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Rezensionen verfasst von
"tquartier"

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American Psycho
American Psycho
von Bret Easton Ellis
  Taschenbuch

18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der grausame Höhepunkt, 31. August 2001
Rezension bezieht sich auf: American Psycho (Taschenbuch)
Bret Easton Ellis gehört zweifelsohne zu den umstrittensten Autoren seiner Generation. Die Rezeption des Romans 'American Psycho' ist hinreichend bekannt, und auch die Mißverständnisse und der Mißbrauch, zu denen er geführt hat. Man kann den Roman jedoch nur wirklich verstehen, wenn man einen breiteren Blick auf das Werk des Autors wirft. Schon in seinem Erstlingswerk 'Unter Null' widmet Ellis sich der Sinnlosigkeit einer Generation des jungen Amerika. Sex, Drogen und Gleichgültigkeit machen die Leere aus, die die Jugendlichen dort kennzeichnet. Später, in 'Einfach unwiderstehlich' geht der Autor bereits einen Schritt weiter: Jugendlich ergehen sich in beziehungsmäßiger Unfähigkeit, in sexuellem Mißbrauch, in Selbstmordphantasien und in Gewalt. Eben jene Menschen sind es, die in 'American Psycho' die Highschool abgeschlossen haben und auf der Wall Street arbeiten. Die Sinnlosgkeit und Leere und all die anderen Dinge sind geblieben. Bei Bateman, dem Protagonisten, ist der Realitätsverlust jedoch so weit gegangen, daß er zum Massenmörder wird. Dies hat nichts mit gewalttätiger Literatur um der Gewalt willen zu tun. Vielmehr schockiert es in der beschriebenen Perspektive wie kaum ein anderes Buch, das sich mit dem 'neuen Amerika' auseinandersetzt. Wer den Roman aufgrund seiner extremen Gewaltszenen liest, den wird man nicht daran hindern können. Er hat es jedoch gründlich mißverstanden. Dieses Risikos muß sich auch Bret Easton Ellis bewußt sein. Es ist das alte Problem der 'Mißbraubarkeit', das jedoch der Preis ist, den man für ein solches Werk bezahlen muß. Denjenigen, deren Horizont weit genug ist, wird dieses Buch zutiefst zu denken geben.


Die Augen eines Mörders
Die Augen eines Mörders
von Antonio Muñoz Molina
  Taschenbuch

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menschlichkeit in der Unmenschlichkeit, 31. August 2001
Rezension bezieht sich auf: Die Augen eines Mörders (Taschenbuch)
'Die Augen eines Mörders' ist ein Buch, das in mehrerlei Hinsicht zu denken gibt: zunächst ist es literarisch von hoher Qualität - eine für einen 'Krimi' sehr seltene Eigenschaft - und doch spannend. Wichtiger ist jedoch die psychologische und anthropologische Tiefe, die der Autor erreicht. In beeindruckender Weise wechselt er die Perspektiven verschiedener Charaktere, in erster Linie die eines Sexualmörders mit der eines Polizeibeamten. Menschlichkeit spricht aus allen Perspektiven, die er einnimmt, auch aus der des 'menschlichen Monsters', der Bestie - des Mörders. Dies könnte man auf den ersten Blick beinahe für unmoralisch halten. Nichts ist jedoch weniger wahr. Gerade in der Menschlichkeit, die selbst der Mörder erlangt, gelingt es Molina in seinem Roman, die erschreckende anthropologische Wahrheit zu ertasten, wozu Menschen in der Lage sein können. Die schrecklichsten Grausamkeiten, die Menschen begehen, bleiben doch auch 'menschlich' - freilich nicht im positiven Sinn des Wortes. Eine solche Tiefe der Abgründe im Menschen kann nur in wirklich tiefer Literatur gelingen. Und Molina gelingt es, was den Leser bis ins Mark trifft. Die Moral des Buches geht daher viel weiter als eine platte Verurteilung der 'Bestie' als unmenschlich. Er ruft dazu auf, Menschen in der Gesellschaft so zu behandeln, daß ihre Menschlichkeit nicht in ihre eigenen Abgründe abstürzen kann. Ein erschütternder Roman, der aber viel mehr zu sagen hat als viele andere anthropologisch platte Auseinandersetzungen mit Schuld und Unmenschlichkeit, und daher in jeder Hinsicht viel zur Rettung der Menschlichkeit dem Menschen gegenüber beiträgt.


Deeply Into the Bone: Re-Inventing Rites of Passage (Life Passages)
Deeply Into the Bone: Re-Inventing Rites of Passage (Life Passages)
von Ronald L. Grimes
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rituale als Scharniere, 31. August 2001
Ronald L. Grimes ist seit nunmehr zwanzig Jahren einer der führenden Wissenschaftler und Autoren, die sich dem Ritual als menschlichem Grundphänomen und als Phänomen an sich widmen. Er ist einer der wichtigsten Vertreter der 'Ritual Studies' und hat daher allen Mensch- und Gesellschaftswissenschaften viel zu sagen. In diesem Werk widmet er sich einem menschlichen Grundbedürfnis: dem Ritualisieren von Wendepunkten im Lebenszyklus. Schon vor fünf Jahren publizierte Grimes zu diesem Thema, in einer rituellen Autobiographie. Nun verbreitert der Autor seine Perspektive. Er sucht rituelle Elemente zu den Lebenswenden in der Gesellschaft. Dabei gelingt es Grimes, wissenschaftliche Erkenntnisse zu synthetisieren und weiter zu entwickeln, gleichzeitig aber auch für ein interessiertes Publikum zu schreiben, das sich mit diesem Problem (auch für das eigene Leben) auseinandersetzen will. Dies ist eine Kunst, die nur wenige Autoren beherrschen. Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und ist für die Ritualforschung gleichzeitig eine Fundgrube. Grimes' Diagnose ist eher pessimistisch. Rituelle Muster, an denen Menschen sich an entscheidenden Momenten festhalten können, gibt es kaum mehr. Aber es gibt Ansätze, und diese trägt der Autor in der Form von 'self-narratives' zusammen. Er weckt Interesse und betrachtet das Ritual erfrischend frei. Was er möchte, faßt er wie folgt zusammen: "Ich gebe keine Rezepte für Rituale, ich möchte eine rituelle Haltung wecken". Ein viel zu lange vernachlässigtes Unterfangen. Dieses Buch kann dazu einen hervorragenden Beitrag leisten.


Herr Lehmann: Ein Roman
Herr Lehmann: Ein Roman
von Sven Regener
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

51 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebensgefühl der Leere, 30. August 2001
Rezension bezieht sich auf: Herr Lehmann: Ein Roman (Gebundene Ausgabe)
Sven Regener ist in seinem Roman 'Herr Lehmann' das gelungen, wonach ganze Legionen von jungen Schriftstellern streben: eine Leere der Existenz auszudrücken, die unser heutiges Leben kennzeichnet. Dabei verstrickt er sich nicht in zwei typische Sackgassen: Auf der einen Seite schreibt er keinen Pubertätsroman, der die Sinnlosigkeit der heutigen Jugend zeigt, die sich nur noch oberflächlichen Freuden hingibt; auf der anderen Seite ist es jedoch auch kein gewalttätiger Schocker, den Herr Regener verfaßt hat. Nein, die Person des Herrn Lehmann ist in dieser Hinsicht mit Bedacht gewählt: Es handelt sich um einen beinahe dreißigjährigen Bewohner von West-Berlin, der eigentlich nur eines ist, nämlich normal. Nich im direkt spießbürgerlichen Sinne, aber es geht doch einiges in diese Richtung. Es handelt sich um einen Schlag Menschen, der in diesem Buch auftritt, der eigentlich nichts besonderes wird. Und gerade dadurch ist er doch interessant: Herr Lehmann ist vieles. Er ist pedantisch, liebenswert, zuverlässig, unsicher, arrogant, selbstsicher, und in all diesen Attributen scheint eins hindurch: er weiß eigentlich nicht so recht, wer er eigentlich ist. 'Nix', so heißt die aberwitzige Ablehnungsfloskel, die man immer wieder antrifft. 'Nix' ist es, was diese Leute interessiert, außer sie selbst, und das ist durchaus charmant. Das ist die Hauptbotschaft von Regeners Roman. Die Welt ist eigentlich leer! Es gibt genug, worüber man sich aufregen kann, was man aber auch genausogut lassen könnte. Erst am Ende blitzt etwas von Freundschaft auf, aber die gehört zum Leben dazu, denn alleine sind die Charaktere in diesem Buch nicht, so scheint es zumindest. Letztlich sind sie es aber nun gerade doch. Daß sich der Roman zur Zeit der Wende in Berlin abspielt, merkt man eigentlich kaum, und das paßt exakt zu Regeners eben genannter Hauptaussage. In dieser Hinsicht ist das Buch sehr unterhaltsam, hoch interessant, und es könnte genauso gut heute in einer deutschen Großstadt spielen. Kurz gesagt: wer sich für das heutige Lebensgefühl der noch nicht ganz Alten interessiert, sollte dieses Buch lesen, denn es ist das beste, was in diesem Bereich seit langem geschrieben wurde!


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