ihren Weg kreuzen, darunter der obligatorische Bösewicht-Handlangar mit lustiger Siegfried-Frisur oder ein Prinz mit Legolas-Bogen und dem Charisma einer angeknabberten Salamistulle.
Lediglich die Zwerge sorgen als knorriger Haufen von grimmigen Raufbolden für ein wenig Abwechslung, können jedoch den liebenswerten und einer wesentlich sorgfältigeren, ach was, überhaupt interessierteren (!) Charakterzeichnung unterzogenen Zwergen aus "Mirror Mirror" ebensowenig das Wasser reichen.

Es ist ja auch nicht so, dass "Snow White and the Huntsman" den Zuschauer insgesamt nicht durchgehend bei der Stange halten könnte; der Film könnte zwar kürzer sein, wird aber auch nie richtiggehend langweilig ... trotzdem ist es auf irgendeine Art und Weise ein Durchquälen, wie bei einer halben Stunde Kinowerbung: Größtenteils unterhaltsam, nie einbrechend, aber auch ermüdend und unbefriedigend.

Nein, "Snow White and the Huntsman" ist bestimmt kein Totalausfall, aber definitiv die bisher größte Blockbuster-Enttäuschung des Jahres und wie gesagt seinem direkten Schneewittchen-Konkurrenten hoffnungslos unterlegen.

-> 4/10 Punkte
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 5, 2012 6:04 PM MEST


Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen
Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen
DVD ~ Julia Roberts
Preis: EUR 6,99

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bunt, herzlich, erfrischend., 3. Juni 2012
Eine durchweg unterhaltsame Märchenverfilmung.
Auf den ersten Blick durchaus nah an Disney angelehnt, erinnert "Mirror Mirror" sehr schnell mit seinem verspielt-herzlichen Erzählstil und viel Selbstironie, vor allem durch die vielen augenzwickernden Seitenhiebe auf die eigene Mythologie, eher an Klassiker des "Märchenfilms für Erwachsene" wie "Die Braut des Prinzen" oder "Der Sternwanderer", was ihn zur gekonnten Brückenbindung zwischen kinderfreundlichem Familienmärchen und Unterhaltungsfilm für Erwachsene werden lässt.
Natürlich schließt ersteres auch ein unausweichliches Maß an Hollywoodkitsch ein, allerdings in verträglicher Dosierung.

Nicht unbedingt hochwertiger, aber liebenswert-harmloser Humor herrscht hier stattdessen vor, der besonders durch die gut aufgelegten Darsteller und ihre sympathische Auslegung der altbekannten Rollen zum Ausdruck kommt. Gerade Julia Roberts als misanthropisch-fiese Königin und vor allem Armie Hammer als hinreißender Prinz zwischen Schmalzlockendebilität und Edler-Ritter-Charme sorgen für viele amüsante Momente. Lily Collins fällt zwar noch immer nicht durch beeindruckende Schauspielleistungen auf, erweist sich aber mit kindlicher Keckheit und bewusster Niedlichkeit als Idealbesetzung fürs Schneewittchen. Auch die Zwerge sind ausgesprochen knuddelige Figuren, die einem rasch ans Herz wachsen.

Was den Film jedoch zu etwas wirklich besonderem macht, ist der berühmte visuelle Stil von Regisseur Tarsem Singh.
Mit "The Fall" drehte er 2006 ein erzählerisch nicht gerade ausgereiftes, dafür optisch nahezu epochales Bildermeisterwerk, welches mit einer die Sinne berauschenden Komposition aus geschmeidiger Farbdramaturgie, überwältigenden Landschaftstableaus, die Fantasie beflügelnden Sets und Kostümen sowie einer grenzgenialen Architektur des (filmischen) Raumes pure filmgewordene Poesie erschuf, deren einzig mögliche akustische Entsprechung folgerichtig nur Beethovens 7. Symphonie darstellen konnte.
Dass Tarsem nun bei seinem zweiten großen Hollywoodfilm - insbesondere nach dem maßlos enttäuschenden, weil in seinem Stil erschreckend gehemmt wirkenden und dazu noch mit einem katastrophal uninteressanten Plot gestraften Göttergekloppe "Immortals" - nicht die gesamte Bandbreite seines handwerklichen Könnens ausspielen würde, war vorhersehbar. Stattdessen erwartete man wohl eher eine Optimierung seines erzählerischen Geschickes, wenn er dauerhaft im Mainstreamfach Fuß fassen wolle. Und auch wenn er sicherlich noch kein Spielberg, Jackson oder Cameron ist, so schafft er es mit "Mirror Mirror" endlich, eine gewisse narrative Souveränität mit seiner einzigartigen Ästhetik harmonisch zusammenzuführen.

Im Gegensatz zu "The Fall" nimmt er sich natürlich erheblich zurück, doch immer noch gehen einem hier bei dem atemberaubenden Produktions- und vorallem Kostümdesign schlichtweg die Augen über. Man mag sich gar nicht satt sehen an der ganzen Schönheit, Opulenz, Fantasie, Farbigkeit und besonders - auch das ist ein unverkennbares Charakteristikum des Regisseurs Tarsem - Verrücktheit der Kostüme, die Eiko Ishioka mit sicherem Stich und viel Detailliebe kreiert hat.

Den direkten Konkurrenten "Snow White and the Huntsman" schlägt "Mirror Mirror" jedenfalls um Längen, was nach den nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ sehr unterschiedlichen Trailern wohl nur wenige erwartet hätten, doch auch im Vergleich mit jüngsten Märchen- und Fantasywerken kann sich der Film durchaus sehen lassen. Und schlussendlich gelingt denn auch Tarsem Singh nach dem künstlerischen Fiasko "Immortals" eine relative Rehabilitation. Sein nächstes Projekt kann nun also doch kommen.

-> 7/10 Punkte


Moonrise Kingdom
Moonrise Kingdom
DVD ~ Bruce Willis
Preis: EUR 5,55

34 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen FLUCHT AUS DER SYMMETRIE DER ERWACHSENEN-WELT, 3. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Moonrise Kingdom (DVD)
Man muss manchmal ja irgendwie über sich selbst schmunzeln, wenn man sich einmal beim Schreiben einer Filmrezension beobachtet. Am Anfang steht hier ja immer, sofern man nicht schon lange vorher einen außerordentlichen Geistesblitz hatte, das Suchen und Ringen nach einer treffenden Einleitung, etwa nach einem thematischen Kontext, in welchen man den Film einordnen und analysieren kann, dann die Frage, wie sich der Film in das Oeuvre seines Regisseurs einfügt oder dass man einfach seine vom Ansehen geweckten Gefühle und Gedanken wiedergibt.
Wie aber soll man selbige Ansätze bei "Moonrise Kingdom" anwenden, wenn es für den Verfasser dieser Kurzkritik der erste Wes-Anderson-Film ist und wenn sich vorallem jedwede Reaktionen oder Assoziationen in einem einfachen Satz zusammenfassen lassen:

Was für ein wunderschöner Film!!!

Alles andere ist eigentlich nur noch Ergänzung:
Mit einem hinreißenden skurrilen Humor - der zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache sein wird - und sagenhaften Bildern, untermalt von sensiblen Orchesterklängen eines selten so gut gewesenen Alexandre Desplat, erzählt Anderson eine anrührende Geschichte voller herrlich schrulliger Charaktere.
Im Zentrum steht dabei die so schlichte wie wunderbare Liebesgeschichte zweier aufbegehrender Kinder, einem smarten, leicht irre wirkenden Nerd-Pfadfinder und einer irgendwie weltfremd-verlorenen, doch gleichzeitig bissig-anmutigen Anwaltstochter.
Die erste Begegnung, der hoffnungsvolle Briefwechsel, das herrlich verkrampfte Wiedersehen, die mit augenzwickernder Lagerfeuerromantik angereicherte Pfadfinderodyssee, der erste Kuss ... Anderson zeigt viel, ohne zu illustrieren, deutet viel an, ohne etwas schuldig zu bleiben. Und alles ohne Pathos, ohne Kitsch, auch ohne Verniedlichung!
Dass die Beziehung der beiden auf der Leinwand bei aller Skurrilität und Ironie so überzeugend und selbstverständlich-authentisch funktioniert, ist natürlich nicht nur Regie und Drehbuch zuzuschreiben, sondern vor allem den fantastischen Jungdarstellern.
Ihre abenteuerliche Reise ist aber nicht nur eine logische Folge kindlichen Leichtsinns (oder besser: Dickköpfigkeit) beim Suchen und Finden ihrer jungen Liebe, es ist auch eine Flucht aus ihren häuslichen Welten, Gefängnissen der Ordnung und Festgelegtheit, eingefangen in grandiosen Kamerabildern, die das Haus der Bishops bzw. Sams Pfadfinderlager als reinen Komplex aus Symmetrien erscheinen lassen.
Erst als die beiden Jung-Rebellen diese Welten mehr und mehr hinter sich lassen und in die reine Natur als rührend-utopischen Ort kindlicher Unschuld und Freiheit drängen, wird diese aufdringliche - wenngleich natürlich nie störende - Bildsymmetrie exponentiell abgebaut.

Es spricht jedoch auch erheblich für Anderson, dass er die Erwachsenen, jene "Oberhäupter" dieser beherrschenden Komplexe, auch nie direkt verurteilt, denn eigentlich sind sie seelisch noch viel ärmer dran als ihre offiziell für psychisch gestört erklärten Schützlinge Sam und Suzy. Die Insel, welche den Schauplatz der Handlung liefert, stellt sich wie ein realitätsferner Kokon für seine liebenswert merkwürdigen Bewohner dar, in dem jeder seinen zwanghaften kleinen Mikrokosmos auslebt und in welchem niemand an diesem vermeintlichen Idyllezustand etwas zu ändern geneigt ist. Lediglich auf dem Festland scheinen kalte menschartige Organismen wie die Frau vom Jugendamt namens "Jugendamt" (Tilda Swinton) oder die ziemlich herzlosen Pflegeeltern Sams zu existieren.
Als dann aber die Flucht der beiden Außenseiter die schöne Beschaulichkeit völlig aus allen Fugen geraten lässt, werden die schon lange zerrütteten Strukturen unter der hübschen - wenn auch bereits von Anfang an als reichlich labil präsentierten - Fassade sichtbar, was den kultivierten Anwalt (Bill Murray) im späteren Verlauf der Handlung veranlassen wird, mal eben "irgendnen Baum zu fällen" (einfach köstlich!).

Gegen Ende verliert Anderson dann zwar ein wenig seine liebliche Geschichte aus den Händen und dramatisiert unnötigerweise das Geschehen einen Ticken zu stark. Doch das ist an sich nur Makulatur.

"Moonrise Kingdom" ist vielleicht nicht ganz der beste, aber zweifellos der schönste Film des bisherigen Jahres 2012.

-> 8/10 Punkte


Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
DVD ~ Michael Shannon
Preis: EUR 5,50

25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irritierend und faszinierend!, 24. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Take Shelter - Ein Sturm zieht auf (DVD)
(Achtung: Enthält Spoiler)

Genau wie die generelle Subjektivität bei der emotionalen Wahrnehmung eines Films ist auch jenes Gefühl so gnadenlos unberechenbar, welches ausgelöst wird, wenn ein Film den Zuschauer vor den Kopf stößt. Entweder ist man in einer begeisterten Form ratlos und nimmt selbige Verfasstheit möglicherweise zum Anlass, einer Ergründung des vom Film gestellten Rätsels nachzugehen oder aber man schüttelt nur enerviert den Kopf und verlässt fluchtartig das Kino, möge das Gesehene handwerklich auch noch so grandios gewesen sein.
"Take Shelter" war nun eines dieser seltenen Kinoereignisse, bei dem ich mich praktisch zwischen beiden Stühlen wiederfand. Darstellerisch atemberaubend und formal teilweise brilliant, wusste ich mit dem gänzlich irritierenden Ende beim besten Willen einfach kaum etwas anzufangen und erlangte auch bei allerlei Interpretationsversuchen in dieser Sache keine Zufriedenheit.

Mit einigem zeitlichen Abstand nun ist allerdings die tendenziell eher enttäuschte Stimmung doch wieder einer starken Faszination gewichen, welche wohl demnächst einen Kauf der DVD, mindestens aber ein weiteres Anschauen nach sich ziehen wird.

Zu sensationell ist einfach das Spiel von Michael Shannon, welcher für mich bis zu diesem Zeitpunkt (Mai) die bei weitem beste männliche Schauspielleistung des Jahres 2012 erbracht hat, zu dicht und einnehmend die Atmosphäre, zu großartig der Score von David Wingo - ebenso die für mich bisher beste Komponistenleistung des Jahres - , zu genial der hintersinnige Schnitt, zu treffsicher und doppelbödig Jeff Nicols von zahlreichen Stilbrüchen und -spagaten geprägte Regie und ... ja, auch zu anregend ist die inhaltliche Themen- und Ideenvielfalt des Films, als dass man "Take Shelter" ernsthaft widerstehen könnte.

So ist die Paranoia von Curtis möglicherweise als Symbol für die gleichartige Gegenwartsfurcht des (vor allem "einfachen") amerikanischen Volkes vor einer sich abzeichnenden Katastrophe, einem kommenden Sturm zu verstehen. Seine plötzlichen daraus resultierenden Selbstschutzmaßnahmen inklusive der Aushebung des Schutzbunkers würde dementsprechend die (soziologische? kosmopolitische?) Selbstisolierung Amerikas symbolisieren und die schlussendliche Auflösung gegen Ende des Films die absurde Irrationalität dieses Unterfangens. Doch dann schließt sich wie erwähnt an die (scheinbare) Auflösung noch einmal ein irritierender inhaltlicher Salto an, der diese Deutung theoretisch gänzlich ad absurdum führt. Oder eben doch nicht?
Schlägt sich Nicols - was reichlich unwahrscheinlich anmutet - auf die Seite dieses selbstzerstörerischen Prozesses (-> Curtis) und verurteilt die Gegenmaßnahmen dazu (-> Zweifel und Ablehnung von seiner Frau und ebenso seines (auch gesellschaftlichen) Umfeldes)? Oder hat der Prozess selbst auf Umwegen hinein in die Katastrophe geführt?

Letzteres wäre wohl eher Nicols Intention zuschreibbar: Amerika (oder das amerikanische Volk) auf dem Weg zur Selbstdestruktion aufgrund einer irrationalen Paranoia und seinen darausfolgenden (Re-)Aktionen.
Das ist ja nun beileibe keine neue Idee, doch immer wieder interessant. Und wenn es auf filmisch so formidable Art und Weise geschieht, sowieso!

-> 9/10 Punkte
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 4, 2013 3:58 PM MEST


Angels & Airwaves - Love
Angels & Airwaves - Love
DVD ~ Gunner Wright
Wird angeboten von brandsseller
Preis: EUR 9,69

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Boyle, kein Jones, schon gar kein Kubrick...aber sehenswert!!!, 21. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Angels & Airwaves - Love (DVD)
(Rezension bezieht sich nur auf den (Kino-)Film)

Schon der Trailer zu "Love" ließ eine Mischform aus der intellektuellen Tiefe von Duncan Jones Kritikererfolg "Moon" und der audiovisuellen Pracht von Danny Boyles oft schmerzhaft unterbewertetem "Sunshine" erahnen. So ist es denn nun auch gekommen, leider kann Eubank keinem seiner beiden noch jungen Vorgänger im Geiste das Wasser reichen (von seinem offenkundigen Idol "2001: Odyssee im Weltraum" ganz zu schweigen). Dies liegt ganz simplerweise in seinem ernüchterndem Nachklang: Nach knapp 90 sinnlichen und wahrhaft überwältigenden Minuten, die ein durchgehendes Gefühl von Genuss und Begeisterung im Körper verströmen, erscheinen einem etwas später erstaunlicherweise kaum nennenswerte Anhaltspunkte und Anregungen, die zum Reflektieren einladen würden; ebenso wenig nimmt man die Begeisterung aus dem Kinosaal bis nach Hause mit. Trotzdem: Der oftmals von hinreißender Schönheit nur so berstende, hypnotische Bilderrausch, den Eubank da mit unfassbar bescheidenen Mitteln auf die Leinwand gewuchtet hat und der im grandiosen Soundtrack von Angels & Airwaves seine akustische Entsprechung erhält, ist ein außergewöhnliches Filmerlebnis, wie man es nur selten anfindet.

-> 8/10 Punkte


Marvel's The Avengers
Marvel's The Avengers
DVD ~ Robert Downey Jr.
Preis: EUR 12,99

7 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hirn raus, Spaß muss sein., 21. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Marvel's The Avengers (DVD)
Zack, Bäm, Krach, ein bisschen Bumm, ein wenig Rumms und viel Kawumm!
Mehr war nach dem hübschen Trailer (einem der schneidigsten, die es in den letzten Jahren zum Actionkino zu bewundern gab!) nicht zu erwarten und mehr kriegt man auch nun wirklich nicht. Weniger allerdings ebenso wenig!

Das lang herbeigesehnte Superhelden-Klassentreffen der Marvel-Schmiede ist, frei abgewandelt nach Abraham Lincoln, ein Filmereignis von Comic-Fans, durch Comic-Fans und für Comic-Fans. Und das so konsequent wie schon lange nicht mehr ... was durchaus positiv zu verstehen ist, denn:
Auch wenn es einige künstlerische Ausnahmen in den letzten Jahren gab ("Sin City"; mit leichten Abstrichen "The Dark Knight"; mit großen Abstrichen "Watchmen"), brachte die praktisch im Jahre 2000 mit "X-Men" losgetretene und seitdem nicht enden wollende Welle an Comic-Verfilmungen im Idealfall ("Spiderman 2") doch immer nur die maximale Potenz eines klassischen Sommerblockbusters hervor. Heißt konkret: Schwerpunkt liegt auf dem Spektakel, Action ist obligatorisches Basiselement, Charakterzeichnungen oder gar -tiefe, so ambitioniert sie auch teilweise etwa bei Sam Raimi oder Bryan Singer ausfallen, sind letztendlich nur besseres Gestaltungsmittel für die Pausen zwischen den einzelnen Kloppereien. Alles bleibt größtenteils eben doch auf Sprechblasenniveau. Wer genau das aber hartnäckig anklagt, müsste das Blockbusterkonzept als solches in Frage stellen. Und bis dorthin vertreibt man sich die Zeit dann doch lieber mit der nächsten spektakulären Keilerei!

Also ab ins (Heim-)Kino zu "The Avengers", Hirn ausschalten und Spaß haben. Der wird hier nicht nur durch den wirklich großzügig angerichteten visuellen Bombast des Films gewährt, sondern vorallem durch seine Geradlinigkeit. Er bleibt dem Ursprung der Comic-Verfilmung als sinnentleertem Spektakelkino treu, mehr noch: Die Stellen, an dem Regisseur Joss Whedon auf jedwede "Vernünftigkeit" oder Anstandsscham pfeift und stattdessen plumpe, aber grundsympathische, weil ehrliche Blödsinnigkeit inszeniert, sind tatsächlich die spaßigsten! ... Oder wer hätte gedacht,dass Hulk seinem Kampfgefährten Thor nach erfolgreichem gemeinsamen Plätten der Gegnerhorden zum Abschluss noch einen kräftigen Smash erteilt?!? Eben.
Die Darsteller haben sichtlich ihre Freude an diesem fröhlichen Quatsch, viele Wortgefechte sitzen prächtig, wobei Robert Downey Jr. als Iron Man natürlich wie erwartet die coolste Sau im Ring ist.

Einzige echte Kritik gibt es nur am klapprigen Score von Alan Silvestri! Welcher geistig verwirrte Briefträger sorgt nur ständig dafür, dass dieses taktstockschwingende Komponistenelend auf zwei Beinen noch Aufträge für Filmmusik erhält??? Ich weiß es nicht.

-> 7/10 Punkte


The Grey - Unter Wölfen
The Grey - Unter Wölfen
DVD ~ Liam Neeson
Preis: EUR 5,99

13 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bemerkenswerte Genrekost!, 20. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: The Grey - Unter Wölfen (DVD)
Durchaus eine kleine Überraschung, wenn auch ohne großen Nachklang ... ein typischer Genrefilm eben. Und gleichzeitig ist "The Grey" inszenatorisch über diese Grenzen hinaus nicht uninteressant.

Fast gänzlich ironiefrei geht es hier zur Sache, trashig wird es erstaunlicherweise trotz des Szenarios so gut wie nie und die Regie von Joe Carnahan ist sogar - zumindest im Rahmen eines reinen Unterhaltungsfilmes - quasi ambitioniert zu nennen:
Die Figuren verkommen trotz des irgendwie genreüblichen Zehn-kleine-Negerlein-Prinzips nie völlig zum belanglosen Kanonen-, pardon, Wolfsfutter und Szenen berauschender Ruhe und atmosphärischer Traum- oder Halluzinationssequenzen, oft pointiert in der zivilisationslosen, anmutig-wilden Schneelandschaft gehalten, lassen in dem Film teilweise so etwas wie Momente existenzialistischer Poesie entstehen. Gerade das überraschende Finale bestätigt in einem grandiosen Schlussbild die vorher schon mehrmals angedeutete Metaphorik vom Menschen, der im Angesicht des Todes selbst zum Wolf wird.

Für diese bemerkenswerte Inszenierung verdient sich freilich nicht nur die gute Regie ein großes Lob, sondern auch die ausgezeichnete Musik - weil einerseits angenehm einfühlsam und unprätentiös, gleichzeitig kraftvoll das Geschehen voranpeitschend - und natürlich Hauptdarsteller Liam Neeson, welcher mit seiner schlichtweg imposanten Leinwandpräsenz den Film förmlich schon im Alleingang trägt.

So, und weil folgendes für viele immer noch der wichtigste Grund ist, einen Film zu sehen, sei am Ende noch festgestellt: Dieser hier ist verdammt spannend!

-> 7/10 Punkte


King of Devil's Island
King of Devil's Island
DVD ~ Stellan Skarsgård
Preis: EUR 9,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vortreffliches aus Skandinavien, 18. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: King of Devil's Island (DVD)
"King of Devil's Island" ist ein spannender und bewegender Gefängnisfilm aus dem skandinavischen Raum.

Größtenteils frei von üblichen Klischees geschrieben und mit einem behutsamen, nie dem physischen oder seelischen Voyeurismus verfallenden Inszenierungsstil durchzogen, ist der Film eine interessante Auseinandersetzung über (moralische) Verantwortung und Schuld, wobei Regisseur Marius Holst gänzlich auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet und stattdessen sehr einfühlsam über seine ausgesprochen - und das ist in dem vorliegenden Szenario alles andere als selbstverständlich - menschlichen Figuren erzählt.

Ein empfehlenswertes Drama, getragen von einer souveränen Regie, einem guten Drehbuch und starken Darstellern.


The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
DVD ~ George Clooney
Preis: EUR 4,97

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bittersüß, doch grundsympathisch, 18. Mai 2012
Kein Meilenstein, aber eine liebenswert erzählte und fantastisch gespielte Tragikomödie.

Alexander Payne beweist einmal mehr, mit welch sicherer und vertrauensvoller Hand er den Zuschauer durch das Amerika seiner Filme führt; ein Amerika, dessen Gesellschaft, Orte, Konflikte, ja selbst Figuren man etwa schon aus "Sideways" zu kennen glaubt. Und doch lässt man sich immer wieder gern dorthin entführen. Es sind bittersüße Bilder, die uns dort erwarten, von einem Land, über das man gerne schimpft und das doch selbst irgendwie so halt-, manchmal kraft- und oft hilflos erscheint wie die Figuren des Films.

Paynes bewundernswertes Geschick besteht aber tatsächlich darin, seine von tiefen Verletzungen und Zerrissenheit geprägten Figuren nie der Bloßstellung vor dem Zuschauer preiszugeben, sondern sie immer sympathisch und liebenswert erscheinen zu lassen. Entscheidenden Anteil daran hat natürlich das großartige Ensemble, angeführt von einem hinreißenden George Clooney, der herzzerreißend-vertrottelt wie ein gerupfter Hahn in Badelatschen den Zusammenhalt seiner Familie zu retten versucht und der anmutigen wie auch rotzig-gewitzten Shailene Woodley.

-> 8/10 Punkte


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