Profil für A. Schilling > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von A. Schilling
Top-Rezensenten Rang: 4.285.227
Hilfreiche Bewertungen: 17

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
A. Schilling (Bamberg)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Vincent
Vincent
von Joey Goebel
  Broschiert
Preis: EUR 11,90

9 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach...ja, was eigentlich?, 9. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Vincent (Broschiert)
Die Geschichte scheint am Anfang Potential zu haben. Goebel, ein Autor frisch im Denken und ausgestattet mit einem sicher inspirierenden Lebenslauf schafft dann aber nicht, was der Klappentext behauptet.
Angela Gatterburg schreibt im Spiegel: 'die Geschichte, geschrieben mit der entwaffnenden Hemmungslosigkeit der Jugend, ist mitreisend und bewegend'. Dies trifft für den Mittelteil des immerhin 400 Seiten starken Romans nun wirklich nicht mehr zu. Die Charaktere wurden nur mäßig entwickelt, fast kann man von Stereotypen sprechen, die man als Außenstehender in diesem Milieu eigentlich schon immer irgendwie so erwartet hat.
Die Handlung wiederholt sich, nach 15 Jahren dieses Spielchens kommt Vincent, ein als überdurchschnittlich intelligent dargestellter Grübler dann zufällig hinter seine wahre Identität, begegnet auf einer wilden Sex Party seiner Mutter, die dort als Hure ihr Geld verdient.
Die Handlung an sich zieht sich, man ahnt, was auf den nächsten Seiten passieren wird' Nur mit dem Happy End, welches fast schon zwanghaft konstruiert wirkt und eigentlich nur die letztmalig aufflackernde, unerfüllte Hoffnung eines alten, einsamen Mannes ist, hat keiner gerechnet.

Das ganze wirkt wie die Rebellion des Autors gegen ein facettenhaft wahrgenommenes Problem, welches mit einem jugendlich anmutenden Postulat bekämpft werden kann. Aber wären da nicht diese kleinen Details, die Momente in denen Goebel so wunderbar darstellt und genüsslich fließend demaskiert, würde ich nicht mit etwas Hoffnung auf sein drittes Buch warten. Er wäre nicht der erste Autor, der sich auf seinem Pfad der Selbstfindung übertreffen kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 24, 2008 6:01 PM MEST


Lila, Lila. Roman
Lila, Lila. Roman
von Martin Suter
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Suter unterbietet sich selbst..., 3. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Lila, Lila. Roman (Taschenbuch)
"Den Spagat zwischen Liebesgeschichte (...) und Drama (Michael Schacht) hat Suter so nicht nötig, er bremst sich selbst zu einer Liebesgeschichte aus, die als Solche aber dennoch Berechtigung findet. Martin Suter jedoch, der Autor von "die dunkle Seite des Mondes" oder "Small World" hat in den genannten Büchern gezeigt, was er wirklich kann; "Lila, Lila" ist dagegen leider nur ein schwacher Abdruck!

Sicherlich sind die Protagonisten mit einem gewissen Feingefühl konzipiert, wirken dann aber die ganze Zeit auch nur wie ein Konzept ohne wirklichen Character zu entwickeln. Das grundsätzliche Thema Suters -asynchrone Lebensläufe bei der Selbstfindung- ist befriedigend umgesetzt, bleibt aber irgendwie auch in der Luft hängen.

Letztlich bleibt ein recht interessanter Plot, für Suter-Leser ist seine Handschrift erkennbar. Leider aber fehlt der Effekt, den man nach dem Lesen gerade nach "Die dunkle Seite des Mondes" in sich spürt, das Bewusstsein in eine andere Sicht des Lebens Einblicke erhalten zu haben.

"Lila, Lila" habe ich gelesen und darauf ohne besonderes Gefühl der Verbundenheit ins Regal zurückgestellt...


Wie aus Deutschen Nazis wurden
Wie aus Deutschen Nazis wurden
von Peter Fritzsche
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Analyse aus dem anglophonen Sprachraum..., 25. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Wie aus Deutschen Nazis wurden (Taschenbuch)
Entgegen der vorigen Rezension halte ich das Buch von Fritzsche ausgesprochen hilfreich! Auch wenn es inhaltlich vieleicht den Horizont des Schulalttags übersteigt, ist das Buch sicher nicht so "überladen" wie beschrieben. Ganz im Gegenteil, Fritzsche versteht die Zeit des Nationalsozialismus eben nicht wie viele deutsche Historiker als einzelnes Phänomen, welches dann auch als Einzelaspekt betrachtet wird. Viel eher versteht er die Erscheinung des Nationalsozialismus als Folgeerscheinung. Als Resultat mehrerer Ereignisse, die eben nicht erst ab Januar 1933 untersucht werden dürfen. Fritzsche fängt bereits 1914, dem Beginn zum ersten Weltkrieg an und rekonstruiert anhand der politischen, aber eben auch der Alltagsituation des Alltagsbürgers in Deutschland einen Zusammenhang, der so nur selten aufgezeigt wird. Fritzsche gelingt es, die verschiedenen Faceten der ersten Hälfte des 20. Jhd zu analysieren und schließlich zu vergleichen. Fritzsche bewahrt dabei eine proffessionelle Distanz, die vielen Deutschen Historikern schwer fällt. Entweder versuchen diese ein revisionistisches Bild, oder eben den Nationalsozialismus als singuläres Phänomen zu zeichnen.

Peter Fritzsche hingegen schafft es eben auf Grund seiner vertieften Kenntnisse aufzuzeigen, wie zum einen die Zustände der Politikverdrossenheit aber eben auch die Glorifizierung der sogenannten Volksgemneinschaft eben zu jenem Untersatz geführt haben, den die Nazis nur aufzugreifen und zu perfektionieren brauchten. Dieses Buch bekundet sehr schonunglos und offen, das der Nationalsozialismus in Deutschland eben nicht das Werk der Braunen ist, sondern eben die Umstände dieser Zeit die "Machtergreifung" letzlich durch Adolf Hitler extrem vereinfacht haben.

Wer also ein wirklich kompaktes Buch zu diesem Thema lesen möchte und bei Guido Knopp und Co. nichts neues erfährt sollte hier zugreifen!


Seite: 1