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J.N.T.

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Nazi-Chic und Nazi-Trash: Faschistische Ästhetik in der populären Kultur
Nazi-Chic und Nazi-Trash: Faschistische Ästhetik in der populären Kultur
von Marcus Stiglegger
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als "nur Klolektüre"!, 1. Oktober 2013
Es liegt im Wesen des Essays selbst, dass er Dinge anders verhandeln kann und auch muss, als dies eine wissenschaftliche Monographie zu leisten vermag.
Stiglegger als Herausgeber der Reihe 'Kultur+Kritik' beweist allein deswegen Mut, da er meiner seiner Reihe und deren Bänden einen eigenständigen Raum für eine deutschsprachige Essaykultur schafft, die sich abseits von wissenschaftlichen Fachpublikationen, Magazinen und den tiefen des Internets zu entfalten vermag.
Die Investition in die einzelnen Bände kann letztendlich nur in diesem Kontext gesehen werden: Als eine Investition in die Idee eine Lücke im akademischen Diskurs zu schließen. Die breite Rezeption gibt ihm hier sicherlich Recht!

Auch inhaltlich überzeugt das Werk. So fasst Stiglegger einerseits bekannte, von ihm bereits zuvor dargelegte (Sadiconazista, Schlillerndes Dunkel [Hrsg. A. Nym], Looking for Europe [Hrsg. Gerten; Diesel] Positionen summierend und, immer trefflich, zusammen, anderseits überzeugt sein Text mit bemerkenswerten neuen Schlussfolgerungen und neuen Perspektiven auf „alte Diskurse“.

So unternimmt Stiglegger, wahrscheinlich als erster deutschsprachiger Autor überhaupt, eine stimmige Trennung zwischen den Genres „Neofolk“ und „Apocalpytic Folk“.
Auch zeugen seine Interpretationen von Projekten, wie z.B. Albin Julius's „Der Blutharsch“, nicht nur von langjähriger Szenekenntnis, sondern vermögen es auch interessante Facetten an einem Projekt aufzuzeigen, dass die „Jungle World“ einst mit dem Stempel „Neo-Nazi-Musik“ brandmarkte und damit lange Jahre aus dem popkulturellen Mainstream-Diskurs verbannte.

Gerade aber der Schluss und dessen, wiederum einmalige, kritische Auseinandersetzung mit dem Moment der faschistischen Ästhetik als Provokationsstrategie weiß durchaus zu überzeugen. Gerade die abschließenden, durchaus kritikwürdigen, Worte zur Gothic- und Neofolkszene verweisen auf den Umstand, dass viele Diskurse, die Stiglegger im Werk selbst nur anreizen kann, noch vieler ausführlicher Diskussionen bedürfen. Das Werk ist hierfür sicherlich der perfekte Einstieg!


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