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Lesezeichen "S.D." (München, Bayern)

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Du bist noch nicht tot: Thriller (Serienkiller, Band 4)
Du bist noch nicht tot: Thriller (Serienkiller, Band 4)
von Dan Wells
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Einen draufgesetzt, 20. Oktober 2014
Stell Dir vor, Du hasst Deine Eltern. Stell Dir vor, Du hast für jeden deiner Kolleginnen und Kollegen einen Plan vorbereitet, wie Du sie umbringen wirst. Stell Dir vor, Du bist gerade mal 17 Jahre alt und bist mit Leichen aufgewachsen. Und stell Dir vor, Du bist ein Serienkiller. Dann heißt Du John Cleaver!

Das ist das Szenario, mit dem Dan Wells mit seiner Serienkillertrilogie schlagartig die Büchercharts gestürmt hat und ein aussergewöhnliches Thrillerszenario zwischen klassischem Thriller und Horror geschaffen hat. Eigentlich schien die Handlung um John Cleaver, der sich selbst für einen potentiellen Serienkiller hielt, bis der Kampf gegen Dämonen ihn zu einem ebensolchen machten, nach dem dritten Band hinreichend erzählt. Umso überraschter und gleichzeitig skeptischer war ich, als durchsickerte, dass es einen vierten Band geben sollte.

Doch ich muss gestehen, dass meine Skepzis Begeisterung gewichen ist, denn Dan Wells gelingt es schlüssig und ebenso spannend und kurzweilig wie in den ersten 3 Thrillern, seinen Protagonisten John Cleaver bei seinem Kampf gegen die mysteriösen und gefährlichen Dämonen, aber auch gegen seine eigenen Dämonen in sich, zu begleiten.

Zur Handlung:

Es ist einige Zeit vergangen, seit die Dämonin "Niemand" die wichtigsten Personen in John Cleavers Umfeld getötet hatte, bevor sie in einem brennenden Auto selbst das Zeitliche segnete. John arbeitet nun für das FBI in einer Sondereinheit, die sich die komplette Vernichtung der Dämonen zum Ziel gesetzt hat. Ebenfalls mit dabei ist seine ehemalige Klassenkameradin Brooke, die nach der Begegnung mit "Niemand" über deren Erinnerungen verfügt, aber selbst irgendwo zwischen Mensch und Dämon pendelt. Als sie weitere Dämonen aufspüren und zur Strecke bringen wollen, zeigt sich, dass die Gejagten den Spieß umgedreht haben und dass John selbst zum Gejagten wird. Und dieses Mal lassen die Cleverness seiner Gegner, aber auch deren Brutalität und Skrupellosigkeit alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen.

Dan Wells ist ein Meister der Worte. es gelingt ihm vortrefflich, seine Leser von Anfang an in die Handlung hineinzuziehen und mit John Cleaver mitzufiebern und mitzuleiden. Seinen Helden stellt er als einen 17-jährigen Jungen dar, der einerseits ziemlich durchgeknallt und pschopatisch ist, andererseits aber wiederum so clever, weise und abgeklärt daher kommt, dass man zwischen Faszination, Beklemmung, Mitgefühl und Bewunderung hin- und hergerissen wird. Wells treibt die Handlung mit einen extrem hohen Tempo voran und gibt mir als Leser stets das Gefühl, immer einen Ticken zu spät zu durchschauen, was passieren wird. das macht auch diesen vierten Teil irrsinnig spannend und bis zum Ende bleibt offen, wie es ausgehen wird. Denn John trägt ja seine eigenen Dämonen in sich und er steht immer auf der Kippe, vollends zum Serienkiller zu werden.

Ich kann "Du bist noch nicht tot" (im Original "The Devils only friend" - was viel deutlicher John Cleavers Dilemma auf den Punkt bringt) nicht ganz uneingeschränkt empfehlen, denn um die handlung wirklich gut zu verstehen, sollte man die Serienkillertrilogie zuerst gelesen haben. Zu viele Querverweise und Anknüpfungen an Ereignisse der Trilogie verderben sonst den Lesespaß. Wer allerdings die drei Thriller zuvor gelsen hat, auf den wartet ein klassischer Pageturner mit Hochspannung bis zum Schluß und einem der durchgeknalltesten Helden der Thrillerhistorie. 5 Sterne und keiner weniger... und ein bißchen die Hoffnung auf einen fünften Teil ;-)


Wespennest: Ein Jack-Reacher-Roman
Wespennest: Ein Jack-Reacher-Roman
von Lee Child
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einsamer Rächer sticht ins Wespennest, 28. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Warten hat sich wieder einmal gelohnt - der neue Jack Reacher Thriller "Wespennest" von Lee Child verspricht nicht nur Spannungskost vom Feinsten - er hält dieses Versprechen auch.

Ein Killer bekommt von einem Familienclan irgendwo im Nirgendwo von Nebraska den Auftrag, den Zugang zu einer geheimnisvollen Scheune im Auge zu behalten und einen bestimmten Mann zu ermorden, sollte dieser sich dieser Scheune nähern.

Mit diesem Prolog startet Lee Child seinen neusten Thriller "Wespennest" und natürlich ist klar, dass es sich bei dem zu ermordenden Mann nur um Jack Reacher handeln kann. Was passieren wird, erfährt der Leser aber erst ganz am Ende des Romans.
Zuvor führt uns Lee Child ein paar Tage zurück. Ein körperlich angeschlagener Jack bekommt in einem einsamen Motel mit, wie ein Arzt, der sich dort am betrinken ist, bei einem telefonischen Hilferuf einer Frau unbeteiligt sitzen bleiben will. Natürlich wird Jacks Gerechtigkeitssinn und sein Bedürfnis zu helfen angesprochen und so zwingt er den Arzt, mit ihm zu dieser Frau zu fahren.
Was sich nun zunächst als ganz simple Geschichte anlässt, bringt Jack Reacher ganz schnell schwer in Bedrängnis, denn er hat mit dieser erzwungenen Hilfeleistung offensichtlich in ein Wespennest gestochen. Denn die Frau wurde offensichtlich von ihrem Mann Seth mißhandelt, der zu dem oben erwähnten Familienclan gehört. Als er Seth einen typischen Reacher-Denkzettel (=gebrochene Nase) verpasst löst er eine Lawine von Ereignissen aus, die gleich 3 weitere Verbrecherclans ins Spiel bringen.
Denn der Familienclan terrorisiert und unterdrückt nicht nur die gesamte Bevölkerung des Städtchens, er hat auch gerade ein wichtiges und offensichtlich illegales Geschäft am Laufen. Doch Reacher wäre nicht Reacher, wenn er nun die Finger von allem lassen würde und so wird einmal ordentlich aufgemischt.

Lee Child könnte aus dieser Story eine klassische "Lonesome Cowboy" - Geschichte machen, doch auch dieses Mal weiß er sehr geschickt das doch eher gleiche Strickmuster seiner Reacher-Romane zu variieren. Denn die Art und Weise, wie die unterschiedlichen Clans und Organisationen ins Spiel kommen, agieren und - damit wird nicht zu viel verraten - von Reacher wieder aus dem Spiel gekickt werden, hat teilweise etwas slapstickartiges, komödienhaftes. Obwohl die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite anhält und man allein schon deshalb das Buch nicht aus der Hand legen mag, so muß man über die absurden Verwicklungen, Verwechslungen und Skurilitäten immer wieder lachen oder zumindest schmunzeln.

"Wespennest" ist für mich ein durch und durch gelungener Thriller mit einem charismatischen und überaus sympatischen Helden. Natürlich weiß man von Anfang an, dass Reacher gewinnen wird, denn es ist nicht sein erster Thriller und auch nicht sein letzter (auf Englisch sind da schon weitere Romane publiziert), aber um diese Art der Spannung geht es auch nicht, sondern vor allem um die Art und Weise, wie Reacher das Gute gewinnen lässt, obwohl er eigentlich keine Chance hat. Ich habe mich bestens unterhalten und das Buch in eineinhalb Tagen verschlungen. Für mich ist Lee Childs "Wespennest" Thrillerkost vom Feinsten und daher auch 5 Sterne wert.

P.S.: Und ja, ich bin ein Fan von Child und Reacher... aber auch für Nicht-Fans empfehle ich einen 5-Sterne-Thriller, bei dem man auch nicht die Vorgängerromane gelesen haben muss. "Wespennest" funktioniert auch für sich alleine gelesen.


Fragmente: Partials 2
Fragmente: Partials 2
von Dan Wells
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Fesselnde Fortsetzung von "Aufbruch - Partials 1", 17. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fragmente: Partials 2 (Gebundene Ausgabe)
Mit seinem Auftaktroman "Aufbruch" zur als Trilogie angelegten Partials-Romanreihe hat Dan Wells erneut positiv überrascht. Mit der Serienkiller-Trilogie hat er sich furios von Null auf Hundert in die Crème de la Crème der Spannungsautoren katapultiert und dabei eine ungewöhnliche Mischung aus skurillem Thriller und Fantasy geschaffen. Mit "Sa(r)g niemals nie" hat er sich dann nicht unerfolgreich noch mehr von der humorvollen Seite gezeigt.
Die Partials-Trilogie wiederum bewegt sich ausschließlich auf der Fantasy-/SF-Ebene und hier zeichnet Dan Wells ein überaus düsteres und apokalyptisches Bild von der Zukunft der Menschen. Und auch das gelingt ihm vorzüglich.

Worum geht es in Partials:
In "Aufbruch" führt Wells uns in die Zukunft, in der nach einem Krieg zwischen Menschen und ursprünglich als Soldaten synthetisch geschaffenen menschenähnlichen Partials nur noch wenige Zehntausend Menschen in der Nähe von Manhatten überlebt haben. Und auch diese Menschen scheinen keine Zukunft mehr zu haben. Denn einerseits herrscht immer noch blutiger Krieg mit den Partials und andererseits sorgt ein furchtbarer, unheilbarer Virus dafür, dass alle Säuglinge innerhalb weniger Tage sterben. In diesem Umfeld wächst die 16-jährige Kira im Kreis einer Pflegefamilie bei ihrer Pflegemutter Nandita auf. Als sie durch Zufall eine Ahnung bekommt, dass eine Möglichkeit zur Immunisierung gegen das Virus PM ausgerechnet bei ihren Feinden, den Partials zu finden ist, gerät sie zwischen die Fronten - zumal auch bei den Partials die Uhr abläuft, denn sie sind mit einem biologischen "Verfallsdatum" programmiert, das auch sie auszurotten droht. Zudem spielt die Regierung anscheinden nicht mit offenen Karten und auch eine Widerstandsgruppe innerhalb der Menschen sorgt für Gefahr.
Gegen alle Widerstände und trotz aller Risiken macht sich Kira auf den Weg ins Gebiet der Partials.

(Spoilerwarnung!!!! Wer Teil 1 noch nicht gelesen hat und sich die Spannung bewahren möchte, sollte den folgenden Absatz überspringen)

In "Fragmente" nun wird Kiras Weg fortgeschrieben. Nachdem sie am Ende des ersten Teils nicht nur feststellen musste, selbst ein Partial zu sein, nur mit Mühe und Dank der Hilfe des Partials Samm den Schergen rund um eine skrupellose Partialmedizinerin entkommen konnte und dann auch noch das Baby Ihrer besten Freundin retten konnte, forschen die Menschen verzweifelt nach einer Herstellung eines syntetischen Impfstoffs. Da ihre verschwundene Ziehmutter Nandita ihr eine seltsame Nachricht "Finde den Trust" hinterlassen hat, macht sich Kira gemeinsam mit Samm und einer weiteren Partial auf den Weg nach Denver, wo sie in der ehemaligen Firmenzentrale ParaGen, welche die Partials entwickelt hat, Antworten und Informationen sucht, um ihre eigene herkunft und Bestimmung zu ergründen bzw. Indizien für einen möglichen Impfstoff, aber auch zur Abschaltung des Verfalldatums vermutet. Doch der Weg führt durch ein ganz und gar unwirkliches und zerstörtes Amerika voller Gefahren. Und als sie ihr Ziel erreichen, werden sie mit einer vollkommen unerwarteten Situation konfrontiert, die Kiras Weltbild und Moralverständnis auf eine harte Bewährungsprobe stellt.

Meine Bewertung:

Für mich ist Dan Wells ein wirklich faszinierender und extrem spannender Fortsetzungroman gelungen. Gemeinsam mit Kira erfährt man als Leser nach und nach die unglaublichen Hintergründe, die zur Vernichtung der Menschheit, aber auch zur Übermacht der Partials geführt hat. Dies ist eine überaus gelungene Art, den Plot voranzutreiben und mich hat es zu keiner Zeit gelangweilt, die lange und überaus ereignisreiche Odysee nach Denver zu verfolgen. Bei aller Fanatsy gelingt es Wells ein sehr realistisches und plastisches Bild einer alptraumartigen Zukunft zu malen und ich war schnell darin "gefangen". Im 2. Teil "Fragmente" bekommen nicht nur die Figuren (neben Kira und ihren Gafährten lässt Wells uns auch am Schicksal von Kiras Freund Marcus teilhaben) deutlich mehr Tiefe, auch die Handlung führt Kira und uns Leser an die Grenzen von Moral und Werten und lässt uns an ausgesprochen aktuellen Dilemmasituationen mitleiden und mitphilosophieren, in denen es um die Entscheidung von Leben und Tod geht. Überhaupt entwicklet sich die Partialstrilogie immer stärker zu einer Parabel auf unsere heutige Gesellschaft mit all ihren historischen Katastrophen, deren Aufarbeitung und Rechtfertigung.
Und all dies kommt ohne den großen erhobenen Zeigefinger daher, sondern still und leise - quasi über Rücken und Brust erst ins Auge. Wells vergisst dabei zu keiner Zeit den Spannungsbogen zu pflegen und schafft mit einigen unerwarteten Wendungen einem möglichen Spannungsabfall vorzubeugen.

Für mich finden sich in der Partials-Trilogie viele Quervergleiche zu Suzanne Collins "Tribute von Panem"-Trilogie. Nicht nur dass sich die Protagonistinnen in einem ähnlichen Alter befinden, auch Zielgruppe und Maral der Handlung bewegen sich in ähnlich gesellschaftkritischen Kontext.

Mich hat Dan Wells mit der Partials-Trilogie voll in seinen Bann gezogen und ich erwarte sehnsüchtig den 3. Band, denn natürlich bleiben nach "Fragmente - Partials 2" jede Menge gemeiner Cliffhanger.


Breaking News
Breaking News
von Frank Schätzing
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,99

107 von 136 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langatmig bei anstrengendem Sprachstil, 8. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Breaking News (Gebundene Ausgabe)
Über die Handlung in Frank Schätzings neustem Roman "Breaking News" ist über die Amazon-Inhaltsangabe wie auch durch meine Vorrezensenten mehr als genug geschrieben. Das Thema ist brandaktuell und es sei Schätzing auch beste Absicht unterstellt, in seinem Generationen übergreifenden Epos, wie man es in dieser Ausführlichkeit eher von Ken Follet gewöhnt ist, mit viel Spannung und historischem Hintergrund zu unterhalten.

Doch leider gelingt ihm dies in meinen Augen nur sehr fragmentarisch. Dabei kann ich noch nicht einmal behaupten, dass ich abgebrochen hätte, denn im Grunde ist die Geschichte des zynischen Kriegsreporter und dessen Verquickung mit den aktuellen wie auch historischen Gegebenheiten Palästinas und Israels durchaus spannend und interessant.
Wenn da nicht Schätzings Hang wäre, alles und jeden in seinem Roman bis auf den letzten Tropfen zu beschreiben, hier noch einen Erklärungsstrang einzuführen und da noch dieses Detail zu ergänzen. Das stört in meinen Augen den Lesefluss ungemein und ich habe mich im verlauf immer häufiger dabei ertappt, wie ich ganze Passagen nur noch überflogen oder ganz und gar ausgelassen habe, um mich auf das Fortkommen der Handlung zu konzentrieren. Dies ist schade, denn hier wäre eindeutig weniger viel viel mehr gewesen.
Das zweite große Manko von "Breaking News" ist der Sprachstil Schätzings. Stakkatoartige Sätze, gerne ohne Verb, teilweise nur wenige Worte lassen zwar Assoziationen zu dem Titel aufkommen, erinnert dies doch sehr an Sensationsreporter, die atemlos ein aktuelles Ereignis kommentieren. Mich hat es irgendwann einfach nur noch genervt.

Und dieser Schreib-/Sprachstil Schätzings gepaart mit seinem Hang zur übertriebenen Ausführlichkeit, erfüllt bei weitem nicht die Vorschußlorbeeren, mit denen "Breaking News" angekündigt wurde. Nun muss man auch fair sein - es gibt eindeutig schlechtere Werke und was man Schätzing nicht vorwerfen kann, ist gut und akribisch recherchiert zu haben, denn das Bild, das er historisch aufzeigt, ist ein gutes Spiegelbild der aktuellen Realität im nahen Osten. Trotzdem - als Unterhaltungsroman finde ich "Breaking News" nicht gut und komme daher über 2 Sterne in der Bewertung nicht hinaus. Schade!
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 10, 2014 11:51 AM MEST


Böhmisches Blut
Böhmisches Blut
von Philip Kerr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein spannendes, historisch faszinierendes Kammerspiel im Stile Agatha Christie, 5. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Böhmisches Blut (Gebundene Ausgabe)
Philip Kerr hat mit seinem Protagonisten Bernie Gunther einen klassischen Antihelden geschaffen, den er in seinen Romanen von der Weimarer Republik bis hin zu den Nachkriegsdiktaturen Südamerikas begleitet. Während er bisher seine Romane chronologisch aufgebaut hat, fügt er nun mit "Böhmisches Blut" eine Handlung dazwischen ein, denn er begibt sich zurück ins Jahr 1941, als der 2. Weltkrieg noch im vollen Gange ist und die Judenvernichtung sich noch in der Planungsphase befindet.
Gunther arbeitet als Krminaler im Morddezernat am Alexanderplatz, traumatisiert von seinem Fronteinsatz im Osten. Im Rahmen der Ermittlungen eines Mordes lernt er die Bardame Ariane Tauber kennen, die ihn von den Schrecken Nazideutschlands ablenkt und in die er sich verliebt. Doch leider ist diesem kleinen Glück keine lange Verweildauer beschert, denn sein Chef Reinhard Heydrich beordert ihn auf ein Schloß nach Tschechien. Heydrich fürchtet um sein Leben und stellt Gunther als Leibwächter in Dienst. Als ein mysteriöser Mord im Schloß geschieht - die Leiche liegt in einem von innen abgeschlossenen Zimmer - muss Gunther alles dran setzen, den Täter zu finden. Denn Heydrich ist nicht für eine ausdauernde Geduld bekannt.

Philip Kerr inszeniert nun eine Tätersuche ganz im Stil der bekannten Hercule Poirot- bzw Miss Marple Romane Agatha Christies. Das er dabei seinem üblichen Stil treu bleibt, historische Tatsachen mit spannender Fiktion zu vermischen, macht dieses Kammerspiel zu etwas ähnlich besonderem, wie all seine anderen Romane. Kerr zeichnet sich dadurch aus, dass er exzellent recherchiert und seine Personen, die realen wie die fiktiven, extrem differenziert und mit viel Tiefgang zeichnet. Vor allem sein tragischer Held Bernie Gunther, der zum Handlanger der Nazis wider Willen wird und immer wieder versucht, seinen Kopf aus der ständig präsenten Schlinge zu ziehen, fasziniert. Man fiebert und leidet mit ihm mit und weiß eigentlich immer, dass das Ende vielleicht erfolgreich, aber niemals gut für Gunther sein wird.

Auch wenn ich manchem Vorrezensenten recht geben möchte, dass "Böhmisches Blut" nicht sein bester Roman mit Bernie Gunther ist, so ist und bleibt es trotzdem ein exzellenter, fesselnder Kriminalroman und ein Meisterwerk in Geschichtsunterícht.


Das Implantat: Roman
Das Implantat: Roman
von Daniel H. Wilson
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Actionreiche Parabel auf Minderheitendiskreminierung, 5. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Implantat: Roman (Broschiert)
Mit seinem Erstlingsroman "Robocalypse" hat der in Robotik promovierte Amerikaner Daniel H. Wilson einen furiosen Science Fiction Thriller abgeliefert, der von keinem geringeren als Steven Spielberg verfilmt wird. Nun ist sein zweiter Roman auf Deutsch erschienen und dieses Mal nimmt sich Wilson eines ständig präsenten Themas an: der Diskreminierung von Minderheiten. Natürlich vermischt er auch hier Science Fiction und Gesellschaftskritik, verpackt in einen kurzweiligen, spannenden und actionreichen Plot.

Zur Handlung:

Owen ist Lehrer und muß den dramatischen Selbstmord seiner Schülerin Samantha miterleben. Wie Owen selbst trägt sie ein Gehirnimplantat. Owen bekam seines nach einem schweren Unfall von seinem Vater, einem Mitentwickler dieser Form von Neuralem Minicomputer, als letzte Hoffnung erfolgreich implantiert, um epileptischen Anfällen vorzubeugen. Doch mittlerweile tragen viele Menschen solche Implantate, die sie lern- und leistungsfähiger als Menschen ohne ein solches Implantat machen. Diese "Ungerechtigkeit" nutzt der Dogmat Vaughn, um Stimmung gegen die "Amps" zu machen - und er ist erfolgreich mit seiner Hetzkampagne. Die Bevölkerung begehrt gegen die Amps auf und erzwingt Verordnungen und Gesetze, die den Implantatträgern ihre Rechte absprechen und sie übelst diskreminieren.

In diesem Umfeld erfährt Owen, dass sein Implantat ein ganz Besonderes ist und deshalb die Regierung, aber auch die Organisation von Vaughn alles versuchen wird, um ihn in die Hände zu bekommen. Als letzte Zufluchtsstätte verbleibt Owen ein Wohnwarkenpark, einer der wenigen Bastionen der Amps, wo er von dem Ex-Kollegen seines Vaters, Jim erfahren soll, was es mit seinem Implantat auf sich hat und wozu er für Regierung und Amp-Gegner so wichtig ist. Und ehe er es sich versieht, findet sich Owen am Rande eines Krieges wieder - dem radikaler Amp-Gegner und genau so radikaler Amps.

Das Grundthema ist sicherlich nicht neu, doch "Das Implantat" zieht seinen besonderen Reiz und seiner Spannung aus dem Spiel mit dem "was wäre wenn". In einem Interviewauszug im Einband des Romans weist der Autor darauf hin, dass der Einsatz solcher neuralen Implantate keine Fiktion mehr ist, sondern bereits intensiv erfroscht und getestet wird. Und die Vorstellung, dass Menschen, die zunächst im Vergleich zu Normalbürgern aufgrund neuronaler Erkrankungen benachteilig sind, nach Einsatz eines Gehirnimplantats plötzlich deutlich leistungsfähiger als die Normalbürger werden, nicht nur Skepsis, sondern sehr schnell auch Neid und Mißgunst auslösen, ist gar nicht so weit von der Hand zu weisen. Wilson treibt diesen Gedanken auf die Spitze und entwickelt ein Szenario, in dem eben aus Mißgunst in einer furiosen Dynamik Diskreminierung und komplette Ausgrenzung werden und man sich schnell an das Judenprogrom der Nazis erinnert fühlt.
Dabei kann man Wilson zwar vorwerfen, er stellt dieses Szenario sehr einseitig und isoliert dar, denn seine Handlung bleibt auf die USA beschränkt und lässt mögliche Reaktionen und Einflußnahme aus der internationalen Gemeinschaft außen vor. Aber in meinen Augen ist dieses Manko zu Gunsten einer straffen und durchaus auch etwas verschachtelten Handlung tolerierbar. Auch die Tatsache, dass es auch um Manipulation der Protagonisten geht, eine Liebesgeschichte eingebaut und das Finale sehr überdramatisiert ist, haben zumindest bei mir nicht zu einer Einschränkung des Lesevergnügens geführt.

"Das Implantat" von Daniel H. Wilson ist sicherlich nicht die schwerste Kost eines an sich durchaus schweren Themas, aber der Roman unterhält exzellent und lässt trotzdem einiges an Nachdenklichkeit nachschwingen. Er ist kein zweiter "Robocalypse", aber für sich allein gewertet ein lesenswerter, spannender Thriller.


Die Analphabetin, die rechnen konnte: Roman
Die Analphabetin, die rechnen konnte: Roman
von Jonas Jonasson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

44 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hab den Roman komplett gelesen - ein tolles Werk!, 2. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mir gehen, ehrlich gesagt, die Kritiken ziemlich auf den Keks, die sich draüber aufregen, dass Jonasson den Stil seines Weltbestsellers "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" einfach kopiert hat. Für mich als Rezensent zählt einzig und allein, ob mir ein Buch gefallen hat oder nicht.

Und mir hat "Die Analphabetinn die rechnen konnte" ausgesprochen gut gefallen. Von der ersten bis zur letzten Seite durchzieht den Roman ein ausgesprochen feiner und hintersinniger Humor, der in seiner skurrilen Art auch oftmals zum laut rausprusten reizt. Natürlich ist die Handlung (hierzu gleich) vollkommen absurd und so von Zufällen durchzogen, dass Realitätsfanatiker hyperventilative Schnappatmung bekommen. Aber mir geht es beim Lesen nicht darum, immer zu reflektieren, ob so was tatsächlich möglich wäre - das ist und war nie Jonas Jonassons Anspruch -, sondern ich möchte unterhalten werden, eintauchen in eine Geschichte, die fesselt und verzaubert. Und all dies gelingt Jonasson - und zwar nicht obwohl er eigentlich seinen Stil kopiert, sondern gerade weil er seinen eigenen und besonderen Stil fortführt.

Nun zur Handlung:

Jonasson spannt seine Geschichte über fast 50 Jahre, beginnend im Apartheitssystem Südafrikas. Wir dürfen die ausgesprochen sympatische und von Leben hart gebeutelte Afrikanerin Nombeko begleiten, die zunächst vom fünften lebensjahr an als Latrinenträgerin ein hartes Dasein frönt. Als Analphabetin erkennt sie bald ihre Affinität zu den Zahlen und zum Rechnen und sehr schnell entwicklet sie Ehrgeiz, auch Lesen und Schreiben zu lernen und auch sonst die Welt zu verstehen. Und dabei legt sie allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotze einen unerschöpflichen Ehrgeiz und enormes Talent an den Tag. Und es kommt echt hart für sie: Endlich vermeintlich das Glück gefunden zu haben, wird sie von einem Atomingenieur angefahren und - obwohl unschuldig - gerichtlich verdonnert, bei ihm ihre Schuld die nächsten 7 Jahre abzuarbeiten. So gerät sie unverhofft in einen Strudel an Ereignissen, die sie über das Kennenlernen von 3 ziemlich naiven, aber auch ziemlich kriminell veranlagten chinesischen Schwestern, zwei Mossadagenten, einem chinesischen Parteiobersten und dem südafrikanischen Präsidenten mit einer funktionsfähigen Atombombe nach Schweden verschlägt. Dort lernt sie die beiden ungleichen Zwillingsbrüder Holger 1 und Holger 2, ein extrem zorniges Mädchen und schließlich sogar den schwedischen Ministerpräsidenten sowie König Gustav höchstpersönlich kennen. Und schließlich und endlich findet sie nach jeder Menge Wirrungen rund um die Atombombe und jeder Menge anderer skurrilen Geschehnissen schließlich und endlich doch noch ihr Glück.

Selbst mit dieser etwas ausführlicheren, aber im Gegensatz zu manch anderer Rezension korrekten, Inhaltsangabe, die - keine Angst - Spoilervorwürfen keinen Raum bietet, wird lange nicht zuviel erzählt. Wieder versieht Jonasson seine Geschichte mit jeder Menge feiner Gesellschaftskritik. Die überaus virtuose Verknüpfung von Fiktion und Realität à la Forrest Gump löst das eine odere andere erinnerungstechnische Aha-Erlebnis aus.

Fazit: da ich mich ausgesprochen gut unterhalten habe, die Mischung von Geschichtsauffrischung und Satire schlichtweg passt, die Heldin durch und durch sympatisch ist und zu keiner Zeit auch nur ansatzweise Langeweile oder "déjà vue" das Lesevergnügen getrübt haben, gebe ich "Die Analphabetin, die rechnen konnte" volle 5 Punkte.

Und im Übrigen - wenn mir beim Essen etwas extrem gut geschmeckt hat, dann esse ich davon gerne ein zweites Mal und es schmeckt mir - sofern von der gleichen Köchin, dem gleichen Koch mit den gleichen Zutaten auf die gleiche Art zubereitet - immer noch genauso gut! Und bis ich dieses Essen satt habe, dauert es noch ziemlich lange :-).
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 17, 2014 8:15 PM CET


Zero Day: Thriller
Zero Day: Thriller
von David Baldacci
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannender Start - laues Finale, 26. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zero Day: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Bei David Baldacci wechseln sich gerne Licht und Schatten in seinen Thrillern ab. Sowohl die Camel-Club-Reihe wie auch die Maxwell-King-Reihe kann mit richtig guten Pageturnen glänzen, aber auch mit ziemlich lauen und uninspirierten Romanen langweilen.

In seinem neuen Thriller "Zero Day" scheint Baldacci nun eine neue Reihe rund um den Militärpolizeiermittler John Puller ins Leben zu rufen. Leider gelingt es ihm aus meiner Sicht nicht, einen vollendst überzeugenden Start hinzulegen. Vielmehr wechseln sich Licht (vor allem zum Auftakt) und Schatten (leider durch das ziemlich konstruierte und auch unrealistische Ende) in "Zero Day" ab.

In einem Kaff irgendwo im Nirgendwo von Virginia wird ein Geheimdienstoffizier sowie seine Frau und beiden Kinder brutal ermordet aufgefunden. Der Geheimdienst beauftragt den besten Ermittler der amerikanischen Militärpolizei, John Puller, mit dem Fall. Vor Ort muss er sich mit der jungen, attraktiven Kriminalbeamtin Samantha "Sam" Cole arrangieren. Gemeinsam stoßen sie nicht nur auf jede Menge Verdächtige, sondern auch auf weitere Mordopfer. Zudem verhalten sich amerikanischer Geheimdienst, aber auch der örtliche Bergbautycoon, sehr seltsam. Und dann ist da noch der alte, geheimnisvolle Regierungsbau mitten im Wald, den eine angeblich meterdicke Betonkuppel überspannt. Nach und nach kommen Puller und Cole einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur, die nichts anderes als die Sicherheit des gesamten Landes gefährdet. Als sie dann das gesamte Ausmaß der Verschwörung überblicken, ist allerdings fast schon zu spät. Nur gut dass sowohl Puller als auch Cole auf schwarze Schafe in ihrer Familie bauen können.

"Zero Day" lässt sich spannend und kurzweilig an. Dabei sind die Ähnlichkeiten Puller's mit Lee Child's Jack Reacher unübersehbar. Auch wenn Baldacci mit seinem Helden nicht ganz an das Charisma von Child's Helden rankommt, so ist ihm eine gelungene Charakterisierung gelungen. In seiner sehr konsequenten und stringenten Art, die Story aufzubauen, macht Baldacci neugierig und steigert kontinuierlich die Spannung. Leider kippt der Thriller genau dann, als das Mordmotiv und die Hintergründe der großen Verschwörung aufgedeckt werden. Denn diese Wendung ist nicht wirklich logisch aufgebaut, der Täter - obwohl durchaus fest in die Handlung eingebettet - wird irgendwie fast aus dem Hut gezogen und das Szenario erscheint doch sehr unrealistisch. Denn dass weder Militär noch Geheimdienst wissen, was es mit dem seltsamen Regierungsbau auf sich hat, ist schlichtweg unvorstellbar... vor allem bei all der Brisanz, die sich mit dem Inhalt des Baues offenbart. In diesem Moment ist das Besondere des Thrillers schlagartig ad absurdum geführt und mit der seltsamen Auflösung hinterlässt Baldacci bei mir als Leser einen faden Beigeschmack. Da hilft es auch nicht mehr, dass der hintermann der Verschwörung bis ganz zum Schluß noch vorgehalten wird.

Daher kann ich diesem so verheißungsvoll gestarteten Thriller "Zero Day" von David Baldacci nur 3 Sterne geben - toller Auftakt, laues Finale... und ein wenig die Hoffnung, dass Puller weitermachen darf in einem neuen Fall, der nur noch Licht und keinen Schatten mehr hat.


Koma: Kriminalroman (Ein Harry-Hole-Krimi, Band 10)
Koma: Kriminalroman (Ein Harry-Hole-Krimi, Band 10)
von Jo Nesbø
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfides, aber geniales Spiel mit dem Leser, 21. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Warten hat sich gelohnt - endlich ist er da, der neue Thriller von Jo Nesbo. Und er ist in meinen Augen (und offensichtlich auch in denen vieler meiner Vorrezensenten) der beste Teil der bisher an Höhepunkten nicht gerade armen Thrillerreihe um den tragischen, kaputten Antihelden Harry Hole.

Und Jo Nesbo schafft es auf gerade zu geniale 8und eigentlich sehr perfide) Art und Weise, mich als Leser nicht nur einmal, sondern ständig aber so was von aufs Glatteis zu führen. "Koma" ist voller vollkommen unerwarteter Wendungen und Ereignissen, dass einem fast schwindlig wird und ich mich mehrmals dabei ertappt habe, dass ich zurückgeblättert habe, um zu sehen, wo ich dem Autor auf den Leim gegangen bin. Es ist rückblickend faszinierend, wie geschickt Nesbo mich als Leser zu manipulieren versteht... wie es ihm gelingt, Szenarien (natürlich teilweise vollkommen falsche) in meinem Kopf entstehen zu lassen, die wenige Seiten später von ihm spürbar genüsslich pulverisiert werden. Und selbst als ich dachte, jetzt gelingt es ihm nicht mehr, weil alles aufgelöst ist - also auf den letzten Seiten des atemlosen Meisterwerks - gelingt es ihm dann gleich nochmals. Chapeau!!!

Nun versuche ich mal eine einigermaßen spoilerfreie Inhaltsangabe:

Nach dem hoch dramatischen und für die Fans der Harry-Hole-Reihe schlichtweg unerträglichen Ende des letzten Thrillers "Die Larve" vermissen die längjährigen Kollegen von Hole den genialen Ermittler auf das Schmerzlichste. Während in einer stillgelegten Abteilung eines Klinikums ein im Koma liegender Mann schwer bewacht wird, ermordet ein Unbekannter auf brutalste Art und Weise einen Ex-Polizisten, der offensichtlich an ungelösten Fällen in der Vergangenheit maßgeblich beteiligt war. Harrys Kollegen bräuchten händeringend die Kompetenz und Genialität von Hole, denn ihr Chef, der neue Polizeipräsident Bellmann übt Druck aus - vor allem als weitere Morde geschehen und es dabei auch einen aus ihren Reihen erwischt. Bellmann wiederum heckt mit seiner Geliebten, einer Senatorin, einen Plan aus, um den im Koma liegenden Unbekannten zu beseitigen, da dieser offensichtlich zu viel von ihrer ziemlich dunklen Vergangenheit weiß. Und dann ist da noch Truls "Beavis" Berntsen, Bellmann's Ex-Kollege und Partner fürs Dreckige, den Bellmann unter fadenscheinigen Gründen suspendiert hat und der nun anscheinend nach Rache giert.
Jo Nesbo konfrontiert den Leser also von Beginn an mit jeder Menge offener Erzählstränge, die er im Verlauf der Handlung auf kunstvollste und teilweise eher unerwartete Art und Weise miteinander verwebt. Und bis alles in einem überaus spannenden und dramatischen Finale endet, schenkt er seinen Lesern Lesevergnügen vom Allerfeinsten und wenn ein Thriller den Namen "Pageturner" verdient, dann ist es "Koma" von Jo Nesbo. 5 Sterne ohne wenn und aber - Kaufen!


Das Blutband: Der 11. Handyman Jack Thriller
Das Blutband: Der 11. Handyman Jack Thriller
von F. Paul Wilson
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

4.0 von 5 Sternen Ungewöhnlich verworren - trotzdem spannend, 18. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eigentlich sind die Handyman-Jack-Thriller von F.Paul Wilson eine sichere Bank für die Fans, aber auch für die Freunde gepflegter Unterhaltung aus dem Bereich von Fantasy/Thriller/Horror. Mal abgesehen von dem ganzen Kosmos, den der Autor geschickt um seinen Antihelden Jack gewebt hat, überzeugte Wilson vor allem durch seine geradlinige und gut strukturierte Art, mit der er seine fantastischen und hochspannenden Fantasy-Thriller erzählt. In meinen Augen bisher einzige unrühmliche Ausnahme war der 9. Band "Das Höllenwrack", bei dem irgendwie nichts wirklich gelungen war. Zum Glück ist dies hier bei Band 11 nicht ganz so in die Hose gegangen, aber etwas verworren und fahrig kommt die Handlung leider schon daher. Und ich gestehe, dass ich dementsprechend enttäuscht war.

Worum gehts?

Es beginnt - wie oft - eher harmlos. Nach der schlimmen Tragödie am Ende des letzten Romanes hat sich Jack etwas zurückgezogen und kümmert sich um seine Lebensgefährtin Gia und deren Tochter. Doch Jack wäre nicht Repairman Jack (boah - mit dieser bescheuerten deutschen Übersetzung "Handyman" tue ich mir weiterhin echt schwer), wenn er nicht empfänglich wäre für die Probleme Anderer. Dieses mal bittet ihn eine Frau, ihre noch minderjährige Tochter aus den Fängen eines Mannes zu befreien, dem sie sich scheinbar vollkommen hingegeben hat. Erst nach einigem Zögern nimmt Jack den Auftrag an, doch als sich herausstellt, dass der vor ihm engagierte Detektiv brutal ermordet wurde, ist seine Neugierde und sein Ehrgeiz geweckt. Doch welche Dimension sich hinter dem Anfangs so unspektakulären Auftrag verbirgt, hat auch Jack sich in seinen schlimmsten Alpträumen vorgestellt. Je tiefer er gräbt, umso mehr Abgründe von Inzucht, Vergewaltigung, Gentechnik, Sektentum und sogar staatlichen Interessen tun sich auf. Und es ist auch nicht zu viel verraten, dass letztendlich nur ein erneuter Konflikt mit der Andersheit unauasweichlich ist. Doch trotz diesem Bezug ins Mystische, kommt "Das Blutband" meist eher konventionell daher. Das Grauen und die Horrorkomponente hält sich fast vollkommen im hintergrund und der Roman kommt meist als klassischer Thriller daher. Das ist auch nicht weiter gravierend und hat Wilson auch schon in dem einen oder anderen Vorgängerroman so praktiziert.

Was jedoch etwas erstaunt ist, dass es ihm diesmal nur schwer gelingt, eine klare Struktur zu gestalten. Vielmehr kommt die Handlung sehr lange sehr verworren daher und mir ging es so, dass ich einige Passagen mehrmals lesen musste, um nicht den Überblick zu verlieren. Mal abgesehen davon, dass dies vollkommen untypisch für Wilson ist, war es für schon eine Trübung des Lesevergnügens. Nichts desto trotz ist auch dieser 11. Band durchaus kurzweilig und spannend und er bildet ein weiteres Puzzleteilchen in Wilsons Romanwelt ab. Das Ende ist furios und lässt gleichzeitig durchaus den einen oder anderen kleinen Cliffhanger für die folgenden, im Amerikanischen schon längst publizierten Teile über, die ja dann in dem im Rahmen des Adversary-Zyklus bereits auf Deutsch erschienenen Finalromans "Nightworld" aufgehen.

Wegen dieser doch überraschenden kleineren Makel von "Das Blutband" gebe ich diesem 11. Teil der Repairman-Jack-Reihe "nur" vier Sterne - kein Höhepunkt der Reihe, aber trotzdem nicht nur, aber vor allem für die Fans ein absolutes Muss. Im Übrigen empfehle ich, die Romane in der entsprechenden Reihenfolge zu lesen und nicht unbedingt mit Band 11 einzusteigen, da einfach zu viel an Vorwissen beim Leser vorausgesetzt wird.


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